Hund und Hasenmasken, helau!

Nur, weil der politische Aschermittwoch digital stattfindet, werden Anlass und Ergebnis des närrischen Treibens nicht lustiger. Mein Fasching in Ebensee – wo ich aufgewachsen bin – war immer sehr viel anregender als Funkenmariechen und Büttenreden, aber auch grausamer.

Erst einmal schauen: https://ooe.orf.at/stories/3090356/ ; https://www.unesco.at/kultur/immaterielles-kulturerbe/oesterreichisches-verzeichnis/detail/article/ebenseer-fetzenzug ; https://de.wikipedia.org/wiki/Fetzenfasching (alle 17.2.2021 – die Übertretungen des Lockdowns sind schon vermerkt. Es gibt auch Videos bei YouTube, mehr als genug)

Dann ergänzen: nur wenn man die Menschen unter ihren Fetzen wirklich erkennt, kann man sie verprügeln und sie für weit oder nahe zurückliegende Untaten, Ehebruch, Gemeinheiten, Rivalitäten bestrafen bzw. bestraft werden. Beim Umzug am Montag waren das Randerscheinungen. Das war eine Art von Be-Reinigung, auch.

Was war daran lustig? Was ist an einem Gottesdienst lustig? Was ist am Rosenmontagsumzug lustig? Die Lust am Ritual ist nicht unbedingt an Fröhlichkeit oder befriedigte Bedürfnisse geknüpft. Als Kinder war schon wichtig, den oder die einen oder anderen hinter ihren Masken und Verkleidungen zu erkennen. Aber wenn der Zug vorbeizog und man war nicht Teil desselben, dann schien es manchmal wie eine Prozession. Heute würde man sagen, wie eine Pestprozession. Man kann auch ethnologisch forschen, der Winter wird ausgetrieben – schwaches Motiv, die abgelegene  Salinenortschaft Ebensee, – schon stärker, weil der Fetzenzug wirklich einmalig ist wie die Basler Fasnacht, das kann man vergleichen.

Ja, und nun laufen heute am katholischen (auch evangelischen) Land noch die Kinder mit dem Aschenkreuz auf der Stirn herum? Eher selten. Die Geschichte des Tags zu Beginn der Fastenzeit der Westkirche ist mäßig spannend, die Geschichte des Fastens schon eher. Und der politische Aschermittwoch ist eine gute Idee gewesen. Mit und ohne Bier. https://de.wikipedia.org/wiki/Politischer_Aschermittwoch/ (17.2.2021)

Woher der Drang kommt, mit erlaubter Rüdität ein Ritual abzuspulen, das zwar wirkliche Konflikte und Gräben sichtbar macht, aber – auch wenn man lacht – keinen Ausweg aufzeigt, weiß ich nicht. Kritik kann schärfer als die heutigen Gemeinheiten sein, auch verletzen, aber nicht dieses entlang einer Gefühlsmauer Schrammen…

Kein Fleisch = nicht dauernd über Corona reden

Kein Fett = nicht dauernd über die Benachteiligung beim Impfen schimpfen

Kein Alkohol = sich über den bescheuerten Herrn Minister n + 1 nur aufregen, wenn er neue Untaten verübt, die alten kommen in den Ablassgraben = Beichtspiegel der Kanzlerin

Kein Zucker = 40 Tage nicht Tatort, Bergretter und Hafenkante schauen

Kein Nikotin = mit klarem Kopf Wölki und seine Brüder verfolgen

Selbstgeißelung = meinen Blog kritisch kommentieren

Bußübungen = das Parteiprogramm der eigenen Partei einmal lesen

Noch mehr Buße = auch das Parteiprogramm anderer Parteien den GenossInnen vorlesen

In der Osterwoche kommt der Gerichtsvollzieher und teilt einem mit, wieviel Bußgeld man für die Missachtung dieser Gebote und Verbote zahlen muss – und zwar an den nächstgelegenen Karnevalsverein. Meine Stunksitzung habe ich hinter mir, leider dieses Jahr kein Fasching im Weltkulturerbe Ebensee. Hinter meiner Maske erkennt ihr den Sauertopf nie, trotz Hund- und Hasenmaske.

Ein Gedanke zu “Hund und Hasenmasken, helau!

  1. Karnevalsumzüge sind für mich spannend, ob im Rheinland oder bei der alemannischen Fastnacht. Die tieferen Hintergründe der alemannischen Fastnacht verstehe oder kenne ich nicht. Beim rheinischen Karneval fasziniert mich, wie dort politische Themen aufgegriffen werden. Es sind spannende Kommentare zum Zeitgeschehen, die oft sehr präzise in ihrer Beschreibung sind.

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