Das Ende von Grün? Neuer Anfang.

Analysen allein bringen uns nicht weiter. Wir müssen nicht nur erklären, warum sich etwas ändert, sondern auch bewusst machen, was wir selbst wollen, um die Wirklichkeit beurteilen zu können.

Konkret: In Österreich sinken die Zustimmungswerte zu den Grünen. Und in Deutschland führt die Debatte um die Energiepolitik zu einer Menge von Unmut, die den strahlenden Spiegel der besten Partei, die wir haben, in Splitter und blinde Flecken bersten lässt, wenigstens teilweise.

Wenn Habeck und andere die AKWs ein paar Monate am Netz lässt, ist das Verrat – am Programm, an den Überzeugungen, an der Glaubwürdigkeit? Und wenn die Antwort korrekt lautet, ja UND nein, dann frage ich, was denn Politik anderes sei als dieses „Und“ immer wieder gegen die Grundüberzeugungen zu stellen und zu prüfen wo man noch handeln kann und soll und wo man sich in die Opposition begeben muss.

Natürlich sind die Energiefrage und die AKW Laufzeit nicht das Ende von Grün.

Aber an diesem kleinen Beispiel kann man sehen, dass wir nicht immer im gleichen Fluss treiben und uns nicht auf die Arché (den Anfang und die Herrschaft) unseres Gründungsprogramms und unserer Überzeugungserfolge berufen können. Gerade wenn wir keine „Realpolitik“ wollen, müssen wir realistisch sein, und das heißt in der Politik über die Gegebenheiten hinauszudenken und tätig zu sein. Denn gerade das, was wirklich gelungen ist, erzeugt neue Widersprüche und wiederholt nicht die alten.

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Ich schreibe das anlässlich des faschistischen Vormarschs in ganz Europa. Der macht zurecht und drängend unsicher. Wie wenig (oder schon viel?) bedarf es, um aus der gefestigten Demokratie eine volatile, unterwerfungswillige Mehrheit oder große Minderheit zu schaffen? Die Leichtfertigkeit der Meinungsdiktatur wirft um eines, gerade aktuellen, Aspekts willen eine ganze demokratische Struktur um (Italien, Schweden sind nur Beispiele), und wenn sich Nationalismus mit Religion oder Spielen paart, ist die Reduktion des Brotes sekundär.

Und da waren und sind die Grünen gegen die traditionellen und etablierten Parteien angetreten, um aus der Programmeinung in den ständig erneuerbaren Diskurs zu treten – und zwar erfolgreich auch dort, wo sie keine unmittelbaren Erfolge hatten oder wirkliche Opposition sind und waren. Dass dies angesichts der Größe und des Wachstums der Partei z.B. in Deutschland oder Österreich nicht mehr ausgedeutet und analysiert Parteitage bestimmt, ist verständlich, wenn auch schade. Regierungsdisziplin ist etwas altmodisches, manchmal.

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Wir sind im Krieg. Und wir drohen die Abwendung des 1,5° Ziels im Klimakampf zu verlieren. Also das Ende der europäischen Zivilisation, wenn der Krieg der Diktatur Russland so weiter geht, als Vorläufer eines Endes der Menschheit? Ich schreibe das weder pathetisch noch ironisch. Das IST die realistische Ansicht gegen alle realpolitischen Kompromisse. Diese Ansicht muss und kann man vielleicht nicht teilen. Aber sie mehr als eine Meinung, weil sie z.B. große praktische Folgen für Wirtschaft und Kultur hat.

2 Gedanken zu “Das Ende von Grün? Neuer Anfang.

  1. Es stimmt zu 100%. Fadchismus bekämpft man nicht mit dem Festhalten an Positionen im Grundsatzprogramm. Wie heißt der Schwur von BUchenwald? Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus. Und Putin ist ein Faschist.

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