Nicht nur um der AfD zu schaden, werden im Bundestag die Strafen für unziemliches Verhalten erhöht. Wir wollen ordentlich untergehen.
Die Kommentare weltweit überschlagen sich, die Bidenpleite wird schon wieder überwuchert von der Macronpleite, Orban darf die EU anführen, die Faschisten in Holland beginnen zu regieren und Ronaldo verschießt einen Elfmeter. Endzeiten allenthalben.
Der Spott über das Vogelstraussverhalten ist uralt, aber es endet nicht damit: man muss das alles nicht wahrnehmen, es gäbe ja noch viel mehr Ärgernisse auf der Erdoberfläche. Was aber, wenn man sich eine Alternative einfallen ließe, nicht im virtuellen Raum, sondern real. Verhaltenswiderstand, es wird nicht gegrüßt, geantwortet, kommuniziert. Salzsäulenverhalten…nur, wen grenzen wir nicht aus? Weil natürlich die misstrauische Lebensführung vom Verrat der Nächsten getragen wird, Parteifreunde wie Ehepartner sind da nicht ausgenommen, alles lügt, – ja, man selbst auch.
Gemessen an unserer kurzen Lebensdauer und sehr beschränkten Zukunft wäre ja ein drogengeführtes Leben ohne die Möglichkeiten, die Folgen von irgendetwas zu bedenken und auf sich zu beziehen, ein Ausweg, von dem ich annehme, dass viele ihn ohnedies beschreiten. Ernsthafte philosophische und religiöse Einwände dagegen gibt es nicht, allenfalls praktische, wenn nicht mehr produziert wird, womit wir leben wollen und können. Ich hatte eine Droge früher genannt, Empathielosigkeit, die offenbar Politiker und Mitglieder der wohlhabenden Elite genauso süchtig macht wie die Menschen, die ich Pöbel genannt habe, wofür ich kritisiert wurde, weil es ja un-menschlich ist, zum Pöbel und nicht zur Gesellschaft zu gehören. Okay, dann sind am Rand der Gesellschaft die Empathielosen quer durch alle Klassen und Reviere die schon halb der Zukunft entzogenen, betäubten Zeitgenossen, Vogel Strauß als Crack, Fentanyl und Bocksbier.
Das ist alles eine verwirrende Umschreibung eines Allgemeinplatzes, der nur halb richtig wirkt: Augen auf! Aber was man sieht, hört, wahrnimmt muss nicht Empathie, Solidarität, Aktivität auslösen, – das nehmen wir ja immer wahr. Ob es zunimmt? Ich weiß nicht.
Was gehts mich an? Die Antwort darauf lenkt die offenen Augen oft auch darauf, was auf uns zurückwirkt, gerade wenn es uns scheinbar nichts angeht. Darunter leiden die meisten, die offenen Auges die absteigende Wirklichkeit wahrnehmen, und wenn sie als Reaktion diese Wahrnehmung ablegen, dann kommen nicht nur Orban oder Putin zum Vorschein. Den Vergleich habt ihr nicht erwartet?! Klar, wenn die Empathielosen nicht dauernd bestärkt und gewählt würden, wenn man nicht auswiche dem nächsten Handgriff…mit oder ohne Begründung. Im Wienerischen: Es muaß wos gschehn … kannst eh nix machen.
Handeln, aktiv bleiben angesichts der unbewältigten Vielzahl der Probleme, das gibt es seit Anbeginn unserer Zivilisation, wir haben es bei Ovid, bei Camus, und bei vielen Frauen und Männern bis in die Schulbücher hinein gelernt, aber wenn man eh nichts machen kann, dann lassen wir es halt. Das wird schon in den nächsten Generationen zu ganz anderen Zweifeln an der Wirklichkeit führen als wir begünstigte Generation Europas kennen.
Werte Leserinnen und Leser: wie komme ich zu einer solchen Überlegung, gerade heute? Die Antwort: einmal die Nachrichten bis zum Ende genau anhören. Ich habs heute ausgehalten und mir gedacht, dass man neoliberale Wohlstandsforderungen und den Schrecken der weltweiten Destruktion und Kriege und die Abkehr vom schlechten Benehmen nicht alle in einer Tonart präsentieren darf, wenn man … ja was? wenn man handeln möchte oder wenn man etwas tut?
Seit längerem verfolge ich zwei Prinzipien: das der Gleichzeitigkeit und das der Resilienz gegen bloß reagierende Aufforderungen zur Politik. Es ist das alles gleichzeitig und das schließt meine, unsere Resilienz und unsere Ruhepausen und Aktivitäten ein, und nichts wird beim Aufwachen weniger. Was kein schlechtes Argument gegen die Droge der Empathielosigkeit ist, weil die Wirklichkeit nach jedem Wegschauen ein Stück gewachsen ist und um die Ecke schaut.