Polizei: bitte sei dazu still.

Als ob die deutsche Polizei nicht genug mit ihren rechtsradikalen Nestern und prekären Verhaltensweisen zu tun hätte. Jetzt äußert sich der ansonsten zu Recht unbekannte Präsident der Bundespolizei, ausländerfeindlich, asylrechtsfeindlich und – wenig intelligent, was dann auch wieder nicht verwundert:

„https://www.tagesschau.de/inland/abschiebungen-rueckgang-101.html:       „
…Die Bundespolizei spricht von einer „Stagnation der Rückführungszahlen“ und nennt als Grund „ein erhebliches Maß“ an stornierten Abschiebungen durch die Bundesländer.
Bundespolizeipräsident Dieter Romann sieht deren Rolle kritisch: Die Bundesländer stellten zu wenige Abschiebehaftplätze zur Verfügung. „Gemessen an den rund 248.000 ausreisepflichtigen Drittstaatsangehörigen sind die 577 Abschiebehaftplätze, die es in den Ländern gibt, viel zu wenig“, sagte Romann den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

Dazu ein Bild:

Ein gefesselter Mann wird auf dem Frankfurter Flughafen zu einem Abschiebeflug nach Afghanistan gebracht.

Abgelehnte Asylbewerber häufig geduldet….“

Soweit der Ausschnitt aus dem Artikel bei der Tagesschau. Abgesehen davon, dass Polizisten sich der Politikerschelte dort enthalten sollten, wo sie ausführende Organe („Exekutive“) sind, redet Romann rechts- und menschenverachtenden Unsinn. Dass gerade die Duldung der abgelehnten Asylbewerber auf rechtsstaatlichen und humanitären Grundlagen unserer Gesellschaft beruht, macht u.a. den Unterschied zu Regimen wie dem ungarischen aus. Dass man gerade einen gefesselten Afghanen zeigt, ist aber auch ein Zeichen für die geradezu blödsinnige Ignoranz unserer Behörden gegenüber den wirklichen Zuständen in dem von uns mit „befriedeten“ Land. Nun ist Herr Romann die Spitze eines Eisbergs, der besser gesellschaftlichen Distanz als weiterer umworbener Integration bedürftig ist. Er spricht dem populistischen Popanz der Reinigung des Landers von unerwünschten Personen aus der Seele, und leider auch für 25% der Bevölkerung, die es auf diese Weise nie zum Volk schaffen wird, von dem das Recht ausgeht.

• Wir müssen ein Jahr beschließen, das zeigt, wie falsch und unaufrichtig unsere Flüchtlingspolitik ist, obwohl wir „besser“ als viele EU Staaten sind und obwohl wir tatsächlich sehr viel dafür zahlen, besser als die meisten dieser Staaten zu sein. (Wir zahlen mehr, weil wir das können).
„Besser“ heißt natürlich auch, dass unser Rechtsstaat noch besser intakt ist als der mancher illiberaler Demokratien oder neuer autoritärer Staaten; intakt trotz der populistischen Vorfeld Instanzen, und da ist keineswegs nur der Innenminister, da sind die Sicherheitsorgane, Geheimdienste, und ganz viele staatliche Instanzen, denen die Zustimmung der fatalen 25% wichtiger ist als ihre übertragene Aufgabe staatlicher Leistungen für das ganze Volk. (Ein Beispiel, das nichts mit Flüchtlingen zu tun hat: der Minister B. Scheuer lehnt Geschwindigkeitsbegrenzungen u.a. mit dem Argument ab, dass die Mehrheit der Bevölkerung dem wohl nicht zustimmen würde…da sind wir nicht weit von der Wiedereinführung der Todesstrafe, wenn nur 51% der Bevölkerung die halt mal an einem Montagmorgen gern wieder hätten. Gemein, gell, so mit dem Volkswillen zu spielen?). Zurück zu den Flüchtlingen. Ich wiederhole den gestrigen Blog: Habeck hat Recht. Holt wenigstens die Kinder raus aus den Flüchtlingslagern. Darin kann man übrigens auch messen, um wieviel besser unser Rechtsstaat ist als der in andern Ländern. (Und dass die Kirchen und andere humanitäre Organisationen Habecks Forderung unterstützen, sollte den Christlein im Lande zu denken geben).
Aber fast noch wichtiger ist mir zu untersuchen, warum es eine Reihe von EU-Ländern gibt (und solche außerhalb der EU), die eine so unmenschliche Asyl- und Flüchtlingspolitik betreiben. Ihr Argument, von Trump über Orban bis Erdögan, ist zuvörderst die nationale Sicherheit, eng gekoppelt an eine Identität, die vom Wortlaut her meist als faschistisch bezeichnet werden muss. Dass das z.B. in vielen östlichen EU-Staaten etwas mit der stalinistischen Nachkriegsordnung zu tun hat, auch und insbesondere in der DDR, haben wir schon 1989 gewusst, aber zu wenig beachtet. Dass das Nationale die unterdrückte Nationalstaatlichkeit ersetzen, kompensieren sollte, haben wir auch gewusst, aber versucht, wegzukaufen. Dass Flüchtlinge eine Leerstelle demokratischen und republikanischen Bewusstseins besetzen, so wie früher und teilweise auch heute jüdische Menschen, hätten wir spätestens 2014 wissen können, aber das ist ein heikles Feld, für viele zu heikel.
Unsere deutsche und eurowestliche Mitschuld an der miserablen Entwicklung des rechten Populismus, der sich oft mit so genanntem linken Populismus (zB. vor zwei Jahren: Sarah Wagenknecht-Frauke Petry) trifft, muss ein Thema sein. So, wie die Wiederaufnahme der post-kolonialen Debatte unabweisbar wird, und langsam in die Gänge kommt, so sollte auch bei uns die Aufarbeitung der Zeit nach 1989 sich aus dem infantilen Ost-West-Geplänkel in etwas rationalere und kritische Ebenen bewegen (Ein Beispiel, dass und wie das versucht wird, ist Ines Geipels “Umkämpfte Zone“, 2019, wobei es da nicht explizit um Flüchtlinge geht, aber die ganze Identitäts-Rhetorik auf den Prüfstand gestellt wird, und die Grenze zwischen dem öffentlichen und dem privaten Beschweigen konkret wird). Diese Art von Schuldbearbeitung unterscheidet sich von der Schuldzuweisung an die alten und neuen Diktaturen. Aber eben diese Differenz kann dazu führen, dass wir es besser machen: Ende der Abschiebung, Aufnahme der Kinder (was spricht dagegen Vorbild zu sein), Revision der Innenpolitik.

Verlogener Realismus

Da fahren sie in die Türkei. Dort sitzen hunderte oder tausende politischer Demokraten im Gefängnis, aber das türkische Militär vertreibt wertvolle Waffen und vor allem: die Türkei unterstützt die NATO angeblich so, wie es z.B. NATO-Partner aus der EU nicht können. Trump aber ist kein weißer Elefant, sondern ein Gewaltherrscher, neben vielen seinesgleichen, der eben mit den NATO Vertretern verhandelt, zu seinen Gunsten, weil die ja nicht so stark sind, und besser mit den USA als mit Russland. Da ist schon etwas dran.

Eigentlich weiß man das alles, aber das Peacewashing und die Unterwerfung unter diktatorische Verbündete ist ja nichts neues. Man kann auch lernen. Meloni, eine offene Faschistin und europäische Verbündete auf manchen Feldern, hat Trump anscheinend zum Einlenken gebracht, klüger als die meisten Regierungshelden Europas. Was kommt da aus den heutigen Beratungen heraus? Wir wissen es nicht, und die Prognosen taugen, wie häufig, auch diesmal wahrscheinlich nichts. Außer dass Trump private Geldgeschäfte wahrscheinlich erfolgreich verhandelt. Mich interessiert das nicht spontan, sondern aus einer gefestigten Rückschau, vielleicht morgen. ABER mich interessiert, wie die europäischen Demokratien, wie wir auf den Diktator reagieren. Von unten, bitte keine Selbstüberschätzung. Man kann in ihn noch so hineinkriechen, wie Mark Rutte, oder sich unabhängig gerieren oder gar widersprechen, das alles berührt den Diktator nicht wirklich. Er ist nicht wie unsereins. Das ist auch Xi nicht, das ist auch Putin nicht, aber wir sind ja von Trump abhängig. Sagen wir: weitgehend, nicht vollständig. Es reicht.

Eine Alltagsempfehlung: Dirk Kurbjuweit hat im SPIEGEL #28/3.7.2026, unter „Jeffersons Fluch“ eine komplexe Gratulation zu 250 Jahren Demokratie aus den USA und den Problemen mit dieser Demokratie geschrieben. Das ist historisch und kulturgeschichtlich, auch weltpolitisch ok, aber mich hat dabei etwas besonders wach gemacht: dass der Autor die Demokratie von Anfang an als komplexes und nicht stabiles Gebilde beschrieben hat, und dass wir uns zwar darauf kritisch einstellen sollen und uns nicht darauf verlassen, aber jedenfalls nicht wundern oder resignieren sollten. Immerhin ein paar Seiten Aufklärung statt Unterwerfung.

In einem Moment des globalen Zerfalls bisheriger Strukturen, nicht eines Zerfalls der Welt, ist es sinnvoll, darüber nachzudenken, wie man mit den Trümmern umgeht. Das setzt mehr als politische Entscheidungen der Regierungen voraus, da sind auch die Bürgerinnen und Bürger gefragt, die ja schon mitmachen müssen, um sich die demokratischen Regierungen richtig zu stabilisieren…Das bedeutet nicht nicht einfach Aktivität von „unten“, weil ja die Regierungen nicht automatisch „oben“ sind. (Da kann man übrigens einiges aus den USA lernen). Aber es bedeutet hingegen, dass wir uns verständigen sollten, worüber wir uns politisch aktivieren und formen. Diese Diskussion, anstatt der Konfrontation von Meinungen, ist wirklich relevant und immer aktuell. Das klingt fast zu einfach, ist aber nicht trivial.

Schule, Rente, Ökologie – kann man die drei mit der Landesverteidigung verbinden? Ich denke, wir müssen das. Der politökonomische „Rest“ ist kein Rest, sondern eine politische und kulturelle Umwelt, und all das zusammen kann und soll die Ökonomie reformieren, und nicht umgekehrt, wie die Zwergenwirtschaft der O,8 Regierung es gerade angeht. Landesverteidigung, Militär, ja, wie es sein muss und kann, ist nicht schwierig zu bedenken, aber WIE? Und da kann man keine falschen Dualitäten, wie Krieg und Frieden, rechts und links, einsetzen. Das setzt schon politische Diskurse voraus, in die wir uns einbringen müssen, anstatt sie beobachtend zu kritisieren. Wie bringen wir uns ein? Praktisch, handelnd. Das schließt ja nachdenken und lernen und probieren nicht aus…auch das klingt trivial, ist es aber nicht. Anstrengend, mühsam, gegebenenfalls zahlen wir dafür oder drauf. Und dass es uns „einschränkt“ ist sowieos klar, aber auch, wenn wir nichts tun und rechts-schaffenden Regierungen einfach handeln lassen.

Zurück zur NATO, zur Türkei, zu Meloni, zur EU…es macht Sinn, über die Ereignisse nachzudenken, manchmal auch zu reden. Aber wozu? – die Antwort macht auch Sinn. Lest die Süddeutsche von heute, 9.7., Seite 2.

Aufschub durch Lächerlichkeit

Der Abstieg Europas ist natürlich nicht spontan, die Länder Afrikas, Asiens, Lateinamerikas strecken sich in die Zukunft, China hat schon gegen die USA gewonnen, wer weiß, wie lange, andere wachsen und stärken sich…Weltgeschichte war und ist kompliziert, die Vereinfachung ist nicht nur eine Schwäche, sondern ein Abweg aus der Wirklichkeit.

Das kann man genauer und im Detail nachprüfen, es gehört zur Grundbildung, zur Kultur, zum eigenen Beruf…mache ich hier nicht, aber: ich frage mich, wie die sub-minimale Politik der deutschen Regierung innerhalb der schwachen EU den Abstieg noch weiter garniert. Weil es keine Alternative gibt, zur Zeit, verachte oder verdamme ich diese Regierung nicht, deshalb trifft meine Kritik ihre Entscheidungen, nicht so sehr den Rahmen in dem Merz&Co handeln. Die absurde Vernachlässigung von Umwelt, Kultur und Sozialem durch das Programm des Wirtschaftswachstums lässt sich leicht widerlegen, auch durch Einzelaspekte wie Bevölkerungswachstum, Zuwachs an nicht-deutscher Einwanderung von Menschen, Asyl, Abschwächung der Kreativität, Sieg der großen und kleinen Lobbies etc. Weil das evident ist und keine kritische Erfindung von Minderheiten, mache ich hier nicht weiter, das könnt ihr überall – fast überall – belegen und belesen. Ich leide eher, oder fühle mich bedrängt, durch die Lächerlichkeit der Herrschaft auch dort, wo sie vernünftig agieren könnte, von den Menschen unterstützt, also nicht vom „Volk“ etc. Das ist ein Aufriss gesellschaftlicher Bildung. Nicht nur Sozialisation, nein, Bildung – nehmen wir den Begriff aus der deutschen Geschichte heraus, verallgemeinern wir ihn zur Aufklärung hin, also auch gegen Religion, Aberglauben, Schicksal und alle möglichen Weltzyklen, die immer nur die eigenen Schwächen der „Natur“ zuschreiben (das war nicht nur zu Beginn des 20. Jahrhunderts so…man kann auch Oswald Spengler oder Rudolf Steiner aufrufen, mit komplizierten, aber nie ungebildeten Sackgassen). Für mich bedeutet das, dass es nie aufhört, aufgeklärt die Wirklichkeit zu analysieren, und auch die gefährlichen Abgründe und nicht nur die aufgeklärte Erkenntnis wahrzunehmen. Dieses letzte Wort ist mir wichtig: was in der Geschichte, Politik, Kultur….„wahr“ sein kann, um zur Praxis zu leiten – das bedeutet schon, dass man sich selbst anstrengen muss und eben nicht die Algorithmen für einen selbst agieren lässt. Und, paradox?, mir fehlt das bei der bloßen Ansicht der Politik in unserem Land, auch anderswo. Was heißt, es fehlt? Dass ich nicht weiterkomme, Wahrnehmung ohne Ausgang. Kompliziert? Beispiel: die Politik, aber vor allem der Diskurs zum Telefonverbot der Krankmeldung und zur Verordnung des Praxisbesuchs…Man kann hier schon die Gründe für das jetzige Misstrauen aufzählen, aber leider tut man das nicht, und deshalb ist der Akt einer des Misstrauens und keiner der konkreten Kritik; er befestigt die Misstrauenskultur anstatt den wirklich krankleidenden Menschen zu vertrauen – und den MontagsFreitagsSonstigen Betrügern mit ablehnender Haltung zu begegnen. Karikatur von Teresa Habild in der SZ von heute. Nur eines von vielen Beispielen, die ja eigentlich darauf hinauslaufen, dass die Regierenden den Menschen der Gesellschaft grundsätzlich misstrauen. Darauf kann keine Demokratie stabil stehen. Und das hat auch mit Bildung zu tun.

Das Lächerliche und das Grandiose

Natürlich wirkt die Hingabe von Brot und Spielen nach wie vor, wie im Römischen Reich. Die Hochzeit von Taylor Swift mit tausend (1000) Gästen sticht den Abschluss der US 250-Jahrfeier aus, und leider sehe ich im Trumpjubiläum eher das Lächerliche, und bei Taylor Swift das Grandiose. Aber deas bin ja nur ich, und brauche Brot uns Spiele nicht, darf den Gauner Infantino mit seinem Trump-hörigen Betrug an der roten Karte so bezeichnen und mich den wichtigeren Ereignissen der Weltgeschichte zuwenden.

Ich gebe zu: das ist die Arroganz derer, die Brot und Spiele nicht brauchen und sie auch nur distanziert kommentieren können. Und sage nicht: na und? sondern schau mir die Weltnachrichten, global und lokal, genauer an. Da spielen bei de Ereignisse kaum eine Rolle. Trump spaltet sein Land weiter, und es wird nicht zusammenwachsen, weil die laufenden Weltkriege schon keine Einigkeit herstellen. Wenn man sich, zu Recht, von den iranischen Diktatoren wegwendet, dann kann man doch den amerikanisch-israelischen Angriff nicht gtutheissen, zumal ja die USA den Iran vor mehr als 70 (!) Jahren so mitbegründet hatten und Israel meint, nicht verhandeln zu brauchen, um das Kriegsmoment des Iran zu reduzieren. Ich erinnere mich an die Schah- und Soraya-Feiern der europäischen Kultur, die lächerlich und pathetisch zugleich waren (ungute Erinnerungen an die W§ahrnehmung innerhalb von Bekannten usw.), und unseren Widerstand anheizten, der sich nach dem Übergang spätestens bei Chomenei wieder aufbaute. Die Erdöl getränkten Konflikte der beteiligten Staaten sind eben auch beides, lächerlich und pathetisch. (Für mich sind sie auch Keimzellen des Dritten Weltkriegs, der wird nur „anders“ verlaufen als WK I und WK II, aber er zeichnet sich ab). Israel wird auch lange Zeit nicht mehr so sein wie vorher, und dieses Vorher wird ein kritischer Maßstab zu sein haben; naja, das ist nur der Vorhof zur Beachtung von Trumps Zerstörung von Demokratie und Kultur, gestern noch besänftigt durch Brot und Spiele, heute wieder totalitär und asozial. Demokratie UND Kultur, wie überall, nicht zu trennen, wenn es für die und mit den Menschen weiter gehen soll. Im Dreieck mit der Natur& Umwelt können nur Kultur und Soziales die Demokratie und die Wirtschaft gestalten, nicht umgekehrt (wie die deutsche Regierung täglich predigt). Der Kampf gegen die Kultur sieht lächerlich aus, ist nicht pathetisch, sondern innerhalb der kapitalistischen Begradigung „normal“ (Gestern Weidel und Konsorten, die sind ja medial „normal“ geworden, doch grandios, doch lächerlich, und brandgefährlich). Das alles hängt konkret zusammen, und dagegen wenden sich Brot&Spiel -Politiker. Für alle diese sind Brot&Spiele „normal“, und deshalb dürfen sie es für uns nicht sein. Was folgt daraus, wie soll der Widerstand gestaltet werden? Natürlich nicht auf der Bühne, sondern im Leben, im Alltag. Dann wird sich zeigen, dass der Widerstand gegen Brot und Spiele, sei er auch lächerlich, sei er…pathetisch, das müssen wir tragen, dass dieser Widerstand nicht einfach den Führern gilt, sondern auch ihren Wählerinnen und Wählern, und das heißt Vor Ort, lokal, alltäglich und selbst glaubwürdig. Also müssen wir gegen die Radikalen, auch gegen Faschisten und Mitläufer, die NORMALITÄT wieder für uns herstellen, und nicht aus der Ausnahmesituation den normalen Entwicklungen der Rechten machtlos zuschauen. Dazu rücken Unterschiede zwischen den Bündnispartnern ein wenig in den Hintergrund, das ist nicht lächerlich.

Lest noch einmal oben. Taylor Swift vs. Trump. Nicht dass, sondern WIE wir aufmerksam werden, darauf kommt es auch an.

Deutsches Türkeibündnis

Viele NATO Mitglieder kriechen den Diktatoren oder Demokratiefeinden in den Trump (oder bisweilen Putin), nur damit das Bündnis erhalten bleibt. Von den nichtdemokratischen NATO Mitgliedern ist die Türkei die stärkste Diktatur, aber natürlich gibt es kaum Kritik am Urlaubsland, denn die Türken verteidigen ja die Freiheit, der USA, Europas etc. Jetzt wird man sich dort treffen und seit Tagen demonstriert der türkische Diktator, wie man so ein Treffen zum Vernichten seiner innenpolitischen Gegner benutzen kann, auch heute news.ORF.at.

Das kann man jeden Tag nachlesen und seit mehreren Jahren hilft der Westen, die NATO und Teile der EU dem türkischen Diktator. Was man meistens nicht weiß oder verdrängt, Deutschland hat vor Jahrzehnten mit-verhindert, dass die Türkei Mitglied der EU wurde. Vgl. kursorisch Beitrittsverhandlungen der Türkei mit der Europäischen Union – Wikipedia, aber die Details sind natürlich wichtig.

Es gibt in der EU auch Faschisten. Aber es ist etwas besonderes, die wichtige militärische und politische Macht Türkei fast zur Gegnerschaft gedrängt zu haben und sich doch mit ihr zu verbinden. „Wir“ kämpfen ja nicht dort und so.

Nun kann ich viele ähnliche Beispiele, aber kein so großes und schwergewichtiges, nennen. Was mir zuwider ist, wie wenig die deutsche Außen- und Verteidigungpolitik unsere anfängliche Abneigungen gegen offiziellen Aufnahmepartner reflektiert und sich über den politischen und kulturellen Hintergrund ehrlich macht.

Sprich Gegen-Sätze

Ich könnte ausflippen. Die neoliberale, unternehmer-orientierte, asoziale Politik, vor allem der minderheitlichen neuen Faschisten in der CSU, obwohl manche von denen nur wirklich blöd sind, o,8, wie ich sage, geht es hier nicht um eine faschistische Regierung, vielmehr um die kaum mehr erwartete Normalitäterä einer konservativen Regierung mit einem unappetitlichen rechten Rand. Währenddessen ranzt sich Wagenknecht an die Weidel ran, was echte Faschisten nicht so gern akzeptieren, aber vielleicht wird sie, die Weidel, es brauchen. Nein, dass die CSU, die CDU überwiegend und die SPD Spitze, gegen die Faschisten von der AfD sind, ist taktisch, um Atem zu holen gegen den kaum mehr verhüllten Retrokapitalismus. Sagt nur niemand so. Und ich werde einmal versuchen, den Begriff Faschismus in den Hintergrund zu rücken, denn darüber zu räsonnieren, ist ja nicht unmittelbar politisch.

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Worüber soll man schreiben, wenn die Hitze gerade vorüber ist, die Fußballer abgemeiert zu Hause sind und die Regierung die schlechte Unendlichkeit der Selbstminimierung weiter betreibt? Es bleiben einem doch etliche Felder, Kultur, Wetter, Umwelt, aber vor allem die Anknüpfung an Dialog, an „Kommunikation„. Und über diese Felder gehe ich ganz gerne, anstatt Ihnen, werte LeserInnen, klar zu machen, wie Hormus und der Aktienkurs und der VW Abbau zusammenhängen.

Im Frühsommer schlittert unser Land in eine fatale Nähe der extrem normalisierten AfD. So konzentriert sind die Meinungen dazu, dass die Umwelt gar nicht mehr vorkommt, deren Handhabung ja von den Rechten und denn Wachstumsfetischisten und Ökonomieschwurblern gar nicht mehr ernst genommen wird. Obwohl Felsbrüche, Steinlawinen, Gletscherbrüche in den Alpen auch normal geworden sind. So einfach sind etliche Aufstiege nicht mehr zu bewältigen, was im Übrigen mich und uns auch belastet, einschließlich der Erfahrung, welchen Pfad man plötzlich nicht mehr steigen kann und darf. Das bedeutet natürlich für die Umweltfeinde, die sich als Politikprofis verkleiden, dass sie auch für eine andere Art der „Kultur“ stehen, eine, die scheinbar geschmackvoll die Massen anzieht, aber weder sättigt noch wirklich schmeckt. Das Verhältnis von Kultur und Umwelt ist ja komplex zerbrochen, weil es nie bruchlos zusammen war: das hat unsere Beziehung zu Kultur in der Natur und natürlicher Kultur ja geprägt, und da sperren sich die Konservativen und die rechten Retros dagegen, weil sie den Raum der Entwicklung von kritischer Kultur einengen (müssen), und wir ihn erweitern (wollen), damit auch neues und unerwartetes seine Plätze bekommt. Wir wollen ja auch überrascht und nicht nur bestätigt werden.

Das klingt ein wenig abstrakt, ich weiß. Aber wenn man die Auswirkungen der neoliberalen Ökodiktatur vorwegnimmt, ist das nicht so weit weg von der Wirklichkeit. Ein Beispiel, als Vergleich. In der Natur kennen die jungen Menschen bestimmte Tiere und Pflanzen und Erscheinungen nicht mehr, sie werden im Alltag nicht mehr erwähnt, und dass ihr Fehlen glyphosatisch ist, kann sie ja nicht beschreiben. In der Kultur ist das gewaltsame Ausblenden des unabgeschlossenen, produktiven und noch nicht festgelegten Rahmens so ähnlich, wenn wir nicht mehr die Freiheit haben, uns auch mit dem noch nicht gelungenen Experiment zu befassen, weil wir auf dem Sockel der festgezurrten Herrschaft stehen müssen. Sagt jemand: aber das muss ja nicht so kommen. Sage ich: aber wenn es kommt, ist es zu spät, und überall wird an der Kultur gekürzt, weil das 0, 8 Hirn gar nicht anders kann als die Kultur zu ignorieren, wenn sie ja kritisch sein kann. Täuscht euch nicht über die nicht nur rechtsradikalen, auch dogmatischen, religiösen, auch linken Eingriffe in die nach vornehin – zukünftig – offene Kultur. Täuscht euch nicht über die nicht nur rechtsradikalen, auch dogmatischen, religiösen, auch linken Eingriffe in die nach vornehin – zukünftig – offene Kultur.

Die neue

Erschöpfung, kreativ

Man schreibt immer immer über das Gleiche, sechs oder sieben Themen, die sich abwechseln, einmal in der Reihe, einmal durcheinander, und wer die Blogs regelmäßig liest, fragt sich, warum ich nicht mehr Variationen einbringe. Falsch. Es sind mehr Themen, viel mehr, aber sie laufen zusammen, das ist die Wirklichkeit, über die ich blogge…Aber wenn ich über Israel und Palästina und das Judentum schreibe, oder wenn ich Korruption und Fahrlässigkeit kritisiere, oder wenn es um Umwelt geht, dann ist auch für mich spannend, wie die kleinen und kleinsten Variationen der Interpretation sich darstellen, wenn die schlechte Unendlichkeit der dauernd, übermäßigen Wiederholung sich schon kaum mehr lesen lässt. Schlechte Unendlichkeit, das ist die Gegenwart der Menschen ohne Hoffnung, ohne Zukunft, manchmal der Faschisten, oft der oberflächlichen Dünnköpfe. Sich da heraus zu begeben, ist mühsam, und ehrlich: ich bin zunehmend erschöpft. Weil es nicht darum geht, dass mir zu Trump oder Putin oder zum Klima nicht noch etwas einfällt, sondern was es ist, das euch Leserinnen und Leser aufweckt, animiert oder bewegt.

Zu vielen dieser Statements gehört auch, dass ich, wenn sie das erste Mal als veröffentlichten Blog selbst lese, sofort weitere Gedanken, Veränderungen, auch Kritik und Verbesserungen andenke, und bisweilen auch eintrage, aber meist schon am nächsten Schritt, also Blog lande. Und da komme ich zu meiner Erschöpfung. Die langweilige dauernde wiederholte fast schon wiederholte Einsicht in weltpolitische oder lokale Wirklichkeiten, die ja immer mehr sind als Ereignisse, erschöpfen – und machen das Paradox der schöpferischen Weiterentwicklung. Einschließlich einmal längere Zeit über bestimmte Personen oder Ereignisse NICHTS zu schreiben, sollen sie noch so am Tagesablauf brennen: der Tagesablauf ist eben oft schlechte Unendlichkeit. Anders gesagt: was fällt mir zu Putin oder Trump oder Netanjahu oder zur Hamas noch ein? Dieses NOCH hält mich am Schreiben.

Ich habe das vor einiger Zeit in einem Buch versucht: – Flanieren im Mythos – Sexualität und Gewalt, edition splitter,  Wien 2023,  € 26,00 . Es verkauft sich nicht gut, weil man es nur beim Verlag und bei mir bekommt. Darum geht es jetzt nicht. Wichtiger ist, dass die Wahrnehmung der Wirklichkeit nicht journalistisch ist und nicht politisch, sondern intellektuell und persönlich reflektiert wird. Der Reflex führt zurück in die Kultur. (PS: Ihr könnt das Buch v.a. in Deutschland direkt bei mir bestellen, über die Buchhandlungen dauert es länger und ist teurer).

Ich denke, ihr könnt das jetzt im Sommer gut vertragen, dass ich erst in ein paar Tagen wieder zu den Ereignissen und Personen zurückkehre, denen ich durch meinen Blog ja Überleben sichere, ihre Vergänglichkeit etwas umbaue…

P.S. Nicht nur zur Politik: was soll ich heute zum herrlichen Sommerwetter, zum blauen Himmel, den Bienen auf meinem Balkon, der erträglichen Literatur noch schreiben? Mein Gewitter kommt schon wieder, keine Angst.

Der Herbst des Sommers

Langsam werden die Tage kürzer, die Abende und Nächte länger, langsam, noch sind die Abende hell, und es ist heiß. Selbst schlichte Gemüther sehen die Höchsttemperaturen als Ergebnis des Klimawandels – natürlich nicht die 0,8 Bundesregierung, die gerne aufwärmt, damit man gar keine Klimapolitik mehr braucht, aber ich rede von ernsten Menschen, und habe ohnedies heute ein anderes Thema. Übrigens: Merz schwitzt angeblich nicht. Also zurück zum Sommer. Ich erinnere mich an die kurzen Wanderungen von der Wohnung zur Bootshütte, aus der konnte ich hinausschwimmen, der See war sehr kühl, und draußen war es sehr heiß, und die Tage wurden oft endlos, wenn wir neben der Bootshütte langsam älter wurden und sich die Haut dunkelte. Dass irgendwann der Herbst doch käme, zeichnete sich nicht einmal im Bewusstsein ab, jeder heiße Tag, bis zum erhofften Gewitter kurz vor derm Abendessen, zog sich ereignisarm dahin, was aber bedeutete, dass man über alles mögliche nachdenken und reden konnte, wenn man nicht schwamm oder langsam älter wurde. Es mussten diesen Tagen schon Ereignisse in die Quere kommen, dass sie anders abliefen (aus dem Gedächtnis haben sich Regenstunden und -wochen völlig absentiert, gab es einfach nicht). Warum ich das heute erinnere? 30° war schon heiß, der See war im Juli noch kühl, ich war jung. Ich denke an die Jahrzehnte, in denen ich immer weniger den Fakten, den Berichten und den Mythen der Klimaänderung ausweichen konnte, später wollte, und wenn ich heute zurückdenke, bin ich – ernsthaft, nicht ironisch – enttäuscht. Selbst Sommerhardware ist anders, wenn schon die Software so abgestiegen ist: keine Insekten, geht ja noch, keine Schmetterlinge, geht nicht mehr, keine spürbare Gewalt gegen die Verfechter der Pflanzenvergiftung, nicht nur Bayer als Vorreiter, … es ist Unsinn zu sagen, dass „alles schlechter“ geworden sei, auch wenn alles schlechter geworden ist, weil ja wirklich spannend ist, woran ich mich erinnere, und was ich schon meinen Enkelinnen vieles nicht mehr zeigen, sondern nur beschreiben kann. „Alles“ ist so unsinnig wie der Vergleich „schlechter“ oder eben „besser“… Das gab es früher natürlich auch, nur nicht umfassend, und ohne die absonderliche Gewissheit einer nicht umkehrbaren Klimazukunft. Was andere Verhaltensweisen und Diskurse bewegte als heute. Darüber kann man nachdenken, dichten, analysieren; sich fragen, ob die künstliche Intelligenz uns eine Fristverlängerung oder eher einen schnelleren Absturz gewähren wird, und warum die Politik und das Volk von Umwelt gleichermaßen nicht wissen wollen. Das ist das Argument gegen das „Volk“. Nicht gegen die Menschen. Aber wenn selbst Demokraten die Ökonomie der Politik und Ökologie als Triebfeder vorziehen, wird es gattungsmäßig mehr als peinlich. Demokraten haben wenigstens eine Zukunft, Faschisten können keine haben, weil ihre Gegenwart sie so anziehend für das Volk hat, dem keine Zukunft mehr wirklich vorscheint.

Nach einem langen Spaziergang zurück zum Sommer vor dem Herbst. Erinnerung überdeckt die unangenehme Wahrnehmung der gegenwärtigen Wirklichkeit. Der Sommer begünstigt beides, den schönen Anblick und die Erinnerung. Das Gewitter kommt plötzlich, Starkregen /Der Keller schwimmt wieder/ und geht schnell vorbei, immerhin hat das Wasser genützt, heute Morgen wieder heiß und trocken. Die Nachrichten sind ärgerlich (Iran/USA) oder deprimierend (Venezuela) oder neben der Sache. Der Sommer zieht weiter, und uns mit.

Ingeborg Bachmann * hundert Jahre und ein Augenblick

Der hundertste Geburtstag von Ingeborg Bachmann gehört zu den wichtigsten Alternativen einer täglichen Detailverzweiflung an weltpolitischer und privater Beobachtung des Umfelds eines eigenen Lebens. Und mit entscheidend für mein Leben. Aber das später. Sie ist am 25. Juni 1926 in Klagenfurt geboren, also in Kärnten, also in Österreich. Sie starb am 17. Oktober 1973 in Rom. Ich freue mich zunächst, dass die ZEIT im Feuilleton vier Artikel zum Geburtstag eingibt, und ein Bild auf der Titelseite. Iris Radisch nennt sie die Jahrhundert-Schriftstellerin. Ein guter Auftakt mit einem wichtigen biographischen Detail: “Sie ging nicht zum Bund Deutscher Mädel. Sie ging auch nicht in den Luftschutzkeller, als die Alliierten Klagenfurt im März 1945 in Schutt und Asche legten. Als Überlebende in ihrer Straße schob sie einen Sessel in den Garten. und las Rilke und Baudelaire, als die Bomben auf Klagenfurt fielen“. Damals war sie 19. Und hatten viel hinter sich. Sie war so alt wie meine Mutter. Es gab nach ihrem Tod eine Menge Literatur und verflochtene Kommentare, die zu sehr auf das Ende ihres Lebens und zu wenig auf die Verbindung von Leben und Werk eingingen. Damals schon der Kontrast von Biographien und segmentierten Kommentaren. Lest dazu Eva Menasse: „Für sie gab es keine Rolle“ (ZEIT #43, 23.22.2017) mit zwei Rezensionen. Ich habe noch mehr davon, aber sie sind wahrhaftig sekundäre, auch wenn sie angeblich viele biographische Details aufscheinen lassen. Jetzt verneigt sich Adam Soboczynski in der ZEIT vor ihr, „Frei und damit verloren“. Er verweist auf den Anfang, als der Gedichtband Die gestundete Zeit 1953 erschien. Neuere Biographien bespricht Jolinde Hüchtker „Wer war Ingeborg Bachmann?„, das gehört wie vieles zum Rahmen, nicht wirklich zu Leben und Werk. Und Volker Weidermann pointiert „Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar“, die NS Vergangenheit, vor allem des Vaters, und lenkt ab, weil er die Geschichte von 1945 und danach nicht genauer beschreibt. Darauf verweise ich, das könnt ihr lesen, ich kann es auch weiter ausführen, auch Hans Weigel hätte man beim Namen nennen können, aber das ist sekundär, für mich und heute. Natürlich war ich 1953 zu jung für den Gedichtband, 1964 bekam ich Gedichte in die Hand (13 – 16. Tausend, Piper Verlag). Und auf Seite 27 steht das Gedicht, das für mich, konkret für mein Leben, wirklich Bedeutung hat, wichtig ist:

ALLE TAGE

Der Krieg wird nicht mehr erklärt,

sondern fortgesetzt. Das Unerhörte

ist alltäglich geworden. Der Held

bleibt den Kämpfen fern. Der Schwache

ist in die Feuerzonen gerückt.

Die Uniform des Tages ist die Geduld,

die Auszeichnung der armselige Stern

der Hoffnung über dem Herzen.

Er wird verliehen,

wenn nichts mehr geschieht,

wenn das Trommelfeuer verstummt,

wenn der Feid unsichtbar geworden ist

und der Schatten ewiger Rüstung den Himmel bedeckt.

Er wird verliehen

für die Flucht vor den Fahnen,

für die Tapferkeit vor dem Freund,

für den Verrat unwürdiger Geheimnisse und die Nichtachtung

jeglichen Befehls.

Seltsam: ich bin dieses Gedicht mein Leben nicht losgeworden, und ich muss es immer lesen, nie auswendig vor mich hersagen. Ich habe es öfter vorgetragen zitiert, nie in den Pazifismus oder eine politische Sektion eingetragen. Es wurde zur Lebensbegleitung, ohne „“.

Ich habe viel von Bachmann gelesen, einiges über sie (ein Vergleich mit einem anderen Großen: Kafka, den muss man erst vielfach lesen, nicht voreilig über ihn). Auch haben mich ihre Beziehungen zwar getroffen, aber nicht betroffen gemacht. Weigel und Frisch waren mir aus vielen Gründen fern, Celan stand mir sehr nahe – aber deren Einwirkung auf die Lebens- und Werkgeschichte der Bachmann hat mich maßvoll interessiert, ich habe immer ihre Texte verstehen wollen, bevor ich sie bewertete, und wo Bachmann bei Celan aufscheint (für mich positiv), bei Frisch (dauerhaft negativ), ist das ein Rahmen. Das nachgelassene „Male Oscuro“ (2017) habe ich nicht gelesen. Bewusst.

Das Gedicht hat mich also viele Jahre, wie kaum ein anderer Text, begleitet, eine psychologische Assoziation: das jüdische Totengebet liest man auch und sagt es nicht auswendig).

Es geht weiter in die Psyche, nicht unbedingt Psychologie. Bachmann war so alt wie meine Mutter. Pubertär war ich nicht in sie, die Bachmann, verliebt, aber adoleszent war bemerkenswert, dass ich ihr Alter in keiner Weise auf meine Mutter produziert hatte. Die beiden waren in vieler Hinsicht grundverschieden. Aber sie haben, je für sich, erlebt, was unsereins ja nie erfahren hat. Und das spielte für mich bei der Erfahrung von Bachmanns Biographie schon eine Rolle, und das spielten sie natürlich auch mit, einerseits die Familie, andererseits die Planeten, Weigel, Henze, Celan, Frisch, Bernhard u.a. Es gibt zur Familie kaum Analogien und doch muss man sich der Zeit widmen, in der meine Mutter, in der Bachmann „erwachsen geworden“ ist. Und die intellektuellen Ausknospungen meiner Erinnerung, auch Erfahrung, zB. gegenüber Hans Weigel, zB. gegenüber Thomas Bernhard, haben schon Eindruck auf mein Bewusstsein hinterlassen. (Und eine Phantasie einer Alternative zu Frisch und dessen späten Abbau)

Und schon bin ich wieder bei ihren Gedichten, bei ihren Vakanzen mit Celan vor allem. Auch wie er zu Ende kam, und dann – wie sie zu Ende kam. Aber was wissen wir wirklich – lebte sie heute noch, hätte sie beides, liebens-würdige und lebens-würdiges Geschlecht über die Zeit weitergegeben in unsere Zeit des gefährdeten Standpunkts. So aber: Lest die Autorin über das Jahrhundert hinweg, immerhin: sie wird bleiben.

P.S. in arte gibt es eine neue Biographie, ambivalent und sehenswert  https://www.arte.tv/de/videos/127936-000-A/100-jahre-ingeborg-bachmann-dichten-fuer-die-wahrheit/

Sommerkrieg und Hitzefrieden

SCHEINBAR war der G 7 Gipfel ein Erfolg für alle, viele bezeichnen ihn auch jetzt so, da sie wissen, was alles in Trumps Strategie und Plänen verschönt wird, und was der Westen durch diesen Krieg verloren hat; der Westen, nicht nur die USA. Und alle sind sich einig, dass Deutschland zu den relativen Verlierern gehört, innerhalb der Entourage der Pundits unterhalb des US Führers. Die Krönung der Unterwerfung erfolgte heute Nacht in Versailles, das ließ sich Trump nicht nehmen. Und jetzt, am nächsten Tag, regieren wieder die Vance und Co. Fällt euch nicht auf, wie nachhaltig Lob und Unterwerfung sich gepaart hatten, eineb Woche lang, mit der Vermutung über den Vertrag, mit der Hoffnung, Trump würde nicht wild über Europa herfallen usw. Bis auf Netanjahu gibt es seit gestern keine wirklich konträren Trumposophen, und Russland zählt ohnedies nicht, wenn die USA ihren Schutz hier ausdünnen und zum Pazifik verlagern. Bitte, das ist nicht meine Meinung, aber die Zusammenfassung der Medien, die ich verfolge…

ANSCHEINEND sind wir ohnedies marginal oder, wie ich vermute, im kontinentalen Abstieg. Die Rechten, in ganz Europa, vertreiben ALLE Ausländer, und die eingesessene Bevölkerung nimmt ab…jahrelang haben die Zuwanderer die Bevölkerung wachsen lassen, jetzt ist auch das vorbei. Weniger Einwohner, noch weniger Einheimische Kinder als Kinder der Zugewanderten. Das braucht man mit den Rechtsradikalen gar nicht diskutieren, die werden schon alternd marginalisiert werden und irgendwann sozial aufgefangen. Aber noch sind sie nicht so alt, dass sie nicht Unheil anrichten können, etwa Wirtschaft und Tourismus vertreiben.

UND WEIL DAS SO IST; zerlegen sich die medialen Stellungnahmen seit gestern abend in der Zerlegung sowohl des IranUSA Memorandums als auch in Bezug auf den wahrscheinlichsten Positionsverlust Deutschlands, allerdings so oder so. Na gut, sag ich, wir sind Karthago vor dem letzten punischen Krieg…aber mein Widerstand klingt anders: ja, wir steigen ab, politisch, ökonomisch, sozial, aber wir müssen nicht kulturell in den Abgrund stürzen, wir müssen nicht politisch zu den Pundits werden, und dem Trump in den Putin, und dem Xi in den Trump usw. kriechen. Diese These wird gegenwärtig von wenigen geteilt, und sie wird mir post mortem nicht zur Nachehre gereichen. Egal. Mir ist wichtiger, was ich zu meinen Lebzeiten als korrigierbare Geschichtserfahrung für mich weiterbearbeiten und denken kann. Jetzt nicht lachen: eher SZ und ZEIT als FAZ lesen, wobei es um Assoziationen in die eigene Vergangenheit geht. Und sich Gedanken über die Zerstörung vor der Zerstörung machen: dass etwa das Klima vielleicht den Untergang Europas überholt? Und dass vor diesem Untergang die Europäer sehr viel mehr Menschen aufnehmen müssen als unerwünschte MigrantInnen abzuschieben (Lächerliche Rhetorik angesichts einer neuen Form des Weltkriegs, siehe oben…Scheinbar haben die 0,8 Regierung Merzens oder Frau von der Leyen noch nicht verstanden, dass Europa bene absteigend immer weniger zu sagen hat. Nur Selbstbewusstsein ist nicht politisch. Test für die LeserInnen: WEM zu sagen?).

Nein, keine pessimistische Prognose, kein Endzeit-Geheul. Duale Momente, rechts-links, optimistisch-pessimistisch, politisch-pragmatisch, moralisch-unterwürfig etc. – all diese Dualitäten legt beiseite. Versucht, einen Realismus für euch, auch persönlich zu entwickeln, der eure Geschichte und eure Zukunft durchaus auch aufruft. Gegen den gegenwärtigen Stand der künstlichen Intelligenz; ein wenig natürlich darf man schon sein.

Faschismus diffus, aber real

Der Titel sagt, was ich denke: dass Faschismus sich längst global verbreitet hat, weil er ja seit mehr als hundert Jahren nie verschwunden war und derzeit beste Rekonvaleszenz erfährt, je weniger sich Demokratie verteidigt oder gar in die Zukunft verfestigt.

In Deutschland ist das schwieriger als anderswo, weil Faschismus über die NS Realität 1933-45 verengt und „absolut“ definiert wird – und so ,paradox`, die Faschismen in der Gesellschaft eher minimiert als konkretisiert. Faschismus war eine Entwicklung, die einen von vielen Wegen aus dem Faschismus mit schrecklichen Folgen entwickelt hatte (lange vor 1933 begonnen), aber das macht die Faschismen (historisch am DEUTLICHSTEN um 1910 beginnend nicht harmlos oder auch nur ungrausam – aber immer undemokratisch9.

Widerstand kann und soll sich auch immer verständlich und verfolgbar äußern, in den demokratischen Diskursen, auch in den Medien. Ein Beispiel HEUTE. In meiner täglichen Tageszeitung SZ (Süddeutsche) zwei wichtige Artikel und ein starker Kommentar. Der erste Artikel versucht zu erklären, warum Michel Friedman aus Bayreuth wieder ausgeladen wurde – er wollte Wagners Antisemitismus darstellen. Moritz Baumstieger „Wer soll diese Begründung bitte glauben?“ SZ 17.6.2026. S.9. Der zweite kritisiert den Umgang mit dem Denkmal von Karl Lueger in Wien: Verena Mayer: „Antisemit in Schieflage“ SZ 17.6.2026 S.13. In beiden Fällen ist der Antisemitismus nur ein Rahmen, kein Topos, er zeigt wichtige nationale Diskursunterschiede, aber er ist präsent. Das macht ihn zu einem wesentlichen Element der Faschismen, aber leider auch mit einer Brücke in viele Demokratien hinein.

Zentral für Bayreuth und die Absage an Friedman: „Ein kleines Störfeuer der Reflexion zum Auftakt der Feierlichkeiten, kritische Selbstbetrachtung in Bayreuth: Zu dieser Entscheidung hätte man der Festspielleitung nur gratulieren können. Gerade weil sie auch unbequem war. Man kann sich sicher sein, dass ein Redner wie Michel Friedman den Organisatoren um Katharina Wagner und auch dem Publikum es nicht erspart hätte, ein paar deutliche Worte zur späteren Haltung zu diesen Themen zu sagen, die lange Zeit vor allem aus Schweigen und Verdrängen bestand“. Mir gefällt die Wahrheit als Störfeuer. Das stört ja nicht nur die Ideologen, auch das eigene unkritische Selbstbewusstsein, das bei guten Themen oder Aufführungen gerne die Aspekte des Rahmens oder Nebenimpulse ausspart. In Bayreuth so wichtig wie in Wien.

Dort wissen sie Menschen mit ihrem großen Bürgermeister der letzten Jahrhundertwende schon etwas anzufangen, der Vergleich mit Wagner ist gar nicht so schlecht. Wer nichts von ihm weiß Karl Lueger – Wikipedia, und dort im Eingang: „Karl Lueger  (* 24. Oktober 1844 in Wieden, heute Teil von Wien; † 10. März 1910 in Wien) war ein österreichischer Politiker, Gründer der Christlichsozialen Partei (CS) und von 1897 bis 1910 Wiener Bürgermeister. Als Bürgermeister war er bedeutend für die Entwicklung Wiens zu einer modernen Großstadt. Seine Rolle wurde allerdings durch den von ihm aufgebauten und geförderten Kult um seine Person überhöht. Lueger war bekennender Antisemit und trieb den politischen Antisemitismus entscheidend voran.“ Das Wort „allerdings“ ist genau die notwendige Brücke, ebenso wie zur Analogie des Wagnerschen Antisemitismus. Nun geht Wien anders mit dem Problem um als Bayreuth, das Denkmal wird schief erneuert, leider auch erneut imposant, und warum man es braucht ist umstritten. Die Erinnerung an die Geschichte verschwinden zu lassen ist so problematisch wie sie schlecht erklärt zu behalten. Das gilt seit jeher und heute umso mehr, als die verkürzte mediale Darstellung häufig die Erklärungen hinter den Fakten verdeckt oder weglässt. Stimmt das so: „Die zuständige sozialdemokratische Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler begründet ihre Entscheidung für die „Schieflage“ damit, dass es niemandem helfe, wenn man historische Tatsachen einfach ausblende: „Über Leerstellen kann man nicht sprechen.“ Die Statue in der jetzigen Form sei ein Mahnmal. Man solle „bei jedem Schritt“ daran erinnert werden, „was hier an Hass möglich war“.“ Oder hat der Innsbrucker Professor recht? „Der Historiker Dirk Rupnow, der an der Universität Innsbruck als Professor für Zeitgeschichte lehrt, schrieb 2023 in einem Aufsatz, dass die gekippte Statue 2010 sicherlich Avantgarde gewesen wäre. Jetzt aber reiche derartige Subtilität nicht mehr aus. Die Stadt Wien finde sich vielmehr in der Rolle des „Nachzüglers“ und „Bedenkenträgers“ wieder und sei in Sachen Erinnerungskultur nicht auf der Höhe des Diskurses. Denn warum, fragt sich Rupnow, soll ein Denkmal, das noch dazu an den von Lueger selbst praktizierten Personenkult anknüpfte, bis heute „unantastbar“ sein?“. Ich neige eher zur Wiener Erklärung, aber da ist schon etwas drin, was die Faschisten insgesamt ablehnen: Dialektik. Es geht nicht um rechthaben. Es geht darum, jenseits von Meinung sich Bewusstsein zu bilden. (Ich denke immer daran, dass meine jüdischen Vorfahren, wie viele, durchaus Richard Wagner Fans waren, siehe oben).

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Bernd Dörries nennt Israel auf S. 4 (Politik/Meinung) „Land ohne Frieden“. Um zu verstehen, was sich dort abspielt, muss man die Geschichte der letzten 140 Jahre, der letzten 100 Jahre, der letzten 60 Jahre, der letzten 4 Jahre, die Geschichte der letzten Monate herausarbeiten, damit sie nicht Geschichte bleibt, sondern Wirklichkeit für uns lebende Menschen wird. (Ich würde nicht, wie manche, 4000 Jahre zurückgehen, und ich würde bei den Palästinensern auch nur bis zur türkischen Herrschaft rückblenden). Das erfordert mehr als Nachdenken, man muss lernen, was man so einfach nicht wissen kann. Ich habe das an die beiden Faschismen oben angehängt, denn wir müssen uns, auch als Juden, kümmern: um die Ideologie und Haltung der israelischen Regierung und Teile des Volkes in Israel, jüdische und palästinensische). Und mehr als gedankliche Brücken bauen zwischen den Ereignissen, die keine Inseln sind.