Seehofer tötet weiter

ARD 12.9.2018:

Nach Anschlag in Afghanistan Mehr Tote – und noch ein Abschiebeflug

Stand: 12.09.2018 11:17 Uhr

Es war offenbar der schwerste Anschlag seit Januar: Im Osten Afghanistans wurden mindestens 68 Menschen getötet. Trotz der angespannten Lage landete in Kabul ein weiterer Abschiebeflug aus Deutschland.

Einen Tag nach einem Selbstmordanschlag im Osten von Afghanistan hat sich die Zahl der Todesopfer mehr als verdoppelt. Bei der Attacke in der Provinz Nangarhar seien mindestens 68 Menschen getötet worden, erklärte ein Sprecher der Provinzregierung. Am Dienstag hatten die Behörden noch von 32 Opfern gesprochen.

Es war offenbar der schwerste Anschlag in Afghanistan seit Januar. Ein Selbstmordattentäter hatte sich bei Dschalalabad inmitten von Demonstranten in die Luft gesprengt. Hunderte Menschen wollten gegen die Nominierung eines neuen Polizeichefs protestieren. Wer hinter der Tat steckt, ist noch nicht bekannt. Die radikalislamischen Taliban hätten die Verantwortung dafür zurückgewiesen, heißt es. In der Region verübt auch die Terrormiliz „Islamischer Staat“ regelmäßig Anschläge.

Neben den Getöteten gibt es laut Provinzregierung mindestens 165 Verletzte. Sie wurden in Krankenhäuser im Großraum Dschalalabad gebracht. Die Kliniken in der Provinzhauptstadt waren hoffnungslos überlastet. Selbst auf den Fluren wurden blutüberströmte Menschen behandelt.

Verletzter in einem Krankenhaus in Dschalalabad in Afghanistan | Bildquelle: GHULAMULLAH HABIBI/EPA-EFE/REX/S

galerie

Zahlreiche Verletzte wurden in Krankenhäuser gebracht, die Kliniken im Großraum Dschalalabad waren überlastet.

Weiterer Abschiebeflug aus Deutschland

Trotz der angespannten Sicherheitslage in Afghanistan ist am Morgen ein weiterer Abschiebeflug aus Deutschland in Kabul gelandet. Die Maschine aus München habe 17 abgelehnte Asylbewerber an Bord gehabt, teilten die afghanischen Behörden mit. Es war die 16. Sammelabschiebung seit dem ersten Flug im Dezember 2016. Bislang wurden fast 350 Menschen nach Afghanistan zurückgebracht.

Der UN-Hochkommissar für Flüchtlinge, Filippo Grandi, hatte erst vor wenigen Tagen dazu aufgerufen, auf Abschiebungen nach Afghanistan vorerst zu verzichten. „Wir sind jetzt in einer sehr schwierigen Phase in Afghanistan. Deshalb appelliere ich an alle Staaten, die Menschen dorthin abschieben wollen, Sorgfalt walten zu lassen.“ Im Oktober sind in Afghanistan Parlamentswahlen angesetzt, kommenden April soll die Präsidentenwahl stattfinden.

Dazu mein Kommentar:

Es gibt dazu nicht mehr als in vielen früheren Blogs zu sagen. Seehofer steht für die Erosion des Rechtsstaates. Die Abschiebungen sind mittlerweile vorhersehbare Tötungsaktionen,  die nicht immer das Ergebnis haben, das alle fürchten, das aber jedenfalls die deutschen Sicherheitsbehörden nicht verhindern könnnen, wenn sie es denn wollten.

Natürlich genügt es nicht, Seehofer und seine Kumpanen zu entlassen. Im Amt zeigen diese Menschenverächter, wozu sie im Schutze des Rechtsstaats fähig sind. nein, sie reagieren nicht auf Kritik von irgendeiner Seite,  sowenig wie die AfD Unterstützer Maassen und Co. Sie  brauchen das nicht, meinen sie, weil sie angeblich gedeckt sind durch das, was sie Recht und Gesetz nennen. Ich plädiere aus humanitären Gründen nicht dafür, Seehofer und Co. wirklich nach Afghanistan abzuschieben,  aber mit jeder Deportationsmaschine soll ein CSU Vorstandsmitglied mitfliegen und dort ein paar Tage die allkein gelassenen Opfer deutscher Selbstherrlichkeit in die Weiten des Landesa begleiten.

Zur deutschen Normalität gehört es, sich auf die Deportationspraxis genauso zu gewöhnen wie an die Nazis im Parlament, die illoyalen Verfassungsschützer und diekorrupten Autovorstände. Nicht schmerzt diese Menschen mehr als Ungewissheit. Normales kann doch nicht so böse sein…das ist banal.

Die USA unser Feind?

Warnung: ich muss mich seit Jahren dagegen verteidigen, dass die USA nicht unser Feind sind, und politisch zum Gegner sind sie auch nicht geworden, nur weil eine Mehrheit der weniger zivilisierten Bürger dieses Landes einen wahnsinnigen Sexisten manipulativ gewählt hat. Ich halte andere Diktaturen,  autoritäre Staaten und Regierungen für gefährlicher und – wenn der Begriff überhaupt Sinn macht – eher unsere Feinde als bloß verhandlungsfähige Gegner. ABER: die USA als mächtigster Staat dieser Welt sind dabei, die fatale Freund-Feind-Spaltung – im Sinne des leider ideologisch exhumierten Deutschen Carl Schmitt – schnell und effektiv zu vertiefen. Um  es also klar zu sagen: weder die deutsche Gesellschaft noch die deutsche Regierung  macht sich dieses Schema zu eigen, die globale, zwischenstaatliche Feinderklärung  geht vom amerikanischen Präsidenten  und seinen Unterlingen aus – „Gefolgschaft“ hieß das bei den Nazis.

Trump lässt das Büro der PLO, der Palästinensischen Befreiungsfront, in Washington schließen. Nicht, dass ich viel von denen hielte. Aber sie sind noch eine der wenigen gesprächsfähigen und verhandlungsermächtigten Akteure im Nahostkonflikt. Trump als Handlanger von Netanjahu – nein, umgekehrt. Die Europäer haben sich aus den Verhandlungen um Frieden längst ausgeklinkt, und die USA  können nun gar nicht mehr als Vermittler mitwirken. Es wird wieder und grausamer als je Krieg geben, in der ganzen Region. Israel wird ebenso leiden wie die Palästinenser, und  hier kann eine Schuldzuweisung eindeutig sein:  an Trump. (Das heißt natürlich  auch, dass wir gegen Trump in der EU doch einen neuen Anlauf für Vermittlung und Frieden brauchen, gegen Netanjahu, gegen die Hamas und ohne die Amerikaner).  Nachdem die Vereinten Nationen schon durch das gekündigte Iranabkommen und vor allem durch den Boycott von UNESCO und UNWRA  bewusst geschwächt wurden, ist die PLO-Entscheidung ein weiterer Schritt zum Krieg. Übrigens: was soll es den USA nützen, so  zu handeln? Die frage ist nicht rhetorisch:ich habe ja mehrfach hier behauptet, dass der Ersatz von Institutionen durch Personen zu den Kennzeichen des neuen Autoritatismus gehört.

Verkünden lässt Trump all dies durch Bolton, den früheren UN-Vertreter der USA, einem ausgewachsenen Faschisten.  Dieser Kriegstreiber ist nicht bei Sinnen, nur weniger abstrus wie Trump: er verkörpert den Willen zum Feind.

Und verkündet gleich noch eine zweite, folgenschwere Gemeinheit:

„Mr. Bolton’s remarks came after a speech to the Federalist Society — his first major public appearance since taking his job in April — in which he threatened the International Criminal Court with sanctions if it investigated American troops in Afghanistan.“ NYT 10.9.18.

Sanktionen, die Waffe der Diktatoren. (Das sage ich mit dem Bedacht, dass auch Demokratien mit Sanktionen handeln können, aber dann sind das „andere“ Waffen, die Goldwaage meiner Worte ist hier hypersensibel: unsere (deutschen) Sanktionen können, zB. gegen Russland, beschränkte Wirkungen haben – das ist bei globalen Sanktionen, zB. USA gegen Iran anders – da folgt eine Kettenreaktion, bis hin zu den deutschen Industriebossen, die  sich willig in Trumps Hintern aufhalten; wo sie nicht sien müssten, auch wenn der Iran kein demokratisches Vorbild ist – aber bis Trump gepfiffen hat, waren sie ja freundliche Wirtschaftspartner des Iran, oder?).

Zurück zum ICC: Schon die Drohung mit Sanktionen gegen den ICC ist infam. Dass Regierungen, wenn sie es sich leisten können, die internationalen Gerichte nicht anerkennen oder ihre Sprüche ignorieren,  ist eine Frageillegitimer Herrschaft und  nicht herausgeforderter Macht: mehr als naming & shaming kann man da oft nicht machen.  Aber wenn Gerichte demontiert werden, ist das ein globaler Zivilisationsbruch mehr, der schwer zu heilen ist. Trump ist da mächtiger als Putin, deshalb richtet er  mit solchen Aktionen mehr Schaden an (Putin muss nach Außen erobern und Gewalt nach Innen  anwenden, Trump legt  es, wie gesagt, auf eine Kettenreaktion an: wie sich die Diktatoren, wenn es den ICC hart trifft!).

Die US Truppen haben – nicht nur sie – kriminelle Handlungen im Rahmen ihrer Interventionen in Afghanistan begangen. Von vielen wissen wir. Diese Handlungen zu belegen, gerichtsfest zu machen und  dann vor die Justiz zu bringen, ist nicht einfach. (Wir Deutschen sollten hier ganz bescheiden auftreten, die Affäre um den Obersten Klein, der nach einer Untat sondergleichen auch noch als General  in die Rente geschickt wurde, wird weiter wach bleiben). Der ICC ist das legitime Gremium der globalen Justiz für solche Fälle, und die USA müssen die Untersuchungen zulassen. Die Straffreiheit für Verbrecher ist nicht nur ein probates Mittel zur inneren Zwangsbefriedung – war das auch in Afghanistan -, sie ist auch ein Hebel, die Wohltaten von Wirtschafts- und Militärhilfe durch Impunity für die Sicherheitsorgane und ihre oft privaten Helfer zu erpressen. Anstatt, wie andere,  sich nicht um den ICC zu kümmern, weil man sich das  leisten kann, ist Trump auf einen Vernichtungsfeldzug gegen die Nachkriegszivilisation aus, einen Krieg, in dem er schon einige Etappen erfolgreich gewonnen hat.

Wer protestiert, wer schützt den ICC, der gibt Hinweise auf die Untaten der US-Armee und Geheimdienste seit 2001 in Afghanistan?

Die USA unter Trump wollen der Welt, wollen uns beweisen, dass sie feindfähig sind. Wir müssen diese Feinderklärung nicht annehmen, sie mündet sonst in eine Kriegserklärung. Aber handeln müssen wir schon, machtlos sind wir nicht. Zum Mindesten müssen wir die Zivilgesellschaft in den USA, ihre Repräsentanten der republikanischen, demokratischen Tradition und ihre unglaubliche Offenheit in Information und Kritik unterstützen. Das heißt aber auch: den Trumpisten nicht nur verbal etwas entgegenhalten. (Im obigen Kontext: Dieser untragbare Botschafter Grenell, der schon die deutsche Industrie sich gefügig gemacht hat, gehört ausgewiesen. Das wäre ein Anfang). Die demokratischen Parteien, deutschen Richter, Staatsanwälte, Rechtsanwälte und anderen Juristen müssen sich zur causa ICC erklären, die politischen Parteien auch.  Und wir müssen klar machen, dass nicht die USA unser Feind sind, sondern die amerikanische Regierung, die durch ihr Volk keineswegs ermächtigt  wurde, die Demokratie abzuschaffen.

 

Was man untersuchen könnte, ist vielfältig. Von den komplexen Kriegshandlungen (Surge, COIN etc.) bis hin zu Einzelfällen. Eigentlich sollte es ganz normal  sein, so etwas nachzuvollziehen.

 

NACHSATZ  am 12.9.2018

9/11 ist vorbeigezogen, das Jahrtausendereignis ist im Zuge der Historisierung rasant verkümmert. Die Folgen spoüren wir noch heute, aber  anders als erwartet. Die USA  degradieren dieohnedies anämischen Vereinten Nationen. Trump verficht einen hegemonialen  Nationalismus, der sich nur in Herrschaft und Gewalt von kleinen Diktaturen unterscheidet –  und natürlich im zivilgesellschaftlichen, intellektuellen, medialen Widerstand im eigenen Land. Bolton hat noch mehr gesagt, aber wir müssen nicht  auf alles reagieren, die Linie des Verbrechens und die der Rechtfertigung von Unrecht ist ja eindeutig.

Ich möchte nur darauf hinweisen,  dass der Quietismus, die ruhige Beobachterpose, auch in Zeiten der Gewalt über lange Zeit aufrechterhalten werden kann, das hat das  konservativ-liberale Bürgertum in Zeiten der Nazidiktatur hinlänglich bewiesen. Deshalb müssen wir dort ansetzen, undnicht im dauernden Hofieren der Schurken, in dem wir iihnen Kultstatus verleihen (Goebbels: wenn wir schon Verbrecher sind,d ann die größten! (so überliefert)).

Bitte lest nach:(Gant 2009, Daxner 2010c, Safranski 2014, Tyson 2014) als ein Beispiel für amerikanische Probleme.

 

Daxner, M. (2010c). „We are One Tribe – and Live in the Society of Intervention.“  http://www.aan-afghanistan.com/index.asp?id=750.

Gant, J. (2009) „One Tribe at a Time.“

Safranski, M. (2014) „REVIEW: American Spartan by Ann Scott Tyson.“ ZP Zen Pundit, 1-4ZP.

Tyson, A. S. (2014). American Spartan: The Promise, the Mission, and the Betrayal of Special Forces Major Jim Gant. New York, William Morrow.

 

Finis terrae XXIII: Was nicht geht

 

VORSPIEL

„Das Universum selbst ist sterblich. Nicht nur das Leben, auch die harte Materie hat ein Ablaufdatum. Außer natürlich, es gibt Gott, und er erbarmt sich und ruft die Toten zurück“.

„Ich kann ihn schon länger“, sagte Till, „Er macht das nicht“.

„Nein“, sagte ich. „Macht er wohl nicht.“

(Daniel Kehlmann, aus der Dankesrede zum Frank-Schirrmacher-Preis, FAZ 4.9.2018)

Schöner kann mans nicht beschreiben. Den Kehlmann preise ich wegen Tyll (vorher mochte ich ihn weniger), aber besonders wegen seines Interviews im Standard, Wien, zu den Österreichischen Verhältnissen. Da sagt er:

„STANDARD: Die österreichische Regierung forciert Grenzschließungen. Mit welchen Gedanken verfolgen Sie das als Auslandsösterreicher? Kehlmann: Als Auslandsösterreicher ist man zurzeit ohnehin ständig damit beschäftigt, sich für dieses Land zu schämen. Ein Kulturminister, der die Verleihung des wichtigsten Kulturpreises des Landes verlässt, bevor die Preisträgerin Zadie Smith ihre Rede gehalten hat. Eine Außenministerin, die einen Diktator zu ihrer Hochzeit einlädt. Und ein Kanzler, dessen größtes Vorbild offenbar der Mann ist, der in Ungarn gerade die Demokratie abschafft. – “

https://derstandard.at/2000086467269/Daniel-Kehlmann-Es-geht-um-simple-Empathie

ABLAUFDATUM

Dieses Datum spielt seit Beginn des Finis terrae Blogs, seit mehr als zwei Jahren, eine Rolle. Gegenüber früheren Endzeiten wissen wir heute ziemlich genau, in welchen Zeiträumen dieses Datum sich ereignen wird.

Was sich im Klima des von Menschen bewohnbaren Planeten konkret abzeichnet, schickt – wie in der Antike, wie im Mittelalter, – seine gesellschaftlichen Vorboten voraus. Da nun das Ende absehbar ist, sind die ethischen, kulturellen und auch pragmatischen Bindungen der Gesellschaft gelockert oder abgeschafft.  Wenn es schon bergab geht, warum nicht mit der Flasche in der Hand und dem gewaltsamen Instinkt letzter Dominanz im Hirn. Dazu zwei einander ergänzende Befunde:

Eichmann, in seinem Prozess, geht genau davon aus, dass beim letzten Zweikampf es eben um ein „Wir oder Sie“ gegangen war. Und, anders als Kehlmanns Till, sagt er noch unter dem Galgen, dass seine Gottgläubigkeit ihm auch ein Wiedersehen mit allen gewähren würde, – alles halb so schlimm.

(Lest immer wieder Hannah Arendts „Eichmann in Jerusalem“, immer wieder die Beständigkeit der Banalität des Bösen. Die ist nicht nur bei den großen Verbrechern, sondern bei fast allen deutlich, wenn man sie sehen will: Bei Trump, bei Seehofer, bei … eben allen, die in diesen Zeilen immer wieder vorkommen und nicht daran denken, am Erstickungstod ihrer Enkel beteiligt sein zu wollen). In allen Poren der Gesellschaft steckt diese Banalität, nur wird sie nicht ständig ausgegraben.

Der andere Befund ist keineswegs banaler: Johann Nestroys berühmter Monolog aus dem „Lumpacivagabundus“ (1833) verlagert die Angst vor den wissenschaftlichen Berechnungen zum Haley’schen Kometen in die Gesellschaftskritik, und dann wird lustig  im Refrain gesungen „Die Welt steht auf kein Fall mehr lang, lang,  lang, lang…“. Das Perpetuum mobile der Endzeitgewissheit kann auch lustig sein, es ist ja egal…

Diese Wurstigkeit gegenüber der Wirklichkeit, Klima, Kriege, Ungerechtigkeiten usw., und die Sucht,  immer nur die größten Katastrophen, immer nur die Extreme in den Diskurs hineinzunehmen, und die Normalität draußen zu lassen,  ist ein Kennzeichen der Quantitätsbesessenheit in dieser Phase evolutionären Selbstbewusstseins.

Das macht das Leben auch leichter insofern, als es ohnedies keinen Sinn zu machen scheint, die großen Herausforderungen anzunehmen.

Und dann merkt der Tourist in Österreich nicht, dass die Nazis mitregieren. Dann merkt der Deutsche im Supermarkt nicht, dass Seehofer und Maassen den NSU beschützen, dann merkt die Bergbaugewerkschaft nicht, dass sie am Kohletod ihrer Enkel mitwirkt….dann merken wir nicht,  was es für unser Leben bedeutet, wenn die Gauner im Vorstand von Daimler, Siemans und Co. dem Trump und den Aktionären in den Arsch kriechen und das Iran-Abkommen völlig vernichten –  der Iran ist doch nicht die Demokratie, die wir wollen, gelle…? Spielts in unserem Alltag eine Rolle? Und, meine Lieben, was könnten wir denn machen, wenn wir etwas dagegen machen wollten?

Gegensatz: was hilfts, wenn wir es alle merken?

*

Das ist nun keineswegs eine Fastenpredigt zur Endzeit eines heißen Sommers. Es ist das seltsame Gefühl an einem strahlenden Sonntagmorgen, dass der Gewöhnungsprozess an eine erneute Welle der Faschisierung Europas, nicht nur Europas, schon weit vorgeschritten ist.

Hier läge es nahe, zu fordern: der Widerstand dagegen wird nicht harmlos, gewaltfrei und offen sein. Aber das fordert sich nicht leicht,  solange die demokratische Republik besteht, sondern es stellt sich ein, wenn Widerstand an der Tagesordnung ist. Zum wiederholten Male Ingeborg Bachmann, diesmal den Innenministern dieser Welt besonders anempfohlen:

Der Krieg wird nicht mehr erklärt,
sondern fortgesetzt. Das Unerhörte
ist alltäglich geworden. Der Held
bleibt den Kämpfen fern. Der Schwache
ist in die Feuerzonen gerückt.
Die Uniform des Tages ist die Geduld,
die Auszeichnung der armselige Stern
der Hoffnung über dem Herzen.

Er wird verliehen,
wenn nichts mehr geschieht,
wenn das Trommelfeuer verstummt,
wenn der Feind unsichtbar geworden ist
und der Schatten ewiger Rüstung
den Himmel bedeckt.

Er wird verliehen
für die Flucht von den Fahnen,
für die Tapferkeit vor dem Freund,
für den Verrat unwürdiger Geheimnisse
und die Nichtachtung
jeglichen Befehls.

(1952)

An der letzten Strophe werden wir uns messen lassen,  müssen, nicht erst als Absichtserklärung, denn es ist immer so weit.

Und ewig hetzt das Murmeltier Seehofer

Tut mir leid, dass ich mit diesem bayrischen Irrtum schon wieder befassen muss.  Ich muss es, weil die Situation so schrecklich ist.

Innenminister Seehofer zeigt Verständnis für Demonstranten in Chemnitz: Bei der Klausurtagung der CSU-Landesgruppe hat Horst Seehofer Migration als die Mutter aller Probleme bezeichnet, berichtet die „Welt“. Bislang hatte sich Seehofer kaum zu den Vorfällen im Chemnitz geäußert. Seehofer verteidigte die Demonstranten in Sachsen. Er habe Verständnis, wenn sich Leute empörten; dies mache sie noch lange nicht zu Nazis. Die Äußerungen könnten eine neue Attacke auf Kanzlerin Angela Merkel sein. (Welt.de, 6.9.2018)

DAS MURMELTIER SEEHOFER – der ewige Nazisprech eines Migranten aus Bayern.

Mir reichts.  Natürlich darf ein  altersblinder Aushängekasper sagen, was er will, vermindert schuldfähig  ist er ohne dies. Aber nicht, weil er BUNDESInnenminister ist, sondern weil er auch sonst keinen Charakter hat.

MIGRATION sei die Mutter aller Probleme. Wenn er gesagt hätte, die FLÜCHTLINGE, dann wäre es der übliche rechte Spruch gewesen, den ist man ja von „christlich-sozialen“ Union gewohnt.  Aber nein, MIGRATION. Fremde raus. Nazis,  empört euch! Nichtsachsen, Nichtdeutsche raus! Angesichts vieler hervorragender Menschen aus dem Osten: also aus Bayern, Österreich, bis hin nach Japan, kann man ja leider nicht sagen:  schiebt den Seehofer und seine Freunde, Dobrindt, Kurz und Kikl (pardon, da sind ein paar nichtbayrische dabei) einfach ab. Internieren in den Ankerzentren kann man sie auch nicht, wie kommen die Migranten dazu, mit diesen Leuten ihre Zellen teilen zu müssen? Was also tun?

Erstes Gebot: Illoyalität, Naming & Shaming sind geboten. Seehofer unterstützt die Gewalttäter von Chemnitz, also ist er einer von ihnen.

Zweites Gebot: machen wir vor, wie es besser geht. Ein Konzert, eine Giffey vor Ort sind gut, aber das reicht nicht.

Drittens: boykottiert alles, wo Seehofer hingeht oder Fuß fasst.

Dies von einem der Bundesrepublik gegenüber loyalen und gesetzestreuen Beamten, in tiefer Abscheu  vor diesem Innenminister geäußert.

Nachsatz: Innenbehörden befürchten, dass die Proteste gegen die Vernichtung des Hambacher Waldes gewaltsam werden können und das Gewaltmonopol  des Staates in Frage stellen (so heute ein großer Teil der Medienberichte). Tja, wenn man für diese Proteste Verständnis äußert, …

Menschlein und Göttchen – Nix da „Homo Deus“

Als ich ein Kind war, hörte ich deutsche Touristen oft ausrufen „Ach, du mein liebes Gottchen…“. Dacht mir nichts dabei, fand es nur komisch. Später machte mir der Homunculus schon mehr Gedanken, auch Frankenstein, Golem und alle Auferstandenen dieser Geisterwelt.

VORSICHT. Dies wird keine Rezension, kann keine sein, dazu ist das Buch umfangreich. Ich habe Harari mehrfach zitiert:  HOMO DEUS (Vintag 2016). Ohnedies ein Bestseller, zu Recht, und  erfreulicherweise zunächst nicht auf Deutsch geschrieben,  also lesbar.

Gegenwartsdiagnosen, die den technischen Fortschritt und die damit verbundenen Bewusstseins-zustände verbinden, gibt es eine Menge. Das Körper/Geistproblem verfolgt unsere Kulturgeschichte schon lange und wird immer wieder aufgewärmt, mit moralischen, theologischen und vor allem politischen Subtexten.

Aber aus dem sehr lesenswerten Buch von Harari sind mir einige Punkte wichtig, auch für Finis terrae, aber vor allem für die gegenwärtige Politik. Der Mensch als Gott[1]: Im Zuge der Moderne, der Aufklärung tritt der Mensch anstelle der alten Götter, auch der monotheistischen Varianten, Götter=Gottheiten im Austauschverhältnis zu den Menschen, das Irrationale überbrückend. Wir selbst sind es, die die Funktionen der Gottheiten zunehmend ausüben. (Und der Glaube an einen „Gott den Herrn“, wie das die Religionswissenschaft im Gegensatz zu Polytheismen formuliert, verschwindet hier). Wenn  das so ist, dann umso bedenklicher, wenn wir aufgelöst werden in zwei Typen von Algorithmen, „biologische“ und von uns konstruierte. Daraus macht Harari, was wir teilweise eben schon lange kennen und wissen, nämlich dass uns die Produkte unserer Entwicklung überholen, dass wir ihren manipulativen und stabilisierenden Imperativen uns unterwerfen.

(Jetzt muss ich einmal loben – wie viele dieser Produkte Harari zutreffend  und klug beschreibt – und kritisieren, dass er die beiden Sorten von Algorithmen nicht auseinanderhält. Was tatsächlich heute schon möglich ist, und was vernünftige Prognosen erwarten lassen, ist meistens gut belegt und nicht nur erschreckend. Was Harari fehlt, sind präzisere Überlegungen zur Ungleichzeitigkeit: wenn wir in X Jahren tatsächlich durchschnittlich 120 oder 150 Jahre alt werden, aber erst  in 150 oder 200 Jahren Demenz frühzeitig behandelt werden kann…und es gibt komplexere Fragen).

Was aber fasziniert  und durchdacht werden muss, ist das Infragestellen von freiem Willen, Individualität und einer Verbindung von Bewusstsein und Sinngebung. Die säkulare Religion des Humanismus (der Aufklärung) hat den Theismus und Glauben ersetzt, nicht aber diesen Widerspruch.

Wieviele Probleme daraus entstehen, weiß der Autor: wenn es nur mehr die „Data religion“ gibt, wäre die Bestimmung der menschlichen Spezies erfüllt. Bleibt die Frage, wer sich wie nach einer neuen Bestimmung umschaut. Und: wenn unsere Rolle als homo sapiens erfüllt ist, wie schauen wir uns um, damit „Technologie“ den Homo deus schafft, ein menschliches Modell höherer Ordnung. Um damit den besten unbewussten/bewusstlosen (non-conscious) Algorithmen die Stirn bieten zu können. Kaum zu übersetzen, aber spät im Text elektrisierend:

Since intelligence is decoupling from consciousness, and since non-conscious intelligence is developing at breakneck speed, humans must actively upgrade their minds if they want to stay in the game” (410). Also können wir es doch?!?!

Im Grunde kehrt Harari zu den  bekannten Fragen zurück – nur wissen wir jetzt etwas mehr über die Begrenztheit der Antworten: sind es wirklich „nur“ die Algorithmen, die uns steuern und die mehr über uns wissen lassen als wir selbst über uns wissen?  Ist das Wissen mehr als das Bewusstsein?

So, jetzt lest das Buch,  nicht meine Aufgabe, das weiter zu zerlegen. Mich interessiert das „Deus“ in Homo Deus. Schon Schubert lässt die herrlichen Müller-Verse singen: … Will kein Gott auf Erden sein / Sind wir selber Götter! (Winterreise, „Mut“). Das ist nicht neu, aber aufregend, wenn das Verschwinden der Götter mit dem Willen zum Gottsein verbunden wird: wollten die alten Götter, die olympischen, die äygptischen und gar die Großen, die Eingottgötter (Gott, der Herr, wie das manche nennen: Jack Miles u.a.) gar nicht herrschen wollen, weil sie es nicht können. Kein Gott konnte in Auschwitz sein wollen, keiner über Hiroshima, keiner schickt mehr Epidemien, aber gegen die angefressene Fettleibigkeit sind sie machtlos (ein ganz wichtiges Beispiel, das bei Harari oft wiederkehrt: Hunger verschwindet, Infektionen verschwinden, selbst der Krieg mit Waffen kann verschwinden, aber Zivilisationsübel bis hin zum terminalen Klimawandel können wir nicht mehr beherrschen, auch wenn wir sie kennen). Euer Blogschreiber mit Finis terrae.

Ich verknüpfe das mit der Gottesfrage, nicht um den Agnostizismus oder Atheismus zu unterstützen, schon gar nicht das empirische Substrat irgendeines Glaubens zu retten. Wir haben nur mehr uns, und trotz Schuberts einmaligem Auf-Hoffen bleibt die Reise hoffnungslos…nur, wenn wir selber Götter sind,  dann siegt das Bewusstsein über die Algorithmen. Das wäre eine Rechtfertigung nicht des Seins wie Gott (Mi cha El), sondern des Seins als Gott, weil uns nichts anderes übrigbleibt. (Weil wir nämlich nichts wissen können, wenn uns nichts übrig bleibt als uns von unserer selbst erzeugten Zerstörung überwältigen zu lassen, was dann den Algorithmen und unseren Produkten in ihrer Macht über uns Recht gäbe.

(Bitte, liebe Leser*innen, sucht jetzt nicht die Nähe zu Schopenhauer oder zur Philosophie des als ob, das meine ich nicht, auch wenn es ein wenig so klingt.. Einfacher: Sysiphos ist bei Camus noch glücklich vorstellbar. Ich denke, angesichts von Finis terrae muss man nicht glücklich sein, um weiter zu machen und damit die Götter etwas zu diskreditieren…das hilft schon).

*

Das schreibe ich angesichts des Krieges, der Verrohung unserer Gesellschaft und des Auseinanderfalls unserer Bindungskräfte. Hararis Gegenwartsdiagnose liest sich die Prophezeiung der Kassandra, due ja auch die Zukunft in die Gegenwart hereinnimmt, und nicht umgekehrt. Dem kann man nur mit der Freiheit begegnen, sich über die Genese des Freien Willens hinwegzusetzen, auch wenn es ihn objektiv gar nicht gäbe: wirken tut er trotzdem.

 

[1] Gott…dass ich nicht lache, wenn der Bierzeltdumpfel Söder durch Aufhängen von Kreuzen seine Vorstellungen sichtbar machen möchte (lesen kann er nicht mehr, wie seine Bibelexegese zeigt, aber sich bekreuzigen kann er).

 

Beobachtet Seehofer

Nein, Horst Seehofer, dieser Angstblütler, ist nicht mein Hauptfeind. Eher eine Peinlichkeit, dass man so einen Mann zum Innenminister machen musste, um ihn kaltzustellen. Abgeschoben gehört er trotzdem, nur wohin?  Im  Jenseits wäre das einfach: treffen sich Putin, Seehofer und Trump, und klopfen einen Skat oder Schwachkopfen, wie das Spiel in Bayern heißt. Und dann hören wie zu, wie drei Verdammte lustig sind. Aber im Diesseits: wem kann man denn den fremden Blindgänger Seehofer zumuten? Niemanden so richtig, außer seinen Parteifreunden aus der CSU Spitze natürlich, aber die würde man ja am liebsten selbst auslagern, ausankern heißt das jetzt, nur bleibt da die Frage: wer nimmt die? Also:  den Seehofer haben wir.

Der will die AfD vom Verfassungsschutz nicht beobachten lassen. Zu nahe ist die Sprache der Nazis den Alterssprüchen des Deportationsministers, als dass er da grundlegende Unterschiede erkennen könnte. Sicher, im Fußvolk der CSU gibt es nicht annähernd so viele Nazis wie bei der AfD, aber man muss die rechten Kräfte im deutschen Sicherheitsapparat ja schonen, damit man die Demokraten anständig beobachten kann – Seehofer ist ja in seinem Ministerium nicht allein. Auch die Scharfmacher genießen die Freiheiten des Grundgesetzes. Sie genießen die, wie gesagt, teilweise im Vorfeld der Rechtsextremen. Sie genießen es, wenn andere den Hitlergruß machen oder die Gaskammern in Frage stellen, sie waren es ja nicht selbst, und deshalb schauen sie lieber weg.

Es reicht uns, aber das reicht noch nicht aus für Politik. Ganz Europa torkelt ja mit wachsender Geschwindigkeit in Richtung auf totalitäre Strukturen. Das werden nicht gleich Diktaturen, aber die Ökonomie der Trumpschen Politik ist nirgendwo effektiver als beim Unterminieren nicht ganz fester demokratischer Strukturen, und da lernen die europäischen Autokraten schnell. In Deutschland sollten wir heute Merkel loben: wir schaffen das! war im Kontext ein richtiger und kluger Satz, ein Menschensatz, und das meiste an dem ganzen Flüchtlingselend IN Deutschland haben wir ja auch geschafft, nur nicht alles und nicht in Europa, deshalb müssen wir noch sehr viel mehr schaffen.

Aber erst einmal zum Erwachen des nie ganz gestorbenen Nazismus in Deutschland. Gerade wenn man NICHT pauschalisiert – Bayern, Sachsen, die rechten Großflächen in Ostdeutschland und die Nazinester im Westen, – gerade dann muss man darauf hinweisen, dass Bayerns Patenschaft über Sachsen dort die stärkste Unterstützung für AfD, Pegida etc. begünstigt hat (das geht an die so genannte christlich (Kreuz hängt verkehrt am Haken) soziale (Herdprämie und Käfighaltung von Frauen) Union, die damit der CDU auch eine Hypothek anhängt, nämlich in Sachsen und den andern neuen Bundesländern, aber neuerdings auch in Nordrhein-Westfalen. Faschismus wächst aus dem Missverständnis, Toleranz sei gleich mit Ausweitung der Freiheit auf ihre Feinde. Toleranz ist immer Gewährung von Freiheiten, ist immer Ermächtigung durch solche, die es in der Hand haben, zu ermächtigen. Ich muss die AfD nicht in jeder Talkshow haben, nur weil die auch im Parlament sitzen, ich muss auch Herrn Dobrindt nicht befragen, wo es doch auch anständige CSUler gibt; Weidel, Gauland, Höcke ….gehören a) vom Verfassungsschutz beobachtet, b) wegen Volksverhetzung in vielen, nachweisbaren Fällen vor Gericht, und c) ins Visier der Sicherheitskräfte, über die u.a. Herr Seehofer gebietet.

Deutschland wird – wohl oder übel – eine Vorreiterrolle ganz ungewohnt prekärer Art in Europa spielen müssen. Noch regieren bei uns die Nazis und Faschisten nicht mit, wie in vielen EU-Mitgliedsländern. Wenn die EU durch Nationalinteressen nach dem Muster „America first! – Hungary first! Austria first! Italy first!…“ geschwächt wird, dann muss man Sanktionen beschließen, bevor man in Brüssel überstimmt wird. Dreht den Diktaturen und autoritären Azubis den Geldhahn zu. Aber Vorsicht: das reicht nicht, und verhärtet den Pöbel noch mehr, der bei Brot und Spielen lieber mit Spielen hungert als bei Brot darauf verzichtet. Da muss proaktive Kultur- und Sozialpolitik hin, da muss Einmischung in die inneren Angelegenheiten Schwerpunkt der Außenpolitik sein, erkennbarer Schwerpunkt. Und da muss die rechte Subkultur in unserer Innenpolitik, bei Polizei, Verfassungsschutz, BKA, LKA, aber vor allem im Innenministerium selbst, aufgedeckt und dekonstruiert werden. (Das ist schwierig, aber bei weitem nicht alle Polizisten und V Männer sind Nazis, bei weitem nicht alle Verfassungsschützer sind auf dem rechten Auge blind; aber vielleicht einige hohe Vorgesetzte dieser Menschen. Viele in den Diensten haben Angst davor, nicht genügend rechts, patriotisch, national zu sein…woher ich das weiß? Ach Leute, stellt euch nicht naiv: im letzten Blog steht es: sagt, was ihr wisst). Konkret. Muss der Rechtstaat dulden, dass Nazi Höcke gemeinsam mit anderen AfD und Pegida-Granden in der ersten Reihe in Chemnitz marschiert, die weiße Rose im Knopfloch (Zynismus ist allerdings nirgendwo verboten). Muss der Rechtsstaat das Abwarten einüben, bis etwas geschieht? „There will be blood“. Das ist die Erwartung der Rechten, sie wollen Opfer sein, um leichter Täter werden zu können. Das ist die Geschichte aller Märtyrer seit jeher. Es gibt eine gewisse Affinität von Menschen zu Märtyrern,die ihnen irgendwie Verantwortung und Haftung abnehmen. „Blutzeugen“ –  in vielen, fast allen Kulturen gibt es dazu Beispiele, und in bestimmten Perioden werden Märtyrer besonders beschworen. Es ist kein geringes Verdienst der Aufklärung und der Säkularisierung, dass damit etwas weniger agiert wird, aber ganz hat das nie aufgehört.

Und noch etwas wichtiges. Chemnitz ist nicht nur Sachsen und Deutschland. Chemnitz ist Europa. Und was wir hier machen müssen, ist nicht nur innenpolitisch, es ist Teil der Außenpolitik, die ja eine globale Innenpolitik ist. Im Vorfeld der Europawahlen sollte dieser Zusammenhang ganz deutlich gesehen werden, sonst werden neben den Nigel Farages auch noch sehr viel mehr Nazis im Europa-Parlament gegen Europa agieren. Österreich gibt ein besonders schlechtes Beispiel dafür ab, wie man mit den Feinden Europas paktiert. Aber Herr Seehofer, der mir heute gegen den Strich geht, auch: wer mit Faschisten wie Orban sich freundschaftlich einlässt, muss erst beweisen, dass er nicht selber einer ist. Und wenn er und seine „christlich soziale“ Union europäische Spitzenpositionen einnehmen wollen, dann muss erst einmal er seinen Posten räumen. Man muss ihn ja nicht gleich deportieren, er darf auch in Bayern vor sich hin dämmern.

 

Sagt es nur, weil ihr es ja schon wisst!

Das Aussprechen der unangenehmen Wahrheiten hat etwas Beschwörendes und etwas Konspiratives an sich: als würde man das Unglück geradezu herbeizitieren – die Nazis kommen wirklich – und als würden wir Verrat übern an den Unwissenden und Ungewissen.

Chemnitz hat die Nerven zum Flattern gebracht, obwohl wir wissen,  dass sich die Nazis und andere rechtsextreme Gruppen in Bayern und Sachsen konzentrieren. Das kann und soll man  so sagen, und dann analysieren: Sachsen ist das reichste Land im Osten, Bayern das Zweitreichste im Westen. Aus Not und sozialer Abhängungsfurcht wählen die Menschen nicht AfD, demonstrieren sie nicht mit Pegida und NPD, lassen sie das sektiererische Kreuz nicht in ihre Amtsstuben. Das kann man auch sagen.

Die Sicherheitsorgane – Polizei, Verfassungsschutz, LKA und BKA, sind teilweise Vorfeldorganisationen der Rechtsextremen. Wir wissen das, die Misshandlung der Journalisten in Sachsen, der V Mann von BVS Mann Maassen, die Veröffentlichung von Haftbefehlen, die öffentlich beschützten Treibjagden, und länger schon her, die Devianz beim Schutz des NSU (anstatt ihn zu verfolgen), all das verstärkt unsere Gewissheit. Die kann man auch aussprechen.

Dass der Jargon der Unions-Extremisten, meist aus der CSU, sich sprachlich nicht wesentlich von der AfD unterscheidet, kann man jeden Tag hören. Wenn sich die bayrischen Wahlkämpfer von der AfD absetzen, ist das so, wie in Weimar die DNVP von der NSDAP in den späten 20er und frühen 30er Jahren abgesetzt hatte. Seehofer, Dobrindt, Söder, Hermann, aber auch Reul aus NRW sprechen diesen Jargon. Also sagen wir es.

Dazu gehört kein Mut, wenigstens bei uns. Bei den von unserer Regierung notwendig hofierten Diktatoren könnte man das nicht gefahrlos genau so sagen, bei Puti-n, Erdögan und wirkungslos bleibt es bei den Aftermietern der neuen Diktaturen, bei Kaczinsky, Orban, Strache und Salvini … Aber es ist schon schwieriger, sich öffentlich über diese Begriffe auseinanderzusetzen, und Nazi zu sagen und nicht Rechtspopulist. Und kriminell zu sagen anstatt nur extremistisch.

Noch schwieriger ist es zu sagen, dass wir vermutlich in ein neues, faschistisches oder nationalsozialistisches (also mehr staats- oder mehr volks-orientiertes) Gesamteuropa steuern, mit Avantgarden und  Nachzüglern, auch beschränkt sich diese globale Situation nicht mehr auf Europa. Man kann auch sagen: solange man dies auszusprechen keinen Mut braucht, soll man es sagen.

Man muss geradezu Wahlen fürchten, die zum Grundbestandteil von Demokratie gehören. Man muss fürchten, mit all denen zusammenarbeiten zu müssen, die sich gegen diese braune Bewegung stemmen, auch wenn man mit ihnen wenig Konsens hat. (z.B. ich mit der Linkspartei oder der heutigen FDP). Aber darum darf man ja (noch) differenziert Politik machen. Oder man kann hoffen, dass sich aus solcher Kooperation eine neue, demokratische Dynamik ergeben wird. Darüber muss man öffentlich sprechen und verhandeln. Damit auch an den Rändern, z.B. bei sehr Linken, sich nicht der Kreis zu den ganz Rechten sofort schließt. Das ist eben nicht Volksfront, die nicht zugunsten der offenen Demokratie sich entwickelt hat. Und auch keine „Bewegung“, mag sie nun Aufstehen oder Sitzenbleiben heißen. Parteien in der Demokratie brauchen immer Bewegungen als Input. Aber sie dürfen sich nicht zurückentwickeln zu Bewegungen.

Ist das alles nicht selbstverständlich? Offenbar nicht,  sonst würden nicht manche wache Mahner davor warnen, dass sich die autoritären und undemokratischen Habitus „schleichend“ entwickelten. Wieso schleichend? Wenn ein CDU Innenminister an das Volksempfinden appelliert, um die Justiz zu desavouieren, dann ist das Nazisprech und kein „Missverständnis“. Auch wenn Reul kein Nazi ist, was ich annehme, so muss er sich nicht für das Missverständnis entschuldigen, sondern für die Dekontextualisierung, in der er einen Zusammenhang aus dem Unbewussten heraufholt, um einen neuen Kontext zu konstituieren – schleichend, sozusagen.

Es gab auch beim Verfassungsschutz und NSU keine Missverständnisse oder bei der Journalistenabfuhr in Sachsen oder bei der Ausländerjagd…es ist das wohl verstandene Verständnis der Täter für ihre Tat – auch wenn sie die nicht als Missetat verstehen. Aber sie sind Täter und wir müssen den Rechtsstaat gegen sie einsetzen. Und ihn nicht mit ihnen versöhnen.

+

Und nu?  Zuerst einmal wieder die Sprache finden. Nicht, was einen andern beleidigen könnte, ist zu vermeiden – sondern was einen selbst beleidigt, wenn man es anwendet. Und da gibt es ein Repertoire von sprachlichen Möglichkeiten, das dieselbe Wahrheit ganz unterschiedlich ausdrücken kann. Ob und wie jemand diplomatisch oder sachlich oder sarkastisch oder … etwas sagt, kommt auf den Kontext an und die Absicht, etwas Bestimmtes zu sagen. Darauf kommt es an: etwas zu sagen, das man zu sagen hat, nicht einfach zu reden, „damit wir miteinander und nicht übereinander reden“. (Billige, letztlich hohle Formel).

Ich sage etwas, um die Flüchtlinge und andere Menschen vor Seehofers Beschimpfungen in Schutz zu nehmen. Ich verwende Seehofers Terminologie, um ihn z.B. aus der Reserve zu locken. Aber ich muss mich fragen, ob es dafür steht, wofür es überhaupt steht. Die Antworten dürfen wir schon sagen.

Ich variiere hier ein Thema von à Aron R. Bodenheimer. Der hat diese Trias von reden Sprechen Sagen psychoanalytisch gedreht und gewendet. Das etwas zu sagen haben bedarf keines Mutes; erst einmal muss einer nachdenken, bevor er/sie etwas zu sagen hat.

*

Ich verwende bewusst oft Ausdrücke, die MAN nicht so ohne weiteres gebraucht. Zugleich wende ICH mich dagegen, einfach zu schimpfen. Wie geht das zusammen? Das ist die politische Wendung im Repertoire verschiedener Ausdrucksweisen – nicht um die Kritisierten zu provozieren, sondern diejenigen, die mit ihnen einverstanden sind. Einwand: aber die lesen ja deinen Blog nicht. Nein, aber siekönnte ihn lesen, und oft bekomme ich Reaktionen von unerwarteter Seite.

Da schleicht sich die Apologetik des guten Benehmens ein, genau dessen, was die Gaulands, Dobrindts, von Storchs, etc. bewusst vermissen lassen, um dem An-Schleichen der Verrohung Vorschub zu leisten. Aber das ist politisch nicht unerheblich. Nahles‘ Pöbelei „in die Fresse“ hat sich zum Beispiel eingegraben als ein Ausruf plebejischer Fehleinschätzung der Umgebung. Nein, die ist gar nicht rechtsradikal, aber gut war der Spruch trotzdem nicht.  Vor allem war sein Kontext ein anderer als der der „Vogelschiss“-Behauptung von Gauland zur Nazizeit. Natürlich ist schlechtes Benehmen kein Privileg der Rechten, oft ist es ein falsches Signal auch von Links. Aber es kommt in allen Fällen darauf an, welche Folgen ein solches Benehmen hat, und deshalb kann ich jede Schimpfaktion nach dem positiven oder negativen Provokationseffekt dekonstruieren. Muss ich? Ja, meistens.

Nur: im Alltag ist das Problem sprachlicher Sensibilität und Deutungskonsequenzen nicht unmittelbar präsent. Deshalb könnte man Regeln entwerfen, in deren Rahmen jeweils die roten Linien (inflationärer Wortgebrauch) festgelegt werden. Demokraten müssen mehr ertragen als ihre Feinde. Aber die können sich natürlich nicht in allem, was sie sagen, auf die Meinungsfreiheit berufen. Wenn wir uns darauf berufen, dann ist es sehr wohl selbstverständlich, solange wir uns auch an die andern Regeln der Demokratie halten.

Deshalb müssen wir sagen, was ist. Daran misst sich jedes Benehmen.

 

Kein Arbeitszwang, aber sinnvolle Arbeit für alle

Die Älteren werden bei der Überschrift vielleicht sofort an den RAD denken: REICHARBEITSDIENST. Man kann sich da schnell informieren.

 

https://de.wikipedia.org/wiki/Reichsarbeitsdienst

https://www.dhm.de/lemo/kapitel/ns-regime/ns…/reichsarbeitsdienst.html

http://www.dhm.de/archiv/ausstellungen/lebensstationen/ns_8.htm

https://www.zukunft-braucht-erinnerung.de/der-reichsarbeitsdienst-rad/

www.bundesarchiv.de/…Reichsarbeitsdienst/vom-braunen-in-den-grauen-rock-der-rei

 

Als integraler Bestandteil des nationalsozialistischen Sozialisations- und Arbeitssystems, aber auch der Jugendpolitik und nicht zuletzt der Reproduktionsideologie wurde der RAD zu einem Merkmal des NS-Regimes.

 

Die Arbeitspflicht hatte eindeutig auch ökonomische Zielrichtungen, aber sie war mit der Zwangsarbeit der Konzentrationslager und der Gefangenen bzw. der Organisation derselben in den eroberten Gebieten nicht identisch.

 

Was die subjektiven Narrative derer, die im RAD gearbeitet hatten, betrifft, so sind die Botschaften gemischt: Ältere Jahrgänge berichten voller Abscheu oder aber voller Begeisterung von diesem Jahr, es hing stark von den Umständen im den Folgen nach dem Pflichtjahr ab. Verallgemeinerungen entlang einer Rechts-links-Achse lassen sich nicht machen (Begeisterte RAD Leistende treffe ich auch auf der äußersten Linken und in der Mitte, und Abscheu bei traditionell oder neuerdings ganz rechts Stehenden).

 

*

 

Die Jüngeren werden diese Assoziation nicht automatisch haben, wenn es heute wieder um die Erwägung von Dienstpflichten im sozialen Raum unserer Gesellschaft geht. Da wird einerseits das Zwangsarbeitsverbot des Grundgesetzes, auch die freie Berufswahl angeführt, andererseits sind die Stimmen zur Verpflichtung auf gemeinnützige Arbeit nicht einer bestimmten politischen Position zuzuordnen.

 

*

 

Zivildienst als Ersatz für die Wehrpflicht, Bundesfreiwilligendienst, Freiwilliges soziales oder kulturelles Jahr…das alles sind Elemente einer polit-ökonomischen + kulturpolitischen + ideologischen Verbindung von Argumenten, die untereinander nicht zur Deckung zu bringen sind.

 

Dass jetzt, nicht nur aus der CDU, Vorschläge zu einer „Dienstpflicht“ auf den Tisch kommen, überrascht nicht.

Dass dabei an beide Geschlechter – pardon: an 2+n Geschlechter – gedacht wird, ist folgerichtig, die Zeiten haben sich gewandelt.

Dass Asylsuchende und geduldete Flüchtlinge da integriert werden sollen, unterstützt die Einwanderungsgesetzgebung und steht gegen die Deportationspolitik der deutschen Rechten.

Auch dass ein Zusammenhang mit der Wiedereinführung der Wehrpflicht diskutiert wird, ist folgerichtig.

 

*

 

Mich treibt das Thema seit Jahren um. Dabei waren für mich zwei Aspekte, zunächst unverbunden, leitend. Der eine ist einfach, der andere allerdings gar nicht.

Der eine ist die Wehrpflicht: ich war einer der wenigen, die in meinem Umfeld gegen die Aussetzung der Wehrpflicht argumentiert hatten, und dies bis heute so halte: meine Befürchtung ist, dass die freiwillige professionelle Armee der Private Security und der weiteren Abkehr des Militärs von der Gesellschaft Vorschub leisten. Leider sollte ich Recht behalten. Leider, weil wir noch nicht bei einer europäischen, EU-getragenen Verteidigung und der Ablösung der NATO sind, und weil sich die Re-Nationalisierung in ganz Europa eindeutig gegen die Staatsbürger in Uniform richtet. Abgesehen davon war mir wichtig, dass auch Frauen in vollem Umfang in die Wehrpflicht einbezogen werden, und die Verweigerung nicht deutlich (auch) klassen- und habitusmäßige Diskriminierung zur Grundlage hatte.

Derm andere Aspekt ist die Gemeinschaftsargumentation. (Ich bin Soziologe, bitte belhrt mich nicht über den Unterschied zwischen Gesellschaft und Gemeinschaft).  Es geht dabei um eine Form der Gemeinschaftsbildung, die der Gesellschaft etwas gibt (nicht unbedingt „zurück-„gibt als Dankesschuld für gelungene Sozialisation und staatlich organisierte Bildung).

In den verschiedenen Zivildiensten, Bufdi etc. findet sich diese Vergemeinschaftung, von der ich spreche.

Es gibt eine Menge von Aufgaben, die die meisten für sinnvoll, notwendig und machbar halten. Es findet sich nur niemand, der sie macht.

 

Ein  ironischer, böser Einschub. Deutsche essen gern Spargel. Über lange Jahre haben Hilfsarbeiter*innen aus Polen und Rumänien den Spargel gestochen, Deutsche fanden sich dafür niicht,  auch wenn sie von der Arbeitsverwaltung da hin geschickt wurden. Fragt einmal nach den Gründen…Jetzt gibt es ein Problem bei der Spargelernte, das sich nicht mit höheren Stundenlöhnen beheben lässt. (Auch hört man: Deutsche tun das nicht, sie können es nicht, und nach zwei Tagen sind sie krank geschrieben…) Das Thema „Harte Arbeit“ verfolgt mich seit 30 Jahren, seit Michael Walzer (Walzer 1984), der großartige Kommunitarist (obwohl ich den Kommunitarismus sonst nicht sehr mag) in seinem Buch „Sphären der Gerechtigkeit“ das gleichnamige sechste Kapitel diesem Thema gewidmet hat:  „grob, unangenehm, widerwärtig und schwer erträglich“ (S.244). Walzer erkennt, wie stark die Zuteilung von Arbeit von Geschlecht, Herkunft (in den USA „Rasse“), Bildungsstand, Intelligenz etc. abhängig ist. Sklaverei gibt es bei uns nicht mehr, aber Staatssklaven, zB. Gefangene, gibt es in fast allen Ländern, und dann wäre Arbeit das, was sie „als Strafe verdient“ hätten…

Nun darum geht es hier nicht unmittelbar, aber es besteht ein Zusammenhang. Geht mal Spargel stechen und geht mal mit mir Spargel essen.

 

Wir müssen sehr klar fragen: was ist für die Gesellschaft sinnvoll, notwendig und machbar zu leisten, und nicht für die Gemeinschaften (Volks-, Glaubens-, Ideen-Gemeinschaften) oder den Staat (JF Kennedy).

 

Konkret sind das gemeinnützige Arbeiten, die öffentlich verhandelt werden müssen. Wir erkennen unschwer, dass es sich um Dienstleistungen in Bereichen wie Bildung, Sozialarbeit, Integration, Betreuung von Ausgegrenzten usw. handeln wird, und nicht um die Substitution von Regelarbeit (selbst wenn man für die nicht ohne weiteres Arbeitskräfte findet. Und dann soll jeder und jede Bürger*in, nicht nur Staatsbürger*innen, die hier dauerhaft leben, wählen, welche Tätigkeit er oder sie für ein Jahr macht:

  • Hinreichend bezahlt
  • Hinreichend (sozial, kranken-) versichert
  • Hinreichend anerkannt

Hinreichend heißt: hier geht es nicht um die tariflichen und arbeitnehmer-orientierten Organisationsformen des Arbeitsmarktes. Hier geht es um die staatlich garantierten Bedingungen für gemeinnützige Tätigkeiten.

 

Für ein solches Konzept sprechen auch viele Veränderungen der letzten Jahrzehnte in den Bereichen von Familienstruktur, Adoleszenz (Wegfall und Änderung des „Moratoriums“, Hikikomori-Tendenz[1], stark gebrochene Aufstiegsgewissheit bzw. Zweifel an dem Erhalt von Status und Habitus etc.).

 

*

 

Für mich persönlich gi-bt es zwei besonders starke Motive, dieses Thema offen, öffentlich und praktisch anzugehen:

  • In meinem nächsten Umfeld erlebe ich, wie persönlichkeitsprägend und weltoffen Tätigkeiten, die die drei Bedingungen erfüllen und die drei Merkmale von Arbeit tragen, die oben beschrieben wurden;
  • Füe Flüchtlinge aller Art ist dies der beste Weg nicht nur zu einer teilweisen Integration, sondern auch zu einer starken Motivation der „Ansässigen“, ihren Status gegenüber den Arbeitsformen zu überdenken.

Also: keine Assoziationen mit dem Reichsarbeitsdienst und der Zwangsarbeit, sondern mit Gendergerechtigkeit, Gleichverteilung gesellschaftlicher Lasten und  der gemeinschaftlichen Bewältigung von Arbeiten, die gesellschaftlich sinnvoll, notwendig und machbar sind.

Damit das nicht sooo harmonisch klingt: es gibt das Phänomen der Wohlstandsverwahrlosung, und es gibt das Problem des „Verschwindens“ von Jugend in der ewigen Adoleszenz. Dazu ein andermal.

 

 

 

 

Walzer, M. (1984). Spheres of Justice, Basic Books.

 

[1] Vgl. nur ein Beispiel für Deutschland: https://www.br.de/…/1000-arten-regen-zu-beschreiben-neuer-kinofilm-von-isa-prahl-…(26.8.2018)

 

Das RECHTE Vorfeld

Schade, dass das RECHT nicht LINK heißt, darum ist der Rechtsstaat so doppeldeutig.

Am Grunde der Moldau wandern die Steine Es liegen drei Kaiser begraben in Prag. Das Große bleibt groß nicht und klein nicht das Kleine. (Brecht)

1968 geht nicht zu Ende. Damals wurde sozialistische Reform endgültig begraben, und die begrabene Hoffnung vom Grunde der Moldau wird jedenfalls nicht im nationalen sozialistischen Staat nie mehr auferstehen (von wegen „Aufstehen“).

1968 haben wir agitierten und agitierenden Studenten die Gefahr einer Wiederkehr des Faschismus und der Nazis drastisch beschworen (sollten glücklicherweise Unrecht behalten), aber die Bilder dieser Befürchtung habe ich noch vor Augen.

1968 hat für die gesamte Gesellschaft die Intensität, Differenzierung und Konsequenzen der Vergangenheitsbewältigung geöffnet: nein, früher war nicht alles besser.

Im Zuge dieser Fortschritte wurde die Rechts-Links-Koordinate zunehmend obsolet. Und dennoch ist Bevölkerung bei uns merkwürdig ungerührt durch etwas, das sowohl sprachgeschichtlich als auch im Alltagsverständnis nur als RECHTS bezeichnet werden kann, allerdings nicht auf rechte Parteien  (AfD, CSU) beschränkt ist, sondern auch in Teilen der Linkspartei und an Rändern der SPD und CDU zu finden ist. (Uns Grüne kann ich hier weitgehend ausnehmen, die FDP ist ein Flickenteppich).

*

Ich bekam böse Kommentare, als ich Teile – Teile! – der Sicherheitsorgane (Innenministerium, Bundes- und Landesverfassungsschutz, BKA/LKA etc.) als VORFELDORGANISATIONEN DER RECHTEN GEWALT im Zuge der Aufklärung des NSU bezeichnet habe. Ich bleibe dabei.  Nicht nur die sächsische Polizei, nicht nur das bayrische Polizeigesetz, nicht nur die gewalttätige Deportation gut integrierter Flüchtlinge – das sind EHEMALIGE Flüchtlinge, eigentlich schon Bürgerinnen und Bürger – sind Anzeichen RECHTER NORMALISIERUNG und mehrheitsfähiger Unterminierung des republikanischen Grundkonsenses der Demokratie. Rechts, das ist nicht einfach konservativ, sowenig wie Links einfach fortschrittlich ist.  Es geht um Modi Politik zu machen.

Rechts ist politisches Handeln gegen bessere Einsicht:

  • Freigabe von Glyphosat durch einen abgemeierten Minister, ohne dass er aus der Regierung entfernt wird (
  • Schutz von Kohleproduktion mit lügenhaften und falschen Argumenten angesichts beschleunigten Klimawandels (da sind zB. Gewerkschaften und linke Parteien auch auf der prekären Seite)
  • Die bedingungslose Unterwerfung großer Industrieunternehmen die Diktate der Iranpolitik des amerikanischen Psychopathen

Rechts ist die Dominanz virtueller nationaler Interessen vor transnationalen Menschenrechts- und Wirtschaftsräumen

Deutschland ist noch eine – im Großen und Ganzen – positive Ausnahme gegenüber vielen unserer Nachbarn und einer Vielzahl faschistischer Mitregierungen innerhalb der EU. Aber ungeniert vertreten auch die Vorstände der CSU und politisch wichtige Einzelpersonen jenen Nationalsprech, der oft an die Nazis VOR 1933 erinnert. (Vorsicht: ich habe diese Leute nie mit den Nazis NACH 1933 gleichgesetzt, sowenig ich die ANKERZENTREN  als Vernichtungslager bezeichnet habe, wohl aber mit Konzentrationslagern vergleiche).

Wie  man mit den Autokraten großer und starker Staaten und Militärmächte umgeht, ist heikel, weil man sehr wohl mit diesen Gegners reden muss, ohne ihnen in der Sache ohne Gegenleistung entgegen zu kommen. Diese Leistung ist keineswegs nur wirtschaftlich (aber auch), sie ist an Menschenrechte und politische Gegenseitigkeit gebunden (und das bedeutet, dass wir an unseren Politiken gemessen werden).

Hier liegt einiges im Argen. Nicht nur der bibelignorante Behörden-Kreuzler Söder und der Annstands-Lehrbub Kretschmer, nicht nur der verkommene Dobrindt und der Deportationsminister Seehofer – deren innerstaatliche Feinderklärung haben wir schon verstanden. Nein, im langsamen und schleichenden Abwenden von der aufgeklärten,  „empirischen“  Gegenwartsdiagnose einschließlich einer fast Trumpischen Behandlung von Medien und Wahrsagenden: Parrhesia tut not (das erlaubt den Übergang von Meinung zu Denken, von Meinungsfreiheit zu Praxis aus politischem Denken).

Die sächsische Peinlichkeit – einen pöbelnden Sicherheitsrechtsradikalen, einen staatlichen Vertreter des Vorfelds – ist ein Signal, kein Umsturz.

In diesem Vorfeld müssen wir nicht nur handeln, das heißt, gegenüber diesen Sicherheitsorganen transparente Illoyalität üben. Dazu kann man sich natürlich auf die Mehrheit der demokratischen Sicherheitsorgane stützen, aber warum legt man auch Hetzern wie dem Polizeigewerkschaftschef Wendt – schaut euch dessen Biographie genau an, und seine Zitate – und warum wird dem Deportationsminister nicht eine glückliche Altersruhezeit im Heim verordnet: der Pflegenotstand wird bewirken, dass ihm niemand mehr zuhört).

Faschistische und Nazi-Beteiligungen an Regierungen wie in Österreich, Italien, Ungarn etc. brauchen eine gesamteuropäische Politik gegen Rechts, also Aufklärung+Praxis (die kann am besten in den Bereichen Klima uund Gewaltenteilung machen).

Das bedeutet oft eine Verschärfung des Tons. Die rhetorische Sozialpartnerschaft ist oft ein Appeasement, eine Befriedungspolitik. Das will erklärt werden: NOCH spürt man die Nazis in Österreichs Regierung nur in der systematischen Besetzung von Polizei, Bundesheer, Medien etc., aber es lebt sich wie früher, und das „System“ ist keineswegs faschistisch, nur schlecht bis peinlich regiert. Aber an der Südtirol-Nationalitätenfrage kann man sehen, wohin die Nazis streben (Kneissl, die so genannte Außenministerin, tanzt mit Putin, und die Bomben  aus dem Alto Adige sind vergessen (schaut nach unter Ebensee 1963 https://diepresse.com/home/…/Vor-50-Jahren_Bombenanschlaege-erschuettern-Ebensee…; zufällig bin ich Kind und Jugendlicher dort aufgewachsenen, und habe richtige Linke und dauerhafte Nazis gleichermaßen kennen gelernt).Der scharfe Ton ist nicht diplomatisch,  aber er soll auch nicht dort verwunden, wo nicht gekämpft wird.

Er soll schmerzen. Auch die jetzige Regierung. Auch die Nutznießer des wirtschaftlichen Zwischenschlaraffenlandes. Auch uns.

Dem rechten Vorfeld der Nazis in Europa kann man nur begegnen, wenn die Nation dekonstruiert wird, wenn es nicht erlaubt sein soll, dass Christentum und Islam oder ethnische Erfindungen über dem Recht stehen.  (Der NRW Innenminister pocht auf das gesunde Volksempfinden. Seine Entschuldigung ist so krank wie sein Satz, der kein Ausrutscher war).

1968, das Schimpfwort der Rechten, ist noch nicht fertig. Aber ein guter Schritt wäre es, einmal die Archive und Dokumente von Damals und ihre Wirkungen anzuschauen. Früher war nicht alles besser.

PS: wie gut es den Nazis in Österreich geht, zeigt folgende Meldung des ORF von heute:

Ermittlungen in NS-Liederbuchaffäre eingestellt

Die Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt (Niederösterreich) hat das Ermittlungsverfahren wegen Paragraf 3g Verbotsgesetz gegen vier Personen, die für die Zusammenstellung und Illustration der sichergestellten Liederbücher der Burschenschaft Germania Wiener Neustadt verantwortlich zeichneten, eingestellt. Die Anklagebehörde verwies heute auf die in Ansehung des Verlags- und Ausgabezeitpunktes im Jahr 1997 eingetretene Verjährung.

Mehr dazu in noe.ORF.at

Mit der Einstellung des Ermittlungserfahrens stehe Landbauer die Rückkehr in die Politik offen, sagte FPÖ-Landesparteiobmann Walter Rosenkranz heute gegenüber der APA. Er würde sich über ein Comeback freuen, zumal der 32-Jährige aus seiner Sicht „für die FPÖ Niederösterreich unverzichtbar“ sei. Eine Rückkehr könne in wenigen Tagen vollzogen sein.

Verjährung mag juristisch in Ordnung sein – Unsinn: das Buch wird ja von den Nazis bis heute verwendet. Aber dass der Nazi Landauer für die Nazis von der FPÖ UNVERZICHTBAR ist, zeigt die Verzichtethik  künftiger Verbrecher.

 

 

 

Die Wende von Prag

 

Am 21.8.1968 marschierten die Sowjets, unterstützt von den Ostblocksatelliten, in Prag ein, um das Experiment des Prager Frühlings brutal abzubrechen. Es finden aus diesem Anlass heute viele Veranstaltungen statt, auch in Tschechien und der Slowakei, auch hier in Deutschland. Prag ist der Wendepunkt, nach dem niemand mehr dem so genannten Sozialismus, der so genannten Sowjetunion, den Vorschuss an utopischer Glaubwürdigkeit geben konnte – außer den heutigen Nationalisten in Ungarn, Polen, …. Der andere Sozialismus – der mit menschlichem Antlitz – hatte sich nicht verwirklichen lassen und ließ sich nicht verwirklichen, und die sozialdemokratischen Alternativen haben mit diesem Sozialismus ohnedies nichts zu tun. Links ist anders, das hatten viele von uns damals schon kapiert und die meisten etwas später. Vorläufer des Aufstands gegen den Kommunismus, 17. Juli, Ungarn 1956, wurden zu Vorboten dieser Einsichten, für mich kamen sie zu früh (obwohl ich ein Vokabular ab meinem 9. Lebensjahr, Ungarn, anlegte – damals aber nicht verstehen konnte, worum es ging, außer gegen die Sowjetunion).

Ich war ein paar Tage, vom 1. August 1968 an, in Prag, nicht zufällig mit einem Lehrer, der Mentor und später Freund in politicis und Kultur werden sollte. Was kommen würde, lag in der Luft. Verzweifelte, als Verhandlungen getarnte Treffen der Reformführung mit den Russen. Obwohl uns ein Spitzel abzuhalten versuchte, waren wir am Altstädter Ring, als Josef Smrkovsky aus Cierna nad Tissu zurückkam, spät abends, erschöpft, und eine Rede an die Tausenden hielt, die schon mehr Angst und Hoffnung hatten. Aber natürlich, die Hoffnung hatte ja festen Grund in den Monaten davor gehabt. Die Menschen intonierten „Swoboda“, Freiheit, der Name des Präsidenten.

Die Ereignisse sind hinreichend und präzise beschrieben. In meinen Tagebüchern steht zu wenig davon. Deshalb die österreichische Verzweigung.

Schon vor dem Einmarsch war Wien das Zentrum der ausländischen Vermittlung des Prager Frühlings und anderer Ostblock Dissidenz. Und in Wien wiederum eine sagenhafte gute Zeitschrift, das NEUE FORUM, herausgegeben von Günther Nenning,  einem christlichen Sozialismus und einem „mehr Demokratie“ wagen avant la lettre verschrieben, auch Organ der Paulus-Gesellschaft und Treffpunkt eben der Leute aus Prag, mit den Polen, Ungarn und westlichen Intellektuellen und Hoffnungsträgern. Ein paar von vielen Namen, um den damaligen Pluralismus einer wirklichen „Sammlungsbewegung“ mit einem Focus noch in der Sozialdemokratie, und einem andern in der Zukunft, zu beschreiben: Ernst Bloch, dauernd, Cohn-Bendit, Hans Kelsen, Thomas Bernhard, Herbert Marcus, Sartre…u.v.m. Und ich insofern mittendrin, als ich in der Reaktion ein und ausging, eine Art Hilfskraft im freiwilligen Studienbegleitdienst, zeitweise sogar mit einem Bett in einem Büroraum.  Und da waren sie, die Prager (die wichtige Unterscheidung zwischen dem Prager und dem slowakischen Frühling lasse ich jetzt weg).

Für die, die das schon wissen: überschlagt die nächsten Absätze. Im Internationalen Komitee des DIALOG-Teil des NEUEN FORUM saßen u.a. Eduard Goldstücker, Josef Hromadka, Robert Kalivoda, Milan Machovec u.a., alle aus Prag. 1967/68 wird  unter anderem berichtet und geschrieben

  • Dieses Jahr in Marienbad: 9 prominente Beiträge zu einer Tagung: April/Mai 1967
  • Milan Prucha: Marxismus als Philosophie menschlicher Existenz (Nov/Dez. 1967)
  • Aus Anlass des Prager Schriftstellerkongresses: Brief eines tschechischen Schriftstellers an einen Freund. Darin ein Zitat von Ludvik Vakulic:

Die Kongressdiskussion soll sich auf folgendes Problem konzentrieren: Den wirklichen Stand der Menschlichen Freiheit in einem System, das zur Wahrung der menschlichen Freiheit konstruiert worden ist! Es gibt kein wichtigeres Thema. Für niemanden.

Der Kongress endete übrigens mit Parteiverfahren gegen Vaclav Havel, Pavel Kohout, Ludvik Vakulic und Klima.

  • Frühling in Prag: Gesammelte Pressestimmen, u.a. mit Artikeln von Smrkovsky, Mlynar, Ota Sik, Eduard Goldstücker, u.a. März/April 1968
  • Karel Capek (1938): Tschechisches Nachtgebet, (zum Münchner Abkommen) Nov/Dez 1968
  • Vaclav Havel: Zwei Gedichte aus Listy: Zweierlei Auffassungen der Normalisierung und o.T.

Danach war Wien natürlich voll von Analysen, Reminiszenzen, Bewertung, auch Streit, über den Prager Frühling. Wie es mich freute, Havel noch einmal zu treffen, da war er Präsident und aht eine Hochschulkonferenz begrüßt.

Im Forum stand übrigens ein kurzer sehr scharfer Artikel von Hannah Arendt: Die Räte des Volkes, warum die Sowjetunion ihren Namen zu Unrecht trug, und Rätedemokratie das probate Mittel gegen Parteiendiktatur ist (Oktober 1966): soweit zur Konstitution des Volks, das auch UK Preuss immer wieder anmahnt. Ende des Forum-Exkurses.

*

August 1968., zurück in Österreich. Der Inspirator unserer Studentengruppe „Aktion Wien“, Bernhard Frankfurter, wohnte damals bei uns in Salzburg und wir verfassten einen Brief an die Ostblockbotschaften mit Protesten  gegen das sowjetische Vorgehen. Der Brief lag keine zwei Stunden im Postkasten, da waren wir schon bei der Polizei vorgeführt. Wie die an die Briefe gekommen sind? Meinen Namen kannten sie in Salzburg, wir wurden ermahnt…schließlich hätte Österreich den Russen seine Freiheit zu verdanken (1955 Staatsvertrag!).

Zurück in Wien, Demonstrationen. Der Genosse Dworzak schrie: „Nie leuchtete die Fahne des Sozialismus so (herrlich?) wie heute“ und der Protest gegen die Russen war universell und bunt. Um mir zu zeigen, was Sicherheit ist, wurde ich nach einem kurzen Aufruf in englischer und französischer Sprache an die Touristen vom Ma. Theresiendenkmal herunter zur Polizei geladen, – solche Aufrufe seien verboten – aber eher um mich einzuschüchtern: man wusste alles über mich, und erschreckte mich in der Tat damit. Das aber war nicht der Grund, warum ich nicht bei den Realsozialisten gelandet war, sondern nach Jahren in der SPÖ bei Sozialisten Büro und später bei den Grünen. Ohne Prag wäre das schwieriger gewesen.

*

Worin lag für mich die Wende von Prag? Persönlich im Anschauen dessen, was ich bisher nur aus Erzählungen, Studium und Interpretationen aus zweiter Hand kannte: Wie sehr Politik in das Leben von Individuen und Gruppen eingreift, wie sie einen auch zur Persönlichkeit formt (etwa, dass Beziehungen auch an den politischen Brüchen zerbrechen oder aber sich an ihrer Überwindung stabilisieren).

Am tatsächlichen Studium der Staatstheorien und Gesellschaftskonzepte von Sozialismus, Marxismus und ihrer Antagonisten. Dazu war Prag – nicht nur im Neuen Forum – eine Plattform und ein lange nachwirkendes Zeichen dafür, wie die brutale Herrschaft jede auf kritische Praxis gerichtete Denkanstrengung zunichte machen kann, und meist macht.

Der Prager Spitzel, ein dürftiger alter Mann, hatte uns die herrlichsten bürgerlichen Sammlungen tschechischer Glaskunst gezeigt, vielleicht weil er früher an ihnen Teil hatte? Das brachte mich zu mehr Interesse an der Geschichte staatlicher Akteure, mindestens in die Zwischenkriegszeit. Die sollte ja in den heute uns kaum vermittelbaren unglaublichen Konflikten in der SPÖ eine Rolle spielen, die Ende der 60er Jahre Sozialismus, Sozialdemokratie und nicht-sozialistisches Linkssein zerfaserten. Aus all dem ist eine Gewissheit für Ungleichzeitigkeit(en) herausgekommen, die von der Philosophie Ernst Blochs formuliert, aber in ihrer politischen Tragweite erst erkannt werden will. Die man heute noch bei jedem Pragbesuch erfahren kann.

*

Ich höre mir heute Abend Zeitzeugen an, zum Einmarsch.

Eine kleine Nostalgie: wenn man das Neue Forum der späten 60er liest in seiner üppigen Textbreite, und im Anzeigenteil der Zeitschrift die Ankündigung von sechs, acht weiteren klugen Journalen, und Werbung für Ereignisse aus Kultur und Politik, dann weiß man, was heute nicht mehr, sondern weniger geworden ist.

Tipp: Schaut ARD Startseite im Internet und Programmankündigung für heute 21.30