Deutschland erwacht – halbwegs?

Lest einmal die Liedfassung von 1937, von Bruno Schestak gereimt und vertont, Hitler gewidmet.

Ich schreibe sie hier nicht auf, sie ist zu gräulich. Interessant ist, wo man den Text im Netz findet, in welcher Nachbarschaft sich der Hass breit macht. Die Beziehungen zu älteren Liedtexten und Melodien (Sturmlied: https://en.wikipedia.org/wiki/Sturmlied) sind nachgewiesen.

Oder vielleicht doch die zweite Strophe von Schestak: (http://ingeb.org/Lieder/deutsche.html)

. All diese Heuchler, wir werfen sie hinaus,
Juda entweiche aus unserm deutschen Haus!
|: Ist erst die Scholle gesäubert und rein,
Werden wir einig und glücklich sein! 😐

Das klingt wie Beatrix von Storch, wie Höcke, wie Kalbitz….wie ein ganze Menge von AfD Politikern. Und die lässt man reden.

In einem Einwanderungsland wie der Bundesrepublik können wir Juda durch Millionen Menschen, die als MigrantInnen zu UNS gekommen sind, ersetzen, gleichzeitig einen ethno-rassistischen Antisemitismus weiter hinnehmen, und dann der Verheißung folgen: Wir werden einig und glücklich sein. Dass jüdische Menschen in der Regel gerade die Scholle nicht  besessen haben, war den Menschen 1937 wohl entfallen; und dass das Verschwinden der jüdischen Deutschen, später der jüdischen Europäer Einigkeit und Glück gebracht hätte, wird niemand unterstellen. „Verschwinden“ = Wir töten sie.

Nun überlasse ich Deutschland nicht den Nazis von NPD, AfD und Identitären. Langsam wachen die wachen Geister auf und verstehen, dass es sich bei diesen Menschen und Parteien nicht um zurückgelassene verängstigte Abgehängte handelt, sondern um a) Nazis, wie sie VOR 1933 zunehmend den Ton angegeben haben, b) um deren geistig-moralische Gefolgschaft, die vor 1933 und dann im „Reich“ und dann danach unter allen Lebensumständen die Ideologie der Protagonisten nicht verstehen konnten, weil sie sie nicht verstehen wollten, c) um solche,  die das alles sehr wohl verstehen und sich Erfolge oder Positionen für die Zukunft erhoffen.. mit der Gruppe d) den Verführten, Eingeschüchterten, dem Missverstehen anheim Gegebenen wollen die Politiker reden, die selbst, als Demokraten, Wahlen verlieren und sich Legitimität zurückholen wollen…reden, reden, reden.

Nun, die Kommentare der Wissenschaft werden erfreulicherweise immer deutlicher.  Ein gutes Beispiel ist Matthias Quent; es gibt deren mehrere. Es ist nicht selbstverständlich, dass die Wissenschaft der Politik politisch voraus ist.

*

Die Nazis sind keine neuen Nazis, es sind Nazis, und ihr Gedankengut ist, mit den zeitbedingten Verschiebungen und kommunikativen Modernisierungen, so identitär grundständig wie eben die früheren Nazis auch nicht homogen waren. (Das war im übrigen eine ausnutzbare Stärke der Nazis, gegenüber relativer Engführung der kommunistischen Fokussierung). Und dass gemäßigte oder so genannte Bürgerliche bei den AfD und Identitären jedes Potenzial zur illegitimen Gewalt, zum Rassismus, zur Diskriminierung leugnen – Meuthen etwa, das war früher auch so: der osmotische Rand verbrecherischer Organisationen ist sozusagen die Systemumgebung der Faschisten, aus der sie ihre Ressourcen ständig beziehen und erneuern.

Damals wollten sie, dass Deutschland zur Diktatur erwache, sie also nicht einfach von oben geschehen lässt. (was ja auch geschähe, könnte die AfD mitregieren und im demokratischen Rahmen mit entscheiden, was ja einigen Ortes bereits der Fall ist…).

Die Demokratie muss hinnehmen, dass sich ihre Feinde artikulieren. Sie muss den Versuch der Teilhabe an der Herrschaft nicht hinnehmen und damit sind auch die Grenzen der Meinungsfreiheit für diese Nazis deutlich gezogen. Die Frage, ob „man“ mit ihnen reden dürfe, diskutieren, ob sie in der öffentlichen Meinungsvielfalt adäquat „vorkommen“ dürfen, entscheidet sich nicht schematisch, das ist wirklich ein Problem. Muss die AfD bei jedem Thema in jeder Talkshow „vorkommen? Der heikle Punkt ist, dass das Vorkommen der Nazis nicht ausschließlich das Ergebnis einer Wahl, eines Ergebnisse von 20-30% sein kann. Womit wir wieder bei a)-c) sind. Die oft geforderte klare Kante besteht nicht in pauschaler Ablehnung und eigener (demokratischer?) Redebereitschaft oder Kommunikationsverweigerung. Zuerst müssen die nebeligen Begriffe beiseite geräumt werden, dann kann man auch leichter mit Gruppe d) reden.  Aber Nazis sind eben Nazis und keine Rechtspopulisten, Gewalt- und Hassprediger sind eben nicht nur Übertreiber, Abgehängte sollen sagen, worin sie abgehängt sind, bevor man sich ihrer Sorgen annimmt…Da können wir Wissenschaftler schon mehr an Beiträgen leisten als jetzt der Fall ist.

*

Ich lege hier meine eigene Latte hoch: Klima und Nazis sind die Twintowers. Dazu: die Nazis sind nicht immer Nazis im historischen Sinn, Trump steht ihnen geschichtlich näher, auf niedriger Ebene Orban oder Kaczynski, aber die andern Selbstherrscher sind da nicht weit weg. Test für arrivierte Lehrende an der Oberstufe: Nazitexte, Stalintexte, in manchen Fällen Texte des Vatikan, und solche von Subalterndiktatoren: mischt sie, und lasst die SchülerInnen und StudentInnen herausfinden, woher der Sound kommt. Die DDR war groß im Verwerfen der Totalitarismustheorie und  hat sie doch nur gefestigt; die USA, auch von uns lang gepflegter Verbündeter in Recht und Entwicklungszusammenarbeit, sind mit China, Russland und einigen andern Weltmarktführer in Folter, Todesstrafe, Vertragsbruch. Messen wir andere Gesellschaften an dem, was wir zur Gewaltherrschaft und zum Klima tun, wie wir handeln, gibt uns eine Reflexionsebene ab.

Zwischenfazit: zum ersten Teil dieses Blogs ein kleiner Aufruf: Stellt euch auf den weitern,  langwierigen und langfristigen Umgang mit Nazis ein, gebt ihnen nicht nach, und zwingt sie in den Diskurs-Zusammenhang, der Demokratie lebendig hält, also widersprüchlich und unabgeschlossen. Vor allem, wenn sie glauben, sie seien erwacht, heißt das noch lange nicht, dass wir schlafen.

Zum zweiten Teil: auch wir haben unseren Anteil am Erstarken einer Bewegung, die wir gut kennen sollten (ich erspare mir das „eigentlich“, wie gut wir sie kennen sollten). A) bis c) kann man nicht bekehren, und soll sie nicht bekehren wollen: man muss sie bekämpfen. D) ist die Zielgruppe, die soviel faschistisches, nazistisches, stalinistisches, klerikales, unaufgeklärtes Potenzial in sich trägt, das für alle Parteien reicht und in allen gilt.

 

 

Damals 1933 1989 2019

Damals wie heuteWir sind das Volk – plakatiert die AfD, und abgesetzt darunter: 1989 / 2019 Vollende die Wende!

Nach den für die Nazis erfolgreichen Landtagswahlen vom 1.9. war mein erster Impetus: hört auf, die AfD hochzuschreiben. Andere, demokratische Kräfte kommen kaum mehr vor im öffentlichen Diskurs. Sarah Wagenknecht, spätstalinistische Hofdichterin der desaströs abgestürzten Linkspartei, sucht die Schuld bei der eigenen Partei, von der früher das Wahlvolk ähnlich motiviert war wie heute von der AfD, und wohl aus diesem Grund massenhaft übergelaufen ist…was sie damit wirklich sagt, ist ziemlich furchtbar: nämlich das Eingeständnis, dass die Linkspartei/vorher PDS/vorher SED, nun tatsächlich das Spiegelbild der Protestpartei von Systemgegnern war (und ist). Furchtbar, weil sich z.B. in Brandenburg gerade die Linkspartei von ihren Stasi-Altvorderen teilweise mit dem Stimmzettel massiv getrennt hat. Das macht sie etwas demokratischer und etwas weniger wurzelgrundhaft populistisch. Wagenknechts Intention ist natürlich eine andere: hört aufs Volk, seid nicht abgehoben, sondern versteht die Ängste, Sorgen, Verlustgefühle…und bitte, überprüft ja nicht deren Berechtigung und Inhalt. Kubicki, von der anderen kleinen Verliererpartei, sagt ähnliches, mit der Nuance, dass nicht alle WählerInnen der Nazis selbst Nazis sind. (Es gab auch WählerInnen der NSDAP, die keine Nazis waren, so wie es KPD WählerInnen gab, die keine Stalinisten waren. Dennoch muss man von Nazis und Stalinisten sprechen…). Damals wie heute: die AfD sagt 1989, und meint 1933.

Ob ich da nicht übertreibe? Wenn man dem gemäßigten Parteivorsitzenden Meuthen glaubt, übertreibe ich und sorge dafür, dass polarisierte Plebejer jetzt erst recht AfD wählen. Wenn man den Weidels, Gaulands, Höckes, von Storchen und Kalbitzen zuhört, dann übertreibe ich nicht. Kalbitz, erwiesenen rechtsradikalen Ursprungs, bemüht sich, nicht nur wie Himmler auszuschauen, sondern auch seine Diktion und seinen Habitus dem anzugleichen…Vor 1933 hatten die Nazis zwischen einem Drittel und der Hälfte der Deutschen vor sich hergetrieben, heute ist es noch nicht so arg, aber bei 25% liegt gesamteuropäisch und auch in Deutschland das Nazipotenzial.

Zwei Vergleiche müssen sein: der mit den Nazis vor 1933 und der mit anderen faschistischen Parteien in Europa.

Letzteres ist einfach: überall wo „rechte“ Parteien an der Regierung oder stark in den Parlamenten sind, werden populistische, rassistische, oft sexistische, ethnopluralistische Argumente immer neu zusammengesetzt. Es gibt keinen einheitlichen Faschismus, hat es nie gegeben, und es gibt keine stichhaltigen Polarisierungen an den Extremen der Rechts-Links-Koordinate. Dabei ist allerdings wichtig, dass dies auch nicht bedeutet, es gäbe eine akzeptable Mitte, z.B. eine Liberale. Die Achse ist falsch, und alle Positionen auf ihr tragen nicht.

Die Nazis vor 1933 waren auch nicht homogen (übrigens danach auch nur in Maßen). Die AfD hat –  selbstverständlich und „natürlich“, wenn man die „Natur“ der politischen Rahmenbedingungen nimmt – einige andere Schwerpunkte, Anlässe, Events, Trigger und mediale Methoden. Aber keine grundsätzlichen Differenzen, selbst die Spaltung in einen völkisch-ethnonationalen und einen staatlich-faschistischen Flügel hat es bei den Nazis schon früh gegeben.

Wenn jetzt die Woidkes, Wagenknechts, Kubickis etc. uns auffordern, mit den Leuten zu reden, kann das verschiedene Dimensionen haben. Bekehren wollen kann man sie durch Zuhören und Reden nicht. Die Abkehr vom nazistischen und völkischen Gedankengut erfordert eine Abtrennung der Gefolgschaft von den Leitfiguren, die ja keinen geringen Druck auf die Einzelnen ausüben. Und es erfordert eine andere Diskursebene als die Konfrontation dessen, was wir von der AfD halten. Zum einen – keine Bußübung, bitte – sollten wir überprüfen, von welcher Position aus wir die AfD kritisieren. Die AfD schädigt gewiss die Parteiendemokratie weniger als das republikanische Grundverständnis der demokratischen Gesellschaft. Als Partei bedient sie sich der Propaganda, Lüge, Versprechungen, Verschleierungen von Einnahmen – vielleicht schlimmer als andere Parteien – aber nicht grundsätzlich anders. Als politische Kraft, d.h. als soziale Gruppe mit unscharfem Rand und machtvollen Strukturen im sozialen Raum, hingegen können wir sie rigoros ablehnen,  weil sie weder mit dem Buchstaben noch dem Geist des Grundgesetzes einher geht – ohne dass wir bereits über jede Kritik in dieser Richtung erhaben sind. Der Rassistische und völkische Kern, der Ethnozentrismus und die Zivilreligion des Volks an sich, das sind die Punkte, an denen wir sie angreifen müssen, zur Gegengewalt  bereit sein können – und eine andere Politik auf Gebieten machen, wo die AfD tatsächlich populistisch Schwachstellen aufgreift – das haben autoritäre Parteien immer so gemacht und machen es in ganz Europa weiter so.

Damals ist kein Zufallswort und kein Gag. 1989 in die Tradition von 1933 zu stellen, ist so „konsequent“, wenn man will, wie den Widerstand der Weißen Rose oder Willi Brandt zu vereinnahmen – nicht einfach taktisch klug. Man bemächtigt sich unseres Selbstverständnisses, um selbst keines herstellen zu müssen. Was tun wir? Verteidigen die Geschwister Scholl oder Willi Brandt, anstatt ihren Vergewaltigern die Luft der Kommunikation abzudrehen. Sagt sich leicht, ich weiß, und ist schwer. Aber man muss diese Typen angreifen und ihnen nicht den Pluralismus der Demontage jenes Bodens gestatten, auf dem wir und unsere Kinder stehen. Was mich zurückbringt zur notwendigen Analyse des Rahmens, aus dem heraus wir politisch argumentieren.

Die Wahlanalyse zeigt: die AfD kann in Zukunft nicht noch einmal so viele bisherige Nichtwähler mobilisieren. Das ist gut so, aber wir müssen uns um die auch kümmern. SPD und CDU dürfen sich nicht auf ihren Status als Volksparteien berufen, wenn sie nicht bereit sind zur Konstituierung des Volkes aus der Bevölkerung heraus einen demokratischen Beitrag zu leisten, in der Sozialpolitik, in der Klimapolitik (Woidke und seine Braunkohle), aber auch in der Bildungspolitik (die kam im Wahlkampf so gut wie nicht vor); wir, die Grünen, haben das besser gemacht, aber es fehlt noch etwas im Konzipieren einer Politik, die nicht jetzt die roten Linien benennt und dann nicht über sie hinaus kann…lass die andern mal, wo sie sind.

Vor 1933 haben – aufgrund anderer Umstände als heute – viele Menschen nicht mehr an die Kraft der repräsentativen Demokratie zur Ordnung der gesellschaftlichen Verhältnisse geglaubt und sind der autoritären Zielvision gefolgt, dass es eine Herrschaft schon wird richten können. Damals wie in der Nazizeit, wie in der Sowjetunion, wie in der DDR hat sich solches Denken in starken Residuen erhalten, ist gar neu aufgekommen. Man kann es nicht durch das bessere Argumente abtöten, sondern nur durch richtiges politisches Handeln. Und was auf der Hand liegt, dieser Katalog, ist ja da.

Warum tun wirs nicht, wenn wir das Geld, das Mandat und die Instrumente haben? weil wir WählerInnen verlieren, weil wir Menschen abhängen, weil Menschen in ihren Ängsten bestätigt werden, weil es niemand versteht als die Eliten da oben….? alles nicht gänzlich falsch und doch in Gänze falsch. Die Macht, das zu tun, was, auch wenn es weh tut, jetzt gemacht werden muss, braucht legitime Macht, die wir ausüben können, also eine andere Herrschaft,  und keine Furcht vor den Gespenstern der Geisterbahn des Volkes, das es gar nicht gibt. Des deutschen Volkes schon gar nicht….

Glücklich ist, wer vergisst…

Glücklich ist,

wer vergisst,

was doch nicht zu ändern ist.

(„Die Fledermaus“)

Seit Tagen raschelt etwas bei mir im Bücherzimmer, undefinierbar. Heute wurde es lauter. Auf einem hohen, schwer erreichbaren Regal, wo Marx, Engels, Lenin und Mao einträchtig verstauben, rumort es. Ich ziehe zwei Bände Lenin heraus, und gleich wieder drücke ich sie ins Regal: dahinter saßen mehrere kleine Fledermäuse.

Erste Erklärung: vor ein paar Tagen flatterten gleich mehrere dieser lieben Tiere durch unsere Balkonzimmer.

Was tun? Lenin gab keine Antwort. Nach einigen Telefonaten kam eine NABU-Expertin für Fledermäuse (die war zufällig beides und am Freitag um 16 Uhr noch erreichbar). Sie erbat einen Karton, wir mussten die Oberlichtfenster aufmachen. Dann räumten wir die Bücher ab: Hinter Marx ca. 15, hinter Lenin 5, hinter Hannah Arendt 1 Fledermaus der Gattung „Mückenfledermaus (Pipistrellus pygmaeus)“; sie ist zierlich, passt in eine Streichholzschachtel und nährt sich von Insekten. Leider scheißt sie regelmäßig und kurz nach Nahrungsaufnahme, sodass ich endlich meine verstaubte Bibliothek nach Fledermausbefall verabscheue und den ganzen Raum reinigen muss.

21 Tiere im Karton, drei oder vier flatterten noch dazu im Raum herum und verschwanden dann durchs Oberlicht. Auf dem Dachboden war es den niedlichen Tierchen wohl zu warm, der Klimawandel schlägt auch da zu. Die Expertin zog mit dem Karton und den geretteten Tieren ab. Die Tiere sind zu klein, um einen in die Hand zu beißen, und deshalb bekommt man keine Tollwut; das beruhigt. Sie sind bislang nicht verhungert, also muss es doch einige Insekten hier gegeben haben. Für meinen Freund, dessen Hund Mopsa heißt, hätte ich mir natürlich die Mopsfledermaus (Barbastella barbastellus) gewünscht, aber die ist größer.

Die Geschichte erzähle ich euch, weil offenbar Marx und Lenin in Büchern sich verewigen, in denen sich Fledermäuse gerne aufhalten, weil sie da ungestört bleiben. Jetzt frage ich mich natürlich, wie bei anderen Büchern, warum ich die noch aufbewahrt habe. Naja, im Kapital I und III sind ja bedeutsame Aufzeichnungen mit Bleistift als Randglossen drin (Lesekreis Osnabrück 1975), aber in weiteren Bänden eher keine Spuren intensiver Lektüre. Lenins Reden ohnedies fürs Alter angeschafft, und so weit bin ich noch nicht. Die Beschaffungsgeschichte lässt mich meine Ausflüge nach Ostberlin erinnern und die Arbeitskreise, in denen sich über Marx und seinen Exegeten Beziehungen bildeten bzw. entzweiten und tiefe Einblicke in unser Verhältnis zum Proletariat gewährt wurden. Heute gibt es uns, aber kein Proletariat mehr, oder umgekehrt, es gibt uns nicht mehr.

 

 

Unsere Fledermäuse waren zu klein, um Alpträume zu produzieren. Aber beim Beseitigen der Batman-Scheiße blättere ich durch die säurefesten MEW Klassiker und die großgedruckten Mao-Bände, meine Notizen goutierend, auch das Arbeitsheft des Kapitalarbeitskreises ist dabei, ich war damals schon ein guter Chronist. Parteiprogramme, a so a Schaas, wie der Wiener sagt.

Kommentar eines guten Freundes, lesbar gemacht:

Erstens beweist der Nestbefall, dass Du noch klar im Kopf bist und jahrelang gut marxistisch in Blogs argumentieren kannst, ohne die blauen Bände in die Hand zu nehmen.

Zweitens ist der Fall ein Beweis dafür, dass Dein Arbeitszimmer gut durchlüftet und mit Sauerstoff  versorgt ist (irgendwie müssen die Tiere ja von außen hereinkommen, wenn sie nicht Brehms Tierleben entflogen sind) – was für den Kopf ebenfalls von Vorteil ist.

Zum Dritten hättest Du nun die Möglichkeit, das Nest heimlich an der Willy Brandt Baustelle (BER) zu verstecken und damit den Bau des Flughafens um weitere 20 Jahre zu verzögern.

 

Ich bin gerührt. Nun ist aber das Problem, dass nach Säuberung und Entstaubung die Klassiker wieder dort stehen, wo sie gestanden haben, und wohl bis zu meinem Auszug in die elysischen Gefilde dort stehen bleiben, obwohl ich gesehen habe, wie viele von den Frühschriften ich genauer, und wie wenig von der politischen Ökonomie ich durchblättert hatte in jenen Tagen…(letztere kam erst vor ein paar Jahren wieder zu Ehren, nicht ganz linientreu).

 

*

 

Die Episode der Kleinvampire ist auserzählt. Der Rückblick auf meine Frühbildung auch. Was bleibt, sind doch ziemlich viele Bücher, weniger als eine Gelehrtenbibliothek, viel mehr als ein normale Büchersammlung. Und die geben mir heute schon ein paar mehr Überlegungen auf. Sich mit Büchern und Bildern zu umgeben, ist auch ein Zeichen. Nicht in den weiß-gläsernen Apartments der transparenten Bürger wohnen zu wollen. Ein Zeichen für wen? Die Konservativen? Die Wärmedämmung durch Bücher als Beitrag zum Klimawandel? Die ständige Möglichkeit der Bildungsergänzung, wenn EndNote zu wenig bietet? Keine trivialen Erwägungen, weil ich ja der Endlichkeit dieser Lagerstätte entgegensehe, und es schon etwas schmerzt vorauszusehen, wie wenige der Bücher ein Antiquar meinen Nachkommen anbieten wird, wenn sie das alles entrümpeln. Stelle ich Bücher an die Straße, sind sie schnell weg…habe ich etwas übersehen bei Lohn, Preis und Profit? Die Sache hat ja auch einen aktuellen Haken. Solche Wohnungen und Bibliotheken sind eine Emanation der Sesshaftigkeit. Migranten haben das Problem nicht.

 

 

 

Böse ist nicht dumm

Die Reaktion der Ungläubigen ist fast stereotyp: Trump ist dumm…Johnson ist dumm…Bolsonaro ist dumm…besonders dumm ist Salvini oder Orban oder…Wie kann man nur so dumm sein, dies und jenes anzuordnen, durchsetzen, zu zerstören?

Jemand anderem, zumal Politikern, Dummheit zu attestieren, bedeutet a) dass man weiß, was Dummheit ist, b) dass man die Handlungen dieser Person beurteilen kann, und c) dass das  eigene Urteil über die Sache nicht dumm ist…sondern was?

Ende des kurzgefassten Lehrplanauftakts.  Dummheits-Zuschreibungen sind wie ein moralisches und intellektuelles Asyl für Halbgebildete. Das macht die Aussage so gefährlich. Warum halbgebildet? Die zur Ideologie heruntergekommene Meinung wird als gebildete Aussage von höherer Warte gegen die unmittelbaren und mittelbaren Wahrnehmungen und Ansprüche der Menschen gesetzt und vor allem durchgesetzt. Adorno hat in seinem (ungemein schwer lesbaren und komplexen) Vortrag von 1959 „Theorie der Halbbildung“ das u.a .am Begriff des Leitbilds deutlich gemacht, den er als Überlebenden aus dem Faschismus analysiert. (T.W.Adorno: Theorie der Halbbildung, 2006, S. 28f.). „Make America Great Again“, ist nur ein Beispiel. Sein Protagonist, Trump, ist nachweislich ein Lügner, Sexist, Rassist, Wirtschaftsbetrüger, Kriegszündler…nur eines ist er nicht: dumm.

Wir sind dumm, wenn wir Dummheit anwenden, um nicht denken zu müssen, um nicht analysieren zu müssen, um nicht unsere eigene Haltung zu überprüfen, die uns den Andern dumm erscheinen lässt.

Die Logik der Trumps und Putins und anderer „Halbirrer“ ist oft durchschaubar und nicht selten eindeutig. Sie richtet sich gegen unsere Interessen, dient aber ihren. Halbirr sind die Menschen deshalb, weil Intelligenz vor pathogener Deformation, Narzissmus etc. weder schützt noch deren Träger von vornherein als krank entschuldigt.

(Ein Einwand gegen meine Argumente wäre, die wirklich Dummen der zweiten Reihe, z.B. bestimmte MinisterInnen, hohe Beamte, Generale usw. von der Zuschreibung mit den gleichen Argumenten freizusprechen. Klar, es gibt Dumme, aber die zeigen sich nicht durch IQ Messungen, sondern durch Handlungen: z.B. des Verkehrsministers Trickserei mit den Mautverträgen…da darf man das Wort auch öffentlich anwenden. Aber z.B. Seehofers inhumane Deportationspraxis ist nicht dumm, sondern böse. Im Sinne einer aus der Moral abgeleiteten Begrifflichkeit sind es immer böse Handlungen, nicht etwa ein so genannter Charakter).

Warum mich das schon am Morgen umtreibt? Weil die halbgebildete Bequemlichkeit sich durch die Dummerklärung aller Unangenehmen, Ärgerlichen, Diktatoren und Aufreger sich der öffentlichen Auseinandersetzung entzieht. Nur wenn wir ihre Handlungen genau und treffsicher zuordnen, können wir sie justiziabel machen und z.B. entscheiden, wann Gewaltanwendung gegen sie gerechtfertigt wäre (ob sie es dann ist, hängt von unserer Macht ab). Und so früh es ist,  die Medien geben mir oft Anlass, mich zu zügeln, und nicht im Monolog einem dieser Idioten eine Predigt zu halten. Ein Idiot ist selten dumm, nur eigen.

 

 

Abschiebungsheuchelei

Wieder zwei Abschiebungen nach Afghanistan.

Die offizielle deutsche Politik ist heuchlerisch und unaufrichtig: Menschenrechte, wo es passt – Der Urwald brennt, er brennt auch für unsere Fleisch- und Soja-Importe. Im Mittelmeer ersaufen Flüchtlinge, weil wir in Libyen nicht eingreifen, weil wir in der Herkunftsländern nicht wirksam helfen, weil wir Fluchtursachen verbal besser als praktisch bekämpfen. Und Menschen werden unter fadenscheinigen, oft juristisch nicht haltbaren Gründen, nach Afghanistan abgeschoben, nur um den rechten Pöbel im Land ruhig zu stellen (denn die Summe der Abgeschobenen ist im Vergleich zu anderen Volksgruppen nach wie vor klein, aber mit dieser Politik verdeckt man das weitgehend gescheiterte Engagement der Bundeswehr in Afghanistan – da habe ich jetzt fast 20 Jahre an den Entwicklungen räsonniert, um von Zustimmung zur Kritik an diesem Einsatz zu kommen; das ist wichtig im Kontext, denn der Einsatz hätte tatsächlich Frieden bringen können, jetzt stehen die Taliban unter amerikanischem Schutz vor einer Wiederkehr). Es geht nicht darum, ob die Abgeschobenen Straftäter sind (ich wünsche mir viele von denen dauerhaft hinter Schloss und Riegel, aber bei uns!); es geht nicht darum, ob Verordnungen und Ermessen von Behörden es erlauben, Integration und Schutz zu verweigern. Es geht darum, dass hier Menschen, die dem Tod entkommen sind – und der ist in Afghanistan überall – wieder in Todesgefahr zu bringen. (Darüber redet man heute weniger als je zuvor in der Vergangenheit). „
Seit der ersten Abschiebung im Dezember 2016 sind insgesamt 645 abgelehnte afghanische Asylbewerber nach Kabul gebracht worden.“ DLF 27.8.2019

Ich weiß sehr gut, dass man Seehofer & seinen Schreibtischtätern juristisch schwer ans Leder kam, es ist auch nicht einfach ein Inkaufnehmen von gewaltsamem Tod – das wäre ja Mord&Totschlag, sondern es ist die infame Volksberuhigung und -verdummung: wenn sie weg sind, sind sie weg.

 

Drei Fragen:

  • Und wenn sie dort einen gewaltsamen Tod finden?
  • Und wenn sie wiederkommen?
  • Und wenn sie vergessen werden vom Rechtsstaat Deutschland?

Seehofer braucht man nicht mehr zu kritisieren, der ist schon gerippige Kritik wie im Mysterienspiel. Aber unsere Menschenrechtspolitik soll nicht dauernd in die Ferne schweifen – was an sich richtig und notwendig ist -, wenn sie hier leicht machbare humanitäre Aufgaben nicht erfüllt. Alle afghanischen Diasporaangehörigen in Deutschland dauerhaft zu versorgen und zu integrieren kostet weniger als Scheuers betrügerische Mautverträge oder der BER. Am Geld soll humanitäre Politik nicht scheitern dürfen.

Unser Anteil am RECHTEN Europa

Politiker müssen sich manchmal anders verhalten als wir. Sie müssen auch mit Faschisten, Revolutionären, Querköpfen reden können, sie müssen verhandeln, um handeln zu können.

Aber auch das hat Grenzen. Man muss Trump keine Militärformation anbieten, man muss Grenell nicht als Botschafter dulden, und man muss nicht ohne Not einen Mann aufwerten, der dabei ist, einen Teil Europas zu zerstören:

 

Merkel bei Festakt in Ungarn: Kanzlerin Angela Merkel hat Ungarn für die Unterstützung bei der Grenzöffnung 1989 und der folgenden deutschen Einheit gedankt. Das von dem Land ermöglichte Paneuropäische Picknick sei zum Symbol für die großen Freiheitsbewegungen damals geworden, sagte Merkel im ungarischen Sopron bei einem Festakt zum 30. Jahrestag der Grenzöffnung. In Anwesenheit von Ungarns Regierungschef Viktor Orban mahnte sie die Kompromissfähigkeit der EU-Staaten an. Orban lobte Merkel im Gegenzug. Die Kanzlerin genieße die Wertschätzung der ungarischen Nation, zumal sie stets für den europäischen Zusammenhalt gearbeitet habe. Orban hofft darauf, dass sich die belasteten Beziehungen seiner Regierung zur EU-Kommission unter der neuen Führung verbessern. Zugleich verteidigte er seine Migrationspolitik. Bei einem Besuch in Island hat Merkel Deutschland Nachholbedarf bei der Gleichberechtigung von Frau und Mann attestiert.
spiegel.de, n-tv.de (Ungarn); (Tagesspiegel online 20.12.2019)

Vor 51 Jahren zeichnete sich der Einmarsch der Sowjets in Prag ab, der Frühling ging in den Herbst. Ich war am Wenzelsplatz, als Smrkowsky aus Cierna nad Tissu kam und das Ende des Frühlings verkündete.

Vor 63 Jahren hatte ich mein erstes politisches Erlebnis, noch als Kind: den Ungarnaufstand, als wir mit den Eltern Pakete für die Flüchtlinge packten und um das Leben von Imre Nagy bangten (vergeblich). Auch ein Ende von Demokratie für lange Zeit.

Vor 30 Jahren nun das folgenreiche Picknick.

Die Regierung Ungarns ist heute das gegenteilige Machtgefüge von damals.

Die Regierung der USA ist nicht mehr die Repräsentanz der Befreier von 1945. Sowenig wie die russische Regierung

Nichts bleibt, wie es war, und deshalb gehört zur Politik auch die ständige Reflexion der so genannten Zeitläufte, die scheinbar festgelegte Prinzipien immer wieder in Frage stellen darf und muss, damit die richtigen politischen Begriffe sich bilden können (z.B. „Befreiung“).

Dankbarkeit ist keine politische Kategorie, und Anerkennung bzw. Loyalität sind mit Halbwertzeiten ausgestattet, die selbst politisch zu werten sind.

An vielen Verhärtungen und autoritären Verbiegungen in Osteuropa haben die älteren EU Staaten eine Mitschuld. Mit-Schuld heißt nicht Entlastung der gegenwärtigen Machthaber von Schuld und Veranwtortung. Aber sie zeigt u.a.  den Unterschied zwischen Politik und öffentlicher Meinung. (Bei Orban oder Salvini gilt der Satz auch: alles verstehen heißt (noch lange) nicht alles entschuldigen.

Wenn Orban hofft, die neue EU Kommission wird mit seiner menschenverachtenden und kulturell blödsinnigen Politik „sanfter“ umgehen als die gegenwärtige, so irrt er hoffentlich. Aber Seehofer und die Österreicher müssen sich auch fragen, ob ihre Orbanophilie nicht einen fauligen eigenen Geschmack hat.

Ob das Treffen zwischen Merkel und Orban notwendig war, ist schwer zu entscheiden. Dass man den Jahrestag, schon um der Würde der beteiligten Grenzschützer und Geflohenen willen, anders hätte begehen können, ist leicht festzustellen.

Aber eines ist auch klar, und erfüllt mich Mitteleuropäer mit Bitternis: als Ungarn, Polen, Tschechen und Slowaken, Bulgaren, Rumänen, Kroaten und Slowenen Mitglieder der Europäischen Union wurden, war eine Neuauflage des alten Nationalismus abzusehen (ich bin nicht stolz darauf, das schon damals gesagt zu haben, es lag auf der Hand). Anstatt dem vorzubeugen und die Entwicklung solidarisch zu korrigieren, hat man auf Geld und die relative Verbesserung der Lebensverhältnisse gesetzt; vorbildlich waren die aufnehmenden EU Staaten nicht. Es hat sich abgezeichnet, was ja auch im Ost-West-Streit in Deutschland deutlich wird: Demokratie kann man nicht kaufen.

Es gibt einen alten Film mit Marlon Brando, Quemada, über die Befreiung Kubas von den Spaniern. Der Kernsatz gegen die Übernahme durch den Kapitalismus war: wenn man dir die Freiheit anbietet, nimm sie nicht. Die Freiheit kann dir niemand geben, du musst sie dir nehmen.

SO EINFACH ist das nicht; es ist auch nicht einfach gewesen, die Mauer zu Fall zu bringen. Auch das Risiko der Freiheit haben die nationalistischen Machthaber nicht getragen. Ich sehe die größte Gefahr im neuen Ethnopluralismus, dass man jeder Volksgruppe zugesteht, sie sei eben so wie sie, und man müsse ihre Eigenrechte vor Einmischung, Kritik und Kommentierung schützen. Das Gegenteil ist der Fall.

 

 

 

Finis terrae XXI: Goldstaub im Hintern

Milliarden werden für die Steiger, Obersteiger, Baggeristen und Anwohner der Kohlereviere aus Steuermitteln, meinen unter anderem, gezahlt. Nur damit diese Klimavernichter weiterhin sich als Opfer fühlen, das Geld und das öffentliche Mitleid annehmen, und dann trotzdem AfD wählen. Diese Nazipartei hat sich das gut bei ihren Vorgängern in der Weimarer Republik abgeschaut: den Rechtsstaat ausnutzen um ihn zu zerstören, und Opfer zu produzieren, wo eigentlich Täter sind.

Die Bergleute als Täter? Nicht direkt, aber indirekt natürlich, und Nutznießer ihrer Abhängigkeit allemal, die sie zu Abgehängten macht.

Blast ihnen  weiter Goldstaub in den Hintern, das fördert ja nur das Selbstopferbewusstsein, denn wenn wir so viel Geld für diesen lokalen Blödsinn haben, dann muss ja mächtig schlechtes Gewissen bei den herrschenden Eliten da sein, die uns die Heimat und Existenz gefährden. AfD wählen die trotz Goldstaub.

Haben Sie denn gar kein Verständnis für diese Menschen, die man um ihre Existenz, den Stolz auf ihre Arbeit, und ihre Heimat bringt? Doch, habe ich. Die Heimat, die niedlichen Dörfer mit ihren Einfamilienhäuschen, wurden ja von ihrer stolzen Arbeit systematisch abgegraben, die Existenz ist schon seit Jahrzehnten obsolet, und doch sind die Menschen frei – freigesetzt, lest Marx – sich innerhalb der Korridore verhandelter Lohnarbeit für den Arbeitsplatz zu entscheiden – oder eben nicht. Und wer wollte ihnen verdenken, sich für die Arbeit entschieden zu haben. Verachtungsvoll blickt man auf diejenigen, die den Arbeitsplätzen nachziehen – müssen, wollen, dürfen. Hochschullehrer*innen, andere akademische und Dienstleistungsberufe, … allenthalben war Mobilität ein positiver Wert (Wanderungsbewegungen vom Umzug ins nächste Dorf, in die Stadt, an die entfernte Hochschule…bis hin zur Immigration, Emigration, Flüchtlingsbewegung…sind ein Komplex, der nie vom Einzelnen an seinem oder ihrem Ort, schon gar nicht allein, entschieden wird, der aber für jedes Individuum Folgen haben muss). Die Geschichte der Gastarbeiter (à Hört: Tonio Schiavo), die Geschichte der Vietnamesen in Ostdeutschland, die Geschichte der ankommenden Flüchtlinge, die Geschichte der Sesshaften…diese vielfältigen Narrationen kann man nicht ausblenden, die Ohren verschließen, und Geld in die Lausitz pumpen.

Doch, ich habe Verständnis: darum wünsche ich den Kumpels im Bergbau keinen Benjamin Button, bei dem das Kind den alten Bergmann verröcheln sieht, weil keine Luft zum Atmen mehr da ist. Da tröstete es auch wenig,  wenn die Aktionäre genauso verröcheln, weil die Klimakatastrophe ja global ist und man sich nicht verstecken kann.

Meine Emotionen bei diesem Thema sind normalerweise nicht hoch, denn man kann die ökologische und die ökonomische Dimension gut und rational diskutieren, und da die beiden nicht ohne Konflikt zusammengeführt werden können, muss die Politik her. Aber dann kommt mir der unheilige Hubertus dazwischen, Unheil von sich gebend: ja, natürlich, Kurzarbeitergeld, je früher desto besser; ja, natürlich, Weiterbildung, je intensiver desto besser; und wenn die Krise dann da ist, muss man natürlich angesichts der zu erwartenden Ressourcenknappheit auch Prioritäten setzen, wem auf dem betroffenen Arbeitsmarkt man wie hilft und wo der Staat einspringt. So weit, so verständlich. Aber der Heil redet ja die Krise den Arbeitgebern so zurecht, dass es die kaum abwarten können, dass ihren Kosten (Lohn, Zusatzausbildung, etc.) vom Staat – also uns Steuerzahlern – zugeschossen wird. Merke: wenn die Krise dann kommt, weiß man nicht mehr woher – und wenn sie das ist, wird es noch sehr viel mehr Instrumente brauchen, um den dann bedrohten Arbeitern zu helfen. Wer meint, die Krise schert sich nicht um das Gerede des Arbeitsministers, der kann in die Vergangenheit schauen und Krisen studieren.

*

Das eine hat mit dem andern zu tun. Sollen die Steiger aus der Lausitz erstmals versuchen, was Vernünftigeres und anderes zu machen…tun sie schon? Das klingt im Wahlkampf bei Woidke aber anders: der lässt ja den Steuersäckel bluten, damit sie gar nicht anfangen, an sich selbst zu denken.

Dieses An-sich-selbst-denken ist etwas anderes als die Sorge um sein Eigentum, seinen erarbeiteten Wohlstand etc. Es wäre die Sorge darum, wie in dem Eigentum gelebt, wie mit ihm umzugehen wäre; aber wie man leben möchte, wenn z.B. die Subsistenz gesichert wäre, weil sie der Staat übernähme. Kann man ja ausrechnen: ihr bekommt alles, was ihr zum Leben braucht, vielleicht noch etwas drauf, aber mit der Kohle und ihren Abnehmern und den Zulieferern ist Schluss. Wie lebt ihr dann?

Plötzlich sind wir am Ende der Welt.

Nehmen wir einmal die deutsche Situation als Symptom-Kabinett für alles, was in Finis terrae beschlossen ist. Und die Kohle als Symptom, mit dem man deutsche Verhältnisse am besten verstehen kann. Hunderte, tausende Gutachten, Kommentare, politische Überlegungen, manche Entscheidungen, halbherzig oder wirkungsvoll, … dann gibt es viele Menschen, die meinen, all das ginge über sie hinweg unter ihnen durch an ihnen vorbei. Sie behaupten, sie seien abgehängt, und sie haben Angst, dass es mit ihnen abwärts geht. Angst…Cornelia Koppetsch macht die richtige Unterscheidung zwischen Furchtkulturen (Links) und Angstkulturen (Rechts), also zwischen Gefahrenabwehr und existenzieller Bedrohung (Koppetsch, die Gesellschaft des Zorns, Pos. 786). Es geht also weniger um Risikoabwägung als um Dispositive der „Einzäunung einer vorgeblich sicheren Gemeinschaft und der Ausgrenzung von vermeintlich von außen eindringenden Gefahren“. Das ist nicht schematisch, kann auch einmal die Position wechseln, aber generell kann man damit arbeiten: die sich abgehängt fühlen, brauchen einen Feind (Koppetsch: einen gegnerischen Willen), d.h. es gerade nicht das verhasste System, sondern ein Feind. Und: es wird von „Kulturen“ gesprochen“, d.h. von Kommunikations- und Erfahrungszusammenhängen, von Traditionen und lebensweltlichen Brüchen.

Wir machen uns Sorgen darüber, wie ein globales Zusammenbrechen lebbarer Weltstrukturen vermeidbar ist, und lesen aus den Gründen für sein Zustandekommen bestenfalls Instrumente für diese Korrektur der Welt(gesellschaft). Aber die Abgehängten, konkret die AfD, die Trumps usw. sehen in denen, die sie von diesem Handlungszwang überzeugen müssen, konkrete Feinde, ohne die es dann weder Klimawandel noch wirtschaftliche Bedrohung noch einen unerwünschten Lebensstil geben würde (menschengemacht wird immer dann gegen natürlich ausgetauscht, wenn man keiner Politik den öffentlichen Raum anvertrauen möchte).

Das ist, zugegeben, sehr schwierig und kompliziert zu denken und zu formulieren. Aber wenn wir es anwenden, und sei es nur auf den Wahlkampf in Brandenburg, auf die Lausitz und auf die Relevanz der Arbeitsplätze in der Kohle, dann kommen wir sehr wohl weiter im Begreifen, wo es Sinn macht zu handeln, und wo nicht.

Garnisonkirche Potsdam: bitte sagt etwas dazu!

Liebe Alle, ich bitte euch, dieser Unterschriftenliste beizutreten und zu verbreiten. Ich glaube, ich habe so etwas in 50 Jahren erst zweimal gemacht, weil solche Unterschriftsammlungen oft nur zur gruppenbezogenen Selbstbestätigung führen. Aber da ich in Potsdam lebe und seit zwei Jahren intensiv dagegen ankämpfe, dass sich die Täter mit sich selbst versöhnen und längst mit dem Turmbau begonnen haben, bevor es zu einer wünschenswerten und möglichen Auseinandersetzung um jegliche Baumaßnahme gekommen ist, gebe ich diese Liste weiter.
In meinem Blog Michael Daxner habe ich mehrfach zur Garnisonkirche Stellung genommen, u.a. 10.2.2019 und 8.11.2018, vor allem aus jüdischer Sicht und wegen der unsäglichen Begründungen für den Aufbau der Kirche. Wenn euch meine/unsere Argumente zusagen, unterschreibt bitte: http://www.change.org http://chng.it/sLKqryFqmK
Offener Brief 19. August 2019
Wiederaufbau Garnisonkirche Potsdam: Bruch statt Kontinuität –
Notwendig ist ein Lernort anstelle eines Identifikationsorts
Sehr geehrter Herr Bundespräsident Dr. Frank Walter Steinmeier,
sehr geehrte Frau Kulturstaatsministerin Prof. Monika Grütters,
sehr geehrter Herr Ministerpräsident Dr. Dietmar Woidke,
sehr geehrter Herr Oberbürgermeister der Stadt Potsdam Mike Schubert,
mit Ihrer Unterstützung bzw. der Unterstützung Ihrer Amtsvorgänger wurde 2017 mit dem Wiederaufbau der Garnisonkirche begonnen. Das Nutzungskonzept für den Wiederaufbau folgte der Idee eines „Versöhnungszentrums“ und Ortes der Friedensarbeit. Der Bau soll ein Lernort der deutschen Geschichte werden. Wenn es nur darum ginge, warum braucht es dafür den Wiederaufbau der Garnisonkirche in der historischen Gestalt? Warum kann man sich dann nicht ergebnisoffen auf die Suche machen, was heute eine angemessene bauliche Form für diesen
Zweck an diesem Ort sei? Doch für die Verfechter des Projektes ist die Wiedergewinnung der historischen baulichen Form das Primäre, und das Nutzungskonzept dient dazu, diesen Wunsch angesichts der Problematik des Ortes gesellschaftlich erträglich werden zu lassen. Die Idee von Frieden und Versöhnung wird so konterkariert, da man mit dem Vorhaben bewusst in Kauf nimmt, in Stadt und Kirche Unfrieden zu stiften. Und mehr noch: mit unlauteren Mitteln entledigen sich die Projektbefürworter ihrer Kritiker. 2014 haben sie den Bürgerentscheid zur Garnisonkirche durch einen parlamentarischen Trick ausgehebelt, indem sie im Stadtrat anders abgestimmt haben als dies ihrer tatsächlichen Überzeugung entspricht. Nicht nur architektonisch, sondern auch ideell setzt die Stiftung Garnisonkirche auf Kontinuität. In einem ihrer Flyer heißt es, die Garnisonkirche stehe „für christlich verantwortetes Handeln für die Gemeinschaft, für die Verbindung von christlichem Glauben und ‚preußischen Tugenden‘“. Doch diese Kirche war nicht nur ein zentraler Identitätsort in der Zeit des Nationalsozialismus, sondern hier wurden bereits während der Ära des Wilhelminismus die deutschen Kolonialkriege einschließlich des Völkermordes an den Herero und Nama gesegnet. In der Weimarer Republik
diente sie als Treffpunkt und Symbolort antidemokratischer, antisemitischer, nationalistischer und rechtsradikaler Kräfte. Bis heute hat das Wiederaufbauprojekt keinen überzeugenden Trennstrich zu diesen problematischen Traditionen des Ortes gezogen. Doch gerade jetzt, wo das Projekt bereits erbaut wird, ist ein solcher unabdingbar. Wir fordern:
– Abriss des 1991 in Potsdam errichteten Glockenspiels
– Keine Nachbildung von Waffen als Schmuckelemente am Bauwerk
– Eine Änderung der Trägerschaft
Abriss des Glockenspiels
1991 schenkte die von dem rechtsradikalen Oberstleutnant der Bundeswehr Max Klaar initiierte und geleitete Traditionsgemeinschaft Potsdamer Glockenspiel e.V. der Stadt Potsdam den Nachbau des Glockenspiels der Garnisonkirche. Als Beginn der Wiederaufbauinitiative wurde das Carillon in unmittelbarer Nähe zu ihrem historischen Standort aufgebaut und seitdem von der Stadt genutzt. Während die Stadt die Widmungen an die ehemaligen deutschen Ostgebiete an sieben Glocken stillschweigend entfernen ließ, blieben eine Reihe revisionistischer, rechtsradikaler und militaristischer Widmungen bis heute erhalten. So ehrt das Glockenspiel den Kyffhäuserbund,
den Verband deutscher Soldaten, die Schlesischen Truppen (mit dem Zusatz: „Kein Unglück Ewigk“), den ehemaligen Berliner Polizeipräsidenten Karl Ludwig Friedrich von Hinckeldey und den in Deutschland problematischen Spruch „suum cuique“ (Jedem das Seine). Noch in den vergangenen Jahren nahm die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) Spenden der Traditionsgemeinschaft für andere Bauprojekte entgegen. Zugleich zeigten Kirchenvertreter für die den Nationalsozialismus relativierenden Äußerungen von Max Klaar Verständnis.
Mit dem nun stattfindenden Wiederaufbau der Garnisonkirche ist es unabdingbar, einen klaren Trennungsstrich zu jeglichen militaristischen und rechtslastigen Traditionen an diesem Ort und zu den rechtsradikalen Ursprüngen des Wiederaufbauprojektes zu ziehen. Dies erfordert den Abriss des Potsdamer Glockenspiels.
Keine Nachbildung von Waffen
Der Nachbau der Garnisonkirche kann kein nationaler Identifikationsort für ein demokratisches Deutschland sein. Weder baulich noch institutionell darf es bei ihrem Wiederaufbau um die Wiederherstellung historischer Kontinuitäten gehen. Als Lernort bedarf die ehemalige Garnisonkirche der kritischen Distanz zu ihrer Historie, symbolisch wie institutionell. Eine Rekonstruktion der Architektur ist für einen Lernort ohnehin entbehrlich. Der Verzicht auf eine Nachbildung des historischen Waffenschmucks ist das absolute Minimum, um symbolischen Abstand zu schaffen zu einem Identifikationsort des preußischen Militarismus, des Rechtsradikalismus der Weimarer Zeit und des Nationalsozialismus. An diesem Ort darf es nicht wieder zu einer Ästhetisierung und Verherrlichung von Kriegsgerät kommen, auch nicht in
historisch verbrämter Form.
Eine andere Trägerschaft
Die seit Gründung der Garnisonkirche bestehende, unheilvolle Allianz zwischen Kirche, Militär und autokratischem Staat war eine Basis für Fehlentwicklungen in der preußisch-deutschen Geschichte. Sie formulierte ein Selbstverständnis, welches Militarismus, Demokratiefeindlichkeit und Nationalismus Raum gab. So wurde es möglich, dass die Kirche Kolonialkriege und Angriffskriege einschließlich der umfassenden Verbrechen gegen die Menschlichkeit segnete und Soldaten auf Gehorsam gegenüber den Obrigkeiten bis hin zum NS-Regime einschwor. In den Gremien der Stiftung Garnisonkirche wie bei ihren repräsentativen Veranstaltungen sind
Vertreterinnen und Vertreter von Kirche, Politik und Militär einbezogen und manifestieren das Bemühen, auch institutionelle Traditionen wieder aufzugreifen. Ein historischer Lernort Garnisonkirche bedarf aber einer Trägerschaft, welche nicht die Einheit von Kirche, Staat und Militär wiederbelebt. Im Widerspruch zu dem formulierten Ziel, den Neubau einem Friedenszentrum zu widmen, ist in Kuratorium und Beirat der Stiftung kein einziger Vertreter einer Friedensorganisation vertreten. Statt Repräsentantinnen und Repräsentanten aus Politik und Militär sind zivilgesellschaftliche Initiativen einzubeziehen, die sich für Menschenrechte einsetzen
und gegen Militarismus und Verbrechen gegen die Menschlichkeit – wie etwa Amnesty
International, Ärzte ohne Grenzen, Aktion Sühnezeichen- Friedensdienste, Ohne Rüstung Leben oder die Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte Kriegsdienstgegner. Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz kann erst Träger eines Lernortes Garnisonkirche werden, wenn sie ihre eigene Geschichte an diesem Ort kritisch analysiert und aufarbeitet, statt in Verdrehung der historischen Tatsachen sich selbst als Opfer von Nationalsozialismus, Bombenkrieg und DDR-Diktatur darzustellen.
Erstunterzeichner:Patricia Alberth, Leiterin Zentrum Welterbe Bamberg
Gerd Bauz, Vorstand der Martin-Niemöller Stiftung Frankfurt Main
Heinrich und Petra von Beerenberg, Verleger, Berlin
Prof. Alexandra Bircken, Professorin für Bildhauerei, Akademie der Bildenden Künste München
Prof. Dr. A.-M. Bonnet, stellvertretende geschäftsführende Direktorin Kunsthistorisches Institut
der Universität Bonn
Prof.In Monica Bonvicini, Künstlerin, Universität der Künste Berlin
Prof. Micha Brumlik, Goethe-Universität Frankfurt Main/ Zentrum Jüdische Studien Berlin-
Brandenburg
Prof. Dr. Hauke Brunkhorst, Seniorprofessor für Soziologie, Europa Universität Flensburg
Dr. Dirk Bühler, Architekturhistoriker, ehemals Kurator Deutsches Museum, München
Prof. Berthold Burkhardt, Architekt, TU Braunschweig
Dr. Frédéric Bußmann, Generaldirektor, Kunstsammlungen Chemnitz
Volker Caesar, Denkmalpfleger i.R., Rottenburg
Gisela Capitain, Galerie Capitain Petzel Berlin
Ioana Cisek, Stadtplanerin, München
Alice Creischer, Künstlerin, Berlin
Hermann Czech, Architekt, Wien
Dr. Max Czollek, Autor und Kurator, Berlin
Dr. Thorsten Dame, Denkmalpfleger, Berlin
Prof. Dr.phil. Dott. Thomas Danzl, Technische Universität München, Lehrstuhl für Restaurierung,
Kunsttechnologie und Konservierungswissenschaft
Prof. em. Dr. Michael Diers, Hochschule für bildende Künste Hamburg und Institut für Kunst- und
Bildgeschichte der Humboldt-Universität zu Berlin
Prof. Dr. Dr. h.c. Michael Daxner, Prof. für Soziologie und Jüdische Studien a.D., Potsdam
Dr. Christian Demand, Herausgeber der Kulturzeitschrift Merkur
Thomas Demand, Künstler, Berlin/ Los Angeles
Prof. Dr. Bernward Dörner, Historiker, Berlin
Dr. Hermann Düringer, Direktor der Evangelischen Akademie a.D., Frankfurt Main
Maria Eichhorn, Künstlerin, Berlin
Prof. Dr. Siegfried RCT Enders, ICOMOS Shared Build Heritage President, Darmstadt
Dr.-Ing. Mark Escherich, Bauhaus-Universität Weimar, Professur Denkmalpflege und
Baugeschichte
Prof. Dr. Harald Falckenberg, Kunstsammler, Hamburg
Prof. Dr. Ulrike Fauerbach, Professur für Baugeschichte und historische Konstruktionen,
Ostbayerische TH Regensburg
Prof. Dr. Liliana Ruth Feierstein, Professorin für die transkulturelle Geschichte des Judentums,
Humboldt Universität zu Berlin/Selma Stern Zentrum für Jüdische Studien
Prof. Dr. Anke Fissabrem, Professorin für Geschichte und Theorie der Architektur FH Aachen
Dr. Thomas Flierl, Senator für Wissenschaft, Forschung und Kultur a.D. Berlin
Dr. Brigitte Franzen, Vorständin Peter und Irene Ludwig Stiftung Köln
Dr. Jochen Fried, Präsident der Global Citizenship Alliance Salzburg
Prof. Dr. Ursula Frohne, Institut für Kunstgeschichte, Universität Münster
Prof. Dr. Manfred Gailus, Historiker, Berlin
Claus Giersch, Restaurator, Fürth
Adrienne Goehler, Senatorin für Wissenschaft, Forschung und Kultur a.D. Berlin
Hans Haacke, Künstler, New York
Katharina Hacker, Schriftstellerin, Berlin
Prof. Emil Hädler, Architekt, Mainz
4
Prof. i.R. Dr. Ivo Hammer, Konservator-Restaurator, HAWK Hochschule für Angewandte
Wissenschaft und Kunst, Hildesheim
Prof. i.R. Dr. Valentin Hammerschmidt, Bonn, zuvor Architekturgeschichte und Denkmalpflege an
der HTW Dresden
Prof. Thomas Heise, Akademie der bildenden Künste Wien/ Filmuniversität „Konrad Wolf“,
Potsdam/ Direktor der Sektion Film und Medienkunst der Akademie der Künste, Berlin
Ulrich Hentschel, Hamburg, Pastor i. R.
Professor Dr. Uffa Jensen, Zentrum für Antisemitismusforschung TU Berlin
Michael Karg, Vorsitzender der Martin-Niemöller-Stiftung e.V., Wiesbaden
Annette Kelm, Künstlerin Berlin
Erika Hoffmann-Koenige, Sammlung Hoffmann, Berlin
Prof. Judith Hopf, Künstlerin, Pro-Rektorin Städelschule Frankfurt Main
Dr. Rolf Hosfeld, Direktor Lepsiushaus Potsdam
Prof. em. Dr. Achim Hubel, Prof. für Denkmalpflege, Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Anetta Kahane, Vorsitzende der Amadeu Antonio Stiftung
Prof. Dr. Gertrud Koch, Kolleg-Forschergruppe BildEvidenz, Freie Universität Berlin
Prof. Dr. h.c. Kasper König, Ausstellungsmacher, Berlin
Tom Koenigs, ex-MdB und Vorsitzender des Menschenrechtsausschusses, Berlin/ Frankfurt Main
Prof. Dr.-Ing. Wolf Koenigs, Ordinarius für Baugeschichte i. R., Technischen Universität München
Prof. Dr. Claudia Kromrei, Hochschule Bremen, Professur für Architekturtheorie und Baugeschichte
Dr. Hanns Michael Küpper | Architektur und Denkmalpflege, Stellv. Heimatpfleger der Stadt
München
Prof. Dr. e.h. Peter Kulka, Architekt Köln/ Dresden, Architekt des als Landtag wiederaufgebauten
Potsdamer Schlosses
Dr. Annette Leo, Historikerin, Berlin
Dr. Antonia Leugers, Katholizismusforscherin, Universität Erfurt
Matthias Lilienthal, Intendant Münchner Kammerspiele
Harald Loch, Berlin, Jurist und Literaturkritiker
Univ-.Prof. Ir. Bart Lootsma, Universität Insbruck Institut für Theorie und Geschichte der
Architektur
Prof. Dr. Hanne Loreck, Hochschule für bildende Künste Hamburg
Prof. Dr.-Ing. Werner Lorenz, Fachgebiet Bautechnikgeschichte. BTU Cottbus-Senftenberg
Prof. Dr. Michael Lüthy, Professur Geschichte und Theorie der Kunst Bauhaus-Universität Weimar
Prof. Dr. Hans-Rudolf Meier, Professur Denkmalpflege und Baugeschichte, Bauhaus-Universität
Weimar
Dr. Meron Mendel, Leiter der Bildungsstätte Anne Frank, Frankfurt a. Main
Dr. Hans Misselwitz, Mitglied der Grundwertekommission der SPD / Initiative „Christen brauchen
keine Garnisonkirche“, Berlin
Franz Nadler, Vorsitzender von Connection e.V., Internationale Arbeit für Kriegsdienstverweigerer
und Deserteure. Offenbach
Henrike Naumann, Künstlerin, Berlin
Prof. Dr. Olaf Nicolai, Künstler Berlin/ Akademie der Bildenden Künste München
Prof. Dr. Matthias Noell, Universität der Künste Berlin, Professur für Architekturgeschichte und
Architekturtheorie, Mitglied im Landesdenkmalbeirat Berlin
Dr. Heike Oevermann, Georg-Simmel Zentrum für Metropolenforschung, Humboldt-Universität zu
Berlin
Prof. Philipp Oswalt, Professor für Architekturtheorie und Entwerfen, Universität Kassel/
Landesdenkmalrat Hessen
5
Prof. Dr. Ulrich Pantle, HTW Saar, Baugeschichte, Architekturtheorie, Architektursoziologie und
Entwerfen
Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Pehnt, Architekturhistoriker, Köln
Robert Jan van Pelt, Architekturhistoriker/ Auschwitzforscher, School of Architecture, Waterloo
University
Britta Peters, Künstlerische Leitung Urbane Künste Ruhr
Prof. Tobias Rehberger, Hochschule für Bildende Künste, Städelschule, Frankfurt am Main;
Professur für BildhauereiMartin Reichert, Partner und Direktor, David Chipperfield
Architects Berlin
Dr. Björn Rugenstein, Potsdam
Hildegard Rugenstein, Pastorin, Französisch-Reformierte Gemeinde Potsdam
Prof. Matthias Sauerbruch, Architekt, Direktor der Sektion Baukunst der Akademie der Künste,
Berlin
Prof. Dr. Dipl.-Rest. Ursula Schädler-Saub, Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst in
Hildesheim, Professorin für Geschichte und Theorie der Restaurierung, Kunstgeschichte
Roland Schaeffer, Hamburg
Dr. Alfred Schelter, Museumsdirektor i.R. Memmelsdorf
Prof. Dr. Ingrid Scheurmann, Honorarprofessorin für Denkmalpflege an der TU Dortmund
Prof. Dr. Tatjana Schneider, Technische Universität Braunschweig, Institut für Geschichte und
Theorie der Architektur und Stadt
Prof. Dr. Leo Schmidt FSA, BTU Cottbus-Senftenberg, Lehrstuhl Denkmalpflege
Prof. Gregor Schneider, Kunstakademie Düsseldorf/ Mönchengladbach-Rheydt
Prof. Dr.-Ing. Angelika Schnell, Akademie der Bildenden Künste Wien, Professor für
Architekturtheorie, Architekturgeschichte und Entwurf
Adelheid Gräfin Schönborn, Landschaftsarchitektin, Mitglied im Kuratorium der Freunde der
Preußischen Schlösser und Gärten
Adelbert Schloz-Dürr, Pfarrer an der ehem. Evangelischen Garnisonskirche Ulm, heute
Pauluskirche
Friedrich Schorlemmer, Pfarrer und Studienleiter der Evangelischen Akademie Sachsen-Anhalt
a.D., Lutherstadt-Wittenberg
Prof. Dr. Klaus Schrenk, Generaldirektor der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen i.R.
Dr. Heinrich Schroeter, Altpräsident der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau, Nürnberg
Prof. Dr. Stefanie Schüler-Springorum, Zentrum für Antisemitismusforschung, TU Berlin
Dr. Susanne Schüssler, Verlagsleiterin, Verlag Klaus Wagenbach Berlin
Prof. Steffen Schuhmann, Designer, Kunsthochschule Berlin- Weißensee
Andreas Siekmann, Künstler, Berlin
Prof. Dr. Christoph Schulte, Universität Potsdam, Philosophie und Jüdische Studien
Prof. Dr. Stefan Simon, Direktor Rathgen-Forschungslabor der Staatliche Museen zu Berlin,
Stiftung Preußischer Kulturbesitz
Prof. Heidi Specker, Professorin für Fotografie, Hochschule für Grafik und Buchkunst, Leipzig
Prof. Klaus Staeck, Ehrenpräsident der Akademie der Künste, Berlin
Prof. Dr. Sybille Steinbacher, Direktorin des Fritz Bauer Instituts und Professorin für die Geschichte
und Wirkung des Holocaust, Goethe-Universität Frankfurt am Main
Diethelm Stoller, Mathematiker und Kurator, Lüneburg, i.R., zuvor Leuphana Universität Lüneburg
Prof. Dr. phil. Sebastian Strobl, Lehrstuhl für Glasmalereirestaurierung, University of Applied
Sciences FH Erfurt
Michael Sußmann, Architekt-Kirchenoberbaurat i.R., Magdeburg
Hermann Treusch, Schauspieler, Regisseur, Intendant, Berlin
6
Prof. Dr. Gerhard Vinken, Universität Bamberg – Lehrstuhl für Denkmalpflege, Vorsitzender
Arbeitskreis Theorie und Lehre der Denkmalpflege e.V.
Dr. Wolfgang Voigt, Architekturhistoriker, früher stellvertretender Direktor am Deutschen
Architekturmuseum, Frankfurt am Main
Dr. Bernd Vollmar, Kunsthistoriker, Denkmalpfleger, Hamburg
Dr. Wanja Wedekind, Diplom-Restauratorin, Berlin/ Georg-August-Universität Göttingen
Jan Wenzel, Verleger, Spector Books Leipzig
Prof. i.R., Dr. Wolfram Wette, Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats der Bundesvereinigung
Opfer der NS-Militärjustiz e.V
Prof. em. Thomas Will, Technische Universität Dresden/ Vorsitzender Landesdenkmalrat Berlin
Prof. em. Dr. Florian Zimmermann, Hochschule München, Fachgebiete Denkmalpflege,
Kunstgeschichte, Architekturgeschichte, Baudokumentation
Jeder kann sich diesen Brief auf der Webplattform http://www.change.org anschließen und diesen
ebenfalls unterzeichnen. Link: http://chng.it/sLKqryFqmK
Herzlichen Dank

Jüdischer Einspruch XII: Suprematists als Juden

Allenthalben sehen sich die Nazis und neuen Faschisten in der Rolle von Opfern. Opfer der liberalen Medien, der intellektuellen Eliten, der aufgeklärten Gebildeten, und wohl auch der genau beobachtenden Menschen, die das Tempo beklagen, mit dem Donald Trump die amerikanische Demokratie den autoritären Staaten angleicht, gefolgt von einem Tross gleichgesinnter, weniger mächtiger Vasallen. Trump als Opfer, da kann die AfD noch etwas lernen.

Bitte lest diesen Artikel, der mich über lange Ketten von Verbreitungsnetzwerken erreicht hat:

August 9, 2019

Are Trump-supporters the new Jews?

By Earick Ward

Comparisons to Holocaust-era Jews are usually trite.  I mean no disrespect to my Jewish friends, or the subsequent historical treatment of Jews at the hands of Adolf Hitler, but I can’t help but draw similarities between pre-Holocaust treatment of Jews and today’s treatment of the president and his supporters.

Following the mass-casualty shootings in El Paso and Dayton, the media blitzkrieg of propaganda against our president, and now us, has been relentless.

Joseph Goebbels said:

If you tell a lie big enough and keep repeating it, people will eventually come to believe it.  The lie can be maintained only for such time as the State can shield the people from the political, economic and/or military consequences of the lie.

The „white supremacist“ angle was scripted early and repeated often.  It was first designed to target our president.  Democrat candidates for nomination — Beto O’Rourke, Pete Buttigieg, Kamala Harris, Cory Booker, Elizabeth Warren, Bernie Sanders, Kirsten Gillibrand, and Joe Biden — were only too happy to lay the blame (without facts) for these shootings on Donald Trump’s „nativist,“ „racist“ rhetoric.  Of course, to come to the nativist and racist conclusion, they need to spin words and phrases (and apparently dates), which were intended as one thing, or nothing at all, to mean something entirely different (very fine people on both sides).  All designed to advance their narrative and to further inflame the electorate.

Interestingly (and coincidentally) enough, only a handful of days earlier, these same candidates all but exposed themselves as being unelectable.  Polling indicated that reception to Medicare for all, open borders, free medical care for illegal aliens, and the waiving of student debt are non-starters for the American people.

The shootings gave life to otherwise sinking ships.  If the American people would not buy the affirmative (socialist/grievance) prescriptions mapped out by the twenty or so Left and extreme-Left candidates, fear and anger would have to be stoked to make Donald Trump appear unelectable.

Leftist pols and the media soon turned from attacking the president directly to maligning those who voted for him, or who were considering voting for him in 2020.  The message: If you support this (white supremacist) president, you are, by association, a white supremacist.

A very similar tactic (read: lie) was perpetrated by Hitler and his propagandist Goebbels toward the Jews at the outset of the war.  Jews were maligned as being the cause of strife for the German people.  It is not so much the evil nature of Hitler’s and Goebbels’s actions that should concern us (as evil people have always existed), but the willingness of the German people to „buy in“ to the lie.

While Hitler and his (Antifa-style) Sturmabteilung (Brownshirts) were all too willing to perpetrate evil against the Jews, it was the convincing of the German people that the (mis)treatment of Jews was not only justified, but necessary.

Is it not seemingly justified today, as our media spokesholes would proffer (endlessly) to punch a white supremacist in the face, or to dox those who would dare support the racist-in-chief, or, as Universal Studios‘ new movie release suggests, to hunt and kill deplorables for sport.

We, deplorables, are the new Jews.  Any action is warranted.  Will the American people „buy-in“ to the lie?

COMMENTS: 

https://www.americanthinker.com/blog/2019/08/are_trumpsupporters_the_new_jews_comments.html#comments-container

Zum Autor: (https://www.google.com/search?q=Earick+Ward&client=firefox-b-d&ei=KmtSXdflHNWR8gLNkKyQDQ&start=10&sa=N&ved=0ahUKEwjXouPdrf_jAhXViFwKHU0IC9IQ8tMDCIYB&biw=1067&bih=505)

Trump als Holocaust-Opfer, die Nazis als neue Juden. Der Text ist offenbar für Europäer gedacht. Und das „We“  in der letzten Zeile lässt keinen Zweifel zu, dass dies kein ironischer Text ist.

Bitte verbreitet den Text nicht ohne Kommentar. Macht euch kundig, wenn ihr es nicht ohnedies seid:

Es gibt viele vergleichbare Hassbotschaften, u.a. in Skandinavien, und in einem sehr präzisen sinn auch in Deutschland: AfD Höcke und sein Parteiflügel:

Vor allem: Trump stellt sich nicht nur an die Seite dieser Politik, er spielt virtuos mit dem „Juden“ – nur weil er kein Antisemit ist, kann er sich leisten, der These dieser Bewegung Vorschub zu leisten (ich könnte sagen, das allein macht ihn schon zum Antisemiten, das würde aber ablenken). Die Nazis als Opfer, das ist der nächste Schritt von „Biedermann und den Brandstiftern“.

Und die Geschichte der Nazis in den USA ist auch deshalb interessant, weil diese großartige, demokratische Nation ja uns, Europa, die Welt AUCH von den Nazis befreit hat. Deshalb ist es wichtig zu wissen, wer und wie damals wie heute dem niedrigsten Rassismus Vorschub leistet und halbirre Gewalttäter wie Trump unterstützt.

 

bbb

Höhenflug und Höhlenfluch

Alle reden vom Höhenflug der Grünen. Ich freue mich auch, dass sich der steile und mühevolle Aufstieg zu unseren derzeitigen „Popularitäts“-Werten gelohnt hat; die Aussichten, bei den nächsten Wahlen ein gutes Ergebnis zu bekommen sind also berechtigt. Es muss wohl so sein, dass viele  Menschen von der Schwerpunktsetzung der Partei ebenso überzeugt sind wie von Erscheinungsbildung den Aussagen der Parteiführung. Annalena Baerbock und Robert Habeck sind aber auch ein prima Team, sprechfähig und kantig, wenns ums politisch Wichtige geht. Aber sie sind auch dazu fähig, den anderen Parteien, allen anderen Parteien, bestimmte nicht vermeidbare Themen und Problemlösungen ins die Nester zu legen, die diese jetzt im nachlaufenden Programmverfahren abarbeiten.

Was für die einen Aufwind bedeutet, ist für die andern ein kalter Fallwind. Die SPD kann ihren Höhlenfluch nicht ablegen, weil niemand weiß, was sie will. Die andern demokratischen Parteien arbeiten sich an fremdbestimmten Herausforderungen ab und bleiben im Stammeln von Prinzipien hängen: Lindner will keine Verbote, und sein Markt bleibt dementsprechend klein. Die CDU verbalisiert eine umweltpolitische Wende, aber eben erst einmal rhetorisch ohne Konsequenzen. Gibt es die SPD? Wenn ja, muss sie sich aus ihrer Höhle raustrauen. Lasst also mal die Grünen vorne, das wird auch seinen Preis haben, Kompromisse kosten immer, aber nicht Glaubwürdigkeit, sondern Effektivität. Wie gesagt, der wohl einzig kluge Satz des schrecklichen Lenin sagt: Koalitionen bilden, heißt sich abgrenzen. (und wo bleibt die AfD? Fragen aufmerksame LeserInnen). Ja wo bleibt sie. Sie ist nicht in meinem Fokus, weil auf der Gegnerseite, und ich glaube ihr so wenig wie dem Teufel, wenn er die Wahrheit spricht (so sagts Marquez).

*

Höhenflug tut gut, er beschleunigt den Lernprozess derer, die im Sogwind der Macht sich reflektieren, und er schafft Skepsis bei denen, die sich nicht wirklich Habeck als Kanzler vorstellen können, und keine Braunkohle in fünf Jahren. Zu Lebzeiten derer, die noch etwas bewirken können, müssen so viele Dinge geschehen, die nur wir können. (Eine Gefahr ist die Hybris, wie immer und überall: wenn sich die Grüne Jugend im Bett räkelt, das sie selbst gar nicht gebaut hat, und linke Träume ausatmet, wo doch die Menschen sich mehrheitlich von der rechts-links Achse verabschiedet haben, klingt das oft hybrid, auch wenn die Vorschläge diskutabel sind; wenn Abgeordnete ihren Namen unter Anträgen sehen wollen, denen sie einen radikaleren Satz noch hinzugefügt haben, auch wenn der nicht schadet; wenn man eine Überzeugung zugunsten einer lokalen Position oder Anerkennung aufgibt…das machen die andern Parteien natürlich auch so, aber wollten doch immer etwas besser, anders, verantwortungsvoller sein – sind wir im Ernstfall auch. Deshalb sind unsere Hybriden kleiner und überschaubarer, wenn auch nicht risikoarm; aber einen Fehler machen wir nur mehr selten: wir stellen das „Gut Gelungene“ nicht ständig zur Disposition. Ernst Blochs Begriff ist schon wichtig: uns ist gelungen, was die unter Höhlenfluch Leidenden eben nicht zustande gebracht haben).

Umso mehr ärgert mich, wenn manche sonst geschätzten Medien meinen, man müsse auch den Höhenflug durch Gegenwind bremsen, wenn etwa die ZEIT nach dem grünen Substrat in der Grünen Partei fragt und meint, es werde sich mit uns an der Regierung nicht viel ändern…es lohnt nicht, uns an Bescheidenheit zu überbieten, so klein sind wir nun auch wieder nicht. Macht wollen, um sie auszuüben, das ist richtig, sonst geht Politik nicht. Wenn die alten Eliten grüne Inhalte und Strategien abkupfern, ist das kein Verlust, solange wir die Avantgarde bleiben.

*

  1. Und jetzt projizieren wir das auf den Zeitmangel, den uns Klima und Weltsicherheit lassen. Die Grundsatzdebatte, die zur Zeit läuft, ist gut für die Grüne Partei. Sie sollte nur überlegen, dass uns wenig Zeit bleibt, das Programm umzusetzen. Wenig Zeit hat etwas mit Geborenwerden und Sterben zu tun, dazwischen lebt man.

Ich überlege, wie lang Flüchtlinge leben, wie lange Abgeschobene leben, wie lange Vertrocknende, Verhungernde, Verdurstende leben – und welchen Sinn ein Weiterbildungskonzept für die Gattung Mensch macht, dessen Erfolge, wie beim Baumpflanzen, jenseits der 1,5° Grenze liegen werden. Das heißt, man muss schnell handeln, was nicht „übereilt“ bedeutet. Schnell heißt auch, Verzicht, Einbußen vielleicht an Lebensqualität usw. hinnehmen und die auch ankündigen und nicht etwa dem hedonistischen Marktgefühl der Reichenüberlassen, die eine Fastenkur auch noch genießen. Die Erziehung der Menschen zu Frieden und Nachhaltigkeit geht wohl nicht nur mit der sanften Überzeugung der Vernunft im Blick auf künftige Generationen. Das ist meine Hoffnung, dass die Politik der Grünen so etwas wie praktische Weiterbildung, learning by doing, sein wird, wenn sie machtvoll genug die etwas beiseite drängen wird, die heimlich noch immer auf Hilfe aus dem Jenseits oder aus der Trickkiste der Besänftigung von Zukunftsangst hoffen. Wir sollten zuversichtlich sein, dass es mehr Grüne gibt, die das können, als jene Appeaser sich wünschen.

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Geschrieben angesichts der Programmdiskussion und des Wahlkampfs, ohne Auftrag und der Erwartung von Breitenwirkung. Aber nachdem man im Gruselkino die AfD durch dauernde Aufmerksamkeit hofiert, kann man sich vielleicht auch einmal stä#rker den Gralshütern der dynamischen Normalität zuwenden.