Aufklärung, was sonst?

Am Ende fällt alles zusammen…“Neu“-Anfang?

Schon möglich, z.B. prä-anthropologisch oder als Evolutionssatire. Wir werden das nicht mehr erleben. Aber vielleicht schon meine Urenkelinnen, oder gar deren Mütter? Wenn man die grauenhafte Götterdämmerung von Wagner bis zum Ende sieht, hat man eine Vorstellung vom Zerfall hier unten und von oben. Fromme Menschen fragen nach der jenseitigen Regie, aufgeklärte eher nach den diesseitigen Weichenstellungen.

Heute ist der 25. Oktober, die Uhrzeit ist ver-rückt, der Regen bestürmt uns, und trotzdem hören wir Nachrichten. Stichworte:

  • Audi leckt Trump und baut in 4 Jahren ein Milliardenwerk in den USA. Erste Meldung
  • Sudan und Südsudan metzeln einander zu Tode und hungern
  • In Brasilien neigt sich die Wahl zu einem trumpischen Faschisten als Präsident
  • In Israel bereitet sich Netanjahu mit seiner faschistischen Koalition auf den Wahlsieg vor; Hamas greift wieder an
  • In Frankreich, Italien, Albanien, Spanien und anderswo rebellieren Junge, nicht mehr nur für Bildung und Wohnraum
  • Die EU vertreibt weiter nicht-weiße Europäer und steuert auf einen hochaltrigen Zuwachs an nichtgepflegten Bedürftigen zu

Das alles in 7 Minuten. Das erträgt nur, wer aufgeklärt genug, satt und nachdenklich ist. Ukraine natürlich, nicht mehr im Zentrum. Und zur Zeit Innenpolitik zum Weghören, zB. Söder…

Gehen wir zurück:

Es gibt kein zurück:

Die Weltalter versinken in einer Richtung, nur in einer:

„…Hart ist das letzte von Eisen.

Jählings brachen herein in die Zeit von schlechterer Ader

Alle die Greul; es entflohen die Scham und die Treue und Wahrheit,

Einzug hielten statt dessen Betrug und tückische Falschheit,

Hinterlist auch und Gewalttätigkeit und verruchte Besitzgier.

…

Tod gar sinnet der Mann dem Weib, wie diese dem Gatten;

…Achtende Scheu ist dahin, und von blutbefeuchteten Ländern

Kehrte die Jungfrau heim Astraea, der Himmlischen letzte“. (Ovid, Die vier Zeitalter, übersetzt von R. Suchier, Reclam 1986, 10-11)

Keine Zeit beschreibt er so genau wie diese, soll ich sagen „wie unsere“. Astraea in der letzten Zeile lohnt sich nachzulesen Astraea (Mythologie) – Wikipedia . Sie war mit uns auf der Erde und ist nun ein Stern…Die scheinbare Gleichgültigkeit unserer Erdteile, vor allem im Norden, gegenüber Umwelt und Bildung, ist kein Zufall, darüber habe ich in letzter Zeit viel angemerkt. Mich fröstelt es dabei, aber ich teile nicht die Angst der Massen, die damit ja die Tyrannen befestigen.

*

Gehen wir weiter:

Die aufgeklärte Moral gibt sich nicht einfach den Herrschenden hin, also auch nicht der Religion und der Ideologie. Schaut man auf die obige Liste, dann sieht man die rechtsradikalen Religionen in den USA, in Brasilien, in Israel – alle Religionen in ihrer dogmatischen Form, in ihrer Anbiederung an die Herrschaft, sind die Gegner von beidem: Glauben und Aufklärung. Wir können die ovidischen Prädikate allemal auf die gewalttätigen und ideologischen Akteure global anwenden. Dazu kommt ein Problem, das oft nicht sichtbar ist: wenn man über die großen Diktatoren denkt, spricht, schreibt, dann vermenschlicht man sie. Obwohl sie, nur sie, ihre Gewalt auch ausüben können. Die kleineren Diktatoren segeln sozusagen im Windschatten der großen, und machen genügend Ärger. Auch sie sind bisweilen verrückt. Nur: wenn ihr so etwas sagt, vor allem über die nukleare Dreifaltigkeit, müsst ihr fürchten, dass sie euch, uns, individuell bestrafen, vergiften, einsperren oder verarmen. Alle Diktatoren. Also sagen wir so etwas nicht direkt, das ist mehr als Kultur.

Oben sagte ich, dass ich die Angst der Massen nicht teilte. Warum eigentlich? Geht man an der Umwelt oder Asozialität oder Diktatur zugrunde, ist man tot und spürt nicht mehr, wie die Täter wahlweise feiern oder leiden. Meist letzteres. Da kann man an die Aufklärung anschließen. Was nicht nur sonnig ist, nein, auch schattig, aber richtig.

Nun kann man auch die Opposition gegen die Dogmen betreiben, für uns. Wenn ich sage, das wäre die menschliche Reaktion, ist das nicht kitschig oder pathetisch.  Man kann mit den Diktatoren, Verrückten, auch mit den Gewalttätern und Ideologen nicht immer „umgehen“, oft muss man für sich selbst handeln. Das kann menschlich auch vorbildlich sein.

Rückzug

Das wäre ein schöner Begriff für die deutsche Bundesbahn. Man fährt mit ihr nirgendwo hin, sondern immer nur zurück, und da kann der Zug lange wo stehen, nur um nicht auszuweichen.

Politisch auch ein vielfältiges, gut manipulierbares Wort. Wovon und warum und wie man sich zurückgezogen hätte, und was eigentlich zurück jeweils bedeutet, ist in der Politik so vielschichtig wie beim Militär. Übrigens auch im Privaten, wo es viel mehr Karikaturen über den Rückzug gibt als den Angriff, am besten bei Poth, aber das Gegenteil ist ja auch kompliziert, Vorzug ist etwas anderes als Vormarsch…

Rückzug ist auch ein Moment der Demokratie, die sich zurückzieht und einmottet, Angriffen wenig widersetzt und lieber bei sich bleibt, wie die SPD, oder sinnlos als rechtslastige Konkurrenz auf die Linke schimpft wie der bairische Wurstmogul, oder sich nicht wirklich demokratisiert, wie die Linkspartei selbst. Hat alles nur scheinbar etwas mit den Faschisten zu tun: die AfD profitiert von den demokratisch schwachen Diskursen.

Darüber wird mittlerweile doch einiges geschrieben und gesagt, aber kaum über die Auswirkungen auf Bewusstsein, Denken, Empathie und Logik. Die Demokratie braucht ja nicht nur ein Präsidium, sondern viele Menschen, Bürgerinnen und Bürger, die sie praktisch weiterleben.

Dazu gehört auch, nicht nach jedem Stöckchen zu schnappen und über all die große Weisheit anzuwenden, wo es unterhalb oder neben der Demokratie zu bleiben genügt. Kein Abbau, keineswegs, aber nicht alles muss auf das ethisch-politische Podium gehoben werden, über das die Demokratie herrscht. Im Unten der Gesellschaft ist der Begriff D. allein schon zu aufgeblasen, Nachbarschaft und Sportverein können demokratisch sein, ohne Demokratie zu stilisieren oder zu propagieren. Das ist das Gegenteil von Abbau. Die individuelle Freiheit schafft mehr Begriffe zur demokratischen Gesellschaft (deshalb auch nicht gesellschaftliche Demokratie als Begriff). Solidarität, Republik, Bindung und Absetzung, … da gäbe es viel, und was der Demokratie nur schadet, wäre zB. die Projektion ökonomischcr Dogmen in das Zentrum demokratischer Diskurse. Klingt das so fremd?

(Wenn man manche Politiker hört, zB. Parteitage, jetzt gerade CSU, dann ist das alles nicht banal).

Ich erinnere mich an einen Rückzug in Zentralasien (Hin war ich geflogen und habe nichts erlebt). Schon allein um Mitternacht in ziemlich vollbelegte Abteile sich noch zu viert einbringen, bedeutete Kommunikation, Dialoge, Essen tauschen, trinken, und sich einrichten, als würden wir noch tagelang weiterfahren. Um 6 Uhr kamen wir in der Hauptstadt an, ungeschlafen, aber kollektiv, und über alles war gesprochen worden, wie ich mich erinnere, nur nicht über die Plus und Minus lokaler Demokratie. Die gabs damals noch nicht. War das „undemokratisch“? dennoch glaube, dass etwas demokratisches bei allen hängen geblieben war, über viele Formen sozialen Verhaltens agitiert. So etwas gibt es dauernd, hier und anderswo.

Mut im Herbst, Vorsicht im Winter

Überall Warnungen. Es wird zunehmend erklärt, warum die weltweite Abkehr von der Demokratie stattfindet – also eine Zuwendung zu Abhängigkeit von Diktatur oder zu Faschismus. ABER es wird kaum deutlich gemacht, was das für die ZUKUNFT bedeutet. Dass wir jetzt in die vierte, grausige Periode der Weltgeschichte schlittern, wird von denen seltsam einfach hingenommen, die an Deck der Welt-Titanic sich ans Geländer stützen und unten, in den Wellen, den Unrat finden. Heroben ist noch Luxus.

Die UN sagt, dass die nicht-umkehrbare Erderwärmung bald eintritt – viele Blogs dazu. Auch zu Trump und Putin, auch Xi, die bereiten die Vernichtung von Zivilgesellschaften in Europa und anderswo vor. Auch zu unsinnigen wirtschaftlichen Abbau-Politiken von Sozialem und Kulturellem. Auch zur individuellen und gemeinschaftlichen Sicherheiten von Daten und Persönlichkeiten. Nur in der ständigen Wiederholung kann man die Blogs weitertreiben, so, wie auf guten Bühnen gute Stücke wieder aufgeführt werden, immer wieder. Miss Sophie und James auf allen Ebenen, immer wieder. Aber wir sind noch keine Murmeltiere, auch im Herbst nicht. Auch zu Weihnachten nicht.

Es ist an der Zeit, sich zu wappnen, sich nicht nur körperlich einzuhüllen, sondern auch psychisch, geistig darauf einzustellen, selbst zu bleiben, nicht abhängig zu werden, weil das angeblich weiteren Wohlstand, weitere Sicherheit, weitere Beständigkeit garantiert. Woher kommen solche Gedanken. Ideologie, Religionen und vor allem politische Wirklichkeiten trommeln mit diesen Ausblicken auf uns, aber es ist schlechte Unendlichkeit, also ungute Gegenwart. Ihr habt genug über Trumputin erfahren. Die Ukraine wird in diesen Tagen schwer beschädigt – wie andere Gesellschaften auch, und Europa spielt da keine gewichtige Rolle. Ob wir mitspielen oder nicht. Aber um uns zu wappnen, müssen wir nicht nur, nicht nur!, diese Wirklichkeit immer weiter wahrnehmen, beobachten, erklären, verstehen. Wir müssen auch unsere, die widerständige Wirklichkeit, stärken. Moralisch, sozial, kulturell, gegen den blöden neo-Kapitalismus. Nicht nur der o,7 Regierung, nein, global. Zugleich müssen wir schlicht wahrnehmen, wie und warum das Ende des europäischen Fokus auf „alles“ sich nicht nur abzeichnet, nein, schon eingetreten ist. Global an sich ist ja nicht schlecht, nur welches „global“, darauf kommt es an.

Das bedeutet einerseits, dass wir uns auf abgestiegene soziale Wirklichkeiten, auf politische Kontroversen von unten einstellen müssen: Schaut auf Paris, Mailand, das kommt auch zu uns. Dass wir uns darauf einstellen müssen, wie wir mit der faschistischen Vorherrschaft demokratisch umgehen werden müssen. Noch nicht heißt nicht nicht. Die Alternative kommt nicht von sich her, nur von uns.

Der Herbst hat noch einige schöne Tage. Der Winter kann sie haben, aber daran und dazu müssen wir etwas tun.

Aufregung als Waffe

So, wie sich „CDU/CSU“ gegen die Berliner Koalitionsgespräche gebärden, nicht nur Christheuchler, auch andere Parteispitzen, so entfaltet sich Faschismus, also auch der wachsende Zustand der AfD. Keine Mehrheiten für die Faschisten, aber hinreichend Macht zur Umgestaltung der Demokratie. Die CDU/CSU benimmt sich wie ein Anhängsel an die Rechtsradikalen, dabei hat sie nicht nur Wahlen verloren, nicht nur einen rechtslastigen Parteiflügel in der Regierung, nicht nur einen absonderlichen Kanzler, der im Amt bleiben muss, nicht nur Probleme mit Europa (auch dort ist die Rechtsanlehnung ein praktisches Verfahren), nicht nur eine ökofaschistische Spitze zum umweltzerstörenden Autobetrieb…alles in allem ein retroaktives und kein konservatives Gewicht der Demokratie.

Mir gefällt Berlin auch nicht, ich habe die Linkspartei auch niemals gewählt, aber die Berliner Mehrheit ist eindeutig. Und ein Vergleich der Partei so links wie die AfD rechts ist, zeigt die Verwerfung im Bewusstsein der absurden Alterskoalition von Unverständigen. Der Antisemitismus findet sich als Minderheit in allen demokratischen Parteien. Und die Verstaatlichung der Wohnbaumagnaten wird doch so ohnedies nicht kommen…versteht ihr das Programm nicht? Wie hat denn CDU, wie hat SPD jahrelang unsinnig nicht-regiert in Berlin? Also. Haltet euch zurück.

Und im übrigen weiß man gar nicht, ob es wirklich zu einer Koalition kommt.

*

Die Deutschen sind nicht nur Waldfanatiker, sie haben auch Eigenschaften der Aufregung über fast alles (nur klingeln die Radler nicht): In den TV Nachrichten wird jeden Tag mindestens ein tödlicher Bergunfall berichtet, teils mit schönen Landschaftsbildern und keinem intensiven Begründungstalk, eher: … schon wieder eine(r). Das gilt für viele Ereignisse. Weil man, wenn man sich aufregt, nicht mehr zu analysieren braucht, auch nicht bewerten: der Aufreger reicht. Das kann für den täglichen Journalismus ein Sektor sein, für die darüberliegende Gesellschaftsanalyse taugen solche Unfälle weniger als welche in Industrie, Haushalt und Verkehr, oder Militär – alsom wo Gesellschaftsvermögen unrichtig investiert wurde. Für meine Feinde: Gesellschaft ist nicht das Volk.

Ich rege mich trotzdem, mäßig, auf, weil ich ja Nachrichten hören und lesen muss. Oder liege ich ganz falsch, und „man“ muss gerade das individuelle Leid, symbolisiert durch den Absturz, wahrnehmen um soziale Gefühle und Wertungen zu erfahren?

Dann muss „man“ die Abstürze, Verbrennungen, Zusammenstöße „vergesellschaften“ und sie politisieren, und oft moralisieren. Das erfordert Genauigkeit, Wissen, Zeit und Ethik. Und zwar nicht klassenbestimmt.

Viele Ereignisse täglich passen hier herein. Und wie passt das zum ersten Abschnitt, der Kritik an den so genannten Christdemokraten und Christsozialen? Klar, dass die zur Zeit nicht vergesellschaften, sondern nur parzellieren. Sie sind ein Schrebergarten ideologischer Unkrautbewirt-schaftung…Aber die altmodischen Parzellen schaffen oft Unfrieden, bevor es Politik gibt. Schaut nach Frankreich und Italien, das kommt auch zu uns.

Wichtig „Völlig irrationaler und unverantwortlicher Hysteriemodus“: Bovenschulte kritisiert Union für Gleichsetzung von Linkspartei und AfD (Tagesspiegel 20.10.)

Merzende – welcher Ausgang ist offen?

Oft gehen Discos in die Katastrophe, weil die Ausgänge (= Gratiseingänge) verbarrikadiert sind. Merz ist kein DJ in der politischen Disco Deutschland, sondern ein 0,7 Kanzler, der das Volk umgarnt un die Bürgerinnen und Bürger um die Zukunft betrügt. Nicht nur er, klar, er hat Hintermänner und -frauen, mächtige Lobbies, reiche Demokratiefeinde und engstirnige Christdemosoziale…aber er ist leider der Kanzler, das muss man anerkennen.

An dieser Stelle hört bitte im DLF: Lea de Gregorio: Wie das Leistungsprinzip Sozialstaat und Gesellschaft angreift (18.10.2026). Der Titel lenkt schon auf Merz, man braucht dazu keine Ausrede im Blick auf Trump oder andere Diktatoren. Lea De Gregorio – Wikipedia

Die 0,7 Regierung von Merz hat auch einen neo-kapitalistischen Flügel, man kann auch sagen: neo-liberal, man kann auch sagen: anti-sozial. Dass man Merz nicht absetzen soll, hat ganz andere Gründe, nicht hier. Und eine Entscheidung, gestern und heute, gemeinsam mit Frankreich, nein: mit Emmanuel Macron, dem sich Abhalfternden, den man jetzt auch nicht ersetzen kann: Weiterhin Benzin- und Diesel in PKWs zu versetzen, damit die rückwärtsgewandte Autoindustrie weiter Unsinn betreiben kann. Merz-edes Bentz….

Natürlich keine Umweltgedanken, natürlich keine Sozialgedanken, die deutschen und französischen Autodiener werden weiter – auch von den Gewerk-schaften – gestützt, in die Vergangenheit zu schrauben. Der Fortschritt wird ausgemerzt.

Das ist ein Beispiel für vieles, das Frau Gregorio genau und fundiert darstellt. Das Viele heißt aber KONKRET Sozialabbau, Kulturabbau, die Schonung von 4/5 der Wohlhabenden zu Lasten von 1/5 der Verarmenden, immerhin 16 Millionen echter Menschen, unter irrsinnig falschen Rationalisierungs- und Reformversprechungen – und was sich in den USA und anderswo abzeichnet, steigt auch bei uns auf. Dabei könnte und müsste man umgehend richtige Reformen nicht nur herbeireden, sondern machen, im Sozialen, in der Bildung, und ja, auch in der Wirtschaft, als einer abhängigen Variable von aufwachsendem Umweltschutz. Ohne den gehen die O,7 Regierenden Deutschlands noch vor 2035 (PKW!) in die Grube, und unsere Kinder, Enkel, Urenkel werden leiden, hungern, wenn sie überleben. Merz ist nur ein halbwegs Trumpoid. Trump oder Putin stecken als Globalverbrecher ineinander, von Faschisten und einer globalen Leibgarde gehalten. Schaut euch um, global, schaut auch US IT an, schaut nach Israel, Nahost, Afrika, schaut nach Brasilien, schaut…es hängt alles zusammen, man kann es beweisen, aber eben nicht oberflächlich kausal. Merz wird weiter die Umwelt verarschen und Unterstützung finden, für seine jetzigen Entscheidungen, vielleicht neben Macron auch bei Meloni (Dort gibt es auch schon Konflikte Proteste in Italien: Festnahmen, Feuer und Krawalle) und in Osteuropa beim PKW Bau. Er wird aber vor allem bei uns bei den Gewinnern seiner entsolidarisierenden Sozialspaltung gewinnen…und doch soll er sich die Ereignisse in Paris gestern und die letzte Woche anschauen. Es steht ihm Widerstand bevor. Vielleicht anders, vielleicht wirksamer, jedenfalls nicht autobasiert.

Sturm auf die Gewissheit, Zweifel

In diesen Tagen wird in den besseren Medien des 100. Geburtstags (!) von Michel Foucault gedacht. Kann man alles lesen, nicht nur Lob, auch Zweifel und Kritik. Ich kann auch heute noch reinen Gewissens sagen, dass er der erste Philosoph war, der mich nach der Frankfurter Schule wirklich betroffen hatte, ich habe viel von ihm gelesen, nachholend bedacht, vieles verstanden und leider auch vieles nicht. Er war ungemein wichtig und hat mir jedenfalls beigebracht, wie man mit dem Wissen und dem Zweifel an der Wahrheit umgeht. Seine Biographie ist wahrscheinlich in Frankreich leichter zu ertragen gewesen als die Zuspitzungen in Deutschland, darum geht es mir heute weniger, aber natürlich wirkt er nach, nicht zuletzt in der Dramaturgie der nachfolgenden Generationen und seine Hinweise auf Bourdieu, der kein sozio-Philosoph war, sondern Soziologe. Mich haben seine kritischen Texte zur Strafe und zur Bildung langfristig besonders interessiert, und seine Eröffnung der Wahrnehmung der französischen Kontroversen und Strategien, ganz anders als bei uns. Es ist ruhiger geworden um ihn, aber vergessen kann er so wenig werden wie der Hinweis auf die langdauernden Unterschiede der Entwicklung von Philosophie und Wissenschaft in den beiden Kulturen. Man kann auch sagen, „erst“ hundert Jahre…

Natürlich habe ich nicht mehr alle gelesenen und diskutierten Aussagen und Überlegungen von Foucault sozusagen alltäglich parat, aber seine Alternativen zur dogmatischen, einen „Wahrheit“ sind parat geblieben, sein Herausholen der Minderheiten, der Menschen im Schatten des gleißenden, allzu hellen Lichts der gesellschaftlichen Wahrnehmung. Da ist etwas hängen geblieben, das wirkt.

Lest „Die Ordnung der Dinge“, „Überwachen und Strafen“, „Sexualität und Wahrheit“- mit dem Untertitel „Der Wille zum Wissen“ oder anderes. Ich hatte ihn einmal in Berlin, da war er schon krank, auf einer Bühne diskutieren gesehen und gehört. Beides war eindrücklich.

Aufklärung und Dunkel

Wird ja wieder diskutiert, die Schattenseite der Aufklärung. Als ob sie mehr als das aufgeklärte Licht bedeutete. Als ob auch unsere Aufklärer Adorno und Cp. dem Schatten mehr Gewicht gegeben hätten als dem Licht der Vernunft.

Spielt das einmal ernsthaft durch, und freut euch über die aufgeklärten Erkenntnisse am Ende der Gedankennebel…

Zunächst ein Realblick: „Im Theater der Unwahrheit“

„Man kann nicht umhin, mit wachsender Ratlosigkeit auf dieses Land und seine politischen Debatten zu blicken, die sich zunehmend in parallelen Universen abzuspielen scheinen; jeder sendet für sein eigenes Publikum“ (Katharina Riehl, SZ 15.10.2026)

Die Aufklärung hat im wesentlichen die Konzentration auf die eigenen Interessen zugunsten einer bedürftigen Allgemeinheit aufgelöst – was nicht bedeutet, dass es im Licht des Fortschritts keine Schattenseiten gibt. Und nicht alles im Schatten ist interessengeleitet…

*

Unser praktisches Leben braucht keine theoretische Ableitung vor jedem praktischen und kommunikativen Handeln. (Auf diesen Satz komme ich, weil in diesen Tagen Jürgen Habermas hinauf und hinab zitiert wird, und der sich damit auseinandergesetzt hat, ziemlich fortschrittlich; u.a. Peter Gordon: Message in a Bottle, NYRB #16). Aber dieses Leben ist auch nicht einfach praktisch ohne Zielsetzung, ohne Logik und Emotion. Und gerade das wäre eine gute Waffe gegen den faschistischen Gegenwartsdiskurs. Auch der AfD und des BDS, auch von Trump oder Putin, auch von Hamas, auch von Erdögan, auch von Netanjahu oder Fico etc. Es muss uns klar sein, was die nicht unberührte, fleckige, teils widersprüchliche Aufklärung auch bedeutet. Das heißt, dass wir die Deutung nicht den Herrschenden überlassen dürfen (mizt anderen Worten, die Demokratie muss praktisch werden – manchmal schaue ich nach Frankreich auf Schüler und Studierende…das, was hinter der Reformforderung steht, ist das eigentliche, wirkliche Problem: sich in die Gestaltung der Zukunft einzubringen. Dass der globale Faschismus uns ausnützt, um seine sektorale Zukunft auf Kosten der übrigen Menschheit zu festigen, ist ein wesentlicher Hebel für die Demokratie: nur nicht abgeben, abliefern, sondern zur Hand nehmen, was uns handlungsfähig und bewusst macht, mit allen Fehlern, klar. Zur Hand nehmen, politische Praxis ist immer auch Lebenspraxis für uns,…zum tausendsten Mal Bildung, Umwelt, Lebenspraxis. Wenn die 0,7 Machthaber, auch bei uns, nur auf einen Wirtschaftshebel setzen, begeben sie sich in den unaufgeklärten Schatten, anstatt deutlich zu machen, dass auch die aufgeklärte Klarsicht Mühe, vielleicht auch Beschränkungen und gar Schmerzen erfordert…wenigstens das kann man aus der Geschichte lernen. Spielt es durch: wie müssen die Pensionsgesetze aussehen, wenn unsere Nachkommen davon profitieren sollen? Wie soll man jetzt schon vor der kommenden Trockenheit mit unserem Wasser umgehen? Wie kann man wieder mehr Insekten in die Natur zurückführen? Wie kann man wieder Kultur aktiv und passiv (schreiben und lesen zum Beispiel) dynamisieren? usw. usf. Das Programm hätten wir, nur handeln sollten wir auch.

Aufbau von Reserven? Politsport.

Natürlich hoffe (auch) ich, dass ich Unrecht habe, dass der dritte Weltkrieg doch nicht so heftig ist, dass alles so schlecht IST, indem es besser werden muss…aber wir Menschen sind nicht so. Hoffnung ist etwas anderes als Erwartung, und so wichtig sie ist, nicht alles liegt bei ihr.

Worauf wir hoffen können, ist eine Menge. Das wisst ihr. Was wir nicht erwarten können, ist kurz- und mittelfristig eine Wiederherstellung der demokratischen, friedlichen Weltpolitik und der demokratischen Innenpolitik in der EU und Deutschland. „Wiederherstellung“ heißt, dass es schon mal besser war. Nicht in weiter Vergangenheit, aber vor einiger Zeit – nennen wir das die LETZTEN Reformzeiten, die Perioden fortschrittsorientierter Politik, Zeiten eher solidarischer Kooperation, Abwehr von faschistischer und krimineller Unterwanderung. Wann das war? Denkt ein paar Jahrzehnte zurück, nicht nur bei uns. Ich gebe keine genauen Zeiten an, weil das nie so punktuell gegangen ist. Oder doch: Willy Brandt steht für eine solche Periode, und 1968. Das ist heute eher blass, hinter den Vorhängen der Realität. Aber es lohnt, das Falsche im Richtigen der guten Zeiten herauszubuddeln, mehr als heute, das kleine Richtige im großen Falschen zu sezieren. Das klingt banal, oder pathetisch, aber ist es nicht so?

1968 war demokratieschaffend, vergangenheitskritisch, politisch zukunftsorientiert – aber auch wenig frauenfreundlich, wenig umweltfreundlich. Das ist, bitte, EIN Beispiel, nicht dran kleben bleiben.

Mir geht es jetzt nicht um Politik, sondern um die schwierige Konstellation, im eigenen Fortschritt immer auch die Fallen und Leerstellen wahrzunehmen, die sich zeitlich und in der Wirkung anders ausprägen als das, was man richtig macht. Die meisten PolitikerInnen, Lehrenden, Unternehmer nutzen das aus – und lassen die Fehler andere ausbaden (zB. die Steuerzahler bei der CSU Maut). Wenige handeln da anders, und dazu muss man nicht nur über politische Ethik, über persönliche Moral nachdenken, sondern über Politik selbst. Andere baden die Fehler aus, manchmal persönlich, manchmal gesamtstaatlich (zB. beim jetzt verhafteten ehemaligen BfV Chef). Aber noch einmal: was macht das mit uns, und was machen wir damit? Nicht nur die Diktatoren, auch viele Spitzenpolitiker in der Demokratie nehmen die missbräuchliche Hürde „im Kleinen“ oder Größeren nicht ernst und wundern sich, wenn die BürgerInnen das wahrnehmen und sich abwenden. Oder, wie die AfD und andere Faschisten, die Spieß umdrehen und genau das den Demokraten vorwerfen, was bei ihnen System ist. Und oft fallen die Demokraten darauf hinein.

Wir sollen nicht nur, wir „müssen“ sogar solche Themen für uns aufbringen und bearbeiten, denn sie stärken uns für die großen Probleme: seltsam, sie stärken uns, wenn wir konkrete Themen, in denen wir auch vorkommen, bearbeiten, und dann eher in der Lage sind, die großen Probleme nicht gleich in die wirren Angst- und Überfüllungspsychen zu schieben. Seltsam, aber nachprüfbar. Ich werde Beispiele bringen, in den nächsten Blogs.

Die sarkastische Ironie hat uns gesagt, wie ein Flügelschlag eines Falters im Himalaya eine weltweite Wetterkatastrophe bewirken kann, und manche haben diese Ableitung geliebt. Ich mache da nicht mit, die Alternative ist einfacher: Bevor ich mich über globale Fehlentwicklung so aufrege, dass ich nicht mehr handeln kann und nicht politisch reagiere, schaue ich loieber, wie sich etwa lokal der Frage des Umweltschutzes wieder in die unmittelbare Politik einbauen lässt. Das erzeugt beides: Projekte und Widerstand. Damit kann man auch den Faschisten und der AfD entgegentreten.

Was mich aufregt, was mich dämpft

Unsinniger Titel? Kennt ihr das nicht? Man regt sich auf, und zugleich fällt einem nichts mehr ein, wie man den Dummen, den Falschen, den Feinden, also denen, die man nicht mag, contra bietet, ohne ein Wir-Sie zu dualisieren. Daran liegt nämlich ein gewisser Grant, den ich hege: lauter Dualisten. Sie sind FÜR Trump, weil sie GEGEN Putin sind, manche sind FÜR Putin, weil sie GEGEN Trump sind usw. Nicht nur Tiere wissen sehr genau, dass man mehr als einen Feind haben kann, und dass die Gegner höchst unterschiedlich sind.

Die amerikanische Hinrichtungsreligion wird zwar überall abgelehnt, aber nicht politisch wirksam. Die amerikanische Verfolgung der Nobelpreisträgerin und des Weltgerichtshofs, von der israelischen „Regierung“ unterstützt, wird fast überall abgelehnt, aber nicht politisch wirksam. Trumps Verlängerung des Ukrainekriegs, indem er Putin in den Putin kriecht und sich dafür mit Diesel eincremt wird überall kritisiert, zerstört nationale Budgets, aber die Reaktionen sind nicht politisch wirksam. Mir fallen noch n+1 vergleichbare Fälle ein. Es geht aber nicht um Trump, Putin, Xi und andere unterworfene Kleintyrannen. Es geht darum, dass wir genauer erkunden müssen, wer wo wie die Diktatoren pflegt – und es sind meist binäre Politikchargen, wie bei uns nur 0,7 stabil…Darüber können wir nachdenken und handeln. Und: wir saind es nicht immer. Auch „wir“ ist nicht binär.

KEINE ANGST, nicht wieder Theorie oder Programm.

Jetzt machen wir etwas ganz anderes. Wir schalten die Politik nicht aus, wir legen sie befristet ab, jederzeit aktivierbar, aber wir unterbrechen die ermüdenden Wiederholungsschleifen. Mit denen würgen sich auch bekannte Kommentatoren, wenn die schlechte Unendlichkeit (Hegel!) sich einschleicht. Ich denke, unser Alltag – unser, nicht der kommentierte – ist auch wichtig, von dem aus denken wir ja, mit Körper und Gedanken.

Ich mache jetzt keinen Witz. In Potsdam gibt es sehr lange und zahlreiche Kopfsteinfußgängerwege und auch viele Straßen, die so schlecht mit Fahrrädern zu befahren sind, dass man lieber am Gehsteig fährt, massenhaft, in Konkurrenz zu Fußgängern, Kinderwagen, Behinderten, Hunden und Motobikes. Kann man als Feld der gegenseitigen Ausgleichung, Sympathie-Kooperation erwägen. In Wirklichkeit sind die Fahrräder unangenehm, weil ihre FahrerInnen nicht klingeln, auch wenn sie von hinten kommen und einen überholen. Dieses eine Problem kann zu weiteren Gedanken über Stadtkultur, Bewegung und die Folgen führen…Es ist ein Beispiel. Und dass nicht geklingelt wird, braucht keine wissenschaftliche Studie, sondern einfache Erklärungen…die wünsche ich mir manchmal am Gehsteig.

Klima vor dem Winter

Die Politik der WELT mit sich und mit uns ist das Gegenteil von Weltpolitik. Auch meine ich nicht die Zeitung „Welt“, sondern die Welt, incl. die Erde, die Planeten und überhaupt, was uns weiträumig umgibt, während wir langsam vertrocknen und die Erde wie viele andere Planeten wüst und unbrauchbar wird. Nicht ohne zutun der globalen Diktatoren und ihrer lokalen Dienstleister, auch der deutschen o,7 Regierung, aber es geht um mehr als unseren Beitrag zum Erduntergang. In den Plänen der Regierung kommt die Umwelt nicht mehr vor. Man will wachsen und die Konten füllen, man will reicher werden und schön brav bleiben, sich von anderen im Guten abheben und im Schlechten nicht unterordnen. Das nennt man die Politik der noch nicht Reifen oder der Überwuzzelten.

Wir können da wenig umlenken oder aufhalten, aber immerhin: wir können schon sagen, was wir denken: nicht einfach mitmachen oder geschehen lassen. Wasser sparen, schon beim kochen oder duschen…geht noch. Lieber die Felder gießen als die Blumen am Balkon, naja, das geht kaum noch. Auch das ungewaschene Auto noch weiter bewegen…wir sind ja zivilisiert. Das wäre der Anfang, in einem Jahrzehnt, wenn von Gletschern nichts mehr kommt als gelockerte Felsbrüche. Später wird es noch trockener, oder im Gegenteil, überschwemmter. Oder beides. Und wenn wir unsere Kinder und Enkel noch so lieben, werden wir ihre Dürrpolitik kaum mehr wirklich erleben, wir können sie nur vor-denken: so kommt es wohl. Der Rest der Erde und der Welt kann uns posthum egal sein, weil wir ja unsere Gefühle nicht weitergeben werden können.

Sagt der Wiener: na und? Sagt ein anderer: wieso?

Einfache Antwort: mehr Umweltpolitik. Ja schon, aber wie gegen die globalen o,7 Regierungswachstums-agenten? Kämpfen, nu, aber wie?

Komplizierte Antwort: Mehr und besser denken und handeln. Ja schon, aber wie die Aufklärung, den Fortschritt in diese Richtung wieder befestigen und beschleunigen?

Klar: Politik. Wie und wer mit wem, und wie absichern usw…Theorien dazu gibt es genug, aber auch die Angst, dass man geköpft wird, wenn man das umsetzt, was längst nottut.