Unser Anteil am RECHTEN Europa

Politiker müssen sich manchmal anders verhalten als wir. Sie müssen auch mit Faschisten, Revolutionären, Querköpfen reden können, sie müssen verhandeln, um handeln zu können.

Aber auch das hat Grenzen. Man muss Trump keine Militärformation anbieten, man muss Grenell nicht als Botschafter dulden, und man muss nicht ohne Not einen Mann aufwerten, der dabei ist, einen Teil Europas zu zerstören:

 

Merkel bei Festakt in Ungarn: Kanzlerin Angela Merkel hat Ungarn für die Unterstützung bei der Grenzöffnung 1989 und der folgenden deutschen Einheit gedankt. Das von dem Land ermöglichte Paneuropäische Picknick sei zum Symbol für die großen Freiheitsbewegungen damals geworden, sagte Merkel im ungarischen Sopron bei einem Festakt zum 30. Jahrestag der Grenzöffnung. In Anwesenheit von Ungarns Regierungschef Viktor Orban mahnte sie die Kompromissfähigkeit der EU-Staaten an. Orban lobte Merkel im Gegenzug. Die Kanzlerin genieße die Wertschätzung der ungarischen Nation, zumal sie stets für den europäischen Zusammenhalt gearbeitet habe. Orban hofft darauf, dass sich die belasteten Beziehungen seiner Regierung zur EU-Kommission unter der neuen Führung verbessern. Zugleich verteidigte er seine Migrationspolitik. Bei einem Besuch in Island hat Merkel Deutschland Nachholbedarf bei der Gleichberechtigung von Frau und Mann attestiert.
spiegel.de, n-tv.de (Ungarn); (Tagesspiegel online 20.12.2019)

Vor 51 Jahren zeichnete sich der Einmarsch der Sowjets in Prag ab, der Frühling ging in den Herbst. Ich war am Wenzelsplatz, als Smrkowsky aus Cierna nad Tissu kam und das Ende des Frühlings verkündete.

Vor 63 Jahren hatte ich mein erstes politisches Erlebnis, noch als Kind: den Ungarnaufstand, als wir mit den Eltern Pakete für die Flüchtlinge packten und um das Leben von Imre Nagy bangten (vergeblich). Auch ein Ende von Demokratie für lange Zeit.

Vor 30 Jahren nun das folgenreiche Picknick.

Die Regierung Ungarns ist heute das gegenteilige Machtgefüge von damals.

Die Regierung der USA ist nicht mehr die Repräsentanz der Befreier von 1945. Sowenig wie die russische Regierung

Nichts bleibt, wie es war, und deshalb gehört zur Politik auch die ständige Reflexion der so genannten Zeitläufte, die scheinbar festgelegte Prinzipien immer wieder in Frage stellen darf und muss, damit die richtigen politischen Begriffe sich bilden können (z.B. „Befreiung“).

Dankbarkeit ist keine politische Kategorie, und Anerkennung bzw. Loyalität sind mit Halbwertzeiten ausgestattet, die selbst politisch zu werten sind.

An vielen Verhärtungen und autoritären Verbiegungen in Osteuropa haben die älteren EU Staaten eine Mitschuld. Mit-Schuld heißt nicht Entlastung der gegenwärtigen Machthaber von Schuld und Veranwtortung. Aber sie zeigt u.a.  den Unterschied zwischen Politik und öffentlicher Meinung. (Bei Orban oder Salvini gilt der Satz auch: alles verstehen heißt (noch lange) nicht alles entschuldigen.

Wenn Orban hofft, die neue EU Kommission wird mit seiner menschenverachtenden und kulturell blödsinnigen Politik „sanfter“ umgehen als die gegenwärtige, so irrt er hoffentlich. Aber Seehofer und die Österreicher müssen sich auch fragen, ob ihre Orbanophilie nicht einen fauligen eigenen Geschmack hat.

Ob das Treffen zwischen Merkel und Orban notwendig war, ist schwer zu entscheiden. Dass man den Jahrestag, schon um der Würde der beteiligten Grenzschützer und Geflohenen willen, anders hätte begehen können, ist leicht festzustellen.

Aber eines ist auch klar, und erfüllt mich Mitteleuropäer mit Bitternis: als Ungarn, Polen, Tschechen und Slowaken, Bulgaren, Rumänen, Kroaten und Slowenen Mitglieder der Europäischen Union wurden, war eine Neuauflage des alten Nationalismus abzusehen (ich bin nicht stolz darauf, das schon damals gesagt zu haben, es lag auf der Hand). Anstatt dem vorzubeugen und die Entwicklung solidarisch zu korrigieren, hat man auf Geld und die relative Verbesserung der Lebensverhältnisse gesetzt; vorbildlich waren die aufnehmenden EU Staaten nicht. Es hat sich abgezeichnet, was ja auch im Ost-West-Streit in Deutschland deutlich wird: Demokratie kann man nicht kaufen.

Es gibt einen alten Film mit Marlon Brando, Quemada, über die Befreiung Kubas von den Spaniern. Der Kernsatz gegen die Übernahme durch den Kapitalismus war: wenn man dir die Freiheit anbietet, nimm sie nicht. Die Freiheit kann dir niemand geben, du musst sie dir nehmen.

SO EINFACH ist das nicht; es ist auch nicht einfach gewesen, die Mauer zu Fall zu bringen. Auch das Risiko der Freiheit haben die nationalistischen Machthaber nicht getragen. Ich sehe die größte Gefahr im neuen Ethnopluralismus, dass man jeder Volksgruppe zugesteht, sie sei eben so wie sie, und man müsse ihre Eigenrechte vor Einmischung, Kritik und Kommentierung schützen. Das Gegenteil ist der Fall.

 

 

 

Finis terrae XXI: Goldstaub im Hintern

Milliarden werden für die Steiger, Obersteiger, Baggeristen und Anwohner der Kohlereviere aus Steuermitteln, meinen unter anderem, gezahlt. Nur damit diese Klimavernichter weiterhin sich als Opfer fühlen, das Geld und das öffentliche Mitleid annehmen, und dann trotzdem AfD wählen. Diese Nazipartei hat sich das gut bei ihren Vorgängern in der Weimarer Republik abgeschaut: den Rechtsstaat ausnutzen um ihn zu zerstören, und Opfer zu produzieren, wo eigentlich Täter sind.

Die Bergleute als Täter? Nicht direkt, aber indirekt natürlich, und Nutznießer ihrer Abhängigkeit allemal, die sie zu Abgehängten macht.

Blast ihnen  weiter Goldstaub in den Hintern, das fördert ja nur das Selbstopferbewusstsein, denn wenn wir so viel Geld für diesen lokalen Blödsinn haben, dann muss ja mächtig schlechtes Gewissen bei den herrschenden Eliten da sein, die uns die Heimat und Existenz gefährden. AfD wählen die trotz Goldstaub.

Haben Sie denn gar kein Verständnis für diese Menschen, die man um ihre Existenz, den Stolz auf ihre Arbeit, und ihre Heimat bringt? Doch, habe ich. Die Heimat, die niedlichen Dörfer mit ihren Einfamilienhäuschen, wurden ja von ihrer stolzen Arbeit systematisch abgegraben, die Existenz ist schon seit Jahrzehnten obsolet, und doch sind die Menschen frei – freigesetzt, lest Marx – sich innerhalb der Korridore verhandelter Lohnarbeit für den Arbeitsplatz zu entscheiden – oder eben nicht. Und wer wollte ihnen verdenken, sich für die Arbeit entschieden zu haben. Verachtungsvoll blickt man auf diejenigen, die den Arbeitsplätzen nachziehen – müssen, wollen, dürfen. Hochschullehrer*innen, andere akademische und Dienstleistungsberufe, … allenthalben war Mobilität ein positiver Wert (Wanderungsbewegungen vom Umzug ins nächste Dorf, in die Stadt, an die entfernte Hochschule…bis hin zur Immigration, Emigration, Flüchtlingsbewegung…sind ein Komplex, der nie vom Einzelnen an seinem oder ihrem Ort, schon gar nicht allein, entschieden wird, der aber für jedes Individuum Folgen haben muss). Die Geschichte der Gastarbeiter (à Hört: Tonio Schiavo), die Geschichte der Vietnamesen in Ostdeutschland, die Geschichte der ankommenden Flüchtlinge, die Geschichte der Sesshaften…diese vielfältigen Narrationen kann man nicht ausblenden, die Ohren verschließen, und Geld in die Lausitz pumpen.

Doch, ich habe Verständnis: darum wünsche ich den Kumpels im Bergbau keinen Benjamin Button, bei dem das Kind den alten Bergmann verröcheln sieht, weil keine Luft zum Atmen mehr da ist. Da tröstete es auch wenig,  wenn die Aktionäre genauso verröcheln, weil die Klimakatastrophe ja global ist und man sich nicht verstecken kann.

Meine Emotionen bei diesem Thema sind normalerweise nicht hoch, denn man kann die ökologische und die ökonomische Dimension gut und rational diskutieren, und da die beiden nicht ohne Konflikt zusammengeführt werden können, muss die Politik her. Aber dann kommt mir der unheilige Hubertus dazwischen, Unheil von sich gebend: ja, natürlich, Kurzarbeitergeld, je früher desto besser; ja, natürlich, Weiterbildung, je intensiver desto besser; und wenn die Krise dann da ist, muss man natürlich angesichts der zu erwartenden Ressourcenknappheit auch Prioritäten setzen, wem auf dem betroffenen Arbeitsmarkt man wie hilft und wo der Staat einspringt. So weit, so verständlich. Aber der Heil redet ja die Krise den Arbeitgebern so zurecht, dass es die kaum abwarten können, dass ihren Kosten (Lohn, Zusatzausbildung, etc.) vom Staat – also uns Steuerzahlern – zugeschossen wird. Merke: wenn die Krise dann kommt, weiß man nicht mehr woher – und wenn sie das ist, wird es noch sehr viel mehr Instrumente brauchen, um den dann bedrohten Arbeitern zu helfen. Wer meint, die Krise schert sich nicht um das Gerede des Arbeitsministers, der kann in die Vergangenheit schauen und Krisen studieren.

*

Das eine hat mit dem andern zu tun. Sollen die Steiger aus der Lausitz erstmals versuchen, was Vernünftigeres und anderes zu machen…tun sie schon? Das klingt im Wahlkampf bei Woidke aber anders: der lässt ja den Steuersäckel bluten, damit sie gar nicht anfangen, an sich selbst zu denken.

Dieses An-sich-selbst-denken ist etwas anderes als die Sorge um sein Eigentum, seinen erarbeiteten Wohlstand etc. Es wäre die Sorge darum, wie in dem Eigentum gelebt, wie mit ihm umzugehen wäre; aber wie man leben möchte, wenn z.B. die Subsistenz gesichert wäre, weil sie der Staat übernähme. Kann man ja ausrechnen: ihr bekommt alles, was ihr zum Leben braucht, vielleicht noch etwas drauf, aber mit der Kohle und ihren Abnehmern und den Zulieferern ist Schluss. Wie lebt ihr dann?

Plötzlich sind wir am Ende der Welt.

Nehmen wir einmal die deutsche Situation als Symptom-Kabinett für alles, was in Finis terrae beschlossen ist. Und die Kohle als Symptom, mit dem man deutsche Verhältnisse am besten verstehen kann. Hunderte, tausende Gutachten, Kommentare, politische Überlegungen, manche Entscheidungen, halbherzig oder wirkungsvoll, … dann gibt es viele Menschen, die meinen, all das ginge über sie hinweg unter ihnen durch an ihnen vorbei. Sie behaupten, sie seien abgehängt, und sie haben Angst, dass es mit ihnen abwärts geht. Angst…Cornelia Koppetsch macht die richtige Unterscheidung zwischen Furchtkulturen (Links) und Angstkulturen (Rechts), also zwischen Gefahrenabwehr und existenzieller Bedrohung (Koppetsch, die Gesellschaft des Zorns, Pos. 786). Es geht also weniger um Risikoabwägung als um Dispositive der „Einzäunung einer vorgeblich sicheren Gemeinschaft und der Ausgrenzung von vermeintlich von außen eindringenden Gefahren“. Das ist nicht schematisch, kann auch einmal die Position wechseln, aber generell kann man damit arbeiten: die sich abgehängt fühlen, brauchen einen Feind (Koppetsch: einen gegnerischen Willen), d.h. es gerade nicht das verhasste System, sondern ein Feind. Und: es wird von „Kulturen“ gesprochen“, d.h. von Kommunikations- und Erfahrungszusammenhängen, von Traditionen und lebensweltlichen Brüchen.

Wir machen uns Sorgen darüber, wie ein globales Zusammenbrechen lebbarer Weltstrukturen vermeidbar ist, und lesen aus den Gründen für sein Zustandekommen bestenfalls Instrumente für diese Korrektur der Welt(gesellschaft). Aber die Abgehängten, konkret die AfD, die Trumps usw. sehen in denen, die sie von diesem Handlungszwang überzeugen müssen, konkrete Feinde, ohne die es dann weder Klimawandel noch wirtschaftliche Bedrohung noch einen unerwünschten Lebensstil geben würde (menschengemacht wird immer dann gegen natürlich ausgetauscht, wenn man keiner Politik den öffentlichen Raum anvertrauen möchte).

Das ist, zugegeben, sehr schwierig und kompliziert zu denken und zu formulieren. Aber wenn wir es anwenden, und sei es nur auf den Wahlkampf in Brandenburg, auf die Lausitz und auf die Relevanz der Arbeitsplätze in der Kohle, dann kommen wir sehr wohl weiter im Begreifen, wo es Sinn macht zu handeln, und wo nicht.

Garnisonkirche Potsdam: bitte sagt etwas dazu!

Liebe Alle, ich bitte euch, dieser Unterschriftenliste beizutreten und zu verbreiten. Ich glaube, ich habe so etwas in 50 Jahren erst zweimal gemacht, weil solche Unterschriftsammlungen oft nur zur gruppenbezogenen Selbstbestätigung führen. Aber da ich in Potsdam lebe und seit zwei Jahren intensiv dagegen ankämpfe, dass sich die Täter mit sich selbst versöhnen und längst mit dem Turmbau begonnen haben, bevor es zu einer wünschenswerten und möglichen Auseinandersetzung um jegliche Baumaßnahme gekommen ist, gebe ich diese Liste weiter.
In meinem Blog Michael Daxner habe ich mehrfach zur Garnisonkirche Stellung genommen, u.a. 10.2.2019 und 8.11.2018, vor allem aus jüdischer Sicht und wegen der unsäglichen Begründungen für den Aufbau der Kirche. Wenn euch meine/unsere Argumente zusagen, unterschreibt bitte: http://www.change.org http://chng.it/sLKqryFqmK
Offener Brief 19. August 2019
Wiederaufbau Garnisonkirche Potsdam: Bruch statt Kontinuität –
Notwendig ist ein Lernort anstelle eines Identifikationsorts
Sehr geehrter Herr Bundespräsident Dr. Frank Walter Steinmeier,
sehr geehrte Frau Kulturstaatsministerin Prof. Monika Grütters,
sehr geehrter Herr Ministerpräsident Dr. Dietmar Woidke,
sehr geehrter Herr Oberbürgermeister der Stadt Potsdam Mike Schubert,
mit Ihrer Unterstützung bzw. der Unterstützung Ihrer Amtsvorgänger wurde 2017 mit dem Wiederaufbau der Garnisonkirche begonnen. Das Nutzungskonzept für den Wiederaufbau folgte der Idee eines „Versöhnungszentrums“ und Ortes der Friedensarbeit. Der Bau soll ein Lernort der deutschen Geschichte werden. Wenn es nur darum ginge, warum braucht es dafür den Wiederaufbau der Garnisonkirche in der historischen Gestalt? Warum kann man sich dann nicht ergebnisoffen auf die Suche machen, was heute eine angemessene bauliche Form für diesen
Zweck an diesem Ort sei? Doch für die Verfechter des Projektes ist die Wiedergewinnung der historischen baulichen Form das Primäre, und das Nutzungskonzept dient dazu, diesen Wunsch angesichts der Problematik des Ortes gesellschaftlich erträglich werden zu lassen. Die Idee von Frieden und Versöhnung wird so konterkariert, da man mit dem Vorhaben bewusst in Kauf nimmt, in Stadt und Kirche Unfrieden zu stiften. Und mehr noch: mit unlauteren Mitteln entledigen sich die Projektbefürworter ihrer Kritiker. 2014 haben sie den Bürgerentscheid zur Garnisonkirche durch einen parlamentarischen Trick ausgehebelt, indem sie im Stadtrat anders abgestimmt haben als dies ihrer tatsächlichen Überzeugung entspricht. Nicht nur architektonisch, sondern auch ideell setzt die Stiftung Garnisonkirche auf Kontinuität. In einem ihrer Flyer heißt es, die Garnisonkirche stehe „für christlich verantwortetes Handeln für die Gemeinschaft, für die Verbindung von christlichem Glauben und ‚preußischen Tugenden‘“. Doch diese Kirche war nicht nur ein zentraler Identitätsort in der Zeit des Nationalsozialismus, sondern hier wurden bereits während der Ära des Wilhelminismus die deutschen Kolonialkriege einschließlich des Völkermordes an den Herero und Nama gesegnet. In der Weimarer Republik
diente sie als Treffpunkt und Symbolort antidemokratischer, antisemitischer, nationalistischer und rechtsradikaler Kräfte. Bis heute hat das Wiederaufbauprojekt keinen überzeugenden Trennstrich zu diesen problematischen Traditionen des Ortes gezogen. Doch gerade jetzt, wo das Projekt bereits erbaut wird, ist ein solcher unabdingbar. Wir fordern:
– Abriss des 1991 in Potsdam errichteten Glockenspiels
– Keine Nachbildung von Waffen als Schmuckelemente am Bauwerk
– Eine Änderung der Trägerschaft
Abriss des Glockenspiels
1991 schenkte die von dem rechtsradikalen Oberstleutnant der Bundeswehr Max Klaar initiierte und geleitete Traditionsgemeinschaft Potsdamer Glockenspiel e.V. der Stadt Potsdam den Nachbau des Glockenspiels der Garnisonkirche. Als Beginn der Wiederaufbauinitiative wurde das Carillon in unmittelbarer Nähe zu ihrem historischen Standort aufgebaut und seitdem von der Stadt genutzt. Während die Stadt die Widmungen an die ehemaligen deutschen Ostgebiete an sieben Glocken stillschweigend entfernen ließ, blieben eine Reihe revisionistischer, rechtsradikaler und militaristischer Widmungen bis heute erhalten. So ehrt das Glockenspiel den Kyffhäuserbund,
den Verband deutscher Soldaten, die Schlesischen Truppen (mit dem Zusatz: „Kein Unglück Ewigk“), den ehemaligen Berliner Polizeipräsidenten Karl Ludwig Friedrich von Hinckeldey und den in Deutschland problematischen Spruch „suum cuique“ (Jedem das Seine). Noch in den vergangenen Jahren nahm die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) Spenden der Traditionsgemeinschaft für andere Bauprojekte entgegen. Zugleich zeigten Kirchenvertreter für die den Nationalsozialismus relativierenden Äußerungen von Max Klaar Verständnis.
Mit dem nun stattfindenden Wiederaufbau der Garnisonkirche ist es unabdingbar, einen klaren Trennungsstrich zu jeglichen militaristischen und rechtslastigen Traditionen an diesem Ort und zu den rechtsradikalen Ursprüngen des Wiederaufbauprojektes zu ziehen. Dies erfordert den Abriss des Potsdamer Glockenspiels.
Keine Nachbildung von Waffen
Der Nachbau der Garnisonkirche kann kein nationaler Identifikationsort für ein demokratisches Deutschland sein. Weder baulich noch institutionell darf es bei ihrem Wiederaufbau um die Wiederherstellung historischer Kontinuitäten gehen. Als Lernort bedarf die ehemalige Garnisonkirche der kritischen Distanz zu ihrer Historie, symbolisch wie institutionell. Eine Rekonstruktion der Architektur ist für einen Lernort ohnehin entbehrlich. Der Verzicht auf eine Nachbildung des historischen Waffenschmucks ist das absolute Minimum, um symbolischen Abstand zu schaffen zu einem Identifikationsort des preußischen Militarismus, des Rechtsradikalismus der Weimarer Zeit und des Nationalsozialismus. An diesem Ort darf es nicht wieder zu einer Ästhetisierung und Verherrlichung von Kriegsgerät kommen, auch nicht in
historisch verbrämter Form.
Eine andere Trägerschaft
Die seit Gründung der Garnisonkirche bestehende, unheilvolle Allianz zwischen Kirche, Militär und autokratischem Staat war eine Basis für Fehlentwicklungen in der preußisch-deutschen Geschichte. Sie formulierte ein Selbstverständnis, welches Militarismus, Demokratiefeindlichkeit und Nationalismus Raum gab. So wurde es möglich, dass die Kirche Kolonialkriege und Angriffskriege einschließlich der umfassenden Verbrechen gegen die Menschlichkeit segnete und Soldaten auf Gehorsam gegenüber den Obrigkeiten bis hin zum NS-Regime einschwor. In den Gremien der Stiftung Garnisonkirche wie bei ihren repräsentativen Veranstaltungen sind
Vertreterinnen und Vertreter von Kirche, Politik und Militär einbezogen und manifestieren das Bemühen, auch institutionelle Traditionen wieder aufzugreifen. Ein historischer Lernort Garnisonkirche bedarf aber einer Trägerschaft, welche nicht die Einheit von Kirche, Staat und Militär wiederbelebt. Im Widerspruch zu dem formulierten Ziel, den Neubau einem Friedenszentrum zu widmen, ist in Kuratorium und Beirat der Stiftung kein einziger Vertreter einer Friedensorganisation vertreten. Statt Repräsentantinnen und Repräsentanten aus Politik und Militär sind zivilgesellschaftliche Initiativen einzubeziehen, die sich für Menschenrechte einsetzen
und gegen Militarismus und Verbrechen gegen die Menschlichkeit – wie etwa Amnesty
International, Ärzte ohne Grenzen, Aktion Sühnezeichen- Friedensdienste, Ohne Rüstung Leben oder die Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte Kriegsdienstgegner. Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz kann erst Träger eines Lernortes Garnisonkirche werden, wenn sie ihre eigene Geschichte an diesem Ort kritisch analysiert und aufarbeitet, statt in Verdrehung der historischen Tatsachen sich selbst als Opfer von Nationalsozialismus, Bombenkrieg und DDR-Diktatur darzustellen.
Erstunterzeichner:Patricia Alberth, Leiterin Zentrum Welterbe Bamberg
Gerd Bauz, Vorstand der Martin-Niemöller Stiftung Frankfurt Main
Heinrich und Petra von Beerenberg, Verleger, Berlin
Prof. Alexandra Bircken, Professorin für Bildhauerei, Akademie der Bildenden Künste München
Prof. Dr. A.-M. Bonnet, stellvertretende geschäftsführende Direktorin Kunsthistorisches Institut
der Universität Bonn
Prof.In Monica Bonvicini, Künstlerin, Universität der Künste Berlin
Prof. Micha Brumlik, Goethe-Universität Frankfurt Main/ Zentrum Jüdische Studien Berlin-
Brandenburg
Prof. Dr. Hauke Brunkhorst, Seniorprofessor für Soziologie, Europa Universität Flensburg
Dr. Dirk Bühler, Architekturhistoriker, ehemals Kurator Deutsches Museum, München
Prof. Berthold Burkhardt, Architekt, TU Braunschweig
Dr. Frédéric Bußmann, Generaldirektor, Kunstsammlungen Chemnitz
Volker Caesar, Denkmalpfleger i.R., Rottenburg
Gisela Capitain, Galerie Capitain Petzel Berlin
Ioana Cisek, Stadtplanerin, München
Alice Creischer, Künstlerin, Berlin
Hermann Czech, Architekt, Wien
Dr. Max Czollek, Autor und Kurator, Berlin
Dr. Thorsten Dame, Denkmalpfleger, Berlin
Prof. Dr.phil. Dott. Thomas Danzl, Technische Universität München, Lehrstuhl für Restaurierung,
Kunsttechnologie und Konservierungswissenschaft
Prof. em. Dr. Michael Diers, Hochschule für bildende Künste Hamburg und Institut für Kunst- und
Bildgeschichte der Humboldt-Universität zu Berlin
Prof. Dr. Dr. h.c. Michael Daxner, Prof. für Soziologie und Jüdische Studien a.D., Potsdam
Dr. Christian Demand, Herausgeber der Kulturzeitschrift Merkur
Thomas Demand, Künstler, Berlin/ Los Angeles
Prof. Dr. Bernward Dörner, Historiker, Berlin
Dr. Hermann Düringer, Direktor der Evangelischen Akademie a.D., Frankfurt Main
Maria Eichhorn, Künstlerin, Berlin
Prof. Dr. Siegfried RCT Enders, ICOMOS Shared Build Heritage President, Darmstadt
Dr.-Ing. Mark Escherich, Bauhaus-Universität Weimar, Professur Denkmalpflege und
Baugeschichte
Prof. Dr. Harald Falckenberg, Kunstsammler, Hamburg
Prof. Dr. Ulrike Fauerbach, Professur für Baugeschichte und historische Konstruktionen,
Ostbayerische TH Regensburg
Prof. Dr. Liliana Ruth Feierstein, Professorin für die transkulturelle Geschichte des Judentums,
Humboldt Universität zu Berlin/Selma Stern Zentrum für Jüdische Studien
Prof. Dr. Anke Fissabrem, Professorin für Geschichte und Theorie der Architektur FH Aachen
Dr. Thomas Flierl, Senator für Wissenschaft, Forschung und Kultur a.D. Berlin
Dr. Brigitte Franzen, Vorständin Peter und Irene Ludwig Stiftung Köln
Dr. Jochen Fried, Präsident der Global Citizenship Alliance Salzburg
Prof. Dr. Ursula Frohne, Institut für Kunstgeschichte, Universität Münster
Prof. Dr. Manfred Gailus, Historiker, Berlin
Claus Giersch, Restaurator, Fürth
Adrienne Goehler, Senatorin für Wissenschaft, Forschung und Kultur a.D. Berlin
Hans Haacke, Künstler, New York
Katharina Hacker, Schriftstellerin, Berlin
Prof. Emil Hädler, Architekt, Mainz
4
Prof. i.R. Dr. Ivo Hammer, Konservator-Restaurator, HAWK Hochschule für Angewandte
Wissenschaft und Kunst, Hildesheim
Prof. i.R. Dr. Valentin Hammerschmidt, Bonn, zuvor Architekturgeschichte und Denkmalpflege an
der HTW Dresden
Prof. Thomas Heise, Akademie der bildenden Künste Wien/ Filmuniversität „Konrad Wolf“,
Potsdam/ Direktor der Sektion Film und Medienkunst der Akademie der Künste, Berlin
Ulrich Hentschel, Hamburg, Pastor i. R.
Professor Dr. Uffa Jensen, Zentrum für Antisemitismusforschung TU Berlin
Michael Karg, Vorsitzender der Martin-Niemöller-Stiftung e.V., Wiesbaden
Annette Kelm, Künstlerin Berlin
Erika Hoffmann-Koenige, Sammlung Hoffmann, Berlin
Prof. Judith Hopf, Künstlerin, Pro-Rektorin Städelschule Frankfurt Main
Dr. Rolf Hosfeld, Direktor Lepsiushaus Potsdam
Prof. em. Dr. Achim Hubel, Prof. für Denkmalpflege, Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Anetta Kahane, Vorsitzende der Amadeu Antonio Stiftung
Prof. Dr. Gertrud Koch, Kolleg-Forschergruppe BildEvidenz, Freie Universität Berlin
Prof. Dr. h.c. Kasper König, Ausstellungsmacher, Berlin
Tom Koenigs, ex-MdB und Vorsitzender des Menschenrechtsausschusses, Berlin/ Frankfurt Main
Prof. Dr.-Ing. Wolf Koenigs, Ordinarius für Baugeschichte i. R., Technischen Universität München
Prof. Dr. Claudia Kromrei, Hochschule Bremen, Professur für Architekturtheorie und Baugeschichte
Dr. Hanns Michael Küpper | Architektur und Denkmalpflege, Stellv. Heimatpfleger der Stadt
München
Prof. Dr. e.h. Peter Kulka, Architekt Köln/ Dresden, Architekt des als Landtag wiederaufgebauten
Potsdamer Schlosses
Dr. Annette Leo, Historikerin, Berlin
Dr. Antonia Leugers, Katholizismusforscherin, Universität Erfurt
Matthias Lilienthal, Intendant Münchner Kammerspiele
Harald Loch, Berlin, Jurist und Literaturkritiker
Univ-.Prof. Ir. Bart Lootsma, Universität Insbruck Institut für Theorie und Geschichte der
Architektur
Prof. Dr. Hanne Loreck, Hochschule für bildende Künste Hamburg
Prof. Dr.-Ing. Werner Lorenz, Fachgebiet Bautechnikgeschichte. BTU Cottbus-Senftenberg
Prof. Dr. Michael Lüthy, Professur Geschichte und Theorie der Kunst Bauhaus-Universität Weimar
Prof. Dr. Hans-Rudolf Meier, Professur Denkmalpflege und Baugeschichte, Bauhaus-Universität
Weimar
Dr. Meron Mendel, Leiter der Bildungsstätte Anne Frank, Frankfurt a. Main
Dr. Hans Misselwitz, Mitglied der Grundwertekommission der SPD / Initiative „Christen brauchen
keine Garnisonkirche“, Berlin
Franz Nadler, Vorsitzender von Connection e.V., Internationale Arbeit für Kriegsdienstverweigerer
und Deserteure. Offenbach
Henrike Naumann, Künstlerin, Berlin
Prof. Dr. Olaf Nicolai, Künstler Berlin/ Akademie der Bildenden Künste München
Prof. Dr. Matthias Noell, Universität der Künste Berlin, Professur für Architekturgeschichte und
Architekturtheorie, Mitglied im Landesdenkmalbeirat Berlin
Dr. Heike Oevermann, Georg-Simmel Zentrum für Metropolenforschung, Humboldt-Universität zu
Berlin
Prof. Philipp Oswalt, Professor für Architekturtheorie und Entwerfen, Universität Kassel/
Landesdenkmalrat Hessen
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Prof. Dr. Ulrich Pantle, HTW Saar, Baugeschichte, Architekturtheorie, Architektursoziologie und
Entwerfen
Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Pehnt, Architekturhistoriker, Köln
Robert Jan van Pelt, Architekturhistoriker/ Auschwitzforscher, School of Architecture, Waterloo
University
Britta Peters, Künstlerische Leitung Urbane Künste Ruhr
Prof. Tobias Rehberger, Hochschule für Bildende Künste, Städelschule, Frankfurt am Main;
Professur für BildhauereiMartin Reichert, Partner und Direktor, David Chipperfield
Architects Berlin
Dr. Björn Rugenstein, Potsdam
Hildegard Rugenstein, Pastorin, Französisch-Reformierte Gemeinde Potsdam
Prof. Matthias Sauerbruch, Architekt, Direktor der Sektion Baukunst der Akademie der Künste,
Berlin
Prof. Dr. Dipl.-Rest. Ursula Schädler-Saub, Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst in
Hildesheim, Professorin für Geschichte und Theorie der Restaurierung, Kunstgeschichte
Roland Schaeffer, Hamburg
Dr. Alfred Schelter, Museumsdirektor i.R. Memmelsdorf
Prof. Dr. Ingrid Scheurmann, Honorarprofessorin für Denkmalpflege an der TU Dortmund
Prof. Dr. Tatjana Schneider, Technische Universität Braunschweig, Institut für Geschichte und
Theorie der Architektur und Stadt
Prof. Dr. Leo Schmidt FSA, BTU Cottbus-Senftenberg, Lehrstuhl Denkmalpflege
Prof. Gregor Schneider, Kunstakademie Düsseldorf/ Mönchengladbach-Rheydt
Prof. Dr.-Ing. Angelika Schnell, Akademie der Bildenden Künste Wien, Professor für
Architekturtheorie, Architekturgeschichte und Entwurf
Adelheid Gräfin Schönborn, Landschaftsarchitektin, Mitglied im Kuratorium der Freunde der
Preußischen Schlösser und Gärten
Adelbert Schloz-Dürr, Pfarrer an der ehem. Evangelischen Garnisonskirche Ulm, heute
Pauluskirche
Friedrich Schorlemmer, Pfarrer und Studienleiter der Evangelischen Akademie Sachsen-Anhalt
a.D., Lutherstadt-Wittenberg
Prof. Dr. Klaus Schrenk, Generaldirektor der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen i.R.
Dr. Heinrich Schroeter, Altpräsident der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau, Nürnberg
Prof. Dr. Stefanie Schüler-Springorum, Zentrum für Antisemitismusforschung, TU Berlin
Dr. Susanne Schüssler, Verlagsleiterin, Verlag Klaus Wagenbach Berlin
Prof. Steffen Schuhmann, Designer, Kunsthochschule Berlin- Weißensee
Andreas Siekmann, Künstler, Berlin
Prof. Dr. Christoph Schulte, Universität Potsdam, Philosophie und Jüdische Studien
Prof. Dr. Stefan Simon, Direktor Rathgen-Forschungslabor der Staatliche Museen zu Berlin,
Stiftung Preußischer Kulturbesitz
Prof. Heidi Specker, Professorin für Fotografie, Hochschule für Grafik und Buchkunst, Leipzig
Prof. Klaus Staeck, Ehrenpräsident der Akademie der Künste, Berlin
Prof. Dr. Sybille Steinbacher, Direktorin des Fritz Bauer Instituts und Professorin für die Geschichte
und Wirkung des Holocaust, Goethe-Universität Frankfurt am Main
Diethelm Stoller, Mathematiker und Kurator, Lüneburg, i.R., zuvor Leuphana Universität Lüneburg
Prof. Dr. phil. Sebastian Strobl, Lehrstuhl für Glasmalereirestaurierung, University of Applied
Sciences FH Erfurt
Michael Sußmann, Architekt-Kirchenoberbaurat i.R., Magdeburg
Hermann Treusch, Schauspieler, Regisseur, Intendant, Berlin
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Prof. Dr. Gerhard Vinken, Universität Bamberg – Lehrstuhl für Denkmalpflege, Vorsitzender
Arbeitskreis Theorie und Lehre der Denkmalpflege e.V.
Dr. Wolfgang Voigt, Architekturhistoriker, früher stellvertretender Direktor am Deutschen
Architekturmuseum, Frankfurt am Main
Dr. Bernd Vollmar, Kunsthistoriker, Denkmalpfleger, Hamburg
Dr. Wanja Wedekind, Diplom-Restauratorin, Berlin/ Georg-August-Universität Göttingen
Jan Wenzel, Verleger, Spector Books Leipzig
Prof. i.R., Dr. Wolfram Wette, Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats der Bundesvereinigung
Opfer der NS-Militärjustiz e.V
Prof. em. Thomas Will, Technische Universität Dresden/ Vorsitzender Landesdenkmalrat Berlin
Prof. em. Dr. Florian Zimmermann, Hochschule München, Fachgebiete Denkmalpflege,
Kunstgeschichte, Architekturgeschichte, Baudokumentation
Jeder kann sich diesen Brief auf der Webplattform http://www.change.org anschließen und diesen
ebenfalls unterzeichnen. Link: http://chng.it/sLKqryFqmK
Herzlichen Dank

Jüdischer Einspruch XII: Suprematists als Juden

Allenthalben sehen sich die Nazis und neuen Faschisten in der Rolle von Opfern. Opfer der liberalen Medien, der intellektuellen Eliten, der aufgeklärten Gebildeten, und wohl auch der genau beobachtenden Menschen, die das Tempo beklagen, mit dem Donald Trump die amerikanische Demokratie den autoritären Staaten angleicht, gefolgt von einem Tross gleichgesinnter, weniger mächtiger Vasallen. Trump als Opfer, da kann die AfD noch etwas lernen.

Bitte lest diesen Artikel, der mich über lange Ketten von Verbreitungsnetzwerken erreicht hat:

August 9, 2019

Are Trump-supporters the new Jews?

By Earick Ward

Comparisons to Holocaust-era Jews are usually trite.  I mean no disrespect to my Jewish friends, or the subsequent historical treatment of Jews at the hands of Adolf Hitler, but I can’t help but draw similarities between pre-Holocaust treatment of Jews and today’s treatment of the president and his supporters.

Following the mass-casualty shootings in El Paso and Dayton, the media blitzkrieg of propaganda against our president, and now us, has been relentless.

Joseph Goebbels said:

If you tell a lie big enough and keep repeating it, people will eventually come to believe it.  The lie can be maintained only for such time as the State can shield the people from the political, economic and/or military consequences of the lie.

The „white supremacist“ angle was scripted early and repeated often.  It was first designed to target our president.  Democrat candidates for nomination — Beto O’Rourke, Pete Buttigieg, Kamala Harris, Cory Booker, Elizabeth Warren, Bernie Sanders, Kirsten Gillibrand, and Joe Biden — were only too happy to lay the blame (without facts) for these shootings on Donald Trump’s „nativist,“ „racist“ rhetoric.  Of course, to come to the nativist and racist conclusion, they need to spin words and phrases (and apparently dates), which were intended as one thing, or nothing at all, to mean something entirely different (very fine people on both sides).  All designed to advance their narrative and to further inflame the electorate.

Interestingly (and coincidentally) enough, only a handful of days earlier, these same candidates all but exposed themselves as being unelectable.  Polling indicated that reception to Medicare for all, open borders, free medical care for illegal aliens, and the waiving of student debt are non-starters for the American people.

The shootings gave life to otherwise sinking ships.  If the American people would not buy the affirmative (socialist/grievance) prescriptions mapped out by the twenty or so Left and extreme-Left candidates, fear and anger would have to be stoked to make Donald Trump appear unelectable.

Leftist pols and the media soon turned from attacking the president directly to maligning those who voted for him, or who were considering voting for him in 2020.  The message: If you support this (white supremacist) president, you are, by association, a white supremacist.

A very similar tactic (read: lie) was perpetrated by Hitler and his propagandist Goebbels toward the Jews at the outset of the war.  Jews were maligned as being the cause of strife for the German people.  It is not so much the evil nature of Hitler’s and Goebbels’s actions that should concern us (as evil people have always existed), but the willingness of the German people to „buy in“ to the lie.

While Hitler and his (Antifa-style) Sturmabteilung (Brownshirts) were all too willing to perpetrate evil against the Jews, it was the convincing of the German people that the (mis)treatment of Jews was not only justified, but necessary.

Is it not seemingly justified today, as our media spokesholes would proffer (endlessly) to punch a white supremacist in the face, or to dox those who would dare support the racist-in-chief, or, as Universal Studios‘ new movie release suggests, to hunt and kill deplorables for sport.

We, deplorables, are the new Jews.  Any action is warranted.  Will the American people „buy-in“ to the lie?

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Trump als Holocaust-Opfer, die Nazis als neue Juden. Der Text ist offenbar für Europäer gedacht. Und das „We“  in der letzten Zeile lässt keinen Zweifel zu, dass dies kein ironischer Text ist.

Bitte verbreitet den Text nicht ohne Kommentar. Macht euch kundig, wenn ihr es nicht ohnedies seid:

Es gibt viele vergleichbare Hassbotschaften, u.a. in Skandinavien, und in einem sehr präzisen sinn auch in Deutschland: AfD Höcke und sein Parteiflügel:

Vor allem: Trump stellt sich nicht nur an die Seite dieser Politik, er spielt virtuos mit dem „Juden“ – nur weil er kein Antisemit ist, kann er sich leisten, der These dieser Bewegung Vorschub zu leisten (ich könnte sagen, das allein macht ihn schon zum Antisemiten, das würde aber ablenken). Die Nazis als Opfer, das ist der nächste Schritt von „Biedermann und den Brandstiftern“.

Und die Geschichte der Nazis in den USA ist auch deshalb interessant, weil diese großartige, demokratische Nation ja uns, Europa, die Welt AUCH von den Nazis befreit hat. Deshalb ist es wichtig zu wissen, wer und wie damals wie heute dem niedrigsten Rassismus Vorschub leistet und halbirre Gewalttäter wie Trump unterstützt.

 

bbb

Höhenflug und Höhlenfluch

Alle reden vom Höhenflug der Grünen. Ich freue mich auch, dass sich der steile und mühevolle Aufstieg zu unseren derzeitigen „Popularitäts“-Werten gelohnt hat; die Aussichten, bei den nächsten Wahlen ein gutes Ergebnis zu bekommen sind also berechtigt. Es muss wohl so sein, dass viele  Menschen von der Schwerpunktsetzung der Partei ebenso überzeugt sind wie von Erscheinungsbildung den Aussagen der Parteiführung. Annalena Baerbock und Robert Habeck sind aber auch ein prima Team, sprechfähig und kantig, wenns ums politisch Wichtige geht. Aber sie sind auch dazu fähig, den anderen Parteien, allen anderen Parteien, bestimmte nicht vermeidbare Themen und Problemlösungen ins die Nester zu legen, die diese jetzt im nachlaufenden Programmverfahren abarbeiten.

Was für die einen Aufwind bedeutet, ist für die andern ein kalter Fallwind. Die SPD kann ihren Höhlenfluch nicht ablegen, weil niemand weiß, was sie will. Die andern demokratischen Parteien arbeiten sich an fremdbestimmten Herausforderungen ab und bleiben im Stammeln von Prinzipien hängen: Lindner will keine Verbote, und sein Markt bleibt dementsprechend klein. Die CDU verbalisiert eine umweltpolitische Wende, aber eben erst einmal rhetorisch ohne Konsequenzen. Gibt es die SPD? Wenn ja, muss sie sich aus ihrer Höhle raustrauen. Lasst also mal die Grünen vorne, das wird auch seinen Preis haben, Kompromisse kosten immer, aber nicht Glaubwürdigkeit, sondern Effektivität. Wie gesagt, der wohl einzig kluge Satz des schrecklichen Lenin sagt: Koalitionen bilden, heißt sich abgrenzen. (und wo bleibt die AfD? Fragen aufmerksame LeserInnen). Ja wo bleibt sie. Sie ist nicht in meinem Fokus, weil auf der Gegnerseite, und ich glaube ihr so wenig wie dem Teufel, wenn er die Wahrheit spricht (so sagts Marquez).

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Höhenflug tut gut, er beschleunigt den Lernprozess derer, die im Sogwind der Macht sich reflektieren, und er schafft Skepsis bei denen, die sich nicht wirklich Habeck als Kanzler vorstellen können, und keine Braunkohle in fünf Jahren. Zu Lebzeiten derer, die noch etwas bewirken können, müssen so viele Dinge geschehen, die nur wir können. (Eine Gefahr ist die Hybris, wie immer und überall: wenn sich die Grüne Jugend im Bett räkelt, das sie selbst gar nicht gebaut hat, und linke Träume ausatmet, wo doch die Menschen sich mehrheitlich von der rechts-links Achse verabschiedet haben, klingt das oft hybrid, auch wenn die Vorschläge diskutabel sind; wenn Abgeordnete ihren Namen unter Anträgen sehen wollen, denen sie einen radikaleren Satz noch hinzugefügt haben, auch wenn der nicht schadet; wenn man eine Überzeugung zugunsten einer lokalen Position oder Anerkennung aufgibt…das machen die andern Parteien natürlich auch so, aber wollten doch immer etwas besser, anders, verantwortungsvoller sein – sind wir im Ernstfall auch. Deshalb sind unsere Hybriden kleiner und überschaubarer, wenn auch nicht risikoarm; aber einen Fehler machen wir nur mehr selten: wir stellen das „Gut Gelungene“ nicht ständig zur Disposition. Ernst Blochs Begriff ist schon wichtig: uns ist gelungen, was die unter Höhlenfluch Leidenden eben nicht zustande gebracht haben).

Umso mehr ärgert mich, wenn manche sonst geschätzten Medien meinen, man müsse auch den Höhenflug durch Gegenwind bremsen, wenn etwa die ZEIT nach dem grünen Substrat in der Grünen Partei fragt und meint, es werde sich mit uns an der Regierung nicht viel ändern…es lohnt nicht, uns an Bescheidenheit zu überbieten, so klein sind wir nun auch wieder nicht. Macht wollen, um sie auszuüben, das ist richtig, sonst geht Politik nicht. Wenn die alten Eliten grüne Inhalte und Strategien abkupfern, ist das kein Verlust, solange wir die Avantgarde bleiben.

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  1. Und jetzt projizieren wir das auf den Zeitmangel, den uns Klima und Weltsicherheit lassen. Die Grundsatzdebatte, die zur Zeit läuft, ist gut für die Grüne Partei. Sie sollte nur überlegen, dass uns wenig Zeit bleibt, das Programm umzusetzen. Wenig Zeit hat etwas mit Geborenwerden und Sterben zu tun, dazwischen lebt man.

Ich überlege, wie lang Flüchtlinge leben, wie lange Abgeschobene leben, wie lange Vertrocknende, Verhungernde, Verdurstende leben – und welchen Sinn ein Weiterbildungskonzept für die Gattung Mensch macht, dessen Erfolge, wie beim Baumpflanzen, jenseits der 1,5° Grenze liegen werden. Das heißt, man muss schnell handeln, was nicht „übereilt“ bedeutet. Schnell heißt auch, Verzicht, Einbußen vielleicht an Lebensqualität usw. hinnehmen und die auch ankündigen und nicht etwa dem hedonistischen Marktgefühl der Reichenüberlassen, die eine Fastenkur auch noch genießen. Die Erziehung der Menschen zu Frieden und Nachhaltigkeit geht wohl nicht nur mit der sanften Überzeugung der Vernunft im Blick auf künftige Generationen. Das ist meine Hoffnung, dass die Politik der Grünen so etwas wie praktische Weiterbildung, learning by doing, sein wird, wenn sie machtvoll genug die etwas beiseite drängen wird, die heimlich noch immer auf Hilfe aus dem Jenseits oder aus der Trickkiste der Besänftigung von Zukunftsangst hoffen. Wir sollten zuversichtlich sein, dass es mehr Grüne gibt, die das können, als jene Appeaser sich wünschen.

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Geschrieben angesichts der Programmdiskussion und des Wahlkampfs, ohne Auftrag und der Erwartung von Breitenwirkung. Aber nachdem man im Gruselkino die AfD durch dauernde Aufmerksamkeit hofiert, kann man sich vielleicht auch einmal stä#rker den Gralshütern der dynamischen Normalität zuwenden.

Finis terrae XX: Klima und Krieg

1947 schrieb ein in die USA emigrierter Ungar eine wichtige friedenspolitische Sicht mit Blick auf die neu geründeten Vereinten Nationen, den „Westen“, die Atombombe: Die Anatomie des Friedens. (Reves 1947). Der erste Satz des Buches lautet:

 

„Nichts kann das wahre Bild der Zustände und Ereignisse in dieser Welt mehr verzerren, als im eigenen Lande das Zentrum der Welt zu erblicken und alle Dinge nur in ihrer Beziehung zu diesem unverrückbar festen Punkt zu sehen“ (9).

 

Eine sehr kurze Rezension ist angezeigt:

(Reves 1947). Einstein ist beeindruckt. Gerade werden die Vereinten Nationen gegründet und die ersten Atombombengezündet. Reves schreibt aus einer selstamen Sicht des angenommenen Westens (=Dankbarkeit gegenüber den USA) eine Friedensschrift, die sich radikal gegen den Kommunismus, den ausufernden Kapitalismus, aber vor allem gegen Nationen und den Inter-Nationalismus wendet.

Seine Vorschläge für den Frieden sind teilweise inkonsistent und schwer politisierbar, aber immer auf Universalismus gegen den Internationalismus gewendet. Man kann von hier eine gute Brücke zum Transnationalismus und Globalismus bei Ulrich Beck ziehen, aber auch ausführlich die Kritik der Religion (77 ff.). Was für mich faszinierend ist, sind die scharfen Ablehnungen von kollektiver Sicherheit, Selbstbestimmungsrecht der Nationen und eben Internationalismus. Was er nicht will ist klar, und was er will, mutet oft abstrakt an: die universale Geltung von Gesetzen und eine „Doktrin“, die mithilfe von Erziehung und einer Weltregierung quia absurdum (274 ff.) sich demokratisch durchsetzt und dabei Medien als Propagatoren der Weltregierung einsetzt. Ganz amerikanisch=westlich gepolt, wird die künftige Atombombe als große Gefahr gesehen, die abgeworfenen über Hiroshima und Nagasaki als Ergebnis konsequenter Politik gesehen – und daraus wird abgeleitet, dass man sich auf der Basis der Gründung der VN ihrer Weiterentwicklung qua Reform und Weltregierung annimmt (Argumente, die wir heute kennen) (266 ff.).

 

Weltregierung wird es so bald nicht geben. Aber die Zeit läuft uns davon.

 

Wir sehen, wie nicht nur Trump und Putin, sondern auch etliche Europäer Verträge und Konventionen ablehnen oder aufkündigen. Wir sehen, wie schnell internationale Allianzen zerbrechen oderambig werden (es geht oft nicht mehr darum, wer wann „mehr“ Recht hat: Trump, wenn er die Türkei am Einmarsch in Syrien hindern will, wird für seine anderen Missetaten nicht dadurch „entschuldigt“ etc.. der Standpunkt des Rechthabens verschwindet oft hinter der Überzeugungskraft der Argumente. Das ist auch bei grünen und linken Diskursen nicht viel anders. Es wird oft gefordert was richtig ist, aber nur deshalb, weil es sich in absehbaren Zeiträumen sicher nicht verwirklichen lässt: etwa in der Forderung nach „offenen Grenzen für alle“. So hat man beides: ein gutes Gewissen und keine Konsequenzen.

Slavoj Zizek schreibt dazu treffend:

 

„Die größten Heuchler sind fraglos diejenigen, die offene Grenzen fordern: Insgeheim wissen sie, dass es dazu nie kommen wird, weil dies sofort eine populistische Revolte in Europa zur Folge hätte. Sie inszenieren sich als schöne Seelen, die über der korrumpierten Welt stehen, aber letztlich wissen sie ganz genau, dass sie selber Teil davon sind“ (Zizek 2015, 11)

 

Wir leben in einer Welt am Rande des Kriegs, für manche hat er schon begonnen, und wie nahe ein Atomkrieg sein kann, zeigt Modis hinduistischer Feldzug gegen die Muslime in Kaschmir (da haben wir wieder die Ambiguität, ohne Kritik der Religion kann man nicht politisch diskutieren, und zugleich muss man sich vor einer besonderen Schutzpolitik für Religionen gegenüber anderen Religionen hüten…).  Wir wissen auch – wir ahnen das nicht, wir kämpfen nicht um Argumente, nein, wir wissen, wie Klima und Kriege zusammenhängen. Die Klimakatstrophe hat aber andere Strukturen als die Kriegsgefahr einer sich auflösenden kontraktuellen Weltpolitik. Viel mehr Folgen der Klimaveränderung treffen nicht einfach nur immer die Ärmsten, sondern die zuvorderst, aber dann auch alle anderen in einem bestimmten Territorium. Xis Krieg gegen die Uiguren trifft zuvorderst diese, und nur indirekt die restliche Milliarde einer Bevölkerung, der die Demokratie ausgetrieben werden soll. Trumps Krieg gegen alle Nicht-Weissen trifft zuvorderst diese, und dann erst die Folgen für den Rest der Bevölkerung, die zu Recht auf bestimmte Prinzipien des amerikanischen Republikanismus gebaut hatten. Aber Trumps und Bolsonaros Krieg gegen die Umwelt trifft auch uns, und in unserer Mitte auch die, die durchaus mit seiner Wirtschafts- und Sozial- und Bildungs- und Rassen- und Sexpolitik einverstanden sind. Wenn sich der Krieg gegen die Umwelt mit einem Krieg um Suprematie und einem Krieg gegen Konkurrenznationen verbindet –  diese Verbindung war eben nicht immer und so gegeben in der Vergangenheit – dann kann das eine Kettenreaktion auslösen, deren Phänomene wir so noch nicht kennen.

 

Warum zurückschauen auf Reves? Gerade war der Große Krieg vorbei. Der Kalte Krieg war schon im Gang und seine Auswirkungen in Vorbereitung. Die Pausen im Krieg werden vor allem von den Inseln im Weltgeschehen immer so verstanden, als herrschte bei ihnen „Frieden“. In „“ nur deshalb, weil der Krieg, der anderswo stattfindet, keine unmittelbar sichtbaren Auswirkungen auf die Friedensinsel hat, wohl aber immer soziale, wirtschaftliche, kulturelle und vor allem politische. Wir können davon wenig spüren, aber viel wissen. Im Frieden aufgewachsen zu sein bedeutet nicht im Frieden umgeben von Krieg zu leben. Das wäre auch ohne die Klimakatastrophe richtig. Jetzt aber, in ihr, gibtbes die Rückzugsorte nicht mehr. Wir dürfen uns zwar wegducken und verstecken wollen, aber wir können es nicht.

 

Dieses Bewusstsein tragen Fridays for Future bei sich, mehr als noch Attac vor ihnen, und Die Seenotretter mehr noch als die andere Flüchtlingsbetreuer. Aber VORSICHT: das Klima kann man nicht retten. Man kann die Lebensverhältnisse unter den jeweils eingetretenen Verhältnissen stabilisieren oder vor weiterem Absinken stabilisieren, aber so wie das Klima heute schon ist, werden Millionen mehr an Flüchtlingen sich bewegen, unabhängig von der Wirtschaftshilfe für die Sahelzone oder Zentralasien. Und wenn wir daran denken, was unsere Kinder und Enkel – die leben ja schon – noch erleben werden, sind bestimmte Langfristpläne grotesk unmenschlich und blöde  (Aus der Kohle raus 2038…). Sofort zu handeln aber bedeutet: gegen die Kriegsbetreiber, die das ja unter anderem tun, weil sie selbst keine Zukunft haben und nicht an sie glauben müssen. Das Paradox ist keines: man kann das alles durchaus auch friedlich gestalten. Nur ist diese Art von friedlicher Politik eben ohne Verzicht, Widerstand, und auch Gewalt gar nicht vorstellbar. Wir müssen uns aber auch schnell von den Bildern lösen, die wir mit Widerstand verbinden. Widerstand ist es, tatsächlich auf Mobilität und Bewegungskomfort zu verzichten, nicht gleich aufs Reisen und den Urlaub. Widerstand ist es, tatsächlich auf bestimmte Importwaren zu verzichten, nicht zu hungern: aber so wenig wir amerikanische Schrottkarren fahren müssen, brauchen wir amerikanisches Rindfleisch zu essen, Und nicht nur mit amerikanischen Waren ist das so. Wir wissen, dass in all unserer Elektronik (auch in meinem PC, Handy, TV) und in der Hochtechnologie genau die Rohstoffe verbaut sind, die zur Unterdrückung und Ausbeutung von Menschen und ganzen Gesellschaften führen, indem wir sie heranschaffen lassen. (Das ist einer der Hintergründe von Zizeks Begriff des neuen Klassenkampfs). Auch hier gebietet es die Aufrichtigkeit gegenüber der Ambiguität unseres Lebensstils, beide Seiten zu sehen.

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Verzichten können nur die, die etwas haben, worauf sie verzichten können. (Bitte nicht wieder die blöde Diskussion um den veganen Donnerstag, nehmt das ernst).

Widerstand leisten können nur die, die Zugang zu Macht haben (welchen Umfang die hat, hängt davon ab, wo man im sozialen Raum steht).

Gewalt anwenden können nur die, die sie such kontrollieren und begrenzen können. (Das ist ein gefährlicher Satz, dass wir uns nicht wehrlos machen dürfen – etwa gegenüber den angestrebten Sonder-Rollen von Polizei und Sicherheitsbehörden, von ständiger Überwachung etc. – d.h. natüüprlich, dass wir selbst diese Status-Privilegien auf anderen Gebieten hinterfragen müssen.

 

Dabei ist noch gar nicht Fastenzeit.

NACHSATZ: die Zeit läuft uns davon. Wir WISSEN wie es um das Klima steht (Lest das Interview von Wolfgang Hassenstein mit David Wallace-Wells in Greenpeace-Magazin 5/19, S. 12 zu dessen Buch „Die unbewohnbare Erde“). Das Entscheidende ist, dass wir keine Pläne machen sollen, die unser jetziges Leben jenseits einer Grenze fortsetzen werden, die uns keine Selbstbestimmung mehr erlaubt.

 

 

 

 

 

Reves, E. (1947). Die Anatomie des Friedens. Wien, Europaverlag.

Zizek, S. (2015). Der neue Klassenkampf. Berlin, Ullstein.

 

Menschenfeinde sind auch nur Menschen

Was sind Menschenfeinde? Menschen, denen andere Menschen nichts gelten. Es gibt sie in mehreren politischen Gewichtsklassen: Superschwergewichte sind z.B. Trump und Putin und Xi Ping, Mittelgewicht Erdögan, Modi oder Bolsonaro, weltergewichtig präsentieren sich die Orbans, Salvinis und Seehofers, und im Fliegengewicht tummeln sich alle die Gefolgschaften, die ja die eigentlichen Wähler, Antreiber, und sonstiges Potenzial der genannten Menschenfeinde sind, eine Bevölkerung aus „Edeldomestiken“, wie es im Radsport heißt.

Man sagt, es sei wichtig, den Menschenfeinden nicht mit ihren Methoden zu begegnen. Das kommt darauf an: oft ist ein deutliches Wort, das auch beleidigt oder einen irreversiblen Tatbestand bezeichnet (Nazi, Mörder, Verbrecher, Rassist etc.), notwendig. Und zwar nicht deshalb, weil auf einen groben Klotz ein grober Keil gehört, sondern weil diese Bezeichnungen Wahrheiten ausdrücken, die in der nach Redesekunden abgewogenen Talkshow nicht vorkommen; oft kann man sich solche Wahrheiten auch sparen, weil die so bezeichneten nicht in der Lage sind, das zu begreifen – Dummheit oder Verblendung immer einkalkulieren! – oder weil sie immun sind, das ist häufiger der Fall.

Damit renne ich gemeinplätzliche Türen ein; vielleicht auch damit, dass wir in unterschiedlichem Maß selbst menschenfeindliche Anteile, Einschlüsse, Metastasen und Verführungen erfahren, die uns nicht über, sondern gegen die Menschenfeinde positionieren und uns schwächen. Eine solche Fastenpredigt braucht ihr, meine LeserInnen, nicht. Ich will auf etwas anderes heraus:

Die Menschenfeinde der verschiedenen Klassen um uns beeinflussen ja die Politik – im Umfeld, in der Stadt, im Land. Und die Frage, wie mit ihnen umzugehen ist, hat schon etwas mit den verschiedenen Gewichtsklassen zu tun. Treffen kann man sie alle, und jeweils über ihre Gefolgschaften. Ich verwende diesen Begriff aus der Nazizeit, weil er die passive Unterstützung größerer Menschenmengen für eine autoritäre oder diktatorische Führung verdeutlicht; das Führerwirfolgendir ist ja nicht tot. Und wenn man dem Führer die Gefolgschaft abgräbt, dann kann er schwanken (oder schon so mächtig sein, dass er sich von der eigenen Gefolgschaft abstößt. Das hatten wir auch schon). Oben sagte ich, wie ambivalent der Gebrauch bestimmter Begriffe ist. Man kann in einzelnen Fällen auch die Methode von des Kaisers neuen Kleidern anwenden: den Gefolgschaften ihre Nacktheit vor Augen führen (das hat meines Wissens schon einige der ursprünglichen AfDler zur Einsicht gebracht, nicht bei diesem Nazihaufen bleiben zu wollen). Das geht nie ohne Risiko. Der Politik von Fakenews können ambige Wahrheiten entgegen gesetzt werden, d.h. Wahrheiten, die nicht nur auf einer Plattform von Wahrnehmung und Nachdenken aufbauen, sondern mehreren Wirklichkeiten zugehören: (Ich will da nicht in die Systemtheorie abschweifen, aber die Wahrheiten in unterschiedlichen Systemen sind ja auch nicht deckungsgleich – nur, sie sind nie „alternative Wahrheiten“, die die Diktatur so gerne sagt).

Es ist dies eine Übung. Eine, Übung, die Öffentlichkeit und die Sprechfähigkeit gegenüber den dominanten Zerstörern von Kultur und Kommunikation wieder zu gewinnen. Wir haben beides (ziemlich massiv, nicht nur marginal) verloren in der falschen Erwartung, das dauernde Hinhalten der zweiten Backe würde die Menschenfeinde beruhigen. Schon in der politischen Soziologie ist die sog. Mässigungstheorie ziemlich wertlos. (Dazu schon früher: finis terrae XVII u.a.). Aber allmählich wird es eng.

Also muss man sagen: Seehofer schiebt aus Menschenfeindlichkeit nach Afghanistan ab. Es gibt andere Länder, da haben die Abschiebungen politischen Fehlcharakter. Aber nach Afghanistan sind sie potenzielle Tötungsaktionen, die nur mit Menschenfeindlichkeit (oder mit Demenz) erklärt werden können. Dass dieser Menschenfeind darauf nicht reagiert, muss uns nicht stören; wir müssen uns hier gegen ihn positionieren. Wenn man sich die Attentate und Todesstatistiken von Afghanistan anschaut, dann darf man auch dem Innenminister entgegenhalten, dass wir die Wahrheit auf unserer Seite haben (was immer gegen Menschenfeindlichkeit hilft.

In der obersten politischen Gewichtsklasse hat das Sagen allein weniger Wirkung. Auch das muss uns klar sein, und kurz darunter – Modi im Kaschmirkonflikt – wird sich auch nicht beeindrucken lassen. Trump aber erfährt bereits einen Widerstand, den er nach mehreren Massakern meinte, wie früher wegwischen zu können. Und hier ist Deutschland nicht so schwach, dass es gar nicht agieren kann. Im Indischen Fall aber, wo es auch um die Anmaßung einer Religion gegen die andere (Hindu gegen Islam) geht, müssen wir in den Religionsdiskursen lernen, wie ambig Toleranz und Glaubensfreiheit in der Politik sind: auch hier bleibt es nicht bei einer Wahrheit. Das Risiko, von den Amerikanern eine geschmiert zu bekommen, ist größer als eine aus Indien hineingewürgt zu erhalten. Aber an beiden kann man die Politik aus ihrer Schweigeminute heraushalten, weil es bei den Anschlägen in Texas und Ohio um erkannte Ursachen geht (Führer UND Gefolgschaft) und in Kaschmir eben um den Nationalismus, der ja bei uns auch meint, Freiheiten beanspruchen zu dürfen.

Menschenfeinde sind auch nur Menschen.

 

Vorgänge nehmen zu

In den 1960er Jahren hatte ich schon mit linken Kapitalismuskritik begonnen. Später sollte die Kritik des realen Sozialismus und der Stamokap-Ideologie dazukommen, und noch später die sozialanthropologische Frage, warum fast alle Systeme, arm oder reich, privat- oder staatsgetragen, einen unverhältnismäßigen Zuwachs an Dienstleistungen und Bürokratie gegenüber Produktion und Konsum aufweisen.

Damals schenkte mir jemand einen „Parkinson“ (Favoriten und Außenseiter), und ich lernte seine etwas flachen, aber nicht ganz unzutreffenden Beobachtungen (das war 1967, in dem Jahr, als ich meine radikalen Ideen in eine Hochschulgruppe einbrachte, die man heute als linksliberal bezeichnen würde, zu Unrecht).

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Verwaltungen wachsen. Zur Reform der Verwaltungen werden Kommissionen mit einem Mitarbeiterstab eingesetzt, die beraten sollen, wie Verwaltungen verschlankt und effektiver zugleich gemacht werden können.

Manches geschieht im Namen von Demokratie und Mitbestimmung. Eine studentische Hilfskraft einzustellen, erfordert heute so viel Aufwand wie früher eine Berufung zum Professor. Einen Honorarvertrag an Hochschulen auszustellen muss heute so viele Instanzen durchlaufen wie früher ein großes Forschungsgeschäft. Ich sage nicht, dass früher alles besser war. Ich beobachte nur, dass der gesellschaftliche Überfluss (Reichtum, der nicht privatisiert wird) in Dienstleistungen fließt, die ohne diesen Reichtum nicht zu bezahlen werden, und in ihrer Effizienz (also Preis/Leistungsverhältnis) nicht erkennbar besser sind. Die sozialdemokratische Dienstleistungsidee sagt: immer noch besser, als noch mehr Privatisierung. Die konservative Ideologie sagt: Effizienzsteigerung kommt später, erst müssen wir die bestehenden Strukturen effektivieren. Die Neoliberalen wollen alles privatisieren und die Haftung dem Staat und der Gesellschaft aufbürden.

Ich bin kein Querulant, also sammle ich nicht „Fälle“.  Aber ich frage, ganz aus dem eigenen Bereich schöpfend, ob die Hochschulen soviel besser geworden sind, seit die beschriebenen Verwaltungen und Dienstleistungen und der „Dritte Sektor“ so immens angewachsen sind, es aber noch immer viel zu wenig Lehrende und Forschende gibt.  Ich rede vom Zeitraum der letzten 40 Jahre.

Ähnlich wie bei allen größeren Einheiten im öffentlichen Dienst werden die besser ausgebildeten Fachkräfte zu schlecht bezahlt, also bekommt man sie nicht; die weniger guten ziehen immer neue und mehr Einstellungen nach sich, und dann sind überqualifiziert unter-beansprucht eingesetzt. Außerdem: wo soll man den bestens qualifizierte Leute im Sicherheits-, Wissenschafts- und Umweltbereich herbekommen, wenn sich die Ausbildung auf Kompetenz ohne Bildung beschränkt.

Der letzte Satz ist harmlos, aber leider eine Zeitbombe. Da ist Deutschland mit seiner Exzellenzinitiative, seiner Überfüllung im Lehrbereich, seinem numerus clausus, und seiner Unfähigkeit, Fähige Menschen sozial abgesichert in die Hochschulen einzubringen, auch wenn sie nicht mehr taufrisch und blütenjung sind, weit hinter anderen Ländern….nur kein Wettbewerb, das ist auch eine Folge der wundersamen unproduktiven Vermehrung unbrauchbarer Arbeitskraft.

EWr es nicht glaubt, soll einmal die Beschäftigungsstatistiken der einzelnen Ämter, Behörden, Kommissionen anschauen. Das ist so ähnlich wie bei den Braunkohlekumpels, die auch nicht daran denken, etwas anderes, sinnvolles machen zu können.