Hysteria Germanica

im Stadium trockener Erschöpfung betrachtet sich die Welt, als wäre man auf dem Weg zur eigenen BeerdigungAber man kann sich in den Trost flüchten, dass das alles, alles was man so in drei Tagen sieht und hört, wie eine Folge von Zeichentrickfilmen und Avataren vor einem abläuft, und dahinter, erst dahinter, ist die Welt. So ist es schon dem Panther von Rilke ergangen. Noch nicht so lange her.

Da treffen sich die so genannten Staatslenker in Elmau, das kostet uns nur ein paar hundert Millionen Euro und dient doch dem guten Zwekc, die Bedeutung der Beschlüsse durch die Kulisse anzuheben. Das Gleiche wiederholt sich in Madrid mit 30 Natoländern und noch mehr Polizisten, Das Gleiche im Kleinen auf x Konferenzen.

Glaubt ihr, ich kritisiere den Rahmen, weil das Bild schlecht ist? Nein, denn dies ist die Technik derer, denen kein Bild gut genug ist, meist von politischen Rändern oder zugekifft von absurden Phantasien über den Zustand ihrer Wahrnehmung. Nein, nehmen wir die Verschwendung unserer Gelder hin, als Indiz für eine noch durchaus verbesserungsbedürftige Demokratie. Ärgern tut einem die Verarmung unserer Armen trotzdem. Aber das ist das gute Recht aller.

Das Wortgeklingel ist vorbei, die erwartbare Frontbegradigung ist erledigt, die USA an unserer Seite (nicht wir an ihrer, da ist ein Unterschied), die Sekundärdiktatoren in ihren Sätteln gefestigt und die hippeligen Demokratieförderer auf eine neue Runde eingestellt. Ist doch normal. Alles, was in den letzten Wochen geschehen ist, hat den Klimawandel verdrängt, unsere Kinder werden schon nicht ersticken, und wenn, erlebt es die Generation Lindner hoffentlich nicht. Diese Form der Rückkehr zur „Normalität“ hat den Vorteil, dass niemand am Stammtisch seine Version des neuen Kalten Kriegs vorbringen muss. Die Hsyterie kann sich dem sinnlich wahrnehmbaren hingeben, den Warteschlangen an den Flughäfen (prima, je weniger Flüge, desto besser), den zunehmend verspäteten Zügen (prima, wir sollen nicht so überheblich auf die Eisenbahn in der Dritten Welt schauen), dem Wassermangel in Brandenburg und anderswo (prima, dann gewöhnt man sich schneller an die eingetretene Zukunft der Dürrer) und dass alles teurer und langsamer zugleich wird (prima, wer hat denn jahrelang gegen die Hektik der Ämter und Discounter gehetzt?). Alles gut, sagt der deutsche Michel und lehnt sich zurück. Andere Sorgen habt ihr nicht? Und dass Hysterie nicht hektisch sein muss, wissen wir auch.

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Ich wende meinen Blick von der Weltpolitik ab. Die Brücke zu den obigen Beobachtungen ist klar: vor meinen Augen vertrocknet der Park, und über das Klima zur Armut lassen sich alle möglichen Erscheinungen beobachten. Aber wie sieht das im Mikrobereich des Tagesablaufs aus, wenn man durch die Hitze etwas schlaff und unmotiviert ist, wenn die Augen den Bildschirm nicht festhalten wollen, wenn man nicht so richtig schwitzt, weil man schon geschwitzt hat, wenn…früher hätte man gesagt: ein schöner, heller Sommer! Ja, der trockene Sommer war ein Lob der Jahreszeit. Jetzt hofft man auf Regen und verspricht dem Hund, dass wir beide im kalten Guss extra hinaus gehen. Die Spaltung der Gesellschaft läuft diesmal anders: die, die weg wollen und schwitze es, was es wolle, und die, die es auch wollen, aber nicht tun, weil sie es nicht können oder weil sie abwägen, um wieviel ärgerlicher die Bewegung wäre. Das ist keine Philosophie der Sommerträgheit, sondern die unerfreulich notwendige Feststellung, dass man in diesen Tagen die Sozialstruktur unseres Landes durch das abgeschmolzene Sommerfett deutlicher, bedrückender sieht als sonst. Die soziale Agenda rückt wieder vor, zugleich mit der kulturellen. Die Schuldenbremser und Haushaltsasketen verlagern alle unsere Mittel zu den Waffen, zu Investitionen in die Infrastruktur und an die Baustellen. Bildung, Kultur und im materiellen Bereich Reparaturen bleiben auf der Strecke. Und weil die beiden Sphären nicht zusammen kommen, entlädt sich dazwischen eine Stimmung angespannter Hysterie, die wichtige Entwicklungen unserer Geschichte löscht, aber keine neuen findet. Vom Kalten Krieg bis zur Einschränkung des Lebensstandards sind die Brocken des Anstoßes verteilt vor den Füssen der Aufgeregten. Hessel schreibt. Empört euch! und ich sage: regt euch ab. Widerstand kann nicht hitzig begonnen werden, er wird noch heiß genug. Denn Widerstand ist nicht zwischen Elmau und dem Verkehrsdesaster angebracht, sondern mitten unter uns, wo sich alle über alles gleich aufregen.

USA – Scholz: Zwei torkeln zusammen

Das Lob von Biden für Scholz in Elmau lässt den Kanzler erblühen. Nicht die dummen deutschen Kritiker, nein, die lieben Verbündeten in den USA haben ihn, ja was? gelobt haben sie ihn. Wofür? Wenn die Ukrainepolitik in Deutschland einiges an Scholz‘ Zaudern gut macht, dann ist das nicht sein Verdienst, sondern das von Baerbock, Habeck, und vielen Menschen der zweiten Reihe, die einfach das grinsende Nichtstun gar nicht beachten. Ich weiß schon: man darf nichts überhasten, gut und ausdauernd beobachten, dann wird man eines Tages glaubwüridg trauern können – behaltet das im Auge, es wird so kommen.

Was Elmau betrifft: die Süddeutsche Zeitung hat das gestern besser als andere zusammengefasst: Kassian Stroh vom Newsdesk. https://www.sueddeutsche.de/politik/news-nachrichten-ukraine-g7-russland-kiew-1.5609783. NEIN: ich kritisiere nicht die Inszenierung der Politik, die muss wohl sein, um durchzusetzen, was sonst unbemerkt von den Massen gemacht werden könnte. NEIN. ich kritisiere nicht den Scholz im Einzelfall Elmau. Selbst die hunderten Millionen Euro sind besser angelegt als Steuergeld für die Potsdamer Hitler-Hindenburg-Kirche.

Mir stößt etwas anderes auf: Herr Biden spricht nicht für die USA. Er spricht für die halben USA. Es gibt eine faschistoide Mehrheit unter den Republikanern, unter den Bundesrichtern, unter vielen Staatsrepräsentanten. Und die bestimmen zur Zeit die Politik der USA mehr als die demokratischen Beharrungskräfte (das sind nicht einfach die Parteidemokraten).

Und Scholz rückt Deutschland näher an diese USA, und die NATO ist wiederbelebt wie lange nicht, und kaum einer redet mehr von einer europäischen Verteidigung, als wären die USA verlässliche Verbündete. Wenn Putin den Westen angreift, und das traue ich dem Wiedergänger Hitlers und Stalins zu, dann greift er uns an und nicht die USA.
Und dann. Ich hoffe, aber ich bete zu niemandem, ich hoffe, ich habe UNRECHT.

Vieles, was die G7 und Gäste machen, ist schlechter als in Deutschland, manches ist besser. Das ist nicht das Problem und denkt an die klugen Sätze von Koehler im letzten Blog. Aber die USA weitermachen lassen mit Assange, Frauenfeindlichkeit, Rassismus….das geht in einem Bündnis nur, wenn sie nicht Verbündete sind, sondern in einigen Bereichen Vertragspartner. Das ist ein Unterschied. So, wie es in der NATO einen positiven Unterschied machen würde, den Erdögan rauszuschmeissen und den Orban etc. Wenn es uns trifft, ist es zu spät.

Amerika? und wir?

Keine Zeit für spitze Schreie. Viele haben mich in den letzten Jahren gedrängt, den Unterschied zwischen USA und den Diktaturen Russland und China einzuebnen, wenn ich ihn hervorgehoben habe. Das war so etwas wie ein Grundton meiner Arbeiten auf den politischen und kulturellen Konfliktfeldern. Gerade beim Ukrainekrieg wurde ich oft aufgefordert neben der Kritik an Putin die Mitschuld des Westens an diesem Krieg wenigstens anzuerkennen (etwa in der Linie von Wagenknecht).

Warum ich hier subjektiv von mir schreibe? Weil ich Familie in den USA habe, weil ich seit Jahren Kritik und Erbschaft dieses Landes im eigenen Habitus verarbeite und weil die heuchlerische Ablehnung der USA durch ansonsten kluge Menschen politische Urteile erschwert (so sagte mir ein Freund, er kritisiere die USA eben heftiger als Russland, weil man über die Wirklichkeit dort weniger wisse als über die amerikanische, und das sei schon wichtig für die Urteile über beide Systeme…).

Nun ist es den meisten egal, was ich denke, ich verlasse diesen subjektiven Türöffner. Gestern waren in den USA nach dem Urteil des Obersten Gerichts zum Schwangerschaftsabbruch und in Deutschland nach dem Bundestagsbeschluss gegen das ärztliche Informationsverbot dazu gegensätzliche Stimmen zu hören, und eine öffentliche Debatte nimmt Fahrt auf.

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Es gibt einen komplizierten Zugang zum Problem. PolitikerInnen aller Lager bauen in ihre Rhetorik bestimmte Singulare ein, die in sich bereits den Keim des Konflikts tragen, weil dieser Singular die Wirklichkeit partiell ausschließt (lest dazu Marlene Streeruwitz (Streeruwitz 2021)). Mein Beispiel hier ist „der Westen“. Abgesehen davon, dass das Gegenstück, „der Osten“ gar nicht verwendet und bestimmbar ist, sondern früher mit dem kommunistischen Regime gleichgesetzt wurde (Ostpolitik), aber nach 1989 wie ein Patchwork aussieht. Der Westen, gemeinhin meint er die demokratischen Gesellschaften in Europa und Nordamerika, allen voran die Führungsmacht USA. Waren wir jemals dieser Westen? Der Gebrauch des Begriffs hat sich nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs auf die USA konzentriert, Siegermacht und demokratisches Vorbild zugleich, aber schon damals nicht weiß (=gut) gegen das rote (=schlechte) System des Ostens. Westen mit Demokratie gleichsetzen, wieder so ein Singular, geht. Aber dann muss man Geschichte sich aneignen. Der Unterschied zwischen der amerikanischen Verfassung und dem Contrat social (Rousseau) (Dazu kurz: Vom Gesellschaftsvertrag oder Prinzipien des Staatsrechtes – Wikipedia) trägt bis heute und spaltet die Philosophie im Westen, wie viele andere Unterschiede auch. Dazu: (Lepore 2018) über eine wirkliche Geschichte der USA. Zusammengehalten wird dieser singuläre Westen durch einen tatsächlich funktionierende, also auch mit Mängeln behaftete Demokratie und Grundrechten, die den Diktaturen „im“ Osten abgehen. Dass der Nord/Süd-Konflikt im Westen für gewöhnlich nicht vorkommt, ist einer Mängel (Das kann man am derzeitigen Konflikt um Antisemitismus und Antikolonialismus an der documenta 15 genauer sehen).

Wie sehr wir in den westeuropäischen Ländern von den USA mit geprägt waren, kann man an der 68er Bewegung und der linken Amerika-Kritik ablesen: kulturell ist hier der fast „dialektische“ Austausch nicht nur zwischen Westeuropa, sondern viel weiter und ungleichmäßig, und den USA evident.

Hier ist ein wichtiger Haken: ein Teil des Antiamerikanismus weiter Teile der linken und liberalen Diskurse hat keine linke (also sozialistische oder sozialdemokratische) Herkunft, sondern teilt seinen „Antikapitalismus“ mit der Debatte zwischen „unserer“ Kultur und der Zivilisation des Westens, die vor und im und nach dem Ersten Weltkrieg sehr massiv gewirkt hatte. (Der Faden zieht sich auch vom später ganz anders argumentierenden Thomas Mann bis hin zum Einfluss des amerikanischen „Kampf der Kulturen“ (Fukuyama, Huntington)). Der Haken ist, dass anscheinend dem westlichen=globalen Kapitalismus kein wirksames Gegenstück gegenübertritt, sondern eine Vielzahl von Varianten, die alle auch davon leben, dass dieser westliche Kapitalismus auch keine Einheit, kein Singular ist.

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Also rechnet man auf. Vietnam gegen Afghanistan ist ein Beispiel, an dem man das gut abhandeln kann; Einflusssphären, Atomwaffendrohung, Lebensstandard versus politische und kulturelle Freiheiten, Grundrechte versus Verhaltensdiktatur etc.

Schauen wir in die USA der letzten Monate:

Es kommt einem das Kotzen – pardon – wenn man die terroristischen Waffengebräuche sieht mit hunderten Toten, wenn man die Politik gegen Assange analysiert, wenn man die faschistischen Auswirkungen des Trump-Regimes auf Gerichte, nicht nur den obersten Gerichtshof, wenn man die Auswirkungen des „Exzeptionalismus“, (Danner 2011), also der Ausnahmeposition der USA, bei den internationalen Gerichten und Abkommen sieht, vor allem nach 9/11; wenn man Guantanamo analysiert.  

Ich sage bewusst faschistisch und beziehe da ebenso bewusst die meisten christlichen Aktivistengruppen und weißhäutigen Suprematisten der USA mit ein. Spaltung der Gesellschaft zwischen demokratischen und faschistischen Kräften, Spaltung der Ökonomie und in der Folge der Politik.

Aber schauen wir uns in Europa auch an:

Faschistoide Gesetzgebung in Polen, faschistische Regierung in Ungarn, kaum ein Land, in dem die Faschisten weniger als 15% in den Parlamenten stellen. Das hält die Demokratie – nicht? Nicht länger? Weiterhin? – aus…dto. In den USA?

Wäre es so einfach.

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Sehr vereinfacht heißt die jetzige Situation, dass die Verbindungen, Bündnisse, aber auch komplementären Geschäfte unter den Gegnern des Angriffskrieges von Putin & der russischen Macht auf die Ukraine eine Hierarchie angenommen haben (mussten? Konnten?), die mit unserem, weiteren, liberaleren Politikverständnis kollidiert (Türkei, NATO-Politik, Öl aus dem Nahen Osten etc.). Das kann, muss, man kritisch sehen, aber so, wie das Robert Habeck tatsächlich tut (contre coeur, nicht kontrafaktisch). Wenn wir uns nur auf die EU konzentrieren, dann gilt eine Überlegung, die ich meinem Kollegen Jan Koehler in ihrer Prägnanz verdanke:

Der Sozialanthropologe Georg Elwert erklärte seinen Studenten den brillanten Aufsatz von Albert Hirschman „Wieviel Gemeinsinn braucht die liberale Gesellschaft“ seinerzeit am Beispiel des politischen Konfliktes um Schwangerschaftsabbrüche in den USA einerseits und in der Bundesrepublik andererseits. Das zentrale Argument Hirschmans ist, dass die Kohäsion von liberalen Gesellschaften nicht auf Gemeinsinn, sondern in der (institutionell verankerten) Fähigkeit gegründet ist, Entweder-Oder Konflikte in Mehr-oder-Weniger Konflikte umzuarbeiten. Elwert nannte dies Alternativ- und Gradualkonflikte.

Abtreibung in den USA wurde zunehmend zu einem emotional massiv aufgeladenen Alternativkonflikt, der zudem in den essenziellen Kategorien der Grundrechte auf Freiheit und Leben ausgetragen wurde.

In Ländern wie Deutschland wurde das Thema hingegen (immer wieder) institutionell kleingearbeitet – der politische Streit ging nicht um das Prinzip, um Alles oder Nichts, sondern um viele Details, wie Zeiträume, Indikationen und letztlich auch Dinge, die heute anachronistisch anmuten, wie das Werbeverbot. Diese kleinen Dinge brauchte es aber, um immer wieder eine konsensfähige politische Mitte für diese emotional leicht aufzuladenden Fragen zu finden. Es waren zunächst die politischen Institutionen, nicht der gesellschaftliche Diskurs, der diese Konfliktarbeit immer wieder geleistet hat (in einigen EU-Ländern hat der gesellschaftliche Diskurs dann wohl die Institutionen in dieser Frage – wie auch in der Frage der gleichgeschlechtlichen Ehe – überholt, aber das ist eine jüngere Entwicklung).

Die langweilige Alte Tante EU war (ist?) die Großmeisterin im Kleinarbeiten von Konflikten, für die sich bis vor kurzem (und seit noch kürzerem wieder) Nationalstaaten an die Kehle gegangen sind – und dafür hat sie gerade noch rechtzeitig und zu Recht den Friedensnobelpreis verliehen bekommen. (Jan Koehler, 25.6.2022)

Auch hierzu kann man Varianten einbringen und seine Politik aushandeln. Aber die gesellschaftlichen Spaltungen sollten den Westen nicht vereinen. Was die USA angeht, hat Jill Lerpore vor ein paar Tagen in Bremen (Hannah-Arendt-Preis) herausgearbeitet, dass die Spaltung unter dem Aspekt „FREEDOM“ undüberbrückbar ist: Abortion = Murder, Guns = Freedom versus Abortion = Freedom, Guns = Murder.

Nun, wir können es anders machen und unsere Spaltungen verringern (Dazu gehört übrigens, die CDU Stimmen zur gestrigen Abtreibungsinformationsfreigabe zurecht zu weisen, die klingen ganz nach dem evangelikalen Duktus in den USA).

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Zurück zur Frage, was sind die USA für uns? Dazu grundsätzlich: Partner müssen nicht Freunde sein und schon gar nicht alle Werte teilen (Das spräche für eine eigene, europäische Verteidigungsmacht, die würde allerdings teurer sein als die NATO-Mitgliedschaft; es spräche auch für ausgetragene Konflikte (Fall Assange, auch gegen England). Freunde müssen nicht konfliktfrei sei, auch Verbündete nicht (Einstimmigkeit ist immer ein Zwangsmittel). Und dann natüßrlich Weltpolitik, diese Fragen etwas anders stellen: was sind wir für die USA? Wenn uns die Russen mit taktischen Atomwaffen angreifen, sind wir beschädigt, nicht die USA jenseits das Atlantik….).

Aber das ist große Politik und gehört nicht in den Blog. Was hierher gehört, ist die Abkehr vom s-w Denken. Kein Opfer ist überall und ganz unschuldig, und man bekämpft den Gegner nicht wegen seiner goldenen Kuppeln. Unschuld ist keine Kategorie in Konflikten, wo die Schuld und die Handlungen eindeutig sind, es geht auch nicht um Wegschauen oder Kleinreden.

Danner, M. (2011). „After September 2011: Our State of Exception.“ NYRB 58(15): 4.

Lepore, J. (2018). These Truths: A History of the United States. New York, Norton.

Streeruwitz, M. (2021). Geschlecht. Zahl.Fall. Frankfurt, Fischer.

Die Zeitschrift vorgänge widmet sich 2000 (# 149) dem Thema „Linker Antiamerikanismus“. Schon lange her.

Jüdischer Einspruch: Kasselquasselrassel

Wären die Diskussionen um die blödsinnigen faschistoiden Designs auf dem großen Bild an der Documenta 15 die einzigen zum Thema gewesen, dann wäre alles klar. Solche Rassismen fallen nicht unter die Kunstfreiheit, sind antijüdisch und gehören entfernt. Basta…Claudia Roth hat es gesagt, wie es sich gehört.

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Nun waren aber im Vorfeld geradezu Chöre zu hören, meist musste man lesen wie Antisemitismus gegen Antikolonialismus gegen Kunst gegen Freiheit gegen außereuropäische Kulturblickwinkel gegen identitäre Profilierungen etc. ausgespielt wurden, eingespielt …. Diese Chöre wurden durch mehrere Untertonreihen im Basso continuo angereichert, antimuslimische Kritik als Rüstung der Anti-Anti-Semiten, rechte Politik unter dem Deckmantel der Israelfreundlichkeit usw. ALSO NICHTS NEUES.

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Ich bin keine Stimme in diesen Chören. Weder das Vorfeld hat mich groß aufgeregt noch sage ich was zur Documenta bevor ich nicht dort gewesen bin, aber Halt: ich sag doch was. DASS Israel diesmal mit keinen VertreterInnen eingeladen war, wird „exzeptionalistisch“ begründet, weil ja 150 weitere Nationen auch nicht eingeladen waren. Das ist eine hochbrisante ambivalente Angelegenheit, für Veranstalter und Kritiker gleichermaßen, bei den Begründungen der Kritik verheddern sich viele. Das Argument, es seien ja auch Palästinenser eingeladen, ist so ein Gang auf des Messers Schneide, denn am Ende läuft das Argument auf die Trump Philosophie hinaus, truth müsse immer mit der alternative truth begegnet werden. Dass man Israelis einladen hätte können, kein Zweifel, ob man sie einladen hätte sollen, hängt mit dem Konzept zusammen, nicht mit der „quid pro quo“ Formel.

Der Exzeptionalismus, d.h. die Rechtfertigung außergewöhnlichen Verhaltens (=sich Freiheiten Herausnehmen) wegen außergewöhnlicher Eigenschaften (=Macht), gehört meist den ganz großen Großmächten USA, Russland, China. Aber er findet sich auch in den Diskursen auf allen Ebenen. Es gibt Menschen, die Israel „exzeptionalistisch“ beschreiben, um sich als anti-anti-semitisch zu etikettieren. Und es gibt Menschen, die den Antisemitismus weit von sich weisen, wenn und weil sie Israel wegen der Politik im Westjordanland und im Gaza kritisieren. Wie gesagt: es geht um die Diskurse und nicht um die Wirklichkeit, schon gar nicht die politische.

Dabei bleiben die Grundrechte und Pflichten in der Demokratie auf der Strecke, einschließlich des Austeilenkönnens und Einsteckenmüssens – bis zu einem bestimmten Grad, immer. Darauf wird Interessenpolitik gekocht. Und man hat wieder genügend Nahrung für Empörung.

Was mich empört ist, dass die grausigen Anlässe für diesen Konflikt nicht benutzt werden, um eine wirkliche Auseinandersetzung zu führen. Die geht nicht um den lächerlichen BDS, der auch dort verkehrt ist, wo er nicht anti-israelisch oder antisemitisch ist, die geht nicht um das post-koloniale Aufrechnen nicht-erinnerter Kulturen, die geht auch nicht um das Fremde und das Eigene. Die geht um die kritischen und konfliktreichen Aspekte von Ansätzen und Ansprüchen, die alle ihre partielle Legitimation haben und einander ambig gegenüberstehen. Ambig = je nach dem System in dem ich argumentiere, gerechtfertigt oder nicht; anders als ambivalent.

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Wer auf dieser Debatte sein Süppchen kocht, ist unangemessen.

Bitte lest: Susan Neiman im Interview mit Sonja Zekri: https://www.sueddeutsche.de/autoren/sonja-zekri-1.1409260

und meine früheren Blogs zum Antisemitismus.

NACHTRAG

Herr Scholz fährt nicht zur Documenta. Der Streit geht weiter. ES IST KEIN STREIT UM KUNSTFREIHEIT, es ist ein Streit um EIN WORT – ANTISEMITISMUS. Und wir müssen mitansehen, wie dieses Wort, das längst KEIN BEGRIFF mehr ist, instrumentalisiert wird. Man legitimiert seine politischen Vorstellungen und Handlungen allein damit, sich als Gegner des Antisemitismus dar- und vorzustellen.

Erich Fried: „Ein Antifaschist, der nichts ist als ein Antifaschist, ist kein Antifaschist.“

Gegen den Antisemitismus zu sein, ist keine Kunst. Ihn zu verstehen und seine Herkunft in uns, um uns und gegen uns aufzuklären, ist mühsam und oft selbst-beschämend oder verletzend.

Jüdischer Einspruch: Soviel jüdisch…was bleibt da noch?

Es kann gar nicht genug sein? Das ist der Unterschied zwischen Gourmet und Gourmand in der Antwort.

Was wäre, wenn….

Die Jüdischen Tage sind dicht und sehr heterogen, und was wäre, wenn…das Jüdische Filmfest Berlin Brandenburg nur Filmfest hieße und die gleichen Filme im Wettbewerb zeigte? Was wäre, wenn sich der Skandal um einen akademischen Problemfall nicht im Feld der Jüdischen Studienereignete? Was wäre, wenn es sich bei einer gestern erfolgten Erweiterung meiner Familiengeschichte nicht um eine jüdische Mischpoche handeln würde? Was wäre, wenn der Leo Trepp Preis nicht um die jüdische -deutsche, besser jüdische Geschichte in und mit Deutschland, sich thematisch handelte? Wenn ich nicht StipendiatIInnen eines jüdischen Studienwerks betreute, sondern solche ohne ethnische oder religiöse Attribute…?

Ist aber nicht.

Das jüdische Prädikat oder Attribut häuft sich manchmal, und dann fragt man sich, welche besondere Bedeutung es in Deutschland, „bei uns“ also, wirklich hat.

Die häufigsten Assoziationen sind

  • Die Shoah, hier fast immer als Holocaust bezeichnet
  • Der Antisemitismus

Beides kann ich erklären, aber das ist nicht einfach. Wenn wohlmeinende Menschen freundlichen sagen, das Judentum gehöre zu Deutschland, zu den Deutschen, dann wird hier eine Trennung implizit beschrieben, eine, die überwunden werden soll zwar, aber eben keine Integration. Wenn man fragt, wie viele jüdische Menschen denn hier leben, wird die Zahl meist zu hoch geschätzt – tatsächlich sind es maximal 250.000, also weniger als andere kleine Minderheiten vorweisen. Und wenn man dann differenziert…Kontingent-Immigranten der 90er Jahre, Angehörige aus Familien, die nach der Shoah zurückgekehrt sind oder gar hier überlebt haben, Israelis, die aus religionskritischen oder säkularen Gründen hier sind und solche, die hier religiöse Verwirklichung suchen, Scheinjuden und Anscheinjuden…nein, ich mache keine Witze, aber ich kann auch nicht ernste Miene machen zu einer Situation, die viel komplizierter ist, als sie den Anschein hat. Ignaz Bubis hat mir einmal gesagt, dass wir so wenige sind, und also über das Judentum hinaus besondere Werte, humanitäre vor allem, für die Gesellschaft vertreten müssten. Nun gut, wir sind wenige, aber….wir fallen auf, und das kann nur bedingt allen gefallen, weil sie ja differenziert und oft uneinheitlich sind, der Einheitsgemeinde zum Trotz.

Beides, Shoah und Antisemitismus, schwingen in den Diskursen dieser Woche dauernd mit, und einiges will ich hier ein Stück genauer abarbeiten, durchaus in pädagogisch-kurzschlüssiger Absicht.

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Das Jüdische Filmfestival 14.-19.6.22 ist schon etwas besonderes. Ich sehe einmal von den Eröffnungsreden ab, die so routiniert wie unnötig waren, ich habe mich über die Moderation von Shelly Kupferberg gefreut, und dass mein Freund und früherer Student Max Czollek in der Dokumentarfilm Jury ist, hat mich auch gefreut. Aber darum geht es nicht: was ist jüdisch an Filmen, die Jüdisches zum Thema haben? (Klassische Frage an Musik, Malerei, Literatur). Bleiben wir bei den Themen. Diesmal steht Biographisches im Zentrum, auch bei der Eröffnung „Eine Frau“, die Dokumentation von Janine Meerapfels Muttergeschichte, deutsch-argentinisch. Solche Geschichten sind hundertfach, tausendfach erzählt, das besondere ist, welche Fragen wie gestellt und wie beantwortet werden: Warum die Chronologie der Ereignisse an wichtigen Schnittpunkten nicht das analytische Messer ansetzt. Diese Form der Chronologie ist nicht notwendig mit der biographischen und dokumentarischen Professionalität verbunden, auch die Rückwärtserschließung muss sich rechtfertigen. Dass die Akademiepräsidentin dann doch auch den Preis im Wettbewerb bekommen hat, war zu erwarten gewesen, und eine Auseinandersetzung hat es nicht gegeben, was diese Form der biographica judaica eigentlich bewirken soll… Diese Kritik gilt noch viel mehr für den als „orthodox“ vorangekündigten Film „Shattered“ (2022) von Dina Perlstein. Die Nacherzählung eines angeeigneten Kindes, das den Opfern der argentinischen Diktatur entrissen wird und doch zu seinen familiären Wurzeln zurückfindet, wäre eine spannende Metapher, ist aber als chronologische Geschichte so glaubwürdig wie irreal. (Abgesehen von der weltfremden Einspielung der wichtigen Botschaftssituationen, die für den Schluss der Handlung, die Cousinen finden sich wieder, ja wichtig ist. Man weiß nicht, was an dem Film orthodox sein soll, außer dass manchmal Baruch haShem gesagt wird und einiges Aufrufcharakter hat. Eine gute Idee wurde verspielt, aber das Verhältnis der argentinischen Diktatur nicht zu ihren Gegnern, das kennen wir, sondern zum Judentum, wäre hier ein spannender Nebenton gewesen.

Positives Gegenteil: der Dokumentarspielfilm „Back in Berlin“, (2021) der im Wortsinn die Stolpersteine der komplizierten zweiten Generation geretteter jüdischer Menschen und zur Erinnerung gebrachter Deutscher an einer sehenswerten und ambigen Konstellation zweier Freunde darstellt. John Lax, Hauptdarsteller, Regisseur, Motivator war auch anwesend und glaubwürdig.

Also: was ist ein jüdischer Film? Immerhin haben jüdische Menschen ihn angeschaut. Und wenn jüdische Personen im Film vorkommen, werden sie von jüdischen Menschen für jüdisches oder gerade für antisemitisches Publikum gespielt.

Es gibt unendlich viele Diskussionen, Schriften, Meinungen zu diesen Fragen, aber sie scheinen eine breite Öffentlichkeit nicht zu erreichen. Oder merken wir nicht, WIE sie diese Schichten erreichen und beeinflussen? Es würde mich nicht bedrücken, wären meine eigenen Kommentare, Antworten und Meinungen dazu unbeachtet oder irrelevant. Aber die plötzliche Welle ist doch be (un) ruhigend. Als ob die jüdischen Menschen in diesem Land so etwas wie ein Katalysator für etwas ganz anderes, für viele andere Aggregatzustände gesellschaftlichen Bewusstseins und Handelns wären.

Zum Beispiel, dass die relativ wenigen jüdischen FunktionärInnen – mehr Männer als Frauen – in relativ vielen jüdischen Organisationen und Institutionen relativ wichtige Positionen haben und deshalb Netzwerke und Inkompatibilitäten erfahren oder bewirken. Der Problemfall um die namentlich nicht genannte Hauptperson des Universitäts- und Rabbiner- und Kolleg-Person führt natürlich dazu, dass man sagt: ach, nicht nur die christlichen Kirchen…und in diesem Fall die Liberalen (das freut die Orthodoxen) und schon denken viele an die unvermeidlichen Schnittflächen mit der großen Anzahl von Institutionen und Positionen…

Zum Beispiel, dass und wie nichtjüdische Schülerinnen und Schüler für den Leo-Trepp-Preis Judentum und jüdische Geschichte bedacht, rekonstruiert oder in der Gegenwart lebendig gemacht haben, ohne dauernd Shoah und Antisemitismus als zentrale Brennpunkte zu haben, war beeindruckend.

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Der Preis für die zentrierte Aufmerksamkeit, von der einige sogar profitieren, viele aber sehr ambige Zustände bekommen, wird in der Soziologie als „Privileging the marginalized“ genannt. Um besonders beachtet, geachtet, geschützt oder befördert zu werden, bedarfs es eines coming out, man muss also als jüdisch erkennbar sein. Vor Jahren bezog es sich stark auf LGBTQY, auch oft nur auf Frauen, bevor es wissenschaftlich erweitert und verallgemeinert wurde. Willst du gefördert werden, weil du etwas besonderes oder anderes (?) bist, musst du dich zu erkennen geben.

Müssen wir? Für viele eher die Antwort auf die Frage: sollen wir. Damit macht man bisweilen Karriere, bisweilen Eindruck, manchmal Irritationen, – und in fast allen Fällen befestigt man die Vorurteilsstruktur gegenüber der ausgewählten Gruppe. Das hat mit Judentum wenig zu tun, schaut auf die unterschiedliche Behandlung von Migrantengruppen – ob sie marginalisiert oder im Scheinwerferlicht sind, schaut auf die Erfolge von LGBTQY – oder Teilgruppen. Das ist auch Teil der gestrigen Plenardebatte des Leo-Trepp-Preises, wo häufig angesprochen wurde, woher die Mittel zur Normalisierung des jüdischen Lebens im Deutschland von heute kommen könnten, wenn die Shoah „nicht mehr zieht“ und es keine überlebenden Zeitzeugen mehr gibt. Erinnerung ist „an sich“ nicht zu dogmatisieren, sie muss einen aktuellen Kontext haben. Schmerzlich für das, was spöttisch oft die Holocaust-Industry genannt wurde, weshalb Erinnerungskultur auch Anlässe und Verbindungen zu unserer Gegenwart braucht, worauf viele leider zu wenig achten.

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Mit der Be- und Verarbeitung der Shoah kommt unsere Gesellschaft langsam und unter Schmerzen voran. Schmerzhaft, weil man sich in einer Generationen-Kaskade immer den gleichen Schmerzen Bildern des Schreckens hingeben kann oder sich von der Survivors‘ guilt auffressen lässt – dagegen halte ich es mit Jean Améry: Recht haben die Überlebenden. Und wenn es keine Zeitzeugen gibt, dann wird die Erinnerungskultur eine sein müssen, die andere neue Elemente für die Zukunft herstellt, am Besten (das ist meine Deutung) die Erinnerung selbst, und nicht die Shoah, für die Zukunft aufbereiten, und das heißt Wandel, auch der jüdischen, jedenfalls der gesellschaftlichen Kultur und der zugehörigen Diskurse. Umstritten, aber fruchtbar.

Anders das Problem des Antisemitismus. Selbst meine persönliche Bibliothek hat dazu meterweise Material, und selbst ich habe dazu geschrieben und gesprochen. Aber der AS ist nicht einfach etwas gegen die Juden zu haben.  Dann wäre das „Philo-„ bei den Philosemiten nicht nötig, wenn die Förderer des Judentums bei uns angesprochen werden. Ich bleibe bei meiner These, dass der Antisemitismus „Juden macht“ (Daxner 2007), weshalb ich selten von Juden, sondern immer von jüdisch spreche, um das Nomen oder Verb zuordnen zu können.

Putin dreht im Augenblick den Spieß um, wenn er den jüdischen Selenskyj und die Juden insgesamt für den faschistischen Angriff auf sein Reich verantwortlich macht. Das Muster kennen wir, und subkutan hat es beträchtliche Wirkung. Natürlich nicht nur Putin….

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Wenn da nicht noch etwas wäre, das ich am Anfang dieses Blogs nur angedeutet hatte. Man entkommt dem allen nicht, „dem“, das ist die jüdische Teilidentität – man ist kein Jude, aber jüdisch so wie männlich so wie kulturell, sozial, ökonomisch und kommunikativ in mehrere weitere IdentitätEN zusammengefügt, und selbst wollte man sich von der einen oder andern befreien oder lösen, der Habitus bleibt. Genetisch-kulturell hat das der Film „Shattered“ im Subtext zu beweisen versucht, viel subtiler als jede „Rassenlehre“; sozio-kulturell bleibt von der jüdischen Geschichte selbst dann etwas hängen, wenn lächerliche Gemeinden auf der jüdischen Mutter bestehen und den jüdischen Vater nur widerwillig überhaupt wahrnehmen; religiös sind die meisten jüdischen Gemeinden längst nicht so zerfallen wie die christlichen (von Sekten abgesehen), das kommt daher, dass sie nicht missionieren und deshalb die Unterschiede nur reflektiert attraktiv sind, aber nicht intuitiv…das ist schwierig, ich gebe es zu, aber es hat mich viele Jahrzehnte lang beschäftigt.

Bleiben wir lieber bei der notwendigen Aufgabe, die Erinnerungskultur selbst kritisch zu hinterfragen, wo ihr spezifisch Jüdisches ist, und wo es um Menschlichkeit geht. Ich könnte mit der Rabbinerin Horvilleur sagen, das Spezifische ist, dass wir nie mit uns fertig sind (Horvilleur 2020)…im Gegensatz zu all denen, die durch Ausgrenzung anderer mit sich fertig sein wollen. Ich kann das säkular drehen und dann wird etwas Praktisches draus: du bist jüdisch, na und…? Soweit sind wir lang nicht, außer dass es uns nicht verlässt. Der vor-monotheistische Ahnenkult schlägt, so haben unsere Vorfahren begonnen, jüdisch zu sein und nicht bloß hebräisch? Aber das führt zu weit. Näher liegt, die Erinnerung strikt auf das Diesseits zu konzentrieren, sie hier, bei uns zu behalten, und dann wundert man sich nicht, wie wenige Juden so viel gemacht haben, es waren ja doch ziemlich viele?

Daxner, M. (2007). Der Antisemitismus macht Juden. Hamburg, merus.

Horvilleur, D. (2020). Überlegungen zur Frage des Antisemitismus. Berlin, Hanser.

                Ich wiederhole hier eine kleine Rezension: Delphine Horvilleur Überlegungen zur Frage des Antisemitismus. Der bescheidene Titel verdeckt ein gutes Buch. Sie baut ein wenig  auf Sartre, Lacan, Derrida auf….ist aber sehr eigenständig, manchmal nahe an Bodenheimer. Im ersten Teil eine blendende Thora und Talmud Exegese,  die den AS bis auf Abraham, Isaak, dann vor allem Jakob vs. Esau begründet. Thesen hier und später: die Zweiten sind weiter als die Ersten (hab ich schon  früher gesagt), weil sie nicht vollendet, immer im Werden sind, die Ersten beanspruchen Macht und vor allem Ganzheit. Schön entwickelt anhand von Ester, Haman versus Mordechai, das kann man auch genealogisch hinbiegen. Aber schon hier: AS ist übermäßig männlich, Jakob und die Juden mit hoher Weiblichkeit.  Juden gegen Römer, das Gleiche. Der Rabbi und der Kaiser (Antoninus Pius spielt da eine namentliche Rolle). Juden werden gehasst,  weil sie etwas haben, das ihre mächtigeren Gegner gerne hätten, und weil sie nicht haben, was diese Gegner aber integrieren müss(t)en um ganz zu werden. Sie geht auch das nachfolgende stereotype Gewirk des AS durch, wenig Politökonomie, viel Freud. Gut der Abschnitt über Weininger. Spannend und brisant die gegenwärtigen Varianten – das kann man fortsetzen, etwa den AS, der auch in black lives matter enthalten ist, und vor allem identitären Ideologien. allen Israelkritik ist dann und nur dann richtig  und legitim, wenn sie sich der Identitätsdebatte entzieht. Der wirft sie vor, sich dem aufgeklärten Anspruch der Person (fände ich besser als Individualität) zu verweigern, man kann hier von  einer Opferkonkurrenz sprechen, in dem die Juden negativ, alle andern Opfer positiv konnotiert sind. Horvilleur lässt sich auch (zu) kurz mit der gegenwärtigen aus den USA herüberkommenden Bewegung der kulturellen Aneignung ein. ich stimme mit ihr überein, dass wir nicht die Shoah zum Brennpunkt und Maßstab alle jüdischen Geschichtemachen sollen, können.  Da steht uns noch ein gewaltiger Kampf um. Gerechtigkeit bevor. In ihrer Kritik am linken AS und an einem AS Feminismus kann ich ihr zustimmen, die Brücke allerdings von der schon hebräischen Weiblichkeit des später jüdischen Mannes als eines unfertigen, weil der Zukunft noch offenen Menschen, gegen die Ganzheitlichkeit, müsste noch viel weiter ausgebaut werden. Hinweise auf die Quellen bei Mo Urban, und der will ich neue Quellen in diesem Buch mitteilen. Schöner Satz „Das wahre Judentum ist in Israel nicht präsenter als in der Diaspora. Letztlich ist es nur dort wahr, wo es nicht alles über sich selbst gesagt zu haben glaubt“ (128). Darum schreiben wir weiter.

Gerade in den letzten Tagen habe ich viel Frankl, Sarid, dann Primo Levi und Fred Wander gelesen. „Der Jude“ im KZ. Immer mehr wird mir gerade an der Leidensgeschichte auch klar, dass Kertesz recht hat: ich – ein anderer. Dann kann ich über das Überleben berichten. Dieses Überleben, die Hartnäckigkeit der Nichtintegration hat diese Position der Juden von Anfang an geprägt, seit Amalek, und wenn Max Czollek mit seiner Desintegration das meint, kann ich mich eher mit dem Aufruf versöhnen.  

Vorsilben Festival

VERgleiche taumeln durch die Feuilletons, VERbote von VERgleichen. Hitler mit Putin, Stalin mit Hitler, So gehts nicht, VERrenn dich nicht, sagen die einen, die andern nennen die einen VERgesslich.

Vergleiche sind notwendig, weil die erst die Unterschiede deutlich machen. Was ist der Unterschied zwischen Krieg und der militärischen Aktion Russlands gegen die Ukraine? Ich äußere mich weiterhin dazu nicht im Blog, es gibt andere VERgebliche VERgleichsVERfahren, die uns sprachlich aufmerksam machen, und es muss nicht VER sein.

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Worauf ich hinaus will, ist die Politik, die durch Vergleiche ihre Gefolgschaft gefügig machen will. Das setzt voraus, dass den Menschen klar ist, was womit verglichen wird. Banal? Naja, schon banal, aber wirkungsvoll. Warum vergleichen mehr Medien Hitler mit Putin als Stalin mit Putin? Das ist keine banale Frage. Die Medien sind voll davon, heute im DLF und den Tageszeitungen….und längst konstant hoher Vergleichs- und Erregungsgrad. Im Privaten sind die meisten Sätze, die beginnen „du bist WIE…“ schräg. In der Politik aber wichtig. Wenn Putin wie Hitler ist, dann folgt eine andere Prognose als wäre der Vergleich hirnrissig….

Wenn einige bessere politische Freunde mir vorwerfen, ich wertete die Fehler und Verbrechen der USA zu gering, VERglichen mit denen Russlands oder Chinas, muss ich ausholen, um aufrichtig zu antworten.  weil ich zur zeit den Eindruck habe, dass die Diskurse sich wie Nebel über den Krieg und seine Ordnungen legen. Wir können und müssen ihn nicht abwarten, er ist da. Und beeinflusst unser Denken, unser Handeln und unsere Sprache. Nicht überall gleich, nicht überall in direkter gewalttätiger Konfrontation. es ist kein Krieg der „Systeme“. Es ist einer von mehr oder weniger demokratischen Gesellschaften gegeneinander und dort, wo wir MEHR erfahren oder anstreben, muss dann die Grundlage für Handeln, für Praxis sein. Gegen den Faschismus braucht es nicht so viel Theorie wie innerhalb der Demokratie. Aber es braucht Wissen um die Wirklichkeit. Das übersteigt die Meinungsfreiheit. Die Amerikakritik ist ein gutes VERGLEICHSMOMENT, weil es ja wirklich viele Elemente einer politischen Realität gibt, die uns an diesem Verbündeten, als einem Partner im Westen zweifeln lassen – und dennoch: wer würde tauschen?

Der Vergleich zwingt zur Aufrichtigkeit, und die Wahrheit ist, dass die amerikanische Wirklichkeit anders zu bewältigen ist, lebenserhaltender, als die russische. Dahinter steht keineswegs eine Theorie des Westens, wie sie manche Historiker pflegen, v.a. weil es keine Theorie des Ostens gibt, nach dem Sozialismus ist bei Putin vor dem neuen Zarenreich. Das kann schon einen Unterschied machen, und dazu sind Vergleiche gut. Ähnlich wie bei den Meinungen: um Praxis zu machen, muss es übergeordnete Instanzen des Bewusstseins und der Moral geben. Politik oder – wenn es genauer beschrieben wird – Gesellschaftlichkeit. Wichtig ist: der Vergleich entschuldigt nichts. Nur macht er klar, wo wir mit welcher Schuld auskommen können und wo nicht. Aber dazu kann man nicht die eine Schuld verdrängen, um die andere umso größer und absoluter erscheinen zu lassen. Sonst ist der Vergleich unsinnig, und die Sprache, darüber zu reden, Verrat.

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Im Kassel wird anlässlich der documenta 15 erbittert um Antisemitismus gestritten und um Rassismus. Das gegenseitige Aufrechnen der Fehlerhaftigkeit ist kein Vergleich von unterschiedlicher Schuld. Es zeigt vielmehr die Interessen und Meinungen derer, die mitreden und kommentieren. Mir wäre es z.B. als jüdischem Beobachter des Geschehens lieber, der Zentralrat oder Herr Klein hätten einmal den Kontext studiert, bevor sie überhaupt etwas dazu sagen. Mir wäre auch lieber, wenn die Organisatoren nicht einfach ihr anti- als Vorsilbe mit Politik verwechseln. Anti-Anti-Semitismus…ach ja.

Auf den Kontext kommt es an, in der Sprache, in der Politik. Nebbich, das haben wir ja gewusst und das ist banal.

In allen Kontroversen bricht die nicht-bewältigte Vergangenheit ein, ausnahmslos. meistens umso schlimmer, je später, oder je verlogener sie sich der als sicher geglaubten Grundüberzeugungen udn Meinungen bedient. Das ewige Murmeltier des des zugeschriebenen Faschismus bedeutet nicht, dass das Murmeltier plötzlich ein Reh ist. Sondern dass man die Meinungen zum Faschismus abschleift bis zur Beliebigkeit. Das Entfernen der Schutzverbände ist schmerzhaft.

Schluss jetzt. Jetzt schon?

Weil die Reaktionäre, die Neoliberalen, die Libertären und ihr schmerbäuchiger Anhang schon gar nicht mehr daran glauben, dass es künftige GENERATIONEN (also Ururenkel und noch weitere) geben wird, häufen sie jetzt Schulden und Umweltvernichtungen und andere Unzuträglichkeiten diesen fiktiven Nachnachnachkommen auf. WENN die Mindestziele beim Klima, wenn die untersten Armutsbegrenzungen, wenn der Erhalt von Artenvielfalt etc. NICHT gelingen, dann allerdings ist das auf JETZT ausgerichtete Verhalten dieser alternden Bande zu Lasten lebender und kommender junger Generationen verständlich, folgt sowohl der Marktlogik als auch der Diktatorenberuhigung. weltweit. und dass ein reiches Land wie Deutschland solches in vielen Bereichen mitmacht, ist auch kulturell und zivilisatorisch. ungut.

NEIN, das ist weder Kulturpessimismus noch Schwarzseherei, das ist der gebotene Realismus, angetrieben auch von der Rückschau auf die letzten, sagen wir, fünfzig oder sechzig Jahre. Realismus heißt, dass man NOCH etwas ändern kann.

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Anlass zu diesen düsteren Gedanken ist die Häufung derartiger Betrachtungen in den Medien gerade am langen und in meiner Gegend strahlenden langen Wochenende. Statt Feiertagslaune versprühen Philosophen und Wahrsager diese Wahrheiten, in der Hoffnung dass irgendein Geist, heilig oder weltlich, die Hirne der aufgeweichten Treibenlasser doch noch zusammenkehrt und vielleicht aktiviert.

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Vorhang auf. Wolkenloser Himmel. An den Rändern der überbevölkerten Parks gibt es noch Sumpfflächen mit herrlichen gelben Lilien und tatsächlich einigen Insekten, selbst Stechmücken sind noch nicht Glyphosat-gesättigt und suchen Menschenblut, man hört ein Kind, das einen, einen, Schmetterling sieht und bejubelt, und alles ist vom Regen vor vier Tagen etwas erfrischt. Bescheiden mahnt die Ethik, freuet euch des Lebens. Bleibt uns ja nichts anderes übrig.

Vor etwa 50 Jahren hatte ich angefangen Listen der katastrophal empfundenen Fehlentwicklungen des Kapitalismus anzufertigen, mehr sozial- als umweltpolitisch ausgerichtet, aber damals schon skeptisch gegenüber der undifferenzierten sozialistischen Anthropologie, die die genetische Gleichheit der sozialen vorziehen musste, um ihre Ungerechtigkeiten zu verbergen. Schade um die Zeit, diese Listen zu erneuern, sie sind im Grunde analog, nur ist einiges sehr viel schlechter geworden, während sehr viel Kleines besser geworden ist. Allerdings: Kriege und Umwelt sind die Unabhängigen Variablen, die sich nicht diskursiv wegreden oder verschweigen lassen.

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Vorhang weiter auf. Weil der Augenblick SO SCHÖN ist, verweilt er doch nicht. Wo steht geschrieben, dass das Richtige, das Wahre, das Schöne beständige wäre als die Wirklichkeit? Aber es ist ja auch da, und die zergrübelte Welt wird auch nicht besser, mahnen die hunderten Ratgeberlein, Büchlein, die als Geschenke zu allen Anlässen wirklich taugen. Vielleicht sind die Lebensumstände der Mehrheit in den kapitalistischen Staaten nur deshalb besser als die der Mehrheiten in den Diktaturen und parasozialistischen oder ungeregelten Gesellschaften, weil sie entgegen ihren Philosophen und Zukunftsforschern nur für diesen Augenblick regieren und wirtschaften? Sich mit Händen und Füßen gegen die künftige Realität zu stemmen, jetzt zu kassieren, jetzt zu konsumieren, jetzt Gutmensch zu sein, die Hauptsache, man konzentriert sich nicht wirklich auf das letzte Fünftel (so groß ist die Minderheit bei uns, wenn nicht größer), dessen Marginalisierung unsere Lebensumstände so angenehm macht. Kinderarmut in Deutschland? – hä, wer sagt denn sowas? Altersarmut in Deutschland? – Wir haben doch die Rente! Analphabetismus in Deutschland? – es muss auch Dumme geben; Klimakatstrophe? – Und die Arbeitsplätze, life-work-balance, und Rekrutierung neuer Flugbegleiter in den sonnigen Süden. Etc., etc., nicht schon wieder jammern. Und dass es anderswo kein Fünftel, sondern die Hälfte oder noch mehr sind, die schlecht leben und für die JETZT ein mieser Begriff ist, haben wir zwar mitverschuldet, aber die sind doch Diktaturen und nicht wir. Diese „liberale Logik“ kotzt mich jeden Tag an, wenn sie sozusagen amtlich verkündet wird.

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Vorhang noch weiter auf. Man geht durch ein Reservat, von dem man wünscht, es wäre in Zukunft größer, weniger außergewöhnlich. Es wäre „normal“.

Könnt ihr euch an das Partisanenlied „Bella, ciao!“ erinnern. Am Ende ist man unter einer schönen Blume begraben. So, wie man ewig und unumkehrbar im Grab verwest, so kurz blüht die Blume. Dann ist auch sie verschwunden. Die verkürzte Erinnerung ist eine Brücke zwischen der Geschichte und Jetzt.

Dazu passt Olivette Otele in einem Interview mit Antonia Gross, Berliner Zeitung vom 4.6. „Arme weiße Männer „Ich habe kein Mitleid mit der Mehrheitsgesellschaft“. Die Unterschiede in der Mehrheitsgesellschaft und die Unterschiede zwischen Gesellschaften werden hier herausgearbeitet. Und ich denke: die Zukunft im Jetzt?

Heisst: handeln, spenden, kritisieren.

Heisst: Vorhang auf, bevor er zugezogen wird.

Orban raus! Demokratie rein!

Der Sommer machts nicht besser. Die EU lässt sich von Diktatoren wie Orban auf der Nase herumtanzen – seit langem. Natürlich hätte man längst die Rechte aus der Mitgliedschaft Ungarns reduzieren oder suspendieren können, ABER….da gibt es andere Mitglieder, mit ANDEREN Rechtsbrüchen (Haushalt, Justiz, Korruption etc.), und man kann ja nicht alle ausschließen, wenn man ein teilweise taktisch besetztes Regierungsorgan erhalten will – es gibt AUCH gute Kommissionsmitglieder – ; und man spielt Demokratie. Das Einstimmigkeitsprinzip ist niemals demokratisch, und in der EU dient es seit Beginn den Nationalismen.

Und jetzt? Der Faschist Orban kann leider nicht nach Russland deportiert werden, denn ein Teil seiner Ungarn steht hinter ihm, und nur den Führer abzuschieben reicht nicht. Kurze Antwort: die EU muss ihre Regeln brechen, das Ölembargo ohne Ungarn einfach machen, und danach schnell die Regeln demokratisieren. Geht nicht? Geht doch – alle demokratischen Verfassungen haben ihre Notstandsgesetze, und das ist ein Notstand. Lange Antwort: Grundkurs Demokratie.

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Diesmal geht es um den russischen Reichsbischof und Uhrendieb Kyrill. Den will Orban hofieren, und mit welchen Argumenten.

Man könnte – Konjunktiv, nicht Optativ – religionspolitische Gründe gelten lassen, die sind aber im Falle Ungarns ausgeschlossen, rein demographisch und kulturell. Kurzer Ratschlag: den Beschluss zum Embargo umsetzen, Ungarns Seele dem Fegefeuer überantworten. Lange Antwort: die Diskurse der Diktatoren sind der freien Wortwahlwirtschaft des westlichen Kapitalismus & seiner Rechtsordnung überlegen. Begründung: nichts für einen Blog. Aber machbar.

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HALT. So, wie ich das hier versuche, kann man EIGENTLICH nicht argumentieren. Das hatte ich, als die ehemaligen Sowjet-Vasallen befreit waren und in die EU strebten, selbst geschrieben und gedacht: natürlich ändert sich etwas, wenn man die Sklaven aus der Höhle ins Licht entlässt, das Höhlengleichnis kann man umschreiben, dann versteht man, warum diese Länder mehrheitlich unterschiedliche Vorbehalte gegen unseren etablierten Wohlstandswesten hatten. Meine These damals, 1989 ff., war, dass diese Länder durch eine breiige Mauer des Nationalismus sich durchfressen müssen, bevor sie sich integrieren und vielleicht uns zur besseren Demokratie motivieren. Denn wir, im so genannten Westen, haben den faschistoiden postsowjetischen Kräften das Agieren leicht gemacht. Das gilt nicht nur für den ehemaligen Ostblock. Man analysiere bloß die, auch von der CDU & Kumpanen, erfolgreiche Abwehr des türkischen EU Beitritts – so lange, bis sich der Faschist Erdögan etablieren konnte (NATO Mitglied, Freunde!). Dieses Muster galt für den finanziellen und strukturellen Wiederaufbau des „Ostens“. Und die dortige demokratische Opposition wurde wahlweise begrüßt oder marginalisiert, aber die Brüsseler Egalität zahlte alles zu, wie man Löcher in den Zähnen stopft. (Bei Ungarn weiß ich ziemlich genau, dass es auch nationale Versuche gab, demokratische Systemelemente zu etablieren. Dass Orban heute 70% des Pöbels hinter sich gebracht hat, ist auch Ergebnis eines liberalen Scheiterns.)

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Was tun? Ich weiß es nicht. Da herrscht Krieg, Verteidigung (richtig, die der Ukraine vorrangig) und Militarisierung (falsch, die nationale z.T. durchsichtig falsch und ideologisch), werden – notgedrungen? Oder übergangsweise? – zusammengelegt.

Aber was ich weiß: Man muss den Orbans das Handwerk nehmen, bevor sie versteinerte Diktaturen in unserer Zone errichten, Termitenhügel in der versteppten Demokratie. So, wie Religionen und Lebenspraktiken, so wie Kunst und Soziales, nie fertig sind, nie Dogmen haben dürfen, so muss sich Demokratie entwickeln, verändern lassen und verändern können. Dazu muss man auch einmal Regeln zum Tanzen bringen.

2.6. Abends. Und wieder hat der Faschist Orban die EU erpresst. Der Uhrendieb Kyrill darf weiter einreisen und wird nicht sanktioniert, Putinfreund Orban bleibt ungeschoren.