Wenn jemand Glück hat, freuen sich die einen, spotten oder fluchen die anderen. Glück, was ist das, Zufall, Vorbestimmung, oder bloß eine Interpretation dessen, den es trifft und derer, die es beobachten? Das ist nichts für den Blog oder für mich, aber keinesfalls am Rand dessen, was sich breit und tief den Menschen aufdrängt.
Nein, ich schreibe nicht über Trump, und dass der Glück gehabt hat mit der Ohrstreifkugel. Und wenn, wessen Glück war noch mit im Spiel. Ich schreibe über das Glück, das ich hier auf der Insel beobachten kann.
Um 8 gehen wir los, queren mit dem Hund eine weite Sandfläche, ein paar Dünen und dann noch einmal Sand. Glück? niemand begegnet uns um dieser Zeit (Warum Glück, wenn man allein ist, und was wäre unglücklich, begegnete man anderen Strandläufern?); Luft und Wasser sind ungefähr gleich warm (Glück für uns nicht für die Klimakrise); es gibt noch mehr Deutungen, aber wozu brauchen wir diesen Begriff – Glück? Naja, man ist schon glücklich, wenn man keine überfüllten Strände und Uferstreifen durchqueren muss, bevor man nass wird. Glücklichsein hat Glück nicht so viel zu tun. Beim Heimweg, 9.30 begegnen uns die ersten Menschne, Paare, Jogger, Schulklassen auf Ferien…alles in Ordnung, Ferien sind eben später.
Fünf Stunden später. Im nördlichen Teil der Insel, bei den wohlhabenderen Siedlungen: Parkplätze voll, Fahrradständer überlastet, sehr viele Menschen bei den Strandbuden, in den Strandkörben, in den Kneipen auf dem Weg zum Strand. Die, die bei uns nicht waren, sind jetzt hier, 12 km weiter nördlich, alles ok? Zum Glück, ja, doch. Wir würden im Strandgeschwurbel nicht lange aushalten, was anderen Freude macht. Sind die glücklich? Offenbar…oder? Man sollte nicht so genau hinschauen oder hinhören, es geht einen ja nichts an. Und überhaupt, man sollte sich ja um seine eigenen Bewegungen, Beobachtungen, befreiten Gedanken kümmern, was in den Dünen und am endlosen Strand, wo noch keine Menschenmassen sind, einfach auf einen zukommt. Man kann ja die Strandmassen wieder verlassen…auf dem Weg zum Bus erst durch den Wald, dann an den schöneren Ortsrandhäusern, den teureren, vorbei. Dann, im Ort, einer einzigen gedrängten Fußgängerzone, wieder das Gefühl, dass man hier zum Glück nicht Urlaub macht, bekannte Gründe, hier nicht wiederholt. Zum Glück…aber wir machen ja hier Urlaub, nur nicht da, wo wir gerade sind.
Das ist mein Punkt, dass wir uns die glückliche Seite aussuchen können, andere nicht. Dass das nicht nur an Urlaubsorten so ist, sondern fast überall in der Gesellschaft. Was einen hier glücklich macht, bewirkt das anderswo nicht, und andere macht es hier nicht glücklich, wo anders auch nicht. Trivial? Liebe LeserInnen, ja und nein, wie leicht kommt das Wort über die Lippen. Und wie gerne würde man, hätte man überhaupt Urlaub und Freizeit, im Urlaub mehr Glück empfinden (nicht „haben“). Diesen Gedanken kann ich nicht entkommen, im Bus nach Hause.
Ginge es mir um Alltagsphilosophie, würdet ihr mir mit Recht, die Schreibe abdrehen. Mir gehts aber um viel weniger. Das Wort, manchmal der Begriff Glück, gehört zu den inflationären Beschreibungen von Situationen, in denen man sich selbst befindet. Und andere sich befinden. Glück gehabt…
Bei den langen Wanderungen der letzten drei Tage habe ich Glück empfunden, kein Druck hat mich von der umgebenden Natur, meinen Assoziationen und meinen Gefühlen abgelenkt, Freizeit nennt man das. Selbst wenn man über die Arbeit, über Probleme etc. redet oder sie als Gedanken wälzt, die Freiheit der Umstände hilft schon, wenn man sie hat, die Freiheit. Diese Empfindung ist nachhaltig. Auch wenn der Urlaub vorbei ist. Das ist so einfach, dass es nicht in Philosophie oder Alltagsweisheit passt. Aber es unterstützt die Resilienz und andere Kräfte, die nicht einfach der Wirklichkeit ausweichen können.
Warum ich das nachvollziehe und nicht gleich sage, wie und ob ich hier glücklich bin? Heute morgen hat eine langjährige Kollegin meine lobenden Blogs der letzten beiden Tage mit den umweltgefährdeten und -zerstörenden Tatsachen konfrontiert, die auch für die Insel oder gerade für sie gelten. manche wusste ich, manche neu für mich. Das mindert mein Glück hier nicht, es mindert es ganz allgemein , wo ich auch immer bin. Das Allgemeine gewinnt über die momentanen Freuden des Inselurlaubs. Aber es gewinnt nicht ununterbrochen, und es wäre nicht einfacher zu bekämpfen, wenn ich es auf der Tagesordnung hätte, während ich durch die Dünen stapfe. Zum Glück