Hört und sieht man die Nachrichten, fühlt man sich in eine Welt des Unglücks versetzt, gemalt von Hieronymus Bosch oder beschrieben von Erich Kästner. Das Problem ist, wenn man sich diesem Gefühl ohnmächtiger Endzeit hingibt, stolpert man von Existenzangst in eine kitschige Fallgrube unglaublicher Nickeligkeiten, und DAS kann ja nicht das Ende der Welt sein, oder?
Scholz und Lindner passen ja in kein Zwergentheater und auch nicht zum Aschenbrödel. Die russischen Erpressungen mit ihren Tiergartenmördern passen nicht zu einem künftigen Weltreich. Musks Klagen gegen abtrünnige Kunden passen nicht zum Kapitalismus. Die britischen Faschisten passen nicht zum Image der noblen und gut erzogenen Inselgesellschaft. ABER alle diese Mickrigkeiten kann man historisch begründen und empirisch belegen. Und da sollen wir in die Zukunft schauen? Und wie?
Entweder wir geben uns der endgültigen Endzeitphantasie hin, die durch die Wirklichkeit immer überboten wird, aber wenigstens genügend Angst macht, dass man nicht gerne daran denkt, wie man in 20 Jahren im Altersheim ungepflegt verhungert (was ja die Zukunft der ausländerfeindlichen AfD Deutschen ist). Das wird noch nicht das Ende der Welt sein, aber vielleicht wird es einer Multikultur in Deutschland einen klaren Blick in die wirkliche, wenn auch unerfreuliche Zukunft geben. Modell Orwell „1984“ droht wirklich zu werden, mit mehr als drei, aber weniger als 10 Diktaturen.
Oder man denkt an das wirkliche Ende der Menschen auf der Erde, die ja gottseidank weiter bestehen wird, wenn auch human für einige Zeit verwundet. Das wirkliche Ende, zB. bei Jacqueline Harpman (Die Frau, die die Männer nicht kannte, 1998), ist nicht tröstlich, aber es macht keine Angst vor dem Leben jenseits des Sterbens. Da können die Muskoiden noch so viele Ausweichraketen ins Weltall planen, weg sind auch sie, für immer.
Mein Ausweg daraus heute: ich gehe in den noch nicht glühend heißen Park, lese, treffe mich mit Familie und Freunden, und distanziere mich von den Terrariums-Figuren der sogenannten Sommerpolitik bei uns und anderswo. Ich weiß, dass es sie gibt, das reicht, macht satt.
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Das ist der Widerstand gegen die Akteure, die den Klimawandel versemmeln und Weltpolitik am Urlaubstisch diskutieren, ohne sich die Mundwinkel von Marmelade abzuwischen. Warum Widerstand?
Ich wappne mich gegen diese Art des Kleinredens und -tuns einer Wirklichkeit, die Zukunft und Politik braucht, auch noch mit meiner Generation, aber vor allem mit den Jüngeren und Jungen, und wenn es kracht, möchte ich wenigstens nicht müde sein. Dazu gehört auch, das Glück in den Spalten des allgemeinen Schraubstocks wahrzunehmen, auf der Bank zu sitzen, zu lesen, nachzudenken.
Wer noch einen Grund braucht dazu, ernsthaftixt, dem sollte doch klar sein, dass euch für die Urlaubszeit die Zwerge ohnedies nicht aufmerksam zuhören. Sie haben sich eine Beule auf der Sirn bei der heftigen Schuldenbremse geholt und sind jetzt benommen. Aber nicht von uns.