7. Oktober

Der 7. Oktober ist niemals vorbei. Er hat schon früh begonnen und er wird immer wiederkehren.

Am 7.10.1571 hat die Heilige Liga die Osmanen in der Schlacht von Lepanto besiegt. Schon der Begriff, und dann seine mehrfache Wiederholung, ist seltsam – und 1571 von Bedeutung (Heilige Liga (1571) – Wikipedia). Die Vorherrschaft der Osmanen ist erstmals beschädigt und wird sich weiter reduzieren, über die Jahrhunderte hinweg. Aber diese Schlacht hat nicht nur für die europäischen Reiche, Fürstentümer, Ökonomen eine große Bedeutung, auch für das Judentum – die Inquisition ist noch auf der Höhe ihrer Wirksamkeit – auch für einzelne jüdische Familien. Hier einmal das Beispiel einer reichen Familie, die von Beatriz de Luna (1510-1569) und ihrem Mann Francisco Mendes (1485-1535) und ihren Nachkommen handelt, „Kryptojuden“ oder Marranen. Ihre Lebensstationen sind Spanien, Portugal, die Niederlande, Venedig, Ferrara, Saloniki, Istanbul. Sie kaufen ihr Überleben den Herrschenden ab, sind von den Päpsten, der Inquisition und geldgierigen Fürsten abhängig, und reich genug, um dennoch Menschen zu retten und sozial Gutes zu tun. Mir geht es um die Fluchtpunkte der Juden. In der Globalgeschichte der frühen Neuzeit spielt diese jüdische Geschichte eine besondere Rolle (Behringer 2023). Immerhin von S. 336 bis 349 wird die Geschichte dieser jüdischen Familie genau beschrieben. Religion, Politik, Geld.

Warum ich das mit dem 7. Oktober verbinde: viele jüdische Menschen, in Israel und weltweit, müssen in diesen Tagen befürchten, dass Israel doch nicht der entscheidende Fluchtpunkt, das Ziel, eine letzte Heimat zu finden bleiben kann – wenn seine Feinde den Mehrfrontenkrieg gewinnen; oder dass es ein Land wird, das nicht als jüdische Heimstatt ohne weiteres erstrebenswert bleibt, unter Netanjahu und seinen faschistischen Koalitionspartnern. Aber natürlich: Israel kann und soll erhalten bleiben und seine Demokratie absichern, auch mit der nötigen Distanz zur religiösen Herrschaftsideologie. Dass das möglich ist, zeigen nicht nur die Demonstrationen.

Wenn normale religiöse Jüdinnen und Juden ihre Identität in Deutschland verbergen, zB. wenn Männer keine Kippa tragen, weil sie angegriffen werden, so ist das schlimm – moralisch, politisch, alltäglich. Wenn einzelne Gruppen – es gibt ja nicht viele Jüdinnen und Juden im Land, gerade einmal 0,2% – versuchen, entweder eine Einheitslinie, man möchte fast sagen: Einheitsgemeinde, zu schaffen, so wie die antisemitischen und antiisraelischen Gruppen sind homogenisieren wollen, dann spricht das gegen die Entwicklung der Demokratie in unserem demokratischen Land. Dass die antisemitischen Gruppen zahlenmäßig die Anzahl der Jüdinnen und Juden bei weitem übertreffen, sei schon angemerkt – es wird in den Nachrichten oft übergangen.

Man darf nicht zurückweichen von den Forderungen, die alle mit einem Waffenstillstand beginnen müssen, der aber in weiter Ferne scheint: die Geiseln müssen befreit werden, die Zweistaatenlösung oder die Alternative einer Einstaatenunion müssen politisch gewollt und vom Ausland unterstützt und beschützt werden (Interview mit Rula Hardal und Omri Boehm: „Die Zwei-Staaten-Lösung wäre ein Desaster“ – Kultur – SZ.de (sueddeutsche.de) 7.10.2024; schon früher: Binationale Föderation – Ein alter, neuer Lösungsansatz für den Nahost-Konflikt (deutschlandfunk.de) 28.1.2021; und noch früher die Gedanken meines Freundes Tony Judt (Tony Judt – Wikipedia), ab 2003 und stark umstritten.

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Ich komme immer wieder auf Omri Boehm zurück. Der ist ein politisch versierter Philosoph, kein Politiker. Seine schon schwierige Ableitung, dass es jenseits der Wahrheiten etwas Wichtigeres, Gerechtigkeit, geben müsse, kann man umsetzen in Praxis, man muss es nicht diskutierend zerfasern (Boehm 2023). Boehm fasst zusammen: „Das Problem…besteht nicht darin, dass Israel nur eine unvollkommene westliche liberale Demokratie ist, sondern darin, dass es so ist, wie westliche liberale Demokratien nun einmal sind: Sie sind für immer auf der gewaltsamen Unterdrückung anderer gegründet“ (152). Und darauf folgt unmittelbar die Kritik des Identitätsdogmas, die dem Stärkeren immer auch Macht über die Schwächeren gibt.

Ich habe seit langem schon meine Kritik an der einen Identitätskonstruktion oder an einer vertikalen Hierarchie von Identitäten entwickelt. Das ist keine philosophische Spielerei, sondern heute wirklicher Ernst, wenn man die entsetzlichen Aussagen der Kontrahenten in den Nahostkriegen zur Kenntnis nimmt. Aber um gegen die Identitätspolitik zu kämpfen, reicht es nicht sie zu kritisieren. Man muss die Schwächen der „westlichen liberalen Demokratien“ aufgreifen, um sie zu stärken, z.B. indem man die scheinbar liberale, de facto aber neoliberale ökonomische Machstruktur ebenso angreift wie die Vorstellung, dass autoritäre Bindungen an Religion und andere Ideologien den Weg zur Stabilisierung abkürzen.

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Uns stehen Wanderungen, Fluchten, Abschiebungen ebenso bevor wie Ankommen, Lagerungen und starres Ausharren dort, wo wir sind. Nicht nur uns jüdischen Menschen, uns Menschen.

Behringer, W. (2023). Der grosse Aufbruch. München, Beck.

Boehm, O. (2023). Radikaler Universalismus. Berlin, Ullstein.

Der jüdische Wald

Gerade zurück aus den Alpen: erneuert schon durch Anblicke und Perspektiven. Im Urgestein zieht sich der Wald hoch hinauf, bevor die Felsenbeginnen, auch die Almen sind hoch und es scheint fast zu schön um wahr zu sein. Es ist nicht wahr. Schaut man genauer auf die großen Wälder, sieht man größere Flächen abgestorbener, entnadelter Fichten; man sieht, wie sich die steilen Hänge nach den wilden Stürmen vor 8 Jahren wieder bepflanzen, das werden aber keinen Nadelwälder, und irgendwie ändert sich vieles mehr, Erdrutsche, Trockenheit, Überschwemmungen, das Detail verändert das Ganze, aber die Perspektive bleibt.

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Schaut man aufs Judentum, so ist da etwas ähnliches: der Blick auf die jüdische Geschichte ist wie ein Panorama, das man sich sattsehen kann…wie? fragt der Skeptiker: Jüdische Geschichte, das ist Verfolgung, Demütigung, Shoah…da kann man nur sagen: das auch, leider und immer wieder, ABER eben nicht die ganze jüdische Geschichte. Die darf auch heute weder mit der Shoah noch mit dem 7. Oktober 2023 noch mit der Regierung Netanjahus noch mit dem Auftritt unsäglicher jüdischer Aktivisten religiöser oder auch faschistischer Struktur festgeschrieben werden. Die jüdische Geschichte wird aus den Situationen, in denen sie jetzt scheinbar stecken geblieben ist, wieder ausbrechen, in eine Zukunft, von der wir nicht alles wissen oder genau vorhersagen können – z.B. wie entwickelt sich die Geiselopposition in Israel, oder wie formieren sich die kleinen Minderheiten wie in Deutschland zu größeren humanistischen Koalitionen, oder wie emanzipieren sich jüdischen US WählerInnen vom Trumpismus etc. Wenn es nicht um „Juden“ ginge, wären solche Fragen bei jeder anderen Ethnie politisch, kulturell, „ethnologisch“ ganz alltäglich, normal?!

Aber die Juden. Was sich zur Zeit im Nahen Osten abspielt, nicht nur in Israel, ist ohne die Geschichte des Staates Israel, seine Vorgeschichte, seine Etablierung, seine Verteidigung, seine Diplomatie, seine Wirtschaft, seine widerspruchsvolle Einwanderung etc. nicht verständlich. Wir können da vor langer Zeit zB. religionsgeschichtlich anfangen, um die ultrareligiösen Politiker richtig kritisieren zu können; wir können aber auch ins 20. Jahrhundert gehen und sehen, wie der Zionismus der Staatsgründung umgeschlagen hat in eine ethnisch und politisch ganz andere politische Richtung, die nicht nur die Siedler und die Landnahme, sondern auch das Verhältnis zu den Palästinensern stark beeinflusst, und diese Menschengruppe müssen wir, was Israel betrifft, natürlich auch verstehen, historisch, politisch, religionskritisch, was ist denn der Unt5erschied von PLO und Hamas etc.?

Glauben denn die arroganten Israelkritiker wirklich, einen Staat, dessen Gründung in einem Krieg begann, nach 75 Jahren bewerten zu können? Schaut euch die Deutschen an: seit 1871 angeblich EIN Staat, aber die Leute bezeichnen sich weitgehend heute noch als Bayern, Sachsen und Hamburger. Jaja, ich weiß schon, der Vergleich hat dünne Stellen, aber gerade die muss man füllen, mit der wirklichen Geschichte Israel und nicht den vielfältigen Narrativen der politischen und kulturellen Akteursgruppen.

Eine Konsequenz ist, dass es geradezu moralisch und ethisch verboten ist, ein dogmatisches Quadrat zu praktizieren: Pro-Israel, Pro-Palästinensisch, Kontra-Israel, Kontra-Palästinenser. Das geht nicht, und wird es trotzdem gemacht, ist es ein Anlass zu weiteren Kämpfen. Auch die Zuordnung des Antisemitismus zu den Positionen ist meist fatal, weil Israelkritik und Antisemitismus so wenig deckungsgleich sind wie das komplizierte Gegenbild auf muslimischer oder palästinensischer Seite (Vorsicht, das ist nicht analog, und noch komplizierter…).

UND WAS HAT DAS MIT DEM WALD ZU TUN?

Die Analogie ist einfach: die Perspektive, das Panorama der jüdischen (Welt?)geschichte ist schon beachtlich. Aber es ist auch wichtig, genau hinzusehen, die Verwerfungen, die durch Religion und ethnisch Antagonismen hervorgerufen wurden, nicht zu ignorieren, und – in der Gegenwart – nicht ideologisch Politik und Ethnie unrecht zu vermischen. Darum übrigens schreibe ich gerade an einem Buch, in dem ich „die Juden“ (Ethnie( und „jüdisch“ strengt unterscheide.

Umgekehrt, wenn man den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht, kann man keine Politik der Erhaltung und Zukunft machen.

Dazu kommt noch einiges, aber keine Analyse des gegenwärtigen Kriegs. Erstmals, ganz aktuell: Meron Mendel https://www.msn.com/de-de/nachrichten/politik/meron-mendel-wir-juden-brauchen-nicht-den-holocaust-um-in-deutschland-solidarit%C3%A4t-zu-fordern/ar-AA1rLF5N?ocid=msedgdhp&pc=U531&cvid=d218c936e58147499a1c691932366098&ei=28

Schluss mit neofaschistischer Verkleinerung

Vorspiel 1932

„Die NSDAP wurde mit 37,3 % stärkste Partei, sie erhielt also keine absolute Mehrheit. Die Zahl der Mandate stieg von 107 auf 230 an…Ein Großteil der Wähler der bürgerlichen Parteien sowie die der verschiedenen Interessen- und Kleinparteien waren in das Lager der NSDAP übergegangen. Auch konnte Hitler zahlreiche bisherige Nichtwähler für sich gewinnen…Eine irgendwie geartete parlamentarische Mehrheit war auch nach der Wahl nicht in Sicht.“ (https://de.wikipedia.org/wiki/Reichstagswahl_Juli_1932#Wahlergebnisse)

Vergleiche sind notwendig und begrenzt

Die Umstände der Wahlen 1932 in Deutschland und der Wahlen in der EU, in Deutschland, in Österreich u8nd anderswo sind teilweise unterschiedlich. Aber es gibt auch vergleichbare Strukturen. Vergleiche sind keine Gleichsetzung. Grundsätzlich kann man feststellen, dass sich die faschistischen Bewegungen über ganz Europa ausbreiten, und vor der EU Spitze so wenig Halt machen wie von EU Regierungen und NATO Mitgliedern.

Warum Verkleinerung?

Das sind ein paar „große“ Brocken, aber die Verkleinerung tritt ein, wenn sich DemokratInnen immer an den Rechten reiben und zu wenig an sich selbst und ihrer politischen Umgebung arbeiten. Kritik an anderen ersetzt weder Selbstkritik noch Programmatik, die glaubwürdig vermittelt werden kann. Wird sie von DemokratInnen aber nicht, weil die sich gegen die Vorwürfe des rechten Pöbels verteidigen (–> dem Volk aufs Maul schauen!), anstatt ihre Praxis und Programme zu vermitteln.

Beispiel: da wird gerätselt, warum die Jugend den Grünen davonläuft und bei den Faschisten andockt. Viele Kommentatoren analysieren den Blick der Jugendlichen, ihre Ängste und Vorurteile. Aber ganz wenige fragen (sich und andere), wie das mit den Eltern dieser Generation, mit der Schule, mit der Kultur gelaufen ist – der rechte Steigbügelhalter Lindner kürzt weiter Bildung, Kultur und Soziales. Hier gibt es einen direkten Zusammenhang.

Beispiel: Diskurspolitik zu Covid, vor drei Jahren, gestern und heute. Die Freiheit der Schwurbler wird auch gerichtlich höher bewertet als die empirischen Befunde.

Beispiel: viele demokratischen KritikerInnen regen sich auf, dass und weil die AfD und BSW die Podcasts und Medien erobert haben, teilweise regen sie sich zu Recht auf. Aber sie tun nichts, um selbst vermittelbar zu werden.

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Jetzt sagt der Wirtshausmitredner: und WASTUSTDU? Na, ich schreibe diesen Blog. Andere sollen und können berichten, was ich sonst noch tue.

Austria erit in obscuro universo AEIOU

Liest man die Kommentare zum österreichischen Wahlergebnis vom letzten Sonntag, hat man das Gefühl, der Blick von Presse, Politik und Stammtisch kennt Austria nicht, oder bestenfalls touristisch oder analog zu Ungarn und anderen Ärgermachern in der EU. Die faschistische FPÖ vor der konservativen ÖVP und der blassroten SPÖ. Weit hinten die etwas gestärkten NEOS und die arg abgestürzten Grünen, jeweils unter 10%.

Ich hatte schon mehrmals, auch vor dieser Wahl, das Problem aufgezeigt, dass die FPÖ zwei (ZWEI) Faschismen in sich vereint, dass die ÖVP einen Ast mit historischen Faschismen verlängert und dass die SPÖ längst nicht mehr der soziale Antrieb der Republik ist. Die beiden Kleinen (Grüne und NEOS) konkurrieren, haben keine faschistoide Berührung und auch keine sozialistische.

Um Österreich zu verstehen, muss man die Geschichte des Ständestaates und des ersten Faschismus („Austro-F“) vor der Machtübernahme durch die Nazis 1938 genauer studieren, auch die Unterschiede innerhalb der faschistischen Ablehnung von Demokratie durch die beiden Parteien. Es gibt dazu hinreichend und differenziert gute und kritische Literatur, aber es gibt auch eine Art abgeschliffener Geschichtsbetrachtung in der Bevölkerung, die diese Geschichte ihrer tragischen, perversen und absurden Erscheinungsformen entkernt. Auch das ist seit 1945 immer wieder Gegenstand von Literatur, Philosophie, Geschichte, Kunst und gescheiten Diskursen.

Die FPÖ ist faschistisch, verbindet in sich aber die widersprüchlichen Austrofaschismen mit dem deutschen Faschismus, der ab 1933 ins Nazitum überging, und eben extrem „deutsch“ war – und in Teilen geblieben ist. (Man kann in der Analyse der AfD hier auch die Quellen auseinanderhalten).

Die ÖVP ist aus dem Austrofaschismus hervorgegangen, .es gibt durchaus ständestaatliche Strukturen, aber es gibt auch ganz andere, nicht F-fortsetzende Strukturen und Aspekte, was einerseits eine reale Flexibilität, aber nicht unbedingt konstante Glaubwürdigkeit erzeugt.

Die SPÖ, meine Zielpartei in der Kreiskyzeit trotz interner Kontroversen, ist weit von ihrer überragenden, leider auf Wien und die größeren Städte konzentrierten Politik entfernt.

Nun ist aber die Retrospektive zu den verschiedenen Faschismen in Österreich auch deshalb notwendig, weil man sonst viele der Konstellationen nicht versteht. Ein wichtiger Faktor ist zudem die sehr ungleichmäßige Aufarbeitung der faschistischen Vergangenheit, die von Deutschland unterscheidbare Politik des Umgangs mit dem Judentum und die gesamt Migrations- und Asylkrise. Da hat es die Bundesrepublik mit ganz anderen Grenzproblemen nötig, die Differenzen zu Österreich genauer zu erkennen (ich rede jetzt einmal nicht von Baiern). Österreich: Nehammer hat mit Recht Kurz als Kanzler abgelöst, aber für sich ist er genau an der Schnittstelle zwischen einem Pragmatiker und dem austrofaschistischen Erbe zugeneigten Konservativen…ein ihm vorteilhafter Spagat mit gefährlichen Optionen, etwa einer Koalition mit der FPÖ ohne Kickl.

Nein, Österreich ist nicht Ungarn, nicht die Slowakei, nicht die Niederlande mit ihren Faschismen in der Vertikale der Macht, und auch nicht Kroatien und Dänemark. Von allen etwas, und doch anders. Aus vielen Gründen sind Vergleiche, v.a. regionale, mit Italien wichtig, weil dort der herrschende Faschismus die EU schon stark beeinflusst und die typische Trennung von Innenpolitik und Außenpolitik geradezu EUantizipierend prägt. Und man muss schon genau hinsehen und sich vorstellen, wie nach 1918 da ein ganz anderes Land mehrere Identitäten vereint hat, die jedenfalls nicht mit der gängigen deutschen Ostwest Ansicht übereinstimmen. Heute, jetzt. Lest einmal nach, zB. Institut für den Donauraum und Mitteleuropa, IDM, jetzt 9/24, Oder die Nachkriegsgeschichte, z.B. aus der Sicht des Osteuropahistoriker Wolfgang Müller von der Universität Wien, oder mit Hinblick auf die US-Beziehungen zu Österreich (dazu braucht man Reinhold Wagnleitner). Nochmals: ausnahmsweise keine zitierfähigen Literaturangaben, die liegen bei Nachfrage bereit).

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Der Unsinn, dem Volk aufs Maul schauen zu wollen, um die eigene Demokratie zu stärken, lassen wir einmal beiseite. Dann bleiben der eklatante Stadt-Land Bruch, vor allem zwischen dem herrlich vielfarbigen roten Wien (nicht mehr so vielfarbig, nicht mehr so rot, aber….) und einigen der größeren Städte, und dem „Land“. Das sich doch in vieler Hinsicht in Dörfern und kleinen Städten von Deutschland unterscheidet, da muss man schon ethnologisch, historisch, kulturell, manchmal auch religiös genauer analysieren und – leider noch immer, den Umgang der Regionen mit den jeweiligen Faschismen bzw. dem Sozialismus in der Vorkriegszeit und nach dem WKII sich erklären, um zu verstehen, warum manchmal die FPÖ, manchmal die ÖVP relative Mehrheiten errungen hat.

Ich lasse jetzt einmal meine Ansichten und Hoffnungen auf mögliche Koalitionen außen vor. Aber ich rate, empfehle herzlich, ein wenig österreichische Geschichte nicht als Wurmfortsatz der deutschen Geschichte zu studieren. Auf Nachfragen biete ich gerne Literatur und Wissenschaft zur Lektüre, aber nicht vorab. Denn manchmal weiß ich selbst nicht, wer was wie kontrovers frägt.

Ein letztes: der Bundespräsident, Alexander van der Bellen, ist ein unerschütterlicher Repräsentant eines demokratischen, zivilen, republikanischen Österreich. Er kann mit seinen Entscheidungen die Demokratie nachhaltig stützen und schützen.