Faschismus global, regional, lokal. Real.

Faschismus global – geht’s nicht billiger? Das schon, aber die klare Kante von Begriffen ist wichtig, um das Ungefähre zu vermeiden, das einem bei einer Niederlage das mögliche Wohlwollen der Gegner eintragen kann. Außerdem: wenn in Europa eine Mehrzahl von offen faschistischen Ländern und Regionen zum demokratischen EU Konzept zu gehören scheinen, dann seid mit euren Abwehrgesten zu Begriffen nicht so zimperlich. Die Liste ist lang, Italien, Niederlande, Ungarn, … Bulgarien, Rumänien, Österreich…die Faschisten warten nur darauf, die Regierungen in noch mehr Ländern oder Regionen zu stellen. Dass die Faschisten in meiner ersten Heimat Österreich Wahlen gewinnen, muss besonders schmerzen, denn bislang haben der konservative wie der sozialistische Abwehrwall das Ärgste verhindert, und was Faschisten sind, kann man am Nationalratspräsidenten Rosenkranz und am präsumtiven Landeshaupt-mann der Steiermark genau erkunden. Meine zweite Heimat Deutschland ist da nicht viel besser, in drei Bundesländern ranzen sich die bisher demokratischen CDU und SPD an die Faschisten ran, entweder an die AfD oder an BSW. A propos BSW: Sagt mir eine andere Partei, die den Namen der Führerin im Briefkopf und Titel hat oder gehabt hat. Nein, die Zeiten sind schlecht, wenn sie global sich faschisieren. Die Hierarchie ist global, ob man bei den Diktatoren wie Putin oder Xi von oben beginnt, oder bei Kriminellen, die Staatsmänner werden oder sind, wie Trump oder Netanjahu, ob man Regierungen und Terroristen mit leichter Hand und dummen Gedanken gleichsetzt, wie der Internationale Gerichtshof, man kann das von oben beginnen abzulesen, oder von unten, wo der Brandenburger Woidke mit dem BSW koalieren will, nur damit er der Erste in der Landesliste ist (als Narziss, nicht als Politiker). Oder in Europa, wo von der Leyen, die abgeschobene Bundeswehrignorantin, die so hoch befördert wurde, ähnlich wie der EVP Chef Weber, ungerührt mit den Faschisten kooperiert, nur um oben zu bleiben…darf man nicht sagen? Soll man differenzieren? Keine Sorge, ich kann das und andere auch. Aber die psychischen Schmerzen, Ärger, Leid, Erstarrung etc. orientieren sich nicht am Differenzierten, sondern an den Grundstrukturen. Dann ist es nicht so wichtig, dass die Rechtsbrüche von Trump mehr und größer waren als die von Netanjahu, und dessen grauenvolle Irrwege größer sind als die der lokalen Despoten. Wichtig ist zu bedenken, was was auslöst.

Ich sage nicht, dass die ganze Welt bald faschistisch strukturiert und regiert wird. Ich sage nur, dass weltweit der Faschismus vordringt und Gesellschaften wie Staaten zunehmend unter Druck setzt. Faschismus ist nicht einfach das negative Gegenbild einer demokratischen Republik. Die alten Rechts-Links-Raster funktionieren hier kaum, oft sind politische Entscheidungen im Faschismus einzeln zu begrüßen, in toto aber entsetzlich falsch; oft stimmen Innen- und Außenpolitik für Beobachtungen nicht überein (Italien ist ein gutes Beispiel), oft ist es nicht die Diktatur, die als erstes auffällt, sondern die Unterwerfung von Teilen des Volks unter das Führerprinzip (viele osteuropäische Länder) oder die Mehrheitsgewinnung durch Komplexitätsreduzierung (Ausländerfeindlichkeit als Erlösungsprinzip, z.B. Niederlande).

Dass die Demokratien schwächer werden, ist auch eine Folge einer anderen Komplexitätsreduzierung.  Mit dem Umweltrettungsplan kann man nicht so umgehen wie mit Sozial- oder Wirtschaftsgesetzen. Wenn die Menschheit zu ersticken oder zu verbrennen oder zu ertrinken droht, dann ist die Menschheit nichts Philosophisches, sondern das Leben unserer Enkel, Urenkel, vielleicht Urur… egal, gemessen an den Geschichtszeitabschnitten. Es geht in diesem Fall um Politik und Moral, nicht um Philosophie oder Religion…eine seltsame Assoziation, nicht wahr? Aber schaut auf manche Faschisten, die immer starke evangelikale, ultraorthodox jüdische oder radikal islamistische Prätorianergarden aufgerüstet haben, anderswo andere Religionen missbrauchen.

Kurz: Demokratie ist da, vulnerabel, ständig kritikfähig aktiv und passiv, muss sich entwickeln und reformieren (lassen), und zwar jederzeit. Faschismus ist nicht einfach da, er kommt und er muss wachsen (Vgl. Canetti „Masse und Macht“ 1960. Darin steht u.a.

  1. Die Masse will immer wachsen.
  2. Innerhalb der Masse herrscht Gleichheit.
  3. Die Masse liebt Dichte.
  4. Die Masse braucht eine Richtung.

Die Masse an sich existiert nicht. Massen sind entweder mit Todesdrohungen verbundene „Jagd- oder Fluchtmassen“ oder lebensbejahende, euphorisierende „Festmassen“. (Masse und Macht – Wikipedia) Nun ist das eine nicht vollständige Überlegung, aber sie weist in eine wichtige Richtung. Faschismus ist mehr und anders als eine beliebige Masse, und zu den Punkten 2 und 4 der Masse kommt das Führer/Führungsprinzip, übrigens jenseits von m-w. Nicht nur die DDR und der Sozialismus haben Faschismus verkürzt an den Erscheinungen des Nationalsozialismus gemessen, sondern als „Umkehrung“ ihrer je eigenen Ideologie definiert. Historisch ist das so unrichtig wie oberflächlich. Was Anti-Demokratie wirklich heißt und bedeutet, ist viel komplexer und mehrschichtig. Nur, wenn sie eintritt, weiß man es, wissen wir es, oft zu spät (Ungarn ist dafür ein gutes Beispiel).

Wie schnell sich Antidemokratie ausbreiten kann, zeigt sich an Teilen der US Justiz lange bevor der Diktator Trump die Macht offiziell ergreift. Man weiß schon jetzt, was seine Minister rückgängig machen, viele Gerichte fügen sich schon vorsorglich…

* Mit dieser Beschreibung mache ich niemandem Angst, aber ich möchte nicht, dass wir uns am gefährlichen Unsinn von AfD oder BSW orientieren, sondern an unseren Schwächen demokratischer Verfahren und wahlunabhängiger Prioritäten. Wir müssen anders und schneller handeln, damit wir nicht daran mitwirken,. Menschen vertrocknen oder ersticken zu sehen. Das kann übrigens Täter und Opfer von Kriegen und Ausbeutung, Aggression und Passivität zugleich treffen, nur ist das kein Trost.

Hinterlasse einen Kommentar