Trocken – Hirn und Wetter und Emotion

Wie schön der wolkenlose Himmel, seit Wochen die meisten Tage, kurz von ein paar Tropfen unterbrochen, blauer Himmel, trocken fördernder Wind, das Wasser wird knapp, in den Flüssen und im Badezimmer. Die Politik zögert, sie will die Konsumenten, Rechtsradikalen, Autowäscher und andere Liquidatoren nicht verprellen…eher: wartet ab, bis wir Erlasse vorgeben. Trocken wird der Sommer, und Schellnhuber und andere gute Klimatologen haben recht: die Versteppung schreitet voran. (Das merkt man bei genauem Hinsehen natürlich seit längerem, und auch in diesem Jahr in den großen Parks und den trockenen Wäldern rund um Potsdam…obwohl Wetter und Klima nicht dasselbe sind.

Wenn das Hirn austrocknet, gibt es auch keine guten Ergebnisse. Wasser ist übrigens auch notwendig für den Körper, aber nicht nur. Hirnbewegung kann das Überleben sichern, oder es gefährden. Je nachdem. Ob das Hirn verdorrt, ist gar nicht so trivial, vor allem das kollektive Denken, aber auch bei den Einzelnen. Das ist Metapher und Wirklichkeit. Oder anders gesagt: viele von uns wissen, dass man bestimmte Handlungen oder kritische Beurteilungen machen müsste, aber mit vielen sozialen und kulturellen, oft auch ökonomischen Begründungen tun sie es nicht, weil sie sich gesellschaftlich und privat ausgegrenzt oder gefährdet fühlen. Fühlen, auch wenn sie es nicht sind. Und wenn sie es sind, wie kann man sich gesellschaftlich und politisch wehren? All das spielt sich im Hirn und in den Emotionen zugleich und komplex ab, und wir müssen beim Denken ja nicht immer an den physiopsychischen Prozess denken, wenn wir darüber nachdenken, was wirklich wichtig ist und was nicht. Wir können das Phänomen der Trockenheit und des Widerstands dagegen ja als Beispiel nehmen. Dazu gehört unter anderem sich einzugestehen, dass der Alltagsverstand nicht mit dem Wissen gleichzusetzen ist, man muss lernen, was z.B. in meiner Jugend noch gar nicht präsent war: den humanen Untergang durch Klimawandel antizipieren. Lernen nicht nur im Bildungssystem, sondern überall, und das ist mehr als Weiterbildung oder Pädagogik: das ist die kritische Bildung, die eine Gesellschaft zusammenhält – oder spaltet. Wie zwei Hirnhälften.

Dass das nicht nur rational und intellektuell geht, versteht man leicht. Wenn der Krieg oder das Gewinnstreben, wenn der Neid oder die Herrschaft, die Rationalität verlassen (etwa durch Religion oder Ideologie oder einfach Machterhalt), dann kann man nicht einfach nur vernünftig dagegen argumentieren, man sollte es schon glaubwürdig tun, und dazu zählen Körper und Psyche. Zur faschistischen Ideologie gehört übrigens, dass sie den Bedürfnissen nach Nahrung, Wohlstand und Freiheit eben die Einschränkung von Körper und Geist durch Nationalismus und Unterordnung, aber eben auch „populistisch“ und damit irrational begegnen.

(Nebensatz: ich schätze Heribert Prantl von der SZ in vieler Hinsicht seit langem sehr, aber ich widerspreche seiner Ansicht, man könne der Irrationalität mit immer mehr vernünftigen Argumenten entgegentreten. Das Irrationale lässt sich nicht überzeugen außer durch eine Gegenpraxis, nicht -Theorie).

Politik ist vielfach „Struktur“, aber immer sind Personen und Machtgruppen dahinter, trivial. Wer Faschist, Demokrat, tyrannisch oder human ist, bleibt letztlich auch an der Person und nicht nur an der Struktur zwischen den Personen hängen. Ja, trivial und uns bewusst. Uns, nicht unbedingt den Diktatoren und ihren Unterlingen, nicht unbedingt den Faschisten bzw. ihren Ideologen )nicht alle Anhänger des antidemokratischen Faschismus sind selbst Faschisten, das ist komplizierter).

Dieses kurze Essay soll euch, werte Leserin und werter Leser, nur erklären, warum ich mit der Herausgabe einer These nach der anderen zögere, warum ich die Analysen und das Nachdenken über die Zwischenräume vorziehe, bis ich – mache ich ja – wieder ein Statement hinschreibe )nur nichts zurücknehmen, selbst Irrtümer soll man erklären können, wenn man sie erkannt hat).

Morgen rede ich über das Wetter. Dann kommt bald wieder ein größerer Essay zum Faschismus. Für heute klarer blauer Himmel.

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