Wir wittern Wetter, wetten…?

Es ist kein Zufall, dass alles, was mit der Witterung zusammenhängt, auch symbolisch in den Diskursen herumbrabbelt, wir wittern Verrat, Sturm aufs Kapitol, die sanfte Brise ist noch kein Resultat, dunkle Wolken ziehen sich über dem Staatschef zusammen….kennen und lesen wir. Der Kalauer zieht nicht, dass wir gerne Wetterinäre wären, und Blitz und Donner sind literarisch ausgelutscht. Wettermetaphern sind gang und gäbe, auch weil doch viele Menschen eine Vorstellung von Wetterfolgen haben, ob mit oder ohne Klimakontext. Aber so ganz literarisch ist das nicht.

Die sehr flache neue Regierung, der Kanzler heißt Merz und nicht Spätherbst, hat nichts wirklich konkretes mit dem Klima im Sinn, das vertrüge sich nicht mit Baubetonwut und Flächendemontage. Den Ökologen müsste das egal sein, denn der Kampf ums Klima kann sich nicht um die Mikrowellen einer Regierung Merz oder auch der größeren EU kümmern, wenn es ums Überleben geht. Soweit sind wir noch nicht, aber bald. Wenn Teile von Norddeutschland vertrocknen, versanden, hat das wenig mit Wetter, viel mit Klima zu tun. Wenn die Australier ertrinken, und viele in Norditalien, dann ist das andere Seite der Wirtschaftsmedaille. Das sollte man politisieren: es kann ja umweltgerechtes Wirtschaftswachstum geben, aber da müssten ganz andere Dinge gefördert werden als immer nur Autobahnen und Straßen. Nun sagen die Populisten, das sei alles ok, aber das Volk müsse dem zustimmen, man müsse es überzeugen, sonst hülfe alles nichts. Scheint logisch, ist aber Unsinn. Wie oft musste die Wahrheit gegen die abgebaute Wirklichkeit von gestern durchgesetzt werden, um selbst wirklich zu sein für morgen. Aber das wissen wir ja. Bleiben wir bei den Metaphern.

Bevor die neue Regierung, naja Regierung, Merz rankam, hatte ich vor prophetischen Urteilen gewarnt. Wartet ab, was sie machen, dann kritisiert. Nicht umgekehrt. Jetzt sind sie dran, jetzt kann und darf man, soll man als Opposition, Kritik üben. Die fällt schon mal klein aus, weil ja nur wenig strukturiertes aus der Regierung kommt, außer dem rechtslastigen Abschotten gegen echte Menschen an den Grenzen (auch außerhalb Europas, Verrat an den Afghaninnen und Afghanen, das ist hart an der Grenze zum Faschismus).

Wenn ein Mensch wettert, schimpft. Die Witterung führt uns zum Wittern, man ahnt schon, bevor etwas kommt. Mach keinen Wind! sagen sie in der Diskussion. Mein Spiel wäre, einmal alle Politik nur in Wettermetaphern zu diskutieren, und erstaunlich wird sein, wieviel da geht. Das alles geht natürlich nicht ins Zentrum der politischen Kritik, da kann und muss man ohne solche Metaphern auskommen. Dann wirds aber hart….Die Wettermetaphern mildern irgendwie die Auseinandersetzungen, sie haben etwas langzeitlich Kultiviertes, gleich donnert es, sagt man so, aber wenn es wirklich donnert, ist das schon anders als bei einer Rede von… na, mit welchem Gewitter wollt ihr wen verbinden, mit welcher Windstille, mit welcher Dämmerung? Das ist ja das Spiel, die ganze Politik einzupacken in solche Beschreibungen – und was sich die meisten darunter vorstellen.

Wenn wir jetzt anfangen dürfen, können, müssen, auch sehr naheliegende Kritik zu üben, dann können wir ja einmal versuchen, im Reich der Witterung zu versuchen, was wir dann vom Rednerpult der Politik wirklich loslassen. Es regnet, nehmt eure Schirme. Morgen wirds wieder ernst, da friert es dann beim Lesen.

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