Erfolgspause

Werte Leserinnen und Leser meiner Blogs. Bis 6. Augsut stelle ich die Publikation von Blogs ganz ein,

am 7. August

könnt Ihr wieder lesen und kommentieren. Ich wünsche gute Sommertage und Ihnen und Euch allen

einen friedlichen Sommer.

Danke für Eure und Ihre Aufmerksamkeit,

Michael Daxner

Judenstaat? Jüdisch? Fragen

In letzter Zeit steigen die die Auswanderungszahlen von jüdischen Israelis. Hier zunächst keine Begründungen.

Die Zahl der Israelis, die ihr Land verlassen, nimmt zu. Im Jahr 2023 waren es 24.900, im Vorjahr waren es 17.520. Dem entgegen kehrten im Jahr 2023 nur 11.300 Israelis zurück. (https://www.israelnetz.com/israelis-wandern-vermehrt-aus/ . Interessante Begründungen: Nicht der Krieg, sondern der Premierminister…

Andere Statistiken gehen bis auf 35.000 in 2023 und über 50.000 in 2024 hoch

Egal. Es geht nicht um Quantität, sondern darum, dass viele Menschen in Israel den jüdischen Staat in einen Judenstaat zurückdrehen wollen, und das ist keine Entwicklung.

Man muss aber die Entwicklung vom Judenstaat zum jüdischen Staat kennen, um zu wissen, wie sehr die jetzige, teilweise faschistische Regierung diese Entwicklung umkehrt, vor allem mit den meisten Siedlern, den meisten ultra-orthodoxen Religiösen, den meisten Gefolgschaften für Netanjahu.

Und man hat offiziell vergessen, dass Netanjahu die Hamas im Gaza gefördert hatte, damit die zivile Regierung in den palästinensischen Gebieten geschwächt wurde. „Laut der rechtskonservativen Website Mida hat Netanjahu seiner Likud-Partei 2019 erklärt, man müsse zulassen, dass die Hamas finanzielle Unterstützung aus Katar bekomme – das sei ein Schlüsselfaktor dafür, einen palästinensischen Staat zu verhindern. „Das ist Teil unserer Strategie: Eine Trennung zwischen den Palästinensern in Gaza und im Westjordanland herbeizuführen“, sagte er.“ Man kann das zurück und weiterverfolgen, der 7.10. schafft eine weitere Wende nach einer insgesamt negativen Entwicklung (Netanjahu wollte Palästinenser spalten – und spaltete Israel: Felix Tamsut, 21.01.2024, und in DW mehrfach).

Ich werde jetzt und an dieser Stelle nicht die Entwicklung seit der Entstehung des Zionismus und seit dem wichtigen Wechsel vom Judentstaat zum jüdischen Staat nachzeichnen. Aber dies ist der Auftakt zur Rekonstruktion einer Entwicklung, in der viele jüdischen Menschen in Zukunft den Judenstaat des Trumpnetanjahu weniger als ein jüdisches Leben außerhalb Israels bevorzugen werden.

Fortsetzung folgt.

Sommerspiele

Über viele Jahre war ich – mit Familie, Freunden, allein – bei einzelnen Vorstellungen der Salzburger Festspiele, ich mochte sie, und habe meine Kritik und mein Lob jugendlich sicher übertrieben, mich gefreut, AkteurInnen aus der zweiten Reihe kennenzulernen, naja eben Salzburg für nahestehende Österreicher. Hier folgen keine privaten Details oder gar Enthüllungen, sondern eine ganz andere Form von Rückblick….

Wenn man heute in den Medien die Kritik am „Jedermann“ liest und wenn man Bilder vom Eröffnungstag sieht, kommt einem vieles hoch. Dass man Jedermann aus den Zwanziger Jahren vielleicht nur halb verstanden hat, das geht, man kann nachholen. Dass man auf vielen Bildern trachtenbekleidete Premierenpaare und -singles sieht, kann man nicht nachholend abflachen, das war in meiner Erinnerung so, nur weiß ich heute nicht mehr, wer die alterslosen KostümträgerInnen sind, damals schon eher, und meine Erinnerung geht woanders hin: an die Kritik, nicht nur familiär, an der Zweiteilung: Prominenz und Publikum, das waren wir. Natürlich wussten wir schon, wer sein Geld hereinbrachte und sich beteiligte, wer den üppigen Rahmen für eine erstaunlich wirkliche und konstante Kunstdarbietung über einige Wochen mit bereitstellt. Das war Teil der Pausengespräche, aber, um ehrlich zu sein, uns war jede besuchte Vorstellung wichtiger zu besprechen. Natürlich spielte der Widerspruch zum Zampano Karajan eine dauernde Rolle, fast als Hintergrundbühnenbild für alle Musik, aber ebenso seine Marginalisierung bei vielen Musikvorstellungen, die von anderen geleitet wurden. Nur war ER natürlich dauernd imaginär präsent. Zurück zum Rahmen: den nahm man, selbst wenn man kritisch und kunstorientiert war, in Kauf, die Beziehung zur Geschichte Salzburgs war sozusagen abgeklemmt, manches schien man auch nicht zu wissen. Das spielte übrigens in den Diskursen in meiner Familie zunehmend eine Rolle, aber später und nicht wirklich kontrovers. Aber der Zusammenhang zwischen dieser Geschichte und der Präsentation in den künstlichen Dirndlkleidern in den Medien ist wirklich interessant, das könnt ihr schon bei Stefan Zweig nachlesen und bis heute in der politisch-kulturelle Ökonomik. (Boshafte Bemerkung aus meiner kulturellen Sozialisation: Salzburg als Anti-Wagner, also auch Anti-Bayreuth spielte in Sekundärdebatten schon eine Rolle).

Jetzt gehe ich, gehen wir nicht so oft in Vorstellungen. Nach wie vor sind die Festspiele etwas besonderes. Ich bin kein Kulturkritiker, also keine Rezensionen hier. Aber die Festspiele in einer Zeit, wo um die private Tunnelbohrung der Porsches zur historischen Villa diskutiert wird, ohne den historischen Kontext ganz aus den Augen zu verlieren; in einer Zeit, wo an der Grenze die Dobrindt-Söder- Inhumanität zum weiteren europäischen Retrokennzeichen wird; in einer Zeit, wo Witterung, Wasser, Trockenheit die Umwelt bestimmen, liest sich Politik von Salzburg ambivalent; aber die Zellen kulturellen Widerstands erfreuen dann noch immer, wenn ich weiß, wer wo was macht, damit weder die Geschichte vergessen, noch die Zukunft verbaut wird. In einer der schönsten Städte der Welt.

Sanfter Faschismus? Auch in D.

Frau Klöckner betreibt eine Gleichschaltung des Parlaments, wie man es aus Diktaturen kennt, nicht ganz so hart und schnell, aber konsequent. Sie will die Abgeordneten in gleichgeschaltete Marionetten verwandeln. Nachdem sie schon ein Fahnenschwingen auf den Nationalismus reduziert hat, nachdem sie schon ästhetische Ansichten vor die Politik geschoben hatte.

So hatte sie sich früher nicht aufgeführt, aber Menschen verwandeln sich mit beginnendem Zuwachs an Alter und Bedeutung, das ist auch ein Zuwachsen des Gestrüpps um liberale Demokratie – und ein wenig Gelassenheit, wenn nicht alle dem Sektengehabe der Frau Klöckner nachgeben.

Eigentlich ist sie unbedeutend. Das weiß sie auch.

*

Aber sie ist, das kann man schon dialektisch begründen zugleich aktives und getriebenes Element einer Entwicklung, die keinen Halt bei einer legitimen rechtskonservativen Mehrheit macht. Das ist ein Problem, denn man darf auch die Grenzen nicht böswillig überschreiten, wenn man selbst die Grenzüberschreitungen der Konservativen kritisiert – ich bin ja leider kein Satiriker.

Nun sind die Vorstellungen über Faschismus ja teilweise ignorant, teilweise zu eng auf bestimmte Aspekte der Vergangenheit fokussiert. Man vergleicht Faschismus zu sehr mit Kommunismus und Kapitalismus, was eine falsche Einstellung ist, weil man Faschismus eher als Gegenbewegung gegen Demokratie einordnen muss, und eigentlich sollte man, wie ich es normal mache, im Plural von Faschismen sprechen, denen nur wenige Eigenschaften generell gemeinsam sind, vor allem das Führerprinzip gegen die Demokratie.

Nun haben wir in Europa, vielleicht weltweit, eine Vielzahl faschistischer Nester, Bewegungen, teilweise auch Herrschaften oder aber Oppositionen. Man will sich bei uns an den Gebrauch des Wortes – weder als Begriff noch als Leitmotiv – nicht gewöhnen oder orientieren, weder gegenüber der AfD und dem BSW noch gegenüber den faschistischen Tendenzen an den Rändern demokratischer Parteien. Das ist besonders peinlich, weil die Unterscheidungen oft schwierig sind, was nur rechtsradikal und was schon faschistisch ist.

Wie gesagt: nicht alle rechtskonservativen Politiker:innen sind faschistisch, nicht alle Faschisten sind nur rechts, weil die R-L-Koordinate hier nicht wirklich passt. Da können sich noch manche anerkannte Politiker:innen zurückziehen, wenigstens eine Zeitlang.

`*

Wie hängt das mit Frau Klöckner zusammen, wird hier nicht eine hinterhältige Brücke zwischen ihr und dem Faschismus aufgebaut? Gerade nicht hinterhältig. Sie muss die Brücke ja nicht betreten, dann bleibt sie, was sie ist: konservativ und oft im Unrecht.

Gerade höre ich, dass wieder Menschen zuerst als Abgeschobene dehumanisiert und dann in undemokratische Länder entfernt werden, diesmal eine unschuldige drusische Familie in den Irak. Durch einen Parteigenossen von Frau Klöckner, Herrn Dobrindt. Der steht schon auf der Brücke

Klima und Krise

Die Wolken türmen sich. Gleich geht der Starkregen wieder los. Die Pfützen sind breit und tief, eigentlich eine schöne nasse Landschaft in einer Saison großer Trockenheit. So ist es häufig: was nicht regelmäßig eine Situation, eine saisonale Witterung, eine politische Erwartung beherrscht, erfährt mehr Aufmerksamkeit und manchmal unerwartetes Lob. So, wie Klima und Wetterbefund nicht dasselbe sind, aber sich gut vermischen lassen, so geht es überall: ein guter Konservativer findet plötzlich Aufmerksamkeit, wo die Mehrheit dieser Rechten eher Abwendung erfährt; auf der Linken nicht anders, in der Mitte auch so, nur, dass man nicht so genau weiß, was die Mitte ist.

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Das Wetter, das wir früher erlebt haben, wird heute verklärt. Die Politik unserer Jugend war auch nicht gut, aber durchschaubar – und wir konnten eingreifen. Davor auch wieder nicht. Beziehungen waren….naja, nicht eindeutiger als heute, aber auch durchschaubarer. Alles haben wir damals durchschaut und können es heute so wenig wie wir den Jungen diese Fähigkeit zutrauen, etwas zu durchschauen, zu erklären und es dann ändern oder beibehalten zu wollen. Lamento senile…Diese Generationenhaltung ist nicht neu, und viele Pädagogen, Blogger, Gurus verdienen mit ihr gutes Geld. Aber einen Nachteil haben diese Diskurse, sie verdecken, was sich wirklich ändert, nicht nur von Generation zu Generation, sondern von gestern bis heute.

Wer eine Zeitenwende behauptet, nimmt meistens wenigstens einen nachweisbaren Veränderungsfakt als Ausgangspunkt. Wer sie leugnet, versucht den zu dekonstruieren. Und altmodische Geschichtsredner denken nur in Zeitenwenden, die immer näher aneinanderrücken, bis die gesamte Geschichte nur mehr eine Wende ist, die keine bestimmte Zeit braucht. Soweit, so banal. Aber wenn eine Zeitenwende lange stabil gehaltene und fest geglaubte Tatsachen destabilisiert, was dann, o Bewusstsein?

Also: das alles hat wenig mit dem Alter der Betrachter zu tun, viel mehr mit selektiver Erinnerung. Manchmal aber hatte sich die Zeitenwende angekündigt, lange bevor sie eingetreten war. In Israel z.B. schon 1948, oder jedenfalls 1973, oder wann – sicher nicht am 7. Oktober 2023, da war sie schon eingetreten, und wieweit sie eingetreten gewesen ist, beschäftigt mich heute fast noch mehr als die richtige Kritik an Hamas und Netanjahu, die in gewisser Weise unmenschlich zusammenwachsen. Und das ist eine Kritik unter vielen, und wenn sie auch nicht alle auf einer Ebene sind, sie dürfen nicht abgelegt werden. Denn wenn man sich aussucht, was man historischer Kritik für sich beansprucht und was man dem „Man“ allgemein überlässt, macht man sich nicht nur vor anderen verdächtig, auch vor sich selbst.

*

Auf diese Weise wird man zu einem Menschen, der in den Abständen zwischen Laien und Profis, zwischen subjektiven Selbsteinschätzungen und der objektivierenden Tätigkeit des sich in die Kommunikation Einschaltenden bewegt (Was für Satz-Gethüm, geht mir nicht besser). Die Wahrnehmung der Abstände wird von vielen verdrängt, dann kann man sich am besten „raushalten“. Das aber soll ja wirklich nicht sein, auch wenn es – oder genauer: wenn man – nervt.

Darum denke ich, dass wir nerven müssen, wenn es um die Abwehr der rechtsradikalen Subfraktion geht, Klöckner, Spahn, Dobrindt & al., auch wenn sich viele mit der Normalisierung der Rechten noch zufrieden geben. Diese Normalisierung geht aber eher der Festlegung als der Veränderungsdynamik entgegen. Veränderung ist nicht an sich gut, sondern braucht Inhalte und Formen, und die sind z.B. bei den Kritiken . siehe oben . wichtig. Beispiel: auch wenn es evident ist, Israel kann man nicht kritisieren, wenn der Bezug zu Hamas nicht genannt wird. Übrigens reicht der innerhalb der Kritik nach beiden Seiten. Ähnliches gilt für jede Kritik, und man darf das nicht verwechseln damit, dass „alle“ irgendwie schuldhaft an „allem“ beteiligt sind. Sind sie nicht, und wenn, muss das Wort „irgendwie“ getilgt werden.

Das schlechte Wetter hält irgendwie weiter an, aber es ändert am Klima nichts.

Mord? Selbst ist der Mensch.

Die brutale Sprache der Deutschen, ist sie einmalig? Muss man Anti-Deutsch sein, um da hinzukommen?

Sterbehilfe, Suizid, Selbsttötung, Freitod, in vielen Sprachen gibt es hierzu Analogien. Ich habe keine andere gefunden, in der umgangssprachlich das Wort MORD GELÄUFIG ist.

Ihr Jenseitsgläubigen: wird es bei der Ankunft in der Ewigkeit zunächst einen Strafprozess wegen Mordes geben? Kein Mitleid, dass man sich aus dem Erdenleben verabschiedet hat, in der Hoffnung, drüben eine bessere Zukunft zu finden.

Ihr Jenseitsungläubigen: Mit dem Tod geht einem Menschen jede Erinnerung verloren, der Selbstmordbegriff wird also das Nach-Denken der Überlebenden mitbestimmen.

Eine der umfassendsten Bearbeitung des Themas bei Jörn Ahrens nimmt Selbstmord als Titel. In der wirklich beeindruckenden Literaturliste kommt der Begriff Selbstmord gerade fünfmal vor, und oft wird ja in der Übersetzung ins Deutsche „Selbstmord“ gesagt. (Jörn Ahrens: Selbstmord – die Geste des Illegitimen Todes, München 2001). Das für mich wichtigste Buch zum Thema ist von Jean Améry: „Hand an sich legen. Diskurs über den Freitod“ (Stuttgart 1976). Damit sind hinreichend viele Wege gezeigt, wie man Abschied vom Mord nehmen kann.

Mir geht es hier nicht so sehr um den Freitod, den Améry und viele andere auch gewählt haben: Er fasst mitten in seinem Essay zusammen „Der Freitod ist ein Privileg des Humanen“ (S. 52). Ja, kann man „Selbstmord“ mit dem „Humanen“ in eine irgendwie menschliche, positive Beziehung bringen?

Juristisch gesehen handelt es sich entgegen dem deutschen Wort Selbstmord aber nicht um Mord, da der deutsche strafrechtliche Mord eine Tötung eines anderen Menschen verlangt. Das Grundgesetz schützt die Menschenwürde des Menschen absolut, man kann also auch auf diese nicht verzichten.“ (Einleitung zu bing.com) und deutlicher: „Selbstmord: ein Wort, das es nicht geben sollte (Helmich: Dt. Ärzteblatt 2004). Auch im Strafgesetzbuch kommt der Selbst-Mordbegriff nicht vor.

Einen Begriff gesellschaftlich zu tilgen ist schwierig: viele Begriffe, die toxisch, weil Nazi-infiziert sind, können strafrechtlich verfolgt werden, aber oft sind sie, in die Syntax klug eingebaut, straffrei oder gar attraktiv für die neue Rechte, und nicht nur für sie. Es muss also möglich sein, den Begriff nicht nur zu übersetzen, sondern ihn – öffentlich, nicht im eigenen Bewusstsein – zu kritisieren. Beides erfordert vorgängiges Nachdenken, wie es zum „Selbstmord“ kommen konnte, auch wenn man dazu nicht Begriffsgeschichte studieren muss. Bildung verbietet den Begriff, außer in der kritischen Analyse.

Aber es gibt noch einen weiteren Ausweg, eben den von Amèry. Es geht doch darum, dass unser Leben auch in unserer Hand ist, einzeln o0der im sozialen Verbund mit anderen Menschen, und letztlich bleibt eine, eine einzige letzte Entscheidung, bei einem selbst. Das ist nicht Philosophie, auch nicht Therapie, sondern ein Element des Humanen, über das niemand anders entscheiden kann. Meinetwegen beraten, meinetwegen kritisieren, aber nicht entscheiden.

Warum gibt es das Wort „Selbstmord“ noch so häufig und offiziell? Alternativen sind auch human.

Rückzugspitze

Dass die Bayern genügend Geld für elternfiese Ferien haben, dass sie Kitsch in Weltkultur verkaufen, dass sie dauernd über ihre DNA schwätzen, … Naja, Minderbemittelte müssen mehr auftrumpfen, das versteht sich. Bayern gehört ohnedies nicht wirklich zu Deutschland, zu „uns“. Eigentlich reicht die Kritik der Medien an Söder und seinen rechtsradikaleren Exponenten, um das Thema abzuhaken.

ABER: da waren sie, die Dobrindtisten, jetzt wieder, für etliche Millionen €, auf der Zugspitze, den Deutschen von Österreich als Gipfelchen überlassen. (https://de.wikipedia.org/wiki/Zugspitze). Nein, Dobrindt hat keine Demokraten unabsichtlich hinuntergestoßen, er hat sich vielmehr mit Gleichgesinnten wieder darauf geeinigt, Menschenrechte, Menschen, weiter zu verletzen, zu vertreiben, zu demütigen. Drittstaaten werden erpresst, deutsche Opfer aufzunehmen: das ist das Prinzip. Rechte werden verletzt, bis keiner mehr etwas vom Rechtsstaat weiß, das ist das Prinzip von Dobrindt, Deutschland soll ja Führungsmacht werden. Nicht weit vom Führerquartier am Untersberg. (https://de.wikipedia.org/wiki/Berghof_(Obersalzberg) Ich weiss, dass es nicht als anständig gilt, diesen naheliegenden Bezug auch nur auszusprechen. Aber fragen Sie sich, was Dobrindt und seine rechtsradikalen CDUCSU Verzerrer damit zu tun haben. Sagen Sie doch, warum der Bezug absurd ist, und eine Demokratie solche Rechtsabweichler, wie Spahn, Dobrindt, Söder etc. ertragen können muss, ja, sie noch zur Demokratie zählen sollte, gegen die „wirklichen“ Rechten. Sagen Sie es, bitte.

Auch der Kalauer mit der Spahnzange gehört hierher. Ich habe auch nicht Zahnspahnge gesagt. Aber zurück zur Zugspitze.

Es gibt schwerwiegende Kritik an der Rechtsbewegung der deutschen Politik, von der Anbiederung an Faschisten im In- und Ausland bis zur fatalen Unsicherheit im Gerichtsfall. Aber die Zugspitzposse zeigt, wie weit die NORMALISIERUNG sich durchgesetzt hat, was ja wissenschaftlich schon gut begründet ist, aber eben sich politisch immer stärker auswirkt. (Im Deutschen soll man dazu schon Jürgen Link (https://de.wikipedia.org/wiki/Jürgen_Link) lesen, aber Normalisierung hat einen sehr viel breiteren Diskursrahmen erreicht).

Die herumschwirrende These, dass das mit einer Unsicherheit, ja Ungewissheit, gegenüber der Demokratie einhergeht, beschreibt vieles, und erklärt fast nichts. Dabei gibt es für den Abbau der Lebenssicherheit in der Demokratie ja doch eine Reihe auch populärer Vermutungen und Thesen, z.B. Wilhelm Heitmeyer im neuen SPIEGEL „Hass“, S. 50, und früher, oder die politischen Angstdiskurse, in den letzten Jahren vielfach erklärt.

Die Nähe bzw. Überschneidungen der deutschen rechtslastigen Konservativen mit den Faschismen ist kein Einzelfall. Aber jeder Fall muss einzeln geprüft werden, weil oft widersprüchliche Entwicklungen die gleichen faschistischen Grundvoraussetzungen schaffen. Historisch müsste man sagen „geschaffen haben“. Ich will mich gar nicht mehr als gebildet und laienhaft mit den Faschismen auseinandersetzen, aber die Politik, die mich in der Demokratie interessiert, wird ja auch von ideologischen Geistesschwäche ihrer (zu) schwachen Repräsentanten verbogen und abgelenkt. Und da lohnt es schon, genauer die Querbezüge der einzelnen Faschismen zur wirklichen Politik festzustellen und sich zu erklären versuchen. Merz-Meloni ist mein Musterbeispiel oder die dänische Demontage ehemaliger Demokratie oder…

Nebenbei dringt Faschismus aus Angst in die Kultur durch vielfältige Verunsicherungen ein. Wir haben nicht hinreichend viele Klaus Peymanns, die die wichtigen Texte zum Leben erweckten. Aber gerade wir brauchen die aktive Präsenz in allen Formen der Kultur, vom Zirkus bis zur Lyrik, von der Kunst bis in die Musik, und kein UntenOben sondern Wirklichkeit gegen Ideologie – und Unterwerfung unter Herrschaft, Religion und, eben, Faschismus.

Sommerflucht in die Resilienz

Ich laufe vor der Wirklichkeit davon. Stellen Sie sich vor, wie man über Israel und den Nahen Osten unaggressiv, „cool“, sachlich und wirksam schreiben kann; wie man über Trump und Putin ohne bissige Charakteristika schreiben kann; wie man über das absurde Regierungstheater Merz schreiben kann, ohne weniger Schuldige zu beschweren und wirklich Schuldige zu entlasten; wie man die nächsten zehn Krisenherde global und die nächsten sozialen Widersprüche bearbeitet, so dass es Wirkung bei den LeserInnen, also bei Ihnen zeigt; und reagieren Sie auf die Kulturzerstörung, die uns sehr schnell den unkultivierten Durchschnittsgesellschaften angleicht. Stellen Sie sich das alles vor der zweiten Tasse Café am Morgen vor, denken Sie ruhig darüber nach, atmen Sie tief ein – und

WAS TUN SIE DANN?

Sagt jemand: Nichts. Und jemand sagt: weiß nicht. Sagen viele, wir schichten erst einmal ab und nehmen uns das Wichtigste vor, aber was wird das sein? Sagt jemand: ich verstärke meinen Widerstand.

Wie kann man Widerstand (aus)üben, wenn die Objekte unerreichbar oder nah, aber diffus und schwammig sind?

(Der normale Rat dieses Blogs wäre, sag erst einmal nichts, denk nach, bevor deine Meinung zu weiterer Untätigkeit führt. Aber darum geht es heute nicht).

NICHTS IST AUCH ETWAS

Aber ja. Wenn man uns vorwirft: „Ihr tut ja (auch) nichts“, muss man das nicht einfach so hinnehmen. Wie im physikalischen Quanten Modell, muss sich der Widerstand auch bündeln, kräftig werden, aber dann, wenn er losgeht, schwer zu bremsen oder zu steuern.

Das meinte ich immer einmal mit der Ablehnung der meisten sofortigen Reaktionen auf falsche oder widerwärtige Angriffe. Ohrfeigen und Rücken-Zuwenden geht im Privaten, aber nicht im Gesellschaftlichen. Wie lange musste die Ohrfeige für Kiesinger vorbereitet werden – und was waren ihre Nachwirkungen? (https://www.deutschlandfunkkultur.de/beate-klarsfeld-ohrfeigt-1968-kanzler-kiesinger-eine-100.html).

Oder ganz anders: gesellschaftlich ist unmittelbarer, wirksamer Widerstand eher eine Ausnahme; hingegen wirkt organisierter und andauernder Widerstand oft, nicht immer, nachhaltig. Trivial? Angesichts der oben au8fgemachten, nicht abschließbaren Liste vielleicht doch nicht. Fragen wir einfach: wie organisieren WIR den Widerstand gegen Merz, Söder, Spahn, Dobrindt & Co.? Wir, nicht „man“.

Mit wem? und vor allem: Im Hinblick worauf?

Widerstand? Was ist das im Frieden? Haben wir überhaupt Frieden? Erstmal sollten wir uns vor Angriffen schützen. Wie schwer das ist, sehen wir jetzt im Konflikt um die Verfassungsrichterin.

Und jetzt machen wir erstmal Kraftsport und Bewegungsübungen.

Absagen, aufsagen, zusagen…

Jede Sprache hat ihre Eigenheiten, und Präpositionen sind schon ganz hilfreiche, will man sich verständigen. Für euch, werte LeserInnen und Leser, ist es schon wichtig, wie ich und ob ich etwas sage oder nicht.

Wenn ich Kennworte absage, die die Aufmerksamkeit auf einen Blog lenken würden, dann muss ich schon begründen, warum ich zu einigen sehr akuten Themen nichts oder nur begründet selten schreibe. Ganz aktuell äußern sich so viele inkompetente Rechtsradikale, vom Bamberger Bischof bis zu einem ökoverdächtigen Parlamentarier gegen die Kandidatin für das Verfassungsgericht, dass ich es lieber nicht kommentiere, denn es ist peinlich, denkende Menschenaufzufordern, sich noch mehr an Meinung zur CDICSU Hetzjagd zu bilden. Und Absagen heißt natürlich nicht, keine Meinung zu haben, nur sind Meinungen erst dann wichtig, wenn sie in Politik übergehen…Ich sage auch den meisten Unterschriftslisten ab, weil es fast eine Inflation der weitgehend parallelen Unterstützungen zu einzelnen, konkreten oder allgemeinen Themen gibt. Nur wo ich Wirkung der Liste vermute, unterschreibe ich, und finde mich doch mit fast lauter schon bekannten Namen wieder. Das ist nun kein Bekenntnis, wie ihr gleich sehen werdet. Denn man merkt natürlich, wie sich Unterschriftslisten und ihre Zielobjekte verselbstständigen und dann kann sich das gefeierte oder geschmähte Opfer kaum mehr befreien – und ist damit auch der Kritik entzogen.

Mit einer Unterschrift oder einem zusagendem Kommentar übernimmt man, so seltsam es klingt, Verantwortung, und das ist mehr als eine Meinung zu haben. (Das kontrollieren jetztübrigens diktatorische Einreiseüberwacher wie die USA bei den Blogs und sonstigen Daten selbst von Touristen und Studierenden, die Russen, Chinesen und andere machen das sowieso schon länger). Das wird für mich immer wichtiger, denn wenn es stimmt, dann sind die Konsequenzen oft gar nicht so klein, selbst wenn es nur eine Aussage ist: etwa zum Verhältnis von Hamas und Netanjahu, oder zum Verhältnis der EU zu den Waffen Osteuropas, nicht nur der Ukraine usw. Wie ihr wisst, geht es mir seit langem darum, keine Meinung für sich stehen zu lassen, denn wenn sie keine Konsequenzen hat, dann soll man sie eher nicht publik machen, wenn aber, dann lieber politisch als moralisch oder ästhetisch.

Zwischen den beiden Begriffen steht oben das Wort aufsagen. Ich muss selber lachen, weil ich seit meiner Kindheit das Wort mit dem Runterratschen von Gedichten, meist Balladen aus der Schule, verbinde, deren Kernstücke ich nicht vergessen habe. Heute merke ich, wie viele Menschen ganze Textpassagen zu jeder Gelegenheit aufsagen, ob sie nun passen oder nicht. So sagen die sogenannten Christdemokraten/sozialen bei jedem Angriff auf die anständigen Politiker/innen den „§ 218“, ohne ihn auch nur annähernd zu verstehen. Meist passt schon seine Erwähnung nicht. Aber natürlich, auch ich, auch wir, sagen oft Dinge auf, die wir besser bedenken statt zur Besprechnis freigeben. Nur, wenns politisch wird, – siehe oben.

*

Das ist kein pädagogischer Blog. Heute wollte ich nur wirklich nicht schon wieder über das Gewitter schreiben, Regen trotz zunehmender Wasserentnahmeverbote. Und ich wollte klarmachen, dass es selten zufällig ist, worüber man, ich, wir nicht schreiben oder eben doch.

Was ist schon normal?

‘Civilizational Nationalism’

The West is in conflict with itself.

Eine gute Überschrift zu einem guten Artikel in Noema. (Nathan Gardels, 12.7.2025). Ein wichtiger Absatz lautet : „The cultural wars we are experiencing today, as Alexandre Lefebvre observed recently in Noema, are precisely a battle over who gets to normalize the norms for the whole of society.“

Die Normalisierung der Normen hat mich jahrelang beschäftigt, auch wegen der inhaltlichen Auseinandersetzung zum Normalismus von Jürgen Link, den ich seit vielen Jahren kenne („KultuRRevolution“ (https://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%BCrgen_Link). Und schätze, er hat viel von Frankreich nach Deutschland gebracht, und das war vor 50 Jahren und seither schon wichtig.

Aber die Normalisierung ist ja keine Trivialität. Sie richtet nicht nur in der Gesellschaft etwas an, sie erzeugt auch Strukturen, denen wir uns entweder unterwerfen müssen oder aber die uns in Kontroversen und Konflikte laufen lassen, die unser individuelles Leben etwas übersteigen.

Nun befinden wir uns in einer schrecklichen Zeit, in der wir schon Probleme haben, sie realistisch zu verstehen, und wenn das gelingt, Konsequenzen für die Zukunft daraus zu ziehen. Wie wird unsere Zivilisation beschaffen sein, wie werden wir den drei Atomdiktatoren und ihren Handlangern begegnen müssen und können, wie gehen wir mit dem lokalen und nationalen Rechtsruck –> Normalisierung! – um, vor allem, wenn er die Schwelle zu einem der Faschismen überschreitet?

Das alles kann keine Frage der Theorie allein sein, aus der dann Politik und politische Praxis abgeleitet wird. Es geht auch um die Schlüsse, die wir aus der täglichen Praxis ziehen müssen, um nicht nur bei uns selbst zu bleiben.

*

Dass unsere Zivilisation noch nicht abgeschlossen ist, versteht sich. Dass wir in ein Zeitalter eintreten, in dem KI nur nur Normalität produziert, sondern bis in unsere Hirnzellen hinein in die Evolution eingreift, versteht sich sich nicht so einfach. Dass es nicht ausreicht, wenn WIR die Folgen nicht mehr ganz erleben, ist klar, wenn unsere Kinder und Enkel die Zerstörung der Lebensräume, der Lebensbedingungen nicht nur erleben müssen, sondern ihnen ja aktiv begegnen. Aber wie richten wir was für diese Zukunft ein, in der wir wahlweise zu Staub zerfallen oder in einem absurden Jenseits auch nicht weiter leben werden?

Die Antwort „Politik“ stimmt, ist aber zu einfach. Wie gehen wir gegen die Menschenfeinde der Regierung, gegen die Umweltfeinde der Regierung, gegen die Kulturfeinde der sogenannten Regierung vor?

(Als Kind, ca. 10 Jahre alt, habe ich am Sonntag Vormittag immer die kabarettistische Politikumschau von Heinz Conrads mitangehört, der war auch nicht problemlos, aber sei`s drum: wenn etwas massiv ungelöstes in der Politik aufschien, sagte man "Bei uns, in Bagdad". Würde man heute nicht mehr...aber sei`s drum: damals war klar: Bagdad war hier, war Wien, war die Regierung, waren die Parteien).

Wie kann man gegen die Menschenfeinde Klöckner, Merz, Dobrindt, Bär, Spahn und Konsorten angehen, wenn sie die Normalisierung – siehe oben – schon so weit getrieben haben? Sind die so böse? Nicht einfach rechtsgerichtete DemokratInnen? Sicher sind sie das, aber auch in Demokratien ist die Ausrichtung auf Unmenschlichkeit möglich und oft wirklich – und zwar seit Beginn der Demokratie – was nebenbei ein Argument der Demokratiefeinde und Faschisten war und ist).

Und Europa: https://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%BCrgen_Link (Da sind die Rechten an der Macht oder vor der Tür. Und der Normalismus bekräftigt den Nationalpopulismus, in Regierung und Opposition). Und die Welt?

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Wir sollten uns darauf einstellen, wie sich unsere Lebenswelt unter dem Druck dieser Entwicklung verändern wird. Komprimierte Lebenschancen auf allen Ebenen. Unsereins wird mit Wohlstandseinbußen leichter leben können als die wirklich Armen, die z.T. in die Arme der Rechten getrieben werden, zT. besonders leiden werden. Wir können immerhin IN und MIT der Kultur Widerstand aufbauen, auch mit massiver Kritik am rechtsnormalisierenden Journalismus, aber vor allem mit Kulturproduktion auf allen Ebenen – Bildung, Kunst Dialog.

Wie wir uns dazu organisieren sollten, wird hier nicht beschrieben. Versteht sich. Aber dass sich die Kälber nicht auch noch nur Schlachtbank überreden lassen, ist klar.