Absagen, aufsagen, zusagen…

Jede Sprache hat ihre Eigenheiten, und Präpositionen sind schon ganz hilfreiche, will man sich verständigen. Für euch, werte LeserInnen und Leser, ist es schon wichtig, wie ich und ob ich etwas sage oder nicht.

Wenn ich Kennworte absage, die die Aufmerksamkeit auf einen Blog lenken würden, dann muss ich schon begründen, warum ich zu einigen sehr akuten Themen nichts oder nur begründet selten schreibe. Ganz aktuell äußern sich so viele inkompetente Rechtsradikale, vom Bamberger Bischof bis zu einem ökoverdächtigen Parlamentarier gegen die Kandidatin für das Verfassungsgericht, dass ich es lieber nicht kommentiere, denn es ist peinlich, denkende Menschenaufzufordern, sich noch mehr an Meinung zur CDICSU Hetzjagd zu bilden. Und Absagen heißt natürlich nicht, keine Meinung zu haben, nur sind Meinungen erst dann wichtig, wenn sie in Politik übergehen…Ich sage auch den meisten Unterschriftslisten ab, weil es fast eine Inflation der weitgehend parallelen Unterstützungen zu einzelnen, konkreten oder allgemeinen Themen gibt. Nur wo ich Wirkung der Liste vermute, unterschreibe ich, und finde mich doch mit fast lauter schon bekannten Namen wieder. Das ist nun kein Bekenntnis, wie ihr gleich sehen werdet. Denn man merkt natürlich, wie sich Unterschriftslisten und ihre Zielobjekte verselbstständigen und dann kann sich das gefeierte oder geschmähte Opfer kaum mehr befreien – und ist damit auch der Kritik entzogen.

Mit einer Unterschrift oder einem zusagendem Kommentar übernimmt man, so seltsam es klingt, Verantwortung, und das ist mehr als eine Meinung zu haben. (Das kontrollieren jetztübrigens diktatorische Einreiseüberwacher wie die USA bei den Blogs und sonstigen Daten selbst von Touristen und Studierenden, die Russen, Chinesen und andere machen das sowieso schon länger). Das wird für mich immer wichtiger, denn wenn es stimmt, dann sind die Konsequenzen oft gar nicht so klein, selbst wenn es nur eine Aussage ist: etwa zum Verhältnis von Hamas und Netanjahu, oder zum Verhältnis der EU zu den Waffen Osteuropas, nicht nur der Ukraine usw. Wie ihr wisst, geht es mir seit langem darum, keine Meinung für sich stehen zu lassen, denn wenn sie keine Konsequenzen hat, dann soll man sie eher nicht publik machen, wenn aber, dann lieber politisch als moralisch oder ästhetisch.

Zwischen den beiden Begriffen steht oben das Wort aufsagen. Ich muss selber lachen, weil ich seit meiner Kindheit das Wort mit dem Runterratschen von Gedichten, meist Balladen aus der Schule, verbinde, deren Kernstücke ich nicht vergessen habe. Heute merke ich, wie viele Menschen ganze Textpassagen zu jeder Gelegenheit aufsagen, ob sie nun passen oder nicht. So sagen die sogenannten Christdemokraten/sozialen bei jedem Angriff auf die anständigen Politiker/innen den „§ 218“, ohne ihn auch nur annähernd zu verstehen. Meist passt schon seine Erwähnung nicht. Aber natürlich, auch ich, auch wir, sagen oft Dinge auf, die wir besser bedenken statt zur Besprechnis freigeben. Nur, wenns politisch wird, – siehe oben.

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Das ist kein pädagogischer Blog. Heute wollte ich nur wirklich nicht schon wieder über das Gewitter schreiben, Regen trotz zunehmender Wasserentnahmeverbote. Und ich wollte klarmachen, dass es selten zufällig ist, worüber man, ich, wir nicht schreiben oder eben doch.

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