Wieder DA ist DORT (gewesen)

Lieber LeserInnen und Leser aller Nähe und Ferne. Die Paus war notwendig und produktiv: ich war mit einem Freund für ein paar Tage ereignisreich im Kosovo, dazu kommen zwei Posts, und ich habe BBC und CNN statt ARD und ZDF gehört und gesehen, das hat einen Unterschied ausgemacht, und ich habe Haàretz nicht gelesen dieser Tage, damit ist Distanz zum Schrecken ebenso vergrößert wie zur Ukraine. Trump und Merz kommen ohnedies nicht mehr vor, so weit erniedrige ich mich ohne Anlass nicht mehr. Also, willkommen zurück.

Dort gewesen meint also nicht nur Kosovo mit anschließenden Abenteuern von Flughäfen und Bahnhöfen, es meint auch in Gedanken und Gefühlen genauer zu sagen, dass vielerorts DORT gemieden wird, wenn es nicht DA ist. DA ist z.B. das kühle helle Wetter, dass einem so richtig Sommer-Pausen-Freude macht und alles grüner und feuchter erscheinen lässt, als es tatsächlich ist. DA ist der Rückzug von Gersdorff, ein Desaster für die Republik, das Verfassungsgericht und die weiter nach rechts drehenden Regierer. DA ist ein guter familiärer Besuch aus den USA, der leider keine bruchhaften Vergleiche zwischen Trumpland und Merzenacker zulässt, sondern nur Analogien, die mit unserer Sozialisation zu tun haben. Also: keine DAdaismen, sondern DORThin gedankliche Expeditionen.

Ich lese nur ungern die Prognose einer Übernahme unseres individuellen, kritischen Denkens durch IQ in der neuen ZEIT. Ray Kurzweil ist ja ein wirklich bedeutender Wissenschaftler, seit langem, und die Ablösung von Ethik und Kultur unserer Vorstellungen durch seine Argumente schmerzt, selbst wenn er sich in konkreten Details und Zeitsprüngen irren sollte. Was sind wir für abgebogene Ergebnis unvollkommener Evolution, unsere Werkzeuge entgleiten unserer Praxis. Bestenfalls gehen wir ein Bündnis mit IQ ein?

Na gut, ich werde tot sein, dank IQ werden Kinder und Enkelinnen älter werden als wir, deshalb noch mehr von den Machtgefügen der IQ mitbestimmt werden. Die Anthropologie arbeitet schon daran, und vielleicht waren wir bislang nur klug gewordene Tiere und werden wieder sekundär abhängige, so wie fast alle Länder von den Atommächten abhängig sind, nur lernen die zu langsam von IQ, obwohl das ja, incl. einer rechtsradikalen antidemokratischen Drehung in allen drei Imperien auf unsere wirkliche Handlungsfähigkeit wenig Einfluss hat. So ist das eben. Und jetzt lerne ich plötzlich die altväterlichen Details meines bisherigen Lebens als Endstadium, z.B. Literatur mehr ästhetisch als inhaltlich oder formatiert, zu erleben (sagt sogar Kurzweil), und das gilt für Kunst allgemein. Meine Frage: beschleunigt IQ den Naturzerfall UNJSERER Welt, oder verlangsamt er ihn? Nicht trivial, denke ich an meine Enkelinnen.

Jedenfalls habe viel damit zu tun, die letzten 70 Jahre meiner Erinnerung retroaktiv lebendig zu erhalten, die kann ich besser kommentieren als den ausgetriebenen Zeitgeist in der Flasche…äh, schlechte Metapher. Aber so kommt es. Ich gehe meinen Weg zu IQ nicht zu Ende. Aber er hat ungefähr mit meiner Lebenszeit begonnen.

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P.S. das hat nichts mit Fortschritt oder Stagnation, gar retrospektiven Kreisbewegungen der menschlichen Erdgeschichte zu tun. Wer sind wir denn? Fast macht die Science Fiction Spaß, sich den humanoiden Computern zu unterwerfen, sie schreiben, dichten, malen, vögeln, singen und regieren zu lassen. Nu aj, aber welche Dignität hat es, diesen Teil der Evolution zu beobachten, zu deuten und doch kaum zu beeinflussen – was die Großkonzerne, die Vordenkförderer Peter Thiel (https://www.derstandard.at/story/ 3000000243890/tech-investor-peter-thiel-schattenpraesident-der-usa-und-feind-der-demokratie) und die IT-Globalisten längst ausnützen, um uns zu gängeln. Schulterzucken? Nur, solange wir es nicht merken.

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