Herbstlicht

Ist doch alles so schön, wenn man in den wolkenlosen Himmel über Potsdam schaut, die Sonne und der kühle Wind. Natürlich: es ist sehr trocken und bleibt es wohl wieder eine Woche lang, anderswo regnet es, aber hier… Natürlich wollen alle über Politik reden, von der Ukraine bis zum Gaza, manche auch über den Sudan und Kongo und die Erdbeben in Südostasien, sogar über Trump und Kimmel wollen sie reden, und unermüdlich über die deutsche Regierung, die endlich aktiv werden muss, damit die Wirtschaft die Kultur und die soziale Wirklichkeit mit weniger Schulden wirkungsvoller unterstützt. Dabei reden sie eigentlich nicht über Politik, sondern über ihre Meinung dazu, also nicht, was sie alternativ zu tun empfehlen und was sie selbst machen wollen.

Noch immer keine Wolken, es bleibt schön, als ob die Umwelt sich auf den Ausblick konzentrieren möchte, wo es immer weniger Einblicke gibt. Gäbe es mehr, wäre die Umweltpolitik zentral und dynamisch und vielleicht wirkungsvoller, also wirklich Politik. Man kann manches nicht vergleichen: die dumpfe Stille vor dem Ausbruch des schon erwarteten Gewitters und die schwere Stille eines nicht wirklich abwendbaren Krieges, der nur anders ist als die Erzählungen und Erfahrungen bisheriger Kriege und Waffengänge. Aber viele unserer inneren Bewegungen sind vergleichbar und bedrückend, auch wenn ihre Anlässe unvergleichlich sind. Und wenn wir Widerstand aufbauen, so gegen die psychische Bedrückung in uns, nicht gegen die Wirklichkeit draußen, in der Welt, von unseren Gefühlen nicht beeinflusst. Warum ich den Vergleich ziehe: das Gewitter zieht ab, nach einiger, meist kurzer Zeit. der Krieg, die Zerstörung, die Folgen….ziehen nicht ab. Und schon gar nicht von selbst.

Kaum Wolken, helles Licht. Natürlich lebt es sich besser als die kleindenkenden Politiker es einem einreden, wenn sie Geld brauchen, aber so weit wissen das alle: nur weil es uns jetzt gerade besser geht als den meisten anderen, ist nichts entschieden, im sozialen Kontext von Karthago III gehen wir nicht in das Lager Rom Nfg. und ergeben uns vorzeitig. Deshalb schreibe ich ja auch.

Zum Widerstand gehört auch, so zu leben, wie man es für richtig hält in den Umständen, die herrschen, nicht denen, die kommen werden. Selbst die Vorbereitung auf soziale Rückstufungen, auf politische Pression und Widerstand kann nicht beinhalten, uns dort zu verkleinern, wo wir ganz richtig leben, von morgens bis abends. Das klingt absurd, ich weiß. Ist es aber nicht.

Europa, Deutschland, unsere Umgebung….werden nicht zu den Siegern und Paradiesen der Entwicklung der nächsten Perioden gehören. Das kann man begründen, politikwissenschaftlich, nicht unbedingt historisch, aber sich auch durch genaueres Durchdenken dessen, was wirklich geschieht, nicht, was in den Kommentaren übrigbleibt. Die Zerstörung der Kultur, die Zerstörung des Sozialen machen unser Leben schlechter und retten unsere Gesellschaft natürlich nicht, nur weil der Goldpreis und die Wirtschaftsdaten steigen. Und all das erreicht uns, früher oder später, eher früher, und der Widerstand macht uns, paradox, doch eher lebensfroh, mit dem NOCH, noch leben wir, noch denken wir, meinetwegen noch lieben, aber jedenfalls gleiten wir nicht die Apathie des „Man kann eh nichts machen“. Der Widerstand: „Es muss etwas geschehen“, ist näher als die kollektive Apathie, das haben wenigstens einige von uns schon gelernt.

Lebensfroh, das ist auch das NOCH leben wir besser als viele. Das kommt nur in den Kommentaren zu Gaza, Ukraine und Kongo nicht vor, oder bestenfalls zu wenig. Die Wiederherstellung der Politisierung des Alltags ist das Gegenteil der sporadischen Stimmabgabe für die Politik der Anderen, denen wir doch nicht vertrauen….würden wir ihnen vertrauen, könnte das ja zusammengehen: Politik und Gesellschaft.

Nur was man wirklich mag, aktiviert Kritik

Die letzten 24 Stunden USA. In Europa geht mir Italien nebst Heimat Austria am nächsten, und Israel transkontinental, und eigentlich lange Zeit die USA vor anderen Americanae. Das ist gar nicht so subjektiv, wie es klingt. Denn die eigene Geschichte hatte mit den Nachkriegs USA so viel zu tun wie wenige andere Länder, und das Sprachstudium, die Reisen, die Universitäten, die Freundschaften haben sich wie ein Pelzkragen um die Familienmitglieder dort gelegt. Nun, die meisten leben nicht mehr, und meine Schwester hat einen deutschen Pass genommen, GsD.

Dass unsereins Trump nicht mögen kann ist mehr als ihn bloß nicht mögen zu dürfen. Man muss einen Diktator ohnehin nicht mögen, auch wenn er im Vergleich zu anderen Tyrannen vielleicht noch erträglich ist. Obwohl: wäre man ein ärmerer US-Bürger, müsste man unbehandelt und hungrig auf private Wohlfahrt oder eben das Nichts angewiesen sein (Thema vieler DLF und ORF Nachrichten, weniger der Sozialpolitik bei uns).

Wie auch in anderen sich festigenden Diktaturen ist der Widerstand gegen Trump erstaunlich gering, bei den Demokratien wie in der Presse. Und meine (abonnierte e-paper) New York Times verfolgt er brutal, das verschreckt die kleineren liberalen Blätter, auch wenn er den 15 Mrd $ Prozess nicht gewinnt. Allein heute die Nachrichten: TV-Shows werden abgesagt, Finanzdiener werden in die Federal Bank eingeschleust, absurde bis faschistische Strafprozesse erhalten immer weniger Widerstand von der Justiz.

Scheinbar gibt es noch mehr Widerstand gegen die Einschränkung der Grundfreiheiten, v.a. Meinung und Presse, mehr Widerstand als in Russland oder China. Aber die US Diktatur macht sich ja gerade „normal“. Das ist eines meiner Probleme: wie schnell die außergewöhnliche, rechtslastige und kulturfeindliche erste Präsidentschaft Trumps heute so akzeptiert wird, dass die Ränder seiner Normalität sich mit der Normalität der Meisten? jedenfalls vieler US BürgerInnen decken.

Das ist übrigens einer der Gründe, warum ich keine Eigenschaftswörter und Adverbien für Trump, Putin oder Xi übrig habe, denn Diktatoren dieser Dimensionen können „alles“ tun und auch das Gegenteil, und sich so darstellen, wie ihr Ego es will und nicht, wie wir es wahrnehmen. Bei den sich unterwerfenden Demokratien oder Faschismen darf und kann man gut differenzieren, sie sind natürlich divers, vergleicht den Britischen Hof mit Melonis Inn- vs. Außenpolitik mit NATO usw. Aber mir geht es um etwas anderes: die kaum behinderte Zerstörung der amerikanischen Kultur – die ich immer besonders mochte, siehe oben, – wird sich auf die gegenwärtige und auf die nächsten Generationen so auswirken wie Putins Verschleppung von Kindern in die russische Armut. Wo Trump sich mit den beiden anderen Diktatoren gleicht: im brutalen Misshandeln von Texten und Kultur, v.a. natürlich im Bildungswesen und bei der Umwelt. Und werte LeserInnen und Leser, mal ehrlich, was unterscheidet Trump von den beiden anderen Atomdiktatoren wirklich? Natürlich auch, dass wir noch unter dem Schirm der USA vergleichsweise liberale Spielräume haben, ja, kulturell sogar opponieren dürfen, in Grenzen. Und klar, er hofft auf vorbeugende Selbstzensur der Massen. (Dass die AfD ihm auch ins Trump kriecht, ist kein Zufall, aber auch kein Wunder, nur: die Mehrheit der Politik legt sich etwas weniger peinlich an seine Seite…).

Richtiger Einwand: Was sollen wir denn in Europa tun, ohne die USA überfällt uns Russland, und dann geht auch der Wohlstand verloren. Wenn es nur der wäre, wird das sicher sich so entwickeln, weil Europa am Ende ist, Karthago zwischen II und II Krieg. Aber das dauert länger als Trump überlebt und mit seiner Camarilla herrscht.

Noch haben wir die New York Times. Beispiel heute zu Israel: nicht monothematisch, nicht einseitig:

  1. Israel Is Committing Genocide in Gaza, U.N. Inquiry SaysBy Nick Cumming-BrucePage A8
  2. Trump’s Laissez-Faire Stance Gives Netanyahu Free Pass for Gaza EscalationBy Michael CrowleyPage A9
  3. Why Many Israelis Oppose Netanyahu’s Offensive Into Gaza CityBy Isabel KershnerPage A9
  4. Gaza City Panics as Israel Launches Ground OperationBy Liam Stack, Abu Bakr Bashir and Ameera Haroud

Oder den Kampf von Trump gegen die US-Kulturgeschichte: https://www.nytimes.com/2025/09/16/climate/trump-park-service-slavery-photo-tribes.html

Er ist wie seine Mitarbeiter und Kumpel ein Rassist, vor allem ist er ein Diktator. Nur: er wird breit im so genannten Volk unterstützt. Aber das: Donald Trump will Antifa-Bewegung als Terrororganisation einstufen (Spiegel online 18.9.2025). das kann ein Diktator so wollen. Wo sind die Grenzen?

Aber was bedeutet es, „nur“ eine NYT zu haben? Es bedeutet, unsere Resilienz zu stärken und unser Bewusstsein nicht einlullen zu lassen. NYT und die New York Review, machen nicht mein ganzes US Bewusstsein aus, aber einen guten Teil. Was wir von den USA wissen, ist meist die intellektuelle Couvertüre der Ostküste, der Westküste, der großen Städte – oder kulturelle Höhepunkte. „Auf dem Land“ ist in den USA ziemlich weitläufig, viele Distrikte sind größer als deutsche Bundesländer, zum Arzt oder Supermarkt ist es weit, die lokalen Zeitungen verdienen oft den Namen nicht und die Medien werden durchaus von trumpoiden Radikalen beherrscht: Fox – forscht da einmal nach…https://de.wikipedia.org/wiki/Fox_News_Channel oder im Detail https://www.msn.com/de-de/nachrichten/other/t%C3%B6tet-sie-einfach-fox-news-moderator-schockt-mit-gewalt-aufruf/ar-AA1MwcLx (18.9.2025) – man kann sich da einarbeiten. Weiter: Ein Mord als Vorwand. Jocahim Käppner in der SZ: „…Hoffnung liegt in der Geschichte. Schon einmal, in der Ära des eifernden „Kommunistenjägers“ McCarthy in den frühen 1950er-Jahren, driftete die älteste Demokratie des Westens ins Autoritäre ab. Damals war die Demokratie stark genug, um zu widerstehen. Vielleicht setzt sich der traditionelle Common Sense der Amerikaner auch diesmal durch. Aber es wird schwer“. Und hier bei uns: Nehmt die Erfahrungen mehrerer Generationen mit der Springer-Presse…oder Diskussionen um ZDF-Einführung: da sieht man schon Unterschiede auch im gesetzlichen Bereich. Aber dagegen die gibt es die kaum limitierte Meinungsfreiheit in den USA, die zur Zeit gewaltsam nach rechts gedreht wird….Das alles wirkt schon auch auf uns. Aber es wird schwer…

*

Alles heute. Vielleicht morgen etwas anderes, aber nicht anders. Aus Karthago nach Rom schauen, ist nicht immer angenehm. Aber es hilft, sich ein wenig real einzurichten.

Sind wir am Ende? Ja, aber: wovon?

Keine Apokalypse, bitte. Wenn die Menschheit von der Erde verschwindet, wird das etwas kürzer dauern als bei den Sauriern, aber länger als bei den meisten von uns vernichteten Insekten, und überhaupt: die ZEIT ist angesichts des Ende von Humanwesen etwas anderes als unsere Lebenszeit. Ich bin dabei meine Liste an Nicht-Kommentierung täglicher Schreckensnachrichten zu verlängern. Ukraine, Gaza, Sudan sowieso, die Kommentare schwächen meist die Wirklichkeit ab und wer die inhumane Politik der Aggressoren verteidigt, befreit sich von weiteren Stellungnahmen, sofern die keine praktische Wirkung haben. Wenn allerdings…Aber was soll man sagen zu Entwicklungen, die unsere Vernunft anscheinend nicht erreichen? So, wie man Menschen, die man verachtet, nicht wirklich kritisieren kann, sowenig kann man kommentieren, was auf unterschiedlichen Ebenen zugleich sich abspielt.

Beispiel: Kritik an der Politik von Netanjahu, die ja mit seiner Unterstützung der Hamas ziemlich früh begonnen hatte, kann nicht gleichgesetzt werden mit der Kritik an Hamas und ihren Unterstützern. Dazu muss man aber nicht nur die Geschichte zurückverfolgen, von der Rechtsentwicklung der israelischen Politik bis zur Entwicklung und Hamas-Inklination der Palästinenser Gaza. Kritik an den Einen kann gar nicht Abmilderung der Anderen bedeuten, wir sind ja keine weißschwarz-Sekte einfältiger Orden. Man darf auch mehr als einen Gegner haben. Für mich jedenfalls ist das mehr als Literaturbedarf, man muss da schon empirisch genau wissen, wann was begonnen hat – und nicht mit der Bewertung die Analyse zurückdrängen. Dieses Beispiel nehme ich, weil mich Israel besonders auch persönlich berührt.

Aber die globale Endzeit hat ja zwei Ebenen mindestens: die Entwicklungen und Abläufe der Gesellschaft (en), die sozusagen in Lebenszeitabschnitten dem Ende zustreben und nicht unsere Philosophie, sondern unsere Beziehung zu Kindern und Enkeln, unsere sozialen und ethischen Elemente herausfordern. Die andere Ebene: wer befördert wie das Ende der Menschheit, also die Überholung der Umweltzerstörung durch Krieg, Diktatur und Todespolitik? Anders gefragt: müssen wir nicht vor unserem Sterben noch Politik machen, als resigniert die Umwelt sich zerstören sehen und uns in die nächsten Diktaturen und Kriege einfinden?

(Der letzte Absatz – lasst die Ökologie außen vor), der letzte Absatz ist eine Art Neuauflage der Jahre 1910-1914 bzw. 1930 bis 1933, natürlich mit Veränderungen. Aber strukturell doch recht verwandt). Es kommt darauf an, die globale Zerstörung zu dekonstruieren, Europa, unser Europa, wird das erste Opfer beider beschriebenen Entwicklungen sein, d.h. unser Absturz wird auch schneller und tiefer erfolgen als in anderen Teilen der Welt. Also den Teilen, die direkt von einem der Atomdiktatoren beherrscht und von ihren faschistischen Gefolgschaften umgesetzt werden.

Hinweis: ich hatte immer davor gewarnt, Adjektive und Adverbien zu den drei globalen Diktatoren Xi, Putin und Trump abzugeben. Nur sie können nämlich alle Erscheinungsformen sich an- und ausziehen, ohne dass die Untergebenen wirklichen Einfluss haben. Das ist im Kampf zwischen Demokratinnen und Demokraten mit den Faschistinnen und Faschisten anders, da muss man genau angeben, was einem jeweils so missfällt, dass man politisch dagegen kämpft.

Keine Apokalypse. Der langsame Niedergang der humanen Spezies wird uns selbst ja kaum mehr erreichen, oder sagen wir so: der nächste Atomkrieg oder eine soziale und kulturelle Verarmung des Europa zwischen den Mahlsteinen sind wahrscheinlicher als das völlige ausweglose Verschwinden des Umgangs von Natur und Menschen miteinander. Das beruhigt nur die Kleinbürger und Aktionäre.

Nun könnt ihr fragen: warum ich das schreibe. Vielleicht überleben solche Texte die nächsten Schritte der Weltzerstörung oder auch nur des Niedergangs eines Staates oder einer Gesellschaft, dann weíß man wenigstens, was wirklich war. Der Sieg der Wirklichkeit über die Wahrheiten ist unangenehm, das ist uns allen klar.

Keine Angst. Morgen wird es durchaus ungezwungen fröhlicher. Noch leben wir ja. nicht schlecht, oder?

Krieg – anders als bisher? Frieden auch.

Wenn man die Verletzten, Toten, Geschändeten, erfährt, wenn man die zerstörten Felder und Häuser sieht, dann kommen die Erzählungen wieder hoch, die sich ja in Bildern – und Statistiken – ausdrücken. Dann spricht MAN vom KRIEG. Der Rückblick, in Deutschland Stalingrad, in den USA Vietnam, usw. erzeugt eine Lücke in der Wahrnehmung. Was ist jetzt anders?

Darüber nachzudenken ist ebenso wichtig wie sich die Zukunft vorzustellen. Wünschbar ist Frieden, aber ja, nur: den können wir uns schwer vorstellen, und den drohenden, näher rückenden Krieg stellen wir uns in den Bildern der vergangenen Kriege vor. Nur die Wahrnehmung des wirklichen Todes, verhungerte und geschändete Kinder, verlassene Alte, gemetzelte Menschen allen Alters, bringt uns die Wirklichkeit nahe, unabhängig davon, wie das Sterben verursacht wurde.

Darüber schreibt man nicht, wenn man nicht auch etwas Praktisches tut. Aber wir wissen es – oder etwa nicht?

*

Die Zusammenhänge sind nie einfach gewesen, jetzt sind sie es auch nicht. Aber die unsittliche Plattheit, dass alle irgendwie (selbst) Schuld haben, wabert natürlich durch alle Plots und Kommentare derer, die sich jetzt schon bücken, um die Unterwerfung vorzubereiten.

Das geht in den Alltag.

Wenn man etwas wirklich weiß, muss man nicht dauernd mit sich und seinesgleichen darüber reden. Nur, wenn man etwas zu sagen hat, soll man das Thema ansprechen (das ist die Theorie von A.R.Bodenheimer, einem vor 13 Jahren verstorbenen Freund). Mit anderen Worten, diesmal meinen: über diese Kriege zu sprechen hat nur Sinn, wenn es der Aufklärung, dem politischen Bewusstsein, hilft, praktisch zu werden. Sich auf die Folgen dessen einzustellen, was möglich und wahrscheinlich ist, nicht Wissen durch Vertrauen zu ersetzen (auf Gott, auf Trump auf…).

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Und sonst müssen wir weiter so leben, wie wir es auch, auch! für richtig halten. Der Weltkriegsalltag und seine Vorboten soll keine Mitläufer erzeugen mangels Alternativen. Die derzeitige Regierung verstößt gegen viele Überlebensregeln der Umwelt- und Sozialpolitik. Es ist den Merzen und Dobrindts und Klöckners nicht bewusst, denke ich, dass sie damit indirekt auch die um sich greifenden Kriege unterstützen. Uns muss das zu denken geben – und zu handeln. Das kann uns durchaus stärker machen als uns auf den Ausbruch von Kriegsalltag in der Nähe angstvoll vorzubereiten. Wenn wir richtiger leben und handeln, haben wir weniger Angst. Nebbich?

Spannend

Die Weltordnung fällt auseinander. Nicht zum ersten Mal. Sie belebt alle gescheiten und weniger gescheiten Kommentare, warum das so ist, seit wann es so ist, und ob und wie man das ändern sollte. Meist landen diese Überlegungen in der dritten Kommentarstufe am Stammtisch oder in endlos sich überschneidenden Talkshows. Aber, werte Leserinnen und Leser: was erwartet ihr denn anderes?

In vieler Hinsicht sind die Vergleiche bei uns mit 1913 besser als mit dem Beginn des 2. Weltkriegs – bei anderen Gesellschaften vergleichbar anders. Es wird sich etwas verändern, eher wissen wir was als wie.

Lassen wir alle Esoteriker, Futurologen, Globalanalytiker einmal beiseite, aber auch erklärte Unterwürfige – die sind auf der politischen Ebene gut erkennbar, wenn sie Trump in den Trump und Putin in den Putin und Xi in den Xi kriechen. Genauer hinschauen muss man bei der zweiten Ebene, wer kriecht warum dem Erdögan in den Erdögan oder … aber geht es um die politische Ebene der Gegenwart, oder nicht vielmehr wird ihre Zukunft durch die gesellschaftlichen Entwicklungen – also Politisierung, nicht gleich Politik – vorher bestimmt? Nur wissen wir nicht, wie es wirklich ausgeht. Was wir kritisieren können, sollten wir durchaus kritisieren: z.B. die Renationalisierung, die Entrechtlichung der internationalen Abkommen, den Abbau von Umweltpolitik und die soziale Verarmung ganzer Gesellschaftsschichten aus budgetären Gründen. etc. ABER das alles sagt nicht, was wirklich kommen wird, wir haben nur eine Palette von Möglichkeiten, keinen eindeutigen Weg.

Das ist kein altmodischer Hinblick auf Schicksal, auch keine passive Erwartungshaltung über das, was für uns wahrscheinlich sich ereignen wird. Das sagt nur, welchen Aspekt aus dem Portfolio wir auswählen sollen – und dann versuchen es zu können, nicht umgekehrt – um uns resilient, beständig und politisch weiter zu entwickeln.

*

Trivial? Na und. Banal? nein. Zur Möglichkeit der politischen Weiterentwicklung gehört neben der Bildung auch die dauernde Präsenz in der gesellschaftlichen und also auch persönlichen Kultur. Ein Beispiel: Adriana Altaras https://de.wikipedia.org/wiki/Adriana_Altaras hat gestern (9.9.25) in Potsdam schon zum zweiten Mal ein Podium dynamisiert, das die Diskussion in den Köpfen des Publikums diffundiert und nachher, vielleicht auch länger andauernd, Folgen hat, im Nach-Denken, sich Vergewissern. Die Darstellung und Vorstellung von Nachdenken und Musik hat belebt, gezeigt, wie soziale Kultur der Politik vorangeht. (DER JÜDISCHE SALON POTSDAM – 09. September, 18:00 Uhr – Die Landeshauptstadt Potsdam in Kooperation mit dem Jüdischen Filmfestival Berlin Brandenburg hat eingeladen, schon das zweite Mal). Und nicht von der Politik gesteuert wird, zum Wohle der jeweils Regierenden. Daran muss ich jetzt denken, nach dem politischen Auftakt im ersten Absatz. Was aus uns wird, bestimmt die Politik morgen, nicht was wir heute geworden sind…

Ärmer, kränker, dümmer, …weiter so?

Nein, ich sage nicht, dass wir arm, krank und dumm werden. Der Abstieg ist kein Fall, sondern ein Gleiten in die Normalität von Armut, Krankheit und Dummheit.

Die These: das gilt für FAST ALLE. Die wenigen Millionäre und ihre Sklaven werden zwar auch sterben, aber bis dahin etwas reicher, wohl nicht gesünder oder gescheiter dahinleben. Ob wir ihren Tod jeweils erleben oder ihn vielleicht sogar nachrufen, ist egal. Es geht um JETZT, d.h. um unsere Kinder und Enkel, und es geht um uns.

*

Weil es nicht um Wohlleben, gar Wohl“stand“ geht, weder in der global Kriegswirtschaftspolitik, noch in der Ablösung der Demokratie durch die Faschismen, noch um das Ausdünnen der Umweltpolitik bis zur Erstickung, ist das kein pessimistisches oder finales Ausblicken, sondern der Aufruf, sich auf die Wirklichkeit einzustellen. Lieber ein Optativ oder eine Zukunftshoffnung als das Herumeiern auf unwahrscheinlichen Möglichkeiten.

Wäre Trump Katholik, könnte man ihn vielleicht bekehren und gleich selig sprechen. Sein Vize ist Katholik und hat seine Chancen schon verblödelt, er könnte als Trumps Nachfolger nur durch eine Bekehrungsorgie noch die Gunst des Himmels erwerben. Also nicht über den Atlantik schauen, Europa wird wohl in der Kluft zwischen Karthago II und Karthago III ausharren müssen, d.h. wir werden ärmer, kränker und dümmer. Die Sozialgesetze können bei dieser Wohlstandsblasenideologie nicht reformiert werden, das Gesundheitswesen wird nicht mehr allen psychischen und körperlichen Behandlungsoptionen für alle gerecht, und Bildungsreformen eher woanders als bei uns.

Habeck wurde nicht verjagt, er ging, weil er das schon früher vorausgesehen hatte. Kommt er zurück, braucht er Macht und wir mehr Demokratie.

Die deutschen wie auch andere europäische Faschisten freuen sich zu früh, denn ihr Krieg gegen die Bevölkerung wird auch sie in den Arbeitsdienst zwingen (Das nenne ich Dialektik).

Aber egal, ob ihr diese kurzen Einleitungen so akzeptiert oder gar teilt: wenn wir #rmer werden, wenn das Gesundheitswesen eingeschränkt wird, wenn uns im Winter kalt wird, und wir mehr Bücher leihen als kaufen, WENN das so kommt, dann hilft u.a. nur sich darauf einzustellen. Wie gesagt, Neid auf die Milliardäre und Millionäre ist bühnenreif lustig, nützt aber nichts, hingegen stärken unsere Resilienz und Widerständigkeit die aussichtslosen Anstrengungen, uns schon vor der Umweltvernichtung gefügig zu machen, ob in Ohio oder China oder … übrigens, immer wieder die Diktaturen aufzählen kann zu besserer Rechenlogik führen.

*

Lasst euch nicht knicken. Denkt, wie lange unser „NEIN“ braucht, um zu wirken. Davor fürchten sich nicht nur Trump und Putin. Ach ja, eigentlich wollte ich ja über die unentschlossene unpolitische deutsche Bundesregierung schreiben. Nur, was soll ich dazu schreiben? Hört euch doch die Nachrichten. Bloch sagt zu Recht, das Nichts ist auch Etwas.

Linker Westen? Werch ein Illtum.

Auffällig sind zwei Phänomene: der Westen wird von den einen REkonstruiert, von den anderen DEkonstruiert. Und wenn es in der Gesellschaft kracht, sind die Linken schuld.

Wie auch immer. Hier wanken die tektonischen Platten der Weltpolitik. Damit ich mich nicht im unerträglichen Mythizismus überalteter Begriffe verfange, muss ich selbst aufpassen. Wie lange haben „Wir Linke(n)“ vom „Westen“ gesprochen, und dabei richtig festgestellt, dass der „Osten“ noch schwieriger auch nur zu bestimmen war, geschweige denn zu beschreiben.

Ausgangspunkt eins: viele, nicht alle, westlichen Demokratien drücken sich ins Trumplager, damit sie einerseits vor dem Osten, also Putin und teilweise Xi, geschützt werden, und sich andererseits selbst so aufrüsten können, dass sie weniger von Trump abhängig werden. Was einerseits ein unauflösbarer Widerspruch ist, andererseits fast normale Geopolitik aus Sicht der Schwächeren (nicht Schwachen!( und aus Sicht von selbst-schwankenden Demokratien gegen die nächstliegende Atomdiktatur USA gegen das Bündnis der drohenden Atomdiktaturen Russland und China, mit entsprechenden Untergebenen, also Atom-Followern. Da hat der Westen nur Israel, und das ist noch einmal ein Stolperstein.

Ausgangspunkt zwei: Nun, schon länger zweifeln wir am „Westen“ und je genauer wir ihn dekonstruieren, desto brüchiger wird seine Architektur, also stellt man ihn lieber unter Denkmalschutz. Hinweis: Kritik am enggeführten Westbegriff gibt es schon länger, auch hier im Blog, z.B. anhand von Heinrich August Winkler. Aber jetzt wird es konkret: In der ZEIT #37 macht Jens Jessen einen schwer erträglichen Kurzschluss, wonach die Fehlpolitik der „Linken“ den Aufstieg der „Rechten“ AfD u8.a.) begünstigt, wenn nicht bewirkt hatte. Als Antwort reagieren Robert Pausch und Ines Schwerdtner in der ZEIT # 38 unter dem richtigen Titel „So einfach ist es nicht“, aber leider gehen sie nicht tief genug in der Analyse der Linken, weil die ja weniger mit der Arbeiterklasse als mit gesellschaftlichen politischen System zu tun hatte und hat, wie im übrigen die Rechte auch. Meine Konsequenz seit längerem, mit vielen geteilt, rechts-links ist eine fragwürdige Koordinate, teils anachronistisch, teils auch dann nicht richtig, wenn man sich subjektiv eher als alter Linker denn irgendwie als Rechter empfindet.

Zurück zum Ausgangspunkt eins: Allmählich greift die Kritik am Fokus des Westens um sich, nur langsam und oft ideologisch falsch, extrem bisweilen. Auch wenn es im SPIEGEL steht, das Interview mit Josephine Quinn fasst zusammen, was auch ich seit langem bedenke (auch ich ist bescheiden, nicht anmaßend, weil im Alltag der Westen und der Osten schon sehr verbreitet sind): „Die ideologische Tektonik verschieb sich, und der Ausgang ist ungewiss“ (SPIEGEL #37, 108ff.) –> „How the World Made the West“ u.a., und https://en.wikipedia.org/wiki/Josephine_Crawley_Quinn – die Kritik an den West- und Ost-Begriffen ist nicht neu, aber hier zusammengefasst.

Damit ist übrigens auch klar, wo die Linken mit ihrer Kritik an den Rechten etwas danebenlagen, weil sie sich auf eine Arbeiterklasse berufen haben, die es so und mit dieser Ideologie längst nicht mehr gab und die auch früher anders als ein Idealtypus war. Was nicht die Rechten milder beurteilen lässt, nur nicht auf einer Klassenanalyse, die eben nicht schwarzweiss, sondern differenziert war und ist.

Hier kann ich, ohne „persönlich“ zu werden, auf Jugenderfahrung in einem Industrie- und Touristenort zurückgriefen, wo sich das Hufeisen einer Rechts-Links-Klammer historisch und persönlich fast schloss und meiner heranwachsenden kritischen Politik durchaus Probleme machte. Ganz allgemein natürlich, dass viele Faschisten eine linke Vorgeschichte hatten, ja, selbst dass die nsdAp „Arbeiterpartei“ hieß, sind historisch keine Zufälle- und das kann man wissen und nachlesen – und verstehen.

Links im Westen – nehmt die Studentenbewegung(en) ist nur in Deutschland (nicht einmal in Österreich so) durch die Nachkriegserfahrung und -mythisierung verbogen. Das kann man gut und im Detail studieren, und auch die Verdrängungsmechanismen buchen. Der Westen ist nicht links gewesen, nur bisweilen wirklich demokratisch und die Nahtstellen gibt es bis heute. Aber der westliche Nachkriegsmythos hatte ja, neben der Eurozentrik und der Halbabwendung zum Kolonialen und Imperialen, auch eine nationale Fokussierung.

Quinns Kritik umfasst auch Huntington (der ja eine Zeitlang die Hirne gebunden hatte) und sie wendet sich deutlich gegen die Überschätzung der europäischen Geschichte (da verweise ich auch auf W. Behringer (Der große Aufbruch, Beck 2023). Aber weit unterhalb der hohen historischen und philosophischen Ebenen ist ja die Horizontalisierung der Kulturen in unserer Gesellschaft – nicht gleich mit dem Staat – eine Möglichkeit, demokratisch zu bleiben und sich zu entwickeln.

Und kritisch auf den Westen und den Osten, auf die Linke und die Rechte zu blicken, sie kritisch zu bedenken, das hilft ein wenig, politischen Boden unter den Füßen zu gewinnen.

Das erzählt einmal der Regierung

Wer ist schuld?

Eine spannende Frage, wenn man einmal weiß, woran jemand schuld sein kann oder sollte.

Dass die politischen Hetz- und Hassprediger genau diese Frage verneinen, macht ihre Politik ja aus. Lassen wir diesen Bereich außen vor, ist es schon spannend, wie man sich um die Schuldfrage drückt.

Beispiel Dobrindt: da kann man viel von der Verlogenheit des Schuldbegriffs lernen, wenn jemand verantwortlich für eine gigantische Staatsverschuldung ist und sich zugleich für unschuldig erklärt, als hätte er recht gehabt und das Gericht aus einer andern Welt geurteilt.

Die Weltliteratur und die Tagespresse, die Nachbarschaft und das politische Forum….ganz viele Organe und Individuen konzentrieren sich auf Schuldsprüche gegen andere Menschen oder ganze Institutionen, ja Staaten. Um fast immer für die Schuld auch Sühne zu verlangen. („Schuld und Sühne“ von Dostojewski ist jetzt 160 Jahre alt und vielleicht nicht mehr so spannend).

In diesen Tagen regt mich schon auf, dass schuldhaftes Handeln anderer eine Rechtfertigung für eigene schuldhafte Praxis darstellt. Denn da kommt man weder logisch noch politisch raus, das liegt an dem Begriff und seiner Verwendung. Der gesichtswahrende (!) Aspekt entschuldigender Verhandlungen kommt in den täglichen Nachrichten zur Beendigung von Kriegspolitik häufig vor.

Man kann das auch auf den Alltag des Umgangs der Menschen miteinander anwenden. Aber in der Politik ist es wichtiger, wenn mit Schuld, Beschuldigung, Entschuldigung, die Ebene der Meinungsäußerung und ihrer Wirkungen wahlweise eingefangen oder abgeblockt wird.

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Das ist keine Moralpredigt, schon gar kein Schuldschein!

Es reicht ja, wenn man sich einmal die Geschichte der Verwendung des Schuldbegriffs im moralischen oder geschäftlichen Alltag anschaut. Ich zeige, werte Leserin, bester Leser, ja nur, wie mich ein Begriff und seine Familie besonders ärgern, weil sie in die Politik eindringen und dann schwer zu beseitigen sind, etwa mit Ent-Schuldigung. Das ist schon im Alltag fragwürdig, wenn ich mich für die Anrempelung entschuldige oder das Vordrängen, und erst recht im nicht körperlichen Abwenden der Folgen von Lügen oder Beleidigungen. Ökonomisch ist das einfacher: Schulden machen, Schuldscheine einreichen, im Schuldturm verrecken…(Im etymologischen Wörterbuch ist der Begriff „Schuld“ nur einen kleinen Absatz wert…). Aber im Alltag eben ein oft gebrauchter Begriff mit oft verheerenden Auswirkungen…wenn eine Entschuldigung nicht angenommen wird, so schlimm, wie wenn jemand sich nicht entschuldigt.

Psychoanalytisch ist der Schuldbegriff schon ganz spannend, mit Scham verbunden, aber noch mehr mit Entschuldigung, auch mit Sühne… Aber im Alltag…

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Ihr werdet euch fragen, warum ich in meinem Blog so eine Einlassung schreibe. Fehlen mir die spannenden Ereignisse? Keineswegs. Gibt es einen Hintergedanken? Eben nicht. Das ist es, mich ärgert, wie umfangreich der Schuldbegriff um alles und jedes herumwirbelt. Nur schreibe ich ja nicht nur um meinen Ärger loszuwerden. An politischen Ereignissen ist es besonders spannend, wenn die Beschuldigungen sich über die Sachverhalte legen, bis man gar nicht mehr erkennen kann, was wirklich geschieht und wer was wie angefangen hat – bevor klar wird, wer daran schuld hat. Umgekehrt, wenn es klar ist – Russland gegen die Ukraine, zum Beispiel – nützt die Beschuldigung gar nichts, solange man nicht gegenhält. Militärisch waren und sind oft Siege Entschuldigungen, und Widerstand gilt dem Sieger als neue Schuld. Und in der >Politik wie im Alltag gilt, dass es ja nicht immer nur zwei gibt, den Schuldigen und den Unschuldigen, und wenn mehrere Schuldige gegeneinander Gewalt anwenden, dann ist die Schuldzuweisung oft der Anfang weiterer schuldhafter Politik.

Natürlich wäre es quatsch, eine Begriffspause zu verlangen und für eine Weile den Schuldbegriff sagen wir nur den juristischen Institutionen zu belassen. Aber den eigenen Gebrauch des Wortes zu kontrollieren, ist nicht schlecht.

Du bist schuld daran, dass ich jetzt schlecht gelaunt bin? Nein, du

Nichts geht mehr?! Was ist Nichts?

Ich höre und lese pflichtbewusst die täglichen Nachrichten, nicht gern und nicht inspirierend. Auf neue Ideen bringen sie mich nicht, und mit vielen Analysemikros kann ich nichts anfangen. Auch der Vergleich mit dem, was Deutschland in die Schlagzeilen gibt mit London, New York und Wien, macht Aufwand, aber es erhellt das Bewusstsein nur mäßig. Die stete Wiederkehr des Murmeltiers oder Weihnachtsmärkte macht den Jahresrhythmus nicht besser.

ODER

So war es immer ?? in der Geschichte, die einen profitieren, den andern geht es immer schlechter, und die Meisten wollen sich das begütigend erklären, und die Armen sollen sich nicht so haben, usw. Die politische Ökonomie lehrt, dass im Zweifel die Wirtschaft die Politik und nicht umgekehrt dirigiert, und das trägt alles zum Fortschritt der Menschheit bei.

UND ABER

Beides stimmt nicht. Oder es stimmt zugleich. Sonst würde ich mich damit ja nicht unruhig befassen. Die Weltnachrichten kann man zwischen den Zeilen durchaus verstehen, wenn man hinhört und hinschaut. Ungut, ja, wie sich die politischen Kräfte neu sortieren, wie tektonische Platten, nur sind die Erdbeben der Politik im Vorfeld von Kriegen nicht so heftig, und danach gewöhnt man sich daran, wenn man nicht gerade selbst betroffen ist. Aber das sind wir ja, sowohl was Umwelt als auch stabilen Frieden betrifft? Ja schon, aber über die nächsten Wahlen hinausschieben.

RESIGNATION VERSUS RESILIENZ

Ärgerlich, dass nicht nur unsere Regierung verbal die Probleme scheinbar erkennt und benennt, nur – was tatsächlich macht, verzögert nur das Bewusstsein um die globalen und lokalen Krisen. Nimmt man das hin und verklärt das sogar als pragmatische Einigkeit der Regierung der „Mitte“, dann wird man von der Wirklichkeit umso härter getroffen werden, man ´wir, unsere Kinder, Enkel, Freunde….Lest einmal über den Kriegsbeginn 1914…

Wir dürfen uns nicht unseren Meinungen hingeben, sondern politisch den Widerstand erst unserer Psyche, dann unserer Praxis einrichten; widerstandsfähiger werden und – für die Umwelt kämpfen, umso mehr, als die Kriege ja die Chance der Umweltrettung weiter ausdünnen.

KEINE IRONIE

ist es, wenn ich meine, wir können „Neben“widersprüche vorsichtig beiseite legen, um die wirklichen Widersprücher, die Erdbeben tektonischer Gesellschaftsplatten, zu überleben und den Widerstand zu beleben.

Darüber kann man sprechen und man kann handeln. Nicht einfach ankündigen und Kommissionen einrichten. Die Zeit drängt und unser Leben ist kurz. Wer es nicht glaubt, soll wieder bei Ovid das VORLETZTE Zeitalter lesen. über das letzte gibt es wenig zu erwarten.

Väterrente, Hunderente, Rentnerrente

Der bairische Gockel und seine getreuen Regierungsdiener haben schon erheblichen Einfluss auf die matte Merzregierung. Münchner Vor-Merz kann man schon sagen. Verschwendung unserer Steuergelder zugunsten von sozialer Anwerbung der kuscheligen CSU-Wählerinnen, weiterer Abbau der Stütze für die ärmeren StaatsbürgerInnen, überhaupt: staatlich verordnete Verarmung, bevor wir weltwirtschaftlich und europäisch ohnedies den Gürtel eng schnallen müssen, weil die Russen kommen und die Amerikaner uns nicht helfen. Man kann auch, bösartig, ich gebe es zu, Nachkrieg ist endgültig zu Ende, Vorkrieg ist Realität, den Westen gibt es jetzt auch nicht mehr, wo es doch den Osten schon nicht so gegeben hatte, wie die Rhetorik der Konservativen ihn immer angerufen hatte.

Aber zurück zu Söder und seiner Gefolgschaf6t. Warum nur Mütter zu Rentieren machen und nicht auch Väter? Wer ein Kind zeugt, natürlich, nicht klinisch befruchtend, wer also kohabitiert und dabei einen Baiern oder eine Bairin herstellt, sollte dafür eine Fruchtbarkeitsrente bekommen, 25 € im Monat und ein Freibier beim Oktoberfest. Das würde a) die Zeugung zur Überzeugungstätigkeit aufwerten, b) die Steuern von der städtischen UBahn auf die ländlich-männliche Laufbahn umlenken und c) deutlich zeigen, welche historischen Vorbilder sich die CSU zu eigen macht. Nicht nur christlich-sozial.

Und dann weiter: wenn Frauen und Männer Rentiers werden, warum nicht Hunde auch? Sagt doch der Baier gern zu seinem Gegenüber „Du Hund, du!“. Der Hund ist das Vorbild für die bairische Sündax. Also soll er verrentet werden, sagen wir, in drei Klassen: Schoßhund, Jagdhund, Schweinehund…5 € pro Tier im Monat, der Schweinehund mit einer symbolischen Prämie vielleicht? Aber, bitte, nur bairische Vierbeiner, keine deutschen oder gar europäischen Sozialschmarotzer…nein, man muss schon gerecht sein.

Und dann, wenn wir schon dabei sind: wir brauchen die Rentner-Rente. Wenn die Rentner, meist Rentner-innen, lange genug Rente beziehen, dann haben sie dafür eine Rente verdient. Auch die Rentner sollten nach 30 Jahren in Pension gehen dürfen.

Söder und Dobrindt sind schon Rentiers. Die brauchen gar nicht mehr in Pension gehen. Die dürfen weiter unser Land nach Hinten weiter zerstören, dann schmerzt der Angriff von Außen weniger. Sie können sich ein Vorbild an Xi nehmen: keine Sozialsicherung, nur Wandel durch Handel, sozusagen anbandeln über die Bande.

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Ich wache früh auf. Die Nachrichten widerlegen meinen Traum nicht. Naja, Fön…