Ist doch alles so schön, wenn man in den wolkenlosen Himmel über Potsdam schaut, die Sonne und der kühle Wind. Natürlich: es ist sehr trocken und bleibt es wohl wieder eine Woche lang, anderswo regnet es, aber hier… Natürlich wollen alle über Politik reden, von der Ukraine bis zum Gaza, manche auch über den Sudan und Kongo und die Erdbeben in Südostasien, sogar über Trump und Kimmel wollen sie reden, und unermüdlich über die deutsche Regierung, die endlich aktiv werden muss, damit die Wirtschaft die Kultur und die soziale Wirklichkeit mit weniger Schulden wirkungsvoller unterstützt. Dabei reden sie eigentlich nicht über Politik, sondern über ihre Meinung dazu, also nicht, was sie alternativ zu tun empfehlen und was sie selbst machen wollen.
Noch immer keine Wolken, es bleibt schön, als ob die Umwelt sich auf den Ausblick konzentrieren möchte, wo es immer weniger Einblicke gibt. Gäbe es mehr, wäre die Umweltpolitik zentral und dynamisch und vielleicht wirkungsvoller, also wirklich Politik. Man kann manches nicht vergleichen: die dumpfe Stille vor dem Ausbruch des schon erwarteten Gewitters und die schwere Stille eines nicht wirklich abwendbaren Krieges, der nur anders ist als die Erzählungen und Erfahrungen bisheriger Kriege und Waffengänge. Aber viele unserer inneren Bewegungen sind vergleichbar und bedrückend, auch wenn ihre Anlässe unvergleichlich sind. Und wenn wir Widerstand aufbauen, so gegen die psychische Bedrückung in uns, nicht gegen die Wirklichkeit draußen, in der Welt, von unseren Gefühlen nicht beeinflusst. Warum ich den Vergleich ziehe: das Gewitter zieht ab, nach einiger, meist kurzer Zeit. der Krieg, die Zerstörung, die Folgen….ziehen nicht ab. Und schon gar nicht von selbst.
Kaum Wolken, helles Licht. Natürlich lebt es sich besser als die kleindenkenden Politiker es einem einreden, wenn sie Geld brauchen, aber so weit wissen das alle: nur weil es uns jetzt gerade besser geht als den meisten anderen, ist nichts entschieden, im sozialen Kontext von Karthago III gehen wir nicht in das Lager Rom Nfg. und ergeben uns vorzeitig. Deshalb schreibe ich ja auch.
Zum Widerstand gehört auch, so zu leben, wie man es für richtig hält in den Umständen, die herrschen, nicht denen, die kommen werden. Selbst die Vorbereitung auf soziale Rückstufungen, auf politische Pression und Widerstand kann nicht beinhalten, uns dort zu verkleinern, wo wir ganz richtig leben, von morgens bis abends. Das klingt absurd, ich weiß. Ist es aber nicht.
Europa, Deutschland, unsere Umgebung….werden nicht zu den Siegern und Paradiesen der Entwicklung der nächsten Perioden gehören. Das kann man begründen, politikwissenschaftlich, nicht unbedingt historisch, aber sich auch durch genaueres Durchdenken dessen, was wirklich geschieht, nicht, was in den Kommentaren übrigbleibt. Die Zerstörung der Kultur, die Zerstörung des Sozialen machen unser Leben schlechter und retten unsere Gesellschaft natürlich nicht, nur weil der Goldpreis und die Wirtschaftsdaten steigen. Und all das erreicht uns, früher oder später, eher früher, und der Widerstand macht uns, paradox, doch eher lebensfroh, mit dem NOCH, noch leben wir, noch denken wir, meinetwegen noch lieben, aber jedenfalls gleiten wir nicht die Apathie des „Man kann eh nichts machen“. Der Widerstand: „Es muss etwas geschehen“, ist näher als die kollektive Apathie, das haben wenigstens einige von uns schon gelernt.
Lebensfroh, das ist auch das NOCH leben wir besser als viele. Das kommt nur in den Kommentaren zu Gaza, Ukraine und Kongo nicht vor, oder bestenfalls zu wenig. Die Wiederherstellung der Politisierung des Alltags ist das Gegenteil der sporadischen Stimmabgabe für die Politik der Anderen, denen wir doch nicht vertrauen….würden wir ihnen vertrauen, könnte das ja zusammengehen: Politik und Gesellschaft.