Politische Freiheit, Kretschmann

Meine GRÜNE PARTEI hat noch keine lange Tradition, wie die sozialdemokratischen oder christlichen Volksparteien – die sind ja im Abstieg, und was mit den GRÜNEN geschieht, wird man noch abwägen und sehen. Hoffnung besteht und Zuversicht. Dazu trägt ein Gründer besonders bei: Winfried Kretschmann, Ministerpräsident von BaWü und ein nachdenklicher Praktiker. Und Intellektueller. Er hat ein Buch zu seinem bevorstehenden Abschied aus dem Amt geschrieben: Der Sinn der Politik ist Freiheit. (Patmos 2025). Ich empfehle das Buch wie auch die wirkliche Geschichte des Ministerpräsidenten sei 2011, weil sie eine wirkliche Alternative innerhalb der Grenzen des Möglichen in einem Land ist, das seine Begrenzungen an sich zu eng zieht. Ich kenne Kretschmann seit frühen politischen Tagen, er hat mich sicher aus den Augen verloren, das macht nichts. Immerhin kann ich ihn hier als Kretsch abkürzen.

Auf den ersten Blick ist das Buch eine umfangreiche Analyse der Wirkung von Hannah Arendt auf die Einsichten und auf die Politik von Kretsch, und nur ganz am Anfang verwirrt diese Zitation, die ja auch eine Selbstzitation wird, ab dem 2. Kapitel immer wichtiger – weil Kretsch immer stärker seine politische Praxis als Folge von Einsichten auch konkret darstellt, und das kann man ja in BaWü nachvollziehen. Es ist sozusagen der Einfluss von Arendt über den Politiker auf die Politik, und auf die kommt es ja an. Mich hat neben Arendt besonders gefreut zu lesen wie Noah Yuval Harari und Ivan Krastev zur Politik beitragen, neben einer sehr ausführlichen Liste von anderen Bezugspersonen – und dabei geht es nicht um die Bildung des Autors, sondern um eine Politik. Dieser Punkt berührt mich besonders, weil viele Politiker ihre Position mit Zitaten sozusagen ornieren wollen, und Kretsch eher seine Praxis mit Hinweisen auf ihre Legitimation beschreibt. Zu dieser Praxis in BaWü übrigens merke ich an, dass es oft kleine, aber langdauernde Schritte sind, die eine großflächige Mitgestaltung der Demokratie durch die Bürgerinnen und Bürger bewirken. Das ist auch eine wirksame und nachhaltige Bewertung von Kretschmanns politischer Praxis im Vergleich zu vielen anderen spontanen Aktionismen.

Man muss nicht mit allem einverstanden sein. Aber wie die politische Praxis begründet wird und wie man sich aus vielen dogmatischen Definitionen befreien kann, das zeigen beide, Arendt und Kretschmann.

Werte Leserinnen und Leser: das ist keine klassische Rezension und geht nicht in Details, Vielmehr ist es eine Empfehlung für beides: Theoretische Orientierung und nachvollziehbare politische Praxis in einem guten Teil unseres Landes.

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