Nein, so etwas sollst du nicht machen, das stimmt ja so auch nicht und 80 Jahre sind dazwischen und … bei Freunden, die so reagieren, frage ich nach den Differenzen, bei anderen, die mich kritisieren, frage ich nach der Begründung. Natürlich kenne ich die Unterschiede, die Zeitläufte, die Medien…mache aus dem Vergleich ja keinen Boulevard. Aber auf meine Rückfragen, wie man denn die heutigen drei AtomDiktatoren einordnet, politisch, als machtvolle Personen, bekomme ich kaum Antworten. Schade. Ich weiß schon, dass Hitler nicht Trump ist oder Putin, dass Stalin….dass Xi…Manchmal habe ich den Eindruck, dass die Genannten sich in einer über-menschlichen Sphäre wahrnehmbar machen und wenn man sie nicht anbetet, dann steckt man sie übergroß in die Hölle. Die drei Gewaltherrscher unterscheiden sich von ihren Untergebenen und ihrer Gefolgschaft dadurch, dass die Macht so ausüben, dass ihr niemand gefährlich wird oder konkurriert, und dass ihr jeweiliges Staatsvolk sie zugleich maßlos fürchtet und weitgehend anbetet. In den steilen Vertikalen der Macht gibt es keine Abstufungen der Mitherrschaft. Nur Instrumentalisierungen.
Warum soll man die fünf Diktatoren nicht mit einander vergleichen und viele andere Diktatoren aus dem Vergleich ausschließen? weil sie in der einen oder anderen Weise von den drei Selbstherrschern abhängen, auch wenn sie noch so bedeutend erscheinende Gebiete beherrschen und in ihren Rayons grausame Diktatoren sind…Wenn jemand fragt, wie das gekommen sei, ist die Antwort anders als die Analyse der gegenwärtig jeweiligen Ausübung der Herrschaft.
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Ihr habt meine begeisterte Kritik an Empolis Raubtieren gelesen. Drei Jahre vorher hat er einen Roman geschrieben, der das Modell Putin aus der Sicht eines fiktiven Begleiters darstellt und analysiert. (Der Magier im Kreml, München 2023, CH Beck). Wenn man die romanhaften Einrahmungen weglässt, ist es eine gute Erzählung von einem der drei mächtigsten Diktatoren. Was mich dabei fasziniert ist die Tatsache, dass und wie keine Konkurrenz den Herrscher wirklich gefährdet, wenn er einmal der ist, der herrscht. Empoli hätte auch eine Analyse ohne romanesken Rahmen schreiben können, da haben wir zu Putin viel weniger als zu Hitler und weniger als zu Stalin oder Xi. Aber dann hätten es sehr viel weniger kluge und kritische LeserInnen gelesen und vor allem reflektiert, was den Umgang (in) der Politik mit diesen Herrschern und ihren Handlangern betrifft. Was diese Handlanger betrifft, sind sie ja die ständigen „Partner“ unserer Politiker und Analysten. Aber die Differenz, mächtig sein oder im Auftrag der Macht Macht zu verteilen, anzuwenden, – darauf kommt es schon an, oder?
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Ich mag hier keine wissenschaftliche oder journalistische globale Debatte zum Thema herbeizitieren. Mich beschäftigt etwas, das vielleicht mehr grundlegend ist: die Ausübung von Macht über Angst und Anbetung. Wie eine Diktatur Angst erzeugt, ist weithin bekannt. Wie sie sich aber trotzdem (und nicht einfach deshalb und scheinbar) anbeten lässt, erklärt sich nicht von selbst. Faktisch ersetzt die Anbetung die nicht eingetretenen Verbesserungen des Lebens, der Grundlagen von Alltag, Kommunikation, Ernährung, Freizeit etc. Dass das so ist, kann man nachweisen. Aber warum ist es so? Ich denke, hier müssen wir auf die Entwicklung von Zivilisation, Autonomie, aber vor allem auf die Ziele und Wünsche innerhalb der begrenzten Lebenszeit eingehen, die nur durch die verschiedenen, früher meist religiösen, Jenseitsvorstellungen ausgebremst und vertagt werden. Heute, ohne Jenseits, werden Lebenserscheinungen propagiert, die den eigenen Bedürfnissen entgegenstehen, aber nicht nur durch Gewalt erzwungen werden, sondern geradezu den Zusammenhalt konstituieren, Gemeinschaften fixieren. Gegen die rationale Einsicht, gegen das Kalkül der eigenen Reichweite, der Verantwortung gegenüber anderen usw. – kennen wir ja alles, aber dennoch: warum ist das so?
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Alternative. Streicht Hitler, Stalin, Xi und streicht die Geschichte der Tyrannen in den jeweiligen Erdteilen. Bleiben wir bei Trump. Einer der besten USamerikanischen Intellektuellen, Fintan O`Toole, in Irland geboren, schreibt in knappster Form eine gegenwärtige Trump-Kritik "Whose Hemisphere?", (NYRB LXXIII, 10-12), am 13.1.2026, also nach Dänemark, Venezuela, vor Kuba, und wir brauchen keine Vergleiche - Evidenz schlägt die Metapher. Er lässt keinen Zweifel an der US Eroberungspolitik und beschreibt sie deutlicher als z.B. die deutsche oder europäische Außenpolitik. Hier werden die USA ihren Willen durchsetzen, wirtschaft-lich, militärisch. Diplomatisch zählt ohnedies nicht. Und im Zuge der Eroberung zählt die Kultur gegen die Doktrin nicht. Aber selbst Venezuela lässt ihn die Kehrseite beschreiben "Yesterdays assets are being seized for an antiscientific ideology that has no tomorrow“. Erobern kann Trump, aber die Hemisphäre verwalten, gar bedienen, kann er nicht, er kann sie nicht kaufen .
Vieles von dem kann man zurückklappen und den früheren Diktatoren zuschreiben, nicht alles. Siehe oben. Aber egal: wir werden unter der Eroberung durch die USA noch mehr und wir werden wirklich leiden. Aber sie werden uns nicht behalten.
Und jetzt macht euch die Mühe: ersetzt die Namen jeweils und schaut die Entwicklung der Diktatur genauer an als den Vergleich mit der Vergangenheit. Jetzt geht alles sehr schnell. Und der Diktator Trump sieht sich, wie vor ein paar Tagen, demnächst im Sarg, aber seine Macht bleibt bestehen, meint er. Dumm waren und sind sie alle nicht, die Tyrannen. Nur ihre Gefolgschaften. Aber das schützt sie nicht vor den Menschen, wenn sie selbst schon Raubtiere sein wollen und können (Empoli). Umgekehrt: angenehm wird das für uns Menschen aber auch nicht. Da haben wir schon einiges versäumt.