Fast alles, sofort und überall

Die Medienhypes überschlagen sich. Papstwahl – ist ja spannend (mit der Zeit gewöhnt man sich daran, dass viele sich freuen, endlich etwas anderes, neues kommentieren zu können, für ein paar Tage), Regierungsbildung – ist ja spannend für die Beteiligten. Das Volk schaut erstmal zu, wer zu früh kommentiert, wird durch den zweiten Wahlgang ernüchtert, und auch hier ist Zurückrudern angesagt. Trumpzölle – seid mal ehrlich, kommt ihr noch mit? Zölle, Gegenzölle, Zollaufschub, Zollrevanche, Abbau und Überzollung…Wir spüren oder werden spüren: die Wirkungen, aber was sich jetzt abspielt ist ein Marionettentheater.

Die Kriege, Gaza, Westbank, Libanon, Kongo, Sudan, und natürlich UKRAINE, alles wird verpackt in kurzfristige Ereignisse, von denen aus man auf die politische Wirklichkeit schaut, z.B. Papstwahl, Regierungsbildung. Man merkt, dass die wirkliche Multipolarität nicht schon deshalb eine Landkarte entwirft, in der man sich zurechtfindet. Gerade höre ich im Rundfunk die Aufnahme und Kritik von Aufnahme und Kritik des öffentlich-rechtlichen Rundfunks – was stört die Hörerinnen und Hörer an der Wirklichkeit, Kontrovers: zu viel Krieg – zu wenig Krieg in allen Variationen.

Ich rede gar nicht von mir. Ich beobachte die Reaktionen auf Ereignisse und die Kritik an den Medien. Wenig Diskussionen darüber, woher man weiß, was man in den Medien so oder nicht so oder überhaupt erfahren möchte. Das wäre für mich der Zugang zu einer spannenden Auseinandersetzung. Zur Zeit schaut es so aus, als würde man überwiegend die Boten angreifen, nicht die Botschaften…

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Ich bin nicht plötzlich konservativ und zurückhaltend geworden, dann bräuchtet ihr meine Blogs nicht mehr zu lesen. Aber ich bin dabei, die unglaublich verwirrte weltpolitische wie deutsche, lokale Situation für mich, zunächst, und dann für das Angebot im Blog zu ordnen. Und dazu ist es wichtig, die Wirklichkeit immer bloßzulegen – was geschieht wirklich, wer hat was in welchem KONTEXT WIRKLICH GESAGT; WAS FOLGT DARAUS? Sonst müsste man keine Blogs schreiben oder die Medien so ausweiten. Und das bedeutet, vorschnelle Meinungen und Ergebnisse wegzuräumen, wenn sie den Blick auf die Wirklichkeit verschatten oder ablenken.

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Mein Beispiel wird euch nicht überraschen. Ich habe viel und und genau über Faschismus und seine derzeitige Ausbreitung geforscht und gelernt. Ich werde dazu auch weiter arbeiten. Und mir ist wichtig, dass das alte R-L Rechts Links Schema nicht einfach passt, es gibt auch Linksfaschismus, aber natürlich ist seine Mehrheit rechts. Was wissen wir dazu, historisch und aktuell?

Und dann eine heikle Frage: wieweit gibt es hier Überlappungen und Überschneidung zur neuen rechtsorientierten deutschen Regierung? Um es klar zusagen: die Politik gegenüber Migrantinnen und Migranten ist rechtslastig, sie ist in Deutschland vielen EU Ländern unterschiedlich empathielos und ausländerfeindlich. Sie ist also politisch rechts, aber nicht notwendig faschistisch. Genauso wenig, wie bestimmte faschistische Politiken, z.B. Melonis Außenpolitik, rechts sind. Das nun ist keineswegs trivial, es kann politisch enorm einflussreich und kontrovers sein. Ich sag jetzt nicht gleich, Faschismus studieren und die RechtsLinks-Bewegung analysieren. Aber wissen sollte man dazu einiges.

Hinweise für diesen Lernauftrag kann ich natürlich geben, faschismusdidaktisch ist dieser Blog nicht. Und eben auch nicht an Extremen orientiert, die die Auseinandersetzung entweder trivial oder zerstörerisch gestalten. Deshalb auch mein Misstrauen gegen vorschnelle Kommentare zu den Kommentaren. Beobachten hilft dem Hirn auch. Und wenn niemand im Raum ist, dem man seine Beobachtungen sofort mitteilt, dann muss man sie nicht umgehend hinschreiben, man kann sie etwas durchdenken. Abstand ist manchmal nicht nur ein Gebot der Klugheit, manchmal ist Abstand auch hilfreich, um zu Ergebnissen zu kommen.

Hat das mit heute zu tun?

Michael Köhlmeier:

In einer umfassenden kurzen Auszeit der letzten Wochen lese ich ein Buch. Michael Köhlmeier, Spielplatz der Helden, 1988: einer seiner ersten Romane. In der Nachbereitung dieser Lektüre wird mir erst klar, wie viel dieser Autor * 1949 geschrieben hat, wo er politisch und wie sich geäußert hat, und ob er oder das Buch über die Antarktis, Südtirol und eine Beziehungsgeschichte mich stärker für Autor interessiert. Es kann der Umstand der Auszeit sein, der mich tiefer in das Buch hat einsteigen lassen, und jetzt, hier, folgt keine literarische Kritik. Ich kannte ein paar wenige Bücher des Autors, wusste um seine endlose Preis- und Ehrungsliste so wenig wie seine politischen Positionen. Fragt mich jemand nach Autor und Buch, nenne ich ihn einen guten Schriftsteller, wobei gut nicht auf- oder abwertend ist, sondern eben gut, anders als sehr gut oder ganz gut oder schlecht. Ausgangspunkt für das Romanthema war eine Grünlandexpedition von drei Südtirolern. 1983 wurde Robert Peroni „…international bekannt durch die Erstdurchquerung des grönländischen Inlandseises an seiner breitesten Stelle. Diese Nordtransversale unternahm er 1983 gemeinsam mit den Südtirolern Pepi Schrott und Wolfgang Thomaseth. Die 88 Tage währende Expedition unter extremsten Bedingungen ist auch Gegenstand seines Buches „Der weiße Horizont“. Die 1400 km lange, lebensgefährliche Durchquerung Grönlands wurde ohne Hilfsmittel und Versorgungsdepots durchgeführt“.[ Köhlmeier hat die Expedition bewundert, das Buch ist den drei Expeditionsteilnehmern gewidmet, allerdings mit anderen, erfundenen Personen. Das habe ich alles erst im Nachhinein genauer durchleuchtet, das Buch hat mich über die Zeit gebracht.

Da nun keine literarische Kritik folgt, also keine eigentliche Rezension, ist es vielleicht nur eine Überlegung in einem ungewöhnlichen Zustand, und ein Abschluss mit einem zweiten Buchhinweis, zu Adalbert Stifter, den man vielleicht hier nicht erwartet hätte, und der mich am Ende dieser Lektürephase, sehr beschäftigt hat.

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Es gäbe sehr viele thematische Ausgänge, die in ganz andere Sphären führen könnten, aber die vorhandenen reichen. Wenn man ein bisschen etwas über Expeditionen weiß, freut man sich über die karge und schmale Vorbereitung ebenso wie über die nicht im Mindestens abgeschlossene psychosoziale Vorbereitung dessen, was überhaupt funktionieren kann. Was in der Familie, im Umfeld vor dem Aufbruch abgeht, Das Eindringen des journalistischen ist spannend. Und wie es zu Ende geht, gut, würden wir sagen und nicht nur Überleben, sondern es lebt sich weiter (womit zwei Drittel des Buches einen Rahmen haben, in dem sich dann ganz anderes abspielt: Beziehungen, Politik etc.). Die gegenwärtige soziale und individuelle Situation der Berteiligten, Südtirol, das Private, die Studienexkurse nach Marburg, RAF etc., das kann alles rein, die erfolgreiche Beziehung des Journalisten mit Pia bis zur letzten Zeile ist wie ein Gegenbild zum Erzählstoff, obwohl die Beziehungsgeschichte oft wie die Grönlandwüste ihre Unfassbarkeiten hat. Ich habe mich beim Lesen mit den Situationen, dort wie hir, eher identifiziert als mit den Personen. Und das fertig gelesene Buch beiseite gelegt, dankbar für die Überbrückung der Auszeit…wären da nicht Nachwirkungen gewesen. Ich kanns nicht aufschlüsseln, aber einige Beschreibungen haben mich (wieder einmal) zum erstklassigen Adalbert Stifter gedrängt und zu dessen bestem Text „Bergkristall“. Auch hier geht es um eine in Frage stehende Rückkehr. Das reicht für die Verbindung nicht, hier sind es Kinder in den österreichischen Bergen, und obwohl keine tragfähige Ortsbeschreibung vorhanden ist, weiß ich doch so ungefähr, wo sich was abspielt. In meinem Studium und seither spielt Stifter eine wichtige Rolle, aber hier geht es um Vergleich auf der nicht positivistischen Beschreibung. Die Landschaftsbeschreibung ist so großartig und umfangreich, wie die Soziologie der Familienbeziehung präzise ist, um die beiden Welten – Welten! Zwei Dörfer, diesseits und jenseits des Sattels, über den die Kinder gehen, um die Familie auf der anderen Seite zu besuchen. Irgendwie kommt mir das Ganze heute noch bekannt vor…Landschaft, Gesellschaft, die in die Irre führende Wanderung – und nur ganz wenige Seiten werden der Rettung der Kinder gewidmet, bevor sie wieder nach Hause geholt werden und daheim sind. Sie haben sich am Leben erhalten, weil gutes Wetter (Schneefall!) war und kein Wind ging, das wird genau beschrieben. Das kurze Dankesgebet der Retter ist aufgeklebte Formalie. Keine Romantik.

Die Erinnerung an das strenge Seminar zu Stifter bei einem weniger fortschrittlichen Hochschullehrer ist nicht völlig überblendet, aber von ihm hängt fast nur mehr die Zählung der „Ja“ und „Nein“ Kommentare des Mädchens zu dem älteren Bruder…

Insgesamt ist dem Köhlmeier schon zu danken, für die Aufnahme des ja jetzt aktuellen Grönlands, vielleicht auch für seine frühromantischen Beziehungsgeschichten, und dafür, dass ich wieder „Bergkristall“ gelesen habe, Juwel nach der Romantik. Der Realismus macht die Wahrheit eher besser.

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Nun könnte man fragen, warum ich dieses Leseerlebnis hier ausbreite. Was ich sonst alles lese, beschreibe ich hier ja auch nicht. Aber da man mir die Grönlandgeschichte vor Augen gebracht hat, habe ich sie gelesen, und schon der Unterschied zu den Expeditionsbüchern meiner Jugend war frappierend, positiv: weil die Reiseumstände und Vorbereitungen keinen gewaltigen Rahmen für das Bild der Entdeckung darstellen, und auch, weil das Meiste, das geschieht und dargestellt wird, mit der Expedition wenig bis nichts zu tun hat, es sind Dialoge, Monologe dreier Akteure, die wer weiß warum zusammengefügt die Durchquerung der Insel geschafft hatten. Also wird der Phantasie und den Assoziationen ein weiter Raum gegeben, den meine etwas gelockerte Disziplin eben bis nach hinten zu Stifter ausgenutzt hat.

Ich kann beide Texte empfehlen.

Abwärtsspirale. Seht ihr?

Mit meiner Warnung, Merz und seine Regierung kommentieren, hatte ich doch im letzten Blog Recht? Oder? Aber mich freut es nicht. Die Abstimmung im Bundestag dienst ausschließlich den Diktatoren (Putin & Trump freuen sich), den Faschisten (AfD und BSW freuen sich), den zu Kurz Gekommenen. Und wie es weitergeht? Egal, nur ein japanisches Kunstwerk, die zusammengeklebte Vase, erinnert daran, dass der Sprung im politischen Porzellan nicht nur Merz/Co., sondern uns, uns Deutsche, Europäer, Demokraten, schaden wird.

Natürlich können Altmodische sagen, was schlecht beginnt, kann nicht gut ausgehen…die haben nur keine Alternativen. Einige der Koalitionsgesichter haben erstaunlich fröhlich die Mundwinkel anzucken lassen, bevor allgemeiner Ernst einzog.

Vorschlag: weiterhin nicht kommentieren. Bevor die neue Regierung nicht im Amt ist und ihren ersten Entschluss umsetzt, weder Lob noch Kritik.

Man kann mir vorwerfen, dass ich schon immer gesagt habe, wen ich verachten den/die kritisiere ich nicht. Aber eine Regierung muss man kritisieren können. Und zwar anhand dessen, was sie tut oder unterlasst und anhand der Folgen. Außerdem gehört Verachtung selten zu den institutionellen Reaktionen auf unterirdische Wirklichkeit. Also: Wartet noch ein wenig ab.

Wie wird das Wetter? Und die Regierung Merz?

Wenn man sich vornimmt, nichts zu kommentieren, wozu man nichts für andere zu sagen hat, oder was nicht für erklärungsfähig hält, hat das zwei Folgen: die (unendlich große) Zahl der interessanten Themen, Personen und Überlegungen wird nicht überbaut. Man hat die Auswahl, ohne vom Terror der Aktualität (Jean Améry) ausgebremst zu werden. Die andere Folge ist, dass man von der Wirklichkeit, die einen wirklich stört, verfolgt wird: sag doch was, schreib doch was….nagt es dann im Unterbewu8sstsein. Es drückt mich dauernd hin und her. Die „Taktik“ der Blogs zwingt zu Kompromissen, und die können selbst politisch sein.

Zu den Frechheiten und Bosheiten von Vance und Rubio MUSS man etwas sagen, ähnlich wie das AA, aber vielleicht schärfer, nur: was genau?

Zur Qualität der neuen deutschen Regierung kann man leichter etwas sagen, aber das ist komplex.

Und verbindet man die beiden, wird’s richtig, aber nicht einfach.

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Dass die Trumpregierung ihren faschistischen Unterbau gegen die deutsche Demokratie hetzen lässt und sich hinter Meinungsfreiheit versteckt, ist kein Ausrutscher, sondern konsequent. Es geht hier nicht um Meinungsfreiheit, sondern um unrichtige und/oder ausländerfeindliche Positionen. Ein CDU Mitglied fasst das wie folgt zusammen – längerer Artikel – kritikwürdig eben nicht wegen des Freiheitsbegriffs, sondern wegen der ausländerfeindlichen Migrationskritik: „In meiner anderen Heimat USA gibt es auch viele gesellschaftliche Probleme, aber es gibt keine Masseneinwanderung aus islamischen Ländern. Und das ist laut unserer Polizei das größte Problem in diesem Land, nicht die AfD. Wie lange werden Journalisten hierzulande wie Papageien dem politischen Verfassungsschutz nachplappern, die AfD sei gesichert rechtsextrem? Wie lange lässt eine gesellschaftliche Mehrheit das mit sich machen? Ich kann nur mit Rio Reiser sagen: „Macht kaputt, was euch kaputt macht!““ (AfD-Debatte: Warum Marco Rubio mit seiner Deutschland-Kritik recht hat. Artikel von Johanna Freymann, BZ 4.5.25). Hinter diesen wenigen Zeilen steckt so viel Ausländerfeindlichkeit, und die ist ja menschenfeindlich. Und Rubio nützt das so aus, wie das Heranpirschen Musk an die AfD u.v.m. Was erwartet man von Faschisten anderes? Dass sie nicht einheitlich regieren und reagieren, liegt am Faschismus, nicht an seiner Grundeinstellung. (Vgl. Umberto Eco 2020: Der ewige Faschismus; verschiedene Faschismen, Bach und Breuer: Faschismus als Bewegung und Regime 2010; und sehr viel andere mehr). Der Diktator Trump macht sich die Faschisten untertan, als Diktator bekommt er kein Adjektiv, er kann auswählen, undemokratisch). Viele der protofaschistischen Keime dringen auch in (unsere) demokratische Strukturen, immer schon, und WIE sie abgewehrt werden, ist wichtig, DASS gehört zur Demokratie. Von hier kann man gut die neue Regierung heranziehen. Falosch ist, wenn Kommentatoren und Freizeitanalytiker jetzt schon wissen, wie die Regierungsmitglieder agieren werden, was sie falsch machen werden und wozu sie nicht taugen, bzw. umgekehrt, wie gut und richtig sie ausgewählt wurden. Es zählt, was getan wird. Praxis erstmal, dann Ideologie bzw. ideologische Begründung. Ich habe so wie viele meine Meinung und Prognose zur neuen Regierung, aber jetzt halte ich sie zurück, um mögliche Kritik und Zustimmung nicht zu entwerten. Lass sie übermorgen anfangen, und ab Donnerstag kann die Kritik greifen, oder vielleicht auch ein wenig später.

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Hey, sagen meine Kritiker, soviel Vorsicht haben wir von dir nicht erwartet. Ich antworte leise, dass Korrekturen falscher Prognosen nicht Meinungen sind, sondern hochpolitisch sein werden. Ein Beispiel über nachtragende und effektive Wirkung einer sehr klaren, aktuellen Meinung: Trump ist an der Macht (nicht davor). Trump-Kritikerin: Evangelischer Kirchentag feiert Bischöfin Budde – ZDFheute 5.5.2025; Interview auch heute DLF 10.00). Es geht um die Wirkung nicht um den Ausgangspunkt, in diesem Fall. Die Wirklichkeit der Kritikerin hat die Wahrheit der Trumpschen Macht empfindlich und langfristig verletzt. DAS ist richtig. (Und es geht nicht darum, die Kirchenkritik vorzuziehen und dann den Einzelfall herbeizuholen). Wir können – um zum Thema zurückzukehren – aus Merz`Geschichte und der Entwicklung seines Regierungsteams alles Mögliche ableiten, aber keine Prognose, ebenso wenig wie aus dem dürftigen, voluminösen Regierungsprogramm. Das kann man aus der politischen Geschichte seit…meinetwegen Macchiavelli ablesen: wie geherrscht wird, wie sich die Macht präsentiert, und nicht, was im Programm steht, entscheidet. Relativieren: nicht so grausig wie im Absolutismus, es gibt ein paar Sicherungen, aber…

Reden wir in einem Monat über die ersten Bilanzen. Erst jede(r) für sich, dann wir alle. Dann könnt ihr leichter sagen: ich habs ja gewusst.

Vor dem Mai…nach dem Fortschritt

Ich hatte eine persönlich bedingte Pause beim Schreiben von Blogs und beim Kommentieren von Nachrichten und Neuigkeiten. Eine Woche…das tut gut. Keine Wallungen gegenüber der Zusammensetzung der neuen Bundesregierung, weder Wut noch Depression. Den Start marginalisieren, das kann auch als ehrenvolles Verhalten gegenüber einem rückschrittlichen Regierungsprofil verstanden werden, und vielleicht regiert Merz mit seinem Verein ja besser als es sich anlässt. Pfingsten kommt bald, und wenigstens die christliche Minderheit kann auf den Geist hoffen, der da noch ins Kabinett eingelassen wird. Im Nachhinein genieße ich diese Pause fast, sie hat den Blutdruck gesenkt und meine Ausfälle gegen Unpolitiker fast zum Verschwinden gebracht. Frühling allerorten….

So einfach ist das im Großen ja nicht: die weltweite Ausbreitung faschistischer Regierungen, der Rückzug der Sozialdemokratie, die Unwilligkeit der Volksmehrheiten zu Empathie und Solidarität – und vor allem die lächerliche Selbstblendung, als würde der Klimawandel sich von Vance und Bär auf die Warteliste setzen lassen. Wohin das führen wird, weltweit, in Europa, in Deutschland, hier um die Ecke, in der spießigen Provinz….wohin das führen wird, ist nicht eindeutig, aber die Alternativen sind überwiegend alle unerfreulich. Analogien zur Vergangenheit haben begrenzte Berechtigung und Wirkung, un die neuen Entwicklungen sind auch nicht eindeutig – ob es globale Faschismen, Technologieherrschaft oder Übernahme des Bewusstseins durch KI und wie verbunden und wie handhabbar geben wird, wissen wir nicht.

Wenn das richtig vorhergesehen wird, dann ist der Ausblick auf individuelle und kollektive Depression auch nicht verwunderlich. Und woher soll der Widerstand denn seine Kraft beziehen?

Dann zieht der 1. Main an mir vorbei, allenfalls mit Nachrichten und Blicken auf die Maifeiern, in Wien und Paris. Und dann ist das Fest der Arbeit, das sich auch die Katholiken unter den Nagel gerissen haben, vorbei. der Klassenkrampf geht weiter und immer weniger berufen sich darauf, dass die politische Ökonomie und der Aufstand der Arbeitenden das System doch irgendwann wird überwinden können. das lohnt ironisch-realistische

Dann zieht der 1. Main an mir vorbei, allenfalls mit Nachrichten und Blicken auf die Maifeiern, in Wien und Paris. Und dann ist das Fest der Arbeit, das sich auch die Katholiken unter den Nagel gerissen haben, vorbei. der Klassenkrampf geht weiter und immer weniger berufen sich darauf, dass die politische Ökonomie und der Aufstand der Arbeitenden das System doch irgendwann wird überwinden können. das lohnt ironisch-realistische Dramaturgie, kein wirkungsvolles Manifest. Da ich zur Aktion anhand der Arbeiterklasse ohnedies distanziert war und bin, diese Woche noch mehr, sozusagen die Peripherie ohne Auftrag zum Kommentar, wirbeln die Erinnerungen an aktive Aktivitäten 1. Mai und ihr angelesener Rahmen und ihre Attraktion etwas wirr, aber realistisch in meinem Bewusstsein, und mein Na Und? ist nicht spöttisch. was sollen wir denn anders machen? Was wir heute lesen: „Ei, du Faschistenschwein“ (Gegen Lauterbach) oder ewige Gewerkschaftsspruch, immer irgendwie passend.

Warum stimmen so viele ArbeitnehmerInnen für die AfD, in Deutschland, für die FDP in Wien?. Die Entwicklungen dahin, auch Wiederholungen mit Variationen der 30 er Jahre, können wir beobachten, das wird auch kommentiert. Aber am Gefüge ArbeitgeberArbeitnehmer, ihren Organisationen, Programmen etc. ändert es wenig. Aber die Lebenshaltung, eine ausschließlich wirtschaftliche Grundlage, kümmert sich Alltag um das konkrete und in der Lebensstilplanung um die Wünsche dazu, die erfüllbar sein müssten, wäre die Ökonomie das, sie angeblich einmal war…es stehen ja die Häuschen in Brigadeanzahl, es fliegt sich ja nach Thailand und die USA, es ernährt sich ja kalorisch, was beschwere Sie sich denn? Ach, wie es weitergeht. Na, so.

Ich schließe nicht von meiner Erfindungslosigkeit auf die allgemeine Politische Kultur Kommunikation, die drei Worte könnte ihr vertauschen. Die Entkultivierung der Massen ist das praktisch Programm aller faschistischen Bewegungen (auch anderer) und Anti-Elitarismus ist ein bewährtes Wort der Rechtfertigung. Die zunehmende Verflachung der Kultur-Förderung, nicht der Kultur selbst!, ist natürlich ein Faktum, keine Ideologie. Dass es mit Bildung zusammenhängt, wissen wir, wir lassen jetzt die Details. Was aber heißt die Kultur aufmuntern, kritisch und Massen wirksam zu gestalten? Aus den vielen, unendlich vielen, Möglichkeiten habe ich zwei gewählt: in der Großstadtkultur die Oben/Unten Trennungen weiter aufzuheben. Und dann auf dem Land – wirklich weit von der urbanen Kultur weg, die eigene ansiedeln. Das geht nicht unpolitisch, nicht ungefördert und muss geschützt sein.

Auch ein Lenz

Dichterisch ist das Wort bekannt, wenn auch nicht en vogue. Etymologisch unsicher, aber ca. 1000 Jahre alt. Das hat man in der Schule gelernt, und fast vergessen (ich hatte es leichter, als Kind musste ich unserer Hausbesitzerin Frau Lenz die Miete immer am 1. de3s Monats hochbringen und fragte mich, was sie mit dem Frühling zu tun hatte. Als Kind fragte ich mich auch, warum der Schlosser Kaiser hieß. Der Lenz also schafft mehr Erinnerung als der Frühling auf der Hauptstrecke.

Politisch erwarten viele immer dann einen Frühling, sozusagen als Aufbruch, wenn ein Team oder eine Spitzenposition wechselt. Werch ein Illtum, würde Jandl sagen.

Ich schaue aus dem Fenster, draußen ist alles grün nach ein paar Regentropfen, aber der Lenz bleibt trocken. Heute aber keine Umweltdepression, ich habe andere Sorgen. Frühlingspolitik würde man sich wünschen, nicht spätvereiste Passivität. Jedenfalls muss man die, von denen man den Lenz erwartet, ermutigen und nicht schon ex ante in das Nichtgelingen beschimpfen, was ein Lieblingssport der Populisten ist.

Die Leichtfertigkeit , mit der unmenschlicher Umgang mit Geflüchteten gerechtfertigt wird, mit der man unsere früheren Unterstützer jetzt in Pakistan verkommen lässt, mit der man vorgespiegelte Moral von der Ökonomie abzieht, mit der man wieder die Umweltpolitik reduziert, ebenso die Kulturförderung, diese Leichtfertigkeit ist nicht nur das Interesse der populistischen Führer, es bedarf dazu breiter Zustimmung eines großen Teils der Bevölkerung. Und es ist nicht nur mangelnde Bildung, die diesen Pöbel dazu animiert – Pöbel sage ich, weil es kein geeignetes Fachwort für die massenhafte populistische Bevölkerung gibt. Und „Plebs“ wäre schon soziopolitisch. Aber: sind nicht alle die kritisierten Aspekte auch eine Folge der schlechten oder ausbleibenden massenhaften Politik der Nichtpopulisten, die also nicht dieser Pöbel sind, aber vielleicht ein anderer? Die Rechten bejahen das, für sie sind wir Eliten oder andere Formen von Auszugrenzenden. Das kann man analysieren, man kann es aber auch praktisch unterlaufen. Jede humanitäre NGO kann das zeigen, praktisch und sowohl hier als auch in den Herkunftsländern z.B. der betroffenen Ausländer. (Übrigens lassen diese NGOs sich nicht nur mit Geld fördern…). Es gibt auch theorienahe Erklärungen, dass es nicht nur negative Populismen gibt, dass also irgendwie alle in der Politik auch eine populistische, sagen wir „gegenpopulistische“ Politik brauchen, um die Menschen, v.a. die Jungen, zu erreichen. Kann man durchdenken, der Lenz des Populismus ist nicht fern. (wenn man die Instrumente der Populisten anschaut, dann ist das nicht völlig abwegig). Aber: das ist bestenfalls ein Mittel, ein Instrument und kein Politikersatz.

Also schauen wir weiter in den Lenz, der auch ein Frühling des Geistes und des Fortschritts sein kann. Habt Ihr „Lenz“ gesehen, von Georg Büchner? (https://de.wikipedia.org/wiki/Lenz_(B%C3%BCchner)). Da denkt man natürlich nicht an Jahreszeiten, eher an Kunstgeschichte, Psychiatrie, Dichtung und Wirklichkeit – und das kann man dem Tagesablauf ja entgegenstellen, egal zu welcher Jahreszeit. Nun, Büchner war bestimmt kein populistischer Dramatiker. Ich denke, dass der Umgang mit Kunst unsere Resistenz stärkt, unseren Widerstand gegen eine globale Politik, die einem ansonsten jede Praxis absprechen möchte und doch so mächtig ist.

Zusatz: Widerstand braucht ein Subjekt oder Objekt oder beides: Gegen wen oder was man widersteht, man kann sonst den Begriff ins Weltallblasen. Hier schließt sich der kritische Kreis: wenn so viele Kritiker der Wirklichkeit ihr Kontra gegen die Kriege, Hungersnöte, Verbrechen usw. kundtun, ist das nur ok, wenn sie nicht zugleich anbieten, wie Vermittlung aussehen kann, aber nicht darstellen können, wer die andere Seite der Verhandlung sein könnte (weshalb zum Beispiel Ukraine-Friedensangebote meist sinnlos sind, weil Putin sie ja gar nicht aufnimmt, und Trump kein Recht auf die Ukraine hat….). Also, wer etwas sagt, sollte schon wissen, wemm er es sagt und mehr als nur hoffen, dass er oder sie gehört und am besten verstanden werden. Ach, das ist trivial? Schaut in die Medien…

A.L.Kennedy: gute Assoziation

Nicht alle Kennedys sind gleich.

A.L.Kennedy in der SZ 22.4.2025: Sonst ist Maga-Land bald überall

Ein großartig trauriger Text, am besten, Ihr lest ihn ganz. Ich hole nur einen Kernsatz heraus, der Papst ist tot, Trump kommt nach Rom, und die sogenannten Christen in den USA feiern ihre Hölle:

Triumphierende Pseudo-Christen freuen sich auf die Theokratie. Christo-Faschisten wollen einen obligatorischen Glauben an die heterosexuelle weiße männliche Vorherrschaft und an wissenschaftliche Unkenntnis als Leitprinzip etablieren“.

Dass der Christofaschist Vance, seit ein paar Jahren katholisch, sich vom Papst verabschiedet, und der Diktator Trump sich zum Begräbnis anmeldet, passt natürlich dazu, dass sich die reiche Oberschicht der USA von allem Nachdenken freigemacht hat. Religionskritik muss sich auch gegen die Amerikaner richten, explizit, nicht verklausuliert. Wenn Kennedy auch die britische Politik in ihre Kritik einbezieht, muss uns das zu denken geben. Wenigstens fordert sie uns Deutsche auf, Widerstand zu leisten. Das heißt auch gegen die Pseudoreligion der Türkei, Israels und aller heuchelmörderischen Diktaturen. Und gegen viele religiöse Plattmachungen bei uns, weil Religion angeblich eine verfassungsmäßige Sonderstellung hat – hat sie schon, nur welche? Die Götter lachen sich krumm, wenn sie politische Inselpolitik im Zeichen von Kreuz und Halbmond sehen könnten. Tun sie aber nicht.

In letzter Zeit kämpfe ich dagegen, mich in die Menge von Kommentaren zu Kommentaren zur politischen Wirklichkeit einzureihen, weil manche Entwicklungen ebenso deutlich wie schwer erträglich sind, und Kommentare ohne konkrete Adressaten eher dem eigenen Gewissen als der Wirklichkeit dienen. Manche Texte helfen, wenn man sich doch nicht so sicher fühlt, wie in letzter Zeit, wie z.B. Aryeh Neier (Neier 2024), Omer Bartov (Bartov 2025), Fintan O`Toole (O`Toole 2025), die zu meiner unzerstörbaren Referenzbibliothek dazu kommen, durchaus auch mit weiterer Kritik. Die meisten Texte helfen nicht, wenn sie zu kurzfristige Einschätzungen des Verhaltens von Diktatoren und ihren Hilfskräften kommen, und wirkliche Bezeichnungen der Realität doch aus Vorsicht scheuen, etwa die Trump Putin Analogien zur Vergangenheit. Der Tod von Papst Franziskus hat eine Welle von ambivalenten Assoziationen freigesetzt, aber zur politischen Religionskritik und zur rationalen Kritik der Politik dringen wenige durch, unfair möchte ich fast sagen, dass der Tod des Papstes der Religion wieder eine Atempause verschafft. (Fair wäre, das auch noch zu erklären). Aber man muss dem Begriff Kennedys „Christofaschisten“ nichts hinzufügen.

Das bringt mir den faulen Geschmack des unentschuldbaren Stillstands gesellschaftlicher Entwicklung in der globalen Hyperkrise. Anstand etwas anzupacken, zu handeln, wird der Fortschritt in Mikropartien zerteilt und darauf reduziert, doch wieder, wieder einmal das BNP zu steigern, die Armen nicht unentschuldbar abzuhängen und die Reichen nicht wirklich zu erleichtern. Das beschleunigt nicht nur die Ankunft des nicht umkehrbaren Temperaturanstiegs um mehr als 1,5°, es schränkt auch den Handlungsspielraum des resilienten, politisch engagierten Menschen weiter ein. Andererseits muss man wohl Koalitionen mit ansonsten abgelehnten sekundären Partnern eingehen, um nicht Kohlhaasisch oder Learisch allein in der Ebene zu stehen.

Seltsam, dass, auch hier im Blog nicht zum ersten Mal, ein Teil meiner fernab liegenden Vergangenheit immer wieder kommt, dass man eigentlich nur mit Wissen, meinetwegen der deutschen „Bildung“, sich befreien kann (Harvard muss den Prozess gewinnen!), um auch das Irrationale des Kriegs weltweit auch nur zu verstehen, wenn man eingreifen möchte. Das alles dauert, hoffentlich nicht zu lange. Das hatte ich schon vor 50 Jahren gehofft.

Manches erklären kluge Intellektuelle dennoch. Eva Illouz in ihrem neuen Buch, analysiert, zerlegt fast quälend genau Phänomene wie Neid und Zorn, und wie die politisch werden und politisch wirken (Illouz 2024), am besten gleich auch (Illouz 2023).Mit einiger Ironie kann man die Frankfurter Dialektik, des Richtigen im Falschen, hier weiterentwickeln, wenn das falsche Verhalten einer richtigen Politik hilft und umgekehrt. Keine Hintergrundmusik.

Wenn man ab und an doch die Nachrichten anhört und die Papstmonita vorbei sind, dann kommt die Wirklichkeit der Diktatoren zur Sprache, und man landet unter anderem bei A.L.Kennedy. Dann geht es also weiter…

Bartov, O. (2025). „Ìnfinite License.“ `NYRB LXII(7): 54-58.

Illouz, E. (2023). Undemokratische Emotionen. Berlin, Suhrkamp.

Illouz, E. (2024). Explosive Moderne. Berlin, Suhrkamp.

Neier, A. (2024). „Torture in Israel’s Prisons.“ NYRB LXXI(16): 26-29.

O`Toole, F. (2025). „Shredding the Postwar Order.“ NYRB LXXII(7).

                Trumps Antieuropäische Politik, EU, Polen,

Osterinsel Westerplatte Norderstedt Südbahn

Keine Witze, werte LeserInnen, keine Kalauer. Die Himmelsrichtungen aus der vorglobalen Zeit haben schon Botschaften an die aufnehmenden BeobachterInnen, LeserInnen, HörerInnen gebracht. Und natürlich: von wo aus ist etwas Norden oder Osten? Das ist die heute noch wichtigere Frage. Manche erforschen die Geschichte dieser Koordinaten (Wolfgang Behringer: Der große Aufbruch 2023) , manche packen sie in Ästhetik (Umberto Eco: Die Insel des vorigen Tages) u.v.m. Wir (alle) assoziieren mit Namen, die die Windrichtungen enthalten, immer etwas, Krieg, Exotik, Reisen oder Geschichte. Nichts besonderes für unser Bewusstsein?!. Ost und West in der europäischen Geschichte spielt schon eine Rolle…Wenn wir vom Western sprechen, gibt es schon eine vielstufige Erklärung,und da gibts eine Menge laienhafter Kulturerklärungen. Aber es gibt auch das Schwergewicht der jetzigen Kriege. Russlasnd macht sich wieder zu einem Osten, zu einem reaktionäre, kirchengestützten, nationalistischen Osten, gemessen daran, dass wir der Westen sind. Aber sind wir das, gemessen an unserem Konflikt mit dem Diktator Trump und seinem Westen – für ihn gehört Europa nicht zum Westen, und für wen gehört Meloni mal zu unserem Süden, mal überhaupt nicht, weil zu uns, mal überhaupt nicht, weil faschistisch, mal zu Trumps Westen…?

Genug von den Details. Geographie und vor allem Ortsbezeichnungen haben nicht nur aktuelle, sondern oft geschichtsträchtige Bedeutung, ihre bloße Nennung kann politisch oder ideologisch zum Bumerang oder zur Attacke werden. Das alles gehört zum dauernden Neuschreiben der Geschichte, was die Diktatoren in den drei großen Atommächten ja eifrig betreiben, immer unterstützt von abgebogenen Wissenschaftlern und Medienhampeln. Das gilt im übrigen auch für die kritische Opposition zu den Diktatoren, die natürlich auch ihre historischen Trittsteine heraushebt. Aber eben nicht ganz, wenn sie recht hätte. Und eigentlich sind alle nationalen HistorikerInnen mit Varianten und Abweichungen befasst, eherne Geschichte gibts nur in den Mythen – wer will schon an der Genesis etwas ändern, außer die wissenschaftlichen Kritiker. Und all das wird in der Komprimierung der Zeit durch Blogs und IT unübersichtlicher, und Korrekturen und gar Widerrufe kommen oft zu spät. In der NYRB vom 10.4. gibt es gerade jetzt Mythen, die nichts mit Ostern zu tun haben? https://mail.yahoo.com/b/folders/1/messages/ALZmdGEMg6-baAO1CQUJEP6xKYA?.src=ym&folderType=INBOX&offset=0&unblockNow=false .Im Internet gehen die Hinweise zu Ostergeschichte(n) ins Volle, mal schauen, wieviel davon übermorgen weg sind. Dabei fallen mir die „hinterhältigen“ Ostergeschichten auf: Nicht schon wieder Ostern!: Hinterhältige Ostergeschichten von Erich Kästner, Patricia Highsmith, Ingrid Noll, Martin Suter und anderen: 23745 – Softcover. Dass sich wirklich zurecht berühmte AutorInnen des Themas annehmen und nicht nur Laienhafte, das gibt zu denken. Wie sonst nur bei Weihnachten greifen sie in die Reallegende ein, nur ist die nicht so friedlich wie Bethlehem. Es gibt auch Ostergeschichten zum Nachdenken, für Erwachsene (erotisch? gewalttätig? geheimnisvoll?), und „schöne“ (das soll beruhigen).

Alternative: wir wandern, rodeln, slalomisieren, schwimmen oder schlafen die vier freien Tage, wenn wir nicht gerade in einem Gottesdienst sind. Ich erinnere mich, wie vor mehr als 50 Jahren auf dem Berg Athos zu Ostern war, und die Widersprüche zwischen der religiösen Decke und dem wirklichen Boden unter den Füßen wahrgenommen habe. Manches habe ich nicht vergessen: ein frommer Einsiedler, bedürftig der touristischen Zuwendungen, sagte mir, in wenigen Wochen würde er nach Paris fahren und dort das Erbe eines großen Mietshauses in einem guten Bezirk antreten. In einem Kloster um die Ecke wurde mir aus der Mischung von rohen Zwiebeln und Weihrauch fast schlecht, vor allem, weil 5 Stunden lang gesungen wurde, aber immerhin – O*!

Seltsam, wie sehr die Menschen in diesem Jahr des tyrannischen Frühlingserwachsens Ostern etwas verkleinern. Selbst die Ostermärscher wissen nicht genau, was sie wollen sollen. Vielleicht sollte man einen Pfingstmarsch mit aufhellender Vernunft anstreben?

Aber, wie gesagt, kein Spott, keine Ironie. Die Ostereier liegen uns schwer im Magen, wenn wir sie nicht zu erhöhten Preisen in den mittleren Westen exportieren. Lasst es euch gut bekommen, die eine oder andere Osteria hat schon offen.

Zerstörung des Wissens – Trump gegen Harvard & andere Unis

Die Anlässe brauchen uns nicht zu wundern. Es ist schwierig, pro-palästinensische Studierende an guten Universitäten vorab zu identifizieren und zu isolieren, gar rauszuwerfen. Was im übrigen nicht kausal zum Schutz jüdischer Studierender beiträgt. Natürlich ist der Antisemitismus-Vorwurf von Trump eine Lüge (vgl. den Hinweis im Blog 5.4.2025 Trump Antisemit &, und vor allem die Hinweise von Christopher Browning ebendort. Trump und seine rechtsradikalen Hilfstruppen, auch ultrareligiöse Vernunftleugner und auch katholische Retro-Politiker einigen sich für ihn hilfreich bei der Attacke seines politischen Lagers auf die Universitäten. Darum geht es und nicht um Juden in Amerika.

Kein Zweifel: Es gibt einen von von Nahost Herkommenden Antisemitismus, auch an Universitäten. Den gibt es weltweit, auch bei uns. Dieser zielt stärker auf Israel als auf das „Judentum“, hat generationenalte Wurzeln und ist schwer zu begrenzen, solange z.B. Religion – in diesem Fall islamische, aber auch konträr jüdische und christliche – aus vielen Gründen aus der rationalen Kritik ausgenommen wird. Dazu ein anderes Mal. Zurück zu Trump.

Der Kampf der amerikanischen Alternative Truths and Facts Politik ist seit langer Zeit aufgebaut und hat mittlerweile einen soliden Sockel in der Masse der desinformierten, ungebildeten Bevölkerung – und durchaus, v.a. neuerdings in der retro-nationalistischen Kulturszene. Gegen die Wissenschaftsfreiheit zu sein, ist geradezu ein Erkennungsmerkmal für nationalistische vertikale Herrschaftsstrukturen. Diese sind in der Spitze durchaus gut gebildet und wissen, wie man den Pöbel instrumentalisiert.

Dass sich das insgesamt gegen BILDUNG richtet, kann erklärt und analysiert werden. Dass Universitäten, auch und v.a. in USA, immer ambivalente Politik ausgestrahlt haben, ist ein weites Feld nicht nur für die Bildungsforschung. Für die derzeitige Trumpregierung ist Rationalität für die professionelle nächste Generation mehr als nur eine Bedrohung. Kritik an der Wirklichkeit einer um sich greifenden Diktatur ist nur ein Element akademischer Unabhängigkeit, genauer der Wissenschaftsfreiheit. Darum greift Trump, mit falschen Argumenten, aus seiner Sicht zu Recht diese Freiheit an, denn sie produziert und reproduziert mehr als nur Wissen: sie erzeugt das kritische Substrat einer freien Gesellschaft. Hier ist Trump nur das exzessive Extrem einer Auseinandersetzung zwischen Staat und Wissenschaft, die es seit jeher gibt, ja geben muss, in den USA wie überall. Wissenschaftsfreiheit gilt für private wie staatliche Hochschulen. Wenn aber besondere Universitäten, Harvard, Columbia und verwandte, angegriffen und gedemütigt werden, führt das nicht nur Abwanderung der wirklichen Eliten der Wissenschaft, z.B. nach Kanada oder Europa. Es führt zu einem rapiden Absturz von Qualität und eben jener kritischen Substanz, die für die Gesellschaft so wichtig ist.

Selbstbezogener und selbstkritischer Einschub: Da Hochschulwissenschaft zu meinen wissenschaftlichen Kernthemen gehört, hatte ich schon nach meiner Unipräsidentschaft einen sehr US-bezogenen Artikel geschrieben: „Eliten, Gemeinschaften, Aggressionen“ geschrieben (Vorgänge 1/2000, 11-18. In der Zwischenzeit hat sich vieles radikal verändert, und die alten anti-amerikanischen Vorurteile sind durch relativ neuartige Bewertungen, stärker gegen Trump, aber schon davor, ersetzt. Der obige Aufsatz ist im Schwerpunktheft „Linker Antiamerikanismus“ erschienen, heute würde seine Fortsetzung unter dem Titel „Demokratische Kritik an den USA“ schreiben.

Zurück zum Thema: Die Abwanderung der weltweiten Spitzen aus den USA hat also begonnen. Dass eine Universität wie Harvard vom Staat beschädigt werden kann, obwohl sie gerade nicht staatlich ist, liegt wie weltweit daran, dass die Wissenschaftsfreiheit in vielen Bereichen auf staatliche Forschungsförderung und Lehrunterstützung angewiesen ist, elitär oder „normal“. Doch auch deshalb, um den Einfluss interessengeleiteter Projektfinanzierung und Ausbildungsschwerpunkte (z.B. religiös) zu verkleinern. Das geht aber nur, wenn der Staat nicht durch Diktatur „privatisiert“ auftritt, wie bei den Diktatoren Putin oder Trump. Universitäten, je besser umso deutlicher, sind demokratische Widerstandskerne gegen jede politische Vereinnahmung künftiger Generationen von Gebildeten durch alternative Wahrheiten.

Was nicht bedeutet, dass es interessengeleitete Nester in allen Universitäten gibt, und dass Kritik an elitären Selektionsprozessen nicht auch angemessen wären. Aber gerade diese Kritik darf nicht aus dem Wissen der Politik kommen, das Wissen aus der gesellschaftskritischen Wahrheitsperspektive und ihrer wirklichkeitsorientierten Umsetzung einzutauschen gegen vernunftlose Herrschaftsunterstützung. Ich weiß ganz gut, wie das letzte Argument in der institutionellen Kritik der Hochschulforschung immer schon eine Rolle gespielt hat. Aber gerade Unis wie Harvard haben durch ihre Zulassungserweiterung und Fach- wie Forschungsschwerpunkte eben ihre institutionalisierte Gesellschaftskritik jenseits der Personalisierungen aufrecht erhalten.

Was sich in den USA zur Zeit abspielt, kann auch gute und kritische Geister in unsere Hochschulen spälen – chapeau. Aber es macht die USA nicht besser. …

Weiterlesen: SZ 15.4.25: „Der ganze Sektor wird sich brutal verändern“: Aids, Tuberkulose, Impfungen: Die USA streichen ihre Zuschüsse für Tausende lebensrettende Projekte weltweit. Was das für Folgen hat. Berit Uhlmann; https://www.tagesschau.de/ausland/amerika/us-universitaet-harvard-konfrontation-trump-100.html; https://www.t-online.de/nachrichten/ausland/usa/id_100679646/harvard-andere-beugen-sich-universitaet-widersetzt-sich-donald-trump.html; https://www.tagesschau.de/ausland/us-universitaeten-trump-100.html; https://www.sueddeutsche.de/kultur/trump-vs-us-universitaeten-christopher-browning-gastbeitrag-li.3227567 u.v.m. Für individuelle Berichte und Erfahrungen bin ich dankbar und werde sie in den Blogs miteinbauen. Danke

NACHTRAG. Haàretz 17.4. Ben Samuels:

 It is becoming increasingly clear that the White House’s effort to reshape higher education is focused on issues that go beyond antisemitism 

Die antisemitische Ausrottung der Vernunft richtet sich gegen die Juden auch, die Trump scheinbar in seinem verlogenen Kampf gegen den Antisemitismus missbraucht.

Kar – multiple Fastenzeit.

Wortstamm „kar“ kommt aus dem Neuhochdeutschen „kara“ und bedeutet so viel wie „Trauer, Sorge, Wehklage“. Die Karwoche ist also im wortwörtlichen Sinn eine Trauerwoche (msn. MOZ 14.3.2025)

Karambolage:  Zusammenstoß von mehreren Personen oder Sachen (meist Fahrzeugen) (DWDS)

Die Karriere… (von französisch carrière; englisch career) ist die persönliche Laufbahn eines Menschen in seinem Berufsleben. (Wikipedia)

Als Kar (englisch und französisch cirque, (englisch corrie), schottisch-gälisch coire), auch KahrKaar (von althochdeutsch char ‚Trog‘, ‚Krug‘) bezeichnet man kesselförmige Eintiefungen an Berghängen unterhalb von Gipfel- und Kammlagen (https://de.wikipedia.org/wiki/Kar_(Talform))

es gibt noch viele Kars, das Kartell passt mir da noch rein, die Kargheit und Karl der Kahle. Der Witz dabei ist, dass die Karwoche ja scheinbar nur den religiösen Ursprung bedeutet, de facto aber Kargheit, Karriere retro Karneval und Kartuschen bei Karbidbeleuchtung integrieren kann. Osterwitz – Kennt ihr übrigens die Burg HochOSTERwitz? (860 n. Chr. wurde der Felskegel mit dem aus dem Alpenslawischen stammenden Namen Astarwizza (= Scharfenberg)(siehe unten) im Rahmen einer Schenkung Ludwigs des Deutschen erstmals urkundlich erwähnt. https://de.wikipedia.org/wiki/Burg_Hochosterwitz). Überhaupt kein lustiger Witz. Aber wer kann schon alpenslawisch, und das hat vielleicht mit dem Osten mehr zu tun als mit Ostern.

Die meistern von euch fasten und räsonieren in diesen Tagen ohnedies, deshalb mache ich ja diese linguistische Yogaübung. Keine Kalauer mit Ostern und Western, keine Reminiszenzen. Noch zum BSW und früheren DDR Politiker Scharfenberg in Potsdam: weiß der, woher sein Name kommt?). Nein, die Woche ist zu kurz, um alle Kare auszuwandern, pedal oder im Kopf. Nur der Karfreitag ist Karenz für alle und alles. Warum eigentlich? Noch unterschiedlicher als in verschiedenen Sekten kann man diesen Tag doch gar nicht erhöhen? Genug jetzt. Kardinal Daxner verlässt das Thema, denn aufregend ist heute anderes.

Was mich aufregt: dass schon jetzt der Interpretationsverfall der angeblich wahrscheinlichen Bundesregierung angefangen hat, bevor sie noch praktisch werden kann. Da geht es nicht um die 15 € Mindestlohn und Steuergeschenke an die Reichen, da geht es manchen um die alternative endliche Öffnung zur AfD. Erinnert ihr euch: habe ich vorhergesagt, nicht einfach abgeleitet. Das war und ist ja nicht nur Saskia Ludwig (https://www.rbb24.de/politik/wahl/bundestag/2025/bundestagswahl-cdu-landtagsabgeordnete-saskia-ludwig-koalition-afd.html) oder Jens Spahn (https://www.msn.com/de-de/nachrichten/politik/spahn-legt-in-afd-debatte-nach-glaube-nicht-dass-gesch%C3%A4ftsordnungstricks-uns-helfen/ar-AA1CD2A7?ocid=BingNewsSerp), das sind viele. Woher kommt das? u.a. von der Normalisierung dieser faschistischen Partei. Zur Normalisierung (https://de.wikipedia.org/wiki/Normalisierung_(Soziologie), vor allem aber Fr. Balke 2024 und Jürgen Link 1996. Das ist ideologiekritisch und zugleich selbstreferenziell wichtig: was ist schon normal? die AfD. Heute hat der Grüne im DLF gut gegen die Normalisierung der extremen Partei argumentiert, ich sage lieber faschistisch, denn das ist die AfD ja. Mit der Normalisierung erscheinen christlich-demagogische Koalitionen ebenso wahrscheinlich wie ein negatives Urteil des Bundesverfassungsgerichts unwahrscheinlich, die AfD ist ja normal, nur nicht demokratisch. Werte LeserIn, bedenkt: Normalität ist ja kein Wert an sich.

Zum Weiterdenken und -lesen: Gerrit ter Horst: Geschichtsrevisionismus: Basteln an der „zweiten Geburt“, SZ 13.4. (Online). Über die Entstehung von Parallelgeschichten, Revisionismus und der Praktizierung der Opfermythen – seit dem Dritten Reich. Es handelt sich um eine auch kritisch bewertete Rezension von Jens-Christian Wagner und Sybille Steinbacher (Hg.): Rechter Geschichtsrevisionismus in Deutschland. Formen, Felder, Ideologie. Dachauer Symposien zur Zeitgeschichte. Wallstein Verlag, Göttingen 2025. 205 Seiten, 20 Euro.© Wallstein-Verlag.