Keine Witze, werte LeserInnen, keine Kalauer. Die Himmelsrichtungen aus der vorglobalen Zeit haben schon Botschaften an die aufnehmenden BeobachterInnen, LeserInnen, HörerInnen gebracht. Und natürlich: von wo aus ist etwas Norden oder Osten? Das ist die heute noch wichtigere Frage. Manche erforschen die Geschichte dieser Koordinaten (Wolfgang Behringer: Der große Aufbruch 2023) , manche packen sie in Ästhetik (Umberto Eco: Die Insel des vorigen Tages) u.v.m. Wir (alle) assoziieren mit Namen, die die Windrichtungen enthalten, immer etwas, Krieg, Exotik, Reisen oder Geschichte. Nichts besonderes für unser Bewusstsein?!. Ost und West in der europäischen Geschichte spielt schon eine Rolle…Wenn wir vom Western sprechen, gibt es schon eine vielstufige Erklärung,und da gibts eine Menge laienhafter Kulturerklärungen. Aber es gibt auch das Schwergewicht der jetzigen Kriege. Russlasnd macht sich wieder zu einem Osten, zu einem reaktionäre, kirchengestützten, nationalistischen Osten, gemessen daran, dass wir der Westen sind. Aber sind wir das, gemessen an unserem Konflikt mit dem Diktator Trump und seinem Westen – für ihn gehört Europa nicht zum Westen, und für wen gehört Meloni mal zu unserem Süden, mal überhaupt nicht, weil zu uns, mal überhaupt nicht, weil faschistisch, mal zu Trumps Westen…?
Genug von den Details. Geographie und vor allem Ortsbezeichnungen haben nicht nur aktuelle, sondern oft geschichtsträchtige Bedeutung, ihre bloße Nennung kann politisch oder ideologisch zum Bumerang oder zur Attacke werden. Das alles gehört zum dauernden Neuschreiben der Geschichte, was die Diktatoren in den drei großen Atommächten ja eifrig betreiben, immer unterstützt von abgebogenen Wissenschaftlern und Medienhampeln. Das gilt im übrigen auch für die kritische Opposition zu den Diktatoren, die natürlich auch ihre historischen Trittsteine heraushebt. Aber eben nicht ganz, wenn sie recht hätte. Und eigentlich sind alle nationalen HistorikerInnen mit Varianten und Abweichungen befasst, eherne Geschichte gibts nur in den Mythen – wer will schon an der Genesis etwas ändern, außer die wissenschaftlichen Kritiker. Und all das wird in der Komprimierung der Zeit durch Blogs und IT unübersichtlicher, und Korrekturen und gar Widerrufe kommen oft zu spät. In der NYRB vom 10.4. gibt es gerade jetzt Mythen, die nichts mit Ostern zu tun haben? https://mail.yahoo.com/b/folders/1/messages/ALZmdGEMg6-baAO1CQUJEP6xKYA?.src=ym&folderType=INBOX&offset=0&unblockNow=false .Im Internet gehen die Hinweise zu Ostergeschichte(n) ins Volle, mal schauen, wieviel davon übermorgen weg sind. Dabei fallen mir die „hinterhältigen“ Ostergeschichten auf: Nicht schon wieder Ostern!: Hinterhältige Ostergeschichten von Erich Kästner, Patricia Highsmith, Ingrid Noll, Martin Suter und anderen: 23745 – Softcover. Dass sich wirklich zurecht berühmte AutorInnen des Themas annehmen und nicht nur Laienhafte, das gibt zu denken. Wie sonst nur bei Weihnachten greifen sie in die Reallegende ein, nur ist die nicht so friedlich wie Bethlehem. Es gibt auch Ostergeschichten zum Nachdenken, für Erwachsene (erotisch? gewalttätig? geheimnisvoll?), und „schöne“ (das soll beruhigen).
Alternative: wir wandern, rodeln, slalomisieren, schwimmen oder schlafen die vier freien Tage, wenn wir nicht gerade in einem Gottesdienst sind. Ich erinnere mich, wie vor mehr als 50 Jahren auf dem Berg Athos zu Ostern war, und die Widersprüche zwischen der religiösen Decke und dem wirklichen Boden unter den Füßen wahrgenommen habe. Manches habe ich nicht vergessen: ein frommer Einsiedler, bedürftig der touristischen Zuwendungen, sagte mir, in wenigen Wochen würde er nach Paris fahren und dort das Erbe eines großen Mietshauses in einem guten Bezirk antreten. In einem Kloster um die Ecke wurde mir aus der Mischung von rohen Zwiebeln und Weihrauch fast schlecht, vor allem, weil 5 Stunden lang gesungen wurde, aber immerhin – O*!
Seltsam, wie sehr die Menschen in diesem Jahr des tyrannischen Frühlingserwachsens Ostern etwas verkleinern. Selbst die Ostermärscher wissen nicht genau, was sie wollen sollen. Vielleicht sollte man einen Pfingstmarsch mit aufhellender Vernunft anstreben?
Aber, wie gesagt, kein Spott, keine Ironie. Die Ostereier liegen uns schwer im Magen, wenn wir sie nicht zu erhöhten Preisen in den mittleren Westen exportieren. Lasst es euch gut bekommen, die eine oder andere Osteria hat schon offen.
