Das Tier, der Mensch.

Offiziell glauben die Meisten, dass der Klimawandel a) im Begriff ist zu siegen und b) nicht mehr aufzuhalten ist. Eine Minderheit leugnet a) oder b), oder beides. Weniger offiziell, also im Privaten, wird die Verzweiflung durch Verdrängen unterdrückt. Das Motto der Stunde sind Ersatzhandlungen. Nun kann es uns egal sein, was wir nicht mehr erleben, nicht mehr egal, was unsere Kinder und Enkel nicht mehr erleben. Aber das erleben wir selbst ja nicht, es macht nur unsere letzte Lebenszeit traurig – oder wir verdrängen auch das.

Die Agrarchemie hat in den letzten Jahren die meisten Insekten vernichtet, im Weltuntergang sticht uns keine Gelse. Die Eisinseln schmelzen, es wird bald keine Eisbären mehr geben, aber wir schauen eh nur die Filme und fahren nicht hin. Viel anders war wohl das Ende der Saurier nicht, nur weniger reflektiert.

Das drohende Ende des homo sapiens ist an sich nicht traurig, so ist halt die Evolution, und wenn man nicht mehr ist, bleibt es egal, ob man sich selbst ausgerottet hat oder von einem Lavastrom weggedampft wurde. Das gilt für uns. Aber wie gesagt, noch leben Kinder und Enkel, und manches sieht man ja noch nicht, obwohl es schon da ist.

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Wenn alles so einfach wäre, müsste ich das nicht schreiben. Aber (leider oder erfreulich?) können wir ja unsere Vergangenheit teilweise erinnern, und sie ist beschrieben. Die Apokalypse und andere Theaterstücke des Weltendes sind ja ganz interessant, weil wir schon wissen, dass es SO nicht kommt, sondern….anders? Natürlich kann man sich ein weitgehend friedliches, stoisches Ende vorstellen, oder Jacqueline Harpmans Frau, die die Männer nicht kannte, (1995) sich als Beispiel nehmen, wie unsere Psyche die Wirklichkeit des Endes vorwegnimmt.

Ich schreibe das unter anderem, weil ich Erwartungen und Vorstellungen vom erwartbaren Sterben der Gattung und all ihrer Mitglieder nicht der Philosophie überlassen möchte, die sich doch weitgehend in die Reflexion über den Tod gerettet hat, damit sie nicht über das Sterben ins Nachdenken kommt. Aber natürlich weiß auch die Philosophie, dass der Tod zum Leben gehört. Stirbt einer, kann man noch weiter über den Tod reden, sterben viele, bleibt er doch im Singular. Wie wenig das Sterben die Politik beeinflusst, kann man seit jeher, nicht nur heute, an den globalen Kriegen und der über all sich festsetzenden Armut beobachten – wenns Vergangenheit war, wird es auch noch beschrieben, wenn es sich heute abspielt, dann macht man so genannte Pläne, wie man alles besser macht, wenn nur dieser oder jener Krieg usw. zu Ende geht: Beispiel: was machen die Palästinenser, was macht Israel, wenn der Krieg im Gaza vorbei sein wird? Der Krieg hat mit dem Thema schon viel zu tun, weil der Tod und das Gedenken die im Krieg Gestorbenen allemal überleben. Das kann man vom Frieden nicht sagen. Sagt sich so einfach, aber die Literatur redet dauernd von Liebe und Tod, selten von Geburt und Sterben.

Wieder ein globaler Krieg, der den vorigen ablöst. So etwas gibt es bei den Tieren nicht. Die werden uns auch überleben, vielleicht mutieren, aber es wird sie weiterhin geben, wovon wir nichts wissen werden. Die Versöhnung mit der Endlichkeit führt einige zur Passivität, einige wenige zum Suizid, und einige zum Vordenken, wie denn dieses Leben vor sich gehen kann, ohne den Tod zu thematisieren, zu poetisieren, zu ironisieren – oder das Sterben zu verdrängen, wie es die Volkswirtschaft ja anrät. Wenn ich sage, dass mir mein Hund dabei hilft, ist das keine Satire. Aber nur vom Hinschauen auf die begrenzte Zeit des Tiers kommt auch nichts….muss schon mehr sein. Diese „Mehr“, diese Lebendigkeit ist keine Freude, aber eine Gewissheit und vor allem Widerständigkeit gegen die statistische Präsenz des Todes, die poetisch oder politisch verdrängt wird.

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DIESE LANGE EINLEITUNG IST NICHT EINER DEPRESSION ODER NACHDENKLICHKEIT BESONDERER ART GESCHULDET: SIE HAT IHREN GRUND IN DER SCHWER ERTRÄGLICHEN BEREDUNG VON TOD UND STERBEN IN UNSERER GESELLSCHAFT; WENN ES UM ISRAEL; PALÄSTINA; DIE UKRAINE; AFGHANISTAN GEHT, hat man oft den Eindruck, als unterhielten sich flachdenkende MEINUNGEN ohne die Antwort auf die Frage WAS HAT DAS MIT MIR ZU TUN?

In der Kriegslogik, die ich für (leider) vorherrschend erachte, gelten nicht UNSERE humanistischen, ethischen, auch rationalen Prinzipien. (lest nochmals Streeruwitz nach, im vorigen Blog). In der Kriegslogik kann man gar nicht anders als auf mehreren Ebenen zugleich denken. Weltweit verfolgt man die große Anzahl der Toten im Gaza, verglichen mit der kleineren Anzahl vom Anlass des Kriegs, und streitet über die Ursachen. Weltweit wird auch diskutiert, was denn die Schwächen und Ursachen für diese Schwächen der Ukraine sind, weil sie nun nicht (mehr) auf der (erhofften) Siegerstraße gegen den Tyrannen Russland, nicht nur Putin ist. Als ob die Kriegsführung es immer auf die weißen und schwarzen Westen der Gegner anlegt, und man voraufgeklärt von Kriegsparteien spricht, aber Partner meint, Partner im Endkampf um Sieg oder Niederlage. Das Sterben spielt dabei keine Rolle, weil ja immer nur jede(r) Einzelne stirbt. Im Krieg fällt man, und dann ist es in einem kleinen Abschnitt der Geschichte der Heldentod, in dem weit größeren Abschnitt der vielfältige Tod, der Trauer und Wiederaufbau und Rache und was sonst noch produziert.

Und jetzt biege ich diese Überlegungen zum Anfang des Blogs zurück. Überraschend viele Menschen leben so, als ob die Entwicklung zum gemeinsamen Ende hin unabänderlich, also Schicksal, wäre und niemand, schon gar einzeln, etwas tun könnte (nur, weil man ja selbst ohnedies nicht überlebt, sterben wird müssen, irgendwann bald). Nicht nur die Basiskritik an der politischen Ökonomie, auch viel Alltagsphilosophie bemerkt, kritisiert? die Quantifizierung des Fortschritts zum Untergang, und der Krieg hat das immer schon bewirkt. Darin liegt unter anderem die nächste Episode des Kriegs und die Unmöglichkeit von Versöhnung.

Die Diktaturen verbieten die Abtreibung und fördern die massenhaften Geburten, damit sie in knapp 20 Jahren mehr Soldaten haben (hilft wenig), oder sie machens über die Religion (hilft mehr) und applanieren die Bildung (hilft auch). Das ist die Vorbereitung aufs Sterben, heisst aber nicht so.

Der Kriegslogik entgegen wirkt nicht der Frieden, den gibt es Zustand nicht. Der ist immer eine fragile Bewegung. Der Kriegslogik entgegen wirkt Empathie, Mitleiden, und Politik. Das Ausbleiben der Politik ist fatal, ihre Reduzierung auf bereits vorgefasste Meinungen in der sich faschisierenden Welt.

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So, jetzt fragt ihr, was das mit Tieren zu tun hat? Ganz einfach: die haben keine Kriegslogik, sie leben, bis sie sterben.

Handbücher – Krieg und Liebe

Was sind Handbücher? Seit langer Zeitverbreitete Instruktionen für Menschen, die Rat brauchen und wissen wollen, wie man ihn befolgt. Aktuell findet man welche zu Tiertransporten, Reisen, und vielen beruflichen Zusammenhängen, es ist immer ein geordneter Ausschnitt thematischen Wissens : https://de.wikipedia.org/wiki/Handbuch. Es ist nicht „einfach“ ein Ratgeber, sondern im guten Fall lässt das Handbuch die Wissens- und Handlungsbedürftigen selbst ihre Bedürfnisse überprüfen.

Seit 50 Jahren kenne ich Marlene Streeruwitz aus Baden bei Wien und in den letzten Jahren haben wir einiges kommuniziert. Ich habe viele ihrer Romane gelesen und mich vor allem mit ihren politischen und kulturellen Überlegungen zu und nach Corona auseinandergesetzt. Ein kurzer Überblick –> https://de.wikipedia.org/wiki/Marlene_Streeruwitz

Die letzten beiden Bücher, schmale Bände, sind keine Romane, keine politischen Essays, sie sind Handbücher. Die Titeldifferenz sagt fast alles: HANDBUCH GEGEN DEN KRIEG und HANDBUCH FÜR DIE LIEBE (beide bei S. Fischer, Frankfurt 2024, ). Ich schreibe da keine Rezension, die schmalen Bändchen könnt ihr selbst lesen und bewerten. Was mich seit längerem beschäftigt, ist eine Reihe von Besonderheiten, die Marlene Streeruwitz unbeirrt kondensiert. Wenn sie gegen den Krieg schreibt, dann kommt der Frieden marginal gegen Ende vor: aber fast der ganze Text definiert den Krieg bis tief in unsere persönliche, man möchte fast sagen „anthropologische“ Existenz hin und in unsere Zivilisation. Was „Krieg IST…“ wird meist als Überschrift zu kurzen klaren Texten beschrieben, die alle tiefer sitzen als die Wahrnehmung der ersten Schusswechsel und Auseinandersetzungen von Staaten, Armeen, Soldaten. Viele der Definitionen lassen uns erkennen, wie weit wir schon drin sind, wie allgegenwärtig Krieg uns vom Frieden fernhält, ohne dass wir das unbedingt und zu jedem Zeitpunkt wissen und auf uns beziehen. Das macht nicht nur den Handbuchcharakter aus, es zieht uns in eine Haltung, die – nimmt man sich ernst – einen nicht einfachloslässt, wenn man nur an Krieg denkt oder über ihn spricht oder gar etwas mit ihm zu tun hat. Er ist schon da, und der Ausweg fängt lange vor dem jeweiligen Kriegsbeginn an. Ethik, Nachdenken, daraus die Folgen begehen…Jede einzelne Aussage zum Krieg ist überlegt, und in Summe überbauen diese Abschnitte eine Didaktik zu Krieg und Frieden, wie sie so nicht unterrichtet wird. Das an sich zu nehmen, lässt uns an den gegenwärtigen Kriegen auch Resilienz und Widerstand entwickeln, nicht nur Analyse. Es geht um mehr als Gut und Böse.

Und dann folgt das Handbuch für die Liebe. Nichts mildert die Streeruwitz da gegen das Kriegsbuch ab, sie gibt sich auch nicht dem Gegenteil von Liebe als abzuwendende Wirklichkeit hin. Die Liebe dekliniert das Menschliche, das Leben, die Lebendigkeit unabgeschlossen durch. Hinter genauen Analysen steckt viel von der Geschichte jedes Einzelnen. Wie beim ersten Buch widerstehe ich, einzelne Kapitel besonders hervorzuheben. Die Kapitelüberschriften sind vielleicht noch umfassender, eindringlicher, weil es ja um uns geht und darum, was uns von Anfang an menschlich machen kann und soll. Weil es Handbuch „für…“ ist, kann man sich die Definitionen und Beschreibung gut hernehmen und auf das eigene Leben zu beziehen, vor Romantik wird gewarnt und vor dem, was von der Liebe abbringt, auch.

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Ich schreibe selten Rezensionen und natürlich ist das hier auch eine Empfehlung. Aber es hat mich auch fasziniert, wie der schwarz-weiß logischen Aufteilung der Welt ebenso wie der männlich-weiblichen Festlegung auch für die Liebe, wie für den Frieden, ein Dritter Weg angeraten wird (Handbuch!), den jede und jeder von uns einschlagen kann.

Krieg ist Krieg.

Scholz redet drumherum. Ob es Krieg geben wird, hängt nicht von Taurus ab, es gibt andere Gründe dafür oder dagegen, die Marschflugkörper an die Ukraine zu liefern. Aber ob es Krieg geben wird oder ob es ihn schon gibt, das ist nicht trivial. Wenn die Kriegslogik vorherrscht, dann gibt es ihn, längst und global, ob man ihn also solchen bezeichnet oder nicht. Macht der Diktator Putin doch so wenig wie andere Staaten, die auf fremden Territorien kämpfen. Mir gehts nicht um eine Analyse des Kriegs in der Ukraine, in Israel und am Gaza, in andern Ländern und Meeren. Dazu werde ich mich nach wie vor nicht im Blog äußern. Vielleicht in einer wissenschaftlichen Arbeit. Aber mir gehts darum, wie Scholz auf der einen Seite, die FDP auf der andern, Deutschland in der EU und weltweit verzwergen und lächerlich machen. Auch wenn sie es nicht offiziell wahrhaben wollen, die mangelnde Realität im Bewusstsein von Scholz und Lindner ist kein Argument für die CSUCDU, sondern erst einmal eines gegen diese Art nicht zu regieren. Lindner macht Deutschland in Brüssel lächerlich und nicht vertrauenswürdig, was immer er in der Koalition für Schaden anrichtet. Ob die FDP das übersteht? Hoffentlich nicht. Scholz macht sich auch nicht vertrauenswürdig, wenn er die Folgen seiner Rhetorik nicht bedenkt. Er hat nicht nur in die Vergangenheit cumex vergessen, er vergisst auch die Zukunft. Verliert die Ukraine den Krieg gegen die russischen Verbrecher, wird man Scholz die Taurusverweigerung AUCH, nicht allein, die Schuhe schieben und Russland wird sich dankbar freuen. Hoffentlich gewinnt ide Ukraien diesen Krieg, dann wird der Dank gegenüber der deutschen Hilfe einen dunklen Fleck haben, Taurus. Also? Zur Politik gehört es, Sachverhalte nicht nur zu analysieren und benennen, sondern auch richtig zu begründen.

Die deutsche Verweigerung gegenüber dem Fortschritt in Brüssel wegen des Sportwagentaumlers vom Hindenburgdamm ist peinlich. Sie wird Folgen haben, auch für den deutschen Fortschritt…Und Scholz? Verweigerung gegenüber einer klaren Argumentation im Krieg der Russen gegen die Ukraine ist gefährlich. In diesem Punkt ähnlich wie Macrons unbedachter Äußerung bezüglich von Bodentruppen im – Krieg. Ja was? natürlich sind wir längst drin, nur hat er eben ein anderes Gesicht als in den Kriegslegenden für und von früher.

Das war die Kriegslogik. In der Friedenslogik sind beide Kritiken auch beständig, aber sie müssen anders begründet werden. Lindner gefährdet den gesellschaftlichen Zusammenhalt in der EU und damit den Frieden. Und Scholz müsste, verweigert er den Taurus, mit friedensfördernden Argumenten eine Alternative außer folgenarmer Unterstützung aufwarten.

Faschismus global, lokal, trivial?

Die Reaktionen auf meine Faschismusbeobachtungen sind gemischt bis flau. Zumal aus Deutschland wird sofort die NAZI-ASSOZIATION wirksam, die ja zugleich ein Tabu betrifft, den Faschismus-Vorwurf besser gar nicht zu erheben.

Faschismus hält sich nicht an Ländergrenzen, und die österreichischen Faschisten und Nazis sind mit AfD schon länger im Bund, manchmal unterschiedlich geformt, und meistens schon einen Schritt weiter Richtung Diktatur. Zu den Unterschieden gleich, zunächst zur faschistischen Übereinstimmung, die natürlich nicht an den Parteigrenzen haltmacht, sondern in die Bevölkerung diffundiert, von Medien – von denen, die unsereins normal nicht konsumiert – befeuert. Bevölkerung ist neutral, ihr Pöbelsubstrat ist die mildere Ausdrucksform des sich verbreitenden faschistoiden Humus.

Lest als erstes Ruth Wodaks „So kündigt sich ein autoritäres Regime an“ (SPIEGEL #8, 12.2.2024, 106f.). Dass in Österreich, mit zwei Faschismen seit 1933 alles noch einem anders ist, auch wenn es gleich sich auswirkt, kann man auch studieren und nachvollziehen. Jetzt aber geht es um die Diffusion von Faschismus in die Gesellschaft. „Autoritäres Regime“ ist doch nicht so schlimm, argumentieren viele…wenn man die Freundschaft zwischen der von Merz (CDU) und Söder (CSU) zur Wiederwahl animierten von der Leyen mit italienischen Faschistin Meloni nur als individuelle Personalisierung herunterspielt, wenn man sich die Geschichte des rechtsradikalen früheren Verfassungsschützers Maaßen genauer anschaut, wenn man…man kann tatsächlich die Langlebigkeit der Faschismen von vor dem Zweiten Weltkrieg bis heute in vielen Ländern nachvollziehen, und sich Gedanken machen, wie ungleichmäßig die Immunisierung in verschiedenen Gesellschaften nachhaltig wirkt. Es gibt sie, ja, aber…Wirtschaftsunternehmungen, AmtsträgerInnen, Bands und Unscheinbare…von überall erfolgt eine gewisse, keinesfalls flächendeckende Anlehnung an die Faschismen, an die autoritären Systeme. Wenn ich jetzt ein Seminar hielte, wäre das Thema z.B. die Kritik an der Demokratie ist wirkungsvoller als die positive Wertung des Faschismus. Wenn man die Zusammenballung von Nichtzueinanderpassenden betrachtet: Bauern, Handwerker, Mütter – real in Bayern unter Aisöder so vor ein paar Tagen, wenn man die Attraktivität der entpolitisierten Mitte der Gesellschaft genau analysiert, dann wird man feststellen, dass man mit den alten Links-Rechts-Kategorien nichts mehr anfangen kann.

Ich habe schon länger argumentiert, Faschismen breiten sich wieder stärker global aus. Sie waren nie verschwunden, aber oft verdeckt. Wenn sie in Regierungen repräsentiert sind, Ungarn, Türkei, Israel, Italien, etc. ist das etwas anderes als wenn sie in gesellschaftlichen Gruppen und Parteien oder Institutionen stark präsent sind (Republikaner in den USA, Gerichte nicht nur dort) oder wenn sie sich mit Religionsgemeinschaften verbinden (Pakistan). Faschisten sind nicht automatisch Terroristen (die Hamas ist eine Terror-Organisation, da ist die Qualifikation als faschistisch sekundär, übrigens auch gegenüber Putin oder Xi, das gehört woanders hin).

Es ist nicht ausgeschlossen, dass wir bald von einem faschistischen Herrschaftsschleier überzogen werden, ähnlich wie Italien oder Ungarn oder die Türkei oder manche deutsche Kommunen oder, zu meinem Schrecken, Österreich. Und die Frage: ja, und? Liegt vielen auf der Zunge, weil sie nicht wissen, wie vielfältig und doch eindeutig Faschismus als Herrschaftsform sein kann. Die Unmittelbarkeit der Machtausübung mit der starken Latenz zur Spaltung in das Wir gegen das Sie erfährt man im Faschismus schnell. Nicht alle Kultur, nicht alle soziale Gerechtigkeit, nicht alle Lebensqualität wird ausgeblendet oder niedergemetzelt: immer nur das, was die Herrschaft und die Partikularmächte gefährdet. Und jetzt kommen die, die ich entgegen der Klassenstruktur als Pöbel bezeichne, mit dem schrecklichen Satz: Is doch nicht so schlimm. WIE schlimm es sein kann oder werden kann oder werden wird…kann von denen, die jetzt nicht aufbegehren kaum mehr beeinflusst werden, oder nur bei Gefahr um Leib und Leben. Doch, es ist so schlimm.

Antisemitismus im Diskurs

Ich halte mich daran, die Situation nach dem 7. Oktober nicht direkt zu kommentieren. Ich bereite Vorlesungen und Seminare dazu vor, aber ich bin kein tagesaktueller Journalist und schon gar kein Meinungsinfluencer. Aber ich muss eine Auffälligkeit vermitteln, die mir größere Sorgen macht als der Kampf der Kommentare um die Meinungshoheit.

Es gibt kaum eine öffentliche Stimme, die den Angriff der Hamas am 7.10.2023 nicht kritisiert, oft verurteilt und seltener erklärt. Das gehört schon zur kulturellen Staatsräson….äh? Aber jeden Tag sind die Medien voll von dem, was Israel im Gaza soll, darf, kann, tut oder nicht tun soll. Wer hier die einzelnen Meinungen und Analysen kritisiert, dem wird entgegengehalten, man hätte natürlich den Angriff der Hamas schon hinreichend negativ bewertet, jetzt gehe es um die Antwort und die Folgen.

Kein Zweifel: Man kann die Politik und Kriegsführung Israels, Netanjahus, der IDF usw. erklären, kritisieren, relativ gutheißen oder ablehnen. Nur: der Anlass geht im Diskurs verloren, geht unter in der Ausbreitung der Reaktion. Das hilft sowohl den Antisemiten als auch denen, die diesmal nicht sicher sind, ob das demokratische Israel diesen Krieg übersteht. Die Familien der Geiseln sind die Minderzahl derer, die Ursache, Wirkung und Kontext verbinden können – und es teilweise auch tun.

Sie tanzen auf der braunen Scholle

Wenn die rechtsradikalen oder bloß pöbelnden Typen, von Aiwanger über Söder bis zu dem Bauerngesindel in Biberach sich die Grünen als Objekt des nationalen Hasses ausgesucht haben, hat das zwei Seiten:

Negativ zeigt es das Übergreifen des antidemokratischen Volkstums gegen Staat und Verfassung, aber auch gegen die praktische Vernunft.

Positiv zeigt es, dass die Rechten begriffen haben, wie richtig die Grünen handeln und argumentieren.

Abwägende Journalisten und Kommentatoren reden von den „Fehlern“ der Partei, die sich jetzt auswirken beim so genannten Volk. Also ob die CDU unter ihrem Flachhirn Merz oder die antideutsche Söderkoalition nicht m9it „Fehlern“ ausstopfte…auch Fehler gehören zur Demokratie. Aber darum geht es NICHT. Wenn der Pöbel angreift, sind das Vorbereiten eines weiteren Ausbreitens von Faschismus, der sich auch in der eigentlich nichtpassenden Kooperation von Partikularinteressen ausdrückt, und im Bewusstsein der Erdklumpen im Hirn, nur keine Minderheit zu sein, nur keine Kompromisse, nur kein Nachgeben – bis hin zum Kampf der Bauern gegen Wildtierschutz und Artenvielfalt (Diese Bauern hasben ohnedies keine Nachkommen, die daran verrecken, sondern solche, die sich von ihnen abwenden….zumindest mehrheitlich).

Die Grünen können gar nicht anders als sich der bräunlichen Flut entgegenstemmen und weiter ihrem Programm folgen. Ob Merz oder Lindner dagegen anpöbeln…vergiss es. Denn Umwelt und Kriegsgefahr engen die Spielräume ohnedies ein, und dann ist demokratische und ökologische Einigkeit gefragt. Die erreicht man nicht, wenn aus der Hauptstadt der Bewegungt und aus der dampfenden Scholle die uralten teutschen Keulen ausgegraben und gegen die Zukunft geschwungen werden. Die ist grün, nicht braun.

Nazi, Faschisten, … Wortpolizei?

Putin bezeichnet die Ukraine als faschistisch und begründet seinen Krieg gegen das Land damit, die Nazis dort vernichten zu wollen.

Der bayrische AfD Politiker Protschka bezeichnet die Montagsdemonstration gegen den Faschismus der AfD und anderer Rechtsradikaler als faschistisch. (DPA 14.2.2024)

… mehr Beispiele hat jede Leserin und jeder Leser.

Der Begriff hat sich in der Alltagssprache eingewohnt und wird als scheinbar ultimatives Schimpfwort gebraucht, nicht hintergehbar. Das Wort war schon während der Herrschaft der Nazis abgenutzt, so hielt David Ben Gurion den Revisionisten Jabotinski für einen „faschistischen Satan“ oder ein britischer Besatzungspolitiker „verglich die hebräische Erziehung mit der der Nationalsozialisten“ (beide Zitate aus Tom Segev: es war einmal ein Palästina, Berlin 2005).

Der Begriff liegt sozusagen zur Hand, weil das allgemeine Schlechte in der Politik – Faschismus – mit seiner nicht-übertrefflichen Besonderheit – Nationalsozialismus – verbindet. Ein allgemeines Schimpfwort, jeder analytischen Qualität entkleidet.

Man soll sich also zurückhalten, meinen viele, nicht nur moderate, Diskutierwillige. DAS IST DIE EINE SEITE. DIE ANDERE SEITE aber verlangt geradezu den Gebrauch der Begriffe. Die AfD ist nicht einfach eine „rechte“ Partei, oder radikal-konservativ oder extrem, sie IST faschistisch. Und man sollte die Qualifizierung auch auf bestimmte ihrer Mitglieder und ExponentInnen anwenden. Wenn wir sie so bezeichnen, ist es ja kein „brandmarken“, sondern eine Identifikation. Die im Übrigen Konservative, ja manche Reaktionäre, doch von ihnen unterscheidet – aber man braucht den Begriff, um die jeweilige Nähe oder Entfernung beschreiben zu können.

Faschismus ist in allen politischen Systemen als Gegenpol zur Demokratie möglich, auch partiell. Wir haben davon etliche Spielarten in Europa, in den meisten Ländern – Faschisten an der Regierung, in Koalitionen oder machtvoll in den Parlamenten, auch auf lokaler Ebene.

Der Nazivergleich ist nur dann sinnvoll, wenn man die Entwicklung der NSDAP aus faschistischen Wurzeln kennt und wenn man den Vergleich nicht nur auf die Zeit nach 1933 anwendet. Dazu muss man etwas wissen, Faschismus zu ahnen, ist gefährlich. Ich habe Putin mit Hitler und Stalin verglichen, und wenn er den Nazivergleich bringt, zeigt er nicht nur auf sich selbst. Er immunisiert den hochprekären Wortgebrauch gegen seine Wirkung. Darauf sollte man nicht hereinfallen.

Fasching lebe hoch, Karneval verzieh dich

Ich habs schon früher gesagt: so sehr ich den Fasching bei uns zuhause in Oberösterreich (Ebensee) seit früher Kindheit mochte und mag, so sehr wende ich mich, nicht entrüstet aber fadisiert, vom rheinischen u.ä. Karnevalen ab. Auch wenn der Abschied vom Fleisch, carne, vale! lustig ist.

Es ist nicht nötig, das zu erklären oder zu rechtfertigen, soll sich vor dem Aschermittwoch doch ver- und begnügen, wer wie will. Aber die Härte der verkleideten Vorwürfe, unerfüllten Begehren, Hoffnungen und Enttäuschungen beim Fetzenzug am Montag sind schon ein Erlebnis, das unter die Haut geht. Man kann sozusagen eine Jahresgeschichte auch hinter der Verkleidung, den Masken, auch den Handlungen – manche unnötig brutal, viele symbolisch – nachzeichnen, und all das wird abgekehrt von der eigenen Psyche. Ich bezweifle, dass die religiöse Tradition des nach Vergebung und Fast vergeblich und fast wirkenden Aschermittwoch noch im Bewusstsein ist, aber es wird wie ein Katechismus aufgesagt.

https://www.meinbezirk.at/salzkammergut/c-freizeit/fasching-2024-in-ebensee_a6505954

man kann viel mehr dazu im Netz sehen und schöne Bilder dazu, aber mir geht es um etwas anderes:

Ereignisse, die immer wiederkehren, wie traditionelle Rituale (in Ebensee der Glöcklerlauf am 6. Januar oder der Fetzenzug) lassen andere hinter sich, man – ich – erinnert sich nicht einfach an die Stunden auf den Straßen, sondern an die eigene Kindheit und vor allem Jugend, für die solche Rituale den Rahmen geboten haben. Bis zum Aschermittwoch werden Regeln außer Kraft gesetzt (wirklich? nicht wirklich, aber….), und dann wird’s wieder normal, einschließlich oft handfester Buße und Reue, das spielt in Beziehungen, Zeugungen, aber auch Beleidigungen, Anwürfe und bisweilen Gewalt hinein. So wollte es das Kirchenjahr und der jahreszeitliche Gewissenskalender. Säkular ist das wie ein Aufbruch in die zeitweilige Enthaltung von Alkohol oder Süßigkeiten, aber heute doch nicht mehr richtig, die meisten wissen gar nicht mehr, was fast bedeutet. Oder man hält sich ohnehin – eh! – nicht dran.

Worum es mir geht? Es gibt Erinnerungen, die sich im Gedächtnis verknüpfen sollen oder können, verknüpfen mit Ereignissen, mit lokalen Ereignissen und Erscheinungen, die durch den Fetzenzug oder ähnliches nur reanimiert werden. Was hat der Fasching vor 80 Jahren bedeutet, dann vor 60, dann vor Kurzem? Und für wen? wer hat sich politisch draufgesetzt?

Wenn ich an meinen Kindheitsort Ebensee denke, kann ich das heute nicht nur landschaftlich (zB. Rudern im Traunsee, Schwimmen, Gipfel, Wald, Kyrill 2008), sondern muss die Industriegeschichte, die KZ Geschichte, die Eiwanderungsgeschichte, die Abwanderungsgeschichte mitdenken, gerade weil ich ja nicht mehr da bin. Nur der Fetzenzug bleibt…

(und warum das im rheinischen Karneval anders ist, weiß ich nicht. Egal.

Fastnacht in Basel ist in bester Erinnerung, das ist wieder anders).

Augen auf. Ein Krieg? Krieg dich ein.

So schaut doch hin.

Ich wiederhole meine Grundthese: wenn wir in der Friedenslogik argumentieren, kommen andere Forderungen und Vorstellungen zustande als wenn wir in der Kriegslogik argumentieren. Entscheidend sind nicht Meinungen oder von uns vorgebrachte Wahrheiten, es zählt die Wirklichkeit.

Was ich möchte, ist nur begrenzt wichtig, was ich sage, hat kaum Wirkung. Aber was ich über die Wirklichkeit denke, ist mit entscheidend für mein Leben.

Innerhalb der Friedenslogik muss ich fordern: den Krieg sofort beenden. Welchen Krieg? Ich behaupte, wir sind im Krieg und es gehört nicht zum Frieden, seinen Ausbruch zu verhindern, weil er ja da ist. Weltweit, global, unterschiedlich lokalisiert. Den Krieg beenden, bedeutet, Politik. Es bedeutet, nicht nur für die eine Seite auf Sieg und die Andere auf Niederlage zu setzen, sondern die Auseinandersetzung zu beenden. Und das ist etwas anderes als der dauernd vorgebrachte, vorgezogene Kompromiss. Wie eine Einigung aussieht, kann man vorher schlecht vorhersagen. Ich muss nicht begründen, warum ich das Ende des Kriegs will. Menschenleben, Soziales, Kulturelles und Ökologisches sind imperativ. Frieden ist kein Zustand, sondern ein Prozess.

Innerhalb der Kriegslogik muss ich Partei ergreifen, muss den einen den Sieg, den andern die Niederlage wünschen. Das zu begründen, kann die Friedenslogik hemmen oder befördern. Aber eines ist klar: die Kriegslogik folgt nicht den Friedensvorstellungen. Wenn ein Friedensforderer Verhandlungen verlangt, muss nicht jede Seite verhandeln wollen oder können. Das macht das Friedensverlangen innerhalb der Kriegslogik schwierig. Krieg ist kein Prozess, sondern ein Zustand.

Deshalb brauchen beide Logiken das(den(die DRITTEN. Die stark genug sind zu verhandeln – dazu kann u.U. auch gewaltsam demonstrierte Stärke gehören – und auch stark genug sind, das Militär durch Politik zu ergänzen, gar zu ersetzen. (Wir haben das vor etlichen Jahrzehnten Friedensbewegung genannt, das hieß auch, die Menschen jenseits der herrschenden Politik für den Frieden sich einsetzen zu lassen). Das, was sich gegen die AfD abzeichnet, kann sich auch für den Frieden abzeichnen, aber macht euch keine Illusionen, weil Krieg IST, weltweit, kann man ihn nicht verhindern, bestenfalls seine weitere Ausbreitung. Ihn einzudämmen, braucht Prinzipien, machtvolle Praxis, keine schönen Worte. Manche Prinzipien sind nicht verhandelbar, aber das bedeutet unter Umständen auch Gewalt auf der eigenen Seite.

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Liebe Leser*innen, ihr braucht mein pazifistisch-bellizistisches Argument nicht. Ich schreibe diese wenigen Zeilen a( aus Überzeugung, das wir etwas TUN können, und b) dass man nicht fordern sollte, was der Wirklichkeit nicht stand hält (etwa mit Verhandlungsunwilligen verhandeln). Was können wir tun? immer die unterstützen, die im Krieg die Friedenslogik nach wie vor vertreten, in der Ukraine, im Sudan, in Afghanistan, in Israel, im Nahen Osten…es gibt sie, und dazu muss man, müssen wir uns informieren. Das kann schon ein wichtiger Schritt sein, zu wissen wen man wie unterstützen kann, und warum, und das nicht auf seine Meinung allein aufbauen. Manchmal ist Information schon Praxis, bisweilen sogar gefährdend. Aber diese Praxis kann auch befreiend wirken, damit wir wissen, welcher Logik wir uns wirklich anschließen.

Lindners Kampf gegen Deutschland

Lindner und seine kleine Sportwagen-Luxusressort Partei, genannt FDP, machen Deutschland in der EU und im eigenen Land lächerlich. Das kann Berechnung oder ein verzweifelter Schaden sein, dessen Körperteil ich nicht benenne.

Wäre die Situation nicht so schlimm – der globale Krieg an vielen Orten, die Unfähigkeit der deutschen Bürokratie, das Wegschauen des Pöbels von der Wirklichkeit und die Zögerlichkeit der Demokrat*innen, dem Pöbel die Stirn zu bieten – dann könnte man die FDP bei 3,5 % vergessen. So wird sie zum gesellschaftlichen Gegner.

Wenn schon Bündnis von Demokratie oberhalb der Parteienebene, dann ein Bündnis, kein Huckepack für die Gauner vom Hindenburgdamm.