Krieg – anders als bisher? Frieden auch.

Wenn man die Verletzten, Toten, Geschändeten, erfährt, wenn man die zerstörten Felder und Häuser sieht, dann kommen die Erzählungen wieder hoch, die sich ja in Bildern – und Statistiken – ausdrücken. Dann spricht MAN vom KRIEG. Der Rückblick, in Deutschland Stalingrad, in den USA Vietnam, usw. erzeugt eine Lücke in der Wahrnehmung. Was ist jetzt anders?

Darüber nachzudenken ist ebenso wichtig wie sich die Zukunft vorzustellen. Wünschbar ist Frieden, aber ja, nur: den können wir uns schwer vorstellen, und den drohenden, näher rückenden Krieg stellen wir uns in den Bildern der vergangenen Kriege vor. Nur die Wahrnehmung des wirklichen Todes, verhungerte und geschändete Kinder, verlassene Alte, gemetzelte Menschen allen Alters, bringt uns die Wirklichkeit nahe, unabhängig davon, wie das Sterben verursacht wurde.

Darüber schreibt man nicht, wenn man nicht auch etwas Praktisches tut. Aber wir wissen es – oder etwa nicht?

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Die Zusammenhänge sind nie einfach gewesen, jetzt sind sie es auch nicht. Aber die unsittliche Plattheit, dass alle irgendwie (selbst) Schuld haben, wabert natürlich durch alle Plots und Kommentare derer, die sich jetzt schon bücken, um die Unterwerfung vorzubereiten.

Das geht in den Alltag.

Wenn man etwas wirklich weiß, muss man nicht dauernd mit sich und seinesgleichen darüber reden. Nur, wenn man etwas zu sagen hat, soll man das Thema ansprechen (das ist die Theorie von A.R.Bodenheimer, einem vor 13 Jahren verstorbenen Freund). Mit anderen Worten, diesmal meinen: über diese Kriege zu sprechen hat nur Sinn, wenn es der Aufklärung, dem politischen Bewusstsein, hilft, praktisch zu werden. Sich auf die Folgen dessen einzustellen, was möglich und wahrscheinlich ist, nicht Wissen durch Vertrauen zu ersetzen (auf Gott, auf Trump auf…).

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Und sonst müssen wir weiter so leben, wie wir es auch, auch! für richtig halten. Der Weltkriegsalltag und seine Vorboten soll keine Mitläufer erzeugen mangels Alternativen. Die derzeitige Regierung verstößt gegen viele Überlebensregeln der Umwelt- und Sozialpolitik. Es ist den Merzen und Dobrindts und Klöckners nicht bewusst, denke ich, dass sie damit indirekt auch die um sich greifenden Kriege unterstützen. Uns muss das zu denken geben – und zu handeln. Das kann uns durchaus stärker machen als uns auf den Ausbruch von Kriegsalltag in der Nähe angstvoll vorzubereiten. Wenn wir richtiger leben und handeln, haben wir weniger Angst. Nebbich?

Spannend

Die Weltordnung fällt auseinander. Nicht zum ersten Mal. Sie belebt alle gescheiten und weniger gescheiten Kommentare, warum das so ist, seit wann es so ist, und ob und wie man das ändern sollte. Meist landen diese Überlegungen in der dritten Kommentarstufe am Stammtisch oder in endlos sich überschneidenden Talkshows. Aber, werte Leserinnen und Leser: was erwartet ihr denn anderes?

In vieler Hinsicht sind die Vergleiche bei uns mit 1913 besser als mit dem Beginn des 2. Weltkriegs – bei anderen Gesellschaften vergleichbar anders. Es wird sich etwas verändern, eher wissen wir was als wie.

Lassen wir alle Esoteriker, Futurologen, Globalanalytiker einmal beiseite, aber auch erklärte Unterwürfige – die sind auf der politischen Ebene gut erkennbar, wenn sie Trump in den Trump und Putin in den Putin und Xi in den Xi kriechen. Genauer hinschauen muss man bei der zweiten Ebene, wer kriecht warum dem Erdögan in den Erdögan oder … aber geht es um die politische Ebene der Gegenwart, oder nicht vielmehr wird ihre Zukunft durch die gesellschaftlichen Entwicklungen – also Politisierung, nicht gleich Politik – vorher bestimmt? Nur wissen wir nicht, wie es wirklich ausgeht. Was wir kritisieren können, sollten wir durchaus kritisieren: z.B. die Renationalisierung, die Entrechtlichung der internationalen Abkommen, den Abbau von Umweltpolitik und die soziale Verarmung ganzer Gesellschaftsschichten aus budgetären Gründen. etc. ABER das alles sagt nicht, was wirklich kommen wird, wir haben nur eine Palette von Möglichkeiten, keinen eindeutigen Weg.

Das ist kein altmodischer Hinblick auf Schicksal, auch keine passive Erwartungshaltung über das, was für uns wahrscheinlich sich ereignen wird. Das sagt nur, welchen Aspekt aus dem Portfolio wir auswählen sollen – und dann versuchen es zu können, nicht umgekehrt – um uns resilient, beständig und politisch weiter zu entwickeln.

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Trivial? Na und. Banal? nein. Zur Möglichkeit der politischen Weiterentwicklung gehört neben der Bildung auch die dauernde Präsenz in der gesellschaftlichen und also auch persönlichen Kultur. Ein Beispiel: Adriana Altaras https://de.wikipedia.org/wiki/Adriana_Altaras hat gestern (9.9.25) in Potsdam schon zum zweiten Mal ein Podium dynamisiert, das die Diskussion in den Köpfen des Publikums diffundiert und nachher, vielleicht auch länger andauernd, Folgen hat, im Nach-Denken, sich Vergewissern. Die Darstellung und Vorstellung von Nachdenken und Musik hat belebt, gezeigt, wie soziale Kultur der Politik vorangeht. (DER JÜDISCHE SALON POTSDAM – 09. September, 18:00 Uhr – Die Landeshauptstadt Potsdam in Kooperation mit dem Jüdischen Filmfestival Berlin Brandenburg hat eingeladen, schon das zweite Mal). Und nicht von der Politik gesteuert wird, zum Wohle der jeweils Regierenden. Daran muss ich jetzt denken, nach dem politischen Auftakt im ersten Absatz. Was aus uns wird, bestimmt die Politik morgen, nicht was wir heute geworden sind…

Ärmer, kränker, dümmer, …weiter so?

Nein, ich sage nicht, dass wir arm, krank und dumm werden. Der Abstieg ist kein Fall, sondern ein Gleiten in die Normalität von Armut, Krankheit und Dummheit.

Die These: das gilt für FAST ALLE. Die wenigen Millionäre und ihre Sklaven werden zwar auch sterben, aber bis dahin etwas reicher, wohl nicht gesünder oder gescheiter dahinleben. Ob wir ihren Tod jeweils erleben oder ihn vielleicht sogar nachrufen, ist egal. Es geht um JETZT, d.h. um unsere Kinder und Enkel, und es geht um uns.

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Weil es nicht um Wohlleben, gar Wohl“stand“ geht, weder in der global Kriegswirtschaftspolitik, noch in der Ablösung der Demokratie durch die Faschismen, noch um das Ausdünnen der Umweltpolitik bis zur Erstickung, ist das kein pessimistisches oder finales Ausblicken, sondern der Aufruf, sich auf die Wirklichkeit einzustellen. Lieber ein Optativ oder eine Zukunftshoffnung als das Herumeiern auf unwahrscheinlichen Möglichkeiten.

Wäre Trump Katholik, könnte man ihn vielleicht bekehren und gleich selig sprechen. Sein Vize ist Katholik und hat seine Chancen schon verblödelt, er könnte als Trumps Nachfolger nur durch eine Bekehrungsorgie noch die Gunst des Himmels erwerben. Also nicht über den Atlantik schauen, Europa wird wohl in der Kluft zwischen Karthago II und Karthago III ausharren müssen, d.h. wir werden ärmer, kränker und dümmer. Die Sozialgesetze können bei dieser Wohlstandsblasenideologie nicht reformiert werden, das Gesundheitswesen wird nicht mehr allen psychischen und körperlichen Behandlungsoptionen für alle gerecht, und Bildungsreformen eher woanders als bei uns.

Habeck wurde nicht verjagt, er ging, weil er das schon früher vorausgesehen hatte. Kommt er zurück, braucht er Macht und wir mehr Demokratie.

Die deutschen wie auch andere europäische Faschisten freuen sich zu früh, denn ihr Krieg gegen die Bevölkerung wird auch sie in den Arbeitsdienst zwingen (Das nenne ich Dialektik).

Aber egal, ob ihr diese kurzen Einleitungen so akzeptiert oder gar teilt: wenn wir #rmer werden, wenn das Gesundheitswesen eingeschränkt wird, wenn uns im Winter kalt wird, und wir mehr Bücher leihen als kaufen, WENN das so kommt, dann hilft u.a. nur sich darauf einzustellen. Wie gesagt, Neid auf die Milliardäre und Millionäre ist bühnenreif lustig, nützt aber nichts, hingegen stärken unsere Resilienz und Widerständigkeit die aussichtslosen Anstrengungen, uns schon vor der Umweltvernichtung gefügig zu machen, ob in Ohio oder China oder … übrigens, immer wieder die Diktaturen aufzählen kann zu besserer Rechenlogik führen.

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Lasst euch nicht knicken. Denkt, wie lange unser „NEIN“ braucht, um zu wirken. Davor fürchten sich nicht nur Trump und Putin. Ach ja, eigentlich wollte ich ja über die unentschlossene unpolitische deutsche Bundesregierung schreiben. Nur, was soll ich dazu schreiben? Hört euch doch die Nachrichten. Bloch sagt zu Recht, das Nichts ist auch Etwas.

Linker Westen? Werch ein Illtum.

Auffällig sind zwei Phänomene: der Westen wird von den einen REkonstruiert, von den anderen DEkonstruiert. Und wenn es in der Gesellschaft kracht, sind die Linken schuld.

Wie auch immer. Hier wanken die tektonischen Platten der Weltpolitik. Damit ich mich nicht im unerträglichen Mythizismus überalteter Begriffe verfange, muss ich selbst aufpassen. Wie lange haben „Wir Linke(n)“ vom „Westen“ gesprochen, und dabei richtig festgestellt, dass der „Osten“ noch schwieriger auch nur zu bestimmen war, geschweige denn zu beschreiben.

Ausgangspunkt eins: viele, nicht alle, westlichen Demokratien drücken sich ins Trumplager, damit sie einerseits vor dem Osten, also Putin und teilweise Xi, geschützt werden, und sich andererseits selbst so aufrüsten können, dass sie weniger von Trump abhängig werden. Was einerseits ein unauflösbarer Widerspruch ist, andererseits fast normale Geopolitik aus Sicht der Schwächeren (nicht Schwachen!( und aus Sicht von selbst-schwankenden Demokratien gegen die nächstliegende Atomdiktatur USA gegen das Bündnis der drohenden Atomdiktaturen Russland und China, mit entsprechenden Untergebenen, also Atom-Followern. Da hat der Westen nur Israel, und das ist noch einmal ein Stolperstein.

Ausgangspunkt zwei: Nun, schon länger zweifeln wir am „Westen“ und je genauer wir ihn dekonstruieren, desto brüchiger wird seine Architektur, also stellt man ihn lieber unter Denkmalschutz. Hinweis: Kritik am enggeführten Westbegriff gibt es schon länger, auch hier im Blog, z.B. anhand von Heinrich August Winkler. Aber jetzt wird es konkret: In der ZEIT #37 macht Jens Jessen einen schwer erträglichen Kurzschluss, wonach die Fehlpolitik der „Linken“ den Aufstieg der „Rechten“ AfD u8.a.) begünstigt, wenn nicht bewirkt hatte. Als Antwort reagieren Robert Pausch und Ines Schwerdtner in der ZEIT # 38 unter dem richtigen Titel „So einfach ist es nicht“, aber leider gehen sie nicht tief genug in der Analyse der Linken, weil die ja weniger mit der Arbeiterklasse als mit gesellschaftlichen politischen System zu tun hatte und hat, wie im übrigen die Rechte auch. Meine Konsequenz seit längerem, mit vielen geteilt, rechts-links ist eine fragwürdige Koordinate, teils anachronistisch, teils auch dann nicht richtig, wenn man sich subjektiv eher als alter Linker denn irgendwie als Rechter empfindet.

Zurück zum Ausgangspunkt eins: Allmählich greift die Kritik am Fokus des Westens um sich, nur langsam und oft ideologisch falsch, extrem bisweilen. Auch wenn es im SPIEGEL steht, das Interview mit Josephine Quinn fasst zusammen, was auch ich seit langem bedenke (auch ich ist bescheiden, nicht anmaßend, weil im Alltag der Westen und der Osten schon sehr verbreitet sind): „Die ideologische Tektonik verschieb sich, und der Ausgang ist ungewiss“ (SPIEGEL #37, 108ff.) –> „How the World Made the West“ u.a., und https://en.wikipedia.org/wiki/Josephine_Crawley_Quinn – die Kritik an den West- und Ost-Begriffen ist nicht neu, aber hier zusammengefasst.

Damit ist übrigens auch klar, wo die Linken mit ihrer Kritik an den Rechten etwas danebenlagen, weil sie sich auf eine Arbeiterklasse berufen haben, die es so und mit dieser Ideologie längst nicht mehr gab und die auch früher anders als ein Idealtypus war. Was nicht die Rechten milder beurteilen lässt, nur nicht auf einer Klassenanalyse, die eben nicht schwarzweiss, sondern differenziert war und ist.

Hier kann ich, ohne „persönlich“ zu werden, auf Jugenderfahrung in einem Industrie- und Touristenort zurückgriefen, wo sich das Hufeisen einer Rechts-Links-Klammer historisch und persönlich fast schloss und meiner heranwachsenden kritischen Politik durchaus Probleme machte. Ganz allgemein natürlich, dass viele Faschisten eine linke Vorgeschichte hatten, ja, selbst dass die nsdAp „Arbeiterpartei“ hieß, sind historisch keine Zufälle- und das kann man wissen und nachlesen – und verstehen.

Links im Westen – nehmt die Studentenbewegung(en) ist nur in Deutschland (nicht einmal in Österreich so) durch die Nachkriegserfahrung und -mythisierung verbogen. Das kann man gut und im Detail studieren, und auch die Verdrängungsmechanismen buchen. Der Westen ist nicht links gewesen, nur bisweilen wirklich demokratisch und die Nahtstellen gibt es bis heute. Aber der westliche Nachkriegsmythos hatte ja, neben der Eurozentrik und der Halbabwendung zum Kolonialen und Imperialen, auch eine nationale Fokussierung.

Quinns Kritik umfasst auch Huntington (der ja eine Zeitlang die Hirne gebunden hatte) und sie wendet sich deutlich gegen die Überschätzung der europäischen Geschichte (da verweise ich auch auf W. Behringer (Der große Aufbruch, Beck 2023). Aber weit unterhalb der hohen historischen und philosophischen Ebenen ist ja die Horizontalisierung der Kulturen in unserer Gesellschaft – nicht gleich mit dem Staat – eine Möglichkeit, demokratisch zu bleiben und sich zu entwickeln.

Und kritisch auf den Westen und den Osten, auf die Linke und die Rechte zu blicken, sie kritisch zu bedenken, das hilft ein wenig, politischen Boden unter den Füßen zu gewinnen.

Das erzählt einmal der Regierung

Wer ist schuld?

Eine spannende Frage, wenn man einmal weiß, woran jemand schuld sein kann oder sollte.

Dass die politischen Hetz- und Hassprediger genau diese Frage verneinen, macht ihre Politik ja aus. Lassen wir diesen Bereich außen vor, ist es schon spannend, wie man sich um die Schuldfrage drückt.

Beispiel Dobrindt: da kann man viel von der Verlogenheit des Schuldbegriffs lernen, wenn jemand verantwortlich für eine gigantische Staatsverschuldung ist und sich zugleich für unschuldig erklärt, als hätte er recht gehabt und das Gericht aus einer andern Welt geurteilt.

Die Weltliteratur und die Tagespresse, die Nachbarschaft und das politische Forum….ganz viele Organe und Individuen konzentrieren sich auf Schuldsprüche gegen andere Menschen oder ganze Institutionen, ja Staaten. Um fast immer für die Schuld auch Sühne zu verlangen. („Schuld und Sühne“ von Dostojewski ist jetzt 160 Jahre alt und vielleicht nicht mehr so spannend).

In diesen Tagen regt mich schon auf, dass schuldhaftes Handeln anderer eine Rechtfertigung für eigene schuldhafte Praxis darstellt. Denn da kommt man weder logisch noch politisch raus, das liegt an dem Begriff und seiner Verwendung. Der gesichtswahrende (!) Aspekt entschuldigender Verhandlungen kommt in den täglichen Nachrichten zur Beendigung von Kriegspolitik häufig vor.

Man kann das auch auf den Alltag des Umgangs der Menschen miteinander anwenden. Aber in der Politik ist es wichtiger, wenn mit Schuld, Beschuldigung, Entschuldigung, die Ebene der Meinungsäußerung und ihrer Wirkungen wahlweise eingefangen oder abgeblockt wird.

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Das ist keine Moralpredigt, schon gar kein Schuldschein!

Es reicht ja, wenn man sich einmal die Geschichte der Verwendung des Schuldbegriffs im moralischen oder geschäftlichen Alltag anschaut. Ich zeige, werte Leserin, bester Leser, ja nur, wie mich ein Begriff und seine Familie besonders ärgern, weil sie in die Politik eindringen und dann schwer zu beseitigen sind, etwa mit Ent-Schuldigung. Das ist schon im Alltag fragwürdig, wenn ich mich für die Anrempelung entschuldige oder das Vordrängen, und erst recht im nicht körperlichen Abwenden der Folgen von Lügen oder Beleidigungen. Ökonomisch ist das einfacher: Schulden machen, Schuldscheine einreichen, im Schuldturm verrecken…(Im etymologischen Wörterbuch ist der Begriff „Schuld“ nur einen kleinen Absatz wert…). Aber im Alltag eben ein oft gebrauchter Begriff mit oft verheerenden Auswirkungen…wenn eine Entschuldigung nicht angenommen wird, so schlimm, wie wenn jemand sich nicht entschuldigt.

Psychoanalytisch ist der Schuldbegriff schon ganz spannend, mit Scham verbunden, aber noch mehr mit Entschuldigung, auch mit Sühne… Aber im Alltag…

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Ihr werdet euch fragen, warum ich in meinem Blog so eine Einlassung schreibe. Fehlen mir die spannenden Ereignisse? Keineswegs. Gibt es einen Hintergedanken? Eben nicht. Das ist es, mich ärgert, wie umfangreich der Schuldbegriff um alles und jedes herumwirbelt. Nur schreibe ich ja nicht nur um meinen Ärger loszuwerden. An politischen Ereignissen ist es besonders spannend, wenn die Beschuldigungen sich über die Sachverhalte legen, bis man gar nicht mehr erkennen kann, was wirklich geschieht und wer was wie angefangen hat – bevor klar wird, wer daran schuld hat. Umgekehrt, wenn es klar ist – Russland gegen die Ukraine, zum Beispiel – nützt die Beschuldigung gar nichts, solange man nicht gegenhält. Militärisch waren und sind oft Siege Entschuldigungen, und Widerstand gilt dem Sieger als neue Schuld. Und in der >Politik wie im Alltag gilt, dass es ja nicht immer nur zwei gibt, den Schuldigen und den Unschuldigen, und wenn mehrere Schuldige gegeneinander Gewalt anwenden, dann ist die Schuldzuweisung oft der Anfang weiterer schuldhafter Politik.

Natürlich wäre es quatsch, eine Begriffspause zu verlangen und für eine Weile den Schuldbegriff sagen wir nur den juristischen Institutionen zu belassen. Aber den eigenen Gebrauch des Wortes zu kontrollieren, ist nicht schlecht.

Du bist schuld daran, dass ich jetzt schlecht gelaunt bin? Nein, du

Nichts geht mehr?! Was ist Nichts?

Ich höre und lese pflichtbewusst die täglichen Nachrichten, nicht gern und nicht inspirierend. Auf neue Ideen bringen sie mich nicht, und mit vielen Analysemikros kann ich nichts anfangen. Auch der Vergleich mit dem, was Deutschland in die Schlagzeilen gibt mit London, New York und Wien, macht Aufwand, aber es erhellt das Bewusstsein nur mäßig. Die stete Wiederkehr des Murmeltiers oder Weihnachtsmärkte macht den Jahresrhythmus nicht besser.

ODER

So war es immer ?? in der Geschichte, die einen profitieren, den andern geht es immer schlechter, und die Meisten wollen sich das begütigend erklären, und die Armen sollen sich nicht so haben, usw. Die politische Ökonomie lehrt, dass im Zweifel die Wirtschaft die Politik und nicht umgekehrt dirigiert, und das trägt alles zum Fortschritt der Menschheit bei.

UND ABER

Beides stimmt nicht. Oder es stimmt zugleich. Sonst würde ich mich damit ja nicht unruhig befassen. Die Weltnachrichten kann man zwischen den Zeilen durchaus verstehen, wenn man hinhört und hinschaut. Ungut, ja, wie sich die politischen Kräfte neu sortieren, wie tektonische Platten, nur sind die Erdbeben der Politik im Vorfeld von Kriegen nicht so heftig, und danach gewöhnt man sich daran, wenn man nicht gerade selbst betroffen ist. Aber das sind wir ja, sowohl was Umwelt als auch stabilen Frieden betrifft? Ja schon, aber über die nächsten Wahlen hinausschieben.

RESIGNATION VERSUS RESILIENZ

Ärgerlich, dass nicht nur unsere Regierung verbal die Probleme scheinbar erkennt und benennt, nur – was tatsächlich macht, verzögert nur das Bewusstsein um die globalen und lokalen Krisen. Nimmt man das hin und verklärt das sogar als pragmatische Einigkeit der Regierung der „Mitte“, dann wird man von der Wirklichkeit umso härter getroffen werden, man ´wir, unsere Kinder, Enkel, Freunde….Lest einmal über den Kriegsbeginn 1914…

Wir dürfen uns nicht unseren Meinungen hingeben, sondern politisch den Widerstand erst unserer Psyche, dann unserer Praxis einrichten; widerstandsfähiger werden und – für die Umwelt kämpfen, umso mehr, als die Kriege ja die Chance der Umweltrettung weiter ausdünnen.

KEINE IRONIE

ist es, wenn ich meine, wir können „Neben“widersprüche vorsichtig beiseite legen, um die wirklichen Widersprücher, die Erdbeben tektonischer Gesellschaftsplatten, zu überleben und den Widerstand zu beleben.

Darüber kann man sprechen und man kann handeln. Nicht einfach ankündigen und Kommissionen einrichten. Die Zeit drängt und unser Leben ist kurz. Wer es nicht glaubt, soll wieder bei Ovid das VORLETZTE Zeitalter lesen. über das letzte gibt es wenig zu erwarten.

Väterrente, Hunderente, Rentnerrente

Der bairische Gockel und seine getreuen Regierungsdiener haben schon erheblichen Einfluss auf die matte Merzregierung. Münchner Vor-Merz kann man schon sagen. Verschwendung unserer Steuergelder zugunsten von sozialer Anwerbung der kuscheligen CSU-Wählerinnen, weiterer Abbau der Stütze für die ärmeren StaatsbürgerInnen, überhaupt: staatlich verordnete Verarmung, bevor wir weltwirtschaftlich und europäisch ohnedies den Gürtel eng schnallen müssen, weil die Russen kommen und die Amerikaner uns nicht helfen. Man kann auch, bösartig, ich gebe es zu, Nachkrieg ist endgültig zu Ende, Vorkrieg ist Realität, den Westen gibt es jetzt auch nicht mehr, wo es doch den Osten schon nicht so gegeben hatte, wie die Rhetorik der Konservativen ihn immer angerufen hatte.

Aber zurück zu Söder und seiner Gefolgschaf6t. Warum nur Mütter zu Rentieren machen und nicht auch Väter? Wer ein Kind zeugt, natürlich, nicht klinisch befruchtend, wer also kohabitiert und dabei einen Baiern oder eine Bairin herstellt, sollte dafür eine Fruchtbarkeitsrente bekommen, 25 € im Monat und ein Freibier beim Oktoberfest. Das würde a) die Zeugung zur Überzeugungstätigkeit aufwerten, b) die Steuern von der städtischen UBahn auf die ländlich-männliche Laufbahn umlenken und c) deutlich zeigen, welche historischen Vorbilder sich die CSU zu eigen macht. Nicht nur christlich-sozial.

Und dann weiter: wenn Frauen und Männer Rentiers werden, warum nicht Hunde auch? Sagt doch der Baier gern zu seinem Gegenüber „Du Hund, du!“. Der Hund ist das Vorbild für die bairische Sündax. Also soll er verrentet werden, sagen wir, in drei Klassen: Schoßhund, Jagdhund, Schweinehund…5 € pro Tier im Monat, der Schweinehund mit einer symbolischen Prämie vielleicht? Aber, bitte, nur bairische Vierbeiner, keine deutschen oder gar europäischen Sozialschmarotzer…nein, man muss schon gerecht sein.

Und dann, wenn wir schon dabei sind: wir brauchen die Rentner-Rente. Wenn die Rentner, meist Rentner-innen, lange genug Rente beziehen, dann haben sie dafür eine Rente verdient. Auch die Rentner sollten nach 30 Jahren in Pension gehen dürfen.

Söder und Dobrindt sind schon Rentiers. Die brauchen gar nicht mehr in Pension gehen. Die dürfen weiter unser Land nach Hinten weiter zerstören, dann schmerzt der Angriff von Außen weniger. Sie können sich ein Vorbild an Xi nehmen: keine Sozialsicherung, nur Wandel durch Handel, sozusagen anbandeln über die Bande.

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Ich wache früh auf. Die Nachrichten widerlegen meinen Traum nicht. Naja, Fön…

Kriegszeiten, Jahreszeiten, Unzeiten

In meiner Umgebung gab es immer Jahreszeiten, die Familien Sommer, Herbst und Winter, und statt Frühling hieß unsere Vermieterin Lenz. Ich hatte mir als Kind nie Gedanken gemacht, wie es zu dieser Namensgebung gekommen ist. Und viele Witze gab es in der Schule auch nicht dazu. Die Erklärungen und historischen Belege sind zahlreich (https://de.wikipedia.org/wiki/Vier_Jahreszeiten), und man kann sich leicht vorstellen, woher dien Einteilung kommt…diese Vorstellung prägt langwellig auch unsere Kulturen.

Trotz aller Modernisierung der Waffensysteme und aller elektronischen Steuerung gibt es in denn heutigen Kriegen durchaus eine Abhängigkeit von Jahreszeiten beim Waffeneinsatz, nicht mehr so direkt wie früher, aber immerhin…

Vorkrieg, Nachkrieg, Bürgerkrieg, Weltkrieg, Rosenkrieg….welcher von diesen ist kein Krieg? Und warum?

Unsere Nachrichten wählen Kriegsbezeichnungen und Mitteilungen darüber aus, sie können gar nicht immer alle Kriege aufzählen und beschreiben, gar bewerten. Aber der Begriff „Krieg“ hat sich in unsere Sprache eingegraben, sich festgesetzt, vom Ehekrieg zum Handelskrieg. vom Krieg der Sterne bis zum Krieg der Welten. Wann und wie der Begriff in Kunst, Literatur und Philosophie eingeht, verschafft vielen eine sekundäre Beschäftigung. Dem gegenüber kommt die Kehrseite, der Frieden, oft zu kurz, wiewohl auch dauernd und vielseitig angewendet. Nicht wirklich mein Thema, jetzt schon gar nicht.

Krieg auf allen Ebenen, das ist wichtig: jeder Krieg hat viele Schichten und greift weit in die Gesellschaft ein, in die Familien, in das individuelle Leben. und natürlich in die Kulturen, und in die Sprache (russisches Begriffsverbot!) und in unser Bewusstsein. Schrecklich, wer nur Krieg kennt, von Geburt und Kindheit an, der braucht den Begriff gar nicht mehr, um die Wirklichkeit zu erleben; und schrecklich, wer den Krieg erst im Lauf des Lebens kennen lernt, erwartet, unerwartet, aktiv mitbetrieben oder passiv erfahren. Kriegszeiten werden auch historisch anders erlebt und beschrieben und weitergegeben als Friedenszeiten. Obwohl das ja nicht einfach zwei Seiten einer Münze sind.

So, wie die Jahreszeiten nicht mehr das sind, was sich uns seit Kindheit eingeprägt hat, so sind Kriege niemals das, was als öffentliche, offizielle Beschreibung und Bewertung an der Oberfläche sichtbar ist und dann doch in Schule, Familie, Tradition, auch Religion, vermittelt und eingeprägt wird. Sprechen über ist etwas anderes als erleben, das ist nur ein Segment. Um welche Vergangenheiten geht es bei welchen Konflikten und Kriegen? Um welche Gegenwarten – Tod, Vertreibung, Verwundung, physisch, psychisch, generationenübergreifend und persönlich, und die dazu gehörigen Propaganden… – geht es wirklich? und gar, um welche Zukünfte?

Für mich ist es schwer, nicht dauernd zu analysieren und meine Meinung zu verbreiten. Paradox: gerade, wenn ich wirklich etwas weiß, einer Wirklichkeit bewusst bin, halte ich mich zurück: Israel, Palästina, Ukraine….Das ist keine Spur von Bescheidenheit, aber eine nachdenkliche Vorstellung, wen meine Aussagen erreichen, wenn sie über Meinung hinausgehen. Mich sozusagen in die Politik dieser Aussagen einbeziehen. Und das Nachdenken darüber, ob wir wirklich, wie ich ernsthaft denke, am Rande eines III Weltkriegs sind oder schon drin. Das ist kein Talkshowthema. Der Lernprozess selbst endet ja einerseits erst mit dem eigenen Lebensende, aber, geht es von einem selbst aktiv aus, nie. Also Vorsicht bei beidem: Rausposaunen oder Zurückhalten. Mittelweg schon gar nicht.

Lacht nicht, wenn ich sage, dass die letzten Absätze bedeuten, politischer zu denken und zu agieren. Privaten Rückzug gibt es nicht…Das heißt gerade nicht, dauernd Meinungen auszusäen. Sondern sie zu bilden und dann zu überwinden.

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Unzeiten gibt es auch: das Richtige zur falschen Zeit, das Falsche zur richtigen Zeit, oder noch verschränkter. Meine Erfahrung ist, nicht selten, das Richtige im Falschen unterzubringen, richtet oft Schaden an. (Philosophisch ist das nicht, aber darüber kann man bei Adorno schon etwas lesen…). Es reicht nicht sich auf seinen Instinkt zu verlassen. Oder vielleicht doch, wenn man ihn weiter ausbildet. Zur Unzeit heißt ja oft, das Ich, das Wir, das Man zu vermischen oder zu verwischen. Bei vielen Themen, u.a. siehe oben beim Krieg, nehme ich das unangenehm wahr, um dann zu sehen, dass es auch bei anderen Themen immer und immer wieder vorkommt.

Zwerge, Riesen, alle in Märchen-Haft

Wieder trifft sich die deutsche Bundesregierung, auch um ihre Verwerfungen zu glätten. Das ist im Prinzip gut so. Die Vorausbemerkungen machen misstrauisch: zu weit klaffen die Abgründe zwischen demokratischen und rechtsnationalen bzw. sozialunverständlichen An- und Absichten. Aber, das meine ich ernst, besser die Lenzgemeinde geht so vor als passiv gar nichts zu tun. Aber im Sinne der unrealistischen Belehrung durch Märchen erscheint mir die politische Führung des Landes zwergisch – wer weiß, vielleicht bringt das eine demokratische Unterwelt?

Andererseits: schaut euch die US Riesen an, Trump und seinen Vize und seine so genannte Regierung, wie sich das stärkste Land der Welt innerhalb von Wochen unterwerfen, auf Kultur, Sozialleistungen, Medizin und Außenbeziehungen trumpeln, wie nur Riesen im Märchen.

Beides Zwerge, hier vierzig rebhuhngroße Pferde, und ein absurd großer Riese zum Ende, kommen bei Wladimir Sorokins hervorragender Geschichte „Der Schneesturm“ (2010) sehr aktiv vor. Größe allein sagt nicht viel, und Diktatoren schrumpfen, je mehr sie sich aufblähen. Das Problem bei den Meisten von uns ist nur, dass wir die Einen für böse erklären und uns unterwürfig in die Arme des oder der Anderen (also der Guten) begeben, dem Trump in den Trump und dem Putin in den Putin und dem Xi in den Xi kriechen, obwohl die dort gelagerten Atomwaffen wenig Unterschied machen. Klar, das ist eine Folge der politischen Kultur.

Nun muss man weder sich verzwergen, um mehr als einen Gegner zu haben, auch wenn man an dem einen mehr hängt als an den andern, z.B. weil einen dieser unterworfen hat und zugleich schützt. Noch muss man sich riesenhaft aufblähen und so tun, als wäre man mit dem Diktator X gleichauf, und würde mit ihm den Diktator Y verabscheuen. Trump-Putin, da passt ja beides nicht. Aber es zeuigt auch, dass man die Eigenschaften der Diktatoren nicht aufzählen und gegeneinander gewichten soll: weil sie Diktatoren sind, verwenden sie das alles willkürlich. Das macht die Demokratie dagegen so schwierig.

Die gegenwärtige rasch fortschreitende Normalisierung bewirkt, dass sich beide Extremwanderungen in der sogenannten, rechtslastigen „Mitte“, die es so nicht gibt, verankern, unsere Zwerge sind nicht tüchtig genug, um von da ihre Macht zu befestigen, und Riesen werden sie auch nicht.

Wie sollen denn die Abhängigen mit ihrem Diktator umgehen? Wie sollen denn die EU, die deutsche oder andere NATO Regierungen mit Trump umgehen, wenn sie nicht unabhängig sind? Ich gebe keine Ratschläge außer dem bereits zitierten Brecht, erst „Nein“ zu sagen, wenn man den Diktator überwunden hat. Dazwischen werden wir wohl andere Diktatoren im Äußeren und Inneren bekämpfen müssen, und dann kommt es auf Begriffsbildungen vielleicht nur sekundär an.

Unsere Zwergenregierung kann man am besten verstehen, wenn man den Begriff der Hysteresis von Bourdieu anwendet. Ihr neuer Regierungshabitus wird durch die Nachwirkungen ihrer Politikgeschichte stark beeinflusst, ohne dass die Umstände vergleichbar sind, das gilt für die C Parteien und die SPD. Wir sind natürlich keine Riesen, und die Zwerge werden sich vielleicht doch ihrer massenhaften Kräfte bewusst – hier können wir auf Demokratie hoffen, und dass das Märchen der Wirklichkeit des Regierungstreffens vorauseilt.

Glück und Industrie

Spielt Ihr Tarock? Die schwächste Karte – II – trägt das Symbol „Industrie und Glück“, manchmal mit dem Doppeladler. (informiert euch oder schaut euch selbst nach älteren Tarockkarten um, wirklich schön… https://de.wikipedia.org/wiki/Industrie_und_Gl%C3%BCck). Der Zusammenhang der beiden Begriffe ist durchaus historisch, Industrie ist ja früher an den Eifer gebunden gewesen, und Glück…na, das wisst ihr selbst.

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In diesen Tagen versucht die etwas rechtslastige deutsche Koalition, die beiden Begriffe wieder zu realisieren, die Umwelt zurückzudrehen und das deutsche Volk glücklich zu machen. Unter anderem mit Industrie…halbwegs gefördert, aber nicht wirklich strategisch, außer bei den kolonial erzwungenen Gasimporten aus USA. Ob die Lenzregierung Spielkarten auf dem Kabinettstisch verteilt, anstatt in einem Kabinett einmal Tarock zu spielen? (Erinnerungen schneiden in mein Bewusstsein ein, einmal habe ich bei einer Partie Möbel gewonnen, damals war ich knapp über 20…danach nicht mehr).

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Ein wenig macht mir dieser Rückblich Spaß, weil er einen Augenblick lang die politische Lage verschleiert, und man nicht dauernd Nachrichten hören muss, die die imperialen Anmaßungen von Pmurt und Nitup sich zum Leitfaden nehmen. Oder unseren Blick auf eine Innenpolitik wenden, die ihren Gegenstand nicht so richtig darstellen kann: WAS soll denn mit den Wahlgruppen von AfD und anderen geschehen, wenn endlich richtig regiert wird? Umweltpolitik runterfahren, Soziales, Kulturelles, demontieren? Da macht mir das Abschiedsinterview von Robert Habeck mehr Freude: Nicht nur gegen Klöckner und andere schwer erträgliche Ausraster, sondern so selbstbewusst wie selbstkritisch (https://taz.de/Robert-Habeck-tritt-zurueck/!6106347/). Dass wir auf absehbare Zeit einen guten Politiker verlieren, ist eine andere Frage…dafür geht er nach Berkeley, was mir wiederum gute Assoziationen an eine bessere Zeit in den USA vermittelt…Zugleich aber die schmerzhafte Gewissheit, dass man diese Art von Uhren nicht zurückdrehen kann, und ich damals vieles in den USA auch nur halb wahrgenommen habe. Die Karten werden überall neu gemischt.

Wenn man sich aufrafft, auf Politik politisch, d.h. nicht nur mit Meinungen und immer wiederholten Kommentaren zu den Diskursen, aber nicht zur Wirklichkeit zu reagieren, dann braucht man immer längere Anlaufstrecken, um sich nicht im Dickicht zu verheddern (die Extremen auf beiden Seiten und die Populisten wissen darüber Bescheid und faszinieren den Pöbel mit einfachen, geradlinigen Lösungen für Probleme, die sie gar nicht lösen wollen oder können…das Problem ist, dass „Probleme“ nicht einfach da liegen und man sie aufhebt und eben löst. Wissen wir, trotzdem schwierig). Dazu sollte man wissen und erkennen wollen und sich nicht mit Antworten bedienen lassen, deren Herkunft oft absurd ist – die aber nicht nur Diktatoren gerne benutzen, auch Aufsteiger in der Demokratie und erst recht Absteiger). Politik und nicht (nur) Meinungen zu vertreten, erfordert schon, dass man sich auf diese Situation einlässt. Und wir brauchen Menschen, die uns anhören, zuhören, widersprechen oder zustimmen – das ist meine Kritik an den endlosen Kommentaren zu durchaus realen Problemen, die nur nicht auf das Diskursinteresse stoßen, das sich hinter jeder Wiederholung versteckt).

Wolkenloser blauer Himmel, fortschreitende Trockenheit, Kälte von schmelzenden Nordeisen…zu den Schwächen der Schöpfung gehört, dass wir uns nicht zeitweilig absetzen können, um aus dem Nichts hinunter auf die Erde zu schauen, was dort für Gewirr herrscht. Nicht ironisch: Lest in Ovids „Jahreszeiten“ den Unterschied bzw. Übergang des dritten ins vierte, letzte Zeitalter. Da sind wir jetzt…zu unseren Stärken gehört, dass wir nicht auf Hilfe von außen, oben oder unten warten können, sondern noch nicht erstarrt sind. Auch wenn wir in einer langen Pause Tarock spielen. Industrie und Glück passen nur in wenigen Koalitionen zusammen, sollten aber.