Bläserschande, Bläserinnenglück

1.

Öffentlich wie Privat gibt es in Deutschland mindestens 900.000 Laubbläser, Statistiken fehlen wirtschaftsnaturgemäß. Zu Recht beginnt die Wikipedia Eintragung mit den Nachteilen dieses gefährlichen Geräts https://de.wikipedia.org/wiki/Laubbläser . Richtig, dass es mit der Vernichtung von kleinen Tieren beginnt, die sich im und unter dem Laub verstecken. Aber es wird nicht hinreichend belegt, dass diese unsinnige, laute und umweltschädliche Blätterverwirbelung und staubwolkenproduzierende Tätigkeit tausende Arbeitskräfte ausspart. Die könnten, wie noch vor 50 Jahren, zweimal im Herbst Laub zusammenkehren und auf die gleichen Lastwagen packen, die die Bläser heute ja auch beladen müssen….Das würde vielen Menschen soziale Verbesserungen schaffen, anstatt sie arbeitslos auf bürokratische Aufenthaltsfloskeln zu konzentrieren. Also: kehrt das Laub zusammen, schafft es gemeinsam weg und blast mit den Laubbläsern denen, die sie einsetzen, um die Ohren.

2.

Blasen ist ein vieldeutiges Wort. Unter den ca. 20 Bedeutungen wähle ich die musikalische aus: Trompeten, Flöten, Klarinetten, Hörner und andere Blasinstrumente erfreuen mich, ob Solo oder im Orche ster, oder auch im Hintergrund. Und weil immer mehr Frauen solche Instrumente spielen, und gut spielen, sage ich BlaserInnen.

Wenn man die Laubbläser verurteilt, sollte man als Gegengewicht die instrumentale Emanzipation von der Maultrommel, dem Triangel und Orgel feiern und befördern. Bläserinnen sind da ein zuwendungsbedürftiges soziales Gemenge, nicht nur bei Jazz). Es ist erstaunlich, was die besten KomponistInnen der Welt und manche Spezialblas-TonexpertInnen zusammengefasst haben, gut anzuhören, und jenseits der Streicher und Pianos auch einen gehörigen Einfluss auf das jeweilige Kunstwerk haben (da bei schlechter Musik das keine Rolle spielt, ist das auch wichtig: manche Blasorchester kommen an schreckliches Orgelgedröhn heran, und Blockflötenmassenorchester sind auch nicht gut. Ich rede hier aber von guter Musik).

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Der Bläserbegriff wird oft missbraucht, z.B. bei den Ohrenbläsern, oder gebraucht, bei den Glasbläsern. Bleibt standhaft im Kampf gegen die Laubbläser und hört die MusikbläserInnen mit Hingabe. Vielleicht ein mundgeblasenes Weinglas in Händen und einmal eine Minute ohne Blasphemie.

Kritik versus Verachtung

Mir fällt zu Hitler nichts ein | Dritte Walpurgisnacht – Karl Kraus dokumentiert das Jahr 1933 (Wienbibliothek). Es folgen 300 Seiten Kritik des Nationalsozialismus.

Ich habe diesen Titel gewählt, weil ich meine Kritik an vielfältigen politischen Akteuren und Institutionen, Ereignissen und Vorwegnahmen durchaus fortsetzen werden, aber – wie schon hier gesagt, bestimmte Namen normalerweise nicht nennen werde und wenn, dann unter dem Aspekt der KRITIK. Wen ich verachte, den/die kritisiere ich für gewöhnlich nicht, und jetzt erst recht nicht, wo sich eine ungewöhnlich große Zahl von Verachtenswerten in die Medien und also zu meiner Wahrnehmung drängt.

Aha, denken die LeserInnen, wen meint er denn jetzt konkret? Und wen vergleicht er mit Hitler?

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Was bedeutet es eigentlich, wenn man jemanden verachtet? Gar nicht so einfach, diese Form der geringen Wertschätzung genauer zu beschreiben. Für mich steht im Vordergrund eine Schlussfolgerung, die den Weg vom Bewusstsein zu den Emotionen und Verhaltensweisen gegangen ist. Erst musste ich wissen, warum ich jemanden nicht so wertschätze, dass ich ihn oder sie kritisieren kann. Dann kann ich sagen, den oder die kritisiere ich nicht, ich verachte sie oder ihn. Ich kann eine ganze Partei, einen Verein oder eine Gruppe verachten – und stoße auf Widerstände, wenn dann da ein Mensch drin ist, den oder die ich nicht verachte, aus welchen Gründen auch immer. Erster Schluss: am besten verachtet man, wenn überhaupt, Individuen. Das ist gar nicht abstrakt, denn Kritik muss konkret sein, um gerechtfertigt zu sein, und also auch Verachtung, wenn ich nicht kritisieren kann und mag.

Ich machs einfach. Gute Kritik erzeugt Reaktion(en), Widerspruch, Gegenkritik oder Kompromisse, Einsicht und Einlenken. Verachtung erzeugt nichts von dem, es sollte mich nicht beschäftigen ob der oder die Verachtete es merkt (hoffentlich) und ob er oder sie darauf reagiert. Verachten ist ein Ausblenden der Kommunikation, darum macht es wenig Sinn zu sagen „Ich verachte Sie“, man tut es und damit ist viel getan – nämlich die Abkehr von der Kritik.

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Warum dann das Hitlerzitat zum Anfang? Karl Kraus, der m.E. schärfste Kritiker seiner Zeit, der nie um die Namensnennung des Kritisierten verlegen war, ist hier deutlich: Hitler zu kritisieren ginge an der Kritik am Nationalsozialismus vorbei, es würde seinen Aufstieg, seine Macht usw. nicht erklären. Natürlich kommt er in der Kritik dann vor, aber nicht als das gleichwertige Subjekt mit dem Kritiker. Das setzt natürlich Selbstbewusstsein voraus, und Selbstkritik, bei der Verachtung nicht daneben zu greifen.

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Solche Gedanken tragen mich zur Zeit über die Untiefen, die Wirklichkeit für verachtenswert zu empfinden. Aber wenn man die Augen schließt, gibt es trotzdem ein Draußen, und Drinnen wird nicht besser.

Immerhin, Ihr Leserinnen und Leser müsst keine Kritiken an Menschen lesen, die ich verachte. Meistens.

Aus aller Munde. Aus.

Über wen und was wird gerade am meisten geschrieben und geredet? Ob und wie über wen oder was gedacht wird, lässt sich schwer nachweisen. Aber zu jemandem oder etwas Stellung nehmen, das tun sie allemal. Stellung ist ein vielschichtiges Wort, nicht nur sexuell und militärisch, es zeigt auch auf die Verteilung der Positionen ihrer Verwender in der Gesellschaft, wo steht er oder sie, wenn er oder sie etwas bestimmtes äußert. Nu ja, von da könnte man in die Theorie gehen. Oder einmal den Rücken all dem zuwenden, was man für den Moment nun wirklich nicht hören, sehen, spüren möchte. Sich partout nicht zu dem zu äußern, was angesagt ist, aktuell genannt wird, erfordert Übung und eine Einstellung, die schwer zu beschreiben ist.

Mir geht es darum zu zeigen, dass man das ANSTATT wählen kann, dass sich dort finden lässt, wo der und was gerade nicht erscheinen. Und dass das nicht leicht ist. Wenn ich mich nicht zu Trump, Lindner, Woidke oder Bibi äußere, ist das ja fatal: schon werden ihre Namen erwähnt, und dann beginnt das Ausklammerungsspiel. Also gleich nicht erwähnen….aber was, wenn sie im Halbbewussten oder am Rand der Hirnströme sich schon fest verbunkert haben, wenn sie DA sind? Trotzdem? Rausschmeißen ohne sie zu erwähnen? Da brauchts nicht der Psychologie oder des yogisch eingeübten Willens, da braucht es was anderes, das einem wichtig ist. Nicht zufällig bin ich auf die Ausklammerung der drei Namen gerade gekommen, weil mich die Vergangenheit einholt, ich soll also Dinge erinnern, die ich nicht vergessen habe, aber verdrängt und beiseite gestellt. Beim Ordnung machen.

Es wird oft übersehen, dass das Sich-Einlassen auf die aktuellen Namen oft sind keine wirklichen Personen hinter der Macht, bzw. deren wirkliche Gewalt verbirgt sich in einer Person, nicht notwendig in einer Persönlichkeit, die für uns wirkliche Bedeutung hat. Die Gewalt aber schon – wenn wir unserer Freiheit, unseres Lebensunterhalt, unserer Lebensführung beraubt werden. Und dann kommt man einfach nicht dazu, das Vergangene in seiner Wirkung auf Jetzt und Morgen überhaupt hervorzuholen….

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Ich gehe singend mit meinem Hund durch die Nacht, jeden Abend, und immer wieder frage ich mich, was ich denn da singe…Lieder, die ich nie und schon gar nicht jetzt singen würde, überhaupt nicht. Aber sie bilden eine Brücke zu einem Ereignis oder einer Ausgestaltung der Vergangenheit, und die hat sich das Lied ausgesucht, damit ich sie hervorhole. Woran ich mich dann, gar nicht singend oder träumend erinnere, und etwas analytisch geschult, frage ich mich: warum gerade das damals? Mit anderen Worten, der öfter zitierte Terror der Aktualität verbaut Blick und Beschäftigung mit der Vergangenheit, wo man sie bräuchte. Ich gebe ein echtes Beispiel: vor mehr als 50 Jahren habe ich in verschiedenen Zusammenhängen viel über den damals kurzfristig abgelegten Faschismus erfahren und gelernt. Das war für das Studium in Wien entscheidend. Und die Anwendung der Essenz dessen, was ich damals erfahren habe, prägt meinen Gebrauch des Begriffs. Der Begriff hat dazugelernt, ja, aber das Fundament war konkret. Das schreibe ich auch, um der Kritik an meinen Begriffen mehr als nur Bedeutungsdifferenzen zu entgegnen. Ein anderes, scheinbar unpolitisches Beispiel ist, wie sich die Bilder eines bestimmten Ortes mit seiner jetzigen Ansicht be- und überlagern. Das kann man gut anwenden, wenn es konkret wird bei Menschen mit Ruhrgebiets- oder DDR Nostalgie. Von Gegenwart erfährt man noch früh genug, na, so einfach ist es nicht, aber es deutet etwas an: Was nebenbei die Präsenzblase faschistischer Ideologie ganz gut in Frage stellt: ohne Geschichte keine Zukunft, das kennen wir doch, woher?

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Warum sollte ich ohne Anlass über die Erinnerung an Tiere schreiben, die ich noch erlebt habe und die es heute nicht mehr gibt? Unter anderem, weil und wenn die nicht benannten Namen der Machthaber an ihrem Verschwinden, d.h. an ihrer Vernichtung beteiligt waren. Und ich vielleicht an ihrer Position? Nicht, dass ich sie gewählt hätte oder irgendwie bewusst unterstützt. Aber es gehört schon einiges dazu, kategorisch zu behaupten, man gehöre nicht dazu. Diese Überheblichkeit der Demokraten und Linken hat immer die Rechten unterstützt in ihrem Aufstieg. Erprobt diese Überlegung an denen, die ihr kritisiert, zu Recht, das ist wichtig, nicht zurückweichen, oder einfacher an denen, über die ich ja nicht sprechen wollte…und mehr ihresgleichen gibts ja. Man ist in die Gesellschaft und damit in die Politik einbezogen, jenseits der eigenen Meinungen, und man hat sich nur Teile des eigenen „Standortes“ ausgesucht, also lieber einen Schritt zurücktreten und nach vorne schauen, ob man das Terrain erweitern kann, das eigene, das macht die Politik besser wahrnehmbar und einen selbst freier. Auf all das komme ich, weil ich manche Namen nicht genannt habe, kommt schon wieder. Aber die Denkkaskade hat etwas von einem Wasserfall an sich, und den schaut man sich ja auch aus verschiedenen Winkeln an.

Womit sich der Ausgangspunkt schon dauernd widerlegt. Immer wieder.

Das Ende von Woidke – Neuanfang der Demokratie? Nein.

Erst hat ein gewisser Herr Woidke die CDU, die Grünen und weitere Demokraten der eigenen Partei aus dem Wahlkampf rausgekegelt: er wollte gut narzisstisch „Nr. 1“ werden oder gar nicht mehr antreten, und viele Frustrierte der Einwohnerschaft Brandenburgs sind ihm gefolgt. Naja, nicht sooo viele, aber genug, dass er knapp vor der AfD in den Landtag einzog, dass die Grünen rausgeflogen sind und die CDU auch nicht dazugewonnen hat. Also? Der Narziss hat gesiegt.

Nur damit er ein Bündnis mit linksfaschistischen Partei BSW (Sarah Wagenknecht) anstreben kann, andere Koalitionen sind nicht möglich. So geht es also im narzisstischen Brandenburg zu.

Und heute wirft er die grüne Ministerin in einer Sitzung des Bundesrates aus der Regierung. „Damit verhindert Woidke den Berichten zufolge, dass Nonnemacher sich in der Sitzung gegen eine Anrufung des Vermittlungsausschusses ausspricht. Ihre Argumentation: Dadurch würde sich die Krankenhausreform weiter verzögern, das könnte Brandenburger Krankenhäuser in finanzielle Nöte bringen. Dietmar Woidke jedoch will sich für die Anrufung des Vermittlungsausschusses einsetzen.“ (https://www.msn.com/de-de/nachrichten/politik/brandenburg-dietmar-woidke-entl%C3%A4sst-gesundheitsministerin-ursula-nonnenmacher-im-bundesrat/ar-AA1uyCW1?ocid=msedgntp&pc=U531&cvid=35f5e4459f5644aa8801b55653e9ecce&ei=12). Prompt tritt dann auch der zweite grüne Minister, Axel Vogel, zurück. https://www.msn.com/de-de/nachrichten/politik/nach-rauswurf-von-nonnemacher-brandenburgs-umweltminister-axel-vogel-tritt-zur%C3%BCck/ar-AA1uzxNL?ocid=BingNewsSerp . Vergleicht auch https://mail.yahoo.com/d/folders/1/messages/194303?reason=invalid_crumb .

Eigentlich kann man die Fakten des unpolitischen, politik- und demokratiefeindlichen Woidke dabei belassen. Denn was man kritisieren kann, soll man kritisieren, was man verachtet, kann man aber nicht kritisieren.

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Ich schreibs ja nur, dass man es nicht vergisst. Ursula Nonnemacher war ein gutes Regierungsmitglied, ebenso Axel Vogel. Der so genannte Ministerpräsident hat mutwillig Demokratie zerstört, nicht ganz, aber teilweise. Das kann und soll man reparieren. Damit lege ich die Fakten ad acta.

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Natürlich interessiert mich Woidke nicht als Repräsentant einer wirkmächtigen Politik bzw. ihrer Kaste. Aber er ist ein zwergenhafter Abkömmling einer neuen Form von Antipolitik, die weltweit – leider – erfolgreich ist. In einer tiefschürfenden Rezension zu einem Buch des früheren UK Ministers Rory Stewart (https://en.wikipedia.org/wiki/Rory_Stewart – lesenswert) beschreibt Jonathan Freedland diesen Typus von Antipolitiker. Das Buch heißt „How not to be a Politician“ (Penguin 2024) und der Aufsatz dazu „A Feigned Reluctance – Vorgetäuschte Zögerlichkeit“ (NYRB LXXI, #19). Und da geht es als Einleitung zur Rezension um Donald Trump, um Jair Bolsonaro, um Javier Milei, um Boris Johnson. Für politisch interessierte sind hier die Analysen Richtung „links“ spannend: Michael Ignatieff, ein Freund und analog zu Rory Stewart, aber auch – !!! Barack Obama). Das Antipolitische zeigt sich darin, dass hinter dem Versuch, die liberale Gesellschaft zu retten, etwas „Größeres“ steht, jenseits von rechts oder links. Dass er Johnson bekämpft bis zum Ausschluss von den Tories, widerspricht dem nicht. (+Er war früher auch bei den anderen Parteien). Es geht – und darum geht es mir auch in der Beobachtung – es geht um eine Vision der Erfüllung unerfüllbarer gesellschaftlicher Wünsche, für die man die bisherigen Regeln die Demokratien zusammenhalten, aushebelt.

Nicht weiter hier, zurück zur Realität von Brandenburg. Das Verhalten des so genannten Ministerpräsidenten Woidke gegen Ursula Nonnemacher und seine Begründung, der Erste oder „niemand“ sein zu wollen bei der MP Wahl, sind diese Merkmale für Unpolitik: Hallo, wo sind wir denn in der Demokratie gelandet.

Das hat auch nichts mit der SPD zu tun, auch die CDU ranzt sich, wo sie es für gut findet, lokal an die AfD ran, und beiden, SPD und CDU, ist ein Länder-Regierungsbündnis mit der Wagenknechtkolonne wichtiger als Demokratie. Das ist auf europäischer Ebene nicht anders, wo Faschisten in die höchsten Ränge gehievt werden, nur damit man seine eigenen Unterfiguren auch unterbringt.

Der langsame Abschied von Politik beschleunigt sich. Und was kommt dann? Richtig: Diktatur braucht nicht nur keine Demokratie, sie braucht auch keine Politik.

Eine Kaskade der Befreiung

Oft ereilen uns ganze Kaskaden von Hinweisen auf etwas Wichtiges, und jede Stufe des Ideologischen Wasserfalls eröffnet neue Räume – oder Träume. Fangen wir, für meine werten Leserinnen und Leser, bei der Quelle an, wieder einmal die New York Review – so etwas haben wir hier nicht. Unter dem Titel „The Dream of the Raised Arm“ schreibt Zadie Smith eine Rezension. Ihr kennt Zadie Smith, aber Details lohnen sich: Zadie Smith – Wikipedia . Sie rezensiert ein Buch, das auf Englisch erst im April 2025 in Princeton (PUP) erscheint, aber es gibt ja auf Deutsch: Das Dritte Reich des Traums, München: Nymphenburger Verlagshandlung, 1966, erstmals ins Englische 1968, und demnächst wieder, neu übersetzt. Zadie Smith ist in der ersten Reihe der britischen Autorinnen, Romane, Essays, Kommentare. Warum sie? Werden wir gleich sehen.

Zunächst ein Eingeständnis: Charlotte Beradt 1907-1966 ist für mich ein neuer Name, obwohl man doch einiges über sie erfahren kann und sollte: Charlotte Beradt – Wikipedia – gut zusammengefasst. Sie war zeitweise enger kooperierend mit Hannah Arendt in den USA, da hätte ich den Namen doch finden müssen. Egal, jetzt habe ich ihn.

Danach ein zweites Eingeständnis: jetzt stöbere ich nicht bei „meinen“ Texten von Hannah Arendt und Beradts Übersetzungen, sondern widme mich der Rezension dieser Journalistin und Autorin, die sich früh auch mit der Weltbühne verbunden hatte, da hätte ich auf sie stoßen müssen.

Und jetzt schreibt Zadie Smith über „The Third Reich of Dreams; The Nightmares of a Nation.“ Der Titel reicht schon zum Anfassen. Beradt hat Träume von normalen Menschen gesammelt, mehrere hundert, bevor sie 1939 in die USA floh, erstmals einige publiziert 1943, dann 50 (politische) Träume 1966 publiziert und das mehrfach, auch in vielen anderen Sprachen. Ohne Tiefenpsychologie beschreibt sie die Traumverarbeitung des Totalitären, als „Life Without Walls“. In der Analyse des Buches mit dessen Analyse von Träumen wird die Anziehungskraft zur Gemeinschaft zu gehören beschrieben, – die zeigt sich eben auch im Traum. Gut genug für eine erstklassige Rezension. Aber Zadie Smith springt jetzt weiter: In die Gegenwart der Algorithmen, die uns zu Objekten machen, in scheinbarer Autonomie der Information. Sehr genau und nachvollziehbar. Und sie sagt, u.a. den jungen Zuhörerinnen und Zuhörern, dass es nötig sei, sich von den Algorithmen zu lösen, um dann (nicht dadurch) die Freiheit der echten Problemlösung wieder zu erlangen. Von dort geht es zur Technokritik, jetzt sind wir gefragt. Aber ihre Conclusio erschreckt: In my nightmares, Trump is only the Trojan horse. Musk is the real power. An unelected billionaire whose megaphone reaches every corner of the globe? O give us freedom of thought.

*

Gut, dass wir hier fortsetzend weiter denken können. Die Träume kaufe ich mir. Übrigens: hat nichts mit Psychoanalyse zu tun. Aber vielleicht doch?

Das fünfte Zeitalter, keine Farce

Wer meint, der Karneval ab 11.11. sei die einzige fünfte Saison, irrt: sie ist eine Farce, wenn man die Jahreszeiten ernst nimmt. Karl Marx notierte, dass wichtige historische Ereignisse sich zweimal ereigneten, einmal als Tragödie, das zweite Mal als Farce (über Hegel: Karl Marx: Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte (1852). Zitiert nach: MEW Bd. 8, S. 115). Ein lockeres Zitat, das aber schnell sich verdüstert: Fintan O´Toole zu Donald Trump: „But his second coming is no farce. It is a brutal show of strength“. (NYRB LXXI 19, Titelseite: The Second Coming). Ein hoffnungsloser Ausblick, seine Analyse von Trumps letztlich verbrecherischer Wende der Staatspolitik trifft wenig Hoffnung auf Widerstand von Seiten der Demokraten und der demokratischen Partei.

Viele resignieren schon vor dem Amtsantritt des Diktators. Die dritte Tyrannei ist schon auf dem Weg, welche große Atommacht uns wie bedroht, und ob sie einander bedrohen, ist noch nicht klar. Viele in der Politik und den Kommentaren schmiegen sich schon jetzt an den neuen Diktator, manche auch an Putin oder Xi, und die Subtyrannen helfen den Faschismus zu verbreiten. Auch in der EU.

Also ein ehernes, ein schreckliches Zeitalter? Dem folgt bei Ovid das vierte, das eiserne, das nun auch verbrecherisch war, während das dritte nur „derb und den schrecklichen Waffen geneigter“ war (Metamorphosen, 1. Buch, ab Vers 125). Sind wir nun am Ende? Oder beginnt eine bessere, neue? – hier nicht, und bis dahin dauert es.

Die Endzeitgeschichten können sich gar nicht genug tun an den den Schrecken, die der Befreiung, gar der Freiheit vorausgehen. Denn es muss ja wirklich eine Erlösung geben, und nicht eine Glühbirne in der dunklen Zelle.

Wenn man die drei großen und die vielen geringeren Diktaturen zusammen nimmt, werden spätestens unsere Ur-Enkel das Ende der Menschheit auf Erden erleben, wie genau, wissen wir nicht, aber Klima, Hunger und Tyrannis zusammen schaffen, was die Evolution bislang überbrückt hat.

Ist das nun, werte Leserschaft, eine negative Vision, die zum Widerstand aufruft? Wenn ja, zu welcher Art von Angriff sollen wir übergehen? Wir, d.h. wir sind schon auf der richtigen Seite, oder?

Und wenn nicht, und unsere Ur-Enkel werden das rettende Ufer erreicht haben, und es wird egal sein, ob wir die falsche Seite gewählt haben, um spätere Generationen überleben zu lassen?

(Leute, das habe ich nicht erfunden, viele Utopien und Philosophien und Albträume stellen solche Fragen, antworten auf sie…und viele haben die Trumps vorhergesehen, so wie die Hitlers, Stalins, Putins, Maos, Trumps, und deren Unterlinge – nicht vergessen, wieviel Nationalismus man denen anhängen kann; und eine ganze Menge leugnen sie noch heute, weil ja einiges nicht „schlecht“ war, auch in den Beziehungen der einfachen Menschen, die man immer gewesen sein will).

*

Aber tatsächlich gibt es einen qualitativen Absprung in ein unerträglich gewalttätiges Zeitalter gelockerter bis zerstörter gesellschaftlicher Bindungen und damit verbundener grundsätzlicher Verhaltensweisen (Dazu kann man übrigens O`Toole wieder zur Hand nehmen oder etwas über Putin wissen). Nun ja, wir wissen im allgemeinen nicht, wie wir uns kollektiv oder individuell auf das jeweilige fünfte Zeitalter vorbereiten oder uns in ihm einrichten. Ich weiß es auch nicht. Es wird nicht an uns vorüberziehen, ob wir unterwürfig oder widerständig sind, soviel ist gewiss. Aber natürlich wird man sich schon dadurch unterwerfen, dass man die Verhaltensweisen der Trumpherrschaft und der Putinokratie in Bestandteile zerlegt, die einem vielleicht doch Rückhalt geben, oder man tut es nicht. Noch wissen wir nicht, was das für jeden von uns bedeutet, aber nehmt Trumps und seiner Spießgesellen Ankündigungen so ernst wie Putins Verordnungen. Hier nützt der 11.11. nicht, die moralische Farce kommt vor dem Drama, bis das Kabarett verboten wird.

IQ ist nicht alles. Dummheit ist nichts

Die meisten Kritiker von Verbrechern, Faschisten und politischen wie kulturellen Gegnern üben sich in der Dummerklärung dieser Gegner.

Die erste Frage im Duell ist daher: warum sollen Gegner dümmer sein als man selbst?

Die zweite Frage: Warum soll ein Verbrecher, ein politischer oder kultureller Gegner nicht sehr gescheit sein?

Warum hat Trump oder Musk oder Putin oder … keinen hohen IQ? Und warum soll man jemanden mit hohem IQ nicht wegen anderer Missetaten bzw. Defizite kritisieren und politisch angreifen? Das alles sind Alltagsfragen und -antworten. Für bestimmte Handlungen, seien sie noch so böse, muss man ziemlich gescheit sein, um sie überhaupt vollziehen zu können. Außerdem decken IQ und Gescheitheiten nicht alle charakterlichen Eigenschaften bei jemandem ab. Zusatzerkenntnis: Elon Musk kann ökonomisch einseitig sehr gescheit sein, das hilft seiner politischen Seite und seinem Erfindergeist, und er ist auf der politischen Seite destruktiv klug, was aber seinen hybriden ökonomischen Allüren keine Grenze setzt.

Merke: Gescheite, besonders Gescheite, Geniale sind nicht per se sympathischer, moralischer und angenehmer im Umgang als man selbst. Aber da liegen natürlich Berge von Eitelkeit, Erziehungs-schwächen, ideologischen Divisionen usw.

Warum sollen Gescheite Leute keine Faschisten werden, Kriegstreiber sein, Arme ausbeuten etc.? Wo steht, dass Wahrheit und Gescheitsein im Bewusst-sein eines Menschen korrelieren? Oder Gescheitsein und Moral, oder Simplizität mit Moral …

Wenn man Menschen wie Putin, Musk, Trump auseinandernimmt, dann ist hohe Intelligenz geradezu die Bedingung der Möglichkeit, jenseits der Moral Menschen zu überzeugen und zu deren eigenem Verlust zu beherrschen. Schon eine Ebene darunter setzt der vermehrte Gebrauch von Gewalt ein, um diese Position zu bewahren.

Bis heute hält sich der Rassismus, dass manche Völker, Stämme, Familien „gescheiter“ seien als andere. Woran Gescheitsein liegt, an Sozialisation, Erziehung, Aufwachsen, und viele Umstände, wird dabei immer abgebogen oder unterschlagen. Besonders peinlich, wenn die IQ Zuschreibung auch noch moralische Einengungen mit sich bringt, wer dann nicht Faschist oder Gläubiger sein kann darf soll.

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Wenn aber die weniger Intelligenten, die weniger Gescheiten, versuchen, die zu imitieren, die wirklich gescheiter sind, dann wird es nur peinlich. Darüber schreibt man nicht, aber man beobachtet aus einer Position, die einen selbst nicht betrifft, weder als Gescheiten, noch als Deppen. „Bist G’scheit?“ ist eine böse Frage, der die Antwort „Du bist aber dumm“ schweigend vorausgeht. Das kann man übrigens auf viele aktuelle Politik-Menschen genauso anwenden wie auf Moral- und Kunst-Menschen. Eine gute Übung. Oft ist Bescheidenheit auch noch eine Versicherung.

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Ich schreibe das relativ unlustig. Zu glauben, dass nur die eigenen Freunde im weitesten Sinn gescheiter sind als „die Anderen“, schafft im schlimmsten Fall neue Konflikte oder eigene Niederlagen, im besten Fall Täuschung als Lebenselixier.

Ich schreibe jetzt nicht, an wen ich denke, der oder die einen höheren IQ hat als ich, der oder die politisch besser denkt und agiert, der oder die kritischer handelt und auf Kritik reagiert. Aber ich bitte euch, macht ein Preisrätsel für euch selbst und eine Namensliste…wer Recht hat, darf kandidieren

Grauer November, kein schwarzer Ausblick – „bei uns“, „für uns“

Na, ihr Depris, packt euch die Verzweiflung angesichts der Trumpei, der Putinei, der Orbanei, der Scholzei, der Melonei, der Nehammerei, … soviele Eier legt nur der sagenhafte Höllenwurm oder der höllenhafte Sagenwurm?

Wer jetzt verzweifelt, darf in Zukunft nicht von Schicksal sprechen. Ein Wiener würde sagen: „Kannst eh nichts machen, also reg dich nicht auf – und tu was, endlich“. Das kann gefährlich werden für jede(n) der/die etwas tut – weil wir ja nicht so genau wissen, worauf die Herrschaften wie schnell reagieren. Also beobachten die meisten hinter dem Vorhang, was die Minderheit richtig macht, und ob sie es übersteht. Damals in der DDR 1989, Millionen hinter den Vorhängen (heute nostalgische Abgleiter nach rechts), aber hunderttausende Menschen auf dem Weg in die Freiheit. Auf die kommt es heute noch an.

Jetzt ganz großspurig: kann es auf uns in Zukunft ankommen, wenn wir uns jetzt von der Fixierung auf die Wege in die Abgründe absetzen? Weder die Diktatoren noch ihre Schuhlecker sind auf der Ebene, in der sich unsere Ansichten und Absichten verbreiten sollen. Nur innerhalb von Demokratien ist Kritik an dem, was noch zu verbessern oder zu verändern ist, richtig. Wozu die Diktatoren wie Putin kritisieren? (heute, 16.11., sind die Medien und Selensky mit Recht voll von Kritik an Scholz` Gerede mit Putin). Gegen Diktatoren muss man handeln, und das ist keineswegs immer kämpfen. Kämpfen ist eine Form des Widerstands. Sonst gibts nichts? Wir können schlecht kämpfen, aber wir können vielfältig die unterstützen, die kämpfen, oder deren Angehörige uns verteidigen. Da geht es um Kultur, um Soziales, um eigene Einschränkungen zugunsten derer, die letztlich für uns vieles wagen, manche ihr Leben, oder, konkret, Angehörige derer, die das wagen, und bei uns Asyl und Anerkennung genießen. Es geht um nichts weniger als die wahrscheinliche, wahrscheinlich sehr unangenehme und langdauernde, Auseinandersetzung mit mehr als einem totalitären System, mit Diktaturen, Faschismen und Trittbrettfahrern neoliberaler Gewaltschatten.

Sagen wir, es sei jetzt der Herbst der Demokratie. Bis zu ihrem Frühling wäre es noch lange Zeit und dazwischen Eiseskälte. Ist es Hysterie, sich darauf vorzubereiten, wenn man für ein demokratisches Wiederaufleben sich einsetzt? Putin setzt auf Angst und unterdrückt das russische Volk. Trump ist alt genug, um in der Vollendung seiner anarchischen Diktatur vielleicht vorher zu sterben, vielleicht aber auch nicht. Auch andere Diktatoren überleben eher als ihre Gegner. ABER das ist unabhängig davon, wie viele sich der Gefolgschaft anschließen, wenn die anderen, wir anderen, sich/uns darauf einstellen, uns nicht dem Handlungsangebot der ökonomisch und politisch maßvollen Unterwerfung anzuschließen.

Wenn ihr jetzt fragt, wie ich denn „da drauf“ komme, dann antworte ich: weil sich eine Schwächung der Demokratie abzeichnet, die tief in unser Bewusstsein und unseren Alltag jetzt schon eingreift. Nicht die Nazivergleiche bemühen. 1932 wäre die viel schlimmere und realistischere Analogie…aber auch ohne sie. Uns gehts nicht besser, wenn es uns nur ökonomisch besser geht.

Dazu ein Gleichnis: Elon Musk ist ein erfolgreicher Ökonom, und ihr kauft euch massenhaft den Tesla, und freut euch über die mitbestimmungsfreie Fabrik vor den Toren Berlins. Musk ist aber auch ein politischer Ganove an der Seite von Trump. Wer kauft dessen Produkte, WLAN, Tesla und Weltraum?

Da hätte Marx die politische Ökonomie nicht besser vorhersehen können. Nur jetzt kommt es anders, und bevor wir das Ergebnis beklagen, können wir uns schon auf den harten Winter einstellen. Sozial, kulturell, ökologisch – und nicht dauernd auf die Schlange starren!

Blick zurück nach vorn: Österreich

Meine Freunde in Österreich versorgen mich nach der Wahl von Trump mit einem besonderen FALTER (#44) der vor der Wahl schon wusste, was uns droht: „Kippt die Demokratie? – Amerika entscheidet“. Was hat Amerika entschieden, flächendeckend, gleich gar nicht auf den Amtsantritt des Trump wartend:

„In der Pluto-Ochlokratie spielt der Reiche dem Pöbel vor, er sei seinesgleichen. Wenn die Hegemonialmacht derart abgleitet, darf sich die Demokratie auf ihre Endzeit gefasst machen“ (Armin Turnherr, Gründer des FALTER, S.5). Ochlokratie ist die Pöbelherrschaft…Trump und Musk, Trump und Bezos, das ist jetzt, nach der Wahl schon die Wirklichkeit. , Isolde Charim schreibt, wie immer gut, zu Musk (S.9) „Alles weicht einer Feudalordnung des Geldes. Alles wird hier pervertiert“. Es fällt auf, dass niemand mehr Zweifel am Wahlsieg Trumps hatte, vielleicht noch nicht an seinem Ausmaß. Nun ist Österreich an der Kippe zu einer teilweisen Wiederkehr des Austrofaschismus. Die amerikanischen Faschisten orientieren sich an einem Protagonisten, Edmund Waldstein, Zisterzienserpater, „der ihnen die Stichwörter liefert“ (Artikel von Eva Konzett „Mönch der Macht„, (S.12-14). Dass Amerika „entscheidet“, liegt an der globalen Offenheit für einen weltweiten Faschismus. Eine deutsche Umfrage bestätigt die Zweifel an der Demokratie. Eine österreichische Wirklichkeit hat den rechtsradikalen Walter Rosenkranz der FPÖ zum Nationalratspräsidenten gemacht (!): Nina Horaczek „Kickls Wolf im Schafspelz“ (S.18). Wer Kickl ist, wisst ihr in Deutschland schon?! Der FALTER ist eines der wenigen Medien, das nicht von vornherein den Kompromiss mit dem wahrscheinlichen Ergebnis der Trumpherrschaft sucht. Es wird schlimm genug.

Nun gibt es eine Menge Politiker, Wissenschaftler, Adabeis…(fast nur Männer), die davor warnen, große Worte zu verwenden, wie Faschismus, Diktatur, und Herrschaft. Man solle sich, sagt ein Fachmann, doch auf die realen Tatsachen und Ereignisse konzentrie-ren. Als ob die weniger faschistisch wären.

Und ich schaue auf meine erste Heimat Österreich, die einen Schritt vor Deutschland mit seinen AfD und BSW auf dem Weg in die offizielle Faschisierung ist. Offiziell schon deshalb, weil Nehammer und die ÖVP ja nicht nur eine Vorgeschichte haben, die aus dem Austrofaschismus auch kommt – nicht nur, bitte schön – sondern weil es die Europa- und Weltpolitik viel weniger interessiert als z.B. den Wirtschafts-giganten Deutschland, dessen Vorwahlstimmen nicht nur der großen Parteien ganz konsequent den Sozialabbau in ihre Propaganda nehmen. Andererseits beruhigt mich Österreich in der Bestätigung und Vorschau auf Widerstand, vom Bundespräsidenten bis in die Kultur. Und wo soll man schon hinschauen, wenn sich Israel trumpophil nicht als Fluchtland anbietet und man in Deutschland sich fragen muss, wann denn endlich jemand die Trumpfreundschaft mit Putin Ernst nimmt, die Gefahr für NATO und Ukraine wahrnimmt und die Auswirkungen auf die Gesellschaft wirklich und nicht rahmenverziert zu politischem Handeln verwendet.

Überhaupt Österreich. Als Doppelstaatsbürger möchte man immer im andern Land sein, wenn dort, wo man gerade ist, alles rechts abgleitet. Aber das geht in diesen Tagen nicht. Die Umweltpolitik wird abgewrackt, der brutale Industriefaschismus triumphiert. Lass die Stürme woanders wüten, gibt es eben weniger Flüchtlinge…und wenn sie hier wüten? so weit sind die Politiker noch nicht. Überhaupt Deutschland.

*

Bis hierher ein unterkritischer und beschränkter Blog. Der ist aus einer spontanen Reaktion entstanden, als ich den FALTER bekam. Ich will mich wappnen gegen die unterwürfige realpolitische Unterwerfung unter die voraussichtlichen Handlungen von Trump und seiner Camarilla, denn diese angstbesetzte Vorausschau heizt ja nur sein Diktat an.

USA wird jetzt die dritte Macht, und „1984“ ist das Modell. Und ganz ohne Zynismus: wenn gefragt wird, was wir dann machen, kann ich nur sagen: was wir dann noch tun können. Jetzt aber ist bis dann. Politik, Ethik, Kritik und Widerstand, die sind doch nicht erst gefragt, wenn ihr Gegenteiliger herrscht. Habt ein paar gute Monate bis dahin, und lest den FALTER. Nicht nur vor der US Wahl, wöchentlich. Denn: Amerika hat entschieden.

English version: commentary. From 9/11 to 10/7

Dear family and friends, who do not speak German. It is no real pleasure to condense my views and commentaries on Israel and the Gaza and the region and global actions and reactions. And and and…But it does not help closing the eyes and ears, reality is penetrating all senses and thoughts, day and night.

October 7, 2023, was a terrible day. Its reality was bad enough, but the events created also an aura of almost unreal comparisons (e.g. 9/11/38) and made almost all actions in the context double bond. Germany reacted, as always, differently from almost all other societies, because of the permanent restructuring the post-1945 development and successful learning and … despite the fact that anti-semitism has grown immensely, and that right-wing and fascist movements are developing even faster than in many other European countries. Within the Jewish communities and organizations in Germany, and also between the Germans and the Jews there are increasing rifts and conflicts. This is not new, and it can be explained. But communication on the socials and private levels is deficient. The parliament, as an example, has produced an anti-anti-semitic resolution that was supported on the one side by one right wing party and still is being heavily critized by Jewish and other organizations and intellectuals for being the opposite of the intended pro-Jewish unfication of democrats (cf. Vera Weidenbach, Ha’aretz Nov. 7). Over most of the last year there is a hefty antagonism between those who support the Jewish people of Israel and the intention to create a two-state solution in order to regain peace, and the increasing conflict between supporters and critics of Netanjahu and his partially fascist government. A famous politician of the 1968 period, Daniel Cohn-Bendit, has uttered just recently how much it does hurt him, when Jews are fascists (in Israel).(FAZ Nov. 8). The situation of Israel is more than one among many points of conflict, because Israel as a possible last aim of rescue for Jews is in danger. For many reasons, both externally (complete annihilation) and internally (becoming a fascist state no longer open to Jewish immigration and refugees).

Israeli Hostage’s Father: ‚We’re Second-class Citizens in a Fascist Country‘
 
Liza Rozovsky  Ha’aretz 14/11/2024

This situation makes it difficult and urgent at once to reflect the „real reality“ in Israel and the whole region and its political outposts and open and hidden actors. On the other side, without learning (again) the history of what has happened and why during the last 100, 50, 30, 5 years…makes it difficult to understand anything of the conflicts within the Jewish and the Palestinian people, and between them.

The situation in the USA, as one main actor, does not make things easier since the crazy victory of Donald Trump, which does also the split the Jewish and the Muslim people in the US. We really have no idea how Trump will act on behalf of Israel, of Jews, of peace. (Or do we, and are afraid of what we foresee?).

The events after October 7 have indeed changed the structure of Jewish people, everywhere, and in Germany. Now its too late to regret all the ignorance and superficiality with which the questions of peace in the region, the critique and support of Israel and the Palestinians etc. have been pushed into the corner. But there are only a few signs that politics become awake. And I am afraid that the danger of Israel simply disappearing from the world map has become bigger than ever. That is no good perspectives for those who find Israel as their last resort and for those who do not want to settle in a country dominated by fascists and outlaw settlers on the one side, while the attacks and hostility by Hamas, Hizbollah and other neighbors is growing and will not be diminished by military perpetuation.

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Since I have many Jewish members of my family and many friends in Israel, I was also emotionally engaged, of course, before October 7, and in a very different way afterwards. But in this complex ideological battleground, I thought the best solution for me would be to stay in touch with my friends in Israel and to create an aura of rationality around me: I held a seminar at the University, about the history of Israel and region between 1896 and October 6, 2023 – not many students, but interested and not aggressive ones. I have been adding some posts to my permanent communication michaeldaxner.com and I am giving some public lectures or preparing them. The real difficulty is not to stumble into one of the many ideological traps. And if you love Israel, like me, and if you prefer two democratic nations or states in a confederation or two-states-unit, neither religion nor ethnic prejudice should be allowed to produce future politics – the present policies are sad enough

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Of course, this is just a superficial commentary on the view on Israel and region. I am reading Ha’aretz and listening to BBC and get information by my friends in Israel, and read and re-read books on the history of Israel. YOU do probably the same, and I am sure that many of the texts are the same. I am writing this short commentary on the present reaction to the events in Israel and Palestine, because I have the impression that many people – also many politicians – do lack empathy and insight into the human feelings and reactions after October 7, and concentrate too much on what happened since. I want to follow Omri Boehm (2023) who claims that we should not fight for the „really“ right truth among controversial truths, but insist on a higher instance, that is justice in the sense of righteousness. This is complicated and not easy to understand that there will be no shared truth between Israeli Jews and Palestiniens…but we must go ahead.