Kurz vor dem Ende

Noch bevor in elf Tagen die zweite Amtszeit beginnt, wird mit schockierender Klarheit deutlich, dass Trump II seine Fesseln weitgehend abgelegt hat und seinen zerstörerischen Wahnsinn nicht auf die USA beschränken wird. Donald Trump möchte sich nicht nur huldigen lassen, bescheinen lassen von der Sonne der Macht. Nein, dieser Mann folgt einem zerstörerischen Antrieb, der alle zu Gegenwehr mobilisieren muss, die an das Recht als höchste Instanz demokratischer Legitimität glauben„. (Stefan Kornelius, SZ 9.1.2025)

Trump ist nicht nur ein Symbol für eine verrückte Weltzerstörung durch die drei Großen Atommächte. Er selbst, seine miese Regierungsbande und der AfD Freund Elon Musk zeigen deutlich, wie das eherne Zeitalter sich begründet. Das Privatleben mag in den USA, außer für die Armen und Widerständler, noch angenehmer sein als in China oder Russland. Aber die Trias hat sich geschlossen. Und unterhalb der drei Atomdiktaturen machen sich die Menschenfeinde breit. Ich zähle die nicht-demokratischen Länder nicht auf, und die weniger Widerstandsorte auch nicht, weil es darauf nicht so sehr ankommt, als auf die Formen des Widerstands, auf die es ankommt. Umwelt, Klima, Nahrung, Wohnung, Überleben. Kornelius hat Recht: die Legitimität gibt nicht nur Unterstützung, sie ermöglicht überhaupt Widerstand aufzubauen und durchzuhalten.

Natürlich werde ich meine persönlichen Vorstellungen von Widerstand, seinen Risiken und Gefahren, seinen Möglichkeiten nicht hier ausbreiten. Natürlich, weil es so ja nicht vor sich geht. Das ist unsere Chance. Ich nehme eine Metapher: wenn ich Texte nicht mehr verschlüsseln kann, weil IT alles aufklärt, muss ich mit Ironie arbeiten, die nur die verstehen, die es angeht. Das bedeutet, umgekehrt, auch Einschränkungen im unbedingten meinungsfreien Austausch aller Vorstellungen mit allen. Damit wird auch die Politik anders.

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Der zerstörerische Wahnsinn, von dem Kornelius spricht, ist keine Metapher, er ist Wirklichkeit. Das ist bei Diktatoren nicht außergewöhnlich, aber bei atombewaffneten, unendlich reichen und mächtigen, die sich in der Anbetung durch Millionen geistarmer, unerzogener Kleinbürger befinden, schon. Und vergessen wir nicht: diese faschistischen und faschistoiden Selbstherrscher sind für sich keine besonderen Menschen, sie sind das Produkt des undemokratischen Durchschnitts.

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Was sich auf uns aus den USA ergießt, ist anderswo schon Beginn der abstoßenden Wirklichkeit. Aber vielleicht kann der Widerstand der denkenden Menschen in Österreich, der jetzt beginnt, einen Weg zeigen, der bei den Alpen nicht haltmacht. Das alles wird nicht ohne Risiko vor sich gehen, es birgt Gefahren, es kann uns Angst machen – aber keine Verzagtheit.

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Tags darauf. Meldungen von Demonstrationen in Wien. Prima, noch mehr davon. Meldungen von Musk & Weidel . Der Faschismus zeigt wenig Maske. Er verbreitet sich, weil seine Grundlagen im Pöbel längst die Klassengrenzen überschritten haben.

Es wird kalt. die Parteiprogramme der Rechten wärmen nur die eingepackten Wohlhabenden. Lass die Armen hungern, war lange ein Programm, oder sie sollen auswandern. Das geht heute nicht mehr. Sich auf die Kargheit vorbereiten, ist ekine Epistel, sondern vielleicht nur klug?

Wegschauen, weghören, weg sein

In der Demokratie darf man fast alles, was sich in der Diktatur verbietet. Der Weg zwischen beiden ist etwas unsicher und nicht gekennzeichnet. Die Kommentare sind dann alltagssprachlich: „Darf der denn das?“, Fico nach Russland fahren, die AfD ihren Attentäter verleugnen, um gegen Ausländer zu hetzen, dürfen ersetzt können und sollen.

Es gibt keinen Weihnachtsfrieden, keine Freude zu Chanukka, die dunkle Zeit hält sich nicht ans Wetter (es soll ja wieder heller werden, es wird heller). Ja, und?

Ich denke die Terroristen, Machthaber und Zauderer haben eines gemeinsam: Sie nutzen die Gleichzeitigkeit um bestimmte Dinge zu tun und nicht zu tun, und mit dem einen auf das andere zu verweisen. Das ist gar nicht philosophisch, sondern politisch, Beispiel Erdögan. Dann sind natürlich die richtigen Kommentare auch so gleichzeitig widersprüchlich, man schaut zugleich hin und weg, man hört es und versteht es nicht. Schrödingers Katze auf politisch…

Blick zurück nach vorn: Österreich

Meine Freunde in Österreich versorgen mich nach der Wahl von Trump mit einem besonderen FALTER (#44) der vor der Wahl schon wusste, was uns droht: „Kippt die Demokratie? – Amerika entscheidet“. Was hat Amerika entschieden, flächendeckend, gleich gar nicht auf den Amtsantritt des Trump wartend:

„In der Pluto-Ochlokratie spielt der Reiche dem Pöbel vor, er sei seinesgleichen. Wenn die Hegemonialmacht derart abgleitet, darf sich die Demokratie auf ihre Endzeit gefasst machen“ (Armin Turnherr, Gründer des FALTER, S.5). Ochlokratie ist die Pöbelherrschaft…Trump und Musk, Trump und Bezos, das ist jetzt, nach der Wahl schon die Wirklichkeit. , Isolde Charim schreibt, wie immer gut, zu Musk (S.9) „Alles weicht einer Feudalordnung des Geldes. Alles wird hier pervertiert“. Es fällt auf, dass niemand mehr Zweifel am Wahlsieg Trumps hatte, vielleicht noch nicht an seinem Ausmaß. Nun ist Österreich an der Kippe zu einer teilweisen Wiederkehr des Austrofaschismus. Die amerikanischen Faschisten orientieren sich an einem Protagonisten, Edmund Waldstein, Zisterzienserpater, „der ihnen die Stichwörter liefert“ (Artikel von Eva Konzett „Mönch der Macht„, (S.12-14). Dass Amerika „entscheidet“, liegt an der globalen Offenheit für einen weltweiten Faschismus. Eine deutsche Umfrage bestätigt die Zweifel an der Demokratie. Eine österreichische Wirklichkeit hat den rechtsradikalen Walter Rosenkranz der FPÖ zum Nationalratspräsidenten gemacht (!): Nina Horaczek „Kickls Wolf im Schafspelz“ (S.18). Wer Kickl ist, wisst ihr in Deutschland schon?! Der FALTER ist eines der wenigen Medien, das nicht von vornherein den Kompromiss mit dem wahrscheinlichen Ergebnis der Trumpherrschaft sucht. Es wird schlimm genug.

Nun gibt es eine Menge Politiker, Wissenschaftler, Adabeis…(fast nur Männer), die davor warnen, große Worte zu verwenden, wie Faschismus, Diktatur, und Herrschaft. Man solle sich, sagt ein Fachmann, doch auf die realen Tatsachen und Ereignisse konzentrie-ren. Als ob die weniger faschistisch wären.

Und ich schaue auf meine erste Heimat Österreich, die einen Schritt vor Deutschland mit seinen AfD und BSW auf dem Weg in die offizielle Faschisierung ist. Offiziell schon deshalb, weil Nehammer und die ÖVP ja nicht nur eine Vorgeschichte haben, die aus dem Austrofaschismus auch kommt – nicht nur, bitte schön – sondern weil es die Europa- und Weltpolitik viel weniger interessiert als z.B. den Wirtschafts-giganten Deutschland, dessen Vorwahlstimmen nicht nur der großen Parteien ganz konsequent den Sozialabbau in ihre Propaganda nehmen. Andererseits beruhigt mich Österreich in der Bestätigung und Vorschau auf Widerstand, vom Bundespräsidenten bis in die Kultur. Und wo soll man schon hinschauen, wenn sich Israel trumpophil nicht als Fluchtland anbietet und man in Deutschland sich fragen muss, wann denn endlich jemand die Trumpfreundschaft mit Putin Ernst nimmt, die Gefahr für NATO und Ukraine wahrnimmt und die Auswirkungen auf die Gesellschaft wirklich und nicht rahmenverziert zu politischem Handeln verwendet.

Überhaupt Österreich. Als Doppelstaatsbürger möchte man immer im andern Land sein, wenn dort, wo man gerade ist, alles rechts abgleitet. Aber das geht in diesen Tagen nicht. Die Umweltpolitik wird abgewrackt, der brutale Industriefaschismus triumphiert. Lass die Stürme woanders wüten, gibt es eben weniger Flüchtlinge…und wenn sie hier wüten? so weit sind die Politiker noch nicht. Überhaupt Deutschland.

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Bis hierher ein unterkritischer und beschränkter Blog. Der ist aus einer spontanen Reaktion entstanden, als ich den FALTER bekam. Ich will mich wappnen gegen die unterwürfige realpolitische Unterwerfung unter die voraussichtlichen Handlungen von Trump und seiner Camarilla, denn diese angstbesetzte Vorausschau heizt ja nur sein Diktat an.

USA wird jetzt die dritte Macht, und „1984“ ist das Modell. Und ganz ohne Zynismus: wenn gefragt wird, was wir dann machen, kann ich nur sagen: was wir dann noch tun können. Jetzt aber ist bis dann. Politik, Ethik, Kritik und Widerstand, die sind doch nicht erst gefragt, wenn ihr Gegenteiliger herrscht. Habt ein paar gute Monate bis dahin, und lest den FALTER. Nicht nur vor der US Wahl, wöchentlich. Denn: Amerika hat entschieden.

10. November, dazwischen.

zum 9.11. schreiben sie alle, reden sie alle, und jeder findet sein Datum. Sinds nicht die Nazis, ist es die DDR, und es gibt noch mehr. Alle Daten sind irgendwann Gedenkdaten, weil die Menschheit noch alt geworden ist. der 9. November – hat mich früh fasziniert, wie sich Daten wiederholen und eine eigene Wirkung entfalten (Vgl. M.D.: „Schicksalstage in der Geschichte werden gemacht“ Der 9. November. In: Günther-Arndt/Hoffmann/Zwölfer (Hrsg.): Geschichtsbuch Oberstufe, Berlin, 1995, S. 354 – 357). 2. Juli, 7. Oktober, 1. Mai etc.

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Am 9.11., gestern, beherrschen die KZ Gedenkfeiern, die Feiern zum Abgesang der DDR, die antisemitischen Ausfälle in Amsterdam die Schlagzeilen, dahinter lauert Trump, aus den Ecken blinzelt der Zerfall der deutschen Demokratie und die Unterstützung von MigrantInnen und der Ukraine in der EU. Ganz schön viel für einen kalten Herbsttag.

Am 11.11., morgen, beherrschen die Narren die Öffentlichkeit, ist nur nicht mehr so lustig, wenn es das je war, gar viel nationale Politik und Kultur (https://de.wikipedia.org/wiki/11._November), und natürlich die fünfte Dimension https://www.wissen.de/warum-beginnt-die-karnevalssaison-am-1111 (Als Freund des alpinen Faschings habe ich den Karneval nie leiden können, aber das bin eben nur ich.)

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Aber heute ist der 10.11. – Dazwischen, die wichtigste Ortbestimmung der Philosophie und des Menschenverstandes. Außerhalb, ob Himmel, Hölle oder Ewigkeit, ist immer falsch. Dazwischen ist wenn nicht gut, so richtig.

Hört und sieht man, was wer gestern von sich gegeben hat, dann überwiegt das Ritual vor der Betroffenheit. Der Aufruf, nicht zu vergessen, bedeutet ja auch, von sich aus in die Zukunft zu rufen. Woran also jetzt am 9.11. erinnern? wie kann man das Rückdenken an die Pogromnacht und das Rückdenken an das Ende der DDR verbinden, muss man es? Gut wäre es, jeweils die Vorgeschichten zu kennen und sie zu erinnern; das hilft, die Geschichtserzählung vom 9.11.1938 zu verstehen. Die Nazis haben auf den allgemeinen Faschismus der Dreißigerjahre etwas draufgelegt, das mehr ausgedeutet werden muss als die Faschismen allgemein – das ist auch eine Warnung für uns heute, nicht von den Nazi-Erinnerungen aus die sich verbreitenden Faschismen zu bewerten, sondern zu erklären, warum der deutsche Faschismus so schnell und rigoros in den Nationalsozialismus sich entwickelte. Und das ist nicht nur Geschichtsschreibung…Es gibt unendlich viel Forschung und Dokumentation zum Faschismus allgemein und zu NS im besonderen. Aber es gibt wenig, zu wenig, Reflexion, Wiederspiegelung in unsere Gegenwartsbewertung – angefangen bei AfD und BSW bis zu den dauernd aufgedeckten Nazi-Neugründungsgruppen, vor allem in Sachsen, aber auch anderswo. Wobei man beide Parteien verbieten sollte und nicht aus Angst vor Fußnoten des Verfassungsgerichts gleich die ganze Justiz außen vor lassen sollte. Koalitionen mit diesen Rechten machen oder wollen nur unpolitische, undemokratische Landes-Schwurbler. Weil man den Faschisten, auch damals den Nazis, und heute? eben nicht Kompromisse beim Programm abringen kann, wenn es um Machtausübung geht. Lernt doch von der Niederlage der Demokratie gegen den Donald Trump. den ich nicht charakterisiere, weil ich mich von seinem Stil absetze: und wer die Wahrheit sagt, bei dem bleiben oft die Begriffe hängen, die man kritisiert oder nicht mag.

Gestern war ein anderer Zugang zum 9.11. interessant: die Reaktion des Bundespräsidenten auf die Rede von Marko Martin zum Mauerfall. https://www.tagesspiegel.de/politik/kritische-rede-im-schloss-bellevue-schriftsteller-martin-wirft-steinmeier-wutausbruch-vor-12676247.html, Die Rede ist wichtig: https://www.welt.de/kultur/article254426424/Marko-Martins-Mauerfall-Rede-Sehr-geehrter-Herr-Bundespraesident-und-bei-allem-Respekt.html . Es geht hier um die Verbindung von Struktur und Personen (u.a. Egon Bahr und Frank Walter Steinmeier) und nicht einfach um die Werbung für Zustimmung oder Übereinstimmung. Wir haben in der aktuellen Gegenwart ja das Problem, dass die demokratischen Welt- und PolitikbewegerInnen von 1989 vielfach geehrt und analysiert werden, aber die vielen, die hinter Vorhängen in ihrer Geschichte gar nicht verstanden werden (sollen, gewollt werden), aber aus der Geschichte bzw. dem Geschichtsbewusstsein ausgegrenzt sind. Im Übrigen sage ich als Österreicher mit Überzeugung, dass die Fixierung auf Ost-West eine seltsame Verzerrung und Übertreibung ist.

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Datums-Fetischismus kann erfolgreich sein (Weihnachten) oder über kurz oder lang in Vergessenheit geraten. 9/11 (11. September, nicht schon wieder ein 9. November) bleibt wohl hängen. Was war am 7.10.2023 historisch: 50 Jahre seit dem letzten Krieg, Putins Geburtstag? 10.9. Afghanistan… Und so kann man viele Tage aufzählen und aus den Schubladen sowohl ideologischer als eigener Zeitgestaltung herausholen. Literarisch war natürlich der 29. Februar unschlagbar, aber ohne Bedeutung…

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Was wird wann gefeiert, betrauert, vergessen, erinnert, wieder erinnert, wieder und anders erinnert?

Das ist alles sowohl privat, subjektiv, als auch politisch. Das Ereignis, mehr als das Datum, zählt. Wenn es umgekehrt ist, dann kann man in sich gehen und nachprüfen, was man eigentlich feiert oder betrauert. Morgen, am 11.11. werden manche, viel? die sorgenvolle Erinnerungskultur unterbrechen. Was muss geschehen, um die Ball und Karnevalssaison abzublasen? das kann man wiederum der Erinnerung übergeben. coronabedingte Absagen 2020, 2021, 2022 – die Wirtschaft hat gelitten, und das Volk? In der NS Zeit wurde der Karneval ideologisiert und 1940 bis 1945 abgeblasen (https://www.xn--klner-karneval-vpb.de/historie-koelner-karneval/nationalsozialismus). Auch die Absage von Bällen, wie in Wien, wird streng chronologisch vermerkt.

Gedenktage insgesamt sind sehr bedeutsam für die veröffentlichte Kultur eines Landes. Und sie werden gesteuert, gecancelt, neu eingeführt, mischen sich mit kirchlichen Feiertagen oder setzen sich von diesen ab usw. nicht wirklich „mein Thema“, aber heute, zwischen 9. und 11. November dann doch….es ist wunderbar still auf den Straßen und man kann sich auf den Herbst der Natur besser konzentrieren als auf den Herbst der Politik.

Faschismus allerorten. Schaut hin, bevor ihr ihn leugnet

Da wählen die Österreicher einen FPÖ-Mann, Herrn Rosenkranz, zum Präsidenten des Parlaments (Nationalrat). Lest in der SZ von heute 26.10. Cathrin Kahlweit zu Walter Rosenkranz, der in einer extrem faschistischen Studentenverbindung den Ton angibt und ansonsten eben ein gebildeter Rechtsradikaler ist, kein Randalierer. Die Vorstellung, Nazis und Faschisten seien in Staatsämtern leichter zu ertragen, wenn sie sich normal benehmen, ist eine bereits fortgeschrittene Infektion.

Europa ist in meisten und wichtigsten Ländern von faschistischen Parteien regiert oder mitgesteuert, nicht nur die EU. Und dass es engere Beziehungen europäischer Faschisten zu Putin, und von Putin zu Trump starke Verbindungen europäischer Konservativer mit faschistischen Parteiangehörigen sowohl in der Kommission als auch im Parlament gibt, kann man täglich und gut belegt lesen oder hören, also wissen.

MONITOR vom 23.05.2024: Europas extreme Rechte: Partner für die Union? CDU stimmt mit AfD für Grenzzäune: Fällt jetzt die „Brandmauer“ im EU-Parlament? BZ 24.10.2024 Werte LeserInnen… sucht selbst Belege. Es gibt sie, vielfach.
*Und es gibt sie, diese Belege, weil die Wirklichkeit sich nicht von den Irrlichtern fehlgedeuteter Wahrheiten irritieren lässt. Dazu habe ich hier schon einiges geschrieben und – ich sage es auch öffentlich, und die Reaktionen fallen eher desinteressiert aus als ablehnend. So ein wenig: ach, nicht schon wiiiiieder.

Weil der Faschismus schon längst wieder Fuß gefasst, er ist oft keine Mehrheit, manchmal aber schon, und wie Hitler gezeigt hat, braucht man, um machtvoll einzusteigen keine 50%.

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Die Demokraten selbst machen die Grenzen zu Diktatoren oder rechtsradikalen Partnern transparent, Wirtschaft, Arbeitskräfte, Flüchtlingsabsonderung etc. dominieren pragmatisch, wozu sich demokratische Politiker wie Scholz in Ankara oder Delhi gar nicht ideologiekritisch äußern müssen. Auch ist wahrscheinlich, dass Trump die Wahl doch gewinnt (wie geht man in Deutschland mit den Autos und Fabriken von Elon Musk um, vorher und nachher?)

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Aber nach der großen Theorie ist mir nicht zumute, und nicht in diesem Format. Ihr wisst ja, was heute ist? der 26. Oktober. Lest https://www.stadt-wien.at/politik/nationalfeiertag-in-oesterreich-26-oktober.html , was sich da alles tut. Die Intention, kurz und knapp:

„Schließlich und endlich war der 26. Oktober 1955 der erste Tag, an dem keine fremden Truppen mehr auf österreichischem Hoheitsgebiet standen.

Am 26. Oktober 1955 beschloss der österreichische Nationalrat in Form eines Verfassungsgesetzes die immerwährende Neutralität.“

Wie wir diesen Tag begangen haben und weiterhin feiern, lohnt mehr als einen Text. Hinschauen und Nachdenken von Anfang an. Immerhin hat das Fest schon viel früher begonnen als der 3. Oktober in Deutschland, und war auch anders begründet. Ö ist nicht D. Zehn Jahre lang hieß dieser Tag „Tag der Fahne“…

Österreich ist eines der wenigen Länder, die zwei Faschismen hintereinander durchmachten, und damit war auch die Bandbreite zwischen Austrofaschismus und Nazismus ab 1938 markiert. Dazu jetzt nichts historisches, aber gegenwärtig verbindet die FP?Ö beide Faschismen, die sich eigentlich nicht vertragen, und die ÖVP unter dem derzeitigen Kanzler ist eher auf dem austrofaschistischen Gegenwartsflügel als in der konservativen Demokratiebewegung.

Davon habe ich als Kind am Tag der Fahne wenig geahnt. Meine politische Erinnerung hat etwas früher begonnen, beim Staatsbesuch des äthiopischen Kaisers 1954 (https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Staatsbesuch_von_Kaiser_Haile_Selassie_von_%C3%84thiopien) und wurde sehr schnell aktiviert durch den Ungarnaufstand 1956 https://de.wikipedia.org/wiki/Ungarischer_Volksaufstand , mit dem mehr als nur die politische Erinnerung sich mir einschrieb. Aber zum Tag der Fahne, zum ex-Faschisten Drimmel, zur Innenpolitik des neutralen Landes und zur Neutralität konnte ich als Kind natürlich nichts sagen. Aber in Nebentönen habe ich damals schon gehört, dass zum Beispiel der Drimmel gebildeter war als die andern Politiker.

Die Nachwirkungen des Doppelfaschismus sind erheblich, bis heute. Der Widerstand dagegen zeigt sich nicht nur hauptsächlich in der Kultur – deutlicher und prägnanter als in Deutschland, – sondern auch in erfahrungsbezogenen Abwägungen zwischen beiden Faschismen, besonders deutlich beim großen Kanzler Kreisky. Und solche Widerstände gegen Anmutungen zum Faschismus wie der österreichische Präsident van der Bellen sind beispielhaft.

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Wenn sich heute in Europa Faschismen wieder breit machen, sollte man ihre Struktur genauer durchdenken. Meloni ist das beste Beispiel, vor allem innen- und kulturpolitisch, und in Österreich kann man die Unterschiede zwischen Wien und den Bundesländern als Studienobjekt einbringen. In Deutschland ist die teilweise, im Osten noch besser erklärbare, Hinwendung zur linksfaschistischen Variante BSW ein ganz aktuelles Problem, – man meint, es genüge, gegen die AfD zu sein – und weltpolitisch ist die Achse Putin-Trump ja keine Chimäre.

Ich schreibe das nicht aufgeregt, eher deprimiert über das kurzfristige politische Gedächtnis nicht nur des Pöbels. Der Hinweis auf den Geschichtsunterricht ist notwendig, und auf die politische Facette der Kultur, die sich nicht juristisch zur Gesinnungslosigkieit eindämmen lässt.

Und was uns allen eigentlich klar sein müsste: jeder Mensch kann sich faschistisch entwickeln. Und jeder Mensch kann sich antifaschistisch entwickeln. Aber natürlich reicht Antifaschismus nicht zur demokratischen Entwicklung…das haben wir doch schon gelesen.

Faschismus wird in Deutschland wieder normal

Seit Monaten schreibe ich gegen den um sich greifenden Faschismus in Deutschland, Europa, weltweit an. Ich bin alt genug und auf diesem Gebiet auch hinreichend erfahren, dass ich den Begriff nicht leichtfertig auf alle undemokratischen Bewegungen anwende. Aber ich gebe auch nicht begrifflich nach, wenn es um faschistische Bewegungen bei uns geht – in Deutschland AfD und BSW, in Österreich FPÖ, in beiden Ländern mit Randerscheinungen auch bei anderen Parteien und Organisationen.

Noch sind in drei Bundesländern keine endgültigen Entscheidungen gefallen, ob demokratische Parteien mit der linksfaschistischen Partei BSW Koalitionen bilden. Ich befürchte es, und in Brandenburg hat der selbstbezogene Ministerpräsident Woidke es ja selbst geradezu herbeigeführt.

Bestimmte Themengebiete, vor allem Asyl, haben in demokratischen Parteien bereits gefährliche Auflösungserscheinungen der praktischen Vernunft ausgelöst. Da kann und soll man dagegen arbeiten, und nicht nur in den Hinterzimmern, auch öffentlich.

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Viel gefährlicher ist zur Zeit das Appeasement mit den regierenden Faschisten vor allem in Italien. Außenpolitisch kommt uns die Unterstützung der Ukraine durch Meloni zugute – aber das ist eine wohlfeile Rahmung einer Innenpolitik, die sich nicht einfach symbolisch, sondern konkret, rechtlich, medial gegen die Freiheit der Gedanken, der Kunst und der Kommunikation wendet. Nicht so blöde und offensichtlich wie in Russland, aber nicht minder wirksam.

Wirksam u.a. bei der Frankfurter Buchmesse dieser Woche: schaut einmal bei Google „Frankfurter Buchmesse Italien“, wie viele regierungsnahe Eintragungen auf den ersten beiden Seiten da sind – und nur zwei wichtige kritische Eintragungen:

Hauptsache, Italien: Deutschland ist dabei, sich an Rechtsextremismus zu gewöhnen (SZ, Felix Stephan 14.10.2024). Am Ende verweist er mit Recht auf die Behinderung von Saviano. Wichtig aber ist, wie er die faschistische Taktik aufblättert: konziliant nach außen, rigide nach innen.

Wie sich Italiens Schriftsteller gegen Meloni auflehnen: FAZ, Karen Krüger, 13.10.2024): Auch hier Saviano, und wichtige Hinweise auf die oppositionellen Gegenveranstaltungen bei PEN und guten deutschen Verlagen.

Aber das reicht natürlich nicht. Denn die politische wie kulturelle Anmutung zum Faschismus hat die SZ schon gut formuliert: Hauptsache, Italien. Warum das so ist, wie das sich festgesetzt hat, erfordert etwas Geduld, man muss weit zurückgehen, in die Zeit zwischen den Kriegen, in das langsame Gewöhnen an eine recht stark erscheinende Alternative zur komplizierten und nicht-starken Demokratie. Und überhaupt: sie waren doch fast alle Faschisten (damals, in den 30er Jahren…heute greift der Faschismus auch in der EU und anderswo um sich). Gerade, wenn man nicht dauernd die NS-Begrifflichkeit mit Blick auf 1933-45 als Fokus nimmt, kann man von einer gefährlichen Verharmlosung der Faschismen in der europäischen Geschichte sprechen, man soll darüber sprechen. Auch, was BSW betrifft, die ja „harmloser“ als die AfD angesehen wird, auch was Meloni angeht, die harmloser und pragmatischer erscheint als zähnefletschende Schwarzhemden.

Schon etwas abgegriffen: Erwache! aber seid wachsam, ihr werdet ganz schön eingewickelt, und das F-Wort wird ja in der Politik gemieden.

Ein politischer Hinweis: Nicht jeder Pöbel, der die Demokratie angreift, ist faschistisch. Und Faschisten bemächtigen sich nicht nur des Pöbels. Damals nicht, heute nicht. Aber sie brauchen um zu wachsen diesen Pöbel. Sie müssen wachsen. (Lest dazu Elias Canetti: Masse und Macht (1960)). Wie man im Faschismus, wie man mit den Faschisten lebt, wird immer wieder neu eingeübt, wie man gegen sie lebt, auch, aber das ist komplizierter. In Italien sollte man die Biographien von Antonio Gramsci, von Cesare Pavese, Primo Levi und vielen anderen lesen, auch um die Uneinheitlichkeit zu studieren. Und ganz neu für Deutschland und Österreich relevant: Thomas Poeschel: Boheme, Revolte und Exil, Wallstein 2024), wo auch das Verhältnis des wachsenden Faschismus zum Exil dargestellt wird.

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Es gibt eine Fülle von Unterstützungen für den aufkommenden Faschismus, auch bei uns. Analysiert nur die Wahlergebnisse in den drei deutschen Ländern und in Vorarlberg: da wählen die jungen Menschen plötzlich – plötzlich? – rechts, vor allem auf dem Land. Und die Wahlforschung sagt: Wer jung X wählt, bleibt lange dabei. Warum wählen die rechts? auch, weil sich die Demokraten nicht sehr um die gesellschaftliche Lebenswirklichkeit außerhalb ihrer Grundmilieus kümmern, und die Faschisten da hineinstoßen, mit der attraktiven Gegenwartsgestaltung, wo schon längst niemand anderer mehr sich darum kümmert.

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Das, werte LeserInnen, ist kein Alarmismus, es ist eine Beobachtung, von der ich hoffe, dass meine Lebenszeit nicht überdauert. Aber es reicht nicht, gegen die vermehrten Faschisten zu „sein“, man muss etwas gegen sie tun, in Bildung, Erziehung usw. Mit dem Sparbudget der Wirtschaftsrechten kommt man da nicht weiter, aber auch nicht mit dem Umgarnen der Rentner und Pensionisten. Kümmert euch um die Jungen und fragt euch nicht dauernd, warum sie den Faschisten nachlaufen.

Austria erit in obscuro universo AEIOU

Liest man die Kommentare zum österreichischen Wahlergebnis vom letzten Sonntag, hat man das Gefühl, der Blick von Presse, Politik und Stammtisch kennt Austria nicht, oder bestenfalls touristisch oder analog zu Ungarn und anderen Ärgermachern in der EU. Die faschistische FPÖ vor der konservativen ÖVP und der blassroten SPÖ. Weit hinten die etwas gestärkten NEOS und die arg abgestürzten Grünen, jeweils unter 10%.

Ich hatte schon mehrmals, auch vor dieser Wahl, das Problem aufgezeigt, dass die FPÖ zwei (ZWEI) Faschismen in sich vereint, dass die ÖVP einen Ast mit historischen Faschismen verlängert und dass die SPÖ längst nicht mehr der soziale Antrieb der Republik ist. Die beiden Kleinen (Grüne und NEOS) konkurrieren, haben keine faschistoide Berührung und auch keine sozialistische.

Um Österreich zu verstehen, muss man die Geschichte des Ständestaates und des ersten Faschismus („Austro-F“) vor der Machtübernahme durch die Nazis 1938 genauer studieren, auch die Unterschiede innerhalb der faschistischen Ablehnung von Demokratie durch die beiden Parteien. Es gibt dazu hinreichend und differenziert gute und kritische Literatur, aber es gibt auch eine Art abgeschliffener Geschichtsbetrachtung in der Bevölkerung, die diese Geschichte ihrer tragischen, perversen und absurden Erscheinungsformen entkernt. Auch das ist seit 1945 immer wieder Gegenstand von Literatur, Philosophie, Geschichte, Kunst und gescheiten Diskursen.

Die FPÖ ist faschistisch, verbindet in sich aber die widersprüchlichen Austrofaschismen mit dem deutschen Faschismus, der ab 1933 ins Nazitum überging, und eben extrem „deutsch“ war – und in Teilen geblieben ist. (Man kann in der Analyse der AfD hier auch die Quellen auseinanderhalten).

Die ÖVP ist aus dem Austrofaschismus hervorgegangen, .es gibt durchaus ständestaatliche Strukturen, aber es gibt auch ganz andere, nicht F-fortsetzende Strukturen und Aspekte, was einerseits eine reale Flexibilität, aber nicht unbedingt konstante Glaubwürdigkeit erzeugt.

Die SPÖ, meine Zielpartei in der Kreiskyzeit trotz interner Kontroversen, ist weit von ihrer überragenden, leider auf Wien und die größeren Städte konzentrierten Politik entfernt.

Nun ist aber die Retrospektive zu den verschiedenen Faschismen in Österreich auch deshalb notwendig, weil man sonst viele der Konstellationen nicht versteht. Ein wichtiger Faktor ist zudem die sehr ungleichmäßige Aufarbeitung der faschistischen Vergangenheit, die von Deutschland unterscheidbare Politik des Umgangs mit dem Judentum und die gesamt Migrations- und Asylkrise. Da hat es die Bundesrepublik mit ganz anderen Grenzproblemen nötig, die Differenzen zu Österreich genauer zu erkennen (ich rede jetzt einmal nicht von Baiern). Österreich: Nehammer hat mit Recht Kurz als Kanzler abgelöst, aber für sich ist er genau an der Schnittstelle zwischen einem Pragmatiker und dem austrofaschistischen Erbe zugeneigten Konservativen…ein ihm vorteilhafter Spagat mit gefährlichen Optionen, etwa einer Koalition mit der FPÖ ohne Kickl.

Nein, Österreich ist nicht Ungarn, nicht die Slowakei, nicht die Niederlande mit ihren Faschismen in der Vertikale der Macht, und auch nicht Kroatien und Dänemark. Von allen etwas, und doch anders. Aus vielen Gründen sind Vergleiche, v.a. regionale, mit Italien wichtig, weil dort der herrschende Faschismus die EU schon stark beeinflusst und die typische Trennung von Innenpolitik und Außenpolitik geradezu EUantizipierend prägt. Und man muss schon genau hinsehen und sich vorstellen, wie nach 1918 da ein ganz anderes Land mehrere Identitäten vereint hat, die jedenfalls nicht mit der gängigen deutschen Ostwest Ansicht übereinstimmen. Heute, jetzt. Lest einmal nach, zB. Institut für den Donauraum und Mitteleuropa, IDM, jetzt 9/24, Oder die Nachkriegsgeschichte, z.B. aus der Sicht des Osteuropahistoriker Wolfgang Müller von der Universität Wien, oder mit Hinblick auf die US-Beziehungen zu Österreich (dazu braucht man Reinhold Wagnleitner). Nochmals: ausnahmsweise keine zitierfähigen Literaturangaben, die liegen bei Nachfrage bereit).

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Der Unsinn, dem Volk aufs Maul schauen zu wollen, um die eigene Demokratie zu stärken, lassen wir einmal beiseite. Dann bleiben der eklatante Stadt-Land Bruch, vor allem zwischen dem herrlich vielfarbigen roten Wien (nicht mehr so vielfarbig, nicht mehr so rot, aber….) und einigen der größeren Städte, und dem „Land“. Das sich doch in vieler Hinsicht in Dörfern und kleinen Städten von Deutschland unterscheidet, da muss man schon ethnologisch, historisch, kulturell, manchmal auch religiös genauer analysieren und – leider noch immer, den Umgang der Regionen mit den jeweiligen Faschismen bzw. dem Sozialismus in der Vorkriegszeit und nach dem WKII sich erklären, um zu verstehen, warum manchmal die FPÖ, manchmal die ÖVP relative Mehrheiten errungen hat.

Ich lasse jetzt einmal meine Ansichten und Hoffnungen auf mögliche Koalitionen außen vor. Aber ich rate, empfehle herzlich, ein wenig österreichische Geschichte nicht als Wurmfortsatz der deutschen Geschichte zu studieren. Auf Nachfragen biete ich gerne Literatur und Wissenschaft zur Lektüre, aber nicht vorab. Denn manchmal weiß ich selbst nicht, wer was wie kontrovers frägt.

Ein letztes: der Bundespräsident, Alexander van der Bellen, ist ein unerschütterlicher Repräsentant eines demokratischen, zivilen, republikanischen Österreich. Er kann mit seinen Entscheidungen die Demokratie nachhaltig stützen und schützen.