Juden, jüdisch – Klug und dumm?

Vorspiel: Dummheit und Faschismus

„Der Faschismus entsteht immer aus einem Geist der Provinz, einem Mangel an Kenntnis der wahren Probleme und der Ablehnung der Menschen, sei es aus Faulheit, Vorurteilen, Habgier oder Ignoranz, um ihrem Leben eine tiefere Bedeutung zu verleihen. Schlimmer noch, sie prahlen mit ihrer Ignoranz und suchen Erfolg für sich selbst oder ihre Gruppe durch Anmaßung, unbegründete Behauptungen und falsche Darstellung guter Eigenschaften, statt an echte Fähigkeiten, Erfahrung oder kulturelle Reflexion zu appellieren

Faschismus kann nicht bekämpft werden, wenn wir nicht erkennen, dass er einfach die dumme, erbärmliche und frustrierte Seite von uns selbst ist, für die wir uns schämen müssen. “
(Federico Fellini: Im Gespräch mit Natalia Ginzburg., dankbar von Edith Pedevilla am 7.7.25 übermittelt).

Es geht um die Verbindung von Faschismus und Dummheit. Ergänzt meine Blogs der Vergangenen Tage. Und erweitert den Hinweis auf DUMMHEIT in einem besonders peinlichen Fall, ja, Syndrom.

  1. Akt: Dummheit entfaltet

Der von mir seit Jahrzehnten unverändert verehrte und gelesene Robert Musil (Törless, Der Mann ohne Eigenschaften u.v.m.) hat im März 1937 zweimal auf Einladung des österreichischen Werkbunds einen Vortrag über die Dummheit gehalten (Österreichischer Werkbund – Wien Geschichte Wiki). Zweimal, das kann also schon beim ersten Mal gewirkt haben, schwierig zu lesen, die Ironie muss wienerisch und nicht norddeutsch verstanden werden – und sehr aufschlussreich, wie die Dummheit über alle Gebiete und Sphären aufgegliedert und verstanden wird, und keineswegs der Klugheit oder Intelligenz im Weg steht. (Musil, R.: Über die Dummheit. Hamburg 2022, Nikol). Ich habe mich eher durchgebissen als den Essay überflogen, nichts geht ohne die Dummheit, die Weisheit schon gar nicht. Warum ist das wichtig? Weil viel in dem, was wir andenken oder anvisieren, widersprüchlich ist, und deshalb braucht es dieser Dialektik, um überhaupt zu verstehen.

  • Akt: Juden müssen nicht jüdisch sein

So, wie Kluge oder Gescheite auch dumm sein können, so wenig sind alle Juden jüdisch. Ihre ethnische Herkunft kann man nicht ändern, aber ihre soziale Qualität und ihr Verhalten, also jüdisch zu sein, zu leben, sich jüdisch zu verhalten, ist nicht festgelegt. Und je dogmatischer sie vorgeblich dargestellt wird, desto mehr sollten wir zweifeln.

Die meisten antisemitischen Vorurteile gelten formal den „Juden“, beziehen sich aber auf das, was den Judenfeinden am Jüdischen nicht gefällt oder nicht passt. Das heißt natürlich, dass ich das Jüdische verteidige, gegen Antisemiten und gegen den Missbrauch des Jüdischen durch bestimmte Juden. „Bestimmte“? Ja, nicht alle, und schon gar nicht „Die Juden“ an sich. Mit anderen Worten: es kommt darauf an,  „Jüdisch„ zu definieren, für sich in Anspruch zu nehmen und den Begriff nicht einfach allen anderen zu überlassen, vor allem nicht denen, die damit das Judentum herunterwirtschaften, geistig und materiell. Die sind meistens antisemitisch, manchmal aber auch Juden.

  • Akt: Wie komme ich jetzt dazu?

Wir befinden uns in einer ziemlich schrecklichen Situation, weltweit. Mit einem aggressiven Kern, neben anderen, von unauflösbarer Gewalt im Nahen Osten, sagen wir in Israel und Palästina. Dazu habe ich seit langem viel geschrieben, gesagt, nicht nur Richtiges und Kluges, aber doch meist glaubhaft. Und viele äußern sich dazu, und man kann gut nachweisen, dass es ein begriffliches Dreieck gibt: „Israel-Juden-Antisemitismus“ – jetzt kommt es darauf, wer welchen der drei Begriffe wie, positiv oder negativ, verwendet und wie die drei verknüpft sind. Wer immer einen direkten Bezug zum Antisemitismus aufgrund der Juden in Israel vornimmt, aufgrund bestimmter Juden, wohlgemerkt, verwechselt die ethnische Herkunft mit dem Verhalten. Und wenn das verabsolutiert wird, dann meint es genau das Jüdische, das seit ewigen Zeiten für den Antisemitismus steht. Und wie komme ich jüdischer Mensch dazu, mich darüber auszulassen? Wieder einmal?

  • Akt: Dummheit antisemitisch, schwer aufzulösen

Alle möglichen Gründe für die israelische, die palästinensische, die arabische, die globale Nahostpolitik werden dauernd herausgebracht, und sie werden mit jeder Drehung antisemitischer (so als würde man immer auf den eigenen Spuren im Kreis reiten und meinen, man käme dem Ziel näher). Welchem Ziel? Frieden? Völkerrecht? Überleben der Palästinenser? Auslöschung der Hamas? Zweistaatenlösung? Machtzuwachs für Netanjahu, damit er nicht vor Gericht muss? Vernichtung Israels von der Wüste bis zum Meer? Ein floridierender Strand für Trump? Ich habe noch mehr ???

Warum antisemitischer? Weil man die Vorurteile gegen die Juden, also antijüdische, als Ausgangspunkt der Analysen und politischen Meinungen (Gemeinplätze) verwendet und so tut, als könnte mit diesem Fixpunkt die Realität erklärt werden. Das ist dumm.

  • Akt: Der Fixpunkt ist falsch. Das Judentum entwickelt sich weiter

Es kann sein, dass Netanjahu für einige Zeit die Oberhand behält. Dass viele kritische, intelligente, religiöse Jüdinnen und Juden das Land Israel verlassen, dass nicht nur der Zionismus gescheitert ist, sondern Israel als letzter Zufluchtsort für alle Juden. Was dann bliebe, ein gewalttätiges Land von Siedlern und Ultrareligiösen, die sich mit anderen, z.B. arabischen Ultras in der Umgebung irgendwie einigen oder auch nicht, aber jedenfalls ein weiterhin ungesichertes Ziel von jüdischen Menschen abgebaut wird. Wer weiß, für wie lange, wer weiß, mit welchen Folgen für jüdische Menschen an anderen Orten der Erde, in einer zunehmenden Rückkehr nicht nur des Antisemitismus. Auch Israel würde dann nicht mehr das Land sein, in das man sich gerne begeben würde, sei es aus Wertschätzung oder aus Fluchtgründen. Wenn das zuträfe, dann wäre Israel nicht mehr „jüdisch“, und die Juden, die dort lebten, wären es auch nicht zur Gänze.

Und wir, die das Jüdisch sein weiter und immer weiter entwickeln, müssten schon überlegen, wann und wie wir nach Israel, mit Israel weiterleben, und viele von uns IN ISRAEL.

Ist das so unwahrscheinlich angesichts der Realität, nicht der Ideologie? Und den Hinweis auf Dummheit habe ich unter anderem gebraucht, damit wir Juden nicht abwechselnd als klug und dumm zugleich missachtet werden – und weil Musil schon Recht hatte.

Hannah Arendt & Dorothy L. Sayers – In Potsdam

am 3. Juli fand im Rahmen des Literaturfestivals Potsdam ein Doppelabend statt: Zunächst

Anpassung oder Autonomie? Thomas Meyer: Hannah Arendt: Die Biografie, Über Palästina von Hannah Arendt Natan Sznaider: Die jüdische Wunde. Lesung und Gespräch Moderation: Miryam Schellbach

Nach einer Pause: Dietmar Bär liest Dorothy L. Sayers Moderation: Denis Scheck​.

Da ich kein Literaturkritiker bin und nicht in der Lage, die Kritik der kritischen Kritik zu AutorInnen und ihren Interpreten anzubringen, wozu schreibe ich dann dazu? DAS IST ES, spannend, wie man so einen Doppelabend verarbeitet, ich sage nicht verdaut. Hannah Arendt beschäftigt mich seit Jahrzehnten, und schon deshalb hatte mich der Dialog zweier Autoren interessiert. Die Bücher:

Thomas Meyer: Hannah Arendt: Die Biographie. Piper 2023

Natan Sznaider: Die jüdische Wunde. Hanser 2024

Beide Autoren sind gut besprochen, in den entsprechenden intellektuellen Blasen. Meyers Buch überrascht mich, denn es gibt viel Biographisches zu Hannah Arendt, und da ist der Titel schon anmaßend. Beide Bücher sind interessant. Und die Diskussion? Darüber habe ich während und danach schon nachgedacht, was einem an Form und Inhalt des Dialogs (gut moderiert) wie interessiert hat. Ich bin kein Arendt-Experte der ersten Reihe, aber ich bin gut mit denen vernetzt, die da wirklich sind – deren Erwähnung hat mir sehr gefehlt: vor allem Antonia Grunenberg, aber die 10 Autorinnen zu Arendt in meiner Bibliothek hätten schon neben den Piper-Namen ihren Platz haben sollen…aber gut, das ist ja auch eine Buchvorstellung. Inhaltlich fand ich das ganze eher gut, ob alles verstanden wurde, wenn man Arendt nicht genauer kennt, weiß ich nicht, aber es war schon von beiden gut zusammengefasst. Es ging letztlich darum, wie und warum jüdische Menschen (Juden also) beides sein wollten und konnten: universalistisch, human, aufgeklärt, und menschlich wie alle Menschen, und partikularistisch, also „Juden“, trotz allem, wobei das Alles natürlich nicht breit ausgeführt werden konnte. Hätten wir das diskutiert, wären wir schnell zu meinem Thema gekommen, der Differenz zwischen Juden und jüdisch, ethnologisch vs. kulturell und moralisch. Dass die Religion draußen blieb, war richtig, paradoxerweise hätte man es begründen können.

Die Diskussion, v.a. Meyer bezieht sich an das frühe Werk von Arendt zu Rahel Varnhagen. In der lexikalischen Beschreibung finden sich alle die Bezüge, die mir, siehe oben, gefehlt haben (https://de.wikipedia.org/wiki/Rahel_Varnhagen_(Arendt)). Aber die Weiterentwicklung der Konzepte in den 30er Jahren sind schon von großem Interesse für einen Einstieg in die Werksgeschichte von Arendt, die ja teilweise mit einem fatalen Missverständnis „nach Deutschland“ zurück charakterisiert wurde (Das war auf dem Podium gut dargestellt).

Also? Solche Veranstaltungen sind wichtig und sinnvoll. Mehr davon, und am besten mit Fragen und Diskussionen mit den Zuhörerinnen und Zuhörern. Mehr von Arendt.

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Nach einer Pause, mit Sonnenlicht, Wein und Begegnungen, dann Dorothy Sayers. Wer sie nie gelesen hat, hat von dieser Vorlesung von Bär nicht so viel, aber es ist schon spannend, wie vor hundert Jahren in die Krimiwelt eine andere Form von Klassenironie einzieht, als man gemeinhin gewohnt war und ist. Ich hatte Sayers gelesen, als ich vor mehr als 60 Jahren Bücher für meine Großmutter aus der Bibliothek holte. Die theatralische Beschreibung der britischen Klassenstruktur hatte sich lang anhaltend eingeprägt, seltsam nur, dass ich das alles nie als „Krimi“ verstanden habe. Zu langer Abstand zurück.

*

Das reicht nicht, für mehr als einen Hinweis. Die Diskussion um Hannah Arendt hat mich weit in die Vergangenheit geführt, nach Freiburg und Marburg, und die frühe Begegnung mit Arendt war eine mit dem Namen, ich hatte begonnen, über Ernst Bloch zu dissertieren, und die Beziehung von Bloch zu Arendt wird später eine wenn auch marginale, so doch wichtige, als ich begonnen hatte, mich mit Arendt auch zu beschäftigen. Angeregt durch Antonia Grunenberg, die später nach Oldenburg kommen sollte, durch das Archiv, durch die amerikanischen Schlüsselorte (Bard College, New York). Aber ich habe eben in den letzten Jahren (Jahrzehnten) immer mehr von Arendt gelesen, manchmal auch etwas dazu geschrieben, und was mich an ihr bis heute fasziniert, ist eine Metapher, der Zwischenraum, zwischen zwei Polen, Thesen, Entwicklungen – und die Intensität, mit der sie Themen zu Begriffen machte, nicht selten contra der hauptsächlichen Auffassung. Natürlich der Eichmann-Prozess (Eichmann in Jerusalem. Ein Bericht von der Banalität des Bösen, 1963). Die Kontroverse dauert bis heute. Aber für mich noch wichtiger ihre vielfältigen Auseinandersetzungen mit dem Antisemitismus, sekundär mit Israel (vgl. Israel, Palästina und der Antisemitismus, 1991; u.v.m.). Es beschäftigt mich bis heute – und lernen kann und will ich natürlich von ihrem Denktagebuch 1950-1975: aus diesen vielen Seiten kann ich immer wieder lernen, – und das führt mich zur Diskussion in Potsdam: es geht nicht darum, was sie denkt und sagt, sondern wie sie denkt. Ich habe auch viel darüber gelesen, wie sie mit und gegen Heidegger gedacht und gelebt hat, aber das muss und soll nicht im Vordergrund stehen, wenn sie vorgestellt wird und gar, wenn man sich mit ihr beschäftigt. Der Abend in Potsdam war sinnvoll um Menschen anzuregen, sich auf Arendt einzulassen, weil sie ja nicht über Klappentexte verstanden werden kann. Viele ihrer Freunde und Bekannten, Jaspers und McCarthy und… kann man (kann ich) von ihr aus besser verfolgen als im direkten Zugang. Jetzt stehen sie beide in meinen Regalen, Bloch in der Philosophie und sie in der Politik (sie wollte keine Philosophin sein), aber das ist fast trivial, beide waren fast alles.

Als der Abend an der Potsdamer Orangerie vorbei war, da klang sie nach und entfaltete Erinnerung an Texte (hätte ich sie doch in ihren letzten Jahren in New York kennengelernt, passé…), und was ich heute noch für mich ganz wichtig erachte, war ihre Wahrnehmung des Nachkriegs, NachNS, Deutschlands, das sich in früh schon, bei aller Entwicklung, den Illusionen auch hingab, die die heutige Debatte zu Israel so unerträglich schwierig macht.

P.S. Sayers wirkte anders nach: wie denkt man nach mehr als 60 Jahren an (zu) frühe Lektüre? Das hat mehr mit früher Biographie und wenig mit Text zu tun…

Israel, Palästina

Michael Daxner

Israel, Palästina.

2.7.2025

Liebe Leserinnen und Leser!

In diesem Blog fasse ich wichtige Gedanken und Erfahrungen zu den Konflikten in Israel und Palästina zusammen, mit mehr Gewicht auf historische und politische, auf kutlurelle und ethnische Hinweise als auf gewichtige Schlussfolgerungen. Es handelt sich sozusagen um eine Folie, die zu aufklärenden und diskussionswürdigen Zwecken angereichert werden kann. Ich werde mich bemühen, Ihnen eine Vorstellung von der Komplexität eines Konflikts im Nahen Osten zu geben, die im Allgemeinen weder von der Politik noch den Medien hinreichend dargestellt wird.  Dieser Vorwurf hat selbst Hintergründe, die durchaus analysiert werden können, wenn nötig. Andererseits ist es schwierig, sich in die vorhandene und teils kontroverse, teils sehr schwierige Fachliteratur so hineinzuarbeiten, dass man die kurzfristigen Veränderungen der Situation auch noch mitverfolgen und bewerten kann. Damit gebe ich auch schon meine Grenzen an, und ich erwarte Kritik, Fragen und Stellungnahmen zu diesem Text: dafür danke ich jetzt schon. In dieser Fassung habe ich trotz meiner großen Bibliothek und Literaturkenntnis häufig Wikipedia u.ä. angegeben, wenn das schnelle und tragfähige Einlesen im Vordergrund steht. Es ist klar, dass die differenzierte Beschäftigung einen dann sehr viel weiter führt. Im Rückblick auf eigene Erfahrungen in Israel, auf Exkursionen und Lehrveranstaltungen und auf Diskussionen über viele Jahre hinweg kann ich nur sagen, es wäre gut, wenn sich mehr Menschen mit der wirklichen Geschichte dort auseinandersetzten und nicht die sicher oft angenehmen Illusionen zu Juden und Palästinensern immer weiter trügen. Wenn Sie Rückfragen und Kommentare haben: herzlich willkommen; meine Selbstdarstellung unterbleibt weitgehend, das wäre ein anders gestalteter Zugang.

Eine grundsätzliche These stelle ich an den Anfang: der auch in Deutschland umstrittene deutschisraelische Philosoph Omri Boehm vertritt die These, dass man das Thema mit einander ausschließenden mehreren Antworten nicht einer Wahrheit unterordnen kann; wenn es mehrere Antworten gibt, dann bedarf es eines übergeordneten Begriffs, der uns leiten sollte, für ihn – und mich – ist das die Gerechtigkeit (Boehm 2023).

Nach dieser Einleitung kann ich zum Thema kommen, Israel und Gaza vor und nach dem 7. November 2023.

Ich beginne mit einem Hinweis auf die Terrorgruppe des 7. Oktober, die Hamas, ohne die man das Thema nicht diskutieren kann, und beziehe mich dabei auf ein informatives Buch, das uns in mehrere Ebenen des Geschehens einführt: Joseph Croitorou: Die Hamas – Herrschaft über Gaza, Krieg gegen Israel (Croitoru 2024). Der Titel enthält auch die Richtung der Auseinandersetzung, nicht aber eine Parteinahme. Bitte informiert euch über die Geschichte des Autors (Joseph Croitoru Wikipedia (7.6.2025). Man kann in diesem Buch die Geschichte des Verhältnisses von Israel zur Hamas vor dem 7.10. und seither lernen – und zum zweiten, aktuellen Teil gibt es ja unübersehbar viele journalistische und wenige wissenschaftliche Vergleichstexte[1], zum ersten Teil aber wird es schwieriger. Woher kommt die Hamas, was war und ist ihr Verhältnis zu anderen Organisationen – arabischer, islamischer, politischer Herkunft, und zum Staat Israel bzw. aktuell zur Regierung Netanjahu[2].  Soweit meine Einleitung.

^          Was müssen Sie wissen, damit Israel in den richtigen Koordinaten Ihres kritischen

Bewusstseins kommt, und ähnlich, nicht identisch, gilt das für Palästina? Fangen wir mit den Juden an, und da kann man entweder viertausend Jahre zurückgehen, was mehr als aufwändig und anstrengend ist, oder ein Jahrhundert und ein paar Jahre zurück. Breiten wir jetzt nicht gleich die Vielschichtigkeit von Theodor Herzl[3] aus, sondern konzentrieren wir uns auf die Entscheidung, die Jüdische Migration in den Nahen Osten, in das ehemalige Land der Bibel, nach Palästina zu platzieren.[4] Hier fängt das Problem schon an: es gibt eine Hauptströmung, nennen wir sie Zionismus[5], es gibt eine kontroverse Strömung, den revisionistischen Zionismus[6], es gibt starke antizionistische Bewegungen[7], es gibt religiöse Varianten von allen.

Das alles ist bis heute kontrovers…Ein kleiner Aperitif: wenn Sie die Entwicklung der Politik und die Partei von Netanjahu nicht kennen, dann sagt Ihnen vielleicht ein Faktum etwas:

Knesset Debate Print article. Rachel Fink Noa Shpigel Jun 10, 2025 8:50 „pm IDT Galit Distel Atbaryan, a Knesset member from Benjamin Netanyahu’s Likud party, ordered MK Gilad Kariv of the Democrats party, who is also a Reform rabbi, removed from a Knesset meeting on Monday after a heated discussion, suggesting Reform Jews aren’t „real Jews.“

Reformjuden sind also keine richtigen Juden. Reicht das zur Charakteristik von Netanjahus Partei und Politik? Aber wie kommt es in Israel dazu? Und dieses Beispiel hat großes, auch historisches Gewicht für die letzten Jahrzehnte. Aber zurück an die Hauptlinie.

*

Es macht Sinn, weit zurück zu gehen, auch um zu verstehen, wie wir mehrere Blasen aufbauen konnten, die die Wirklichkeit überbauten. Lassen Sie mich fragen: Sagt Ihnen die Unterscheidung von Judenstaat und Jüdischem Staat etwas?[8] Allein die unterschiedlichen Erklärungen dieser Differenz füllen Debatten und Thesen. Wir kommen nicht um etlichen Spannungen herum, die man für diese Begriffe, selbst vor jeder Politik des Staates ab 1948, verstehen muss, um zu wissen, was sich hinter und unter den Titeln verbirgt. Herzls „Judenstaat“ ist vielleicht noch erklärbar aus dem damaligen Nationalismus-Gründungsgedanken. Aber würde das ein Staat werden können, der nur für Juden strukturiert wäre, und alle anderen sollten – ja, was? Minderheiten sein? – Natürlich wurde das schon damals diskutiert, und mit dem Beginn des Zionismus war eine Spaltung relevant: Warum wollten die Jüdinnen und Juden in Westeuropa, in Deutschland zumal, einen Nationalstaat – und warum wollten die jüdischen Zionisten aus Osteuropa, zumal Russland, Polen, einen solchen? Warum ging es um Staat und/oder Gesellschaft? Warum ging es um die Sprachfrage: Hebräisch[9] oder Jiddisch[10], gar Deutsch? Und welche Rolle spielte die Religion?

             Das sind alles wichtige Fragen, deren Antworten Sie auch zu Entscheidungen führen können.

             Aber wenn wir bei Palästina sind, Israel gibt es ja erst ab 1948, dann müssen wir schon auch das verdrängte postkoloniale Diskurserbe hervorholen: Das Land war ja im Osmanischen Reich und nach 1918 hat Großbritannien schnell versucht, koloniale

Herrschaft zu erreichen. Lassen wir die Details, dann bleibt doch, dass mit Herzls Nachfolgern der Judenstaat wohin projiziert wurde, wo ein anderes Reich eigentlich geherrscht hat, und dass alle Auseinandersetzungen zwischen 1918 und 1948 immer das Dreieck Juden-Palästinenser-Briten im Zentrum hatten, abgesehen von vielen anderen Akteuren. Die britischen Positionen – von der Balfour Deklaration[11] bis zur Geschichte des Gazastreifens12 – sind eine der großen Leerstellen u.a. des deutschen Bewusstseins für die Region, und das ist keine Marginalie. Genauso wenig, wie die pro-jüdischen und antisemitischen Positionen der Politiker, die vor 1948 – teilweise auch danach – eingegriffen haben, nicht automatisch aus Dokumenten und Verträgen, aber auch politischen Entscheidungen abgelesen werden können.

Lassen Sie mich einmal sofort auf die Kehrseite meiner jüdischen Geschichte springen, und zum Gaza bzw. zur Westbank wechseln: die Seite sollte man schon auch kennen, wenn man sie bewerten will, und zwar sowohl aus der Sicht der jüdischen Besiedlung vor und nach der zionistisch geprägten Einwanderung als auch nach 1948 und eben bis jetzt. Schon die Frage, wer und was und woher die Palästinenser kommen und wie sie „sind“, ist kompliziert, weil die Einigung auf eine Definition immer und notwendig parteiisch ist. Aber wenn wir heute die Geschichte abkürzen, dann konzentrieren wir uns auf zwei Linien: die Auseinandersetzung zwischen Palästinensern und zunehmender Jüdischer Ansiedlung vor 1948 in eben dem oben beschriebenen Dreieck, und die Geschichte der Nakba nach dem Sieg der israelischen Verteidigung nach dem Angriff auf den neugegründeten Staat nach der teilweisen Vertreibung bzw. Isolierung der Palästinenser.13 Wir können und sollen auch diskutieren können, wie gerade in Deutschland und Österreich die Beziehung von jüdischen und palästinensischen Menschen im gesellschaftlichen Konglomerat von Politik, meist laizistisch, und Religion, meist islamisch, auch christlich, drusisch, zur mehr als einer Spaltung geführt hatte, in der auch das Attentat von 1972 hineinspielte14. Aber mein eigenes Erleben war auch geprägt vom einzigen offiziell-politischen Besuch mit Ministerin Helga Schuchardt in Israel, wo ich hauptsächlich die unterschiedlichen Hochschulen und wissenschaftlichen Einrichtungen im Ressort hatte, aber natürlich schon viel(e) andere Seiten kannte. Bei den Gesprächen mit arabischen/palästinensischen Politikerinnen war es nicht gut möglich, die aktuelle Politik – Kooperation x Konfrontation – von der Geschichte der Arafat-Genese zu trennen, und damit indirekt auch die deutsche NS-Geschichte aufscheinen zu sehen (Lebl 2003)15. Aber wichtig und bereits erwähnt ist der Wechsel von der eher laizistischen PLO zur religiös inspirierten Hamas (Vgl. FN 2, den gesamten Text lesen).

Zehntausende jüdischer Emigranten sind freiwillig aus Israel ausgewandert, viele von ihnen zu uns nach Deutschland, viele aus Gründen der Abkehr von dem ultra-religiösen Durchmarsch der jetzigen Regierung bzw. ihrer Vorgänger unter Netanjahu, andere aus wirtschaftlichen, manche aus kulturellen Gründen – und ja, etliche suchen im religiösen Pluralismus hier eine für sie erträgliche Variante. Aber wahrscheinliche ist die laizistische Migration die größte, und die Politik des Zerntralrates und der jüdischen Organisationen hat nur einen beschränkten Einfluss auf die Einwanderung von ca. 30.000 jüdischen Menschen in Deutschland, die in Kontrast zur überalterten jüdischen Gemeinde-Mehrzahl stehen, welche wiederum in orthodoxe, konservative und liberale Gemeinden aufgespalten ist, von laienhaften Jüdinnen und Juden, die keiner Gemeinde angehören, abgesehen16. Viele – bei weitem nicht alle – fühlen sich zunehmend in Deutschland verunsichert, verfolgt, ausgegrenzt17.

             Eine ähnliche Migrationszusammenfassung, bezogen auf Israel und Gaza, oder auf Palästinenserinnen und Palästinenser in Deutschland ist schwieriger. Aber da Sie ja die vielen pro-palästinensischen Kundgebungen und Proteste kennen, können Sie schon die Herkunft der Protestierenden nachvollziehen, und da sind natürlich auch die deutschen Unterstützerinnen und Unterstützer dieser Proteste. Und beachten Sie bitte die Kritik an der Kritik dieser Kundgebungen[12]

*

             An dieser Stelle muss die brisante Schlüsselfrage gestellt werden, ob und wie Israel und die Palästinenser jeweils und auch gemeinsam gerecht, richtig und zukunftsweisend gehandelt haben. Und in die Antwort muss auch einfließen, warum und wozu wie gehandelt wurde, und wer wie interveniert hatte. Dabei ist klar, dass das, was innerhalb der Gesellschaft geschieht und das, was der Staat nach innen und außen tut, nicht deckungsgleich sind.

             Da wir hier nicht in der Universität, sondern im öffentlichen, politischen Diskursraum sind, kann und soll die Antwort nicht abstrakt akademisch ausfallen, sie muss schon ethisch und in einen wirklichkeitsnahen Zusammenhang gebracht werden. Darum muss ich mich und müsst Ihr euch, müssen Sie sich fragen, was an dem Thema für wen interessant ist. Angesichts der Medienflut keine abstrakte Frage.

             Bevor ich abschließend zu den ganz aktuellen Ereignissen komme, habe ich zwei vorläufige, aber vielleicht orientierende Antworten. Erstens: wenn wir die ganze Vorgeschichte und Vielschichtigkeit innerhalb der jüdischen Gemeinschaft, v.a. der europäischen vor 120+ Jahren, einmal beiseite lassen und abwägen, was wirklich geschehen ist, dann können wir die zunehmende Durchführung der jüdischen Staatsgründung als gesellschaftlich relativ späte Nationalisierung des Judentums ansehen. Vergleiche sind da vielfach möglich. Dass so etwas fast immer mit Landnahmen und territorialen Verschiebungen vor sich gegangen ist und zT. heute noch geht, ist politisch und moralisch immer prekär – und jede Rechtfertigung muss über den machtpolitischen Realismus hinausgehen und ethisch wie humanistisch begründbar sein. Stellen wir dazu Fragen, bevor wir mit den Antworten umgehen. Zweitens ist meine Antwort kompliziert: weil die Juden und Jüdinnen im Zuge v.a. des Zionismus sich für ein Land entschieden haben[13], spielt sich ihre nationale Festsetzung dort ab – also im Kontext einer komplexen historischen Wirklichkeit und nicht als abstraktes politisches Spiel der Herrschenden. Man beginnt, sich mit dem Osmanischen Reich, mit dem britischen Empire, mit Deutschland, mit dem Vatikan etc. auseinanderzusetzen, und nach 1918 wird alles noch einmal anders, und über die Geschichte von Kooperation und Konfrontation, über Freund- und Feindschaften, über britische Dominanz etc. müssen wir im Zeitlauf genauso reden, wie, ob die Shoah die Staatsgründung oder der vorgängige Zionismus begründet hat.

             Ein zweiter Hinweis ist mir wichtig: Wenn man die versuchten und gelungenen Staatsgründungen des 19. Jahrhunderts, national und/oder kolonial, postkolonial betrachtet, gibt es in dieser Hinsicht wenig Grund, die jüdische Intervention in Palästina gesondert-negativ herauszugreifen. Es gab und gibt hier immer ethische Verwerfungen, und es kommt nicht so sehr auf ihr Faktum als ihre Bewältigung an.

Ich hatte schon einige gesellschaftliche Spaltungen erwähnt, Ashkenasen versus  Sepharden, Sprachdiversionen: Hebräisch, Jiddisch, Sephardisch, Staatsorientierung versus gesellschaftlich emanzipierte Einbettung etc. und all das in einem kleinen Gebiet, das auch noch von den Briten vor allem geformt wurde, lange vor 191820.

            Wie also soll, kann, darf ich nach der historischen Darstellung die letzten Ereignisse bewerten. Ich gebe dazu einen Rat: Lest genau die Verhandlungen zwischen Israel und den Palästinensern. Mit einer schrecklichen Zäsur: „Am 4. November 1995 wurde

Ministerpräsident Rabin vom rechtsradikalen jüdischen Studenten Jigal Amir in Tel

Aviv erschossen. Rabins Nachfolger wurde Schimon Peres. Peres führte die Friedenspolitik Rabins weiter und trat Anfang 1996 die Verhandlungen über den permanenten Status in Taba an.“ (https://de.wikipedia.org/wiki/Oslo

Friedensprozess) (17.6.2025). Jigal Amir war nicht einfach rechtsradikal, er war ultrareligiös21. Darüber müssten wir ausführlich sprechen, um die heutige Situation noch besser zu verstehen. Und wir müssen auch darüber sprechen, warum weltweit die Politik durch eine über alle Konfessionen sich ausbreitende Radikalisierung der Religion unter Druck gesetzt wird. Für Israel bedeutet das zu erklären, warum das

sowohl innerhalb der Judenschaft als auch in Palästina die laizistische Nationalbewegung ausgebremst hat.

Hier würde ich sonst zu einem Abschlusstatement übergehen. Nun muss man aber zum Angriff auf den Iran Stellung beziehen, und viele – die Israel wegen Gaza kritisieren – sind sehr positiv zu diesem Akt gestimmt, und das Völkerrecht ist hier in sich gespalten, weil man natürlich nicht warten kann, bis die Atomwaffen einsatzbereit sind (DLF 19.6.2025, 8.10). Tendenziell ist der Artikel in

der ZEIT zu Netanjahu gut ausgewogen, aber er greift zu kurz mit der Personalisierungidee. Es fehlt teilweise der Hintergrund22. Nicht zufällig  argumerntiert der Neue Historiker Benny Morris am 22.6. in der FAZ ausführlich über das jüdisch-palästinensische Verhältnis aus relativ ausgewogener Sicht (Israelischer Historiker Benny Morris: Das iranische Regime ist sehr stark , 20250622)23. Die Literaturliste ist wichtig: Benny Morris Wikipedia.

Zur Kriegsentwicklung kann ich jetzt nur vorläufig sagen, dass Israel damit strategisch eine stärkere Einbindung von Trump als Unterstützer anstrebt – und das Zeitfenster internationaler Akzeptanz ausnützt, das ihm bei Gaza weitgehend verweigert wird. Das ist eine sehr fragile Rechnung, ich bin eher skeptisch.

Zum Abschluss des Abschlusses. Haltet euch informiert, d.h. verlasst euch nicht auf offizielle Darstellungen der Regierungsorgane und Botschaften. Das ist ein hartes Urteil, aber ich stehe dazu, ebenso wie ich meine, dass wir der deutschen Doppelpolitik von Staatsräson und internationalem Völkerrecht nicht ohne weiteres folgen können, auch wenn wenn wir ihr weitgehend zustimmen. Ein Dilemma für alle von uns.

Nicht annähernd alle Aspekte der Situation habe ich hier eintragen können, aber die wichtigsten. Ich empfehle als Information regelmäßig die englische Version von Haa‘retz, der BBC London, der New York Times, in Deutschland der SZ und des

Tagesspiegels, des Deutschlandfunks, konservative Kontrollen der liberalen

Meinungsbildung über die Jerusalem Post, FAZ und die NZZ. Ich stehe für Rückfragen mit einer sehr viel umfangreicheren Bibliothek zur Verfügung.

             Ich danke für Eure und Ihre Aufmerksamkeit. Zum Übergang in die Diskussion empfehle ich noch ein Buch, zu dessen Autorin ich einiges beitragen kann: (Horvilleur 2024) „Wie geht’s? Miteinander sprechen nach dem 7. Oktober“. Das sollten wir immer.

Zitierte Literatur:

Avineri, S. (2016). Theodor Herzl und die Gründung des jüdischen Staates. Berlin, Jüdischer Verlag im Suhrkamp Verlag Berlin.

Bodenheimer, A. R. (1996). Rabins Tod. Zürich, Chronos.

Boehm, O. (2023). Radikaler Universalismus. Berlin, Ullstein.

Brenner, M. (2002). Geschichte des Zionismus. München, Beck.

Bunzl, J., Ed. (1980). Israel/Palästina. Hamburg, Junius.

Cohen, J. (2021). The Netanyahus. New York, NYRB.

Croitoru, J. (2024). Die Hamas – Herrschaft über Gaza, Krieg gegen Israel. München, C.H.Beck.

Harkabi, Y. (1979). Das palästinensische Manifest und seine Bedeutung. Stuttgart, Seewald.

Herzl, T. (1985). Der Judenstaat. Königstein, Athenäum.

Horvilleur, D. (2024). Wie geht’s? Miteinander sprechen nach dem 7. Oktober. München, Hanser.

Khalidi, R. (2024). Der hundertjährige Krieg um Palästina. Zürich, Unionsverlag.

Klein, J. (1982). Der deutsche Zionismus und die Araber Palästinas. Frankfurt/New York, Campus.

Langer, F. (1994). Brücke der Träume. Göttingen, Lamuv.

Lebl, l., Zeni (2003). Hadz-Amin in Berlin. Beograd, Cigoja stampa.

Oz, A. (2016). Eine Geschichte von Liebe und Finsternis, Suhrkamp.

Segev, T. (2005). Es war einmal ein Palästina. Berlin, Siedler.

Segev, T. (2007). 1967 – Israels zweite Geburt. München, Siedler.

Shibli, A. (2023). Eine Nebensache. Berlin, Berenberg.

Wetzel, D., Ed. (1983). Die Verlängerung der Geschichte. Frankfurt, Neue Kritik.

Yehoshua, A. B. (1992). Mr. Mani. New York, Doubleday.

michaeldaxner@yahoo.com

Feuerbachstraße 24-25

14471 Potsdam

Der Text kommt auch in meinen Blog: http://michaeldaxner.com


[1] Hier kann ich bei Nachfrage Auskunft geben. Keine einfache und schon gar nicht einseitige Auswahl. 

[2] Für ganz eilige LeserInnen empfehle ich den Abschluss „Ausblick“ S. 193f. des Buchs, das insgesamt eine wesentliche informative Grundlegung ist. Vgl. auch Freiburger Horizonte Joseph Croitoru Freiburg Institute for Advanced Studies (20250611).

[3] Herzl, T. (1985). Der Judenstaat. Königstein, Athenäum.

               , Avineri, S. (2016). Theodor Herzl und die Gründung des jüdischen Staates. Berlin, Jüdischer Verlag im Suhrkamp Verlag Berlin.

[4] Tom Segev hat eine breite Darstellung über das 20. Jahrhundert geleistet. Ich empfehle hier vor allem Segev, T. (2005). Es war einmal ein Palästina. Berlin, Siedler.

[5] Oz, A. (2016). Eine Geschichte von Liebe und Finsternis, Suhrkamp.

                Hier kann man die Entwicklung aller Spielarten des Zionismus in der Rückschau von Oz genau studieren, subjektiv und objektiv, das Buch ist 2001 geschrieben, Oz ist 1939 geboren und wohl der wichtigste Vertreter von Geschichte UND Literatur zum Thema. 

[6] Vgl. Revisionistischer Zionismus Wikipedia (8.6.2025), Brenner, M. (2002). Geschichte des Zionismus. München, Beck.

[7] Antizionismus Wikipedia (19.6.2025). Vorsicht: die gute Übersicht verbindet die Darstellung auch mit muslimischen, arabischen, christlichen, internationalen Antizionismen, und da gehen vielen Ausgangspunkte gegeneinander quer. 

[8] Der Judenstaat Wikipedia (11.6.2025), Der Begriffsweg vom Judenstaat zum jüdischen, oder jüdisch-demokratischen Staat hat einen mehrfach gebrochenen Staatsbegriff und eine bis heute nicht gelöste Dualität von ethnischer und religiöser Begriffsdominanz zum Thema. Deshalb nehmt euch Zeit, dem nachzugehen, wenn es euch interessiert. Im Übrigen ist das ein bis heute lebendiges Thema auch der israelischen Belletristik, neben den bereits erwähnten AutorInnen empfehle ich sehr Yehoshua, A. B. (1992). Mr. Mani. New York, Doubleday.

[9] Hebräisch Wikipedia

[10] Jiddisch Wikipedia

[11] BalfourDeklaration Wikipedia (15.6.2025): „Damals befand sich Palästina noch im Machtbereich der Osmanen. Die damalige britische Regierung unter Lloyd George versprach sich von der Zusage an die zionistische Bewegung Vorteile in der Mobilisierung zusätzlicher Ressourcen während des Krieges und auch langfristige strategische Vorteile.“ Diese Zusammenfassung erklärt nicht im Mindesten die anhaltenden Diskussionen um die Zielrichtung des multiethnischen Territoriums und der zionistischen Hauptlinien. 

[12] https://de.wikipedia.org/wiki/Palaestina_Staat (2.7.2025). Das erklärt, trotz „Vorgeschichte“ nicht die Essenz des Begriffs Palästina. Der Artikel gibt aber hinreichend viele Hinweise auf Quellen. Ein Problem ist, dass die Landesbezeichnung/der künftige Staatsname nicht wirklich die ethnische Herkunft und gesellschaftliche Gliederung der Palästinenser erklärt, und hier ist ein Singular unangemessen.

[13] Andere Länder waren im Gespräch, z.B. Uganda…Dass sich das alttestamentarische Kernland relativ schnell fixieren ließ, hat seine eigene Geschichte und zeigt deutlich die komplizierte Spaltung in Ethnie und Religion.

Kleine Literaturauswahl: Harkabi, Y. (1979). Das palästinensische Manifest und seine Bedeutung. Stuttgart, Seewald.

 , Bunzl, J., Ed. (1980). Israel/Palästina. Hamburg, Junius.                                          

 , Klein, J. (1982). Der deutsche Zionismus und die Araber Palästinas. Frankfurt/New York, Campus.

 , Wetzel, D., Ed. (1983). Die Verlängerung der Geschichte. Frankfurt, Neue Kritik.

 , Langer, F. (1994). Brücke der Träume. Göttingen, Lamuv.

 , Shibli, A. (2023). Eine Nebensache. Berlin, Berenberg.

 , Segev, T. (2007). 1967 – Israels zweite Geburt. München, Siedler.

 , Khalidi, R. (2024). Der hundertjährige Krieg um Palästina. Zürich, Unionsverlag.           

14 Die Rekonstruktion aus deutscher Sicht wird sehr häufig durch relativ geringe Wahrnehmung der Tektonik der israelischen Politik und der arabisch islamischen bzw. nationalen Umgebungskultur festgehalten, wobei es scheinbar einen theoretischen, de facto meist politisch-ideologischen Überbau gegeben hat, bei dem schon „die Juden“ eine besondere Rolle spielten, positiv oder fraglich. Wichtig im Kontext dieses Aufsatzes ist der besondere Bezug zu Deutschland. {Ash, 2025}

  1. Vgl. Mohammed Amin alHusseini Wikipedia,  Jassir Arafat Wikipedia (15.6.2025), u.v.m.
  2. Jüdische Menschen in Deutschland: „Im Jahr 2023 registrierte der Zentralrat der Juden 90.478 Juden in den deutschen Gemeinden und Landesverbänden. Seit dem Jahr 2005 fallen die Mitgliedszahlen in den jüdischen Gemeinden kontinuierlich ab. Weltweit ist die jüdische Bevölkerung hingegen am wachsen.“ (Statista Research Department, 04.06.2025). Nicht religiöse Jüdinnen und Juden sind schwer abzuzählen, meiner Schätzung nach aber ca. ebenso viele, sowie einige Sektengruppen. 
  3. Das ist ein besonderes Problem, weil die über bestimmte Medien jeweils dargestellte Ausgrenzung und Verunsicherung jüdischer Menschen und Gruppen oft nicht mit anderen Wahrnehmungen übereinstimmen. Eine nachhaltige Abwehr antisemitischer Wahrnehmungen im akademischen Bereich ist das Netzwerk

Jüdischer Hochschullehrender (NJH)  info@n-j-h.de website: www.njh.de . Aber wie überall gibt es ein

Problem, welche Auseinandersetzungen konkret antisemitisch sind und welche in anderen politischen Koordinaten stehen. Deshalb gehe ich hier konkret auf keine der vielen Organisationen ein, sondern diskutiere sie je einzeln, wenn sie im Diskurs aufscheinen. 

  • Vgl. dazu die letzten beiden Kapitel von Yehoshua, wo die vielfältigen nationalen Hintergründe von früher Eingewanderten subtil ausgebreitet werden Yehoshua, A. B. (1992). Mr. Mani. New York, Doubleday.
  • Mein enger Freund Aron Bodenheimer hat noch 1996 einen umstrittenen, religionskritischen Essay dazu geschrieben: Bodenheimer, A. R. (1996). Rabins Tod. Zürich, Chronos.

 Vor allem ab S. 36 kann man Linien direkt bis zur Gegenwart ziehen. Bodenheimers tief gebildete Religionskritik ist erheblich zum Verständnis der heutigen Konfrontationen, v.a. innerhalb der Religionen und gegeneinander.

  • Jan Ross: Er meint es tödlich ernst. ZEIT #26, S.2 . Dazu bräuchte es die Geschichte der Familie weiter ausholend, die Herkunft des Likud, und Personalia wie z.B. die Geschichte der Klausners bei Amos Oz (Oz, A.

(2016). Eine Geschichte von Liebe und Finsternis, Suhrkamp.

 Des weiteren „The Netanjahus“ von Joshua Cohen Cohen, J. (2021). The Netanyahus. New York, NYRB.

 Die Wahrnehmung der wirklichen Geschichte Israels und der Palästinenser ist durch eine besondere Ablenkung der deutschen Identifikation mit dem Land und seiner Gesellschaft verbunden. Das findet sich vielfach und kritisch in der Literatur. Und jedes Beispiel für die eine oder andere Seite sollte man kritisch hinterfragen. Vgl. Es gibt sehr wenig Wissen zur deutschen Rolle im Konflikt“ | dis:orient (19.6.2025) ist eines der Beispiele, ich habe es wegen des Titels herausgesucht. Wichtiger scheint mir der große Aufsatz von Timothy Garton Ash zu sein: FN 14

  • Hört euch das bitte an: diese Sicht kann so etwas wie der Minimalkonsens über die Geschichte der

Konfrontation sein, seit den 1920er Jahren. Wichtig erscheint mir die Kritik an England und an der NakbaIllusion von arabischer Seite, sozusagen als Gegenbild zur Illusion auf israelischer Seite. Am besten auch das Buch lesen:  Benny Morris:  Die Geburt des palästinensischen Flüchtlingsproblems: Eine Neubetrachtung  – 1. Mai 2025, von Gesellschaft für kritische Bildung (Herausgeber).

Demokratie – wie weiter? So.

Eine heruntergekommene – geschwächte? – Demokratie konzentriert sich nicht auf die wertvollen Bilder, die wir uns ohnehin nicht leisten können. Sie arbeitet sich an den Rahmen und der Ausstellung ab, in der die wirkliche Politik gezeigt wird. Natürlich dürfen und können sich die Deutschen auch um die „Drecksarbeit“ von Merz kümmern, sogar aufregen: obs richtig war, aber nicht für den Kanzler, obs falsch war, aber verständlich, obs die Beziehungen zu Israel verbessert oder schädigt – „natürlich“, sozial-natürlich, so geht es offenen Gesellschaften eben zu. Aber nicht alles ist gleich wichtig, nur weil es natürlich ist. Vgl. Nachklapp SZ 21.6.2025 „Drecksarbeit“ – wieder eine Korrektur an den Schnellquarglern.

„Eigentlich“ ist auch so ein Dreckswort, das immer an der falschen Stelle hervorkommt, eigentlich hatte Netanjahu ja mehrfach Erfolg: die ihn im Gaza ablehnen, finden den Iranschlag gut und richtig. Und der Iran ist ja schon größer und wichtiger als Gaza, wichtiger? Und, wie die Presse schreibt, treibt er Trump vor sich her.

Fast alle reflektierteren Politiker sagen, wir hätten uns zu lange vom Iran wegen der Nuklearanlagen in die Irre führen lassen. Wir, der Westen.

Einer der eher links verorteten „Neuen israelischen Historiker“, Benny Morris, sagte. „Bei einer Veranstaltung an der Universität Wien Anfang Mai 2008 rief Benny Morris zu einem Präventivschlag gegen den Iran auf: „Mit konventionellen Waffen. Und wenn das nicht reicht, dann mit unkonventionellen. […] Viele unschuldige Menschen würden dabei sterben“, sagte Morris. Aber das sei immer noch besser als ein nuklearer Holocaust in Israel. In einem Interview mit der österreichischen Zeitung Der Standard behauptete Morris, nur ein atomarer Präventivschlag seitens Israels könne das Atomprogramm des Iran stoppen. (https://de.wikipedia.org/wiki/Benny_Morris 20.6.2025). Und 2024 sagte er das wieder. Lasst einmal links-rechts beiseite. Ich stimme dem ausdrücklich SO nicht zu. Aber ich verstehe Morris, der ein guter Historiker ist und so alt wie ich, Und eigentlich führt das zu Merzens Begriffsbildung. Und wer der nicht zustimmt, soll nachdenken und sagen, wann WIR wie politisch, diplomatisch etc. auf Iran hätten einwirken sollen, müssen, um seine Atomrüstung zu verhindern (was ja dann nur international und mit Kontrolle gegangen wäre, deren letzten Hebel ausgerechnet Trump selbst abgebaut hat). Wir, der Westen.

Wir in Deutschland sind nicht Israel. Wir jüdische Menschen in Deutschland sind keine Juden in Israel. Deshalb bitte etwas Vorsicht bei wertenden Kommentaren. Gerade wenn sie kritisch zur israelischen Regierung sind: 85% der Israelis stimmen dem Angriff auf den Iran zu, wo unmittelbar davor mehr als 50% den Krieg Netanjahus im Gaza abgelehnt hatten. Das ist leichter zu erklären, wenn man den Rahmen und die Bedingungen der israelischen Politik, jedenfalls seit der Gründung kennt, eher noch auch davor.

Deshalb kommentiere ich den Israel-Irankrieg nicht weiter. Wenn alternativ verhandelt wird, braucht es mehr Demokratie als Trumps Drohungsdiktat, und wer die Diktatur in Teheran loswerden möchte, soll deutlich werden, wer sie ersetzen soll. *

Aber mir ging es ja generell darum, dass sich bis heute viele öffentliche Stimmen lieber mit der Rechtfertigung oder Kritik der Drecksarbeit befassen, als mit der Wirklichkeit, nicht nur in Israel. Auch bei uns, nicht nur in den USA, werden Umwelt und Soziales abgebaut, scheinbar erlaubt die Budgetsanierung die Lebensgefährdung der nächsten Generation. Da stecken viele lieber den Kopf in den Sand und reiben sich dann die Lider wund. Meine Kinder und Enkel sind betroffen, und viele ihrer Generation.

Über diese Betroffenheit, ja, Lebensbedrohung, im Gaza und in Israel und im gesamten Nahostgebiet, und nicht nur da, sollten wir in den gleichen Kategorien nachdenken und urteilen wie gegenüber unseren Kindern. Und auch, welche Politik wir dann wirklich fördern, welche wir bekämpfen wollen.

WIRD FORTGESETZT: ICH WERDE DAZU NOCH EINIGES SCHREIBEN: DIE ÜBERSCHRIFT BLEIBT:

Kampf um das „Jüdische“ bei Juden und Nichtjuden

Nur ein Nachschlag. Mir geht es nahe, wenn jüdische Stimmen, nein, die Stimmen von Juden und Jüdinnen, nicht wirklich jüdisch, sich jetzt an die Seite des Faschistenführers Netanjahu und seinem rechtsradikalen Kabinett stellen, wenn sie meinen, dass Kritik an Israel automatisch der Hamas und anderen Verbrechern hilft, als könnte man nur einen Gegner haben.

Ruth Beckermann, Jüdin und eine starke intellektuelle Stimme in Österreich fasst etwas zusammen: https://www.derstandard.at/story/3000000271150/gazakrieg-wenn-der-hass-zu-gross-ist Davon ein Absatz mit den wichtigsten Begriffen, die ich hervorhebe.

Nicht, weil mir viele Juden meine Interviews kurz nach dem 7. Oktober vorwarfen, in denen ich trotz allem Entsetzen versuchte, das Massaker in einen historischen Kontext zu stellen. Seither ruft das Wort „Kontext“ immer wieder einen Aufschrei hervor, so als würde man den Opfern die Schuld geben, wenn man das Massaker in eine Geschichte der Besatzung einschreibt. So verständlich, wenn auch schrecklich, die Haltung eines Großteils der israelischen Bevölkerung ist, die von zensurierten Medien mit einseitigen Nachrichten gefüttert wird und so gut wie keine Bilder und Filmaufnahmen aus Gaza zu Gesicht bekommt, so unverständlich scheint mir die Haltung eines Teils der Juden in der Diaspora, die doch zu Analyse und Kontextualisierung fähig sein sollten. Und zu Kritik an einer faschistischen Regierung, die in unser aller – aller Juden – Namen zu handeln vorgibt. Die uns für ihr Morden und ihre Eroberungspläne vereinnahmt.

Um etwas besonders konkret zu machen: es geht nicht „nur“ um die Geschichte der Besatzung, es geht um Netanjahus Unterstützung der Hamas gegen die zivilen palästinensischen Bemühungen um Zweistaatenlösung (Dass die Hamas dem israelischen Premier entglitten ist stimmt. Und dass dem Massaker vom 7. Oktober nichts an Ablehnung zu ersparen ist, einschließlich der Folgen für die mehr als 1000 Toten und die hunderten Geiseln, braucht niemand in Zweifel ziehen).

Das könnt ihr alle wissen, und im Detail.

*

Mir (jüdisch, deutsch, österreichisch) geht es um etwas anderes: wenn innerhalb des diasporalen Judentums – und den rechtsextremen Regierungsunterstützern in Israel – ein Konflikt um die „richtige“ Position der Juden und Jüdinnen weltweit, also auch in Deutschland, entstanden ist, so ist das weder Zufall, noch besonders neuartig. Seit Theodor Herzl geht der Konflikt, und viele haben den Schritt vom Judenstaat zum jüdischen Staat bis heute nicht verstanden. Der reaktionäre Rückschritt zum Judenstaat (das sind nicht nur Katz und Ben Gvir, das sind viele, vor allem Siedler und Ultrareligiöse) ist am besten zu verstehen, wenn man die Bindung dieser Menschen an Diktatoren wie Orban oder Trump analysiert – Ultrareligiös widerspricht der jüdischen Religion, und die Siedler sind überwiegend eroberungssüchtige Faschisten. Als Jude verwende ich diesen Begriff ungern, aber das Juden Menschen wie alle anderen sind, können sie auch faschistisch sein.

Lest aber wirklich die Geschichte des Judenstaats, lest Oz, Grossmann, Segev, Kepel, Neyer u.v.a., auch Ruth Beckermann, denen manche Juden das Jüdischsein absprechen, klingelt da nicht etwas?

*

Wenn ihr deas gemacht habt, dann bitte ich um eure Aufmerksamkeit für eine These: nicht alle Juden sind jüdisch. Dabei beziehe ich mich bei Juden (d.h. Juden und Jüdinnen im weitesten Sinn) auf die anthropologische und ethnologische Geschichte, könnt ihr gut ab Abraham verfolgen, aber dort gibt es schon die Spaltung…Und da alle Juden Menschen sind, können sie alles repräsentieren, was eben Menschen repräsentieren.

„jüdisch“ ist ein Adjektiv oder Adverb, das sich auf eine bestimmte Qualität bezieht. Und bei dieser Qualität behaupte ich, dass sich ein Begriff herausentwickelt hat, der ethische, moralische, kulturelle und soziale Dimensionen hat, die nicht zuletzt aus dem Widerstand und der Überwindung von Diskriminierung, Verfolgen, Vertreibung und Lebensbedrohung erwachsen ist. Kein Privileg, kein Makel am Judentum, sondern eine ihrer Entwicklung entsprechende Konsequenz, hochdifferenziert, und für viele in eine Perspektive von Freiheit(en) eingemündet. Für viele, d.h. zu einem Zeitpunkt, aber für viele vor 130 Jahren.

Wenn sich Netanjahu und sein Kabinett und seine Hilfstruppen den ethischen Dimensionen, den moralischen, sozialen, kulturellen entziehen und faschistische und unterdrückende Politik betreiben, dann sind sie nicht jüdisch im Sinne der historischen Entwicklung, auch wenn sie Juden bleiben. Darum muss man sie dort kritisieren, wo sie unmoralisch handeln, wo sie sich mit Faschisten einlassen, kein Wunder, und von Demokraten abwenden, und das alles innerhalb des Judentums und von außen.

Kritik am Selbst-Bewusstsein

An zwei, ziemlich unverbundenen Bereichen, ziemlich?nicht ganz!, zeige ich die Grenzen vorschneller Kommentare und Schlussfolgerungen: a) in der Israel Ansicht der Deutschen und b) in der vorschnellen und fehlplatzierten Kritik an der Regierung Vormerz – ich habe mich gegen vorausschauende Kritik an der schwatzrotzen Koalition gewandt, die sollen erst Beleg für die Kritik liefern, nicht einfach „ahnen“ lassen.

Die Israel Ansicht der Deutschen. Wer weiß noch, dass nicht nur Adenauer an seinen ex-Nazi Kooperationen festhielt – https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_ehemaliger_NSDAP-Mitglieder,_die_nach_Mai_1945_politisch_t%C3%A4tig_waren . aber da war ja auch ein belastetes Regierungsmitglied Globke NSDAP –> CSU (https://www.mdr.de/geschichte/ns-zeit/zweiter-weltkrieg/nachkriegszeit/hans-maria-globke-staatssekretaer-adenauer-100.html) . und die Rechtfertigung solcher Integration war in beiden deutschen Staaten ja nicht einhellig. Nun, das wussten die Israelis auch, die mit Adenauer verhandelten. Und dass sie Globke erduldeten, gehört auch zur deutsch-israelischen Geschichte, sozusagen Staatsräson-quer, und das muss heute in dieser Debatte auch zur Sprache kommen. Ebenso wie die Frage, ob man Netanjahu, der ja auch die Hamas gefördert hatte, bevor sie ihm völlig entglitt, in das pro-israelische Grundkonzept deutscher Anschauung, also politisch-ethisch-kulturell-wirtschaftlich-militärisch, unkritisch integrieren darf und soll. Kritisch aber heißt, nicht nur Hamas und Gaza real und analytisch, und nicht nur abstrakt, in den Diskurs und die Handlungen einzubeziehen. Und das geht es auch um Personen, die sich unterschiedlich anstellen, wenn sie Haltung jeweils rechtfertigen sollen. Und wie hängt das alles zusammen? Da kann man den Streit in Deutschland schon ernst nehmen, ja nicht unter den Teppich kehren, zB. gestern: „Innerhalb der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG) gibt es Streit über den Umgang mit der Gaza-Offensive von Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Der frühere DIG-Präsident Reinhold Robbe (SPD) sagte dem Tagesspiegel, der amtierende DIG-Präsident Volker Beck (Grüne) sei „inzwischen zum Sprachrohr der rechtsextremistischen israelischen Regierung geworden“.“ (Danielo Sturm, Tagesspiegel 29.5.25).

Wer von Euch, oder den Kommentatoren kennt z.B. die Geschichte von Gaza? Hat Israel nicht recht? Oder ganz und gar nicht? https://www.swr.de/wissen/1000-antworten/wie-entstand-der-gazastreifen-als-politisches-gebilde-108.html z.B. Wer von den Kommentatoren kann Zionisten von revisionistischen Zionisten mit welchen Folgen unterscheiden? lest https://de.wikipedia.org/ wiki/Revisionistischer_Zionismus , aber auch Amos Oz: Eine Geschichte von Liebe und Finsternis (Dt. 2008 Suhrkamp). usw.

Ich weiß auch nicht alles und ich habe sicher ergänzenswerte Anschauungen. Aber ich halte mich auch zurück mit Thesen, die ich nicht mehr einfangen kann (so, wie Netanjahu die Hamas nicht mehr einfangen konnte, was auch immer seine Anfangsmotive waren…)

b) Hängt damit so gut wie nicht zusammen: Kommentar zur Regierung Merz. Was haben sich die Kritiker, nicht nur Blaue und Gelbe und Blasse, und auch Sozialdemokraten aller Schattierungen und etliche CDUCSUler überboten, die neue Regierung Merz zu verzwergen, ihr alles mögliche zu unterstellen, bevor es sie noch gab. Ich hatte immer ein mulmiges Gefühl, denn genau konnte man nicht absehen, WAS eigentlich an der neuen, konservativ geführten Koalition sich wie entwickeln würde, wie schwach, wie unglaubwürdig, wie schädlich für Deutschland oder wie nützlich, wie trumpig oder putinesk etc.

Jetzt, nach ein paar Tagen zeichnet sich einiges ab. JETZT darf soll muss man kritisieren. Da hört man wenig außer von den Wirtschaftsfachleuten und Sozialpolitikern aber Ihr kennt meine These: nur wen man ernst nimmt, darf man kritisieren. Wen man verachtet, den kann man nicht kritisieren. Denkt diese These weiter, erklärt euch, warum es nicht einfach ist, die einzelnen ersten Entscheidungen der Regierung ernsthaft zu kritisieren, außer dass sie eine konservativ-rechte Kehrtwende insgesamt macht, die Umwelt abschreibt und kein Gespür für die soziale Spaltung hat: DAS aber wusste man schon im Wahlkampf und mit dem Ansturm der AfD auf CDUCSU und SPD.

Jetzt kann man kommentieren, kritisieren und vor allem Alternativen aussagen – kommt fast nichts, außer von den WirtschaftspolitikerInnen,

Deutsch-Israelische Verbindung, ergänzungsbedürftig

Der Krieg im Gaza weckt viele Assoziationen. Wissenschaftliche, kulturelle, journalistische. Alles, was dazu gesagt und geschrieben wird, bekommt eine gewisse Entfernung zu unseren festgelegten Vorstellungen und dem, was wir zu wissen meinen, und je nach Distanz dann zu positiven und negativen Urteilen. Wenn wir einigermaßen viel wissen, dann erweitern wir diese Urteile um Beziehungen, z.B. von Gaza mit der West Bank, oder zwischen Netanjahu und seinen faschistischen und ultrareligiösen Koalitionären: das befestigt beides, Urteile und Vorurteile. Omer Bartov rezensiert 11 Texte zum Gaza, und schreibt einen harten zwölften (Bartov 2025). In einer langen und extrem genauen Einleitung vor den Rezensionen vergleicht Bartov die Struktur des aktuellen Konflikts mit den Deutschen und Hereros 1904. Er vergleicht, setzt nicht gleich. Aber die Herabsetzung der Hamas, zum Teil als Tiere (drusischer Generalmajor), und ihre Gleichsetzung mit Nazis (Dina Porat 2023) zeigen die Wirklichkeit der Auseinandersetzung, keine hegelianische Draufsicht auf eine Schlacht. Bartov erwähnt nicht die frühere Beziehung von Netanjahu zur Hamas, aber er geht weit in der Assoziation des jetzigen Kampfes in die Gewaltgeschichte, und was es mit der Tatsachen von den Juden als Weiße und der Hamas eben nicht-weiß auf sich hat. Dann ein Paradigmenwechsel, den ich schon wusste: Peter Beinart wandelte sich vom Israel-Fan zum scharfen Kritiker des Zionismus. Unbedingt lesen Peter Beinart – Wikipedia (25.5.2025) – und Bartov steigt jetzt in die Geschichte der Beziehungen zwischen Zionisten als immigrierte Juden und Palästinensern ein, mehrere wichtige Autoren, darunter der Enkel von Zygmunt Bauman, der sich – m.E. zu Unrecht – für „Apartheid“ ausspricht. Es steht hier noch mehr, aber wichtig ist die Rezensionskultur jenseits der politischen Verbarrikadierung, und wichtig sind zwei Bemerkungen: a) meine Geschichte der Zuneigung zu Israel ist ungebrochen, gerade und vielleicht zur Zeit weil ich Netanjahu ohne heimische Rücksicht angreife. Es geht bitte um Israel und um die Palästinenser und nicht einfach um deutsch-israelische Beziehungen. b) Bitte lest an dieser Stelle meinen Blog vom 25.5. zu Berest und vor allem zu Amos Oz. Zu Bartovs Essay eine Coda, wonach die jetzige Entwicklung des „Genocide in Gaza will finally liberate Israel of its status as a unique state rooted in a unique Holocaust“ (Weil der zweite Satzteil so nicht stimmt, kann die Prämisse auch nicht richtig sein, aber sie ist ein rhetorisch gefährliches Argument, was Bartov meint, ist klar.

Ich lese viel Kommentare und Metakommentare zu den Ereignissen in Israel, Gaza und der Region. Und immer, welche politischen Intentionen die beteiligten Großmächte ihrerseits kommentieren, USA, UN, Türkei, Iran, Saudis, Ägypten, etc. und wie das in Deutschland hervorgehoben oder minimiert wird. Kein Zweifel, einige Finger zeigen immer auf unser Land, wie soll Hegels Heimat objektiver sein als der Rest der Welt – oder moralischer?

Dazu schreiben Shimon Stein, ehemaliger Botschafter, und Moshe Zimmermann, Wissenschaftler und Journalist, eine heftige Kritik am wohlgepflegten Umgang der beiden Länder miteinander (Stein and Zimmermann 2025). Der komplexe Rückblick auf die Beziehungen wird analysiert und dann resümiert: „Jeder Rückblick muss sich auch von Mythen verabschieden, vor allem von dem Mythos, das Primat der Erinnerung an den Holocaust sei der entscheidende Faktor (oder Störfaktor), erst auf dem Weg zu diplomatischen Beziehungen, dann auf dem Weg zur erhofften „Normalisierung“ dieser „besonderen Beziehungen“ gewesen“. Die Normalisierung in „“ ist wichtig, denn was an den Beziehungen ist „normal“, inclusive der Formel von der Staatsräson?

Und noch etwas, eher nicht alltäglich. Wenn man die Geschichte und Wirkung des Zionismus (bitte hier nicht des revisionistischen Zionismus und der Antizionisten) auf- blättert, dann ist die Rückseite der Trumpfkarte, Palästina, unerlässlich, schon lange vor der Staatsgründung und Nakba und den vielen Konflikten und Kriegen davor und danach ((Segev 2001, Segev 2005, Khalidi 2024) u.v.m. Und zwar auch, wenn man auf israelischer Seite des jüdischen Staates steht, nicht des Judenstaates. Und heute ist die Hamas eben nicht deckungsgleich mit Palästina und den -ensern, aber ihre Geschichte geht auch zurück bis lange vor der Nakba und dem Wechsel von der Avoda zu den Revisionisten.

Natürlich reagieren sehr viele jüdische Intellektuelle auf den 7. Oktober, viele, die ich sehr schätze und etliche, die ich nicht wertschätze oder auch nicht verstehe. Reaktionen wie bei Eva Illouz oder Delphine Horvilleur beleben das Nachdenken. Dazu später. Beide kommen auch bei Lea Streisand vor (Streisand 2025), und da passiert mir typischerweise etwas, das immer häufiger vorkommt. Ich verstehe fast jeden Satz, aber ich verstehe den Kontext des Essays nicht, die Schlussfolgerungen, das eigene Befinden, das sich mitteilt. Beispiel: „Verzweiflung ist jeher Bestandteil der Jüdischen Kultur“ – Unsinn. Natürlich jeder Kultur. Nun bin ja nicht dumm oder oberflächlich lesend. Ich nehme die Verwirrtheit des Textes wahr, die nicht einer der Autorin ist, sondern das Resultat einer zu umfangreichen Verwirrung der Phänomene des 7. Oktober, aber mit dem Fehlen seines Zustandekommens. Man kann sagen, dass die Kritik der Handlungen und Ereignisse für sich nicht viel über das Zustandekommen aussagt. Das ist nicht trivial, bedenkt man Netanjahus frühe Verbindung zur Hamas.

Es gibt viele verwirrte, verwirrende Texte zur Wirklichkeit in Israel und Palästina, und es gibt doch Einsichten, oft unangenehme. Nicht nur persönlich, auch politisch, auch Deutschland in seiner besonderen Beziehung betrifft (als Österreicher sage ich, in meiner Heimat gilt das auch, aber anders. Darüber an anderer Stelle). Wenn es um Wahrheit(en) geht, halte ich Omri Boehm für wichtig: es gibt nicht eine Wahrheit, aber es gibt Gerechtigkeit (Boehm 2023, Boehm 2025). Immer wichtig ist, dass Kommentare zum Judentum und zu Israel, Gaza etc. nicht deckungsgleich, sondern überschneidend sind. Das wird in Deutschland schon kritisch verarbeitet, vor allem in der liberalen Presse: Israel und Gaza auch als Tandem (Vgl. SZ 7.5.2024 Kristiana Ludwig), oft auch hier historisch etwas zu kurz. Auch politisch-theologische Rahmenerzählungen sind für nichtjüdische Beobachter schwer zu verstehen, für jüdische oft verwirrend (z.B. ZEIT 10.4.2025 Avner Ofrath: Wo geht’s zur Freiheit?“).  Was wir verstehen, sind tatsächliche Maßnahmen für Menschen gegen den Strom, z.B. (Wahba 2025). Soviel Rettung, die von der Bürokratie in vielen Fällen verweigert wird, nicht nur in Israel und Gaza.

Nun ist seit wenigen Wochen die weltweite demokratische Kritik am Regime Netanjahu gegen die Menschen in Gaza, nicht nur gegen die Hamas, differenziert und universell, hat mit Judentum wenig zu tun. Aber gerade deshalb ist es wichtig, falsche Anklagen gegen Israel zu erkennen und zu kritisieren: „Warum der Vorwurf des Genozids und des Aushungerns gegen Israel historisch falsch, unehrlich und antisemitisch ist“, lautet der Untertitel eines längeren Aufsatzes von Eva Illouz (Illouz 2024) „Völkermord? Im Ernst?“.

Das nimmt nichts von Netanjahus Grausamkeiten, aber es muss sie einordnen. Illouz analysiert hier vor allem Völkerrecht, sie kritisiert die Verbindung der Klage des IGH von Israels  Regierungschef („extrem unehrenhafter Mensch und ein grauenvoller Staatschef“) mit dem Hams-Führer Mohammed Deif und nicht Mohammed Sinwar. Da muss man sich aber schon auskennen! Das alles analysiert und beschreibt Illouz ein halbes Jahr vor den Angriffen und der Aushungerung durch Israel in den letzten Wochen, und das ist auch wichtig: wann wer welches Urteil fällt. Die Zusammenlegung von Zeitspannen und Augenblicken ist ein oft probates Mittel, die Urteile über Konflikte zu verschieben oder zu verzerren.

Ich verlasse hier alle meine Analysen, laienhaft in vieler Hinsicht, der ausländischen Eingriffe in die israelische Politik, auch die offenkundig verlogenen und im Kern antisemitischen des Diktators Trump. Aber wichtig ist eine Verbindung des Diktators mit seiner Zerstörung von Wissenschaft und Kritik: Yale-Philosoph Jason Stanley: „Trump sieht die Universitäten als Feind“. Trump gehe es bei seinem Feldzug gegen die US-Universitäten nicht um Ideologie, sondern um Macht, sagt der US-Philosoph. Trumps Ziel sei es, das Universitätssystem zu zerstören, so wie es alle Autokraten tun. Der Satz ist wichtiger als vieles: denn es rechtfertigt nicht, auch in Fragen des Judentums und Antisemitismus, den USA Vorzug vor anderen Diktaturen zu geben.

Und wieder mein Zusatz: wie soll man denn mit den pro-Hamas meist ausländischen Studierenden umgehen? Das gilt für die USA wie für Europa, wie für Berlin. Diese Bande ist auch ein Produkt falscher Toleranz statt kritischen Umgangs mit Eingewanderten – v.a. aus dem Nahen Osten insgesamt. Jetzt ist der Korridor der Abwehr schmaler und geschwächt, hier wie dort.

Das ist nicht mein letzter Kommentar zur Wirklichkeit des deutsch-israelischen Konflikts, der Frage nach dem Sinn der Staatsräson, der Kritik an den lückenhaften historischen Festlegungen. Er ist auch unfertig, lasst das Judentum, mich jüdischen Menschen, auch dazu lernen, aber nicht ahnen.                                                                                                                              

Deutschland und Israel: Antisemitismusbeauftragter warnt vor Missbrauch der „Staatsräson“ 25.5.2025 (RND)

Bartov, O. (2025). „Ìnfinite License.“ `NYRB LXII(7): 54-58.

Boehm, O. (2023). Radikaler Universalismus. Berlin, Ullstein.

Boehm, O. (2025). „“Schaut auf Buchenwald“.“ ZEIT 2025(15).

Illouz, E. (2024). „Völkermord? Im Ernst?“ SZ(29.12.2024).

Khalidi, R. (2024). De hundertjährige Krieg um Palästina. Zürich, Unionsverlag.

Segev, T. (2001). One Palestine, complete. Jews and Arabs under the British Mandate. London, Abacus.

Segev, T. (2005). Es war einmal ein Palästina. Berlin, Siedler.

Stein, S. and M. Zimmermann (2025). „Wir sprechen unterschiedliche Sprachen.“ ZEIT 2025(19).

Streisand, L. (2025). „Antisemitismus: Empathie ist nicht die Lösung, Empathie ist das Problem.“ FAZ.

Wahba, A. (2025). „Sie waren still. Fast gespenstisch still“ ZEIT 10.4.2025

Oz, Berest, vorgestern und heute

Autobio Biofiction Biojüdisch

Zwei Bücher haben mich animiert, biographische und jüdisch-israelische Themen zu verbinden. Keine Rezension, allerdings, sondern Wirkungsgeschichte und ihre Folgen.

(Oz 2016, Berest 2023) :Amos Oz: Eine Geschichte lon Liebe und Finsternis, Ffm 2016, Suhrkamp; Anne Berest: Die Postkarte. Berlin 2023, Berlin Verlag

Oz`Buch erscheint 2002, da ist er 53 Jahre alt, und der Schwerpunkt des Buches ist seine Familiengeschichte und seine Kindheit und Jugend. Da ich viele Bücher von ihm kenne und gelesen habe, ist sowohl die Retrospektive (alle Großeltern und ihre Geschichte, die Verwandtschaft) ebenso wichtig für mich wie der Einblick in die wirkliche Geschichte Israels vor und nach der Unabhängigkeit. Und die Tatsache, dass viele Textstellen heute zugerechnet werden können.

Anne Berest ist 1979 in Paris geboren, ihr Buch ist einer der autofiktionalen Romane, die die Biographie verdichten und auf die wirkliche Geschichte hin verdichten. Hier liegt eine Beziehung zu Oz`Kultur, und für den Leser ist es wichtig, auf beiden Ebenen beider Texte zugleich zu sein: einer jüdischen Familiengeschichte, incl. der Frage, was ist jüdisch?, und die Frage, was mich/jemanden an der Gesellschaftsgeschichte interessiert, warum und vor allem wie.

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Oz schreibt sein Buch mit 52, seine Lebensorte waren Jerusalem, Kibbuz Hulda und Arad, und er geht von seiner Kindheit aus, um die Geschichte seiner Großeltern und des Rests der Familie und näheren Bekannten zu rekonstruieren, oft mit genauen Details, aber nicht als Dokumentation, sondern es hat immer etwas zu tun mit seiner Lebensgeschichte und ihrer (ersten?) Revision, eingebettet in die Geschichte Israels, dessen Staatsanfänge er ja als Kind miterlebt. Er ist klug, frühreif, und agiert als Kind, mit und zwischen Vater und Mutter nicht nur wie Kinder agieren, sondern wie er selbst mehr als 30 Jahre später dies im Kontext von Familie, Gesellschaft bewertet. Von hier versteht man den Titel, und „Liebe und Finsternis“ sind keine übertriebenen oder pathetischen Worte, wobei die Finsternis tiefe Schatten auf die Liebe wirft, sie aber nicht auslöscht; umgekehrt kann die Liebe die Finsternis nicht aus dem wirklichen Leben vertreiben, wenn Oz genial die Beziehungen der Familienmitglieder und anderer Konstellationen beschreibt, aber nicht glättet. (Zur Geschichte des berühmten Onkel Joseph Klausners müsste ein eigener kritischer Artikel geschrieben werden, da bin ich noch nicht). Nicht parallel, sondern verbunden damit ist die Entstehung des Staates Israel, seinen Vorgeschichte in vielen Fächern der Familie, aber auch deren Vorgeschichte in einer Welt, von der wir heute keine Vorstellung mehr haben, und die Oz 2001 auch nur rekonstruieren kann.

Oz erklärt, als wäre es heute. Seine Abwendung von den revisionistischen Zionisten und Menachem Begin ist beeindruckend gegenwärtig. Aber auch: es gibt natürlich keine eindimensionale Geschichte des Zionismus, und rechtslinks ist die zweifelhafte Dimension, ebenso wie Religion und Abstammung, Sepharden vs. Ashkenasim. Und das alles vor 25 Jahren, seine Geschichte geht also mehr als 50 Jahre zurück. Und er bleibt Zionist, und da kann die gegenwärtige Diskussion viel lernen, aber auch die Übernahme der Geschichte in all ihren Dimensionen, und nicht nur in den glättenden, opportunen (Vgl. Amos Oz – Wikipedia , die kurze Biographie lohnt wirklich).

So berühmt, vielfach geehrt und rezipiert, bedarf es keiner Metarezension. Sondern vielleicht einer Wahrnehmung, die sich an die Regel hält, sich als Leser mit dem Text und nicht mit dem Autor zu verbinden. (Oz S. 54ff.) Was mir unter anderem auffällt, sind viele Analogien der Verwandtschaft (inclusive der seltsam genauen Übereinstimmung von familiären Geburtsdaten der Großeltern und nahen Verwandten: S. 288: Familiendaten der Mutter Fania. Analog zu meiner Familie), aber keine der Biographie selbst, jedoch wiederum etliche der Reflexion auf diese Biographie, Jahrzehnte später. Die nachholende Festlegung von Wirklichkeit, die man nachträglich ohnedies nicht ändern kann, ist beeindruckend, wenn es um wirklich tragische persönliche Ereignisse geht, aber auch positive Zustände in einer komplexen Situation. Mich fasziniert auch die Erzählung der Familiengeschichte in zweiter und dritter Dimension, etwa von seiner Tante Sonja, der Schwester seiner Mutter. Die Verbindung zur Politik wird früh sichtbar, als gäbe es keine nichtpolitische Herkunftsgeschichte, und das wird später aufgegriffen: (z.B. 314 f. Nationalismus der Jugendlichen damals. Wichtig „Das hatte sehr, sehr viel Ähnlichkeit mit dem, was man heute hier bei den Palästinensern erlebt, nur ohne das Blutvergießen, das sie anrichten. Bei den Juden sieht man heute kaum noch solches Nationalbewusstsein“. (Erzählt Tante Sonja über Rowno, ihre Herkunft – 20er 30er Jahre)). Aber all das ist von einem überragenden Autor komponiert, so dass man unterhalb der bewussten Ereignisse Einblick in die Existenz der Betroffenen hat, die immer beides ist: persönlich und gesellschaftlich).

Hier kann ich eine Brücke auch zur Lektüre von Berest einrichten, für die es ja Hier kann ich eine Brücke auch zur Lektüre von Berest einrichten, für die es ja weitgehend um einige Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts geht, als rekonstruierter Rückblick, und vielfach hat ihre Mutter die Rolle von Oz‘ Tante Sonja. Für mich als Leser ist einer Unterschiede, dass ich bei Berest keine Vergleiche mit meiner Biographie anstellen kann (außer in der Frage, was eigentlich ist, wenn man „Jude ist“), während die Differenz zu Oz‘ Biographie sich ja wie ein alternative Text, wie eine andere Melodie liest und man schon seine Interessen an seiner Geschichte bei sich überprüfen muss. Und eine wichtige Frage: was wissen WIR von Israel, auch was wissen WIR von Frankreich, wirklich? Und wieweit glätten wir, was wir wissen, um unserer Anschauung willen, um der Wahrheit, nicht der Wirklichkeit willen?

Sein Buch ist natürlich nicht nur die Geschichte der Kindheit und Jugend, vom 50jährigen erzählt und reflektiert und nach weiteren 25 Jahren gelesen und kommentiert. Aber diese Geschichte muss sein. Ergänzt durch Berest, aber Oz nimmt mich retro auf, in Arad, dann sprechen wir über die Kindheit und ihre Politik und dass es nicht möglich ist, irgendetwas aus dem Kontext „wieder gut zu machen“, so gut wie nichts.

Am Freitag 23.5.2025 äußerte sich auch Bundespräsident Alexander Van der Bellen. Gegenüber der „Kronen Zeitung“ sagte er, dass zwischen einer „unverrückbaren Haltung zum Staat Israel“ und der Kritik an der aktuellen Regierung des israelischen Regierungschefs Benjamin Netanjahu „speziell im Fall Gaza“ unterschieden werden müsse. (ORF 23.5.2025). Es ist erstaunlich, wieviel Oz vorhergesehen hatte, und wie er manche seiner Positionen im Lauf seines Lebens und seiner Reflexionen änderte oder korrigierte, aber immer seiner politischen Ethik und Kritik treu blieb. Vielleicht ist es das, was mich zum zweiten Mal und ausführlich diesem Buch von Oz zugetrieben hatte. Ich habe gelernt und korrigiert. Zum Beispiel die Lektüre von Samuel Agnon. Und da treffe ich mich mit der jugendlichen Selbstdarstellung des Oz: die kann man als Erwachsener zurücknehmen…

Und zur heutigen Debatte über das Verhältnis Israels zu Deutschland, zum Reparationsabkommen zwischen Adenauer und Ben Gurion. Es wird zwar dauernd zitiert, aber es fehlt etwas – dass Israel die Zusammensetzung der deutschen Regierung, Justiz unter den Umständen deutscher Reparationen akzeptiert. Das sagt in Deutschland heute niemand in der Politik, obwohl wir alles wissen könne, zu Globke (Adenauers rechte Hand), und vgl. Stein/Zimmermann, ZEIT 8.5.2025). Dazu S. 807f. bei Oz.

Und wir können nicht anders als die Beziehung zu Israel, die Wertung des Kabinetts Netanjahu und seiner rechtsradikalen, zT. faschistischen und rechtsreligiösen Kabinettsmitglieder und Gefolgschaft auch mit den Kriterien zu messen, die Oz ein Leben lang in einem Korridor von Wertungen entwickelt und vertreten hat. (Nur Zyniker können dem vorwerfen, man würde Palästinenser bewusst ausklammern und verkleinern im Vergleich zur Kritik an Israels Regierung. Immer die Geschichte der Hamas zeitgleich mit der Geschichte Israels im richtigen Kontext bemessen(.

Ich empfehle beide, Oz und Berest.

Für meine Freunde in Israel

Jüdisch versus Israel?!(!)

Fangen wir einfach an: „Wissenschaftler bekennen sich zu Jerusalemer Erklärung zum Antisemitismus: „Antwort auf die Mängel““ (FR 16.5.2025). Es liegt schon lange in der Luft bzw. in den Diskursen, jetzt geht die FR einen Schritt weiter. Sie veröffentlicht eine Stellungnahme für die Jerusalemer Erklärung JDA, gegen die ältere IHRA Stellungahme. Ich gehe jetzt nicht wieder einmal auf die Unterschiede zwischen beiden Resolutionen ein, beide verweisen auf die schwierige Überlagerung von Israel durch das Judentum. Ich gehe auch nicht darauf ein, dass viele Regierungen und Politiker eher die IHRA unterstützen, zum Teil autoritär, und dass die meisten Intellektuellen und WissenschaftlerInnen )die meisten, nicht alle) eher zur JDA neigen. Mir geht es um etwas anderes.

Fangen wir nochmal an. Amos OZ hat 2002 seine gewaltige autobiographisch-essayistische „Geschichte von Liebe und Finsternis“ geschrieben, viele Auflagen und Übersetzungen. Auf den ersten 100+ Seiten (von mehr als 800) beschreibt Oz seine Kindheit und vor allem die Begegnung mit Joseph Klausner, dem Onkel. (Vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_Klausner). Schon hier erfährt man viel über die Richtungen des Zionismus, und man wird über Klausners philosophische, literarische und politische Karriere noch viel erfahren. Auch, dass es zwischen der intellektuellen Superiorität und einer national-liberalen Einstellung, incl. zu Menachem Begin, durchaus Brücken gab, ist spannend. Mir geht es aber darum, Klausner in der Vielfalt des Zionismus zu erkennen und darin, dass Amos, vor 25 Jahren schon, folgendes in seine damalige Geschichte einschreibt: “ In Vaters Jugendzeit stand an jeder Wand in Europa „Juden, ab nach Palästina„. Fünfzig Jahre später, als mein Vater Europa wieder besuchte, schrieb es von allen Wänden „Juden raus aus Palästina“. (S.113). Das war 2002. Und Oz klärt auch auf, warum und wie seine Familie sich damals zu Jabotinsky und Menachem Begin wandten (was man heute schwer versteht, aber verstehen muss, sonst ist es schwierig, über den wirklichen Zionismus der damaligen Zeit kein idealisiertes, sondern ein vielschichtiges Urteil zu haben. – Ich schreibe das hier, um zu zeigen, wieviel man wirklich an Geschichte wissen muss, um das heutige Judentum in Israel wenigstens teilweise zu verstehen – hier aus der Analyse des Zionismus. Es gibt noch mehr.

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Zurück zu den Manifesten: worüber sollen wir jüdischen Menschen, wo auch immer wir sind, im Kontext Judent(tum) und Israel, uns auseinandersetzen? Es gibt viele Menschen, einige von ihnen sind Jüdinnen und Juden. Den Satz umzudrehen, ist entweder blöde oder faschistisch.

Es gibt viele Jüdinnen und Juden, die ein gespaltenes Verhältnis zu Israel haben: das Land, ja; die Regierung, nein. Die finale Heimat, ja. Eine Gesellschaft von Mehrheiten für Siedler, Faschisten und Ultrareligiöse eher nein, wenn man befürchten muss, dass eine Rückkehr zur Demokratie wenig wahrscheinlich ist.

Der ethnische Zusammenhalt erscheint umso enger, je kleiner und gefährdeter eine Ethnie ist – trivial, nachprüfbar. Aber die Konflikte innerhalb des Judentums, und je zeitnäher umso mehr, lassen sich nicht mit einer erpressten Außenverteidigung zudecken.

(Nebenaspekt: Hier zeigen sich Analogien zur Erscheinungsform der Palästinenser, aus ganz anderen Gründen als denen des Judentums).

Es gibt gute Gründe, warum sich Israel dagegen verwahrt, ins Meer getrieben und ausgelöscht zu werden. Netanjahu beschädigt diese Gründe erheblich, und wenn sie nicht ausreichen, wird Israel für Juden und Jüdinnen viel weniger erheblich sein. Keine gute Voraussicht. Aber wer weiß, Judentum ist auch ein Symbol und eine Hoffnung für Widerstand.

Soweit also, wenn es um „Juden“ geht, also den Stamm der Jüdinnen und Juden. Was aber bedeutet „jüdisch“? Da möchte ich strenger sein als die oberflächliche kulturelle Selbstbeschwichtigung. Jüdisch bedeutet nicht mehr und nicht weniger als jedes ethnisch-kulturelle, ethnisch-soziale und ökonomische Attribut, das als zentral für die eigene Zugehörigkeit, sozusagen die innere Heimat in der Hierarchie der Identitäten verstanden wird. „Verstanden“, das heißt nicht nur gefühlt, sondern durchdacht, abgewogen, für uns selbst geformt. Und hier gibt es Maßstäbe, historische, kulturelle, religiöse, lebenspraktische – und nicht alles, was hinter der Bezeichnung stehen kann, ist schon deshalb akzeptabel.

Was sicher Ärger macht, ist die Behauptung, dass jüdisch und faschistisch durchaus zusammengehen können, aber dann eben nicht das „Jüdische“ sind, das ich meine, wenn es um das Weiterleben, Überleben des Jüdischen und damit des Judentums geht. (Hier könnte ich scharfe Kritik an einebnenden Vermittlungen, sozusagen Judaism light, üben; mache ich aber nicht, lenkt ab). Aber Jüdisch kann auch mit ganz anderen Anschauungen, Kulturen etc. zusammengehen, im Übrigen ist deshalb der Jüdische Staat und nicht der Judenstaat die richtige Hoffnung gewesen, ist es hoffentlich weiterhin. Jüdisch ist an den Humanismus gebunden, und nicht an den Judaismus. Das ist eines der wichtigsten Kriterien, welche Position man einnimmt, z.B. zur Frage Antisemitismus, siehe oben.

Trump Antisemit &

Das der Diktator Trump keine Adjektive mehr bekommt, ist wichtig und richtig: ein Diktator kann sich mit allen negativen Eigenschaften bedecken, es kommt nicht darauf an, welchen Aspekt man seiner Herrschaft besonders ankreidet – er ist ein Diktator.

Ich bestehe weiter darauf, dass Putin und Trump „verwandte“ Faschisten sind, natürlich mit neuen, zeitgemäßen Formen. Es gibt keinen Grund, Trump für einen partiell näher stehenden Verbündeten vorzuziehen, nur weil wir in der NATO und auf dem Weltmarkt zur Zeit von ihm mehr abhängig sind. Uns es kann immer mehr als einen Diktator geben, den man ablehnt.

Mein Vorbild Prantl schreibt über Jazz vor hundert Jahren und macht einen Sprung in die Gegenwart: Manches, nicht zuletzt die Eskapaden der damals Reichen, erinnert an die Zwanzigerjahre des 21. Jahrhunderts. Vieles, und das ist jetzt meine subjektive Sicht, auch nicht. Damit meine ich nicht das Politische, denn das wiederholt sich nicht. Die Autoritären des Jahres 2025 sind nicht wie Mussolini, Hitler oder Stalin. Es reicht schon, dass Putin wie Putin ist und Trump wie Trump. (Prantl, SZ 4.4.25). Man beachte das „wie„. Das heißt ja nicht, dass es keine Analogie der heutigen Faschisten zu früheren gibt, sondern nur, dass sie ihre eigene Prägung haben (und nicht zuletzt deshalb von vielen ihrer unterstützenden Volksmassen gegen deren Lebenseinschränkung hoch gelobt werden). Trotzdem bestehe ich auf der Analogie.

Dass Faschisten und andere Diktatoren oft ihren Antisemitismus hinter scheinbarer Judenfreundlichkeit verbergen, ist fast logisch. Wenn wir heute den Juden Netanjahu, der nun wirklich nicht jüdisch ist, als Freund und Verbündeten von Trump und Orban haben, wenn Musk die deutsche Nazis umgarnt, dann ist das bedrohlich genug. Dass Trump das mit der Demolierung der US Wissenschaft auf die Spitze treibt, muss nicht verwundern, ist aber noch komplizierter, weil es dabei auch um die Verfolgung nicht-weißer Gegner (Orientalen) an amerikanischen Universitäten geht. Dazu muss man die Geschichte des weißen Rassismus in den USA kennen.

(Einschub: zufällig in der gleichen Ausgabe der NYRB wie die folgende Berichterstattung über Christopher Browning ein Rezension von Miri Rubin: Christian Hair, über Magda Teters „Christian Supremacy: Reckoning with the Roots of Antisemitism and Racism“, Princeton. Das ist deshalb so wichtig, weil in den USA Juden und Schwarze durch die weiße „Christian supremacy“ besonders betroffen sind. „In the autumn of 2024 anti-Black and anti-Jewish were by far the most common categories of hate crime in the US. Christian supremacy helped make such suffering possible„. O ja.)

Also zurück zu Trump, dem Antisemiten, und seinen faschistischen Untergebenen: Der Kampf der rechtsreligiösen Amerikaner gegen die Wissenschaft ist schon alt, und breitet sich aus, je schwächer die Demokratie ist. Denn man muss ja die alternativen Wahrheiten verbreiten dürfen. Und wenn man an der Se4ite Netanjahus die arabischen Studierenden der USA demütigen oder verjagen kann, gelingt das umso leichter, wenn man sich als Faschist für die Juden bzw. für Israel einsetzt – wie Trump. Man muss Christopher Browning genau lesen: Trump, Antisemitism & Academia. (NYRB 10.4.2025, S. 42). Trump benutzt einige antijüdische Vorfälle „while openly advocating criminal violence against Palestinians. His campaign against campus antisemitism is simply a hypocritical pretetx for his aussault on American higher education„. Das hat natürlich folgen. Immer mehr Hochschullehrende verlassen US-Unis und gehen in demokratische Länder. „Was hier geschieht, ist Faschismus“ von Frauke Steffens (FAZ 4.4.2025 beschreibt, wie ein Professor aus Yale (immerhin eine der besten Unis der Welt) nach 12 Jahren die Hochschule verlässt und nach Kanada geht (wo man ihn „natürlich“ gern empfängt). Auch Timothy Snyder macht das und andere…auch wir müssen sie aufnehmen und pflegen – die USA lassen das

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Nochmals. Trump ist ein Diktator, deshalb ornieren wir ihn nicht mit Adjektiven. wissenschaftliche Denken fallen. Das man oft in der Politik taktisch mit ihm umgehen muss, ist angesichts seiner Macht wohl unumgänglich, in Grenzen, aber es gibt keine positive Verbindung – wie man das früher mit dem Westen wohl getan hat, es gibt keine Dankbarkeit gegenüber den USA, es gibt nur die Pragmatik des Schwächeren gegenüber einem Diktator. Das entlastet unser Verhältnis zu Putin nicht. Ein Diktator relativiert nicht einen anderen.

Und wenn die Israelische Politik (Botschafter) in die jüdische Meinu8ngsfreiheit in Deutschland eingreift, muss uns klar sein, dass nicht jeder Jude (Netanjahu) auch jüdisch ist. Darüber kann, muss man streiten. „Jüdisch“ ist nicht nur ein Adjektiv. Es ist eine Bezeichnung, die sowohl historisch, religiös und/oder ethisch als auch politisch auf einer Überlebensmoral beruht, die mit dem Judentum mehr zu tun hat als mit der derzeitigen israelischen Regierung.