USA ohne Grund

Ich werde nicht mehr in die USA reisen, jedenfalls nicht, solange Trump oder ein Trumpist an der Macht ist. Die allgemeinen Gründe für so eine Entscheidung sind bekannt, Amerika entwickelt sich zu einem partiellen Unrechtsstaat, der von einem senilen Hypernarzissten regiert wird. Ich möchte nicht auf dem Donald Trump Airport in Washington DC landen, durch den Arc de Trump in die Stadt fahren und später in New York am Donald-Trump-Bahnhof ankommen. Ich bin ein großer Freund skurriler Dinge, ich habe den Herausgeberrat der SZ 15 Jahre lang ausgehalten, ich lese Ezra Pound und Ernst Bloch. Aber weil ich jenen nicht unbedeutenden Teil Amerikas, der Trump gewählt hat und bis heute unterstützt, für zutiefst disreputable halte, werde ich die Canyonlands, Seattle und Sante Fe nicht mehr sehen. (Kurt Kister, SZ 13.2.2016)

Viele werden nicht mehr in die USA fahren, nicht zum Studium, nicht auf Urlaub, nicht zu Besuchen, und auch nicht um zu arbeiten. Einige werden das alles ertragen und doch hinfahren, weil sie sich etwas erhoffen oder erwarten. Aber die meisten werden Kisters zusammengefasste Argumente gegen die Diktatur von Trump teilen und nicht hinfahren. Auch gut. Damit wird die Erinnerung an das frühere Amerika wieder belebt, und es wird allen klar, dass das Land vor Trump auch nicht ideal war, dass Dellen und Wunden in Demokratie, Wirtschaft und Kultur auch schon vorher gab, dass das Soziale vielfach abschreckend war, und dennoch: ein schönes Land mit einer beachtlich kultivierten demokratischen Struktur, auch Geschichte, von der wir in Europa lange Zeit gelernt und wohl auch profitiert hatten. Vieles an dieser demokratischen Ambivalenz kennen wir, in Variationen, bei uns auch. Das alles wird in diesen Tagen teilweise umfänglich hervorgeholt, soll begründen, was evident ist – dass wir an dieser mächtigen Diktatur nolens volens auch abhängen, macht uns die realistische Wahrnehmung noch schwieriger und unangenehmer (mit der russischen oder chinesischen Diktatur haben wir es da leichter, in die muss man nicht hineinriechen, die kann man als feindlich ablehnen. Aber die USA sind vielfach ein Gegner, den wir brauchen, auch wenn wir ihn ablehnen, den wir ablehnen, auch wenn wir ihn brauchen. Wie alle wirklichen Diktatoren ist Trump Teil einer vielköpfigen faschistischen Oligarchie, die er weitgehend beherrscht . und die ihn weitgehend beherrscht. Das gilt auch für kleinere Diktaturen, deren Diktatoren weniger absolute und objektive Macht haben und die meistens von großen Drei abhängen. Nicht mein Thema im Diskurs. Aber nur, weil viele von uns, sehr viele, so gute Erfahrungen und Erinnerungen an die USA haben, ist Trump nicht besser als Putin oder Xi, eher schlechter, weil er eine besondere Demokratie ruiniert.

Nun hat er uns angegriffen. Seit gestern sind die Umweltprinzipien der USA außer kraft. Seltsam, wie wenig und undifferenziert auch bei uns die Medien darauf reagieren. Resignation oder Gleichgültigkeit, also passive Unterordnung unter den Diktator – schaut euch die Autobauer, Kohlenmineure, Ölmagnaten an, die um Trump herumstanden, als er das verkündete. Das will ich nicht analysieren, aber dass die FAZ bei uns ihm zur Seite springt, muss man schon erwähnen. Nun, wir werden die Folgen verspüren, aber sie werden unseren terrestrischen Niedergang nur beschleunigen, nicht wirklich abändern. Dazu ein andermal.

Der melancholische Abschied von der früheren Neuen Welt soll nicht in die Arroganz münden, dass wir ohnedies alles – zum Teil, wenigstens – besser mach(t)en, und dass wir jetzt erst recht Umwelt so hoch halten und beschützen wie Soziales und Kultur. Solange Politik und Ökonomie gegeneinander ausgespielt werden, hilft die scheinbare Kritik nur wenig. Geht mal in den nächsten Tagen die Kommentare dazu durch und schützt euch vor dem Außenanstrich der Sicherheitskonferenz, dass wir doch, bei allen Differenzen, an der Seite der USA stehen. Nichts leichter, als dass der Gegner zum Feind wird.

US Katastrophe – EU Hoffnung?

Man kann es nicht fassen, aber man weiß es, ich wusste es: Trump und seine Faschisten haben die US Universitäten weitgehend kastriert, und wo nicht, werden Millionen eingeklagt und keine Forschung mehr gefördert. Die New York Times macht heute deutlich, wie schlecht es den normalen Universitäten geht. Eben Diktatur. How Universities and States Are Increasing Surveillance of Professors – The New York Times Professors Are Being Watched: ‘We’ve Never Seen This Much Surveillance’  5.1.2026. Eine Katastrophe – mit Hoffnung auf viele US Profs, die  bei uns andocken.

Das trifft sich mit der Kritik an Trump von Anne Applebaum: Autocracy, Inc. London 2025: in der 2. Auflage steht ein Vorwort, das Trump unter die Autokraten einreiht. Härter könnten wir es nicht sagen. Ausführlicher, akademischer, mit vielen konkreten Anmerkungen umrahmt sie Da Empoli, über den ich schon geschrieben habe, die Applebaum wird über die Zeithinweg wichtig sein, und die Entwicklung der USA im kulturellen und akademischen Bereich, Forschung UND Lehre, wird da wichtig sein.

Zurück zu Higher Education in den USA. Seit vielen Jahren arbeite ich mit Jochen Fried, der Familie Schröder, vielen Unileuten wie Reinhold Wagnleitner usw. an der Kommunikation mit amerikanischen Studierenden, zT. aus den Zugangscolleges, zT. aus renommierten Unis, und noch länger war das ein Thema meiner ambivalenten Kulturkritik an den amerikanischen Unis, für mich – noch immer – sind einige dort die besten der Welt, viele nicht mehr. Dazu jetzt aber keine professionelle Analyse, sondern eine einfache Prognose: Viele gute Lehrende und Forschende werden uns in Europa auf- und heimsuchen, nicht nur in Europa, auch in Canada und anderen demokratischen Ländern. Und, wie ihr im vorletzten Blog gelesen habt, die amerikanische Wissenschaft wird schnell veröden, wenn Trump und seine Faschisten sie beherrschen (obwohl, das wissen wir, es schon Überläufer gibt und weitere geben wird). Amis bei uns? Hoffentlich. Sie werden zwar die bürokratischen Hürden überwinden müssen, aber so gescheit, dass sie das können, sind sie, und wenn nicht in Deutschland, so doch anderswo in Europa, obwohl ich für Deutschland um Einkehr bitte.

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Das Thema ist seit 100 Jahren sehr komplex und seither mit Hoffnungen der jeweiligen Hochschul-Elite-Propaganda verbunden, die selten klar macht, wie Wissenschaftlerinnen (bei uns zu wenige) und Wissenschaftler sowohl global wissenschaftliche Erfolge als auch persönliche Status- und Lebenserfolge sich erarbeiten, teilweise sozial leichter, teilweise schwieriger, und kulturell noch komplizierter. Dieser lange Satz beschreibt auch eines meiner lebenslangen Themen. Trump ruiniert nicht nur die Demokratie, er beschädigt das kulturelle und soziale Innovationsdenken der Wissenschaft. Ähnliches, wenn auch anders, geschieht auch bei uns. Das kann man nicht einfach mit Hochschulpolitik grundlegend verbessern, obwohl man das auch sollte, sondern Wissenschaft und ihre Umsetzung in Praxis sollte schon die Gesellschaft eingehen wie Bildung und nicht nur wie leere Investitionen oder Urlaub. Und wie der Staat eingreifen darf, und wo er sich heraushalten muss, ist dabei auch ein Aspekt. Ebenso die Beziehung der Wissenschaft zu Merdien und zum Kapitalismus at large: den gibts ja, ob man das mag oder nicht.

Also: Reform ist angesagt, und mit der erhofften und erwarteten Einwanderung guter Köpfe aus den USA gibt es einen Impuls mehr. (Einwanderung von Wissenschaft aus anderen Staaten, auch Diktaturen, wie Russland, ist analog, hat etwas andere Erscheinungsformen. Und zu meinem Kernthema Israel und dortige Wissenschaft kommt noch ein Extrablog).

Kein Kniefall. Steht still! Bewegt euch.

Recht haben ist nicht lustig. Was sich gestern und heute in Davos abspielt, war nicht im Detail, aber vorauszusehen. Ein Diktator macht, wie er es will, und seine Gefolgschaft verhält sich überwiegend gehorsam oder nachdenklich an der Realität zweifelnd. Nicht alle, deshalb keine allgemeine Verdammung. Kanada und Teile der EU und einzelne Kommentare helfen, so etwas wie Zukunft ins Auge zu nehmen. Aber leider fehlt es nicht an kurzfristig erleichterten Äußerungen, um wieviel leichter der Abend geworden ist nach den Trump`schen Drohungen am Morgen…er hat sein Ziel wieder erreicht. Abkehr von Europa (aber wir sind ja nicht 1,0, bestenfalls 0,8, wie auch unsere Regierung), und wie abhängig, kolonial Grönland werden soll, kann, wirde, und wie die Ukraine dem russischen Lage geopfert wird, alles unklar.

Also: keine Beruhigung, kein Kniefall. Auch keine aufgeblähten Backen, was wir alles denken sagen, hoffen können – das geht an den Diktatoren vorbei. In desem Fall spreche ich nur vom Diktator Trump. Seit Monaten lese ich in vielen Zeitungen seine psychischen und manchmal körperlichen Defekte und Krankheiten. Na Und? Ganz wichtig: würde Trump morgen verschwinden, weil tot oder interniert, würde sich an der amerikanischen Politik fast nichts ändern. Nicht nur die Techno-Kraten (siehe die letzten Blogs), auch eine bürokratische Verwaltungsmacht hat sich längst darauf eingestellt, ohne den Einen weiter zu agieren, das amerikanische Volk zu spalten und die nicht-demokratische Hälfte weiter den Westen und sich selbst zerstören zu lassen. Wie lange hält die andere Hälfte, halten echte Gerichte und Medien noch durch?

Andererseits: da ist auch Hoffnung. Nicht nur Canada, nicht nur >Frankreichs Präsident, nicht nur…der Ansatz des wieder erwachenden Bewusstseins von Europa ohne „Westen“, ohne „US Dominanz“ etc. kann uns bewegen und weiter handeln lassen. Nochmal: Über gestern und heute können wir keine tragfähigen Resultate benennen, die unsere Schlüsse zu akzeptiertem demokratischen Willen führen. Umgekehrt: dieser etwas beschädigte, retroaktive Wille muss erneuert werden und eine Rückkehr zur narkotischen Politik des „Sich beschützt Fühlens“ sollte verhindert werden. Die Politiker, die offen ansprechen, wieviel an unserem Wohlstand wir drangeben müssen, um uns aus der Abhängigkeit zu lockern oder teilweise zu befreien, haben recht. Bitte nicht das Wort „opfern“ verwenden, wenn der Wohlstand reduziert wird. Sich schützen und verteidigen wollen, ist nicht unbedingt widersprüchlich zu einem Pazifismus, das kann man sogar nachvollziehen. Und so können wir Themen neu anordnen, neu Prioritäten setzen, ökologisch, gerecht, transparent. Das erlaubt uns auch, Nebenwidersprüche in unsere Politik aufzunehmen…ich habe den Eindruck, dass manche altbackene Politiker manche Themen zur Ablenkung dagegen offen legen. (Auf dem Gebiet habe ich einige persönliche Erfahrung, manche Erfolge haben sich eingestellt, wenn bestimmte politische Themen nicht gleich wie ein Köder geschluckt wurden….=. Also bitte einmal Pause mit Resümees machen, Da wo es wirklich brennt, ist ja nicht Davos.

Und sich selbst immer wieder stärken und beisammen halten, auch mit dem schönen Wetter, mit dem richtigen Hören und Lesen und Sehen, und zwar nicht gleich aus einem Kanon ableiten. Selber sein, das stört die Diktatoren am meisten, wenn Menschen sie selbst sind.

Ich schaue in den wolkenlosen Himmel. Gehe an die frische Luft und denke daran, was ich heute morgen alles aus und über Davos gelesen habe. Übung für uns alle: fasst das einmal zusammen! Ein Ergebnis? Da fällt mir etwas ein: Wir hören ja viel über Grönland. Was ist der Unterschied zwischen Eigentum und Besitz? Warum und wozu sind wir politisch und rechtlich an der Seite Dänemarks? Darüber müssen wir auch einen Blick auf unser politisches Bewusstsein werfen. Dann erträgt es sich leichter, Recht zu haben und nicht nur Bodenschätze und Landschaft, sondern auch politische Vereinbarungen zu akzeptieren, für unsere Zukunft.. Ich gehe weiter in der Frühlingssonne, bei Minusgraden. Da kann man auch ganz andere politische und ökonomische Assoziationen haben und die Folgen der Abkehr von der Menschlichkeit durch Trumputin bedenken. zum Beispiel in der Ukraine.

Krieg und … runter von der Illusion

Als wäre es wichtig, ob und dass jetzt ein dritter Weltkrieg sich anbahnt, schon entwickelt , oder erst droht. Als ob der Diskurs die Krieg/Friedenspolitik dirigieren könnte. Es ist auch nicht wichtig, geistige Defekte bei den Diktatoren festzustellen oder zu leugnen, was sie tun zählt, und nicht wie sie es sehen. Auch die Vorschau, wie lange sie als Personen noch leben werden, ist egal, es geht nicht nicht um ihren molekularen Körper, sondern um den zweiten, den symbolischen, der im Mittelalter die Gesellschaften fokussierte.

Analytisch stimmen wir kritischen Geister schon ziemlich überein. Nuancen sind verschieden, ob die Analogie etwa stimmt, Hitler – Stalin, Trump – Putin (ich sehe es eher umgekehrt, und da gibt es noch Xi, und damals gabs keine Nuklearmacht.

ABER

Wen kümmert es wirklich, wie wir gerade über den Tag, über die Zeit denken? Ob drittklassige Politiker dem Trump in den Putin kriechen oder dem Putin in den Trump, macht den beiden so wenig aus wie Lob und Kritik aus subalternen Mündern. Ist Trumps Nobelarroganz wirklich weltpolitisch wichtig? Oder spielt er auch sie, um die Politiker der 0,8 Qualität zu beeindrucken, gar zu beeinflussen.

Ein Deutschamerikaner, ein guter Professor, machte heute morgen deutlich, wie faschistisch die USA sich mittlerweile gerieren. Über Giuliano da Empolis Einsicht in die Stunde der Raubtiere habe ich hier schon berichtet. Und bald, jetzt, merken es die eher freigeistigen, liberalen Medien, wie wenig bedeutsam Einsichten und Meinungen sind.

Zur Zeit sind die Analysen, was wir europäischen Demokraten gegenüber dem Westen, den USA, versäumt haben, sekundär. Wie kann man korrigieren, was uns in den Krieg, konkret in Hunger, Armut, Weltwirtschaftskrise, Nuklearopfer etc. treibt, in welcher Kombination auch immer?

Wir können es nicht. Wir werden sehen, wie und ob die Ukraine Spielball des Trumputin-Pakts der Aufteilung Europas wird, morgen werden die Heuchler ihre Prognosen bestätigt sehen oder sich wundern, was wirklich beschlossen wird, aber das alles hilft uns in Europa wenig. Die Faschisten aller Länder werden noch nicht einmal triumphieren, sie werden ihre Beziehungen zu einander überprüfen, koordinieren. Die Demokraten werden darüber sprechen, wie sie ihr Gesicht wahren können, wenn sie sich schon unterwerfen – müssen, nicht „können“.

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Wenn jemand aus dem Dämmerschlaf der Opiumsession aufwacht, dann schaut die Wirklichkeit dem wachen Auge SELTSAM entgegen. Seltsam sieht die Welt schon aus, richtig, aber wir können sie nicht mehr einfach weg-denken. Keine Philosophie, keine Religion, keine Ratschläge bitte, heute einmal nicht. Aufwachen und daran denken, was einem selbst, dir, mir, uns, wirklich wichtig ist zum weiterleben und dann auf die Politik schauen, die wir offen (kaum) oder verdeckt (eher) tun können.

Jetzt könnt ihr sagen, das alles ist negativ und entmutigend und deprimierend und hilft nicht weiter. Was folgt daraus, wenn ihr das sagt? Es gibt kein großes Portfolio an Optionen und Alternativen. Es kommt auch nicht so sehr darauf an, wie die jeweilige Unterwerfung kaschiert oder umschrieben wird. Es geht um die Lebensqualität der wirklichen Menschen und ihrer sozialen und emotionalen Zusammenhänge. Bekanntlich können Diktatoren sehr viel, auch nicht Zusammenpassendes. Sie können aber die wirkliche Wahrheit aus keinem ihrer Opfer so herausbringen, dass sie daraus eine Bestätigung ihrer Diktatur ablesen können.

Wenn Trump den Friedensnobelpreis bekommt, wird es danach keinen mehr geben. Na und?

Ich weiß, es ist unfreundlich, im hellen Sonnenlicht des Tages so düster zu denken. Aber freundlich den Farben der Eroberer zuzustimmen, bevor man selbst abgeführt wird, ist auch nicht besser.

Darüber kann man auch nachdenken, wenn man im Sonnenlicht spazieren geht und aufwacht.

(Lest Daniel Brössler, SZ von heute, und die 6 Punkte am Ende. So können Unterworfene sich wenigstens in den Spiegel schauen).

Kein Frieden und andere Kriege…

Machen wir uns nichts vor. Friedliebende Kommentare sind keine Wirklichkeit, sondern gestalten unter anderem Überzeugungen und Selbstbetrug. Wenn Merz und andere sagen, es sei kein („richtiger“) Friede und irgendwie schon noch irgendwie kein („richtiger“) Krieg – von Russland gegen Europa, ist das mehr als ein sprachliches Beispiel. Und so schrecklich die Umstände des Gazakriegs sind, die trumpoiden Verhandlungen sind auch „irgendwo“ zwischen Friedensplänen und Kriegspotenzialen, keine Wahrheitsstrategie, sondern Anpassung an eine Israel-Trump-angelehnte Rahmenrealität. Wie ich immer schreibe, dass die Wirklichkeit die Wahrheiten dominiert. Deshalb sind die Kommentare der besseren Medien ungewollte Konjunktive, die Grammatik diktieren andere…das gilt auch für die Ukraine, für Sudan, für Kongo. Natürlich gilt es besonders für die neueste, nicht gefestigte Weltdiktatur USA und ein wenig macht sich diese demokratiefeindliche Realität auch bei uns breit – wie denn auch nicht? Das Einzige, das stimmt, sind die Abbildungen der Wirklichkeit leidender, hungernder verletzter, sterbender Menschen, die gerettet werden sollen, müssen, können, nicht immer dürfen, bevor wir wieder und wieder die Täter anklagen oder mit Preisen und Lecken überhäufen.

Das ist der Grund, warum ich viele Daten und Eindrücke sammle, Zu Israel und Gaza vor allem, zur Ukraine, und zu unserer so genannten Regierung, aber gerade da wenig kommentiere. Denn es ist schon wichtig, dass diese Nachrichten auch empfangen werden und man sich nicht dauernd in sich selbst spiegelt.

Was bleibt, das Weiterleben unter den realen Wolken des beschleunigten Welt- und Politikzerfalls, ist nicht wenig. Das ist keine beruhigende Philosophie und schon gar nicht Ablenkung von der Politik. Aber es kommt auch, auch, nicht nur! darauf an, dass wir unsere Widerstandskraft stärken, lebendig bleiben bezieht sich immer auch auf Umwelt und Sozialisation, und natürlich auf Kultur, also die Bereiche, wo die Dummen und die Gefährlichen gleichermaßen sparen wollen. Das dürfen aber nicht nur rhetorische oder demoinstrative Bekenntnisse sein, wir müssen etwas tun. Wenn wir etwas tun, dann muss nicht jeder sofort erfahren, dass wir aktiv uns für das Richtige so und so einsetzen, aber öffentlich muss sein, was die Konfrontation bewirkt, z.B. die Kritik an den Brosius-Kritikern der CSU (das sind rechtsradikale so genannte Christen aus Söders Gehege), z.B. das Niveau der Wehrdienstdebatte (da kann ich nur raten, von den Finnen zu lernen), und vielleicht mit dem Lob an Trump im Nahen Osten etwas zu warten: auch Diktatoren können manches richtig entscheiden, das entlastet sie aber nicht…

Zurück zum Anfang. Wenn sich der Krieg weiter entwickelt, wird er anders sein als unsere verbreitete Kriegsgeschichte, und er wird keinen von uns ganz in die Freiheit des Friedens entlassen – wohin wollt ihr fliehen? Aber es kommt darauf an, was geht vorzubereiten, und dem, was kommt, zu begegnen (siehe oben). Dass wir dabei nicht gewinnen, ist klar. Aber es gibt wichtigeres in unserem täglichen Leben.

Nur was man wirklich mag, aktiviert Kritik

Die letzten 24 Stunden USA. In Europa geht mir Italien nebst Heimat Austria am nächsten, und Israel transkontinental, und eigentlich lange Zeit die USA vor anderen Americanae. Das ist gar nicht so subjektiv, wie es klingt. Denn die eigene Geschichte hatte mit den Nachkriegs USA so viel zu tun wie wenige andere Länder, und das Sprachstudium, die Reisen, die Universitäten, die Freundschaften haben sich wie ein Pelzkragen um die Familienmitglieder dort gelegt. Nun, die meisten leben nicht mehr, und meine Schwester hat einen deutschen Pass genommen, GsD.

Dass unsereins Trump nicht mögen kann ist mehr als ihn bloß nicht mögen zu dürfen. Man muss einen Diktator ohnehin nicht mögen, auch wenn er im Vergleich zu anderen Tyrannen vielleicht noch erträglich ist. Obwohl: wäre man ein ärmerer US-Bürger, müsste man unbehandelt und hungrig auf private Wohlfahrt oder eben das Nichts angewiesen sein (Thema vieler DLF und ORF Nachrichten, weniger der Sozialpolitik bei uns).

Wie auch in anderen sich festigenden Diktaturen ist der Widerstand gegen Trump erstaunlich gering, bei den Demokratien wie in der Presse. Und meine (abonnierte e-paper) New York Times verfolgt er brutal, das verschreckt die kleineren liberalen Blätter, auch wenn er den 15 Mrd $ Prozess nicht gewinnt. Allein heute die Nachrichten: TV-Shows werden abgesagt, Finanzdiener werden in die Federal Bank eingeschleust, absurde bis faschistische Strafprozesse erhalten immer weniger Widerstand von der Justiz.

Scheinbar gibt es noch mehr Widerstand gegen die Einschränkung der Grundfreiheiten, v.a. Meinung und Presse, mehr Widerstand als in Russland oder China. Aber die US Diktatur macht sich ja gerade „normal“. Das ist eines meiner Probleme: wie schnell die außergewöhnliche, rechtslastige und kulturfeindliche erste Präsidentschaft Trumps heute so akzeptiert wird, dass die Ränder seiner Normalität sich mit der Normalität der Meisten? jedenfalls vieler US BürgerInnen decken.

Das ist übrigens einer der Gründe, warum ich keine Eigenschaftswörter und Adverbien für Trump, Putin oder Xi übrig habe, denn Diktatoren dieser Dimensionen können „alles“ tun und auch das Gegenteil, und sich so darstellen, wie ihr Ego es will und nicht, wie wir es wahrnehmen. Bei den sich unterwerfenden Demokratien oder Faschismen darf und kann man gut differenzieren, sie sind natürlich divers, vergleicht den Britischen Hof mit Melonis Inn- vs. Außenpolitik mit NATO usw. Aber mir geht es um etwas anderes: die kaum behinderte Zerstörung der amerikanischen Kultur – die ich immer besonders mochte, siehe oben, – wird sich auf die gegenwärtige und auf die nächsten Generationen so auswirken wie Putins Verschleppung von Kindern in die russische Armut. Wo Trump sich mit den beiden anderen Diktatoren gleicht: im brutalen Misshandeln von Texten und Kultur, v.a. natürlich im Bildungswesen und bei der Umwelt. Und werte LeserInnen und Leser, mal ehrlich, was unterscheidet Trump von den beiden anderen Atomdiktatoren wirklich? Natürlich auch, dass wir noch unter dem Schirm der USA vergleichsweise liberale Spielräume haben, ja, kulturell sogar opponieren dürfen, in Grenzen. Und klar, er hofft auf vorbeugende Selbstzensur der Massen. (Dass die AfD ihm auch ins Trump kriecht, ist kein Zufall, aber auch kein Wunder, nur: die Mehrheit der Politik legt sich etwas weniger peinlich an seine Seite…).

Richtiger Einwand: Was sollen wir denn in Europa tun, ohne die USA überfällt uns Russland, und dann geht auch der Wohlstand verloren. Wenn es nur der wäre, wird das sicher sich so entwickeln, weil Europa am Ende ist, Karthago zwischen II und II Krieg. Aber das dauert länger als Trump überlebt und mit seiner Camarilla herrscht.

Noch haben wir die New York Times. Beispiel heute zu Israel: nicht monothematisch, nicht einseitig:

  1. Israel Is Committing Genocide in Gaza, U.N. Inquiry SaysBy Nick Cumming-BrucePage A8
  2. Trump’s Laissez-Faire Stance Gives Netanyahu Free Pass for Gaza EscalationBy Michael CrowleyPage A9
  3. Why Many Israelis Oppose Netanyahu’s Offensive Into Gaza CityBy Isabel KershnerPage A9
  4. Gaza City Panics as Israel Launches Ground OperationBy Liam Stack, Abu Bakr Bashir and Ameera Haroud

Oder den Kampf von Trump gegen die US-Kulturgeschichte: https://www.nytimes.com/2025/09/16/climate/trump-park-service-slavery-photo-tribes.html

Er ist wie seine Mitarbeiter und Kumpel ein Rassist, vor allem ist er ein Diktator. Nur: er wird breit im so genannten Volk unterstützt. Aber das: Donald Trump will Antifa-Bewegung als Terrororganisation einstufen (Spiegel online 18.9.2025). das kann ein Diktator so wollen. Wo sind die Grenzen?

Aber was bedeutet es, „nur“ eine NYT zu haben? Es bedeutet, unsere Resilienz zu stärken und unser Bewusstsein nicht einlullen zu lassen. NYT und die New York Review, machen nicht mein ganzes US Bewusstsein aus, aber einen guten Teil. Was wir von den USA wissen, ist meist die intellektuelle Couvertüre der Ostküste, der Westküste, der großen Städte – oder kulturelle Höhepunkte. „Auf dem Land“ ist in den USA ziemlich weitläufig, viele Distrikte sind größer als deutsche Bundesländer, zum Arzt oder Supermarkt ist es weit, die lokalen Zeitungen verdienen oft den Namen nicht und die Medien werden durchaus von trumpoiden Radikalen beherrscht: Fox – forscht da einmal nach…https://de.wikipedia.org/wiki/Fox_News_Channel oder im Detail https://www.msn.com/de-de/nachrichten/other/t%C3%B6tet-sie-einfach-fox-news-moderator-schockt-mit-gewalt-aufruf/ar-AA1MwcLx (18.9.2025) – man kann sich da einarbeiten. Weiter: Ein Mord als Vorwand. Jocahim Käppner in der SZ: „…Hoffnung liegt in der Geschichte. Schon einmal, in der Ära des eifernden „Kommunistenjägers“ McCarthy in den frühen 1950er-Jahren, driftete die älteste Demokratie des Westens ins Autoritäre ab. Damals war die Demokratie stark genug, um zu widerstehen. Vielleicht setzt sich der traditionelle Common Sense der Amerikaner auch diesmal durch. Aber es wird schwer“. Und hier bei uns: Nehmt die Erfahrungen mehrerer Generationen mit der Springer-Presse…oder Diskussionen um ZDF-Einführung: da sieht man schon Unterschiede auch im gesetzlichen Bereich. Aber dagegen die gibt es die kaum limitierte Meinungsfreiheit in den USA, die zur Zeit gewaltsam nach rechts gedreht wird….Das alles wirkt schon auch auf uns. Aber es wird schwer…

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Alles heute. Vielleicht morgen etwas anderes, aber nicht anders. Aus Karthago nach Rom schauen, ist nicht immer angenehm. Aber es hilft, sich ein wenig real einzurichten.

Unehrlich ins Desaster

Nach dem lächerlichen Ineinanderkriechen zweier Diktatoren, Pmurt und Nitup, in Alaska, sind die Kommentare der meisten unserer Politiker so peinlich, dass man Pmurt in seiner Egozentrik und Nitup in seinem Stalinismus ja recht geben muss: vor Europa müssen beide nicht spontane Befürchtungen haben. Natürlich geben viele Kommentatoren uns vor, sich Pmurt zu fügen, er ist der nukleare Herrscher Nr.1 und zugleich endlich mit Nitup zu sprechen und zu verhandeln, er bedroht ja Europa und Pmurt wird uns nicht schützen. Gleich aufgeben? Aber ja, Untergebene haben ihre eigenen kleinen Spielräume, wenn sie nur unterwürfig sind…

Einige wenige Politiker und Politikerinnen sagen nicht nur die Wahrheit, sondern raten auch zum Widerstand. Der ist nicht so kompliziert: In Europa sich für die Ukraine auch praktisch, d.h. ggf. militärisch einsetzen, und für die Rüstung und Kampfbereitschaft selbst zahlen. Haben wir ja bisher nicht wirklich gemacht. Rüstung ist sehr viel mehr als Militär, Kampfbereitschaft ebenso, beide sind auch gesellschaftlich, sozial, kulturell – und das wird kosten, das wird so teuer, dass unser Wohlstand auch darunter leidet. Wir werden nicht verarmen, aber unsere Lebensstandards werden nicht steigen, sondern stagnieren oder sinken. Wer soll denn unsere Rüstung gegen die Russen und ohne die USA bezahlen? Und dass wir Waffen eher in den USA kaufen als sie selbst herzustellen, ist sekundär in diesem Kontext.

Alternativen? Sagt doch, wie man Frieden aushandelt, wenn man nichts anzubieten hat als Geld und Unterwürfigkeit. Und das Geld…ach ja, da gibt es mehr als eine Geschichte nach 1945.

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Nein, ich nehme keine Kriegspartei an, sowenig wie flachen Pazifismus. Ich habe sogar Vorbilder in meiner Meinungsbildung, vor allem -aussage. Karl Kraus, Thomas Bernhard. Und was den Frieden angeht, sind sie alle Israelis: Oz, Shalev, Yehoshua, Horvilleur, Boehm, und andere und gegenwärtig vor allem David Grossman. „Frieden ist die einzige Option“, Hanser 2024. Nicht zitieren, lesen. Warum die Friedensdiskurse um Israel für mich so wichtig sind, hat mehrere Gründe, dass ich ein jüdischer Jude, bin ist nur einer davon. Wichtiger aber ist die Entwicklung bzw. das Auseinanderdriften der möglichen Kompromisspartner, die so aber die Voraussetzung für vertrauensvolle Friedensverhandlungen wären. Und da waren sie alle negativ von außen beteiligt, um von innen Unfrieden zu stabilisieren, die Westmächte, die USA, Russland, auch Deutschland….Wenn man Grossman liest, versteht man, wie sorgfältig nicht die scharfkantigen Abgrenzungen zu verhärten sind, sondern wo man die Übergänge findet, wenn es keine Realpolitik geben kann. Und für mich kommt dazu, dass ich den Juden Netanjahu eben als einen nichtjüdischen Faschisten mit seiner Kamarilla erkenne. Und wie er und Pmurt harmonieren und sich von einander abhängig machen ist eine Blaupause für Nitup und Pmurt, wobei letztere der Stärkere, ersterer der Klügere ist.

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Michael Roth hat heute (15.8.) unter anderem Josef Braml kritisiert und eine mutige, schwierige deutsche Position skizziert, die von uns mehr als nur Bekenntnisse zugunsten der Ukraine erfordert. Dass ausgerechnet Roth von seiner Partei eher ausgesondert wurde, ist kein Zufall. Noch hat die Wirklichkeit das Bewusstsein der meisten deutschen Politiker:Innen nicht wirklich erreicht.

Zur Logik gehört, dass man nicht binär vorgehen darf. wenn man gegen Nitup agiert, bedeutet das nicht, dass man automatisch für Pmurt sich unterwirft. Ich weiß schon, dass wir NATO-unterworfen sind, dass wir von starken US Ein- und Angriffen, aber auch Wirtschafts- und Kulturdiktaten abhängig sind, ABER das bedeutet ja nicht Bündnis. Selbst in der Gegnerschaft kann es Verträge geben. Dass wir auf mittlere Sicht unterlegen sind, wissen wir. Nur spricht niemand über die Folgen.

Mit Feinden gibt es kaum Verträge, obwohl selbst da: Geiselaustausch, Toten-Übergabe…..Mit Gegnern muss es Verträge geben können. Auch wenn Pmurt so stark ist, und wir in der gegenwärtigen Konstellation schwach sind, ist er nicht allmächtig und wir sind nicht ohnmächtig. Rütte darf kein Vorbild sein. Zur Demokratie gehört Resilienz – und nicht nur gegebenenfalls, sondern sicher auch Abstriche im sozioökonomischen Wohlstand.

Manche Beispiele – Ukraine? – sollten uns doch ermutigen. So, wie wir von Pmurt vertriebene Wissenschaftler:Innen aufnehmen, so müssen wir weiter und ausgreifend agieren. Unsere Kinder werden es uns danken, nein, eher unsere Enkel.

Trocken vor der Dürre

Es ist ein trockener Hochsommer, und wenn der Himmel blau ist oder leicht bewölkt, tröstet das die Bäume und Gärten nicht, die um ihr Überleben kämpfen. Noch tagelang kein Regen in Aussicht. Nicht so schlimm wie in Italien, Spanien und anderswo, aber schlimm genug.

Die Dürre, die sich abzeichnet ist nicht natürlich. Sie ist auch nicht politisch korrekt. Die bewohnbare Erde wird zunehmend unbewohnbar, weil ihre BewohnerInnen sich an ihr vergreifen. Politik sowieso, aber auch die einzelnen Menschen – die Begründungen halten fast nie stand. Klima ist der Rahmen.

Das Bild, das sich abzeichnet, tritt in den letzten Wochen und Monaten immer stärker hervor. Das Bild der Erde, die heute nicht mehr ganz die „Welt“ ist, umso eher greift ein künftiger 3. Weltkrieg über die Erde hinaus. Die Frage ist nicht abstrakt, ob die Umwelt der Selbstvernichtung großer Teile der Menschheit zuvorkommt, oder ob der Weltkrieg uns auslöscht, bevor wir richtige Maßnahmen gegen den Klimatod hätten treffen können (mit geringer Wahrscheinlichkeit, aber immerhin).

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Ich bleibe dabei. Das Modell ist 1984 von Orwell.

Drei große Mächte, USA, China, Russland stehen einander, atomwaffen-gerüstet, gegenüber. Wer meint, Trump sei weniger menschheitsgefährdend als Putin oder Xi, hat nichts verstanden oder nimmt nicht genug Wirklichkeit wahr. Die Gefolgschaften kriechen den jeweils unterwerfenden Diktatoren in die Abhängigkeiten. Dass das bei uns in der EU, in Deutschland, anders aussieht als in Nord-Korea mit Russland oder in asiatischen Ländern mit China, weiß ich auch, und eine Metapher unterliegt nicht der Realpolitik.

Aber bei UNS zum Beispiel: nur weil Meloni außenpolitisch die Ukraine unterstützt, kann Merz doch nicht an ihrer Innenpolitik vorbeisehen, die das demokratische und kulturell wichtige Land verzerrt, vor allem sozial. Oder bei UNS: die Kultur dreht nach rechts, weil der Rechtsstaat nicht stark genug ist, sie zu schützen. Das ist NOCH nicht so schlimm wie in den USA oder Israel (die gehören ja denen, zu denen wir gehören!).

So, wie vor dem morgigen Treffen der beiden Diktatoren in den Medien diskutiert wird, sind WIR noch sehr FREI, gut so. Aber was der NATO Sekretär Rutte sich beim Kriechen in den Trump erlaubt, zeigt nur, dass meine Eingangsthese stimmt. Wenn er sich durchsetzt, wird die Russenlinie gegen den Westen durch die Ukraine oder an ihrem Westrand gehen. Ich fürchte schlimmeres. Aber weiterhin: ich bin weder Experte noch spreche ich für politische Oppositionsstrukturen. Ich spreche für meine Kinder, Enkel, Freunde, und um hier nicht abseits zu geraten, informiere ich mich schon: bei Familie und Freunden in (und aus) den USA, Israel, der Politik hier und in Brüssel und….Und diese Information treibt mir oft den Schweiß an die Stirn, wenn ich unsere Staatspolitiker höre und ihre Gefolgschaften, und die Opposition von rechts und oft von links, die gegen die Demokratie und gegen den Frieden anreden.

Ich bin zu alt, als dass ich mich in die wirksame politische Stimme einschaltete. Ich denke, analysiere, schreibe, diskutiere, aber unterhalb der allgemein akzeptierten politischen Ebene.

Ein Sarkasmus: ich habe zweimal das Wort „Gefolgschaft“ verwendet, das ein Nazibegriff ist. Ich muss meine Ironie nicht rechtfertigen, aber ich muss doch lachen, dass der Plural „Gefolgschaften“ vom Computer als Rechtschreibfehler angezeigt wird….

Zurück zu den ersten Hauptthesen: WENN ich nicht recht habe, umso besser. WENN es aber stimmt, wenn die drei Diktaturen sich die Staatenwelt aufteilen, dann ist der Dritte Weltkrieg wahrscheinlich früher real als der Zusammenbruch der Umwelt (schaut euch nur die Verbrecher der Plastikkonferenz an…).

Das schreibe ich hier außerhalb der politischen Diskussionsrunden. Die haben die Verfassungsgerichtspleite, die Grenzdiktatur, die Sozialsystemschwäche usw. durchaus zum Thema, aber Merz und Spahn und Klöckner …. regieren nach Rechts in der Hoffnung, den Demokratieabfall zu überbrücken, bis es niemand mehr merkt. Dann sind wir allerdings dran – und in einer nahen Zukunft, die die soziale und kulturelle Verarmung wohl mit sich bringt. Ob das schon Teil des Kriegs oder sein Vorfeld, könnt ihr selbst bewerten. Nur: alternative Voraussicht möchte ich erst sehen, bevor ich Abstriche mache.

Erwartung und Hoffnung – enttäuscht und getäuscht?

Dass Erwartung und Hoffnung nicht dasselbe sind, wissen wir, hoffentlich. Früh in meinem Studium und später in meiner Arbeit habe ich das gelernt und immer wieder bin ich dagegen gerannt. (Manche wissen, dass das von Ernst Bloch kommt, „Prinzip Hoffnung“, aber man kann es auch so verarbeiten).

Heute, einen Tag nach der Rückkehr von Friedrich Merz überschlagen sich die Kommentare mit allgemeinem Lob für sein Verhalten gegenüber dem Diktator Trump – und mit teilweisem ironischer Kritik an all dem, was erwartet oder eben nicht erwartet worden ist, und was auch nicht herausgekommen ist aus dem Treffen in der vergoldeten Ovalschüssel.

Was hat man denn erwartet?

Gemessen an dem, was man Merz tatsächlich zuschreiben kann, war er erfolgreich, wurde nicht gedemütigt und nicht auf schmalem Grat gefährlich hochgehoben, alles in allem ein Erfolg, gemessen an dem, etc. Eine Schlaufe gedämpfter Erwartungen. Hat jemand gehofft, dass hier ein Durchbruch geschieht, dass Trump nach dem Mittagessen rational zu Russland, zu den Steuern, zur NATO, zur Wissenschaft, zur Kultur… herauskommt, dass alles in Ordnung gerät, was eine Katastrophe ist? Gleichzeitig hat die rechtsradikale Mehrheit des Obersten Gerichts die Zerstörung der persönlichen Identität von Millionen Sozialversicherten gebilligt (Trump und Musk haben das noch gemeinsam initiiert) und so geht die Zerstörung von Justiz und Sozialpolitik weiter. Was hat das mit Merz‘ Besuch zu tun? Wenig und viel. Natürlich war ihm dieses Thema auch klar, und da kann er wenig gesagt haben, will er die Intervention der Trumpisten in unsere Binnenstruktur abbremsen (Die AfD Vorliebe und das Revival von Nazigedanken in den USA passt nicht ganz zum Gedenken an die amerikanische Landung in Europa, aber was solls, Geschichte lernt man ohnedies hier wie dort immer weniger). Was also Merz bei sich behalten hatte, aus welchen Gründen auch immer, ist auf der positiven Seite des Besuchs. Und unserer Erwartungen?

Die Erwartungen an Merz können noch steigen, wenn man seine Lernfähigkeit positiv einschätzt (Gott, ist das arrogant!, aber wie anders soll man denn seinen wenig gebildeten Start in einige Hoffnung umdeuten?). Aber Hoffnungen in den Diktator Trump setzen, steht der Vasallenpolitik in der NATO und eigentlich auch in der bewaffneten EU nicht zu. Wollen wir uns davon befreien, wenigstens die Vasallität lockern, dann wird das Geld und ein anderes Bewusstsein kosten. Beides wird in unsere bisherigen Lebenspraxis eingreifen, und hier gibt es einen mehr als dialektischen Widerspruch. Wir wollen nicht aufrüsten, natürlich nicht, wir wollen Frieden für uns und andere. Dagegen spricht nicht nur die Förderung der Rüstungsindustrie, da sagen sie: aber was soll man denn anderes tun? Und dagegen spricht eine unmenschliche Familiennachzugsbarriere, eine Sozialpolitik, die peinliche Vorzüge der Deutschen vor anderen, echten Menschen sichtbar macht (Dobrindt ist nur Leitfigur der Unmenschlichkeit, da ist schon das sog. Volk auch mit in der Haftung, übrigens nicht nur Arier, asuch in den letzten Generationen zugezogene Ausländer. Und das nicht nur bei uns, in allen europäischen Ländern, schaut nach UK). Aber was spricht dafür? Ganz hart gesagt: unser Überleben, wenn Russland früher angreift als (ohnehin) erwartet. Man kann hoffen, dass das nicht so schnell geschieht, aber erwarten kann man es nicht. rational. Und man kann hoffen, dass unser Vasallenstatus nicht so schnell ausebbt.

Und das alles ist keine verdeckte Argumentation FÜR mehr Rüstung und GEGEN Verhandlungen für Frieden.

Denn Krieg und Frieden liegen nicht auf derselben rationalen Linie. Der Beginn und das Ende von Krieg hat andere Bedingungen als der Beginn und das Ende von Frieden. Hier kommt natürlich Politik ins Spiel, und da kann man nur HOFFEN, dass die Erwartungen an Merz und die Regierung sich richtig entwickeln. Aber da kommt auch unser persönlicher, privater, subjektiver Lebensumkreis, unsere LebensQUALITÄT ins Spiel, und deshalb müssen wir uns um die Spielregeln kümmern, solange wir eine Demokratie sind. wenn der europäische Faschismus voranschreitet, haben wir schon verloren. Und der schreitet ja voran und steht auch bei uns vor der Tür. Da hatte Merz recht, wenn er die AfD Freunde von Fox zurückweist. Aber Vorsicht, bis in die Regierung hinein gibt es auch bei uns genügend Demokratiefeinde, die darauf setzen, dass sie mit einer zerstörten kritischen Kultur besser durchregieren können als mit uns. Werch ein Illtum!

Stoßmich-Ziehdich NituPmurT

Kennt Ihr noch Hugh Loftings Geschichten des Veterinärs mit den besonderen Tieren? Dem Schwein Göbgöb, der Ente Dabdab und vielen anderen Tieren, aber vor allem der Ziege mit zwei Köpfen: Stoßmich-Ziehdich (https://de.wikipedia.org/wiki/Doktor_Dolittle_und_seine_Tiere).

Wenn man die Diktatoren Russlands und der USA genau betrachtet, kommt hier ein zweiköpfiges Monstrum zum Vorschein, bei dem die Parteinahme für den Einen automatisch eine für den Anderen einschließt. Die beiden Köpfe müssen sich ja nicht unbedingt vertragen, aber sie hängen an einander.

Dass wir Europäer in der Mehrzahl der Staaten an den USA hängen, und eine Minderheit eher in Russland hineinkriecht, ändert an der Beziehung der beiden Diktatoren zueinander nichts. Nur dass wir im „Westen“ vergangenheitsbezogen und eurozentriert mehr an den USA als an Russland hängen, unterscheidet uns weltpolitisch von der Gefolgschaft Russlands und/oder Chinas )die haben auch einen Kopf, aber nicht bei dieser Ziege). Es kann sein, dass diese Unterscheidung uns in die Position Karthagos zwischen dem zweiten und dritten Krieg versetzt, den zweiten haben wir noch überstanden, nach dem dritten gibt es uns nicht mehr. Dass wir noch immer meinen, mit unseresgleichen in den USA leichter zu verhandeln, zeigt, wie kalt wir den massenhaften Verletzungen der Menschenrechte, der Bürgerrechte, der Freiheiten in den USA gegenüberstehen, weil sie uns )noch nicht!) selbst massenhaft betreffen – naja, einige schon, Journalisten, Wirtschaftler, aber insgesamt glauben wir uns bei den USA besser aufgehoben. Unlogisch. Putin ist ein Feind, richtig, und nicht für uns kommunikationsfähig. Warum soll das für die USA nicht genauso gelten, oder sagen wir vorsichtig: Trump ist ein Gegner, mit dem wir uns arrangieren müssen, weil er uns dominiert und wir wirtschaftlich von ihm abhängen. Wirtschaftlich, nicht moralisch, nicht kulturell, nicht sozial. Stimmt das so?

Die Ukraine wird geopfert, wenn Europa nicht eingreift (muss nicht militärisch sein). Europa wird geopfert, wenn wir uns einseitig von den USA abhängig machen, obwohl wir das ja teilweise sind. Die Zwischenkorridore werden selbstverständlich verhandelt, mit uns als schwächerem Akteur. Aber hier taugt der Karthago-Vergleich nicht, denn Trump schwächt ähnlich wie Putin die zukunftsorientierten Denk- und Handlungsstrukturen seines Landes. Das müssen wir nicht mitmachen oder kopieren – Vorsicht: auch bei uns gibt es solche Kräfte, die Rechtsentwicklung nicht nur der Regierung, auch des Journalismus, ist ja ein Anzeichen.

Hinweis: nicht alles was „rechts“ ist, ist auch automatisch „faschistisch“, und nicht alles, was wirklich „faschistisch“ ist, ist automatisch nur rechts. Ulf Poschardt (WELT) z.B. ist ein rechter Gegner der Demokratie und Freiheit, aber kein Faschist.

Stoßmich-Ziehdich fordert uns heraus, die schwarz-weiß-Logik vielen Denkens zu revidieren. Sich von den einen demütigen zu lassen, um von den andern nicht gedemütigt zu werden, ist schnickschnack. Seltsam seltene Einsicht: mehrdimensionale politische Ethik ist kompliziert.

P.S. Dass wir Europäer uns lieber der Herrschaft der USA unterwerfen als der ehemaligen Sowjetunion, ist teilweise Idealisierung der Vergangenheit. Kapitalismus ist eben besser, – für uns. Weltweit?

Im Wiener Nachkrieg habe ich die Russen so gut wie die Amis erlebt – und? was sagt das HEUTE? Die uns von Hitler befreit hatten, sind heute nicht gegenwärtig und real. Dieses Zeitbewusstsein ist wichtig, und umso wichtiger, je kritischer…das unterscheidet z.B. Demokraten vom Nazifliegenschiss der Hitlerzeit.