„The crisis of democracy must find a democratic solution. Fortunately this is quite possible. The border between these two Americas is entirely open and on the Blue side, migrants are welcomed with all possible warmth“ (Marilynne Robinson, NYRB, 26.6.2025: „Notes from an Occupation“).
Das gilt für die USA – Einem Land unter gegenwärtiger Besatzung, „Occupation“. Und das gilt für Deutschland und die EU. Hier zerstört der rechte Flügel der konservativen Merz-Regierung in Windeseile nicht nur Umweltpolitik, auch die Menschenrechte. Der Kampf gegen die Migration ist menschenfeindlich, pragmatisch dumm (Grenzpolitik aus der Sandkiste) und demokratiefeindlich.
Lest über Seenotrettungsabsage der sogenannten Bundesregierung: SZ. 7.7.2025: Hilfe schadet nie.
Wir sind eine andere „Blue side“ als die US Demokraten, und vieles ist bei uns anders. Aber die Seite des Humanismus bleibt aufgeschlagen. Der Merzklub kämpft für die untere Mittelschicht UND die Oberschicht gegen die Armen und Marginalisierten in Deutschland. Und die Autonarren, Umweltignoranten, Wohlstandsstabilisierer ignorieren das, indem sie fiktive Alternativen propagieren, wie work-life-„Balance“. In der Balance liegt das Problem, weil das Gleichgewicht jeder Art immer der Gegner des Interesses jeder Art war und ist. Man macht seinen Job, klar, aber jenseits der Arbeitszeit ist Freizeit und Freiwilligkeit privates und nicht mehr öffentliches Unterfangen. Öffentlich heißt nicht staatlich, sondern über den Rand der eigenen Bedürfnisse hinaus.
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Widerstand. Keine Retroidealisierungen. Nicht nur lokal oder föderal demokratische Alternativen wählen, das auch. Handeln, als ob von der Mitwirkung der Erfolg abhinge, ob das humanitäre Spenden sind, wer sich das leisten kann, oder eben Mitwirkung, Praxis geht vor Koalitionskritik, oft. Gewaltlosigkeit muss man nicht predigen, man muss sie nur praktisch leben. Widerstand ist auch dann gewaltlos, wenn er auf Gewalt stößt. Was natürlich im Kleinsten der Fall ist, und auch im Großen. (Das ist übrigens die „Blaue“ Hoffnung der USA, jenseits und mit der Demokratischen Partei.
Widerstand können wir lernen und weiter entwickeln, wir haben ja das Potenzial. Ich erinnere mich an die eigenen Diskussionen, so 1975 bis 1980, im Studium und in der aufkommenden Politisierung. In dieser Memory spielt die Beziehung von Öffentlich und Privat, anders Öffentlich und Individuell, eine große, oft aus heutiger Sicht komische und überzogene Rolle. Aber die Diskussion dieser Beziehung hatte schon Folgen, Trennungen und „Beziehungen“ (aller Art, KörperGeistSeele), Und die Kritik an Institutionen hat langfristige Folgen nach sich gezogen, paradox natürlich in den politischen Sekten, und eine Demontage bis heute. Anders gesagt: auch wenn politische Parteien weiterhin für eine Demokratie wichtig ein können, sie bilden nicht das Rückgrat des demokratischen Widerstands., auch wenn sie Opposition sind oder an der Regierung mitwirken. Ironisch: so wenig wie Religionsgemeinschaften.
Wenn man mit guten Grund WIR und nicht ICH sagt – der Grund muss allerdings da sein und gut, dann können wir Widerstand anbieten, auch den Kleinbürgern und Kleingeistern, die uns bisher in die elitäre Höhe verbannt haben, um zu sehen, wie wir abstürzen.