Vor einem halben Jahr haben wir uns Karten für eine Monologdarstellung des Ferdinand von Schirach in der Berliner Philharmonie besorgt, in diesen Tagen hätten wir es wahrscheinlich ohnedies nicht getan. So waren wir unter den Hunderten im gut gefüllten Saal und schauten uns nach 90 Minuten fragend an, was das soll. Er führt sein neues Buch „Regen“ als Monolog selbst auf, aber nicht als Werbung, die braucht er nicht, sondern wohl als selbstbezügliches Kunstwerk. Naja. Gespaltenes Publikum, mäßiger Applaus, selten ein paar Lacher. Die Rezension lohnt eigentlich nicht, schade nur um den Abend, die Karten waren teuer, und ehrlich: so einen Text hätte man auch selber unter Zeitdruck am Tag zuvor zusammenschreiben können.
Tausend Themen, immer nur angetastet, nie ausgeführt, das geht schon, aber dann müssen Pointen, Winkelzüge, Fallen, Sackgassen drin sein und das Publikum animieren, weiterzudenken oder auch sich zu überschlagen. Kalauern wie beim Spott über den Rucksack in der Stadt, Berufskenntnis verbreiten, wie beim Leitfaden des Schöffen, dem Voreingenommenheit unterstellt wird in einem Mordprozess, und wieder Kalauern, Stadt statt statt.
Die Kritik von Holger Heimann, die ich nach der Aufführung gelesen habe, sagt schon fast alles. https://www.ndr.de/kultur/buch/tipps/Regen-Ferdinand-von-Schirachs-neues-Werk-nur-schwer-ertraeglich,vonschirach120.html . Aber etwas hält mich am Thema fest. Frühere Bücher des FvS waren ja lesbar, ich bewerte sie als „ganz gut“, und da war immer eine Brücke zwischen Fiktion und Wirklichkeit, die beim juristischen Umfeld ganz spannend ist. Der Monolog aber tut so, als ob eine wirkliche, ganz persönliche und existenzielle Botschaft in das scheinbar nur so dahin Geplauderte eingewoben werden sollte, hä? da ist aber nichts. Und man ertappt sich, dass mancher innere Monolog nur so tut, als ob er vor Publikum gehalten würde, – in Wirklichkeit bleibt er bei einem selbst, wird vielleicht noch meta- analysiert oder verworfen – und kehrt dorthin zurück, wo er hingehört: nicht ins Öffentliche, nicht ins Dargestellte, weil er eben auch nicht auf Reaktionen hoffen darf.
Und dann blitzte es plötzlich auf. David Grossmann, einer der großen und guten Israelischen Autoren, hat ein sehr schwieriges Buch geschrieben „Kommt ein Pferd in die Bar“ (Hanser 2016), Das hätte mehr als nur ein Vorbild sein können. Es ist im Lauf des Abends wieder zu mir gekommen. Auch gut.