Freitag, der 13. – Glück oder Malheur?

Der Aberglauben nimmt zu, weltweit. Aufgeklärte Vernunft macht Fehler und wird abgelegt. Nicht aufgeklärte Unvernunft ist falsch und wird bestens gehegt, damit sich unbegründete Macht leichter durchsetzt. Besonders am Freitag, dem 13.

Es gibt keine Waggon-Nummer 13, ist euch das aufgefallen? Man könnte ja in den Unglückswagen einsteigen und pünktlich am Unglücksort ankommen. Oder entgleisen…lieber im Waggon 12 oder 14. Wer am Freitag, dem 13., Aktien kauft, wird reich, oder geht pleite. Wer an diesem Tag einen Partner oder eine Partnerin kennenlernt, riskiert sein Lebensglück. Und glauben kann man heute sowieso niemanden. Ich finde aber das unheimliche Datum gut, weil es sichtbar und diskutierbar ist. Soviel Aberglauben lebt aktiv in den Winkeln der Seele und des Denkens, man wird erst darauf aufmerksam, wenn jemand mich darauf hinweist: an dem Tag, in der Konstellation, bei dieser Erscheinung – kein Wunder. Ob einzeln oder in der Gruppe, da ist schon was dran, weil man ja immer „die Anderen“ des Aberglaubens und der Zauberei verdächtigen kann – und sich selbst damit schuldfrei und verantwortungslos bleichen kann.

Schluss damit. Die Wirklichkeit ist selbst unheimlich, war es gestern und wird es morgen sein. Oft sind die Daten unheimlich, weil sich an ihnen neu ereignet oder gar wiederholt, was einmal in die Geschichte eingeschrieben und verfestigt ist. Ein typisches Datum ist der 9. November, bis heute. (Dazu habe ich 1996 geschrieben: „Schicksalstage der Geschichte werden gemacht“, in einem Oberstufenschulbuch, bei Cornelsen). Die Wiederholung von Daten, nicht von Ereignissen, wirft auch ein Licht auf die eigene Lebensdauer, so nebenbei. Und im Aberglaubenwinkel gibt es immer noch und immer wieder die Ahnung, dass da jemand mit den Daten hantiert. Und manche Daten bleiben im Gedächtnis haften, über die Generationen hinweg, sie werden „begangen“ oder heimlich über Texte und Berichte weitergegeben (als Kind habe ich Hitlers Geburtstag immer wieder gehört, 20. April, der gleiche Geburtstag von Bundespräsident Adolf Schärf war mir schon aufgefallen, auch anderen, aber das Hitlerdatum saß fest). Man kann da weit ausschweifen in die Kulturgeschichte der festen und der flexiblen Feiertage, und wer sie festgelegt oder aufgelassen hat, und was man diesen Tagen tut oder besser unterlässt…natürlich nützen Religionen und Staatsführer solche Daten besonders. Witzig sind die hunderten Inhaltszuweisungen zu Daten durch die Vereinten Nationen, da haben wir jeden Tag etwas zu bedenken, zu feiern oder uns abzuwenden. Na und? Noch in meiner Jugend waren Geburtstage und Namenstage wichtiger als heute, aber sie sind nach wie vor sehr relevant, da mag der Namenspatron oder die Patronin längst aus dem Verzeichnis gestrichen sein. Geburtstage hingegen stärken die Bürokratie…da haben wir es mit Freitag, dem 13., einfacher.

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Natürlich bewegt mich das nicht sehr, aber immerhin fällt es mir auf. Die Ordnungsmacht der Daten geschieht in jeder Gesellschaft anders, manchmal übergreifend, manchmal nur lokal und kleinsträumig, aber eigentlich geht es um die Gliederung unserer Lebenszeit und des Überdauerns von Staat und Macht. Aber das ist ja ernst und passt nicht zu Freitag, dem 13., an dem die Kartenleserin und Glaskugelexpertin auch ihre Aktivität haben, wer weiß?

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