KI und Faschismus…und, oder, mit, ohne…

Rainer Mühlhoff, Professor an der Universität Osnabrück, hat ein schmales Buch bei Reclam 2025 geschrieben „Künstliche Intelligenz und der neue Faschismus„. In den letzten Monaten habe ich viel über KI gelesen und gelernt, und Faschismus ist seit langem einer meiner kritischen Schwerpunkte. Umso mehr hat mich gefreut, wie konkret, kritisch, produktiv dieser schmale Band vor allem Interessierte informiert und aufklärt. Das wäre eine Empfehlung…

…und: so, wie Mühlhoff den Faschismus wahrnimmt und ereitert, ist das ungemein hilfreich, nicht nur weil er sich auf die Frankfurter Schule und auf Umberto Eco (1995/2020) bezieht, sondern weil er die Grundlagen des Faschismus auch erweitert: „…durch positive Verklärung und instrumentelle Aneignung moderner Technologie als Machtinstrument, in der sich das Bedürfnis widerspiegelt, sich selbst und andere zu entmenschlichen“ (S.119). Liest man erst die Beschreibung der gesellschaftlichen Wahrnehmung, Aufnahme, Verarbeitung der KI, dann wird es schon mulmig, wenn man die USamerikanische Realität konkret wahrnimmt: v.a. Kapitel 5. Und dass da nicht nur Elon Musk und seinesgleichen vorkommt, sondern auch Peter Thiel, sondern auch die umfassende Literatur der Entwicklung von KI und – des Faschismus, das ist schon wichtig zum Verständnis. Das letzte Kapitel heißt „Anders über KI-Technologie sprechen“ und der folgende Absatz ist wichtig:

„Und wir sollten uns bei alledem auch nicht zu sehr auf die Zukunft … versteifen.KI ist jetzt schon da und hat reale Auswirkungen auf Menschen weltweit: Soziale Ungleichheit, Manipulierbarkeit, Ausbeutung von Menschen und natürlichen Ressourcen, Erosion der Privatsphäre, Erosion der demokratischen Öffentlichkeiten, masswive Akkumulation von Macht und Kapital bei wenigen Akteuren“ (S. 146)

Man kann sowohl etwas für den anderen, demokratischen Umgang mit KI lernen, als auch wahrnehmen wie und inwiefern der Faschismus jetzt – jetzt schon und wieder – um sich greift und ein Instrument benutzt, das nur teilweise aus der historischen Faschismusrealität des 20. Jahrhunderts abgeleitet werden kann. Wenn man die USamerikanische Mehrzahl der verschiedenen rassistischen, ethnischen und technologischen Zukunftsvorstellungen genauer ansieht, dann hat man eine seltsame Assoziation: Brave New World von Aldous Huxley (1932) – da waren die Verzerrungen der Soziogenetik und viele der gegenwärtigen Herrschaftsansprüche – wie nicht nur im Buch beschrieben – schon präsent, nur viel weiter in die Zukunft projiziert als heute wirklich geworden ist. (Auch Julian Huxley wird im Buch erwähnt(Transhumanism 1957)…

Es gibt auch andere Zugänge zur Verbreitung des neueren Faschismus (den hat es ja nicht Jahrhundert lang gegeben, sondern erst im 20. Jhdt. – und er kann nicht rechts-links oder mittig definiert werden). Aber es gibt kaum so verständliche und auf die massenhafte Lebenspraxis abzielende Verbindung der „Künstlichen Intelligenz“ mit dem Faschismus.

Natürlich „muss“ man mit der KI nicht faschistoid umgehen, aber man sollte schon kritisch beobachten, was und wo KI bereits Verengungen von Kritik und Fantasie, von Freiheit und Selbstbestimmung anrichtet – Kapitel 3 und 4 des Buchs, aber auch unsere alltäglichen Diskurse zum Thema. Wenn KI positiv, d.h. demokratisch, genutzt serden soll, dann muss das nicht verbal, oberflächlich behauptet werden, sondern benötigt einen anderen Umgang. Das ist eine der schwieirgen Selbstbestimmungen nach der Einsicht in den Zusammenhang.

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Das ist keine Rezension, allenfalls eine Buchempfehlung. Aber selten in letzter Zeit habe ich eine so stringente Beziehung zwischen der KI und dem Faschismus wahrgenommen, und beide biedern sich ja ganz massiv an…

Vorsicht, Wirklichkeit

Befreiung aus mehr als einer Abhängigkeit…Gott, die Natur, Klima, Armut, Staaten…man kommt ja gar nicht den Listen nach, mit der man seine Freiheit erreichen möchte. Also runter von den großen Sonnen und Planeten, rein in die Wirklichkeit der ja auch noch nicht befreiten Hirne. Auch in Deutschland. der 0,7 Kanzler Merz will weniger für die EU tun, zusammen mit ähnlichen Demokratieskeptikern. Merz will auch nicht wirklich mit dem Koalitionspartner „regieren“, er will, dass sich etwas entwickelt, das er anstößt. Wenn da nur nicht die Menschen wären, die BürgerInnen, von denen fast die Hälfte sich als Volk begreift und negativ zu allem steht, was kommen könnte, wenn nur das, was ist, angeblich besser für das Volk wäre, wenn es nicht regiert würde, sondern angeführt.

Die Situation ist, zukunftsorientiert, schlecht, weil die Regierung den notwendigen Abstand zu den Bürgern nicht begreift, meint, sie müsse Volk aufs Maul schauen und möglichst zufriedene Reaktionen erzielen. Natürlich müsste sich viel geändert haben, im Sozialen, in der Bildung, im Verkehr, in der Bürokratie. Hat sich aber nicht, und in diesem Fall ist Vergangenheit doch keine Garantie für die Zukunft, siehe Rente, siehe Schule…da gibt es viel, was allgemein zur POLITIK gehört, und im besonderen Fall zur DEMOKRATIE oder, negativ, zur Überwältigung durch den FASCHISMUS. Die „Rechten“ trauen sich nicht einmal mit der AfD zum Ve4rfassungsgericht zu gehen, und die „Linken“ haben die Orientierung verloren, dass es keine „Mitte“ gibt, dass sie ein Politmythos war und ist. Und dass vieles, das in der Politik richtig ist, noch lange keine Wahrheit(en) darstellt, wenn es um Kommunikation, Lebensbeziehun-gen, Gerechtigkeit usw. geht. Das ist schwierig, ich weiß, weil viele sich an das, was für sie Wahrheit ist, anklammern. Aber wir leben nicht in der Welt der Religionen, Philosophien oder auch Zufälle, wir leben in der einzigen Wirklichkeit, die es gibt. Selbst, wenn wir uns vor ihr verstecken.

Das hat mehr mit der Politik zu tun, die eben nicht einfach die Spiegelung der Meinungen des Volkes sein darf (stellt euch vor: Todesstrafe als Volksmeinung oder …). Politik muss die Menschen in Freiheit zusammen-halten und nicht aufteilen, je nach Meinungsverteilung. Und dazu müssen Menschen legitimiert sein. Und dazu ist Demokratie besser geeignet als Faschismus, oder?

Natürlich muss man dazu den BürgerInnen schon deutlich machen, was der Preis ist, dass Wohlfahrt oder Bildung weiterentwickelt werden kann. Aber dazu hat man ja auch die Politik. Der Preis kann weniger Wohlstand sein oder auch eine Umordnung der persönlichen Lebensprioritäten. Und zwar nicht nur anderswo, bei den Ärmeren der 3. Welt oder bei den Nachbarn, sondern bei uns. Das ist gar nicht abstrakt. Auch das ist der Preis von Freiheit und Mündigkeit. Und das sollten die Vertreter der Politik auch anfordern.

Bin gespannt, wie man mit der Pflegeversicherung umgeht, oder mit der Rentenreform. Nicht, dass die BürgerInnen das letztlich zahlen müssen, wenn man es nicht gänzlich privatisiert, ist das Problem, sondern dass das Bewusstsein von Gerechtigkeit wirklich begründet werden muss. Dazu können die BürgerInnen durchaus etwas opfern, so wie sie Geld für die Änderung der Verteidigung und die Befreiung von den Abhängigkeiten auch werden zahlen müssen, nicht einfach sollen.

Eigentlich ist das alles „einfach“, trivial? banal? Aber darum geht es in der Demokratie auch: „Eigentlich“ durch Wirklichkeit zu ersetzen.

Menschen sind Widersprüche oder sind simpel – auch jüdische Menschen

Klingt philosophisch, ist aber realistisch. Als jüdischer Mensch muss ich die Augen offenhalten, hinhören. Erstmal: Menschen SIND vor allem, nicht sie HABEN von allem. Das heißt, Menschen können beides sein: klug und verbrecherisch, gut und dumm, oder über Kreuz. Dann: Klugheit verbietet nicht Amoral, und ein dummer Mensch kann trotzdem gut und gütig sein. Also Vorsicht mit der Alltagsphilosophie…

Der Anlass dieser Überlegungen ist eine Rezension, deren Autor eine kausale und logische Beziehung zwischen Roy Cohn und Donald Trump vorstellt: Fintan OToole (Irish): Devils in America (NYRB #15 2026) über Kai Bird u.a.: American Scoundrel…Es geht um Roy Cohn 1927-1986 und seinen Übergang in Donald Trump (*1946). Cohn hat in den Fünziger Jahren eine Kriminelle Regierungsarbeit u.a. für den Senator McCarthy begonnen und war berühmt bis zum Lebensende. Schwerpunkt: Antikom-munismus und Schwulenhatz, obwohl er selbst schwul war. Cohn hatte absurd viele Freunde, die ihn bewunderten oder von ihm erpresst wurden, Kardinal Spellman, Kardinal Cooke, Rupert Murdoch, Bianca Jagger, Carmine Galante, Estee Lauder und Nancy Reagan…Andy Warhol, Chuck Schumer…von Mafiabossen ganz zu schweigen. Er hat auch die demokratische Partei unterwandert und war alles, was kluge Kriminalität zusammenfasst. Das weiß man, ebenso, dass er das Ehepaar Rosenberg unter Bestechung eines hohen Richters zu Tode brachte, der Richter machte Karriere bis ganz oben. Das alles hat man schon vorher gewusst, aber nicht so genau, und was man kaum wahrgenommen hat, war der Einfluss Cohns auf Trump. Das allein ist für mich nicht zentral. Cohn war jüdisch, das wird selten in den Vordergrund gerückt, ebenso wie man das bei Epstein und anderen nicht offen erwähnt. Das ist für mich schon wichtig, weil das Jüdische entweder verborgen oder ausgegrenzt wird, aus Antisemitismus oder um nicht deshalb in Verdacht zu geraten. Ironisch nach Auschwitz: die überlebenden Juden müssten doch die besseren Menschen sein, oder?

In den USA scheint die Geschichte der WASP seit 60 Jahren zu Ende zu sein, White Anglo-Saxon Protestants (Vgl. W.A.S.P. – Wikipedia). Katholiken haben den rechtsradikalen Rand der Politik erreicht (J.D.Vance) und sind tief gespalten. Das sind die Juden auch, schon lange, und Israel und der 7.10. sind nur Auslöser einer vertieften Spaltung. Aber mir ist schon lange aufgefallen, dass jüdische Kriminelle in den USA und in Deutschland (!) anders behandelt und veröffentlicht werden als andere. Das ist so kompliziert, dass man es nicht einfach definieren kann, mache ich hier auch nicht. Aber Cohn war in jeder negativen Hinsicht herausragend, auch in seinen sozialen Verbindungen, dass man das rekonstruieren sollte, auch um Trump zu „verstehen“. Das macht schon Sinn.

Meine Titelüberschrift mag manche irritieren. Mich haben viele Beschreibungen jüdischer Menschen schon lange irritiert, es geht hier um jüdische Deutsche und nicht um deutsche Juden. Und da ist eine seltsame Ambivalenz bei der Be- und Verurteilung oder Pardonnierung von Juden, die dem mythischen Ideal nicht entsprechen (mir ist das schon früer bei Beschreibung und Bewertung von Fehlhandlungen beim Zentralrat oder im Frankfurter Bahnhofsmilieu aufgefallen, früher, und lange Zeit bei der Kennzeichnung von Netanjahu und anderen … ).

Darüber kann man nachdenken, Urteile fällen. ABER Trump lebt ja noch, er regiert, er ist nicht jüdisch, aber die teilweise Herkunft seiner Ideologie ist interessant, wenn man seine Aussagen zu und mit Roy Cohn und seine Handlungsschemata genauer betrachtet. Das hat nichts mit Judentum zu tun, auch das ist wichtig.

Deutscher Sonderfall: ungebildet

Wieder sagt die Statistik, was wir seit 40 Jahren WISSEN: DAS DEUTSCHE BILDUNGSSYSTEM; VOR ALLEM FÜR KLEINE UND GRÖßERE KINDER; IST ABSCHÜSSIG; ABGRÜNDIG; TEUER UND INHUMAN: Das sagt sich so leicht, und wenn man die schwachen bis unfähigen Regierungsmitglieder im Bildungs- und Wissenschaftswesen analysiert. Aber ich warne davor, BILDUNG als Kampffeld zwischen Parteien, Weltanschauungen und Politiken zu reduzieren. Ich behaupte, dass die DEUTSCHE Abwendung von guter Bildung gesellschaftlich, kulturell und sehr weit in der Geschichte verankert ist. Das ist angesichts von SpitzenwissenschaftlerInnen und dem Zuzuzug ausländischer Studierender und ProfessorInnen ein schlimmer Vorwurf, den ich rechtfertigen will, wenn ich das kann.

Warum ist das Schulsystem nach wie vor klassenorientiert, das bedeutet, dass sich die Oberschicht, vor allem die inländische, erfolgreicher reproduziert – nicht nur über das Gymnasium, sondern über eine bildungsorientierte Sozialisation und Erziehung, die man den unteren Schichten verweigert – von Kindergärten über Nachhilfe, ganztägiger intensiver Bildung, realitätsnahe und gesellschaftskritischen Inhalten etc. Über „Bildeung“ wird ideologisch – und nicht intensiv – diskutiert, aber Bildung, und Erziehung, und Sozialisation sind insgesamt in der Gesellschaft nicht so prioritär wie in anderen Gesellschaften. Das kann analysiert werden – wir haben ja genügend pädagogische Expertise, vor allem an Hochschulen, aber der gesellschaftliche Hintergrund, das Versagen an der Aufklärung, der Mutterkult langer Epochen, und die Unfähigkeit des Staates, die Gemeinsamkeit von Lehrenden und SchülerInnen im Rahmen sozialer und kultureller Allgemeinheit sind typisch deutsch, und das sollte man aufdecken (ich behaupte, man kann es erklären und einsehen, man könnte hier viel mehr wissen, aber es belastet das scheinbar so erfolgreiche Schichtmodell). Ja, es hat bessere und schlechtere Perioden des staatlichen Bildungssystems gegeben und seiner ideologischen Parallelsysteme. Aber all das erklärt nicht genau, warum Bildung von Kindern insgesamt in der Hierarchie der persönlichen, familiären, umgebungsrelevanten und gesellschaftlichen Prioritäten nicht so im Vordergrund steht. Wie etwa der Flugverkehr…lacht nicht, schaut euch die Argumente an, und auch die Presse und Medien dazu.. Jedenfalls seit der Mitte des 19. Jahrhunderts ist die soziale Durchlässigkeit, das Muster des bildunsgrelevanten „Aufstiegs“ aus den Schichten in Deutschland schlechter als anderswo, jedenfalls seit dem ersten Weltkrieg. Vergleicht es mit den Nachbarn Wien oder Frankreich, oder Estland und Skandinavien, nicht gleich mit Singapur und Japan. Man kann das erklären.

Nun keine Sorge. Ich schreibe hier nicht spontan eine „Bildungsgeschichte“, einiges habe ich früher versucht, aber eher im Hochschulbereich – Die Wiederherstellung der Hochschule, Köln 1993, Heinrich Böll Stiftung. Damals sind etliche, „Reformmodelle“ aufgebracht worden, andere als meine, vielleicht bessere, aber wenige haben sich mit der Wiederherstellung befasst, und wir alle haben den Sprung zu den Säuglingen, den Kleinkindern und Kindergärten, den Grundschulen vernachlässigt, und dort geht es eben nicht nur um Bildung und Erziehung, sondern um eine Sozialisation außerhalb der Familie und mit ihr. Und DAS muss bedacht und erklärt werden. Heute kann man ein Interview lesen, mit Aladin El-Mafaastani „Es braucht einen echten Kulturwandel“ (SZ 19./20.9.2026 im Interview).

Also: wir können erklären und verstehen, warum es keine wirklich gute und wirkungsvolle Bildungspolitik gibt. Partei- und institutionsübergreifend. Aber warum steht die Gesellschaft da nicht vehement dahinter, anders als beim Tankrabatt?

In den besten Schulsystemen der Welt, in reicheren und ärmeren Ländern, ist das nicht nur eine finanzielle Antwort auf die Bedürfnisse des Bildungssystems, auch nicht nur elterlich, mütterlich vor allem, aber doch: das zählt!, jenseits der Abgabe von Kindern an den „Staat“. Und Vorsicht: das ist nicht die völkische Antwort der AfD auf diese und ihre Interessen, sondern, verkürzt: ihr Gegenteil. Dieser Diskussion möchte ich (wieder, teilweise) erleben. Denn ohne Gesellschaft geht die Sozialisation nicht, auch nicht innerhalb der Mauern vorbestimmter klassen-, schicht-, ethnie- und finanz-orientierter Einpassungen. Das Glück von Kindern hängt schon auch vom Glück der Eltern ab, sich darum nicht ausschließlich, aber mit Vorrang zu kümmern. Aber ich sage hier deutlich „auch“.

Ich werde keine Bildungsgeschichte verfassen, ich werde auch nicht Bildungspolitik mit der Sozialpolitik verbinden, das ist für mich auch erfahrungsgemäß um Jahrzehnte passé. Aber ich will ausdrücklich auf die ethnischen, ethnologischen und sozialen Begründungen des deutschen Debakels erinnern. Und natürlich sollte gerade hier die Kritik an der Regierung und den unterschiedlich betroffenen Parteien (Da gibt es schon auch Reformen) nicht ausbleiben, aber wir müssen schon auf die Gesellschaft und ihre Geschichte verweisen, also auch auf uns im weiteren Sinn.

Ich weiß, dass es viele gute LehrerInnen und beteiligte Eltern und soziale Hilfen für Schülerinnen und Schüler gibt. Aber warum das alles weniger wirkt als anderswo, hat mit diesen Ausnahmen nicht so viel zu tun wie mit der Frage, wie wichtig Bildung und Sozialisation ab der Geburt sind. Das kann man philosophisch beantworten, eher egal, oder psychologisch, soziologisch (eher wichtiger). Aber vor allem der Abbau der klassen- und schichtspezifischen Schranken vor den Möglichkeiten gerechter und gleichberechtigter Bildung vom frühen Zeitpunkt an ist das, was der Gesellschaft im Bewusstsein fehlt.

Berge und Glück

Wenn man drei Tage lang auf bekannten und neuen Wegen stundenlang die Berge hinauf und hinuntersteigt, wenn ungetrübter Himmel den seltenen Fön vom Alpenhauptkamm bläst, wenn Unterkunft und Nahrung optimal sind, wenn also die Freizeit den Ablauf der Lebensuhr dominiert, was sollte man dann von sich geben, das andere interessiert. Man kann sie ablenken wollen oder einen optimistischen Blick jenseits der Realität suggerieren oder heimlich dazu führen, dass man doch über die politische Unwetterfront kommentiert…Aber das muss nicht sein, Diagnose und Kommentar brauchen Zeit, und also steige ich weiter auf die Almen und Berge. Ich könnte das Bild auch im 2. Satz anders komponieren.

Zum achten Mal im Ahrntal in Südtirol, einem wirklich schönen Ort direkt am Alpenhauptkamm und mit einer beachtlichen postfaschistischen Geschichte. Davon hatte ich schon viel geschrieben, also zum jüngsten Detail der Orte: die meisten leiden untern einer seltenen Trockenheit, das kann man beim Wandern hautnah erfahren, man steigt auf andere Böden. Einige der Wildwasser sind völlig trocken, andere führen wieder, aber wenig Wasser. Die Frage nach den Wasserleitungen aus dem Tal, früher schon gestellt, ist aktuell. Das Thema wird weiter aktuell bleiben, die meisten Gletscher, die ich hier kenne, sind nur mehr Erinnerung oder kleine weiße Flecken. Die Berge sind auch eisfrei schön, aber das Wasser…und manche der ja talbedeutenden Wälder sind schon wirklich krank, mit großen grauen Wunden…die Pros und Contras eines überbordenden Tourismus konnte man hier früh diskutieren, es ist ruhiger geworden, ob die beiden Skigebiete es noch eine Saison oder mehr ertragen, kann ich nicht vorhersagen, Unwetter haben viele Ernten zerstört, und wiese Wirklichkeit ist auch ein Thema bei den Wirtsleuten, die ich schon sehr schätze. Das Tal wurde vor längerem zu sehr bebaut, das ruht jetzt etwas, immerhin.

Und man könnte über Südtirol und Italien und Tirol und Österreich politisch reflektieren, wie überwiegend gut ein politisch einmaliges Vorgehen ansonsten typische Kriegsfolgen umgekehrt hat. Die beiden Präsidenten von Italien und Österreich wurden historisch geehrt. Das ist gut so, sie sind in beiden Ländern eher Leuchttürme der Demokratie in mitten einer abweisenden Politikentwicklung. Dazu kann man lesen, sollte man…

Heute geht es wieder auf eine hochgelegene Alm, und vielleicht bleibt das Wetter, ich kenne die Berge auch schon von tagelangem Regen in besseren klimatischen Zeiten, das kann auch gut sein. Werte Leserinnen und Leser, ich lasse mich nicht zu politischen Kommentaren animieren, nicht zu Deutschland jedenfalls, und zur Welt, die ja fasziniert auf das Bundesland und seine Wahlergebnisse schaut. Ich muss das gar nicht begründen, will es aber deutlich sagen: schon vorher wusste ich, dass ich jetzt über die Erklärungen nachdenken muss, die vorher eine Handvoll Optionen waren und jetzt sehr eng aneinander das Land weiter treiben. Wie auch immer es sich entwickelt, die Frage ist doch auch, wie wir Demokraten mit der Situation umgehen, wie auch immer ihre Form sein wird. Wir Demokratinnen und Demokraten sind gefragt, von der Wirklichkeit, und nicht von den Stimmungen der Faschisten.

Dazu kann man auch in Italien einiges lernen, nicht nur gutes, aber schon der Schritt aus der deutschen Enge ist etwas gutes. Auf gehts!

P.S. Das ist wirklich ein Tal des besten Graukäses, den man sich vorstellen kann. Graukäse ist gar nicht immer grau.

Vorschau ist kein Nachtreten

Über die kommenden Wahlen und das mögliche Nach-Denken habe ich schon geschrieben. In den letzten Tagen ist so viel Vorbereitung fast aller Parteien, PolitikerInnen und Trittbrettler geschehen, dass das Verstehen der AfD fast zur Normalisierung ihrer ubiquitären Präsenz wird. Deshalb bitte: Lest meine letzten Posts, ich melde mich zu den Wahlergebnissen bald danach, aber nicht gleich anschließend. Das überlasse ich den Trittbrettlern. Dass es mit Deutschland auch anderswie nicht gerade gut geht, wissen wir. Jetzt ist einmal wieder die Rente dran, und vor allem die Pflegeversicherung. Alles ist dabei so heruntergesetzt zu werden, dass in Deutschland endlich wieder staatlich organisierte ARMUT geben wird. Abgesehen davon, dass 48% Rente schon als solche eine menschenverachtende niedrige Gemeinheit ist. Es wird auch in den Medien darauf hingewiesen, dass einiges in Skandinavien oder Österreich besser läuft, aber wie und warum und seit wann, wird hier natürlich verdeckt. Aber weil es doch dem Land soooo gut geht, wird öffentlich kaum wirklich kritisiert, was die Zukunft noch einmal beschränkt, zusätzlich zur heißen Umwelt. Der 0,7 Regierung ist (noch) nicht klar, dass es um ihren Stammtisch gar nicht geht, sondern um die nächsten und übernächsten Generationen.

Dass sich die Felsen im Hochgebirge lockern, dass die Gletscher abbrechen, dass kein Tal mehr sicher ist, verschlammt und zugeröllt zu werden, nicht nur in Nepal, oder Grand Canyon, auch in den Alpen (heute im Netz: Verheerende Sturzflut – welche Risiken bergen die Alpen?) – die Pasterze ist zerrissen und andere Gletscher zerfallen oder sind verschwunden, das weiß man. Aber was folgt daraus, wenn es nicht mehr genug Wasser gibt, für alle und alles? Diese Regierung ist zu eng, sie hat zu wenig realistische Vorstellungen, wie der Abstieg der europäischen Gesellschaften einen verdorrten und stumpfen Kontinent erzeugen wird, in den nächsten Generationen, wenn die Schuldigen längst mehr oder weniger feierlich begraben sind, und es für die Faschisten, incl. AfD, gar keine wirkliche Gegenwart mehr gibt. Denn die Faschisten können nur die schlichteren und anfälligen Gemüter, gebildet oder nicht erreichen, wenn ihr Gegenwarts-schwachsinn an unseren Zukunftshoffnungen und Erkunden sich abreibt. Nichts gegen das Jetzt, aber alle dagegen, dass nur eine Vergangenheit erlogen wird, damit es keine wirkliche Zukunft zu geben braucht. In allen Demokratien arbeiten die Faschisten daran, das sogenannte „Volk“ aus den Angeln zu heben, scheinbar mit Herrschaft über Freizeit und Gemüt, scheinbar mit simplen Lösungen für komplexe Probleme. In den Altersheimen und Kindergärten der AfD wird es keine Dienstleistung geben, nur die Parteioberschicht wird sich weiter bedienen lassen, aber dann ist es zu spät. Das war schon einmal so. Nicht nur in Deutschland.

Zwischenbemerkung: am 18. Juli 2026 hat Bert Rebhandl im Standard (Wien) eine Rezension der wichtigsten deutschen Reflexionen auf die Gegenwart geschrieben, unter dem Titel: „Vorwärts in die Vergangenheit“. Der Essay ist Vorfeld zum 20. Juli geschrieben (!). Noch vor dem Eingang in die rezensierten Texte schreibt er: „Im Banne der Umfragen, die für die AfD schon lange relative Mehrheiten ausweisen, ist Deutschland zu einem Land geworden, das sich nach seiner Vergangenheit sehnt“. Mehr Bedeutungen sind fast nicht möglich…und es eght um Deutschland und nicht um die östlichen Bundesländer.

Aber am meisten (be)kümmert mich, worin und wie die Demokratie reagiert außer dass sie ablehnend den Faschismus ausgrenzt. Was wir wissen, sollte allen, allen Menschen klar sein: Faschismus ist keine Partei, er ist eine Bewegung, und er ist nicht einfach rechts, er kann auch links oder mittig, religiös oder national sich gerieren. Ich denke immer, dass man mit Elias Canetti oder Umberto Eco und anderen das nicht nur begreifen, sondern auch belegen kann, und immer aktualisieren muss. Das hißt, man muss bei sich, bei uns, mit uns, anfangen, und sich nicht durch die Bewegung der menschlichen Gegner eingrenzen (lassen). Ironisch: Faschismus zu diskutieren und abzulehnen, reicht nicht. Demokratie zu diskutieren und weiterzuentwickeln, reicht auch nicht, ist aber die Voraussetzung, dass wir uns human weiterentwickeln, d.h. auch politisch, moralisch und kulturell. Was reicht denn dann? Nie etwas ganz. Aber überlegt, wie sich unsere Gesellschaft und Demokratie entwickeln und verändern würde, könnten wir nur die ökologischen Maßnahmen bei uns und anderswo weiter entwickeln….Die Kompromisse innerhalb der Demokratie sind auch nicht einfach. Das wissen wir, das wisst ihr. Aber Kompromisse mit den Faschisten, wird ja lokal schon diskutiert, sind etwas ganz anderes.

Ein letztes: wenn ich von Faschismus rede und schreibe, fällt mir immer auf, dass die Deutschen und Teile der Österreicher den Begriff immer aus den Jahren der Hrrschaft der NSDAP ableiten. Faschismus war immer breiter und vielfältiger und widersprüchlicher als die grauenvolle Sonderentwicklung der NSDAP. Die war aber dem Faschismus SO nicht eingezeichnet. Faschisten haben Parteien, wenn, dann immer benutzt, um ihre Bewegungen abzusichern. Man muss, oder: sollte, die Geschichte genauer sich aneignen, um die Differenzen der faschistischen BewegungEN und die möglichen sinnvollen Oppositionen durch und in den Demokratien zu begreifen. Was wir haben, und die Faschisten nicht: Hoffnung

Keine Angst

Auch ein Trostpflaster: wartet einmal ab, OB die AfD überhaupt an die Regierung kommt, und WENN, dann wartet mal ab, WIE sie regieren möchte, und wenn ihr dann weiterhin gegen sie seid, dann rüstet zum WIDERSTAND. Wenn man das Pflaster auf seine Sommersprossen klebt, verkleinert sich die AfD zu einem Pünktchen im Großhirn.

Ich schreibe jetzt nicht gegen oder zur AfD, und ihr konntet schon vorgestern lesen, was ich unter welchen Umständen erwarte, vor allem an Fragen…und natürlich an unserer Haltung. Ich schreibe von allen möglichen „Außen“, und weiß gar nicht recht, wer „(dr)innen“ ist. Die Diskussion um die schlechte Politik während der richtigen Vereinigung von BRD und DDR kann ja historisch Sinn machen, aber so wie sie geführt wird, erinnert sie mich an den den Kampf der weißen gegen die schwarzen Magier. Also überblättern. Ich schreibe lieber zum – Herbst.

Wann ist denn Herbst? Ausnahmsweise keine Rilkegedichte, keine Ölbilder gelber Ahornblätter über braunem Grund, keine Musik mit Datumsgabe in a-moll, keine melancholischen Familienromane, die zu Ende gehen. Mir geht es um die JAHRESZEIT, um gesternheutemorgen. Ich merke den Herbst unter anderem daran, dass es immer dunkler wird, wenn ich um 21.30 mit dem Hund den Häuserblock gehe, dass die halbstarken Laternen wieder leuchten, dass die erste Blätterabsammlung schon erfolgt ist, aber vor allem: die Luft ist anders, sie riecht nach anderen Sonnenunter-gängen und Sternhimmeln. Schon wieder werden Gewitter angekündigt, die uns über die trockene Hitze trösten sollen (peinliche Unehrlichkeit), während wir vielleicht das letzte Mal Bäume und Sträucher sehen, die noch ein dürres Jahr nicht übersehen. Warum ich darüber nachdenke und schreibe? Kluge Leute haben über die Umweltschäden der laufenden Kriege, v.a. Russland gegen die Ukraine, Sudan, USA und Israel gegen Iran und die Golfstaaten nachgedacht, beobachtet – alle haben sie prognostiziert, dass diese Kriege der Erderwörmung und dem Naturzerfall noch mehr Vorschubleisten als schlechte Umweltpolitik subnormaler Regierungen. Ich sagte: Kluge Leute. Leider haben sie die Menschen der Gesellschaft nicht erreicht, – und wenn dann El Nino oder das nepalesische Erdbeben und ein Felsabbruch in den Alpen zusätzlich die Lebenszeit des homo sapiens verkürzen, fällt das den so erträglichen Menschen gar nicht mehr auf. Nun mache ich gerade daraus kein melancholisches Zukunftsszenario. Die Umweltkatastrophen kommen früh genug, für die Politik unserer Kinder und Enkel, dass unsere Versäumnisse nicht weiter anwachsen (ob sie noch einmal geheilt werden? eher nein, bei 2,0° C bald, und 3,0° C noch vor der Jahrhundertwende, und unumkehrbar wird es so weiter gehen). Nein, mir geht es um etwas anderes. Wenn das Ende, der Absturz, der kollektive und nicht individuelle Tod ansteht, also das Sterben einer evolutionären Gattung, – muss man dann die Überlebenszeit so mit Robotern und KI und Blogs kompensieren? Paradoxe Antwort: ja. So hat man immer reagiert, wenn die bisherige Sozioökonomie abgestorben ist. Aber das heißt natürlich, dass die Überbrückung hin zum gesellschaftlichen Tod noch nichts sagt, ob und wie man das Sterben für die Mehrzahl der Menschen erträglich macht, wir sind ja keine Lemminge oder Pinguine. Keine Frage der Philosophie. Hitzeschutz macht das Altern erträglicher, oder? Das Ausblenden des Absterbens des homo sapiens, aufzuhalten, ist kaum möglich, ist unwahrscheinlich; es zu ignorieren ist so ziemlich ident mit der Umweltpolitik der Wirtschaftswachstumsregierungen, auch unserer 0,7 Truppe. Klingt grausig, ist aber realistisch. Und: wir müssen darin und darum ja weiterleben, wir sind eben keine Lemminge. Ihr fragt nochmal, warum ich das schreibe? Oben steht, was politisch und moralisch ansteht. Jetzt mit Umwelt statt mit alternativen Politiken zu reagieren, verändert erstmal uns und dann natürlich schon die Umwelt. Dass wir da abnehmen, individuell, an Körper, Bewegungsmöglichkeiten, Globalerfahrung, dass wir ärmer werden (müssen, nicht strategisch sollen), gehört leider zum Abbau des evolutionären Astes von homo sapiens, an dem wir ja sägen. Was heißt wir? Natürlich Trum, Putin, Xi und andere Diktatoren mehr als wir gerade, wir einzelne? Natürlich Zuckerberg, Gates, die Technos etc. und andere Wirtschaftsdiktatoren, natürlich auch ideologische und religiöse Strömungen, die unsere Ufer zerstören. ABER wäre das so anders, wenn die nicht uns zu kleinen Hilfsarmeen reduzierten? Ja, es wäre anders, aber nicht bei den vielen Dingen, die wir ändern müssen. Machen wir es richtig, haben die eine politische Oberfläche, und die müssen wir auch polieren, nicht nur unser moralisches Selbstbewusstsein.

Naja, ich gehe jetzt in den Herbst. Der ist noch nicht das Ende, über das ich nicht schreibe.

Ausweglos? Trump oder unser Absturz.

Nach wie vor: keine Untergangsstimmung oder Endzeit; auch keine konkrete Aussicht auf US Politik nach dem Ende von Trump. Aber leider auch kein Ausweichen der Tatsache, dass Trump im Zentrum der Weltpolitik nsteht, ob nun die USA langfristig schwächer werden oder ob China sie ersetzt.

Mark Danner, Berkeley, bekannt als kritischer Pädagoge, rezensiert eine wichtige Zusammenfassung NYRB #13/2026): Maggie Haberman und Jonathan Swan, beide Redakteure der NYT, schreiben: Regime Change. Inside the Imperial Presidency of Donald Trump. (Simon and Schuster 2026).

Nicht nur ich sammeln Presse und Analysen zu den Herrschaftsformen von Diktatoren, Putin, Xi, Trump…und, das ist wichtig, ihren untergebenen Politikern. Viele, in den US und weltweit, sind politisch und kulturell Trumpisten, ob sie es wollen oder nicht. Von ihnen wiederum sind viele kriminell – oder, wie in den USA, unterwürfig zu Trump zurückgekrochen – das kostete sie 1,9 Mrd. $ (nur Börsenchefs) an Spenden. Aber das ist nur die Oberfläche: die diktatorische Exekutive wird allenfalls am Rand durch die Justiz und kaum durch den Kongress, eher durch einige Staaten in ihrer Legislative – begrenzt oder bedrückt. Entscheidend ist, dass die Lüge des Diktators inländisch und international als Machtmittel und nicht als Lüge wahrgenommen werden will. Also, dass ein großer Teil des Volks dahinter steht – des Volks, nicht einfach der Bürgerinnen und Bürger. Darüber muss man in der Diktatur nachdenken, nicht nur in den USA.

Nun, die Informationen sind interessant, epinlich, und gut zugänglich. Auch bei uns. Aber es sollte uns interessieren, in welchen Bereichen wir dem Trumpismus uns unterwerfen, nicht nur in den Geldtransfers weltweit, nicht nur im IT Bereich. Wie die Wissenschaft degradiert oder entstellt wird, wie die Entwicklungspolitik auch bei uns heruntergefahren wird, – das sind auch Folgen von Trumps Politik, nicht nur. Ich denke dabei an die nächste Generation, der viel mehr Bildung entzogen wird, als wir erwerben durften – und konnten, weil u.a. die USA eine Nachkriegspolitik machten, nicht nur zu unseren, auch zu ihren Gunsten, nicht nur fehler- und moralfrei, aber erträglich, verhandelbar und vor allem kommuniziert. Das geht heute kaum mehr.

Regime Change braucht Hilfskräfte und Unterstützer, weltweit. Wir sind Teil davon. Wir werden uns nicht etwas von den USA befreien, wenn wir weiter an der Festung Europa, an den Grenzvergehen des rechten Regierungsflügels, an dem Sozialabbau der unteren Schichten bauen. Und natürlich sind andere Diktaturen auch keine Alternative, unterzukriechen. Zu diesem Thema sollten wir immer und immer wieder die individuellen Schicksale auch studieren, Schicksale der Flüchtlinge, der Asylanten, der Armen schlicht – nicht Statistiken, sondern Lebensläufe.

Das hat viel mit unserer innenpolitischen Realität, mit den nächsten Wahlen, mit dem Widerstand gegen eine Exekutive der Eindämmungen zu tun, aber auch mit der selbstkritischen Wahrnehmung unserer Freiheiten, die oft nur wohlständisch, aber nicht gerecht sind. Das trifft viele von uns, immer wieder. Es baut uns nicht ab.

Rechts ist nicht neu. Aber anderes auch nicht….

Die letzten Tage haben viel politpsychologische Abdeckungen zerrissen oder löchrig gemacht. Das zeigt sich in der Sprache und Kommunikation, wenn die Zuständigen und die (angeblich oder echten) Sachverständigen, Zuständigen, über Trump, über Netanjahu und Ben Gvir, über Putin, über unsere Struktur- und Bildungsschwächen öffentlich sprechen oder Schweigekulissen aufbauen. Ich bin Frau Knobloch wirklich dankbar für ihren Vergleich der AfD mit der NSDAP (aus vielen Journalen: Knobloch über AfD und NSDAP: „Vergleichen sollte man“). Sie war innerhalb des deutschen Judentums nicht mein Idol, umso wichtiger, was uns zusammenfasst: Erkenntnis der Wirklichkeit, nicht abgedämpfte Vorsicht vor falscher Kritik. Was also die Knobloch gestern sagte, was Stephan J. Kramer heute im DLF von sich gab, das ist wichtig – wenn der Faschismus droht, hat Abwägen eine ambivalente Bedeutung. „Bundespolitik: Knobloch: „Bei AfD-Regierungsübernahme in Sachsen-Anhalt werden Juden auswandern““, das sagt sie heute (21.8.) muss man nachdenken. Wohin sollen sie auswandern? Ernsthaft.

Aber weiter: was bei uns ist, ist nicht nur bei uns.

Ein gut gemeinter Artikel geht daneben: „Israel. Eine Verteidigung“ von Jan Ross (ZEIT #36, 20.8.2026) wendet sich gegen ungerechte Kritik oder Verurteilung Israels, aber shon im Untertitel wendet er sich gegen die deutsche Unterstellung, Israel sei ein „Schurkenstaat“. Das sagenn nun wirklich nicht die meisten Kritiker, sondern es geht um den Abbau einer wichtigen Demokratie in Nahost, um grausame und unmenschliche Handlungen im Gaza, und um die faktische Abkehr von jeglicher Zweistaatenlösung. Aber eben nicht „Schurken“, sondern teilweise Faschisten, teilweise US Untergebene, teilweise aber auch eine rechtsgerichtete Entwicklung der Bevölkerung, an der sicher auch die Palästinenser ihren Anteil haben – aber eben nur einen Anteil. Hätte Ross doch etwas mehr Geschichte eingebracht, und sich nicht nur auf Schlomo Ben-Ami beziehen, da gibt es auch andere Diplomaten, die anders kritisch zu Netanjahu stehen, es gibt Literatur und Kunst…und, da hätte Ross recht, eben eine immer fester verbunkerte Position der Verteidigung Israels gegen die herausgehobene Besonderheit dieses Landes – das muss mann aber historisch und systematisch beschreiben, sonst verstehen nur wir es, aber nicht die Gegner Israels und die Antisemiten. Naja, Ross steht nicht im Zentrum von Kritik.

Ich will auf etwas anderes hinaus: Kritik an Israel muss sich entscheiden: politisch, ökonomisch, militärisch – wie an jedem anderen zu Recht kritisierten Staat, ODER an der Besonderheit des Verhältnisses von Juden (ethnisch) zu jüdisch (ethisch, sozial, kulturell), mit der besonderen Verbindung der beiden durch die Religion. (Weil Israel so alt ist, und die Religion sehr früh andere gesellschaftliche Strukturen als anderswo beeinflusst hatte. Es gibt auch einige andere Beispiele dieser Art, aber die kennt in Europa niemand). In beiden Fällen muss man Geschichte und Struktur erkennbar und erklärbar machen. Und man muss deutlich machen, welche Mächte (nicht einfach: Personen) in den letzten 120 Jahren in Palästina bzw. ab 1948 Israel eingegriffen haben, und weshalb und wie, und wie sich das demokratische Israel, mehr oder weniger erfolgreich, diese Eingriffe bewältigt, bis heute. Dann muss man über dieses Land denken und sprechen, über die jüdische und die anderen Bevölkerungen, Einwanderungen, religiöse und soziale Hintergründe etc.

Hier schließt sich der Kreis zum Anfang.

Erfahrungen: * 2009 wählte ein berühmter, auch in Europa bekannter Philosoph und Psychologe, Netanjahu, weil ihm die „Doppelmoral“ der Zionisten auf die Nerven ging – er hat das zwar bereut, aber immerhin…* In den 90er Jahren und Anfang des 21. Jhdts. erlebte ich das Kulturleben, vor allem Kunst, Cinema, Diskussionen in Tel Aviv so vielfältig wie komplex: aber ich konnte und kann bis heute nicht genau sagen, wer damals wie „jüdisch“ bzw. nicht-jüdisch war – auf die Genauigkeit kommt es den Antisemiten in diesem Punkt an…*jetzt könnte ich ganz viele Beispiele angeben, auch seitenweise Literatur. Mache ich natürlich hier nicht. Aber, da hätte Jan Ross tiefer einsteigen sollen, ohne die Verarbeitung der Geschichte empirisch, nicht illusionär – der letzten 12 Jahrzehnte kann man Israel nicht verstehen und seine Vorgeschichte. Und die Geschichte der anderen ethnischen Gruppen, nicht nur der Palästinenser, sollte man auch im Kontext so weit kennen, dass man die jüdische (Re)aktion jeweils versteht. Nicht ganz angenehm aus europäischer, aus deutscher Sicht, aber doch auch ertrag- und hoffnungsreich.

Ich hätte nach dem ersten Absatz nicht über Israel denken und schreiben müssen. Ich hätte viele Länder und Politiken heranziehen können. Aber das ist eben ein Gewicht, das auch auf mein Leben drückt…

Rechts, oft faschistisch, real

Es ist natürlich, dass sich vernünftige Menschen gegen die Aussagen und Handlungen des Faschisten Ben Gvir wenden. Es geht nicht anders. Aber nicht jeder rechtsradikale ist ein Faschist, und nicht jeder Rechte ist rechtsradikal.

Die Frage in Deutschland ist schon wichtig, wo Dobrindt steht. „Psychische Auffälligkeiten sind kein Grund für einen Abschiebestopp. Kriegs- und Fluchterlebnisse werden immer wieder auch vorgetragen, das kann oft der Realität entsprechen. Aber überspitzt formuliert: Deutschland kann nicht zuständig sein für alle Traumatisierten auf der Welt. Auch diese Erkenntnis ist in unserer Gesellschaft inzwischen angekommen.“ (Merkur 19.8.26). Überspitzt ist nicht formuliert allein, sondern das rechtslastige Bewusstsein der Deutschen Minderheit. Nun ist Dobrindt nicht Ben Gvir, und Ben Gvir nicht Netanjahu. Worauf ich hinaus will: man muss Personen und ihr gesellschaftliches Feld untersuchen, um sie zu verstehen, und da spielen immer auch Anhänger, Untergebene, Ängstliche und ,,, eine Rolle.

Israel spielt zur Zeit eine Rolle, als rechtsradikale Regierung, als noch nicht entschiedene antidemokratische Wählermehrheit, als Mythos im Bewusstsein von Deutschland, als untergebener Dienstleister für die USA. Auch dort ist der Rassismus, zB. gegen den Europäischen Gerichtshof, zugleich global und lokal.

Man kann das alles analysieren und anordnen, zuordnen, verknüpfen oder kontingent halten. Man kann, muss aber nicht die eigenen Vorbehalte der Analyse zum verstecken oder verflachen benutzen. Wir befinden uns in einer globalen Auseinandersetzung von Faschismen gegen Demokratien, in einem höchst unebenen Gelände politischer Beziehungen. Einzelne Ereignisse, auch Personenbewertungen, können wie Wegweiser erscheinen, sie nehmen aber niemandem den Weg ab. Ich frage die vorschnellen Meinungsbilder: woher kommt Ben Gvir, was ist sein ethnischer, ideologischer Hintergrund, wie steht er zur Shoah, wie kommt sein Aufstieg in Israel zustande? Selbst unvollkommene Antworten würden den Rahmen eines schnellen Essays sprengen, aber: man kann doch viel wissen. Warum dieser Mann von vielen in Israel unterstützt wird, das ist eine Geschichte, ohne die man nicht versteht, was gestern und morgen geschieht. Und ich frage zusätzlich, was es mit dem Judentum, mit Juden und mit jüdisch zu tun hat, wenn der jüdische Staat faschistische Elemente in seine Regierungsherrschaft einbaut. Die Antwort ist auch, dass man in der Geschichte des Staates Israel und in seiner Behandlung durch andere weit zurückgehen muss, um davon einiges zu wissen, nicht einfach zu ahnen.

Auch Dobrindt kann man untersuchen und genauer unter die sozialen und kulturellen Verbindungen stellen. Unterschiede innerhalb des rechten Lagers, auch zur radikalen Rechten, auch zum und im Faschismus sind keine spontanen Eingebungen. Bevor man sie denken kann, muss man sie wahrnehmen, beobachten, einschätzen…

*

Darüber wollte ich eigentlich heute gar nicht räsonieren, aber die Nachrichten haben mich gedrängt. Das ist ein Rahmenthema, was man zur Kenntnis nehmen kann und was nicht so offensichtlich ist. Aber versucht einmal, hinter Namen und Erscheinungen Teile der Wirklichkeit für euch, einmal nur für euch, zu festigen… es rinnt und fließt nicht alles dauernd aus dem Bewusstsein weg, weil Neues auftaucht.

Eigentlich wollte ich heute darüber räsonieren, warum die Landwirtschaft, kaum ist die Hitze unterbrochen, schon wieder fordert, die Umwelt einzuschränken, bevor der Umgang mit dem Wetter in ein Konzept eingeordnet wird. Aber das hat noch ein wenig Zeit. 7% weniger Getreideernte…nicht so gut, aber in Kriegsländern gar keine Ernte. Das hören wir heute, vor allen anderen Nachrichten.

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