Mut im Herbst, Vorsicht im Winter

Überall Warnungen. Es wird zunehmend erklärt, warum die weltweite Abkehr von der Demokratie stattfindet – also eine Zuwendung zu Abhängigkeit von Diktatur oder zu Faschismus. ABER es wird kaum deutlich gemacht, was das für die ZUKUNFT bedeutet. Dass wir jetzt in die vierte, grausige Periode der Weltgeschichte schlittern, wird von denen seltsam einfach hingenommen, die an Deck der Welt-Titanic sich ans Geländer stützen und unten, in den Wellen, den Unrat finden. Heroben ist noch Luxus.

Die UN sagt, dass die nicht-umkehrbare Erderwärmung bald eintritt – viele Blogs dazu. Auch zu Trump und Putin, auch Xi, die bereiten die Vernichtung von Zivilgesellschaften in Europa und anderswo vor. Auch zu unsinnigen wirtschaftlichen Abbau-Politiken von Sozialem und Kulturellem. Auch zur individuellen und gemeinschaftlichen Sicherheiten von Daten und Persönlichkeiten. Nur in der ständigen Wiederholung kann man die Blogs weitertreiben, so, wie auf guten Bühnen gute Stücke wieder aufgeführt werden, immer wieder. Miss Sophie und James auf allen Ebenen, immer wieder. Aber wir sind noch keine Murmeltiere, auch im Herbst nicht. Auch zu Weihnachten nicht.

Es ist an der Zeit, sich zu wappnen, sich nicht nur körperlich einzuhüllen, sondern auch psychisch, geistig darauf einzustellen, selbst zu bleiben, nicht abhängig zu werden, weil das angeblich weiteren Wohlstand, weitere Sicherheit, weitere Beständigkeit garantiert. Woher kommen solche Gedanken. Ideologie, Religionen und vor allem politische Wirklichkeiten trommeln mit diesen Ausblicken auf uns, aber es ist schlechte Unendlichkeit, also ungute Gegenwart. Ihr habt genug über Trumputin erfahren. Die Ukraine wird in diesen Tagen schwer beschädigt – wie andere Gesellschaften auch, und Europa spielt da keine gewichtige Rolle. Ob wir mitspielen oder nicht. Aber um uns zu wappnen, müssen wir nicht nur, nicht nur!, diese Wirklichkeit immer weiter wahrnehmen, beobachten, erklären, verstehen. Wir müssen auch unsere, die widerständige Wirklichkeit, stärken. Moralisch, sozial, kulturell, gegen den blöden neo-Kapitalismus. Nicht nur der o,7 Regierung, nein, global. Zugleich müssen wir schlicht wahrnehmen, wie und warum das Ende des europäischen Fokus auf „alles“ sich nicht nur abzeichnet, nein, schon eingetreten ist. Global an sich ist ja nicht schlecht, nur welches „global“, darauf kommt es an.

Das bedeutet einerseits, dass wir uns auf abgestiegene soziale Wirklichkeiten, auf politische Kontroversen von unten einstellen müssen: Schaut auf Paris, Mailand, das kommt auch zu uns. Dass wir uns darauf einstellen müssen, wie wir mit der faschistischen Vorherrschaft demokratisch umgehen werden müssen. Noch nicht heißt nicht nicht. Die Alternative kommt nicht von sich her, nur von uns.

Der Herbst hat noch einige schöne Tage. Der Winter kann sie haben, aber daran und dazu müssen wir etwas tun.

Aufregung als Waffe

So, wie sich „CDU/CSU“ gegen die Berliner Koalitionsgespräche gebärden, nicht nur Christheuchler, auch andere Parteispitzen, so entfaltet sich Faschismus, also auch der wachsende Zustand der AfD. Keine Mehrheiten für die Faschisten, aber hinreichend Macht zur Umgestaltung der Demokratie. Die CDU/CSU benimmt sich wie ein Anhängsel an die Rechtsradikalen, dabei hat sie nicht nur Wahlen verloren, nicht nur einen rechtslastigen Parteiflügel in der Regierung, nicht nur einen absonderlichen Kanzler, der im Amt bleiben muss, nicht nur Probleme mit Europa (auch dort ist die Rechtsanlehnung ein praktisches Verfahren), nicht nur eine ökofaschistische Spitze zum umweltzerstörenden Autobetrieb…alles in allem ein retroaktives und kein konservatives Gewicht der Demokratie.

Mir gefällt Berlin auch nicht, ich habe die Linkspartei auch niemals gewählt, aber die Berliner Mehrheit ist eindeutig. Und ein Vergleich der Partei so links wie die AfD rechts ist, zeigt die Verwerfung im Bewusstsein der absurden Alterskoalition von Unverständigen. Der Antisemitismus findet sich als Minderheit in allen demokratischen Parteien. Und die Verstaatlichung der Wohnbaumagnaten wird doch so ohnedies nicht kommen…versteht ihr das Programm nicht? Wie hat denn CDU, wie hat SPD jahrelang unsinnig nicht-regiert in Berlin? Also. Haltet euch zurück.

Und im übrigen weiß man gar nicht, ob es wirklich zu einer Koalition kommt.

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Die Deutschen sind nicht nur Waldfanatiker, sie haben auch Eigenschaften der Aufregung über fast alles (nur klingeln die Radler nicht): In den TV Nachrichten wird jeden Tag mindestens ein tödlicher Bergunfall berichtet, teils mit schönen Landschaftsbildern und keinem intensiven Begründungstalk, eher: … schon wieder eine(r). Das gilt für viele Ereignisse. Weil man, wenn man sich aufregt, nicht mehr zu analysieren braucht, auch nicht bewerten: der Aufreger reicht. Das kann für den täglichen Journalismus ein Sektor sein, für die darüberliegende Gesellschaftsanalyse taugen solche Unfälle weniger als welche in Industrie, Haushalt und Verkehr, oder Militär – alsom wo Gesellschaftsvermögen unrichtig investiert wurde. Für meine Feinde: Gesellschaft ist nicht das Volk.

Ich rege mich trotzdem, mäßig, auf, weil ich ja Nachrichten hören und lesen muss. Oder liege ich ganz falsch, und „man“ muss gerade das individuelle Leid, symbolisiert durch den Absturz, wahrnehmen um soziale Gefühle und Wertungen zu erfahren?

Dann muss „man“ die Abstürze, Verbrennungen, Zusammenstöße „vergesellschaften“ und sie politisieren, und oft moralisieren. Das erfordert Genauigkeit, Wissen, Zeit und Ethik. Und zwar nicht klassenbestimmt.

Viele Ereignisse täglich passen hier herein. Und wie passt das zum ersten Abschnitt, der Kritik an den so genannten Christdemokraten und Christsozialen? Klar, dass die zur Zeit nicht vergesellschaften, sondern nur parzellieren. Sie sind ein Schrebergarten ideologischer Unkrautbewirt-schaftung…Aber die altmodischen Parzellen schaffen oft Unfrieden, bevor es Politik gibt. Schaut nach Frankreich und Italien, das kommt auch zu uns.

Wichtig „Völlig irrationaler und unverantwortlicher Hysteriemodus“: Bovenschulte kritisiert Union für Gleichsetzung von Linkspartei und AfD (Tagesspiegel 20.10.)

Merzende – welcher Ausgang ist offen?

Oft gehen Discos in die Katastrophe, weil die Ausgänge (= Gratiseingänge) verbarrikadiert sind. Merz ist kein DJ in der politischen Disco Deutschland, sondern ein 0,7 Kanzler, der das Volk umgarnt un die Bürgerinnen und Bürger um die Zukunft betrügt. Nicht nur er, klar, er hat Hintermänner und -frauen, mächtige Lobbies, reiche Demokratiefeinde und engstirnige Christdemosoziale…aber er ist leider der Kanzler, das muss man anerkennen.

An dieser Stelle hört bitte im DLF: Lea de Gregorio: Wie das Leistungsprinzip Sozialstaat und Gesellschaft angreift (18.10.2026). Der Titel lenkt schon auf Merz, man braucht dazu keine Ausrede im Blick auf Trump oder andere Diktatoren. Lea De Gregorio – Wikipedia

Die 0,7 Regierung von Merz hat auch einen neo-kapitalistischen Flügel, man kann auch sagen: neo-liberal, man kann auch sagen: anti-sozial. Dass man Merz nicht absetzen soll, hat ganz andere Gründe, nicht hier. Und eine Entscheidung, gestern und heute, gemeinsam mit Frankreich, nein: mit Emmanuel Macron, dem sich Abhalfternden, den man jetzt auch nicht ersetzen kann: Weiterhin Benzin- und Diesel in PKWs zu versetzen, damit die rückwärtsgewandte Autoindustrie weiter Unsinn betreiben kann. Merz-edes Bentz….

Natürlich keine Umweltgedanken, natürlich keine Sozialgedanken, die deutschen und französischen Autodiener werden weiter – auch von den Gewerk-schaften – gestützt, in die Vergangenheit zu schrauben. Der Fortschritt wird ausgemerzt.

Das ist ein Beispiel für vieles, das Frau Gregorio genau und fundiert darstellt. Das Viele heißt aber KONKRET Sozialabbau, Kulturabbau, die Schonung von 4/5 der Wohlhabenden zu Lasten von 1/5 der Verarmenden, immerhin 16 Millionen echter Menschen, unter irrsinnig falschen Rationalisierungs- und Reformversprechungen – und was sich in den USA und anderswo abzeichnet, steigt auch bei uns auf. Dabei könnte und müsste man umgehend richtige Reformen nicht nur herbeireden, sondern machen, im Sozialen, in der Bildung, und ja, auch in der Wirtschaft, als einer abhängigen Variable von aufwachsendem Umweltschutz. Ohne den gehen die O,7 Regierenden Deutschlands noch vor 2035 (PKW!) in die Grube, und unsere Kinder, Enkel, Urenkel werden leiden, hungern, wenn sie überleben. Merz ist nur ein halbwegs Trumpoid. Trump oder Putin stecken als Globalverbrecher ineinander, von Faschisten und einer globalen Leibgarde gehalten. Schaut euch um, global, schaut auch US IT an, schaut nach Israel, Nahost, Afrika, schaut nach Brasilien, schaut…es hängt alles zusammen, man kann es beweisen, aber eben nicht oberflächlich kausal. Merz wird weiter die Umwelt verarschen und Unterstützung finden, für seine jetzigen Entscheidungen, vielleicht neben Macron auch bei Meloni (Dort gibt es auch schon Konflikte Proteste in Italien: Festnahmen, Feuer und Krawalle) und in Osteuropa beim PKW Bau. Er wird aber vor allem bei uns bei den Gewinnern seiner entsolidarisierenden Sozialspaltung gewinnen…und doch soll er sich die Ereignisse in Paris gestern und die letzte Woche anschauen. Es steht ihm Widerstand bevor. Vielleicht anders, vielleicht wirksamer, jedenfalls nicht autobasiert.

Aufklärung und Dunkel

Wird ja wieder diskutiert, die Schattenseite der Aufklärung. Als ob sie mehr als das aufgeklärte Licht bedeutete. Als ob auch unsere Aufklärer Adorno und Cp. dem Schatten mehr Gewicht gegeben hätten als dem Licht der Vernunft.

Spielt das einmal ernsthaft durch, und freut euch über die aufgeklärten Erkenntnisse am Ende der Gedankennebel…

Zunächst ein Realblick: „Im Theater der Unwahrheit“

„Man kann nicht umhin, mit wachsender Ratlosigkeit auf dieses Land und seine politischen Debatten zu blicken, die sich zunehmend in parallelen Universen abzuspielen scheinen; jeder sendet für sein eigenes Publikum“ (Katharina Riehl, SZ 15.10.2026)

Die Aufklärung hat im wesentlichen die Konzentration auf die eigenen Interessen zugunsten einer bedürftigen Allgemeinheit aufgelöst – was nicht bedeutet, dass es im Licht des Fortschritts keine Schattenseiten gibt. Und nicht alles im Schatten ist interessengeleitet…

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Unser praktisches Leben braucht keine theoretische Ableitung vor jedem praktischen und kommunikativen Handeln. (Auf diesen Satz komme ich, weil in diesen Tagen Jürgen Habermas hinauf und hinab zitiert wird, und der sich damit auseinandergesetzt hat, ziemlich fortschrittlich; u.a. Peter Gordon: Message in a Bottle, NYRB #16). Aber dieses Leben ist auch nicht einfach praktisch ohne Zielsetzung, ohne Logik und Emotion. Und gerade das wäre eine gute Waffe gegen den faschistischen Gegenwartsdiskurs. Auch der AfD und des BDS, auch von Trump oder Putin, auch von Hamas, auch von Erdögan, auch von Netanjahu oder Fico etc. Es muss uns klar sein, was die nicht unberührte, fleckige, teils widersprüchliche Aufklärung auch bedeutet. Das heißt, dass wir die Deutung nicht den Herrschenden überlassen dürfen (mizt anderen Worten, die Demokratie muss praktisch werden – manchmal schaue ich nach Frankreich auf Schüler und Studierende…das, was hinter der Reformforderung steht, ist das eigentliche, wirkliche Problem: sich in die Gestaltung der Zukunft einzubringen. Dass der globale Faschismus uns ausnützt, um seine sektorale Zukunft auf Kosten der übrigen Menschheit zu festigen, ist ein wesentlicher Hebel für die Demokratie: nur nicht abgeben, abliefern, sondern zur Hand nehmen, was uns handlungsfähig und bewusst macht, mit allen Fehlern, klar. Zur Hand nehmen, politische Praxis ist immer auch Lebenspraxis für uns,…zum tausendsten Mal Bildung, Umwelt, Lebenspraxis. Wenn die 0,7 Machthaber, auch bei uns, nur auf einen Wirtschaftshebel setzen, begeben sie sich in den unaufgeklärten Schatten, anstatt deutlich zu machen, dass auch die aufgeklärte Klarsicht Mühe, vielleicht auch Beschränkungen und gar Schmerzen erfordert…wenigstens das kann man aus der Geschichte lernen. Spielt es durch: wie müssen die Pensionsgesetze aussehen, wenn unsere Nachkommen davon profitieren sollen? Wie soll man jetzt schon vor der kommenden Trockenheit mit unserem Wasser umgehen? Wie kann man wieder mehr Insekten in die Natur zurückführen? Wie kann man wieder Kultur aktiv und passiv (schreiben und lesen zum Beispiel) dynamisieren? usw. usf. Das Programm hätten wir, nur handeln sollten wir auch.

Was mich aufregt, was mich dämpft

Unsinniger Titel? Kennt ihr das nicht? Man regt sich auf, und zugleich fällt einem nichts mehr ein, wie man den Dummen, den Falschen, den Feinden, also denen, die man nicht mag, contra bietet, ohne ein Wir-Sie zu dualisieren. Daran liegt nämlich ein gewisser Grant, den ich hege: lauter Dualisten. Sie sind FÜR Trump, weil sie GEGEN Putin sind, manche sind FÜR Putin, weil sie GEGEN Trump sind usw. Nicht nur Tiere wissen sehr genau, dass man mehr als einen Feind haben kann, und dass die Gegner höchst unterschiedlich sind.

Die amerikanische Hinrichtungsreligion wird zwar überall abgelehnt, aber nicht politisch wirksam. Die amerikanische Verfolgung der Nobelpreisträgerin und des Weltgerichtshofs, von der israelischen „Regierung“ unterstützt, wird fast überall abgelehnt, aber nicht politisch wirksam. Trumps Verlängerung des Ukrainekriegs, indem er Putin in den Putin kriecht und sich dafür mit Diesel eincremt wird überall kritisiert, zerstört nationale Budgets, aber die Reaktionen sind nicht politisch wirksam. Mir fallen noch n+1 vergleichbare Fälle ein. Es geht aber nicht um Trump, Putin, Xi und andere unterworfene Kleintyrannen. Es geht darum, dass wir genauer erkunden müssen, wer wo wie die Diktatoren pflegt – und es sind meist binäre Politikchargen, wie bei uns nur 0,7 stabil…Darüber können wir nachdenken und handeln. Und: wir saind es nicht immer. Auch „wir“ ist nicht binär.

KEINE ANGST, nicht wieder Theorie oder Programm.

Jetzt machen wir etwas ganz anderes. Wir schalten die Politik nicht aus, wir legen sie befristet ab, jederzeit aktivierbar, aber wir unterbrechen die ermüdenden Wiederholungsschleifen. Mit denen würgen sich auch bekannte Kommentatoren, wenn die schlechte Unendlichkeit (Hegel!) sich einschleicht. Ich denke, unser Alltag – unser, nicht der kommentierte – ist auch wichtig, von dem aus denken wir ja, mit Körper und Gedanken.

Ich mache jetzt keinen Witz. In Potsdam gibt es sehr lange und zahlreiche Kopfsteinfußgängerwege und auch viele Straßen, die so schlecht mit Fahrrädern zu befahren sind, dass man lieber am Gehsteig fährt, massenhaft, in Konkurrenz zu Fußgängern, Kinderwagen, Behinderten, Hunden und Motobikes. Kann man als Feld der gegenseitigen Ausgleichung, Sympathie-Kooperation erwägen. In Wirklichkeit sind die Fahrräder unangenehm, weil ihre FahrerInnen nicht klingeln, auch wenn sie von hinten kommen und einen überholen. Dieses eine Problem kann zu weiteren Gedanken über Stadtkultur, Bewegung und die Folgen führen…Es ist ein Beispiel. Und dass nicht geklingelt wird, braucht keine wissenschaftliche Studie, sondern einfache Erklärungen…die wünsche ich mir manchmal am Gehsteig.

KI und Faschismus…und, oder, mit, ohne…

Rainer Mühlhoff, Professor an der Universität Osnabrück, hat ein schmales Buch bei Reclam 2025 geschrieben „Künstliche Intelligenz und der neue Faschismus„. In den letzten Monaten habe ich viel über KI gelesen und gelernt, und Faschismus ist seit langem einer meiner kritischen Schwerpunkte. Umso mehr hat mich gefreut, wie konkret, kritisch, produktiv dieser schmale Band vor allem Interessierte informiert und aufklärt. Das wäre eine Empfehlung…

…und: so, wie Mühlhoff den Faschismus wahrnimmt und ereitert, ist das ungemein hilfreich, nicht nur weil er sich auf die Frankfurter Schule und auf Umberto Eco (1995/2020) bezieht, sondern weil er die Grundlagen des Faschismus auch erweitert: „…durch positive Verklärung und instrumentelle Aneignung moderner Technologie als Machtinstrument, in der sich das Bedürfnis widerspiegelt, sich selbst und andere zu entmenschlichen“ (S.119). Liest man erst die Beschreibung der gesellschaftlichen Wahrnehmung, Aufnahme, Verarbeitung der KI, dann wird es schon mulmig, wenn man die USamerikanische Realität konkret wahrnimmt: v.a. Kapitel 5. Und dass da nicht nur Elon Musk und seinesgleichen vorkommt, sondern auch Peter Thiel, sondern auch die umfassende Literatur der Entwicklung von KI und – des Faschismus, das ist schon wichtig zum Verständnis. Das letzte Kapitel heißt „Anders über KI-Technologie sprechen“ und der folgende Absatz ist wichtig:

„Und wir sollten uns bei alledem auch nicht zu sehr auf die Zukunft … versteifen.KI ist jetzt schon da und hat reale Auswirkungen auf Menschen weltweit: Soziale Ungleichheit, Manipulierbarkeit, Ausbeutung von Menschen und natürlichen Ressourcen, Erosion der Privatsphäre, Erosion der demokratischen Öffentlichkeiten, masswive Akkumulation von Macht und Kapital bei wenigen Akteuren“ (S. 146)

Man kann sowohl etwas für den anderen, demokratischen Umgang mit KI lernen, als auch wahrnehmen wie und inwiefern der Faschismus jetzt – jetzt schon und wieder – um sich greift und ein Instrument benutzt, das nur teilweise aus der historischen Faschismusrealität des 20. Jahrhunderts abgeleitet werden kann. Wenn man die USamerikanische Mehrzahl der verschiedenen rassistischen, ethnischen und technologischen Zukunftsvorstellungen genauer ansieht, dann hat man eine seltsame Assoziation: Brave New World von Aldous Huxley (1932) – da waren die Verzerrungen der Soziogenetik und viele der gegenwärtigen Herrschaftsansprüche – wie nicht nur im Buch beschrieben – schon präsent, nur viel weiter in die Zukunft projiziert als heute wirklich geworden ist. (Auch Julian Huxley wird im Buch erwähnt(Transhumanism 1957)…

Es gibt auch andere Zugänge zur Verbreitung des neueren Faschismus (den hat es ja nicht Jahrhundert lang gegeben, sondern erst im 20. Jhdt. – und er kann nicht rechts-links oder mittig definiert werden). Aber es gibt kaum so verständliche und auf die massenhafte Lebenspraxis abzielende Verbindung der „Künstlichen Intelligenz“ mit dem Faschismus.

Natürlich „muss“ man mit der KI nicht faschistoid umgehen, aber man sollte schon kritisch beobachten, was und wo KI bereits Verengungen von Kritik und Fantasie, von Freiheit und Selbstbestimmung anrichtet – Kapitel 3 und 4 des Buchs, aber auch unsere alltäglichen Diskurse zum Thema. Wenn KI positiv, d.h. demokratisch, genutzt serden soll, dann muss das nicht verbal, oberflächlich behauptet werden, sondern benötigt einen anderen Umgang. Das ist eine der schwieirgen Selbstbestimmungen nach der Einsicht in den Zusammenhang.

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Das ist keine Rezension, allenfalls eine Buchempfehlung. Aber selten in letzter Zeit habe ich eine so stringente Beziehung zwischen der KI und dem Faschismus wahrgenommen, und beide biedern sich ja ganz massiv an…

Vorsicht, Wirklichkeit

Befreiung aus mehr als einer Abhängigkeit…Gott, die Natur, Klima, Armut, Staaten…man kommt ja gar nicht den Listen nach, mit der man seine Freiheit erreichen möchte. Also runter von den großen Sonnen und Planeten, rein in die Wirklichkeit der ja auch noch nicht befreiten Hirne. Auch in Deutschland. der 0,7 Kanzler Merz will weniger für die EU tun, zusammen mit ähnlichen Demokratieskeptikern. Merz will auch nicht wirklich mit dem Koalitionspartner „regieren“, er will, dass sich etwas entwickelt, das er anstößt. Wenn da nur nicht die Menschen wären, die BürgerInnen, von denen fast die Hälfte sich als Volk begreift und negativ zu allem steht, was kommen könnte, wenn nur das, was ist, angeblich besser für das Volk wäre, wenn es nicht regiert würde, sondern angeführt.

Die Situation ist, zukunftsorientiert, schlecht, weil die Regierung den notwendigen Abstand zu den Bürgern nicht begreift, meint, sie müsse Volk aufs Maul schauen und möglichst zufriedene Reaktionen erzielen. Natürlich müsste sich viel geändert haben, im Sozialen, in der Bildung, im Verkehr, in der Bürokratie. Hat sich aber nicht, und in diesem Fall ist Vergangenheit doch keine Garantie für die Zukunft, siehe Rente, siehe Schule…da gibt es viel, was allgemein zur POLITIK gehört, und im besonderen Fall zur DEMOKRATIE oder, negativ, zur Überwältigung durch den FASCHISMUS. Die „Rechten“ trauen sich nicht einmal mit der AfD zum Ve4rfassungsgericht zu gehen, und die „Linken“ haben die Orientierung verloren, dass es keine „Mitte“ gibt, dass sie ein Politmythos war und ist. Und dass vieles, das in der Politik richtig ist, noch lange keine Wahrheit(en) darstellt, wenn es um Kommunikation, Lebensbeziehun-gen, Gerechtigkeit usw. geht. Das ist schwierig, ich weiß, weil viele sich an das, was für sie Wahrheit ist, anklammern. Aber wir leben nicht in der Welt der Religionen, Philosophien oder auch Zufälle, wir leben in der einzigen Wirklichkeit, die es gibt. Selbst, wenn wir uns vor ihr verstecken.

Das hat mehr mit der Politik zu tun, die eben nicht einfach die Spiegelung der Meinungen des Volkes sein darf (stellt euch vor: Todesstrafe als Volksmeinung oder …). Politik muss die Menschen in Freiheit zusammen-halten und nicht aufteilen, je nach Meinungsverteilung. Und dazu müssen Menschen legitimiert sein. Und dazu ist Demokratie besser geeignet als Faschismus, oder?

Natürlich muss man dazu den BürgerInnen schon deutlich machen, was der Preis ist, dass Wohlfahrt oder Bildung weiterentwickelt werden kann. Aber dazu hat man ja auch die Politik. Der Preis kann weniger Wohlstand sein oder auch eine Umordnung der persönlichen Lebensprioritäten. Und zwar nicht nur anderswo, bei den Ärmeren der 3. Welt oder bei den Nachbarn, sondern bei uns. Das ist gar nicht abstrakt. Auch das ist der Preis von Freiheit und Mündigkeit. Und das sollten die Vertreter der Politik auch anfordern.

Bin gespannt, wie man mit der Pflegeversicherung umgeht, oder mit der Rentenreform. Nicht, dass die BürgerInnen das letztlich zahlen müssen, wenn man es nicht gänzlich privatisiert, ist das Problem, sondern dass das Bewusstsein von Gerechtigkeit wirklich begründet werden muss. Dazu können die BürgerInnen durchaus etwas opfern, so wie sie Geld für die Änderung der Verteidigung und die Befreiung von den Abhängigkeiten auch werden zahlen müssen, nicht einfach sollen.

Eigentlich ist das alles „einfach“, trivial? banal? Aber darum geht es in der Demokratie auch: „Eigentlich“ durch Wirklichkeit zu ersetzen.

Menschen sind Widersprüche oder sind simpel – auch jüdische Menschen

Klingt philosophisch, ist aber realistisch. Als jüdischer Mensch muss ich die Augen offenhalten, hinhören. Erstmal: Menschen SIND vor allem, nicht sie HABEN von allem. Das heißt, Menschen können beides sein: klug und verbrecherisch, gut und dumm, oder über Kreuz. Dann: Klugheit verbietet nicht Amoral, und ein dummer Mensch kann trotzdem gut und gütig sein. Also Vorsicht mit der Alltagsphilosophie…

Der Anlass dieser Überlegungen ist eine Rezension, deren Autor eine kausale und logische Beziehung zwischen Roy Cohn und Donald Trump vorstellt: Fintan OToole (Irish): Devils in America (NYRB #15 2026) über Kai Bird u.a.: American Scoundrel…Es geht um Roy Cohn 1927-1986 und seinen Übergang in Donald Trump (*1946). Cohn hat in den Fünziger Jahren eine Kriminelle Regierungsarbeit u.a. für den Senator McCarthy begonnen und war berühmt bis zum Lebensende. Schwerpunkt: Antikom-munismus und Schwulenhatz, obwohl er selbst schwul war. Cohn hatte absurd viele Freunde, die ihn bewunderten oder von ihm erpresst wurden, Kardinal Spellman, Kardinal Cooke, Rupert Murdoch, Bianca Jagger, Carmine Galante, Estee Lauder und Nancy Reagan…Andy Warhol, Chuck Schumer…von Mafiabossen ganz zu schweigen. Er hat auch die demokratische Partei unterwandert und war alles, was kluge Kriminalität zusammenfasst. Das weiß man, ebenso, dass er das Ehepaar Rosenberg unter Bestechung eines hohen Richters zu Tode brachte, der Richter machte Karriere bis ganz oben. Das alles hat man schon vorher gewusst, aber nicht so genau, und was man kaum wahrgenommen hat, war der Einfluss Cohns auf Trump. Das allein ist für mich nicht zentral. Cohn war jüdisch, das wird selten in den Vordergrund gerückt, ebenso wie man das bei Epstein und anderen nicht offen erwähnt. Das ist für mich schon wichtig, weil das Jüdische entweder verborgen oder ausgegrenzt wird, aus Antisemitismus oder um nicht deshalb in Verdacht zu geraten. Ironisch nach Auschwitz: die überlebenden Juden müssten doch die besseren Menschen sein, oder?

In den USA scheint die Geschichte der WASP seit 60 Jahren zu Ende zu sein, White Anglo-Saxon Protestants (Vgl. W.A.S.P. – Wikipedia). Katholiken haben den rechtsradikalen Rand der Politik erreicht (J.D.Vance) und sind tief gespalten. Das sind die Juden auch, schon lange, und Israel und der 7.10. sind nur Auslöser einer vertieften Spaltung. Aber mir ist schon lange aufgefallen, dass jüdische Kriminelle in den USA und in Deutschland (!) anders behandelt und veröffentlicht werden als andere. Das ist so kompliziert, dass man es nicht einfach definieren kann, mache ich hier auch nicht. Aber Cohn war in jeder negativen Hinsicht herausragend, auch in seinen sozialen Verbindungen, dass man das rekonstruieren sollte, auch um Trump zu „verstehen“. Das macht schon Sinn.

Meine Titelüberschrift mag manche irritieren. Mich haben viele Beschreibungen jüdischer Menschen schon lange irritiert, es geht hier um jüdische Deutsche und nicht um deutsche Juden. Und da ist eine seltsame Ambivalenz bei der Be- und Verurteilung oder Pardonnierung von Juden, die dem mythischen Ideal nicht entsprechen (mir ist das schon früer bei Beschreibung und Bewertung von Fehlhandlungen beim Zentralrat oder im Frankfurter Bahnhofsmilieu aufgefallen, früher, und lange Zeit bei der Kennzeichnung von Netanjahu und anderen … ).

Darüber kann man nachdenken, Urteile fällen. ABER Trump lebt ja noch, er regiert, er ist nicht jüdisch, aber die teilweise Herkunft seiner Ideologie ist interessant, wenn man seine Aussagen zu und mit Roy Cohn und seine Handlungsschemata genauer betrachtet. Das hat nichts mit Judentum zu tun, auch das ist wichtig.

Deutscher Sonderfall: ungebildet

Wieder sagt die Statistik, was wir seit 40 Jahren WISSEN: DAS DEUTSCHE BILDUNGSSYSTEM; VOR ALLEM FÜR KLEINE UND GRÖßERE KINDER; IST ABSCHÜSSIG; ABGRÜNDIG; TEUER UND INHUMAN: Das sagt sich so leicht, und wenn man die schwachen bis unfähigen Regierungsmitglieder im Bildungs- und Wissenschaftswesen analysiert. Aber ich warne davor, BILDUNG als Kampffeld zwischen Parteien, Weltanschauungen und Politiken zu reduzieren. Ich behaupte, dass die DEUTSCHE Abwendung von guter Bildung gesellschaftlich, kulturell und sehr weit in der Geschichte verankert ist. Das ist angesichts von SpitzenwissenschaftlerInnen und dem Zuzuzug ausländischer Studierender und ProfessorInnen ein schlimmer Vorwurf, den ich rechtfertigen will, wenn ich das kann.

Warum ist das Schulsystem nach wie vor klassenorientiert, das bedeutet, dass sich die Oberschicht, vor allem die inländische, erfolgreicher reproduziert – nicht nur über das Gymnasium, sondern über eine bildungsorientierte Sozialisation und Erziehung, die man den unteren Schichten verweigert – von Kindergärten über Nachhilfe, ganztägiger intensiver Bildung, realitätsnahe und gesellschaftskritischen Inhalten etc. Über „Bildeung“ wird ideologisch – und nicht intensiv – diskutiert, aber Bildung, und Erziehung, und Sozialisation sind insgesamt in der Gesellschaft nicht so prioritär wie in anderen Gesellschaften. Das kann analysiert werden – wir haben ja genügend pädagogische Expertise, vor allem an Hochschulen, aber der gesellschaftliche Hintergrund, das Versagen an der Aufklärung, der Mutterkult langer Epochen, und die Unfähigkeit des Staates, die Gemeinsamkeit von Lehrenden und SchülerInnen im Rahmen sozialer und kultureller Allgemeinheit sind typisch deutsch, und das sollte man aufdecken (ich behaupte, man kann es erklären und einsehen, man könnte hier viel mehr wissen, aber es belastet das scheinbar so erfolgreiche Schichtmodell). Ja, es hat bessere und schlechtere Perioden des staatlichen Bildungssystems gegeben und seiner ideologischen Parallelsysteme. Aber all das erklärt nicht genau, warum Bildung von Kindern insgesamt in der Hierarchie der persönlichen, familiären, umgebungsrelevanten und gesellschaftlichen Prioritäten nicht so im Vordergrund steht. Wie etwa der Flugverkehr…lacht nicht, schaut euch die Argumente an, und auch die Presse und Medien dazu.. Jedenfalls seit der Mitte des 19. Jahrhunderts ist die soziale Durchlässigkeit, das Muster des bildunsgrelevanten „Aufstiegs“ aus den Schichten in Deutschland schlechter als anderswo, jedenfalls seit dem ersten Weltkrieg. Vergleicht es mit den Nachbarn Wien oder Frankreich, oder Estland und Skandinavien, nicht gleich mit Singapur und Japan. Man kann das erklären.

Nun keine Sorge. Ich schreibe hier nicht spontan eine „Bildungsgeschichte“, einiges habe ich früher versucht, aber eher im Hochschulbereich – Die Wiederherstellung der Hochschule, Köln 1993, Heinrich Böll Stiftung. Damals sind etliche, „Reformmodelle“ aufgebracht worden, andere als meine, vielleicht bessere, aber wenige haben sich mit der Wiederherstellung befasst, und wir alle haben den Sprung zu den Säuglingen, den Kleinkindern und Kindergärten, den Grundschulen vernachlässigt, und dort geht es eben nicht nur um Bildung und Erziehung, sondern um eine Sozialisation außerhalb der Familie und mit ihr. Und DAS muss bedacht und erklärt werden. Heute kann man ein Interview lesen, mit Aladin El-Mafaastani „Es braucht einen echten Kulturwandel“ (SZ 19./20.9.2026 im Interview).

Also: wir können erklären und verstehen, warum es keine wirklich gute und wirkungsvolle Bildungspolitik gibt. Partei- und institutionsübergreifend. Aber warum steht die Gesellschaft da nicht vehement dahinter, anders als beim Tankrabatt?

In den besten Schulsystemen der Welt, in reicheren und ärmeren Ländern, ist das nicht nur eine finanzielle Antwort auf die Bedürfnisse des Bildungssystems, auch nicht nur elterlich, mütterlich vor allem, aber doch: das zählt!, jenseits der Abgabe von Kindern an den „Staat“. Und Vorsicht: das ist nicht die völkische Antwort der AfD auf diese und ihre Interessen, sondern, verkürzt: ihr Gegenteil. Dieser Diskussion möchte ich (wieder, teilweise) erleben. Denn ohne Gesellschaft geht die Sozialisation nicht, auch nicht innerhalb der Mauern vorbestimmter klassen-, schicht-, ethnie- und finanz-orientierter Einpassungen. Das Glück von Kindern hängt schon auch vom Glück der Eltern ab, sich darum nicht ausschließlich, aber mit Vorrang zu kümmern. Aber ich sage hier deutlich „auch“.

Ich werde keine Bildungsgeschichte verfassen, ich werde auch nicht Bildungspolitik mit der Sozialpolitik verbinden, das ist für mich auch erfahrungsgemäß um Jahrzehnte passé. Aber ich will ausdrücklich auf die ethnischen, ethnologischen und sozialen Begründungen des deutschen Debakels erinnern. Und natürlich sollte gerade hier die Kritik an der Regierung und den unterschiedlich betroffenen Parteien (Da gibt es schon auch Reformen) nicht ausbleiben, aber wir müssen schon auf die Gesellschaft und ihre Geschichte verweisen, also auch auf uns im weiteren Sinn.

Ich weiß, dass es viele gute LehrerInnen und beteiligte Eltern und soziale Hilfen für Schülerinnen und Schüler gibt. Aber warum das alles weniger wirkt als anderswo, hat mit diesen Ausnahmen nicht so viel zu tun wie mit der Frage, wie wichtig Bildung und Sozialisation ab der Geburt sind. Das kann man philosophisch beantworten, eher egal, oder psychologisch, soziologisch (eher wichtiger). Aber vor allem der Abbau der klassen- und schichtspezifischen Schranken vor den Möglichkeiten gerechter und gleichberechtigter Bildung vom frühen Zeitpunkt an ist das, was der Gesellschaft im Bewusstsein fehlt.

Berge und Glück

Wenn man drei Tage lang auf bekannten und neuen Wegen stundenlang die Berge hinauf und hinuntersteigt, wenn ungetrübter Himmel den seltenen Fön vom Alpenhauptkamm bläst, wenn Unterkunft und Nahrung optimal sind, wenn also die Freizeit den Ablauf der Lebensuhr dominiert, was sollte man dann von sich geben, das andere interessiert. Man kann sie ablenken wollen oder einen optimistischen Blick jenseits der Realität suggerieren oder heimlich dazu führen, dass man doch über die politische Unwetterfront kommentiert…Aber das muss nicht sein, Diagnose und Kommentar brauchen Zeit, und also steige ich weiter auf die Almen und Berge. Ich könnte das Bild auch im 2. Satz anders komponieren.

Zum achten Mal im Ahrntal in Südtirol, einem wirklich schönen Ort direkt am Alpenhauptkamm und mit einer beachtlichen postfaschistischen Geschichte. Davon hatte ich schon viel geschrieben, also zum jüngsten Detail der Orte: die meisten leiden untern einer seltenen Trockenheit, das kann man beim Wandern hautnah erfahren, man steigt auf andere Böden. Einige der Wildwasser sind völlig trocken, andere führen wieder, aber wenig Wasser. Die Frage nach den Wasserleitungen aus dem Tal, früher schon gestellt, ist aktuell. Das Thema wird weiter aktuell bleiben, die meisten Gletscher, die ich hier kenne, sind nur mehr Erinnerung oder kleine weiße Flecken. Die Berge sind auch eisfrei schön, aber das Wasser…und manche der ja talbedeutenden Wälder sind schon wirklich krank, mit großen grauen Wunden…die Pros und Contras eines überbordenden Tourismus konnte man hier früh diskutieren, es ist ruhiger geworden, ob die beiden Skigebiete es noch eine Saison oder mehr ertragen, kann ich nicht vorhersagen, Unwetter haben viele Ernten zerstört, und wiese Wirklichkeit ist auch ein Thema bei den Wirtsleuten, die ich schon sehr schätze. Das Tal wurde vor längerem zu sehr bebaut, das ruht jetzt etwas, immerhin.

Und man könnte über Südtirol und Italien und Tirol und Österreich politisch reflektieren, wie überwiegend gut ein politisch einmaliges Vorgehen ansonsten typische Kriegsfolgen umgekehrt hat. Die beiden Präsidenten von Italien und Österreich wurden historisch geehrt. Das ist gut so, sie sind in beiden Ländern eher Leuchttürme der Demokratie in mitten einer abweisenden Politikentwicklung. Dazu kann man lesen, sollte man…

Heute geht es wieder auf eine hochgelegene Alm, und vielleicht bleibt das Wetter, ich kenne die Berge auch schon von tagelangem Regen in besseren klimatischen Zeiten, das kann auch gut sein. Werte Leserinnen und Leser, ich lasse mich nicht zu politischen Kommentaren animieren, nicht zu Deutschland jedenfalls, und zur Welt, die ja fasziniert auf das Bundesland und seine Wahlergebnisse schaut. Ich muss das gar nicht begründen, will es aber deutlich sagen: schon vorher wusste ich, dass ich jetzt über die Erklärungen nachdenken muss, die vorher eine Handvoll Optionen waren und jetzt sehr eng aneinander das Land weiter treiben. Wie auch immer es sich entwickelt, die Frage ist doch auch, wie wir Demokraten mit der Situation umgehen, wie auch immer ihre Form sein wird. Wir Demokratinnen und Demokraten sind gefragt, von der Wirklichkeit, und nicht von den Stimmungen der Faschisten.

Dazu kann man auch in Italien einiges lernen, nicht nur gutes, aber schon der Schritt aus der deutschen Enge ist etwas gutes. Auf gehts!

P.S. Das ist wirklich ein Tal des besten Graukäses, den man sich vorstellen kann. Graukäse ist gar nicht immer grau.