Osterhasi ante portas

Der große Polt hat Osterhasi hinreichend gewürdigt: Zugleich einen Feiertagsgruß an einen der letzten richtigen Kabarettisten (Vgl. Gerhard Polt – „Das ist ein Osterhasi, kein Nikolausi“ – Bayern – SZ.de). Osterhasi Gerhard Polt – Nikolausi – Nein, Osterhasi – YouTube.

Immer hin ist der Osterhase weniger mit Schattenseiten versehen wie der Weihnachtsmann oder Krampus. Immerhin sind die Hasen von Lindt goldig schöner als andere Schokofetische, und es stimmt ja: Ostereier sind heutzutage praktischer als Weihnachtsbäume (von denen übrigens die letzten in der Nachbarschaft entsorgt wurden). Da ich ja aus Österreich komme, erinnere ich an die Schülerwitze von Osterei, Österreich, Oststeiermark usw. Da haben wir Kinder ans Eiersammeln gedacht. Aber heutzutage ist das ja nicht mehr allgemein so lustig, nur teilweise. Auch kann man die Eier mit sorgfältig ungiftigen Farben bemalen, das war nicht immer so. Und ein veganes Ostermenu erfreut nicht nur die überlebenden Hennen, sondern auch den Diskurs und die vegetarische Hoffnung…

Kein Angst vor einer religiösen Abkehr von der Politik, die ja heuchlerisch die Feiertage zum Waffenstillstand und zur Wiederaufrüstung in den ärmsten Kriegs- und Hungergebieten benützt. Ich höre mir sogar Teile dieser Heuchelei im Rundfunk an, um mir ernsthafte Gedanken über den Stillstand der Evolution zu machen. Aber für mich ist die Hauptsache die Erinnerung säuberlich von der gegenwärtigen Wirklichkeit zu trennen und die Zahl der Ostereier auf das Minimum an bunten Geschenken an den Türen des nächsten Sonntags zu reduzieren; hinter den Türen Aufstehung, eine Stunde später oder früher, wie man die Uhrzeit bewertet.

Aber ganz ohne Ostern geht die Erinnerung ja nicht: der Ostermarsch nutzte die freien Tage, in kleiner Form nutzt er sie bis heute, um für den umfassenden, einseitigen Frieden aufzutreten, sich wandernd und singend kennenzulernen, und einen Beitrag zur Verharmlosung von Politik zu leisten. Noch waren wir im Westen ja nicht von den Diktatoren im Osten einvernommen, dann hätten wir ohnedies nicht so demonstrieren dürfen. Aber Vorsicht: lange Zeit war der Ostermarsch aufrichtig „gemeint“, undurchschaut…also keine nachträgliche Herabwürdigung, eher Kopfschütteln. Heute, naja, da kann man Verteidigung anders als naiv-pazifistisch diskutieren, in Abkehr von der zu einfachen Krieg&Friedensrhetorik (Noch einmal ein Hinweis auf die wirklich klugen und wichtigen Retro und Per Spektiven des 80 jährigen Dany Cohn-Bendit). Viele von uns haben vor mehreren Jahrzehnten seltsam innerhalb der Linken, manchmal auch in der Mitte, mäandert. Aber es war und ist ja nie zu spät, statt der Märsche zu Ostern andere Segmente der Zeitverschiebungen in Anspruch zu nehmen: Die reaktionäre 0,8 Regierung auf die Umwelt hinzuweisen – und die umweltresignierten Volksmassen dazu. Das wäre ein Fokus einher Neubelebung von Demokratie, weil Umwelt nicht in das marxistisch-kapitalistische Duo Politik-Ökonomie passt, sondern unser Leben an das Überleben unserer Kinder und Enkel bindet. Es reicht wohl nicht, umzudenken und individuell zu handeln, es muss schon eine politische Verschiebung der Achsen von Herrschaft und Machtausübung, aber auch von Lebensführung geben, und wie sollen die verschoben werden ohne uns. Mülltrennung war nur ein Anfang…kein Fortschritt.

Auf all das komme ich nach einem langen Spaziergang mit meinem Hund in den menschenarmen Morgenstunden. Der Park ist eben nicht nur „grün“, sondern er gehört zum Rahmen der wirklichen Lebenswelt, zur Umwelt, und da kann man schon viel erkennen, das über die Mülltrennung hinausgreift. Nicht, dass ich spzieren gehen müsste, um darüber nachzudenken, aber es ist schon gut, der Wahrnehmung des Zeitdrucks auf die Umwelt nicht zu entgehen, wenn man schon im Park geht, und keine Osternester findet.

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