WeihenÄchz Drohung & Befreiung

Wenn alle den Spott beiseite legen und die Brauchbarkeit, ja Notwendigkeit der weihnachtlichen Nivellierung beschwören, förmlich heimsuchen, in den Tages- und Wochenzeitungen, im Rundfunk und in vielen Kontakten, dann bleibt mir nur das harmlose Zurückweichen in die Ironie, die niemanden und nichts verletzt. Wo sind wir denn. (nicht „?)“.

Längst hat die Weltpolitik aufgehört, scheinbar Rücksicht auf die jeweils vorherrschenden Feiertage und sakralen Abläufe zu nehmen. Es ist schon erstaunlich, wie der globale Diskurs der Beschreibung der Weltmächte in „1984“ von Orwell entspricht, und wie die Umkehrung der Wahrheit zur Wahrheit wird. Das kann man wieder lesen und bewundern, oder sich wundern, wie fortgeschritten die chinesische Methodik der Überwachung, die amerikanische Absurdität der alten weißen Zulämglichkeits_Regeln und die russische Barbarei auch die Politik und das Verhalten der kleineren Staaten in Anspruch nimmt. Aber wir wollen ja Weihnachten feiern oder Chanukka oder einfach Freizeit bis zum Jahreswechsel, und da denke ich, dass unser Widerstand gegen die neofaschistischen, pöbelhaften oder einfach depperten Erscheinungen schon einiges kann, das wir nicht mehr lernen müssen. Zum Beispiel untertauchen. Nicht im vergifteten Abwasser, sondern in der Sprache. Ironie und Pathos gehen beide an den Diktatoren und autoritären Politikern vorbei, die nur verstehen, was sie sich einbilden.

Mir kommt es darauf an, dass wir nicht dauernd alles zugleich machen, dass aber vieles mit und neben einander Platz hat, Aufmerksamkeit, Trauer, Fröhlichkeit, und weil es eben darauf ankommt, wer was wann warum und wozu tut oder unterlässt, sollen Ratgeber und ideologischer (An)Führer keinen Platz haben. Nicht einfach Man, nein, wir sollten uns schon selbst und andauern befreien, auch wenn das weder bequem noch einfacher ist als den Führern zu folgen. Weil es Weidel und Wagenknecht gibt, muss man hier auch Führerinnen sagen. Befreiung aber bedeutet nicht automatisch und immer Freiheit, sie bringt uns auf den Weg dahin. Das ist der Anfang von uns in der Politik, im Verlassen der Privatheit, in der Kommunikation – das erlaubt uns Ironie, Pathos, auch Realitätssinn, weniger Glauben, mehr Denken, und genau zu erwägen, wann wir WIR sagen und wann ICH.

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Schöne Tage wünsche ich. Gute Tage mit Ausblick auf ein gutes Jahr 2025 und mit einem Rückblick, der nicht in Selbstvergessenheit oder Trauer mündet.

Die Wiener sagen: es muass wos g’schehn! umd darauf sich selbst zu antworten: Kannst eh nix machen.

Aber die Wiener können beim ersten Satz anhalten und ihn ernst nehmen. Alles Gute.

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Sanssouci 2024 kein Schnee. Aber Hoffnung.

Wegschauen, weghören, weg sein

In der Demokratie darf man fast alles, was sich in der Diktatur verbietet. Der Weg zwischen beiden ist etwas unsicher und nicht gekennzeichnet. Die Kommentare sind dann alltagssprachlich: „Darf der denn das?“, Fico nach Russland fahren, die AfD ihren Attentäter verleugnen, um gegen Ausländer zu hetzen, dürfen ersetzt können und sollen.

Es gibt keinen Weihnachtsfrieden, keine Freude zu Chanukka, die dunkle Zeit hält sich nicht ans Wetter (es soll ja wieder heller werden, es wird heller). Ja, und?

Ich denke die Terroristen, Machthaber und Zauderer haben eines gemeinsam: Sie nutzen die Gleichzeitigkeit um bestimmte Dinge zu tun und nicht zu tun, und mit dem einen auf das andere zu verweisen. Das ist gar nicht philosophisch, sondern politisch, Beispiel Erdögan. Dann sind natürlich die richtigen Kommentare auch so gleichzeitig widersprüchlich, man schaut zugleich hin und weg, man hört es und versteht es nicht. Schrödingers Katze auf politisch…

Vorsicht bei Rücksicht!

Warum soll man Faschisten nicht als Faschisten bezeichnen, sondern um sie herumreden? Warum soll man Kriminelle nicht als Kriminelle bezeichnen, wenn man ihre Taten auch je nach Gewicht einschätzt? Warum soll man derartige Aussagen nicht öffentlich machen, wenn man sie nicht im Stil der Kritisierten macht, sondern in zivilen, wenn auch harten Umgangsformen?

Eine Antwort ist: aus Angst. Man fürchtet, dass der oder die so Bezeichnete(n) gewalttätig oder heimtückisch zurückschlagen. Man fürchtet das zu Recht, und Beispiele gibt es genug, vor allem in unseren gefährdeten Gesellschaften (Dass Diktatoren zurückschlagen, sollte uns klar sein, wenn wir sie treffen – was ja meist nicht der Fall ist).

Eine andere Antwort ist komplizierter: wie komme ich dazu, meine persönliche Meinung zu veröffentlichen, also tendenziell politisch zu machen? Ist meine Meinung nicht geschützt? In solchen Fällen meist nicht. Aber auch zu fragen: wer bin ich, dass ich mich zu den Diktatoren, Faschisten, Verbrechern, Gaunern und Dummköpfen äußere? Die spießbürgerliche Antwort wäre, dass man dabei immer auch auf sich selbst zeigte, und die ehrlichere ist, ja, das ist so, man ist einbezogen in eine Auseinandersetzung, die man hätte privat vermeiden können.

Diese Überlegungen gehen mir durch den Kopf nach Trumps neuen Ankündigungen, nach den Umgarnungen von und für Erdogan, nach vielen Einzelvorfällen. Ich muss mich nicht zu allem äußern, das vergessen viele – man ist kein Radarschirm, der nicht aufhört sich zu drehen. Wenn aber richtige Aussagen gefährlich sind, muss man entscheiden, ob man das Risiko eingeht. In der Diktatur kostet es das Leben – Russland. In schwankenden Demokratien ist es unsicher – bei uns oder in den USA. Sicherheit für die Wahrheit hat es nie gegeben, gibt es nicht. Aber es kann Sicherheit schaffen, deutlich die Unsicherheit selbst in Kauf zu nehmen, da ist man noch lange kein Opfer oder Märtyrer. „In Gefahr und größter Not / bringt der Mittelweg den Tod“ (Kluge). Also wird man vom Rand her deutlich. Darum geht es.

Zähember / Jänner usf.

Das Jahr dunkelt, und religiöse wie retrovertierte wie völlig normal kultivierte Menschen schrauben überall Glühbirnen dazu oder beleuchten die Räume mit Paraffinkerzen. Auch gut. Jeder Spott über die Traditionen der Traditionen sei mir fern, auch wenn sie heute digital und ziemlich überall die gleichen sind. Mir geht es nicht um Weihnachten. Christian Morgensterns Monatsnamen fangen ja lustiger an als sie enden, Jaguar, Zebra, Nerz, Mandrill, aber der Zehenbär ist auch nicht besser als der Zähember.

Der letzte Monat eines unglücklichen Jahres entwickelt eine Dynamik, die nur durch den syrischen Umbruch besser beleuchtet wird, aber ansonsten dem ehernen Zeitalter alle Ehren erweist, was wiederum die Presse zu Jahresrückblicken seltsamer Schönfärbung veranlasst, damit man nicht zu depressiv das Jahr verlässt, um Trump und andere Monstren wahrzunehmen. Begrüßt wird nicht.

Ich reihe mich nicht in die Klagenden und schon gar nicht in die Sowohlalsauch Riegen ein (Doolittles Stoßmichziehdich passt da besser). Vor unseren Augen bröckeln die Demokratien, wachsen die rechten und linken Faschismen wie die Unkräuter in den vernachlässigten Ziergarten, und der Feind des Feindes wird zum Freund des Freundes, und umgekehrt. Ausweglosigkeit hat einen Vorteil: man kann und muss nicht entscheiden – oder es gibt sie nicht. Dann aber muss man den Ausgang aus der Not suchen, und sich nicht in Opiatsträumen aus der Wirklichkeit blenden, wie denn welche neue Regierung was an der Demokratie verbessern kann und will, wenn schon ihre Programme eher an der Wirklichkeit der Überlebenszeit vorbei gehen.

Auswege gibt es nur bei klarem Verstand und nicht abwegigen Emotionen. Beides braucht man )Wenn man sich die menschenverjagenden Kurzschlüsse gegen die syrischen Menschen in Deutschland anhört, dann ist das Fehlen von Empathie wohl ein Merkmal nicht nur der sogenannten christlichen Parteien – oder wenn die Anbiederung ansonsten vernünftiger Menschen an den Putinklon (.clown) Wagenknecht als Ausweg gepriesen wird, von den Verbeugungen vor Musk ganz abgesehen.

Die Flucht vor den Auswegen ist ein gutes Mittel, sich der eigenen Freiheit zu entledigen und so zu tun, als wäre die Wirklichkeit ein Naturereignis, gegen das man eh nichts machen kann. Eine Ausweg ist nicht einfach die Realität zu reformieren (Einsparungen, neue Hierarchien von Schwerpunkten, Austausch von Personen, mit denen bestimmte Hoffnungen verbunden sind, oder eben nicht…). Auswege muss man suchen mit dem Ziel vor Augen, das man erreichen möchte, wenn man den Ausweg gefunden hat. Na, welche Ziel denn? Demokratie, natürlich. Als ob unser System wirklich schon am Ende wäre, und die Faschisten naturgemäß die Demokratien ablösen. Nicht „sollen“, aber „werden“. Der interne Ausweg ist, dass wir auch das überleben, und dann befreit auftauchen, nach Trump, nach Netanjahu, nach … Aber der interne bleibt in uns, nicht einmal Literatur oder andere Kunst macht ihn wahrnehmbar, wenn er nicht in den Dialog, in die Auseinandersetzung, in den Streit um die besten Türöffner führt. Das kann schmerzhaft sein, ist es, Sackgassen öffnen, tut es, aber es kann auch weitergehen. Widerstand, Resilienz, und die Empathie für die Geschundenen jetzt und die Nachkommen morgen zugleich, sind geboten.

Klingt wie ein säkulare Predigt, aber ich stehe ja nicht am Hyde Park Corner und rufe das ins Leere. Ich hole tief Atem, bevor ich sofort und pausenlos auf den rasanten Wandel in der Weltpolitik reagiere (so viele Fehlmeldungen wie in den Medien der Letzten Woche, die wichtige Wirklichkeit im Nahen Osten beschatten, hat es nicht oft gegeben…langsam setzt sich das Nachdenken durch, wo wir jedenfalls nicht dem Vordenken gehuldigt haben, oder? seid mal ehrlich).

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Ich werde demnächst drüber schreiben, weil ich meinen Blick natürlich nicht von Israel abwenden kann. Lange vor dem Terror der Hamas am 7. Oktober hat Eva Illouz ein bahnbrechendes Buch geschrieben: Undemokratischer Emotionen, 2022. Deutsch Berlin 2023 (Suhrkamp). Es nützt ja nichts, wenn man Netanjahu verachtet oder kritisiert, wenn man die Entwicklung der israelischen Gesellschaft zu diesen Gfrastern nicht kennt und analysiert. Und das steht, verallgemeinerungsfähig, in diesem Buch. Man lernt nicht aus.

Was sind die Gefühle, die man für die und in der Demokratie braucht, nicht nur „will“?

Politisches Glücksgift

Wer freut sich nicht, dass Assad aus Syrien abgehauen ist, dass die Russen dort zurückgedrängt werden, dass die Gefängnisse geöffnet wurden, dass…?

Wer hat in den letzten Tagen nicht Assad als das kleinere Übel gegenüber den erobernden Terrorbrigaden bezeichnet?

Wer hat nicht die Faust in der Tasche geballt, als der Präsident im Wartestand neben dem französischen Präsidenten die Kathedrale mit eröffnete?

Auch die politischen Korrekturen, Kurs oder Moment, können kurzfristig nachdenklich stimmen, die Meinungen sind nur bis zu einem bestimmten Moment stabil, dann schwurbeln sie im Kopf herum, bis sich wieder eine Überzeugung herausbildet, für eine Weile.

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Im Marxismus gibt es Haupt- und Nebenwidersprüche. Im christlichen Glauben gibt es Todsünden und lässliche Sünden. Im Strafrecht gibt es Sicherungsverwahrung nach lebenslänglichem Urteil und Strafen auf Bewährung…so ist nicht nur die Politik und Gesellschaft, die Differenzen gehören dazu. ABER nicht so ohne weiteres, nirgends.

Anderswo ist es immer schlimmer als dort, wo man gerade nachdenkt oder handelt. Oder es ist weniger schlimm. Das ist nicht dialektisch, sondern bloß wirklich, fordert zum nachdenklichen Abstand vor jeder Reaktion auf, ist also ethisch oder moralisch eingebunden.

Was sagt es zu Österreich, da komme ich her, wenn der Islamismus dort besonders gedeiht? „Die deutsch-türkische Imamin und Aktivistin Seyran Ates sieht im politischen Islam das größte Problem für Europa. Besonders Österreich sei ein „Hotspot für Islamisten“, die sich in Parallelgesellschaften ungestört organisieren würden.

Die Parallelgesellschaften, über die nicht gesprochen werden sollte – weil man es als Fremdenfeindlichkeit und Stigmatisierung bezeichnet –, sind inzwischen Gegengesellschaften geworden“, sagte Ates gestern in einem APA-Interview beim Mediengipfel in Lech„.

Das bedeutet nicht, dass es in Deutschland oder anderswo solche Hotspots nicht gibt, Aber in Österreich fällt es besonders auf, da sollte ein besonderer Anlass oder eine Reaktion auf Untaten die Nachricht bewegt haben.

Weil nichts schwarz-weiß ist, ist noch lange nicht alles relativ. Darum meine Eingangsbemerkungen, die könnte ich täglich machen und zu viel mehr Themen. Aber auch das ist wichtig, was einem „Ins Auge springt“. Ihr erinnert euch meiner Kommentare zum Terror der Aktualität. Über diese Wichtigkeit und ihre Anordnung in unserem Bewusstsein denke ich heute besonders nach, etwa über die Reihenfolge der Nachrichten: erst Assad, dann Notre Dame. Erst Notre Dame, dann die Besucher von Macron. Anderes wird nach hinten geschoben, oft erleichtert, dass man nicht über Sudan, oder afghanische Frauen, oder Gewalt in Haiti erfahren muss…Die Medienwissenschaften wissen dazu viel und genaues. Die Alltagswahrnehmung kann nicht auf die Theorie ihrer andauernden Praxis warten, auch das ist klar. Aber dazwischen sind so seltsame Erfahrungen mit der „Reaktion“. Plötzlich ist in Syrien, im Mittleren Osten, in der Türkei, in Israel … alles anders. Plötzlich und anders. Der Gegensatz zu beständig und gleichbleibend. Schon nach wenigen Stunden hat die Umdeutung der siegreichen „Milizen“ begonnen, in allen seriösen Medien. Kurz davor wurde Haiat Tahrir al-Scham (HTS) analysiert, die wichtigste von mehreren Rebellengruppen. Vgl. https://www.msn.com/de-de/nachrichten/welt/sturz-von-assad-das-ist-der-anf%C3%BChrer-der-islamistischen-k%C3%A4mpfer/vi-AA1vtqym?ocid=msedgntp&pc=U531&cvid=f8d9462bedef4e4bb8e560b9cc77d88a&ei=21 (AFP)

Man kann sich freuen und dennoch wissen, wo mögliches oder wirkliches Gift wartet oder schon wirkt. Das muss politisch und empathisch und rational bedacht werden, nicht intuitiv oder gar im Rahmen der eigenen festgefügten Überzeugungen. Die Wirklichkeit hat wieder einmal die Wahrheiten übertroffen, Notre Dame übersteht die Einweihung und ihr Erstbesucher, und vielleicht kommen in Syrien auch die Menschen zum Wort. Besserwissen werden für einen Augenblick von Besserdenkern ausgebremst.

Abwerten. Nicht zu lange.

Weltuntergang oder Hoffnungskriege?

Die Überschrift täuscht, euch und mich. Natürlich geht die Welt nicht unter und keiner der laufenden, wütenden Kriege schafft Hoffnung. Aber ich verkürze den Weltuntergang auf das Ende der sogenannten Menschheit, denn wenn es UNS nicht mehr gibt, wer spricht dann über die Welt und ihr Ende? Und keiner der Kriege, die zur Zeit wüten, schafft Hoffnung auf besseres Überleben unserer Welt auf unserer Erde. Dass sich ein paar Idioten ausmalen, wie sie mit Raumschiffen dem Ende der Lebenswelt ausweichen können, gehört eher zu den Randglossen.

Mir geht es um etwas konkretes, schreckliches. Die EU, die USA, Deutschland, die Lokalregime – alle haben in letzter Zeit die Ökologie ausgeblendet, auch die sogenannte Regierungskoalition im Bund, die Länderregierungen, die Gesetzgeber und die Medien. Es siegen die Industrie, die Umweltzerstörung, die Wolfsjagd, der Untergang der Pazifikinseln, die Öl und Gas Religionen…Die „grüne“ Gegenbewegung, die also eine Weltrettung wäre, ist zerredet und ausgebremst, schaut nur auf die Rückschritte bei der EU, den meisten Regierungen und ihren Mediengefolgen. Dass schwachdenkende Rechte wie Söder auf die Grünen hinhauen, ist eine Marginalie, er wird schon Atemstörungen bekommen…dass die sogenannte soziale Frage gegen die Umwelt ausgespielt wird, zeigt wie dumm manche Politiker sind: wenn Menschen im Plastik ersticken oder wenn wir die Vergiftung der Dritten Welt kulinarisch importieren, ist das nicht sozial, sondern weltgefährlich. Und wie es sich mit 3° oder 4° Erderwärmung weiterlebt, werdet ihr in der Mehrzahl schon erröcheln. Nun geht es mir hier nicht um politische Gegenmaßnahmen, die kenne ich teilweise schon auch, aber hier geht es mir darum, dass die Kriege mit etwas zu tun haben, was die Umweltkrise nicht nur lokal befeuert: Russland, Israel, Sudan, Kongo, etc. Beides, Umweltgleichgültigkeit und Krieg, sind Oberflöchen-Bestandteile sich ausbreitender Faschismen, lokal, national, weltweit. Es besteht da ein Zusammenhang, der aufgezeigt udn diskutiert werden muss. Die Schwächen der Demokratie konnte man immer und kann man weiterhin durch ständige Reformen beheben. Diese Schwächen haben aber mit der gegenwartsbezogenen Grundhaltung der Faschismen wenig zu tun. Faschismus kann keine wirkliche Zukunft haben, weil sein Führerprinzip endlich ist. Das macht nur keine Hoffnung, aber es ist für die kritischen Argumente wichtig. Führer kann auf Führer folgen, aber Faschismus kann so, wie er jeweils ist nicht bleiben ohne einem neuen Führer (m/w/x) erneut zu folgen. Das macht Faschismus als Umkehr der Demokratie so gefährlich, schaut in den Nahen Osten, da wird dieses Argument ja demonstriert.

Jetzt aber gehts mir mehr um die Umwelt, und wie sie zerstört wird, schießt nur die Wölfe tot und vergiftet die Insekten mit Glyphosat und blast die Tiere von den Bürgersteigen, es beschleunigt das Ende und die Verstümmelung eurer Nachkommen, auch wenn die Kunstwährung und die Aktien hoch im Kurs sind. Der Absturz vom Trumpolin ist vorprogrammiert. Und das Verhältnis von Umwelt und Krieg zeigt, dass wir noch immer am niedrigsten Zeitalter laborieren, und gar nicht mehr absteigen müssen.

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Die Sonne scheint, der Himmel ist blau. Wir, die vielleicht letzte Tätergeneration, beruhigt sich, so schlimm haben wir es doch gar nicht gemacht, oder? Die rückwärts gewandte Hoffnung gilt nicht unseren Nachkommen, für die haben weder die Wirtschaftsliberalen noch die aktuellen Kulturzerstörer ein wirkliches Gefühl. Denn wenn, zum Beispiel, die deutschen Spartrottel Bildung, Kultur und Zivilisation einsparen, dann merken vielleicht die kommenden Generationen gar nicht, was sie am und im Leben verpassen. Das hatte schon Orwell vorhergesehen oder Fahrenheit 451. Und wer das Soziale gegen Kultur ausspielt, beschleunigt nur den Zerfall der wenigen Chancen, die Evolution der Menschen gegen die Macht des Endkampfes der Gegenwartsfanatiker noch zu beleben…Rettet die Wölfe und die Getreide und eure Nahrung, vielleicht klappt es dann mit der nächsten Generation, der übernächsten besser. Und bekämpft die Naturtäter. DEN Zusammenhang mit dem Faschismus kann man schon unschwer erkennen.

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Empfehle zur schnellen Lektüre: Johann Grolle: Eine Krankheit namens Mensch. SPIEGEL Chronik 2024 86ff., zu den Umweltkatastrophen und zu den Forschungen des PIK Potsdam Institut für Klimafolgenforschung.

Bläserschande, Bläserinnenglück

1.

Öffentlich wie Privat gibt es in Deutschland mindestens 900.000 Laubbläser, Statistiken fehlen wirtschaftsnaturgemäß. Zu Recht beginnt die Wikipedia Eintragung mit den Nachteilen dieses gefährlichen Geräts https://de.wikipedia.org/wiki/Laubbläser . Richtig, dass es mit der Vernichtung von kleinen Tieren beginnt, die sich im und unter dem Laub verstecken. Aber es wird nicht hinreichend belegt, dass diese unsinnige, laute und umweltschädliche Blätterverwirbelung und staubwolkenproduzierende Tätigkeit tausende Arbeitskräfte ausspart. Die könnten, wie noch vor 50 Jahren, zweimal im Herbst Laub zusammenkehren und auf die gleichen Lastwagen packen, die die Bläser heute ja auch beladen müssen….Das würde vielen Menschen soziale Verbesserungen schaffen, anstatt sie arbeitslos auf bürokratische Aufenthaltsfloskeln zu konzentrieren. Also: kehrt das Laub zusammen, schafft es gemeinsam weg und blast mit den Laubbläsern denen, die sie einsetzen, um die Ohren.

2.

Blasen ist ein vieldeutiges Wort. Unter den ca. 20 Bedeutungen wähle ich die musikalische aus: Trompeten, Flöten, Klarinetten, Hörner und andere Blasinstrumente erfreuen mich, ob Solo oder im Orche ster, oder auch im Hintergrund. Und weil immer mehr Frauen solche Instrumente spielen, und gut spielen, sage ich BlaserInnen.

Wenn man die Laubbläser verurteilt, sollte man als Gegengewicht die instrumentale Emanzipation von der Maultrommel, dem Triangel und Orgel feiern und befördern. Bläserinnen sind da ein zuwendungsbedürftiges soziales Gemenge, nicht nur bei Jazz). Es ist erstaunlich, was die besten KomponistInnen der Welt und manche Spezialblas-TonexpertInnen zusammengefasst haben, gut anzuhören, und jenseits der Streicher und Pianos auch einen gehörigen Einfluss auf das jeweilige Kunstwerk haben (da bei schlechter Musik das keine Rolle spielt, ist das auch wichtig: manche Blasorchester kommen an schreckliches Orgelgedröhn heran, und Blockflötenmassenorchester sind auch nicht gut. Ich rede hier aber von guter Musik).

*

Der Bläserbegriff wird oft missbraucht, z.B. bei den Ohrenbläsern, oder gebraucht, bei den Glasbläsern. Bleibt standhaft im Kampf gegen die Laubbläser und hört die MusikbläserInnen mit Hingabe. Vielleicht ein mundgeblasenes Weinglas in Händen und einmal eine Minute ohne Blasphemie.

Kritik versus Verachtung

Mir fällt zu Hitler nichts ein | Dritte Walpurgisnacht – Karl Kraus dokumentiert das Jahr 1933 (Wienbibliothek). Es folgen 300 Seiten Kritik des Nationalsozialismus.

Ich habe diesen Titel gewählt, weil ich meine Kritik an vielfältigen politischen Akteuren und Institutionen, Ereignissen und Vorwegnahmen durchaus fortsetzen werden, aber – wie schon hier gesagt, bestimmte Namen normalerweise nicht nennen werde und wenn, dann unter dem Aspekt der KRITIK. Wen ich verachte, den/die kritisiere ich für gewöhnlich nicht, und jetzt erst recht nicht, wo sich eine ungewöhnlich große Zahl von Verachtenswerten in die Medien und also zu meiner Wahrnehmung drängt.

Aha, denken die LeserInnen, wen meint er denn jetzt konkret? Und wen vergleicht er mit Hitler?

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Was bedeutet es eigentlich, wenn man jemanden verachtet? Gar nicht so einfach, diese Form der geringen Wertschätzung genauer zu beschreiben. Für mich steht im Vordergrund eine Schlussfolgerung, die den Weg vom Bewusstsein zu den Emotionen und Verhaltensweisen gegangen ist. Erst musste ich wissen, warum ich jemanden nicht so wertschätze, dass ich ihn oder sie kritisieren kann. Dann kann ich sagen, den oder die kritisiere ich nicht, ich verachte sie oder ihn. Ich kann eine ganze Partei, einen Verein oder eine Gruppe verachten – und stoße auf Widerstände, wenn dann da ein Mensch drin ist, den oder die ich nicht verachte, aus welchen Gründen auch immer. Erster Schluss: am besten verachtet man, wenn überhaupt, Individuen. Das ist gar nicht abstrakt, denn Kritik muss konkret sein, um gerechtfertigt zu sein, und also auch Verachtung, wenn ich nicht kritisieren kann und mag.

Ich machs einfach. Gute Kritik erzeugt Reaktion(en), Widerspruch, Gegenkritik oder Kompromisse, Einsicht und Einlenken. Verachtung erzeugt nichts von dem, es sollte mich nicht beschäftigen ob der oder die Verachtete es merkt (hoffentlich) und ob er oder sie darauf reagiert. Verachten ist ein Ausblenden der Kommunikation, darum macht es wenig Sinn zu sagen „Ich verachte Sie“, man tut es und damit ist viel getan – nämlich die Abkehr von der Kritik.

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Warum dann das Hitlerzitat zum Anfang? Karl Kraus, der m.E. schärfste Kritiker seiner Zeit, der nie um die Namensnennung des Kritisierten verlegen war, ist hier deutlich: Hitler zu kritisieren ginge an der Kritik am Nationalsozialismus vorbei, es würde seinen Aufstieg, seine Macht usw. nicht erklären. Natürlich kommt er in der Kritik dann vor, aber nicht als das gleichwertige Subjekt mit dem Kritiker. Das setzt natürlich Selbstbewusstsein voraus, und Selbstkritik, bei der Verachtung nicht daneben zu greifen.

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Solche Gedanken tragen mich zur Zeit über die Untiefen, die Wirklichkeit für verachtenswert zu empfinden. Aber wenn man die Augen schließt, gibt es trotzdem ein Draußen, und Drinnen wird nicht besser.

Immerhin, Ihr Leserinnen und Leser müsst keine Kritiken an Menschen lesen, die ich verachte. Meistens.

Aus aller Munde. Aus.

Über wen und was wird gerade am meisten geschrieben und geredet? Ob und wie über wen oder was gedacht wird, lässt sich schwer nachweisen. Aber zu jemandem oder etwas Stellung nehmen, das tun sie allemal. Stellung ist ein vielschichtiges Wort, nicht nur sexuell und militärisch, es zeigt auch auf die Verteilung der Positionen ihrer Verwender in der Gesellschaft, wo steht er oder sie, wenn er oder sie etwas bestimmtes äußert. Nu ja, von da könnte man in die Theorie gehen. Oder einmal den Rücken all dem zuwenden, was man für den Moment nun wirklich nicht hören, sehen, spüren möchte. Sich partout nicht zu dem zu äußern, was angesagt ist, aktuell genannt wird, erfordert Übung und eine Einstellung, die schwer zu beschreiben ist.

Mir geht es darum zu zeigen, dass man das ANSTATT wählen kann, dass sich dort finden lässt, wo der und was gerade nicht erscheinen. Und dass das nicht leicht ist. Wenn ich mich nicht zu Trump, Lindner, Woidke oder Bibi äußere, ist das ja fatal: schon werden ihre Namen erwähnt, und dann beginnt das Ausklammerungsspiel. Also gleich nicht erwähnen….aber was, wenn sie im Halbbewussten oder am Rand der Hirnströme sich schon fest verbunkert haben, wenn sie DA sind? Trotzdem? Rausschmeißen ohne sie zu erwähnen? Da brauchts nicht der Psychologie oder des yogisch eingeübten Willens, da braucht es was anderes, das einem wichtig ist. Nicht zufällig bin ich auf die Ausklammerung der drei Namen gerade gekommen, weil mich die Vergangenheit einholt, ich soll also Dinge erinnern, die ich nicht vergessen habe, aber verdrängt und beiseite gestellt. Beim Ordnung machen.

Es wird oft übersehen, dass das Sich-Einlassen auf die aktuellen Namen oft sind keine wirklichen Personen hinter der Macht, bzw. deren wirkliche Gewalt verbirgt sich in einer Person, nicht notwendig in einer Persönlichkeit, die für uns wirkliche Bedeutung hat. Die Gewalt aber schon – wenn wir unserer Freiheit, unseres Lebensunterhalt, unserer Lebensführung beraubt werden. Und dann kommt man einfach nicht dazu, das Vergangene in seiner Wirkung auf Jetzt und Morgen überhaupt hervorzuholen….

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Ich gehe singend mit meinem Hund durch die Nacht, jeden Abend, und immer wieder frage ich mich, was ich denn da singe…Lieder, die ich nie und schon gar nicht jetzt singen würde, überhaupt nicht. Aber sie bilden eine Brücke zu einem Ereignis oder einer Ausgestaltung der Vergangenheit, und die hat sich das Lied ausgesucht, damit ich sie hervorhole. Woran ich mich dann, gar nicht singend oder träumend erinnere, und etwas analytisch geschult, frage ich mich: warum gerade das damals? Mit anderen Worten, der öfter zitierte Terror der Aktualität verbaut Blick und Beschäftigung mit der Vergangenheit, wo man sie bräuchte. Ich gebe ein echtes Beispiel: vor mehr als 50 Jahren habe ich in verschiedenen Zusammenhängen viel über den damals kurzfristig abgelegten Faschismus erfahren und gelernt. Das war für das Studium in Wien entscheidend. Und die Anwendung der Essenz dessen, was ich damals erfahren habe, prägt meinen Gebrauch des Begriffs. Der Begriff hat dazugelernt, ja, aber das Fundament war konkret. Das schreibe ich auch, um der Kritik an meinen Begriffen mehr als nur Bedeutungsdifferenzen zu entgegnen. Ein anderes, scheinbar unpolitisches Beispiel ist, wie sich die Bilder eines bestimmten Ortes mit seiner jetzigen Ansicht be- und überlagern. Das kann man gut anwenden, wenn es konkret wird bei Menschen mit Ruhrgebiets- oder DDR Nostalgie. Von Gegenwart erfährt man noch früh genug, na, so einfach ist es nicht, aber es deutet etwas an: Was nebenbei die Präsenzblase faschistischer Ideologie ganz gut in Frage stellt: ohne Geschichte keine Zukunft, das kennen wir doch, woher?

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Warum sollte ich ohne Anlass über die Erinnerung an Tiere schreiben, die ich noch erlebt habe und die es heute nicht mehr gibt? Unter anderem, weil und wenn die nicht benannten Namen der Machthaber an ihrem Verschwinden, d.h. an ihrer Vernichtung beteiligt waren. Und ich vielleicht an ihrer Position? Nicht, dass ich sie gewählt hätte oder irgendwie bewusst unterstützt. Aber es gehört schon einiges dazu, kategorisch zu behaupten, man gehöre nicht dazu. Diese Überheblichkeit der Demokraten und Linken hat immer die Rechten unterstützt in ihrem Aufstieg. Erprobt diese Überlegung an denen, die ihr kritisiert, zu Recht, das ist wichtig, nicht zurückweichen, oder einfacher an denen, über die ich ja nicht sprechen wollte…und mehr ihresgleichen gibts ja. Man ist in die Gesellschaft und damit in die Politik einbezogen, jenseits der eigenen Meinungen, und man hat sich nur Teile des eigenen „Standortes“ ausgesucht, also lieber einen Schritt zurücktreten und nach vorne schauen, ob man das Terrain erweitern kann, das eigene, das macht die Politik besser wahrnehmbar und einen selbst freier. Auf all das komme ich, weil ich manche Namen nicht genannt habe, kommt schon wieder. Aber die Denkkaskade hat etwas von einem Wasserfall an sich, und den schaut man sich ja auch aus verschiedenen Winkeln an.

Womit sich der Ausgangspunkt schon dauernd widerlegt. Immer wieder.

Faschismus global, regional, lokal. Real.

Faschismus global – geht’s nicht billiger? Das schon, aber die klare Kante von Begriffen ist wichtig, um das Ungefähre zu vermeiden, das einem bei einer Niederlage das mögliche Wohlwollen der Gegner eintragen kann. Außerdem: wenn in Europa eine Mehrzahl von offen faschistischen Ländern und Regionen zum demokratischen EU Konzept zu gehören scheinen, dann seid mit euren Abwehrgesten zu Begriffen nicht so zimperlich. Die Liste ist lang, Italien, Niederlande, Ungarn, … Bulgarien, Rumänien, Österreich…die Faschisten warten nur darauf, die Regierungen in noch mehr Ländern oder Regionen zu stellen. Dass die Faschisten in meiner ersten Heimat Österreich Wahlen gewinnen, muss besonders schmerzen, denn bislang haben der konservative wie der sozialistische Abwehrwall das Ärgste verhindert, und was Faschisten sind, kann man am Nationalratspräsidenten Rosenkranz und am präsumtiven Landeshaupt-mann der Steiermark genau erkunden. Meine zweite Heimat Deutschland ist da nicht viel besser, in drei Bundesländern ranzen sich die bisher demokratischen CDU und SPD an die Faschisten ran, entweder an die AfD oder an BSW. A propos BSW: Sagt mir eine andere Partei, die den Namen der Führerin im Briefkopf und Titel hat oder gehabt hat. Nein, die Zeiten sind schlecht, wenn sie global sich faschisieren. Die Hierarchie ist global, ob man bei den Diktatoren wie Putin oder Xi von oben beginnt, oder bei Kriminellen, die Staatsmänner werden oder sind, wie Trump oder Netanjahu, ob man Regierungen und Terroristen mit leichter Hand und dummen Gedanken gleichsetzt, wie der Internationale Gerichtshof, man kann das von oben beginnen abzulesen, oder von unten, wo der Brandenburger Woidke mit dem BSW koalieren will, nur damit er der Erste in der Landesliste ist (als Narziss, nicht als Politiker). Oder in Europa, wo von der Leyen, die abgeschobene Bundeswehrignorantin, die so hoch befördert wurde, ähnlich wie der EVP Chef Weber, ungerührt mit den Faschisten kooperiert, nur um oben zu bleiben…darf man nicht sagen? Soll man differenzieren? Keine Sorge, ich kann das und andere auch. Aber die psychischen Schmerzen, Ärger, Leid, Erstarrung etc. orientieren sich nicht am Differenzierten, sondern an den Grundstrukturen. Dann ist es nicht so wichtig, dass die Rechtsbrüche von Trump mehr und größer waren als die von Netanjahu, und dessen grauenvolle Irrwege größer sind als die der lokalen Despoten. Wichtig ist zu bedenken, was was auslöst.

Ich sage nicht, dass die ganze Welt bald faschistisch strukturiert und regiert wird. Ich sage nur, dass weltweit der Faschismus vordringt und Gesellschaften wie Staaten zunehmend unter Druck setzt. Faschismus ist nicht einfach das negative Gegenbild einer demokratischen Republik. Die alten Rechts-Links-Raster funktionieren hier kaum, oft sind politische Entscheidungen im Faschismus einzeln zu begrüßen, in toto aber entsetzlich falsch; oft stimmen Innen- und Außenpolitik für Beobachtungen nicht überein (Italien ist ein gutes Beispiel), oft ist es nicht die Diktatur, die als erstes auffällt, sondern die Unterwerfung von Teilen des Volks unter das Führerprinzip (viele osteuropäische Länder) oder die Mehrheitsgewinnung durch Komplexitätsreduzierung (Ausländerfeindlichkeit als Erlösungsprinzip, z.B. Niederlande).

Dass die Demokratien schwächer werden, ist auch eine Folge einer anderen Komplexitätsreduzierung.  Mit dem Umweltrettungsplan kann man nicht so umgehen wie mit Sozial- oder Wirtschaftsgesetzen. Wenn die Menschheit zu ersticken oder zu verbrennen oder zu ertrinken droht, dann ist die Menschheit nichts Philosophisches, sondern das Leben unserer Enkel, Urenkel, vielleicht Urur… egal, gemessen an den Geschichtszeitabschnitten. Es geht in diesem Fall um Politik und Moral, nicht um Philosophie oder Religion…eine seltsame Assoziation, nicht wahr? Aber schaut auf manche Faschisten, die immer starke evangelikale, ultraorthodox jüdische oder radikal islamistische Prätorianergarden aufgerüstet haben, anderswo andere Religionen missbrauchen.

Kurz: Demokratie ist da, vulnerabel, ständig kritikfähig aktiv und passiv, muss sich entwickeln und reformieren (lassen), und zwar jederzeit. Faschismus ist nicht einfach da, er kommt und er muss wachsen (Vgl. Canetti „Masse und Macht“ 1960. Darin steht u.a.

  1. Die Masse will immer wachsen.
  2. Innerhalb der Masse herrscht Gleichheit.
  3. Die Masse liebt Dichte.
  4. Die Masse braucht eine Richtung.

Die Masse an sich existiert nicht. Massen sind entweder mit Todesdrohungen verbundene „Jagd- oder Fluchtmassen“ oder lebensbejahende, euphorisierende „Festmassen“. (Masse und Macht – Wikipedia) Nun ist das eine nicht vollständige Überlegung, aber sie weist in eine wichtige Richtung. Faschismus ist mehr und anders als eine beliebige Masse, und zu den Punkten 2 und 4 der Masse kommt das Führer/Führungsprinzip, übrigens jenseits von m-w. Nicht nur die DDR und der Sozialismus haben Faschismus verkürzt an den Erscheinungen des Nationalsozialismus gemessen, sondern als „Umkehrung“ ihrer je eigenen Ideologie definiert. Historisch ist das so unrichtig wie oberflächlich. Was Anti-Demokratie wirklich heißt und bedeutet, ist viel komplexer und mehrschichtig. Nur, wenn sie eintritt, weiß man es, wissen wir es, oft zu spät (Ungarn ist dafür ein gutes Beispiel).

Wie schnell sich Antidemokratie ausbreiten kann, zeigt sich an Teilen der US Justiz lange bevor der Diktator Trump die Macht offiziell ergreift. Man weiß schon jetzt, was seine Minister rückgängig machen, viele Gerichte fügen sich schon vorsorglich…

* Mit dieser Beschreibung mache ich niemandem Angst, aber ich möchte nicht, dass wir uns am gefährlichen Unsinn von AfD oder BSW orientieren, sondern an unseren Schwächen demokratischer Verfahren und wahlunabhängiger Prioritäten. Wir müssen anders und schneller handeln, damit wir nicht daran mitwirken,. Menschen vertrocknen oder ersticken zu sehen. Das kann übrigens Täter und Opfer von Kriegen und Ausbeutung, Aggression und Passivität zugleich treffen, nur ist das kein Trost.