Politisches Glücksgift

Wer freut sich nicht, dass Assad aus Syrien abgehauen ist, dass die Russen dort zurückgedrängt werden, dass die Gefängnisse geöffnet wurden, dass…?

Wer hat in den letzten Tagen nicht Assad als das kleinere Übel gegenüber den erobernden Terrorbrigaden bezeichnet?

Wer hat nicht die Faust in der Tasche geballt, als der Präsident im Wartestand neben dem französischen Präsidenten die Kathedrale mit eröffnete?

Auch die politischen Korrekturen, Kurs oder Moment, können kurzfristig nachdenklich stimmen, die Meinungen sind nur bis zu einem bestimmten Moment stabil, dann schwurbeln sie im Kopf herum, bis sich wieder eine Überzeugung herausbildet, für eine Weile.

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Im Marxismus gibt es Haupt- und Nebenwidersprüche. Im christlichen Glauben gibt es Todsünden und lässliche Sünden. Im Strafrecht gibt es Sicherungsverwahrung nach lebenslänglichem Urteil und Strafen auf Bewährung…so ist nicht nur die Politik und Gesellschaft, die Differenzen gehören dazu. ABER nicht so ohne weiteres, nirgends.

Anderswo ist es immer schlimmer als dort, wo man gerade nachdenkt oder handelt. Oder es ist weniger schlimm. Das ist nicht dialektisch, sondern bloß wirklich, fordert zum nachdenklichen Abstand vor jeder Reaktion auf, ist also ethisch oder moralisch eingebunden.

Was sagt es zu Österreich, da komme ich her, wenn der Islamismus dort besonders gedeiht? „Die deutsch-türkische Imamin und Aktivistin Seyran Ates sieht im politischen Islam das größte Problem für Europa. Besonders Österreich sei ein „Hotspot für Islamisten“, die sich in Parallelgesellschaften ungestört organisieren würden.

Die Parallelgesellschaften, über die nicht gesprochen werden sollte – weil man es als Fremdenfeindlichkeit und Stigmatisierung bezeichnet –, sind inzwischen Gegengesellschaften geworden“, sagte Ates gestern in einem APA-Interview beim Mediengipfel in Lech„.

Das bedeutet nicht, dass es in Deutschland oder anderswo solche Hotspots nicht gibt, Aber in Österreich fällt es besonders auf, da sollte ein besonderer Anlass oder eine Reaktion auf Untaten die Nachricht bewegt haben.

Weil nichts schwarz-weiß ist, ist noch lange nicht alles relativ. Darum meine Eingangsbemerkungen, die könnte ich täglich machen und zu viel mehr Themen. Aber auch das ist wichtig, was einem „Ins Auge springt“. Ihr erinnert euch meiner Kommentare zum Terror der Aktualität. Über diese Wichtigkeit und ihre Anordnung in unserem Bewusstsein denke ich heute besonders nach, etwa über die Reihenfolge der Nachrichten: erst Assad, dann Notre Dame. Erst Notre Dame, dann die Besucher von Macron. Anderes wird nach hinten geschoben, oft erleichtert, dass man nicht über Sudan, oder afghanische Frauen, oder Gewalt in Haiti erfahren muss…Die Medienwissenschaften wissen dazu viel und genaues. Die Alltagswahrnehmung kann nicht auf die Theorie ihrer andauernden Praxis warten, auch das ist klar. Aber dazwischen sind so seltsame Erfahrungen mit der „Reaktion“. Plötzlich ist in Syrien, im Mittleren Osten, in der Türkei, in Israel … alles anders. Plötzlich und anders. Der Gegensatz zu beständig und gleichbleibend. Schon nach wenigen Stunden hat die Umdeutung der siegreichen „Milizen“ begonnen, in allen seriösen Medien. Kurz davor wurde Haiat Tahrir al-Scham (HTS) analysiert, die wichtigste von mehreren Rebellengruppen. Vgl. https://www.msn.com/de-de/nachrichten/welt/sturz-von-assad-das-ist-der-anf%C3%BChrer-der-islamistischen-k%C3%A4mpfer/vi-AA1vtqym?ocid=msedgntp&pc=U531&cvid=f8d9462bedef4e4bb8e560b9cc77d88a&ei=21 (AFP)

Man kann sich freuen und dennoch wissen, wo mögliches oder wirkliches Gift wartet oder schon wirkt. Das muss politisch und empathisch und rational bedacht werden, nicht intuitiv oder gar im Rahmen der eigenen festgefügten Überzeugungen. Die Wirklichkeit hat wieder einmal die Wahrheiten übertroffen, Notre Dame übersteht die Einweihung und ihr Erstbesucher, und vielleicht kommen in Syrien auch die Menschen zum Wort. Besserwissen werden für einen Augenblick von Besserdenkern ausgebremst.

Abwerten. Nicht zu lange.

Weltuntergang oder Hoffnungskriege?

Die Überschrift täuscht, euch und mich. Natürlich geht die Welt nicht unter und keiner der laufenden, wütenden Kriege schafft Hoffnung. Aber ich verkürze den Weltuntergang auf das Ende der sogenannten Menschheit, denn wenn es UNS nicht mehr gibt, wer spricht dann über die Welt und ihr Ende? Und keiner der Kriege, die zur Zeit wüten, schafft Hoffnung auf besseres Überleben unserer Welt auf unserer Erde. Dass sich ein paar Idioten ausmalen, wie sie mit Raumschiffen dem Ende der Lebenswelt ausweichen können, gehört eher zu den Randglossen.

Mir geht es um etwas konkretes, schreckliches. Die EU, die USA, Deutschland, die Lokalregime – alle haben in letzter Zeit die Ökologie ausgeblendet, auch die sogenannte Regierungskoalition im Bund, die Länderregierungen, die Gesetzgeber und die Medien. Es siegen die Industrie, die Umweltzerstörung, die Wolfsjagd, der Untergang der Pazifikinseln, die Öl und Gas Religionen…Die „grüne“ Gegenbewegung, die also eine Weltrettung wäre, ist zerredet und ausgebremst, schaut nur auf die Rückschritte bei der EU, den meisten Regierungen und ihren Mediengefolgen. Dass schwachdenkende Rechte wie Söder auf die Grünen hinhauen, ist eine Marginalie, er wird schon Atemstörungen bekommen…dass die sogenannte soziale Frage gegen die Umwelt ausgespielt wird, zeigt wie dumm manche Politiker sind: wenn Menschen im Plastik ersticken oder wenn wir die Vergiftung der Dritten Welt kulinarisch importieren, ist das nicht sozial, sondern weltgefährlich. Und wie es sich mit 3° oder 4° Erderwärmung weiterlebt, werdet ihr in der Mehrzahl schon erröcheln. Nun geht es mir hier nicht um politische Gegenmaßnahmen, die kenne ich teilweise schon auch, aber hier geht es mir darum, dass die Kriege mit etwas zu tun haben, was die Umweltkrise nicht nur lokal befeuert: Russland, Israel, Sudan, Kongo, etc. Beides, Umweltgleichgültigkeit und Krieg, sind Oberflöchen-Bestandteile sich ausbreitender Faschismen, lokal, national, weltweit. Es besteht da ein Zusammenhang, der aufgezeigt udn diskutiert werden muss. Die Schwächen der Demokratie konnte man immer und kann man weiterhin durch ständige Reformen beheben. Diese Schwächen haben aber mit der gegenwartsbezogenen Grundhaltung der Faschismen wenig zu tun. Faschismus kann keine wirkliche Zukunft haben, weil sein Führerprinzip endlich ist. Das macht nur keine Hoffnung, aber es ist für die kritischen Argumente wichtig. Führer kann auf Führer folgen, aber Faschismus kann so, wie er jeweils ist nicht bleiben ohne einem neuen Führer (m/w/x) erneut zu folgen. Das macht Faschismus als Umkehr der Demokratie so gefährlich, schaut in den Nahen Osten, da wird dieses Argument ja demonstriert.

Jetzt aber gehts mir mehr um die Umwelt, und wie sie zerstört wird, schießt nur die Wölfe tot und vergiftet die Insekten mit Glyphosat und blast die Tiere von den Bürgersteigen, es beschleunigt das Ende und die Verstümmelung eurer Nachkommen, auch wenn die Kunstwährung und die Aktien hoch im Kurs sind. Der Absturz vom Trumpolin ist vorprogrammiert. Und das Verhältnis von Umwelt und Krieg zeigt, dass wir noch immer am niedrigsten Zeitalter laborieren, und gar nicht mehr absteigen müssen.

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Die Sonne scheint, der Himmel ist blau. Wir, die vielleicht letzte Tätergeneration, beruhigt sich, so schlimm haben wir es doch gar nicht gemacht, oder? Die rückwärts gewandte Hoffnung gilt nicht unseren Nachkommen, für die haben weder die Wirtschaftsliberalen noch die aktuellen Kulturzerstörer ein wirkliches Gefühl. Denn wenn, zum Beispiel, die deutschen Spartrottel Bildung, Kultur und Zivilisation einsparen, dann merken vielleicht die kommenden Generationen gar nicht, was sie am und im Leben verpassen. Das hatte schon Orwell vorhergesehen oder Fahrenheit 451. Und wer das Soziale gegen Kultur ausspielt, beschleunigt nur den Zerfall der wenigen Chancen, die Evolution der Menschen gegen die Macht des Endkampfes der Gegenwartsfanatiker noch zu beleben…Rettet die Wölfe und die Getreide und eure Nahrung, vielleicht klappt es dann mit der nächsten Generation, der übernächsten besser. Und bekämpft die Naturtäter. DEN Zusammenhang mit dem Faschismus kann man schon unschwer erkennen.

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Empfehle zur schnellen Lektüre: Johann Grolle: Eine Krankheit namens Mensch. SPIEGEL Chronik 2024 86ff., zu den Umweltkatastrophen und zu den Forschungen des PIK Potsdam Institut für Klimafolgenforschung.

Bläserschande, Bläserinnenglück

1.

Öffentlich wie Privat gibt es in Deutschland mindestens 900.000 Laubbläser, Statistiken fehlen wirtschaftsnaturgemäß. Zu Recht beginnt die Wikipedia Eintragung mit den Nachteilen dieses gefährlichen Geräts https://de.wikipedia.org/wiki/Laubbläser . Richtig, dass es mit der Vernichtung von kleinen Tieren beginnt, die sich im und unter dem Laub verstecken. Aber es wird nicht hinreichend belegt, dass diese unsinnige, laute und umweltschädliche Blätterverwirbelung und staubwolkenproduzierende Tätigkeit tausende Arbeitskräfte ausspart. Die könnten, wie noch vor 50 Jahren, zweimal im Herbst Laub zusammenkehren und auf die gleichen Lastwagen packen, die die Bläser heute ja auch beladen müssen….Das würde vielen Menschen soziale Verbesserungen schaffen, anstatt sie arbeitslos auf bürokratische Aufenthaltsfloskeln zu konzentrieren. Also: kehrt das Laub zusammen, schafft es gemeinsam weg und blast mit den Laubbläsern denen, die sie einsetzen, um die Ohren.

2.

Blasen ist ein vieldeutiges Wort. Unter den ca. 20 Bedeutungen wähle ich die musikalische aus: Trompeten, Flöten, Klarinetten, Hörner und andere Blasinstrumente erfreuen mich, ob Solo oder im Orche ster, oder auch im Hintergrund. Und weil immer mehr Frauen solche Instrumente spielen, und gut spielen, sage ich BlaserInnen.

Wenn man die Laubbläser verurteilt, sollte man als Gegengewicht die instrumentale Emanzipation von der Maultrommel, dem Triangel und Orgel feiern und befördern. Bläserinnen sind da ein zuwendungsbedürftiges soziales Gemenge, nicht nur bei Jazz). Es ist erstaunlich, was die besten KomponistInnen der Welt und manche Spezialblas-TonexpertInnen zusammengefasst haben, gut anzuhören, und jenseits der Streicher und Pianos auch einen gehörigen Einfluss auf das jeweilige Kunstwerk haben (da bei schlechter Musik das keine Rolle spielt, ist das auch wichtig: manche Blasorchester kommen an schreckliches Orgelgedröhn heran, und Blockflötenmassenorchester sind auch nicht gut. Ich rede hier aber von guter Musik).

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Der Bläserbegriff wird oft missbraucht, z.B. bei den Ohrenbläsern, oder gebraucht, bei den Glasbläsern. Bleibt standhaft im Kampf gegen die Laubbläser und hört die MusikbläserInnen mit Hingabe. Vielleicht ein mundgeblasenes Weinglas in Händen und einmal eine Minute ohne Blasphemie.

Kritik versus Verachtung

Mir fällt zu Hitler nichts ein | Dritte Walpurgisnacht – Karl Kraus dokumentiert das Jahr 1933 (Wienbibliothek). Es folgen 300 Seiten Kritik des Nationalsozialismus.

Ich habe diesen Titel gewählt, weil ich meine Kritik an vielfältigen politischen Akteuren und Institutionen, Ereignissen und Vorwegnahmen durchaus fortsetzen werden, aber – wie schon hier gesagt, bestimmte Namen normalerweise nicht nennen werde und wenn, dann unter dem Aspekt der KRITIK. Wen ich verachte, den/die kritisiere ich für gewöhnlich nicht, und jetzt erst recht nicht, wo sich eine ungewöhnlich große Zahl von Verachtenswerten in die Medien und also zu meiner Wahrnehmung drängt.

Aha, denken die LeserInnen, wen meint er denn jetzt konkret? Und wen vergleicht er mit Hitler?

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Was bedeutet es eigentlich, wenn man jemanden verachtet? Gar nicht so einfach, diese Form der geringen Wertschätzung genauer zu beschreiben. Für mich steht im Vordergrund eine Schlussfolgerung, die den Weg vom Bewusstsein zu den Emotionen und Verhaltensweisen gegangen ist. Erst musste ich wissen, warum ich jemanden nicht so wertschätze, dass ich ihn oder sie kritisieren kann. Dann kann ich sagen, den oder die kritisiere ich nicht, ich verachte sie oder ihn. Ich kann eine ganze Partei, einen Verein oder eine Gruppe verachten – und stoße auf Widerstände, wenn dann da ein Mensch drin ist, den oder die ich nicht verachte, aus welchen Gründen auch immer. Erster Schluss: am besten verachtet man, wenn überhaupt, Individuen. Das ist gar nicht abstrakt, denn Kritik muss konkret sein, um gerechtfertigt zu sein, und also auch Verachtung, wenn ich nicht kritisieren kann und mag.

Ich machs einfach. Gute Kritik erzeugt Reaktion(en), Widerspruch, Gegenkritik oder Kompromisse, Einsicht und Einlenken. Verachtung erzeugt nichts von dem, es sollte mich nicht beschäftigen ob der oder die Verachtete es merkt (hoffentlich) und ob er oder sie darauf reagiert. Verachten ist ein Ausblenden der Kommunikation, darum macht es wenig Sinn zu sagen „Ich verachte Sie“, man tut es und damit ist viel getan – nämlich die Abkehr von der Kritik.

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Warum dann das Hitlerzitat zum Anfang? Karl Kraus, der m.E. schärfste Kritiker seiner Zeit, der nie um die Namensnennung des Kritisierten verlegen war, ist hier deutlich: Hitler zu kritisieren ginge an der Kritik am Nationalsozialismus vorbei, es würde seinen Aufstieg, seine Macht usw. nicht erklären. Natürlich kommt er in der Kritik dann vor, aber nicht als das gleichwertige Subjekt mit dem Kritiker. Das setzt natürlich Selbstbewusstsein voraus, und Selbstkritik, bei der Verachtung nicht daneben zu greifen.

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Solche Gedanken tragen mich zur Zeit über die Untiefen, die Wirklichkeit für verachtenswert zu empfinden. Aber wenn man die Augen schließt, gibt es trotzdem ein Draußen, und Drinnen wird nicht besser.

Immerhin, Ihr Leserinnen und Leser müsst keine Kritiken an Menschen lesen, die ich verachte. Meistens.

Aus aller Munde. Aus.

Über wen und was wird gerade am meisten geschrieben und geredet? Ob und wie über wen oder was gedacht wird, lässt sich schwer nachweisen. Aber zu jemandem oder etwas Stellung nehmen, das tun sie allemal. Stellung ist ein vielschichtiges Wort, nicht nur sexuell und militärisch, es zeigt auch auf die Verteilung der Positionen ihrer Verwender in der Gesellschaft, wo steht er oder sie, wenn er oder sie etwas bestimmtes äußert. Nu ja, von da könnte man in die Theorie gehen. Oder einmal den Rücken all dem zuwenden, was man für den Moment nun wirklich nicht hören, sehen, spüren möchte. Sich partout nicht zu dem zu äußern, was angesagt ist, aktuell genannt wird, erfordert Übung und eine Einstellung, die schwer zu beschreiben ist.

Mir geht es darum zu zeigen, dass man das ANSTATT wählen kann, dass sich dort finden lässt, wo der und was gerade nicht erscheinen. Und dass das nicht leicht ist. Wenn ich mich nicht zu Trump, Lindner, Woidke oder Bibi äußere, ist das ja fatal: schon werden ihre Namen erwähnt, und dann beginnt das Ausklammerungsspiel. Also gleich nicht erwähnen….aber was, wenn sie im Halbbewussten oder am Rand der Hirnströme sich schon fest verbunkert haben, wenn sie DA sind? Trotzdem? Rausschmeißen ohne sie zu erwähnen? Da brauchts nicht der Psychologie oder des yogisch eingeübten Willens, da braucht es was anderes, das einem wichtig ist. Nicht zufällig bin ich auf die Ausklammerung der drei Namen gerade gekommen, weil mich die Vergangenheit einholt, ich soll also Dinge erinnern, die ich nicht vergessen habe, aber verdrängt und beiseite gestellt. Beim Ordnung machen.

Es wird oft übersehen, dass das Sich-Einlassen auf die aktuellen Namen oft sind keine wirklichen Personen hinter der Macht, bzw. deren wirkliche Gewalt verbirgt sich in einer Person, nicht notwendig in einer Persönlichkeit, die für uns wirkliche Bedeutung hat. Die Gewalt aber schon – wenn wir unserer Freiheit, unseres Lebensunterhalt, unserer Lebensführung beraubt werden. Und dann kommt man einfach nicht dazu, das Vergangene in seiner Wirkung auf Jetzt und Morgen überhaupt hervorzuholen….

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Ich gehe singend mit meinem Hund durch die Nacht, jeden Abend, und immer wieder frage ich mich, was ich denn da singe…Lieder, die ich nie und schon gar nicht jetzt singen würde, überhaupt nicht. Aber sie bilden eine Brücke zu einem Ereignis oder einer Ausgestaltung der Vergangenheit, und die hat sich das Lied ausgesucht, damit ich sie hervorhole. Woran ich mich dann, gar nicht singend oder träumend erinnere, und etwas analytisch geschult, frage ich mich: warum gerade das damals? Mit anderen Worten, der öfter zitierte Terror der Aktualität verbaut Blick und Beschäftigung mit der Vergangenheit, wo man sie bräuchte. Ich gebe ein echtes Beispiel: vor mehr als 50 Jahren habe ich in verschiedenen Zusammenhängen viel über den damals kurzfristig abgelegten Faschismus erfahren und gelernt. Das war für das Studium in Wien entscheidend. Und die Anwendung der Essenz dessen, was ich damals erfahren habe, prägt meinen Gebrauch des Begriffs. Der Begriff hat dazugelernt, ja, aber das Fundament war konkret. Das schreibe ich auch, um der Kritik an meinen Begriffen mehr als nur Bedeutungsdifferenzen zu entgegnen. Ein anderes, scheinbar unpolitisches Beispiel ist, wie sich die Bilder eines bestimmten Ortes mit seiner jetzigen Ansicht be- und überlagern. Das kann man gut anwenden, wenn es konkret wird bei Menschen mit Ruhrgebiets- oder DDR Nostalgie. Von Gegenwart erfährt man noch früh genug, na, so einfach ist es nicht, aber es deutet etwas an: Was nebenbei die Präsenzblase faschistischer Ideologie ganz gut in Frage stellt: ohne Geschichte keine Zukunft, das kennen wir doch, woher?

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Warum sollte ich ohne Anlass über die Erinnerung an Tiere schreiben, die ich noch erlebt habe und die es heute nicht mehr gibt? Unter anderem, weil und wenn die nicht benannten Namen der Machthaber an ihrem Verschwinden, d.h. an ihrer Vernichtung beteiligt waren. Und ich vielleicht an ihrer Position? Nicht, dass ich sie gewählt hätte oder irgendwie bewusst unterstützt. Aber es gehört schon einiges dazu, kategorisch zu behaupten, man gehöre nicht dazu. Diese Überheblichkeit der Demokraten und Linken hat immer die Rechten unterstützt in ihrem Aufstieg. Erprobt diese Überlegung an denen, die ihr kritisiert, zu Recht, das ist wichtig, nicht zurückweichen, oder einfacher an denen, über die ich ja nicht sprechen wollte…und mehr ihresgleichen gibts ja. Man ist in die Gesellschaft und damit in die Politik einbezogen, jenseits der eigenen Meinungen, und man hat sich nur Teile des eigenen „Standortes“ ausgesucht, also lieber einen Schritt zurücktreten und nach vorne schauen, ob man das Terrain erweitern kann, das eigene, das macht die Politik besser wahrnehmbar und einen selbst freier. Auf all das komme ich, weil ich manche Namen nicht genannt habe, kommt schon wieder. Aber die Denkkaskade hat etwas von einem Wasserfall an sich, und den schaut man sich ja auch aus verschiedenen Winkeln an.

Womit sich der Ausgangspunkt schon dauernd widerlegt. Immer wieder.

Faschismus global, regional, lokal. Real.

Faschismus global – geht’s nicht billiger? Das schon, aber die klare Kante von Begriffen ist wichtig, um das Ungefähre zu vermeiden, das einem bei einer Niederlage das mögliche Wohlwollen der Gegner eintragen kann. Außerdem: wenn in Europa eine Mehrzahl von offen faschistischen Ländern und Regionen zum demokratischen EU Konzept zu gehören scheinen, dann seid mit euren Abwehrgesten zu Begriffen nicht so zimperlich. Die Liste ist lang, Italien, Niederlande, Ungarn, … Bulgarien, Rumänien, Österreich…die Faschisten warten nur darauf, die Regierungen in noch mehr Ländern oder Regionen zu stellen. Dass die Faschisten in meiner ersten Heimat Österreich Wahlen gewinnen, muss besonders schmerzen, denn bislang haben der konservative wie der sozialistische Abwehrwall das Ärgste verhindert, und was Faschisten sind, kann man am Nationalratspräsidenten Rosenkranz und am präsumtiven Landeshaupt-mann der Steiermark genau erkunden. Meine zweite Heimat Deutschland ist da nicht viel besser, in drei Bundesländern ranzen sich die bisher demokratischen CDU und SPD an die Faschisten ran, entweder an die AfD oder an BSW. A propos BSW: Sagt mir eine andere Partei, die den Namen der Führerin im Briefkopf und Titel hat oder gehabt hat. Nein, die Zeiten sind schlecht, wenn sie global sich faschisieren. Die Hierarchie ist global, ob man bei den Diktatoren wie Putin oder Xi von oben beginnt, oder bei Kriminellen, die Staatsmänner werden oder sind, wie Trump oder Netanjahu, ob man Regierungen und Terroristen mit leichter Hand und dummen Gedanken gleichsetzt, wie der Internationale Gerichtshof, man kann das von oben beginnen abzulesen, oder von unten, wo der Brandenburger Woidke mit dem BSW koalieren will, nur damit er der Erste in der Landesliste ist (als Narziss, nicht als Politiker). Oder in Europa, wo von der Leyen, die abgeschobene Bundeswehrignorantin, die so hoch befördert wurde, ähnlich wie der EVP Chef Weber, ungerührt mit den Faschisten kooperiert, nur um oben zu bleiben…darf man nicht sagen? Soll man differenzieren? Keine Sorge, ich kann das und andere auch. Aber die psychischen Schmerzen, Ärger, Leid, Erstarrung etc. orientieren sich nicht am Differenzierten, sondern an den Grundstrukturen. Dann ist es nicht so wichtig, dass die Rechtsbrüche von Trump mehr und größer waren als die von Netanjahu, und dessen grauenvolle Irrwege größer sind als die der lokalen Despoten. Wichtig ist zu bedenken, was was auslöst.

Ich sage nicht, dass die ganze Welt bald faschistisch strukturiert und regiert wird. Ich sage nur, dass weltweit der Faschismus vordringt und Gesellschaften wie Staaten zunehmend unter Druck setzt. Faschismus ist nicht einfach das negative Gegenbild einer demokratischen Republik. Die alten Rechts-Links-Raster funktionieren hier kaum, oft sind politische Entscheidungen im Faschismus einzeln zu begrüßen, in toto aber entsetzlich falsch; oft stimmen Innen- und Außenpolitik für Beobachtungen nicht überein (Italien ist ein gutes Beispiel), oft ist es nicht die Diktatur, die als erstes auffällt, sondern die Unterwerfung von Teilen des Volks unter das Führerprinzip (viele osteuropäische Länder) oder die Mehrheitsgewinnung durch Komplexitätsreduzierung (Ausländerfeindlichkeit als Erlösungsprinzip, z.B. Niederlande).

Dass die Demokratien schwächer werden, ist auch eine Folge einer anderen Komplexitätsreduzierung.  Mit dem Umweltrettungsplan kann man nicht so umgehen wie mit Sozial- oder Wirtschaftsgesetzen. Wenn die Menschheit zu ersticken oder zu verbrennen oder zu ertrinken droht, dann ist die Menschheit nichts Philosophisches, sondern das Leben unserer Enkel, Urenkel, vielleicht Urur… egal, gemessen an den Geschichtszeitabschnitten. Es geht in diesem Fall um Politik und Moral, nicht um Philosophie oder Religion…eine seltsame Assoziation, nicht wahr? Aber schaut auf manche Faschisten, die immer starke evangelikale, ultraorthodox jüdische oder radikal islamistische Prätorianergarden aufgerüstet haben, anderswo andere Religionen missbrauchen.

Kurz: Demokratie ist da, vulnerabel, ständig kritikfähig aktiv und passiv, muss sich entwickeln und reformieren (lassen), und zwar jederzeit. Faschismus ist nicht einfach da, er kommt und er muss wachsen (Vgl. Canetti „Masse und Macht“ 1960. Darin steht u.a.

  1. Die Masse will immer wachsen.
  2. Innerhalb der Masse herrscht Gleichheit.
  3. Die Masse liebt Dichte.
  4. Die Masse braucht eine Richtung.

Die Masse an sich existiert nicht. Massen sind entweder mit Todesdrohungen verbundene „Jagd- oder Fluchtmassen“ oder lebensbejahende, euphorisierende „Festmassen“. (Masse und Macht – Wikipedia) Nun ist das eine nicht vollständige Überlegung, aber sie weist in eine wichtige Richtung. Faschismus ist mehr und anders als eine beliebige Masse, und zu den Punkten 2 und 4 der Masse kommt das Führer/Führungsprinzip, übrigens jenseits von m-w. Nicht nur die DDR und der Sozialismus haben Faschismus verkürzt an den Erscheinungen des Nationalsozialismus gemessen, sondern als „Umkehrung“ ihrer je eigenen Ideologie definiert. Historisch ist das so unrichtig wie oberflächlich. Was Anti-Demokratie wirklich heißt und bedeutet, ist viel komplexer und mehrschichtig. Nur, wenn sie eintritt, weiß man es, wissen wir es, oft zu spät (Ungarn ist dafür ein gutes Beispiel).

Wie schnell sich Antidemokratie ausbreiten kann, zeigt sich an Teilen der US Justiz lange bevor der Diktator Trump die Macht offiziell ergreift. Man weiß schon jetzt, was seine Minister rückgängig machen, viele Gerichte fügen sich schon vorsorglich…

* Mit dieser Beschreibung mache ich niemandem Angst, aber ich möchte nicht, dass wir uns am gefährlichen Unsinn von AfD oder BSW orientieren, sondern an unseren Schwächen demokratischer Verfahren und wahlunabhängiger Prioritäten. Wir müssen anders und schneller handeln, damit wir nicht daran mitwirken,. Menschen vertrocknen oder ersticken zu sehen. Das kann übrigens Täter und Opfer von Kriegen und Ausbeutung, Aggression und Passivität zugleich treffen, nur ist das kein Trost.

Israel, jüdisch und anders. Deutsch?

Diesen seltsamen Titel habe ich gewählt, weil mir im derzeitigen Konflikt der Diskurse keine geradlinige Ansprache einfällt. Der Konflikt der Diskurse ist nicht der wirkliche Konflikt, und dieser ist eine Summe von Konflikten. Ich wiederhole: Pro-Israel, Anti-Israel, Pro-Palästina, Anti-Palästina sind moralisch und intellektuell verbotene Vereinfachungen. Wenn man für die Einen ist, ist man nicht automatisch gegen die Anderen bzw. für Beide und gegen Beide geht so auch nicht.

Da ich in Deutschland lebe, als Jude, Deutscher und Österreicher, sage ich einigermaßen bitter: Deutsche, wenn ihr nicht jüdisch seid, haltet euch zurück und aus manchen Diskursen raus. Eure Geschichte mit den jüdischen Menschen, vor 1933, nach 1933, nach 1945, nach 1989 bis heute wird durch zu viele teils arrogante, teils wehleidige Selbstpositionierungen verzerrt. Wir sind wieder in der Situation, dass viele hier sagen Deutsche und Juden, dass man jüdischen Menschen rät, mal ohne Kippa in einem Berliner Bezirk zu gehen oder dass man bei „pro-palästinensischen“ Demonstrationen nicht weiß, wer oder was Palästinenser, Araber, Muslime, sind wer woher kommt und wer wofür steht. Deutschland (und teilweise Österreich) haben hier eine besondere historische, moralische, kulturelle Selbstbezogenheit, die nur teilweise etwas mit dem Holocaust, teilweise mit der Nachkriegszeit, teilweise mit der Zweistaatenrealität vor 1989, teilweise mit dem vereinigten Deutschland zu tun hat, teilweise auch mit einer Kulturgeschichte im Verhältnis zu jüdischen Menschen, die ans Paradoxe grenzt: Deutsche und Juden seit 1700 Jahren…sagt man, aber seit wann gibt es „Deutsche“?

Ich verweise hier nicht auf meine Forschungen, auf meine Schriften und Reden. Nicht auf meine jüdischen und nicht-jüdischen Freunde und Bekannten hierzulande oder in Israel oder in Palästina oder in den USA. Ich verweise auf niemanden, mit dem ich nicht direkte Kommunikation pflege. Was ich aber nicht ertragen will, dass es eine Art von deutscher Besserwisserei gegenüber „den Juden“ gibt, die in der Tat zu Spaltung und menschlicher Differenz führt.

Um es klar zu sagen. An der Politik der Regierung Netanjahu und seinen Faschisten habe ich seit langem offen Kritik geübt. An dem Recht des Israelischen Volkes an seinem Staat habe ich nie gezweifelt, das sind mehrheitlich Juden und andere Menschen. An der Zweistaatenlösung oder einer Föderation halte ich fest, auch wenn vielleicht eine Einstaatenlösung besser gewesen wäre.

Um es auch klar zu sagen: Schuldzuweisungen darf und soll es weiterhin geben, wobei die Schuldigen nicht notwendig zu einander positiv stehen. Schuldvermengungen wie durch den Europäischen Gerichtshof, die einen Staat und Terroristen gleichsetzen, darf es natürlich so wenig geben, wie die Einen den Anderen menschlich vorziehen.

Was sich in den letzten Monaten an sekundärer und tertiärer Kommentierung der Probleme hier abspielt, lässt einen oft an der Evolution von Vernunft (ver)zweifeln. Dass sich Politik vieler Staaten jeweils in die Politik von Israel und der weiteren Region einmischt, darf und muss genauso kritisiert werden wie die Haltung extremer religiöser Akteure.

Nur, bitte denkt daran, wenn der Antisemitismus jüdische Menschen wieder und wieder vertreibt, dann sollte doch Israel die sichere, demokratische Zuflucht als letztes Ziel sein können. Daran können alle arbeiten.

Das Ende von Woidke – Neuanfang der Demokratie? Nein.

Erst hat ein gewisser Herr Woidke die CDU, die Grünen und weitere Demokraten der eigenen Partei aus dem Wahlkampf rausgekegelt: er wollte gut narzisstisch „Nr. 1“ werden oder gar nicht mehr antreten, und viele Frustrierte der Einwohnerschaft Brandenburgs sind ihm gefolgt. Naja, nicht sooo viele, aber genug, dass er knapp vor der AfD in den Landtag einzog, dass die Grünen rausgeflogen sind und die CDU auch nicht dazugewonnen hat. Also? Der Narziss hat gesiegt.

Nur damit er ein Bündnis mit linksfaschistischen Partei BSW (Sarah Wagenknecht) anstreben kann, andere Koalitionen sind nicht möglich. So geht es also im narzisstischen Brandenburg zu.

Und heute wirft er die grüne Ministerin in einer Sitzung des Bundesrates aus der Regierung. „Damit verhindert Woidke den Berichten zufolge, dass Nonnemacher sich in der Sitzung gegen eine Anrufung des Vermittlungsausschusses ausspricht. Ihre Argumentation: Dadurch würde sich die Krankenhausreform weiter verzögern, das könnte Brandenburger Krankenhäuser in finanzielle Nöte bringen. Dietmar Woidke jedoch will sich für die Anrufung des Vermittlungsausschusses einsetzen.“ (https://www.msn.com/de-de/nachrichten/politik/brandenburg-dietmar-woidke-entl%C3%A4sst-gesundheitsministerin-ursula-nonnenmacher-im-bundesrat/ar-AA1uyCW1?ocid=msedgntp&pc=U531&cvid=35f5e4459f5644aa8801b55653e9ecce&ei=12). Prompt tritt dann auch der zweite grüne Minister, Axel Vogel, zurück. https://www.msn.com/de-de/nachrichten/politik/nach-rauswurf-von-nonnemacher-brandenburgs-umweltminister-axel-vogel-tritt-zur%C3%BCck/ar-AA1uzxNL?ocid=BingNewsSerp . Vergleicht auch https://mail.yahoo.com/d/folders/1/messages/194303?reason=invalid_crumb .

Eigentlich kann man die Fakten des unpolitischen, politik- und demokratiefeindlichen Woidke dabei belassen. Denn was man kritisieren kann, soll man kritisieren, was man verachtet, kann man aber nicht kritisieren.

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Ich schreibs ja nur, dass man es nicht vergisst. Ursula Nonnemacher war ein gutes Regierungsmitglied, ebenso Axel Vogel. Der so genannte Ministerpräsident hat mutwillig Demokratie zerstört, nicht ganz, aber teilweise. Das kann und soll man reparieren. Damit lege ich die Fakten ad acta.

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Natürlich interessiert mich Woidke nicht als Repräsentant einer wirkmächtigen Politik bzw. ihrer Kaste. Aber er ist ein zwergenhafter Abkömmling einer neuen Form von Antipolitik, die weltweit – leider – erfolgreich ist. In einer tiefschürfenden Rezension zu einem Buch des früheren UK Ministers Rory Stewart (https://en.wikipedia.org/wiki/Rory_Stewart – lesenswert) beschreibt Jonathan Freedland diesen Typus von Antipolitiker. Das Buch heißt „How not to be a Politician“ (Penguin 2024) und der Aufsatz dazu „A Feigned Reluctance – Vorgetäuschte Zögerlichkeit“ (NYRB LXXI, #19). Und da geht es als Einleitung zur Rezension um Donald Trump, um Jair Bolsonaro, um Javier Milei, um Boris Johnson. Für politisch interessierte sind hier die Analysen Richtung „links“ spannend: Michael Ignatieff, ein Freund und analog zu Rory Stewart, aber auch – !!! Barack Obama). Das Antipolitische zeigt sich darin, dass hinter dem Versuch, die liberale Gesellschaft zu retten, etwas „Größeres“ steht, jenseits von rechts oder links. Dass er Johnson bekämpft bis zum Ausschluss von den Tories, widerspricht dem nicht. (+Er war früher auch bei den anderen Parteien). Es geht – und darum geht es mir auch in der Beobachtung – es geht um eine Vision der Erfüllung unerfüllbarer gesellschaftlicher Wünsche, für die man die bisherigen Regeln die Demokratien zusammenhalten, aushebelt.

Nicht weiter hier, zurück zur Realität von Brandenburg. Das Verhalten des so genannten Ministerpräsidenten Woidke gegen Ursula Nonnemacher und seine Begründung, der Erste oder „niemand“ sein zu wollen bei der MP Wahl, sind diese Merkmale für Unpolitik: Hallo, wo sind wir denn in der Demokratie gelandet.

Das hat auch nichts mit der SPD zu tun, auch die CDU ranzt sich, wo sie es für gut findet, lokal an die AfD ran, und beiden, SPD und CDU, ist ein Länder-Regierungsbündnis mit der Wagenknechtkolonne wichtiger als Demokratie. Das ist auf europäischer Ebene nicht anders, wo Faschisten in die höchsten Ränge gehievt werden, nur damit man seine eigenen Unterfiguren auch unterbringt.

Der langsame Abschied von Politik beschleunigt sich. Und was kommt dann? Richtig: Diktatur braucht nicht nur keine Demokratie, sie braucht auch keine Politik.

Eine Kaskade der Befreiung

Oft ereilen uns ganze Kaskaden von Hinweisen auf etwas Wichtiges, und jede Stufe des Ideologischen Wasserfalls eröffnet neue Räume – oder Träume. Fangen wir, für meine werten Leserinnen und Leser, bei der Quelle an, wieder einmal die New York Review – so etwas haben wir hier nicht. Unter dem Titel „The Dream of the Raised Arm“ schreibt Zadie Smith eine Rezension. Ihr kennt Zadie Smith, aber Details lohnen sich: Zadie Smith – Wikipedia . Sie rezensiert ein Buch, das auf Englisch erst im April 2025 in Princeton (PUP) erscheint, aber es gibt ja auf Deutsch: Das Dritte Reich des Traums, München: Nymphenburger Verlagshandlung, 1966, erstmals ins Englische 1968, und demnächst wieder, neu übersetzt. Zadie Smith ist in der ersten Reihe der britischen Autorinnen, Romane, Essays, Kommentare. Warum sie? Werden wir gleich sehen.

Zunächst ein Eingeständnis: Charlotte Beradt 1907-1966 ist für mich ein neuer Name, obwohl man doch einiges über sie erfahren kann und sollte: Charlotte Beradt – Wikipedia – gut zusammengefasst. Sie war zeitweise enger kooperierend mit Hannah Arendt in den USA, da hätte ich den Namen doch finden müssen. Egal, jetzt habe ich ihn.

Danach ein zweites Eingeständnis: jetzt stöbere ich nicht bei „meinen“ Texten von Hannah Arendt und Beradts Übersetzungen, sondern widme mich der Rezension dieser Journalistin und Autorin, die sich früh auch mit der Weltbühne verbunden hatte, da hätte ich auf sie stoßen müssen.

Und jetzt schreibt Zadie Smith über „The Third Reich of Dreams; The Nightmares of a Nation.“ Der Titel reicht schon zum Anfassen. Beradt hat Träume von normalen Menschen gesammelt, mehrere hundert, bevor sie 1939 in die USA floh, erstmals einige publiziert 1943, dann 50 (politische) Träume 1966 publiziert und das mehrfach, auch in vielen anderen Sprachen. Ohne Tiefenpsychologie beschreibt sie die Traumverarbeitung des Totalitären, als „Life Without Walls“. In der Analyse des Buches mit dessen Analyse von Träumen wird die Anziehungskraft zur Gemeinschaft zu gehören beschrieben, – die zeigt sich eben auch im Traum. Gut genug für eine erstklassige Rezension. Aber Zadie Smith springt jetzt weiter: In die Gegenwart der Algorithmen, die uns zu Objekten machen, in scheinbarer Autonomie der Information. Sehr genau und nachvollziehbar. Und sie sagt, u.a. den jungen Zuhörerinnen und Zuhörern, dass es nötig sei, sich von den Algorithmen zu lösen, um dann (nicht dadurch) die Freiheit der echten Problemlösung wieder zu erlangen. Von dort geht es zur Technokritik, jetzt sind wir gefragt. Aber ihre Conclusio erschreckt: In my nightmares, Trump is only the Trojan horse. Musk is the real power. An unelected billionaire whose megaphone reaches every corner of the globe? O give us freedom of thought.

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Gut, dass wir hier fortsetzend weiter denken können. Die Träume kaufe ich mir. Übrigens: hat nichts mit Psychoanalyse zu tun. Aber vielleicht doch?

Das fünfte Zeitalter, keine Farce

Wer meint, der Karneval ab 11.11. sei die einzige fünfte Saison, irrt: sie ist eine Farce, wenn man die Jahreszeiten ernst nimmt. Karl Marx notierte, dass wichtige historische Ereignisse sich zweimal ereigneten, einmal als Tragödie, das zweite Mal als Farce (über Hegel: Karl Marx: Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte (1852). Zitiert nach: MEW Bd. 8, S. 115). Ein lockeres Zitat, das aber schnell sich verdüstert: Fintan O´Toole zu Donald Trump: „But his second coming is no farce. It is a brutal show of strength“. (NYRB LXXI 19, Titelseite: The Second Coming). Ein hoffnungsloser Ausblick, seine Analyse von Trumps letztlich verbrecherischer Wende der Staatspolitik trifft wenig Hoffnung auf Widerstand von Seiten der Demokraten und der demokratischen Partei.

Viele resignieren schon vor dem Amtsantritt des Diktators. Die dritte Tyrannei ist schon auf dem Weg, welche große Atommacht uns wie bedroht, und ob sie einander bedrohen, ist noch nicht klar. Viele in der Politik und den Kommentaren schmiegen sich schon jetzt an den neuen Diktator, manche auch an Putin oder Xi, und die Subtyrannen helfen den Faschismus zu verbreiten. Auch in der EU.

Also ein ehernes, ein schreckliches Zeitalter? Dem folgt bei Ovid das vierte, das eiserne, das nun auch verbrecherisch war, während das dritte nur „derb und den schrecklichen Waffen geneigter“ war (Metamorphosen, 1. Buch, ab Vers 125). Sind wir nun am Ende? Oder beginnt eine bessere, neue? – hier nicht, und bis dahin dauert es.

Die Endzeitgeschichten können sich gar nicht genug tun an den den Schrecken, die der Befreiung, gar der Freiheit vorausgehen. Denn es muss ja wirklich eine Erlösung geben, und nicht eine Glühbirne in der dunklen Zelle.

Wenn man die drei großen und die vielen geringeren Diktaturen zusammen nimmt, werden spätestens unsere Ur-Enkel das Ende der Menschheit auf Erden erleben, wie genau, wissen wir nicht, aber Klima, Hunger und Tyrannis zusammen schaffen, was die Evolution bislang überbrückt hat.

Ist das nun, werte Leserschaft, eine negative Vision, die zum Widerstand aufruft? Wenn ja, zu welcher Art von Angriff sollen wir übergehen? Wir, d.h. wir sind schon auf der richtigen Seite, oder?

Und wenn nicht, und unsere Ur-Enkel werden das rettende Ufer erreicht haben, und es wird egal sein, ob wir die falsche Seite gewählt haben, um spätere Generationen überleben zu lassen?

(Leute, das habe ich nicht erfunden, viele Utopien und Philosophien und Albträume stellen solche Fragen, antworten auf sie…und viele haben die Trumps vorhergesehen, so wie die Hitlers, Stalins, Putins, Maos, Trumps, und deren Unterlinge – nicht vergessen, wieviel Nationalismus man denen anhängen kann; und eine ganze Menge leugnen sie noch heute, weil ja einiges nicht „schlecht“ war, auch in den Beziehungen der einfachen Menschen, die man immer gewesen sein will).

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Aber tatsächlich gibt es einen qualitativen Absprung in ein unerträglich gewalttätiges Zeitalter gelockerter bis zerstörter gesellschaftlicher Bindungen und damit verbundener grundsätzlicher Verhaltensweisen (Dazu kann man übrigens O`Toole wieder zur Hand nehmen oder etwas über Putin wissen). Nun ja, wir wissen im allgemeinen nicht, wie wir uns kollektiv oder individuell auf das jeweilige fünfte Zeitalter vorbereiten oder uns in ihm einrichten. Ich weiß es auch nicht. Es wird nicht an uns vorüberziehen, ob wir unterwürfig oder widerständig sind, soviel ist gewiss. Aber natürlich wird man sich schon dadurch unterwerfen, dass man die Verhaltensweisen der Trumpherrschaft und der Putinokratie in Bestandteile zerlegt, die einem vielleicht doch Rückhalt geben, oder man tut es nicht. Noch wissen wir nicht, was das für jeden von uns bedeutet, aber nehmt Trumps und seiner Spießgesellen Ankündigungen so ernst wie Putins Verordnungen. Hier nützt der 11.11. nicht, die moralische Farce kommt vor dem Drama, bis das Kabarett verboten wird.