Früh gelernt, spät erkannt

Alles hängt von der Klasse, der Schicht, den Umständen des Aufwachsens ab, fast alles. Wo man nicht reich, aber gesettelt war, konnte Bildung einen Aufstieg befördern, und das musste früh beginnen. Ich hatte da Glück und deshalb wurde früh und viel gelesen, von mir, nicht vor-gelesen. Und natürlich zählte schon früh die Lyrik zum Einstieg, bei mir waren es Rilke und Trakl und erst später Brecht, und eine frühe Abneigung gegen Goethe. Auf den Rilke will ich zu sprechen kommen. Denn so gut ich ihn schon früh gelesen hatte und nachahmen wollte, so wenig ist mir seine wirkliche Biographie eingegangen, aber es gehörte auch zur „Bildung“ etwas über Worpswede, Paris, Rodin, Russland zu erfahren…In Soglio saß ich an seinem Schreibtisch, zu seinem Grab bin ich nach der Alpenüberquerung später gewandert, aber da hatte ich auch schon seine komplizierte Biographie etwas genauer gelesen und gekannt, seine Anbiederung an den Faschismus in Italien, und ganz neu war mir, aus anderen Biographien entnommen, Heideggers Verbindung mit Rilke.

Das hat mich – wie auch anderswo – durchaus gelehrt, zwischen dem Lebenslauf und dem Werk zu differenzieren, und es gilt natürlich immer.

Warum schreibe ich das, und hier? Weil mir auffällt, dass auch in der Kunst, aber vor allem in der Politik, die Vermischung von Persönlichkeit und Produkt seltsame Auswüchse erzielt, vor allem, wenn einem Politiker/innen unsympathisch sind, dann können sie oft gar nicht richtig handeln, und bei beliebten Angehörigen dieses Berufs sind viele Entscheidungen, auch wenn sie erkennbar falsch oder unsinnig sind, schon akzeptiert. Die populistische Abkehr von der Politik, die dann weitgehend, aber nicht nur, ins rechtsradikale Lager führt, verallgemeinert die Antipathie zu scheinbar politischen Entscheidungen.

Warum ich mich damit auseinandersetze, ist klar: Die Qualität von Arbeit, Politik, Literatur etc. wird unmittelbar an die Produzentin oder den Akteur gebunden, und dann kommt der Kurzschluss: der schlechte Politiker ist dümmer oder bösartiger als – „ich“, „wir“. Man hat nur dann Schwierigkeiten, wenn ein verachteter, böser etc. Politiker oder Künstler doch etwas unablehnbar gutes produziert, das man auch dann anerkennen muss, wenn man den Produzenten ablehnt. Übrigens, im Nebensatz: das funktioniert im etwas anachronistischen Links-Rechts-Bewusstsein am schnellsten und wirksamsten. In der Literatur ist das mittlerweile nicht nur bekannt, sondern wird auch kritisch und mit Varianten bearbeitet. Aber in der Politik hat man den Eindruck, als drifteten die Positionen und damit die persönlichen Zuordnungen immer weiter auseinander. Das bedeutet nicht, dass die richtige Politik immer schon mit einem Durchschnittskompromiss gemacht werden soll. Es bedeutet, dass zustimmende und abgelehnte Ansichten auch dann Kommunikation und weitere politische Praxis bedeuten, mwenn man nicht jedes Ergebnis in Macht und Dominanz umdeuten kann. Ein negatives Beispiel dafür ist die FDP in der alten Regierung, die sich weder in den Kompromiss noch in ihre Herrschaftseinbindung einbringen konnte und wollte. Aber auch andere Parteien geben genügend Beispiele dafür her. Und es profitieren immer die radikalen Randparteien, die sich nur aus der negativen Bewertung des Vorherrschenden entwickeln.

Ein politischer Freund, der hier eine präzise und wirksame Position dagegenhält, ist Daniel Cohn-Bendit, jetzt schon über 80, der daran festhält, dass und wie man nie mit einem Kompromiss zu verhandeln beginnt, sondern ein Ergebnis braucht, das dann natürlich meist die eigene reine Lehre nicht abbildet.

Und an den denke ich auch, wenn ich das mit Rilke begonnen habe. Dessen Lyrik wird für mich vielleicht differenzierter aber nicht schlechter, wenn ich seine politischen Verknotung auch aufnehme, die ich früher nicht gekannt habe.

Krisenmenu und Fastenpolitik

Olympia ist vorüber. Der Stammtisch und die halbfertige Politik brauchen neue Diskussionsformate…Wenn es so einfach wäre (Stammtisch) oder so pragmatisch (Politik). Hinter diesen Plakaten verbergen sich Angst, Unsicherheit, und sehr viel Gleichgültigkeit – aber die nicht aus Charakterschwäche, sondern aus einer scheinbaren Einsicht, dass man ohnedies nichts mehr machen kann. Die Umwelt wird unumkehrbar dem Wirtschaftswachstum, der weltweiten Kriegen und der persönlichen Lebensführung der Gegenwart geopfert und marginalisiert. Die Demokratie wird nicht weiterentwickelt, sondern auf lokale Wahlen in der Umsetzung auf Politik reduziert und macht zunehmend Platz für faschistische und populistische Eroberungen. Über Widerstand und demokratische Selbsteinbringungen – aktive Beteiligung! – wird zwar diskutiert, aber zu wenig getan, oft nicht, weil man nicht will, sondern weil man nicht weiß wie. Ist das alles grausig? Ja, ist es – und doch wieder nicht.

Man kann, wir können, das alles auch ganz anders sehen. Nicht etwa, dass sich bei Ökologie, Ökonomie, Frieden etc. doch etwas zum Guten wendet, vor unseren Augen, und ohne unsere Hände, sondern, paradox, dass der Abbruch der Zivilisation vielleicht doch in einer zivilisierten, humanen Weise geschieht. Human, nicht gerade humanistisch, was man sich wünschen könnte. zum Guten kann ja vieles bedeuten.

Ich denke, dass mit Blick auf unsere Kinder und Enkel, aber auch auf unsere Einwanderer die Politik eine Haltung des „Als Ob“ einnehmen sollte, als ob wir die Zukunft noch wirklich gestalten könnten und nicht in der Opiumhöhle gegenwärtiger Passivität angstvoll betrachten. Gehen wir einmal vom Niedergang Europas, weltpolitisch, klimatisch sozial, aus – so sagen es die Wissenschaften und die Politik der anderen Kontinente voraus, dann ist die Alternative ein neues Fahrenheit 451, eine Form von kulturellem Überleben, die uns – Abstieg oder nicht – am aktiven Leben hält. Das bedeutet auch den Widerstand gegen die kapitalistische Gegenwartsanbetung und gegen die Diktatoren, deren Tod wir ja gar nicht befördern müssen, die sterben von alleine, und da ist etwas wichtig: nicht schon jetzt ihre Nachfolger, die neun Köpfe der lernäischen Schlange, so zu behandeln, als wären sie schon an der Macht und würden uns ähnlich beherrschen wie die jetzigen Diktatoren. Anders als diese müssen wir auf eine Zukunft setzen, siehe oben: Kinder, Enkel, Immigranten. Das können die Selbstherrscher nicht. Auch nicht mit Robotern, Algorithmen und Unterdrückung: sie sind an ihre Gegenwart gebunden. Und wir haben zur Zukunft auch noch eine Vergangenheit, die wir in unsere Gegenwart einbringen können. Kritisch bitte, nicht planierend.

Ich sags ironisch: wenn man schon eine Alternative zur humanen Phase des Abgleitens sucht, dann keine spirituelle oder pessimistische. Das geht nur moralisch und politisch, nicht unbedingt mit der Konfrontation der pragmatischen Politik mit einer unpraktischen Moral. Klingt nach Philosophie, meint aber Überleben für die nähere Zukunft – siehe oben. In meiner 68er Jugend hätte man gesagt: nicht der Ideologie anhängen, sondern die eigene Realität einbringen. Das musste ich mühsam lernen, andere auch.

Ich hoffe darauf, dass unsere Lebenspraxis eine Überlebenspraxis wird, die nach uns noch Chancen eröffnet, nicht schon heute einengt. Überleben kostet Anstrengung, vielleicht Opfer, sicher auch Selbstkritik – und den Kampf gegen die Beruhigungsstrategien der Weltwirtschaft im Kleinen, im Persönlichen. Widerstand hilft auch gegen Angst, man muss sie nur orten und erkennen können.

USA ohne Grund

Ich werde nicht mehr in die USA reisen, jedenfalls nicht, solange Trump oder ein Trumpist an der Macht ist. Die allgemeinen Gründe für so eine Entscheidung sind bekannt, Amerika entwickelt sich zu einem partiellen Unrechtsstaat, der von einem senilen Hypernarzissten regiert wird. Ich möchte nicht auf dem Donald Trump Airport in Washington DC landen, durch den Arc de Trump in die Stadt fahren und später in New York am Donald-Trump-Bahnhof ankommen. Ich bin ein großer Freund skurriler Dinge, ich habe den Herausgeberrat der SZ 15 Jahre lang ausgehalten, ich lese Ezra Pound und Ernst Bloch. Aber weil ich jenen nicht unbedeutenden Teil Amerikas, der Trump gewählt hat und bis heute unterstützt, für zutiefst disreputable halte, werde ich die Canyonlands, Seattle und Sante Fe nicht mehr sehen. (Kurt Kister, SZ 13.2.2016)

Viele werden nicht mehr in die USA fahren, nicht zum Studium, nicht auf Urlaub, nicht zu Besuchen, und auch nicht um zu arbeiten. Einige werden das alles ertragen und doch hinfahren, weil sie sich etwas erhoffen oder erwarten. Aber die meisten werden Kisters zusammengefasste Argumente gegen die Diktatur von Trump teilen und nicht hinfahren. Auch gut. Damit wird die Erinnerung an das frühere Amerika wieder belebt, und es wird allen klar, dass das Land vor Trump auch nicht ideal war, dass Dellen und Wunden in Demokratie, Wirtschaft und Kultur auch schon vorher gab, dass das Soziale vielfach abschreckend war, und dennoch: ein schönes Land mit einer beachtlich kultivierten demokratischen Struktur, auch Geschichte, von der wir in Europa lange Zeit gelernt und wohl auch profitiert hatten. Vieles an dieser demokratischen Ambivalenz kennen wir, in Variationen, bei uns auch. Das alles wird in diesen Tagen teilweise umfänglich hervorgeholt, soll begründen, was evident ist – dass wir an dieser mächtigen Diktatur nolens volens auch abhängen, macht uns die realistische Wahrnehmung noch schwieriger und unangenehmer (mit der russischen oder chinesischen Diktatur haben wir es da leichter, in die muss man nicht hineinriechen, die kann man als feindlich ablehnen. Aber die USA sind vielfach ein Gegner, den wir brauchen, auch wenn wir ihn ablehnen, den wir ablehnen, auch wenn wir ihn brauchen. Wie alle wirklichen Diktatoren ist Trump Teil einer vielköpfigen faschistischen Oligarchie, die er weitgehend beherrscht . und die ihn weitgehend beherrscht. Das gilt auch für kleinere Diktaturen, deren Diktatoren weniger absolute und objektive Macht haben und die meistens von großen Drei abhängen. Nicht mein Thema im Diskurs. Aber nur, weil viele von uns, sehr viele, so gute Erfahrungen und Erinnerungen an die USA haben, ist Trump nicht besser als Putin oder Xi, eher schlechter, weil er eine besondere Demokratie ruiniert.

Nun hat er uns angegriffen. Seit gestern sind die Umweltprinzipien der USA außer kraft. Seltsam, wie wenig und undifferenziert auch bei uns die Medien darauf reagieren. Resignation oder Gleichgültigkeit, also passive Unterordnung unter den Diktator – schaut euch die Autobauer, Kohlenmineure, Ölmagnaten an, die um Trump herumstanden, als er das verkündete. Das will ich nicht analysieren, aber dass die FAZ bei uns ihm zur Seite springt, muss man schon erwähnen. Nun, wir werden die Folgen verspüren, aber sie werden unseren terrestrischen Niedergang nur beschleunigen, nicht wirklich abändern. Dazu ein andermal.

Der melancholische Abschied von der früheren Neuen Welt soll nicht in die Arroganz münden, dass wir ohnedies alles – zum Teil, wenigstens – besser mach(t)en, und dass wir jetzt erst recht Umwelt so hoch halten und beschützen wie Soziales und Kultur. Solange Politik und Ökonomie gegeneinander ausgespielt werden, hilft die scheinbare Kritik nur wenig. Geht mal in den nächsten Tagen die Kommentare dazu durch und schützt euch vor dem Außenanstrich der Sicherheitskonferenz, dass wir doch, bei allen Differenzen, an der Seite der USA stehen. Nichts leichter, als dass der Gegner zum Feind wird.

Klimazerstörung – schneller am Ende der Welt

Dass Trump das Weltklima zerstört, nebenbei auch deas der USA, wissen wir. Keine weiteren Adjektive für den Diktator. Er tut, was er kann, nicht was er soll.

Die Folgen sind klar: Ähnlich wie in Kriegen wird durch das Umweltversäumnis das Ende der Menschen auf der Erde beschleunigt. Keiner soll so tun, als könnte man das mit „guter Politik“ und baldigem Eingreifen noch verhindern. Man könnte (Optativ!) es hinauszögern, aber nicht verhindern. Dazu braucht es Einsicht, Politik, Moral und eigene Handlungsfähigkeit. Nicht einfach Widerstand gegen Trump: er hat hinreichend viele Verbrecher an seiner Seite. Wie andere Diktatoren auch.

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Die Geschihte der Umwelt und ihres Schutzes hat einen Vorlauf, der so weit zurückgeht, wie es Menschen gibt. Und Gebote, zunächst nur religiöse, später auch gesellschaftlich politische, die ein Unterlaufen der Welterhaltung befürworten, nur wenige: die es unterbinden wollen. Trump und andere Diktatoren stehen am Ende der Evolution, die scheinbar zur Zeit von Technomilliardären und Digitalfürsten, und nicht aus der4 Politik, bestimmt wird. Sagen wir es genauer: die Evolution wird einerseits von ihren Produkten überholt, andererseits ist sie ermüdet und sieht keine Zukunft, die wirklich eine Zukunft ist und keine Fortsetzung der Gegenwart. Wir erleben den Anfang dieses Abstiegs, nicht persönlich und subjektiv sein Ende. Aber unsere Generation wird die Unumkehrbarkeit der Erdtemperatur noch erleben.

Wer an sein oder ihr Leben im Jenseits glaubt, den stört das vielleicht nicht, wenn er oder sie sicher ist, dass es im Jenseits wenigstens gut, vielleicht besser wird. Die Hölle haben ja sogar gläubige Jenseitsreligiöse weitgehend abgeschrieben. Wer meint, mit dem Sterben endet das Leben, also auch das Bewusstsein seiner selbst, dem könnte das gleichgültig sein, ging es nicht um die Zuneigung zu eigenen Kindern, Enkeln, zu Geliebten und Befreundeten, zu Menschengruppen…nicht übertreiben: wen hast du wirklich im Blick?

Insoferne haben wir dem Diktator Trump zu verdanken, dass er binnen kurzer Zeit die Endlichkeit der Menschen nicht nur betreibt – da ist er nicht allein -, sondern auch verkündet – da sind es weniger Diktatoren an seiner Seite, aber noch hinreichend viele. Eine Reaktion muss sein: dagegen anzukämpfen, selbst wenn es einem nicht nicht unbedingt nützt, wenn es vielleicht konkret schadet. Das heißt, verkürzt, Politik und Moral. (Noch zu meiner Jugend hätte man vorschnell gesagt: also „Bildung“, heute ist das Bukett größer). Da geht es schon um Strategie und Taktik, aber nicht um einen direkten Faustschlag in die Gesichter der Diktatoren und ihrer servilen Untergebenen. Auch keine Unterwerfung. Wie man angreift, aber auch sich wappnet und resilient macht, kann man so – SO – nicht sagen oder hier aufschreiben. Der Vorrang des Tuns kommt ohne Begriffe auch nicht aus, aber das wird anders, menschlich, vermittelt. Da finden wir uns zusammen und räumen die Nebenwidersprüche beiseite. Das können auch wir.

Warum nicht? Wortkampf versus Wortkrampf

Wer darf welches Wort verwenden, in welchem Kontext, und für welche Adressatinnen und Adressaten? Dazu gibt es wissenschaftliche, mediale, stammtischlerische und triviale Antworten und Ansichten, oft nicht ganz öffentlich, oft nicht ganz verallgemeinert, oft geradezu angewendet um breite Wirkung zu erzielen, Hotspots oder um zu teilen in gute und böre Reaktionen.

Ein gutes Seminarthema. Brauch ich nicht. Aber in diesen Tagen fällt mir besonders auf, wie eine scheinbare Vorsicht in Wirklichkeit unscheinbarer Rückzug von der Auseinandersetzung ist. Rückzug vom Kampf gegen den Faschismus, in seinen vielfachen Variationen, Putin, Trump, Meloni, Orban, AfD, FPÖ…x+ 1. Seit 65 Jahren setze ich mich mit dem Begriff auseinander, der ja nicht identisch mit der jeweiligen Wirklichkeit ist, und ich habe hinreichend Sprache studiert, um jetzt als Laie dazu mich zu äußern. KEINE ANGST: Das wird keine Vorlesung. Aber ein Hinweis. FASCHing, FASCHe, FASCHIERTES…jeweils andere etymologische Wurzeln als das Wort FASCHISMUS. Zuerst einmal die ersten drei Worte, aus meiner Heimat, ich komme später noch einmal drauf: Fasching heißt bei uns in Österreich, was die Deutschen im Norden und Westen Karneval nennen, und es ist etwas anderes. Eine Fasche ist bei uns eine Verletztenbinde. Und Faschiertes heißt im weiten Norddeutschen Hackfleisch. Kein Mensch assoziiert mit einem dieser drei Begriffe auch Faschismus. Normaler-weise. Wie komme ich denn da drauf, jetzt? Nächste Woche ist Fasching – und da assoziiere ich den Begriff Faschismus. Nein, eben nicht, und habs 70 Jahre lang nicht getan. Auch ein Mitschüler, der so hieß, hat nie darunter gelitten. Aber wenn ich in der Tiefe des Halb- und Unterbewussten bohre, dann gab es diesen Begriff Faschismus immer, als den Begriff des „NICHT“ so. Man durfte ihn nicht assoziieren mit den anderen Begriffen s.o., und man tat es nicht. Aber ich erinnere Begriffswitze, da tauchte der Faschismus im Fasching auf, neutralisiert. Reicht es, um auf sorgfältige Verwendung, Rücksicht, Sensibilität etc. hinzuweisen?

Begriffe sind nicht alles. Sätze, Absätze, Kapitel, rhetorische, oft politironische Ausflüge gehören zu einer umfassenden Taktik, und die ist natürlich bei den Faschisten anders als bei den Demokraten. Bei den Faschisten…da fängt das Problem an. Umgangssprachlich und in der medialen Wortfindung sind AfD und FPÖ und andere nicht „Faschisten“, sondern Rechtspopulisten, Rechtsextreme, Rechtsradikale…mit der Schwäche, dass die nicht alle „rechts“ sind, dass rechts-links oder rechts-mitte-links andere Koordinaten sind. Und schaut mal auf den außenpolitischen Umgang mit Meloni, je nach Kommunikationspartner aus dem Ausland und bisweilen aus Italien ist sie alles mögliche, nur nicht faschistisch. Sie selbst und ihre Parteienkoalition ist hier transparenter. Und schaut auf die großen Diktatoren, Putin, Trump, da kann man gut das Wort „faschistisch“ anwenden – Kontext braucht man immer, und die Adressaten sollte man schon kennen – aus Vorsicht, diplomatischen Gründen usw. verwendet man das Wort nicht, damit es nicht zu einem Begriff wird, der an einem hängen bleibt, wenn man mit den Faschisten verhandelt. Ich verstehe das sogar, in Grenzen. Aber darauf will ich hinaus: auf die Grenzen. Und auf das eigene Verhalten, wenn es darauf ankommt, Begriffsbildungen und -abgrenzungen öffentlich zu machen. Anders gesagt: wenn man mit Faschisten umgehen muss, wie geht man mit ihnen um? (Viele, die hierauf keine gute Antwort wissen, sind relativ aggressiver, wenn Jugendliche oder bestimmte Randgruppen den Begriff „leichtfertig“ verwenden. Hier muss man weiterlernen).

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So, und jetzt zum Fasching. Seit meiner Kindheit ein großes und gutes Erlebnis, auch wenn ich beim Fetzenzug am Montag immer nur Zuschauer war, auch später, als Erwachsener. Ich war ja nicht das ganze Jahr vor Ort und irgendwie gehörten wir nicht zu den Faschingspräpara-toren…Warum ein gutes Erlebnis? Weil die Masken, die Verkleidungen viel ausgesagt haben, weil man Haltungen und Gegnerschaften schon bald verstanden hatte. Gegnerschaften? O ja, das wurde/wird am Montag schon auch ausgelebt und kenntlich gemacht, wobei sich der Gehörnte auch einmal mit seinem Gegner bekämpft. Es wird sozusagen Jahreskehraus gemacht.

(Nur mehr milde: https://ebenseerfasching.at/, zu schön? https://www.ardmediathek.de/video/unter-unserem-himmel/fasching-in-ebensee/br/Y3JpZDovL2JyLmRlL 2Jyb2FkY2FzdC9GMjAxOVdPMDIzMTA2QTA , aber schaut euch selbst Geschichte und Auftreten an)

Und was hat das mit dem ersten Kapitel zu tun, mit dem Faschismus? Für mich jedenfalls war und ist der Fasching anti-faschistisch in seiner Grundhaltung der Befreiung nicht nur vom Winterfrost, sondern mit einer Art von Humor, die Faschisten nicht aich anmuten können, selbst wenn sie es wollten. Aber darum gehts ja auch nicht…

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Faschen gibt es gleich mehrere: 1. D, A, fachsprachlich, Architektur] Rahmen aus meist heller Farbe um Fenster und Türen an einer bunt gestrichenen Fassade 2.[Medizin, umgangssprachlich, veraltend, A] Synonym zu Binde (1 a, 1 b) (Quelle DWDS)

Ich muss lachen, weil mir der Begriff schon als Kind beigebracht wurde.

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Faschiertes: Kann ich gut zubereiten und versuche immer, den Begriff in Norddeutschland anzuwenden https://www.omas-haushaltstipps.com/was-bedeutet-faschiertes-38060.html aber besser ist, es zu essen als zu beschreiben.

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Und wozu brauche ich die Faschismus-Nebenerzählung? Weil der Begriff ohnedies präsent ist, nur in den Falten der öffentlichen Vorsicht versteckt gehalten wird. Faschismus ist uns und der Demokratie gefährlich. So etwas muss an die Öffentlichkeit. Dann braucht man mit dem Begriff keine Witze machen, im Ernst.

Wozu noch heucheln, o Kanzler?

Jamal Khashoggi, ein kritischer saudischer Journalist, wurde am 2. Oktober 2018 im saudischen Konsulat in Istanbul getötet.

Lest erstmal diese Geschichte: https://de.wikipedia.org/wiki/Jamal_Khashoggi

Man ist sich einig, dass der saudische Kronprinz und Machthaber hier mkitschuldig ist, dass man aber sich der wertebasierten Außenpolitik verweigern und im konkreten Fall pragmatisch verfahren soll. Das weiß nicht nur der Kanzler Merz, das wissen die meisten Politiker der obersten Ränge und die meisten Medien von Bedeutung. Natürlich kann man Außen- und Sicherheitspolitik nicht ohne moralische Kompromisse betreiben, das wissen wir. Aber es geht auch um die Grenzen, die „roten Linien“ und wie das alles an die werte-orientierten Bürgerinnen und Bürger vermittelt wird. So, wie sich rechte Flügel der deutschen Wirtschaft, der überwiegenden europäischen Wirtschaft, auch in Demokratien, verhält, sind die roten Linien ziemlich ausgebeult, weil es ja um den Anstoß von mehr Wirtschaftswachstum vor allem geht, weniger um Menschenrechte, Kultur und Umwelt. Klar, die Konservativen und die Rechten haben relative Mehrheiten, aber nicht so wie in den großen Diktaturen. Wie im vorliegenden Fall sich die Türkei nach ein paar Jahren zugunsten des mächtigeren Wirtschaftspartners verhält, überschreitet die Linie schon, aber ist die Türkei ein demokratischer Maßstab. Merz und seine Wirtschaftsdelegation weiß schon, was wir an der Kooperation mit den Golfstaaten, mit Saudi-Arabien verdienen können, – und er weiß vielleicht auch, wie wir wieder einmal abhängig werden. Aber sei`s drum. Wenn es um solche Geschäfte geht, kann man dennoch und trotzdem mit deutlichen Worten den Vorfall – gutes Wort? – erwähnen. Wenn es dennoch zu wirtschaftlichen Übereinkünften kommt, kann das ja vielleicht doch innenpolitische Verbesserungen dort udn bei uns bewirken, oder?

Man ist sich einig? Es gibt viele Vorfälle und Handlungen dieser Art, und man kann nicht von zu weit oben alles gleichermaßen ablehnen, zumal man ja nicht so viele praktische Alternativen hat. Man, das sind einerseits wir, und andererseits unsere Regierung(en). Zwischen uns und der weitgehend legitimen Regierung gibt es auch „rote Linien“, nicht nur in der Sozial- und Kulturpolitik. Nein, auch in der großen Weltpolitik. Und das alles wird im Diesseits, hier und jetzt, offenzulegen sein, im Jenseits haben die Opfer schon gewonnen.

Farben und Gerüche

Bei den Roten und Grünen ist es einfach, sie zuzuordnen, zu einer Partei, früher auch zu einer Weltanschauung. Schon bei den Schwarzen ist es nicht ganz so einfach, ebenso bei Blau und Gelb, und die neuen Farbschat-tierungen haben nur mehr augenblickliche Erklärungen nötig, ihre Geschichte ist zweifelhaft, außer bei Braun, da ist es bei uns klar. Bei uns. Anderswo sind die Farben anders festgelegt, Blau und Rot in den USA, na, wer ist wer? Und auf anderen Kontinenten ist alles nochmal anders. Oft spielen auch Religionen und volkstümliche rinnerungen bei den Parteifarben mit – und es gibt welche, die keine Farbe haben. Das macht sie nicht unbedingt blass. So einfach ist das – nicht (https://de.wikipedia.org/wiki/Politische_Farbe)

Die politische Farbenlehre stimmt oft weder mit der Optik noch mit der Psychologie und anderen Wissenschaften und Gewohnheiten überein, dazu kann man viel erforschen und diskutieren. Mich interessiert aber etwas anderes: wenn eine Partei ihre Politik wechselt, verändert sie dann auch ihre Farbe? (Man kann das an der ÖVP in Österreich vor ein paar Jahren studieren). Im Privaten ist das einfach gewesen, bisher: rote Rosen, weiße Lilien usw., da hat die Kulturgeschichte viel erklärt. Aber in der Politik?

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Neubeginn. Ich plädiere für die Parteikennung durch Parfum und andere Gerüche. Jede Partei bekommt drei Ausgangsdüfte, einen für Mitglieder, einen für Wählerinnen und einen für Wähler. Ein Expertengremium legt Pakete von dreimal 20 Düften fest, die dann im Losverfahren den Parteien zugeordnet werden. Wonach riecht die CDU, wie duftet die SPD, aber auch wie stinkt oder miechtelt die Partei X oder Y?

Politisches Ergebnis: bestimmte Gerüche bekommen über die Parteien eine gesellschaftliche Bedeutung, positiv oder negativ. An den Hochschulen werden in den politischen und linguistischen und neuen olfaktorischen Seminaren Expertisen vermittelt, der lokale und bundesweite Verkauf bestimmter Düfte bestimmt den Markt, manches, das stinkt, muss neu bewertet werden (haben wir ja schon heute, nicht nur bei den großen, auch bei den kleinen Diktatoren). Gerüche erzeugen Gerüchte. Ein politischer Neuanfang.

Faschismus ante portas. „Normales“ Europa?

Das Interesse und die oft unmittelbare, manchmal kritische Sympathie für Giorgia Meloni, den italienischen Ministerpräsidenten, wie sie sich nennen möchte, ist groß und an sich berechtigt. Einfach, weil sie eine wichtige Politikerin ist, und in Europa eine doch herausragende Stellung hat.

Ob man mit ihr politisch, innen wie außen, übereinstimmt oder das eine und/oder das andere kritisiert, ist davon unterschieden. Man muss etwas vom italienischen Faschismus verstehen, vom europäischen und globalen Faschismus, um den Angriff auf die Demokratie überhaupt wahrzunehmen, sich abzugrenzen, zu verteidigen.

Ich behaupte ungeschützt, Merz kann das nicht.

Aber genauer: Der von mir geschätzt Deutschlandfunk, DLF, hat in den letzten Monaten eine durchaus übersichtliche Wahrnehmung der italienischen Politik vorgenommen. Heute, am 25.1., um 9.30 gab es die letzte Sendung dazu Giorgia Meloni – La mamma italiana?
Von Maike Albath
, die ich ausdrücklich für ihre Übersicht lobe, in der der subjektive Faktor der Melonischen Selbstdarstellung eine Rolle spielt. Und natürlich hat sie auf Umberto Ecos „Urfaschismus“ hingewiesen, und auf die Nachkriegsgeschichte der Zerstörung von Demokratie durch eine Weiterent-wicklung von Faschismus (hier: Malaparte).

Warum meine Einleitung und der Hinweis auf Merz? Nicht nur er haben Probleme, den italienischen Faschismus in ihr politisches Europa- und Weltbild einzuordnen, als wäre er eine der abgelehnten Weltanschauungen für sich. Nicht nur ist Merz nicht der Einzige, aber immerhin unser Kanzler, die Schwäche der intensiven Weiterentwicklung von Demokratie und ihre Bindungskraft in der Gesellschaft ist die Vorderseite der Medaille. Natürlich ist Melonis Unterstützung der Ukraine gut, natürlich ist ihre Dialogfähigkeit mit Trump gut, natürlich ist ihr europäisches Profil besser als das vieler anderer – ABER habt ihr gesehen, wie die italienische Demokratie, der Sozialstaat, die nationale Identität – an sich immer fragwürdig – umgekehrt und belastet wird? Wie die Demokratie und ihre demokratische Struktur ausgehöhlt wird? Lest einmal zum italienische Nachkrieg, zu Alcide de Gasperi: Alexander Stille: Democracy Italian Style. Eine Rezension von Mark Gilbert. New York Review of Books, LXXII, #20, 65-67).

Die Ausbreitung des nie, nie verschwundenen Ur-Faschismus (Eco) in konkreter gesellschaftlicher Bewegung, ohne konkretes inhaltlich-politisches Ziel, muss doch vielen politiksensiblen Menschen auffallen? Faschismus kann Widersprüche populistisch abdecken, Faschismus kann das „Volk“ für abstrakte Ziele vereinen, wo die konkreten Ziele Konflikte offenlegen, und er kann die kulturelle Dynamik nationalistisch einfangen – letzteres geschieht schon in ganz Europa, unterschiedlich intensiv und „erfolg“reich. Und Demokratie muss sich gegen etwas verteidigen, was als Zielscheibe schwierig zu fixieren ist. Da sagen dann die halbbewussten Politiker, dass ihnen Kompromisse wichtiger seien als Gegnerschaft. (Etwas holzschnittartig also, wenn Meloni gute Europapolitik macht, dann soll man sich mit dem fortschreitenden Faschismus in Italien nicht so kritisch auseinandersetzen). Würde man diesen Satz bewusst umkehren, könnte man eine andere als die flach-tatsächliche Politik entwickeln…

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Man könnte mich kritisieren, der ich ja nur hinter dem Schreibtisch sitze und keine aktive Politik für unser Land mache. Da kann man leicht antifaschistisch reden, wenn man doch handeln muss, Grönland, Ukraine, Afghanistan, Sudan etc. Aber ja. Nur wird wirklich gehandelt, oder nur gedealt, weil die Machtpositionen auch nicht bei unseren Akteuren stark und wirksam sind, sondern im guten Fall mittelmäßig, im schlechten Fall gleichgültig. Aber man könnte mich auch anders kritisieren, dass ich den realen Faschismus nicht weiter ausführe, aufkläre, und damit Politik mache. Mit anderen Worten: ich bin ja nicht alleine, keine Stimme aus der Wüste. Ich kann schon andere, parallele Wahrnehmungen und Kommentare und Analysen deutlich machen, und das können deren Autorinnen und Autoren, deren Stimmen auch und besser als ich. Aber es kommt auch auf die Kommunikation an.

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Was mich stört, ist die Verkleinerung des Faschismus, als ob er nicht so schlimm wäre wie . na, wie die stärkeren Diktaturen? Trump, Putin, Xi brauchen keinen Faschismus, sie herrschen direkt. Ich weiß, dass vielen Leserinnen und Lesern die letzten beiden Absätze nicht so eingängig sind. Die wirkliche Auseinandersetzung mit dem Faschismus ist eine wirkliche mit unserer Demokratie. Und bei so einer Auseinandersetzung kann das Ergebnis nicht Anfang des Diskurses stehen, sondern muss entwickelt werden. Nicht in diesem Fall als „Kompromiss“, sondern als Auseinandersetzung, die von unserer Seite beides sein sollte, zivilisiert und abgegrenzt. Dann kann man mit Gegnern kooperieren statt mit Feinden Bündnisse zu machen, nur dann.

Kein Kniefall. Steht still! Bewegt euch.

Recht haben ist nicht lustig. Was sich gestern und heute in Davos abspielt, war nicht im Detail, aber vorauszusehen. Ein Diktator macht, wie er es will, und seine Gefolgschaft verhält sich überwiegend gehorsam oder nachdenklich an der Realität zweifelnd. Nicht alle, deshalb keine allgemeine Verdammung. Kanada und Teile der EU und einzelne Kommentare helfen, so etwas wie Zukunft ins Auge zu nehmen. Aber leider fehlt es nicht an kurzfristig erleichterten Äußerungen, um wieviel leichter der Abend geworden ist nach den Trump`schen Drohungen am Morgen…er hat sein Ziel wieder erreicht. Abkehr von Europa (aber wir sind ja nicht 1,0, bestenfalls 0,8, wie auch unsere Regierung), und wie abhängig, kolonial Grönland werden soll, kann, wirde, und wie die Ukraine dem russischen Lage geopfert wird, alles unklar.

Also: keine Beruhigung, kein Kniefall. Auch keine aufgeblähten Backen, was wir alles denken sagen, hoffen können – das geht an den Diktatoren vorbei. In desem Fall spreche ich nur vom Diktator Trump. Seit Monaten lese ich in vielen Zeitungen seine psychischen und manchmal körperlichen Defekte und Krankheiten. Na Und? Ganz wichtig: würde Trump morgen verschwinden, weil tot oder interniert, würde sich an der amerikanischen Politik fast nichts ändern. Nicht nur die Techno-Kraten (siehe die letzten Blogs), auch eine bürokratische Verwaltungsmacht hat sich längst darauf eingestellt, ohne den Einen weiter zu agieren, das amerikanische Volk zu spalten und die nicht-demokratische Hälfte weiter den Westen und sich selbst zerstören zu lassen. Wie lange hält die andere Hälfte, halten echte Gerichte und Medien noch durch?

Andererseits: da ist auch Hoffnung. Nicht nur Canada, nicht nur >Frankreichs Präsident, nicht nur…der Ansatz des wieder erwachenden Bewusstseins von Europa ohne „Westen“, ohne „US Dominanz“ etc. kann uns bewegen und weiter handeln lassen. Nochmal: Über gestern und heute können wir keine tragfähigen Resultate benennen, die unsere Schlüsse zu akzeptiertem demokratischen Willen führen. Umgekehrt: dieser etwas beschädigte, retroaktive Wille muss erneuert werden und eine Rückkehr zur narkotischen Politik des „Sich beschützt Fühlens“ sollte verhindert werden. Die Politiker, die offen ansprechen, wieviel an unserem Wohlstand wir drangeben müssen, um uns aus der Abhängigkeit zu lockern oder teilweise zu befreien, haben recht. Bitte nicht das Wort „opfern“ verwenden, wenn der Wohlstand reduziert wird. Sich schützen und verteidigen wollen, ist nicht unbedingt widersprüchlich zu einem Pazifismus, das kann man sogar nachvollziehen. Und so können wir Themen neu anordnen, neu Prioritäten setzen, ökologisch, gerecht, transparent. Das erlaubt uns auch, Nebenwidersprüche in unsere Politik aufzunehmen…ich habe den Eindruck, dass manche altbackene Politiker manche Themen zur Ablenkung dagegen offen legen. (Auf dem Gebiet habe ich einige persönliche Erfahrung, manche Erfolge haben sich eingestellt, wenn bestimmte politische Themen nicht gleich wie ein Köder geschluckt wurden….=. Also bitte einmal Pause mit Resümees machen, Da wo es wirklich brennt, ist ja nicht Davos.

Und sich selbst immer wieder stärken und beisammen halten, auch mit dem schönen Wetter, mit dem richtigen Hören und Lesen und Sehen, und zwar nicht gleich aus einem Kanon ableiten. Selber sein, das stört die Diktatoren am meisten, wenn Menschen sie selbst sind.

Ich schaue in den wolkenlosen Himmel. Gehe an die frische Luft und denke daran, was ich heute morgen alles aus und über Davos gelesen habe. Übung für uns alle: fasst das einmal zusammen! Ein Ergebnis? Da fällt mir etwas ein: Wir hören ja viel über Grönland. Was ist der Unterschied zwischen Eigentum und Besitz? Warum und wozu sind wir politisch und rechtlich an der Seite Dänemarks? Darüber müssen wir auch einen Blick auf unser politisches Bewusstsein werfen. Dann erträgt es sich leichter, Recht zu haben und nicht nur Bodenschätze und Landschaft, sondern auch politische Vereinbarungen zu akzeptieren, für unsere Zukunft.. Ich gehe weiter in der Frühlingssonne, bei Minusgraden. Da kann man auch ganz andere politische und ökonomische Assoziationen haben und die Folgen der Abkehr von der Menschlichkeit durch Trumputin bedenken. zum Beispiel in der Ukraine.

Diktaturen auf dem Markt

Natürlich kann man auch im Kapitalismus gegen den Kapitalismus sein. Natürlich – im Wortsinn und symbolisch, politisch. Aber nicht vergessen, dass wir ja keine wirksamen Hebel zur Änderung haben, weder ökonomisch noch weltpolitisch. Ich zitiere einen marktwirtschaftlichen, aber gesellschaftlich kritischen Experten, der immerhin in Witten Herdecke lehrt und Familientherapeut ist:

Nachdem er sich nachhaltig für „Rechtssicherheit, die Meinungsfreiheit und die Freiheit der Wissenschaften“ eingesetzt hat, resümiert er „Insgesamt gesehen haben sich in der Geschichte der letzten Jahrhunderte (! MD) autokratische Systeme ökonomisch als weniger erfolgreich als demokratische, (mehr) auf die Intelligenz von Märkten setzende Systeme erwiesen – zumindest, was die Höhe des Bruttosozialprodukts angeht. Dass dies nicht unbedingt mit der Zufriedenheit und der Lebensqualität der Bevölkerung korreliert ist, muss an dieser Stelle in Erinnerung gerufen werden…“ (Fritz B. Simon: Wie Diktaturen funktionieren. Carl-Auer 2025, S. 265). Der zweite Satz spricht von der Marktwirtschaft auf uns Menschen. Und im Resümè, steht ganz unerfreulich. „So werden mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit die noch heute bestehenden westlichen Demokratien (das sind wir! MD) zu Pseudo-Demokratien verkommen, in denen de facto Tech-Milliardäre eine neue Oberschicht von Oligarchen bilden )Musk u.a. MD), die sich ihre Politiker halten, die ihnen mehr oder weniger bereitwillig zu Die4nsten sind…(271).

Kein Optimist, der Simon. Der letzte Satz ist wichtig, denn die Umkehrung, etwa Trump behrrscht Musk und seinesgleichen, geht wegen der intellektuellen und innovativen Vorherrschaft auch der Tech-Bonzen, nicht nur der Akademiker, nicht lange gut. Übrigens: das ist auch bei uns ein Moment der Einsicht, noch nicht ganz so weit).

Dazu kann man eine Menge Varianten spätkapitalistischer Beschreibungen lesen, aber diese Varianten sind keine wirkliche Politik, nur Vorstellungen über bessere umstände (Das Problem der Diktatoren ist anscheinend größer als das der Tech-Bonzen (Vgl. Anne Applebaum, aber auch Giuliano da Empoli).

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Warum ich das schreibe, warum ich? Seit langem misstraue ich den Ökonomen, die die politische Ökonomie entpolitisieren und wirtschaftliche Alternativen aufblättern. Kritische Geisteswissenschaftler verstehen davon mehr, aber auch Polit-Ökonomen. Aber warum schreibe ich darüber? Weil mich nervt, auf welchen Nebenschauplätzen unsere 0,8 Regierung und viele halbherzige Regierungen der verbliebenen Demokratien ihr Volk dadurch beruhigen, dass sie eben halbherzige Themen bearbeiten, um von der globalen weltweiten Gefahr durch die Diktaturen abzulenken. Klar, wir im sog. Westen, brauchen Trump für unser Militär, noch eine Zeit lang jede3nfalls, da dürfen wir ihn nicht gleich zum erklärten Feind machen, obwohl, naja eigentlich, und ohnehin weiß man das ja, äh. Aber die anderen Diktatoren sind ja keine Hilfe und noch nicht einmal wirklich kapitalistisch, siehe oben. Nein, ich will nicht ironisch sein. Das Unterlaufen von Umwelt und Wohlstand durch Krieg und Dominanz ist nicht neu, hat im Gleichen immer Erscheinungsunterschiede. Darum ist Geschichte so wichtig und der soziale Kampf gegen Geschichtsvergessenheit. Aber das kann ja nicht im Zentrum unserer Politik stehen, „unserer“, d.h. die eigene Politikbereitschaft (dazu hat Winfried Kretschmer in Bezug auf Hannah Arendt wirklich fast alles geschrieben). Die „Eigene“ bedeutet, „alle“. Wir müssen um die Politisierung aller werden, dann wird unsere Kultur wirken (also nicht „politische Kultur“ als Ersatz für Politik, wie früher und auch heute).

Die Diktaturen werden sich durchsetzen, wenn auch immer nur auf Zeit. Aber die ist lang, 12, 20, 40 Jahre? Ironisch kann man da nur sagen: die Evolution ist noch nicht so weit…Aber sie zu unterlaufen, erhöht unsere Lebensqualität und schränkt sie nicht ein. Siehe oben.

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Wissenschaftsfreiheit – dafür kann man kämpfen und gerade so veröffentlichen, dass es die Laien und die Politik erreicht. Das bedeutet auch die Freiheit der Kritik, nicht jeden Blödsinn gleichberechtigt neben die Wahrheit stellen, wie das die USA mit ihrem verbeulten Freiheitsbegriff so gern tun. Meinungsfreiheit – analog. Sie muss bestehen, auch wenn sie oft unangenehm ist, aber demolierte Meinungen sind von anfang an nicht „frei“. Da sind sich die drei großen und viele kleine Diktaturen einig: die politisch durchgesetzte Meinung gilt. Und dazu können wir, im Großen wie im Kleinen, nein sagen und Widerstand öben – indem wir den Unterschied zwischen freier Meinung und dem Streben nach Wahrheit immer, ja, immer!, deutlich machen. Das kann zu Konflikten führen, uns vielleicht bedrohen, v.a. in der Lehre und Sozialisation der nächsten Generation. Aber der Konflikt ist auch politisch…