Spannend

Die Weltordnung fällt auseinander. Nicht zum ersten Mal. Sie belebt alle gescheiten und weniger gescheiten Kommentare, warum das so ist, seit wann es so ist, und ob und wie man das ändern sollte. Meist landen diese Überlegungen in der dritten Kommentarstufe am Stammtisch oder in endlos sich überschneidenden Talkshows. Aber, werte Leserinnen und Leser: was erwartet ihr denn anderes?

In vieler Hinsicht sind die Vergleiche bei uns mit 1913 besser als mit dem Beginn des 2. Weltkriegs – bei anderen Gesellschaften vergleichbar anders. Es wird sich etwas verändern, eher wissen wir was als wie.

Lassen wir alle Esoteriker, Futurologen, Globalanalytiker einmal beiseite, aber auch erklärte Unterwürfige – die sind auf der politischen Ebene gut erkennbar, wenn sie Trump in den Trump und Putin in den Putin und Xi in den Xi kriechen. Genauer hinschauen muss man bei der zweiten Ebene, wer kriecht warum dem Erdögan in den Erdögan oder … aber geht es um die politische Ebene der Gegenwart, oder nicht vielmehr wird ihre Zukunft durch die gesellschaftlichen Entwicklungen – also Politisierung, nicht gleich Politik – vorher bestimmt? Nur wissen wir nicht, wie es wirklich ausgeht. Was wir kritisieren können, sollten wir durchaus kritisieren: z.B. die Renationalisierung, die Entrechtlichung der internationalen Abkommen, den Abbau von Umweltpolitik und die soziale Verarmung ganzer Gesellschaftsschichten aus budgetären Gründen. etc. ABER das alles sagt nicht, was wirklich kommen wird, wir haben nur eine Palette von Möglichkeiten, keinen eindeutigen Weg.

Das ist kein altmodischer Hinblick auf Schicksal, auch keine passive Erwartungshaltung über das, was für uns wahrscheinlich sich ereignen wird. Das sagt nur, welchen Aspekt aus dem Portfolio wir auswählen sollen – und dann versuchen es zu können, nicht umgekehrt – um uns resilient, beständig und politisch weiter zu entwickeln.

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Trivial? Na und. Banal? nein. Zur Möglichkeit der politischen Weiterentwicklung gehört neben der Bildung auch die dauernde Präsenz in der gesellschaftlichen und also auch persönlichen Kultur. Ein Beispiel: Adriana Altaras https://de.wikipedia.org/wiki/Adriana_Altaras hat gestern (9.9.25) in Potsdam schon zum zweiten Mal ein Podium dynamisiert, das die Diskussion in den Köpfen des Publikums diffundiert und nachher, vielleicht auch länger andauernd, Folgen hat, im Nach-Denken, sich Vergewissern. Die Darstellung und Vorstellung von Nachdenken und Musik hat belebt, gezeigt, wie soziale Kultur der Politik vorangeht. (DER JÜDISCHE SALON POTSDAM – 09. September, 18:00 Uhr – Die Landeshauptstadt Potsdam in Kooperation mit dem Jüdischen Filmfestival Berlin Brandenburg hat eingeladen, schon das zweite Mal). Und nicht von der Politik gesteuert wird, zum Wohle der jeweils Regierenden. Daran muss ich jetzt denken, nach dem politischen Auftakt im ersten Absatz. Was aus uns wird, bestimmt die Politik morgen, nicht was wir heute geworden sind…

Kriegszeiten, Jahreszeiten, Unzeiten

In meiner Umgebung gab es immer Jahreszeiten, die Familien Sommer, Herbst und Winter, und statt Frühling hieß unsere Vermieterin Lenz. Ich hatte mir als Kind nie Gedanken gemacht, wie es zu dieser Namensgebung gekommen ist. Und viele Witze gab es in der Schule auch nicht dazu. Die Erklärungen und historischen Belege sind zahlreich (https://de.wikipedia.org/wiki/Vier_Jahreszeiten), und man kann sich leicht vorstellen, woher dien Einteilung kommt…diese Vorstellung prägt langwellig auch unsere Kulturen.

Trotz aller Modernisierung der Waffensysteme und aller elektronischen Steuerung gibt es in denn heutigen Kriegen durchaus eine Abhängigkeit von Jahreszeiten beim Waffeneinsatz, nicht mehr so direkt wie früher, aber immerhin…

Vorkrieg, Nachkrieg, Bürgerkrieg, Weltkrieg, Rosenkrieg….welcher von diesen ist kein Krieg? Und warum?

Unsere Nachrichten wählen Kriegsbezeichnungen und Mitteilungen darüber aus, sie können gar nicht immer alle Kriege aufzählen und beschreiben, gar bewerten. Aber der Begriff „Krieg“ hat sich in unsere Sprache eingegraben, sich festgesetzt, vom Ehekrieg zum Handelskrieg. vom Krieg der Sterne bis zum Krieg der Welten. Wann und wie der Begriff in Kunst, Literatur und Philosophie eingeht, verschafft vielen eine sekundäre Beschäftigung. Dem gegenüber kommt die Kehrseite, der Frieden, oft zu kurz, wiewohl auch dauernd und vielseitig angewendet. Nicht wirklich mein Thema, jetzt schon gar nicht.

Krieg auf allen Ebenen, das ist wichtig: jeder Krieg hat viele Schichten und greift weit in die Gesellschaft ein, in die Familien, in das individuelle Leben. und natürlich in die Kulturen, und in die Sprache (russisches Begriffsverbot!) und in unser Bewusstsein. Schrecklich, wer nur Krieg kennt, von Geburt und Kindheit an, der braucht den Begriff gar nicht mehr, um die Wirklichkeit zu erleben; und schrecklich, wer den Krieg erst im Lauf des Lebens kennen lernt, erwartet, unerwartet, aktiv mitbetrieben oder passiv erfahren. Kriegszeiten werden auch historisch anders erlebt und beschrieben und weitergegeben als Friedenszeiten. Obwohl das ja nicht einfach zwei Seiten einer Münze sind.

So, wie die Jahreszeiten nicht mehr das sind, was sich uns seit Kindheit eingeprägt hat, so sind Kriege niemals das, was als öffentliche, offizielle Beschreibung und Bewertung an der Oberfläche sichtbar ist und dann doch in Schule, Familie, Tradition, auch Religion, vermittelt und eingeprägt wird. Sprechen über ist etwas anderes als erleben, das ist nur ein Segment. Um welche Vergangenheiten geht es bei welchen Konflikten und Kriegen? Um welche Gegenwarten – Tod, Vertreibung, Verwundung, physisch, psychisch, generationenübergreifend und persönlich, und die dazu gehörigen Propaganden… – geht es wirklich? und gar, um welche Zukünfte?

Für mich ist es schwer, nicht dauernd zu analysieren und meine Meinung zu verbreiten. Paradox: gerade, wenn ich wirklich etwas weiß, einer Wirklichkeit bewusst bin, halte ich mich zurück: Israel, Palästina, Ukraine….Das ist keine Spur von Bescheidenheit, aber eine nachdenkliche Vorstellung, wen meine Aussagen erreichen, wenn sie über Meinung hinausgehen. Mich sozusagen in die Politik dieser Aussagen einbeziehen. Und das Nachdenken darüber, ob wir wirklich, wie ich ernsthaft denke, am Rande eines III Weltkriegs sind oder schon drin. Das ist kein Talkshowthema. Der Lernprozess selbst endet ja einerseits erst mit dem eigenen Lebensende, aber, geht es von einem selbst aktiv aus, nie. Also Vorsicht bei beidem: Rausposaunen oder Zurückhalten. Mittelweg schon gar nicht.

Lacht nicht, wenn ich sage, dass die letzten Absätze bedeuten, politischer zu denken und zu agieren. Privaten Rückzug gibt es nicht…Das heißt gerade nicht, dauernd Meinungen auszusäen. Sondern sie zu bilden und dann zu überwinden.

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Unzeiten gibt es auch: das Richtige zur falschen Zeit, das Falsche zur richtigen Zeit, oder noch verschränkter. Meine Erfahrung ist, nicht selten, das Richtige im Falschen unterzubringen, richtet oft Schaden an. (Philosophisch ist das nicht, aber darüber kann man bei Adorno schon etwas lesen…). Es reicht nicht sich auf seinen Instinkt zu verlassen. Oder vielleicht doch, wenn man ihn weiter ausbildet. Zur Unzeit heißt ja oft, das Ich, das Wir, das Man zu vermischen oder zu verwischen. Bei vielen Themen, u.a. siehe oben beim Krieg, nehme ich das unangenehm wahr, um dann zu sehen, dass es auch bei anderen Themen immer und immer wieder vorkommt.

Judenstaat? Jüdisch? Fragen

In letzter Zeit steigen die die Auswanderungszahlen von jüdischen Israelis. Hier zunächst keine Begründungen.

Die Zahl der Israelis, die ihr Land verlassen, nimmt zu. Im Jahr 2023 waren es 24.900, im Vorjahr waren es 17.520. Dem entgegen kehrten im Jahr 2023 nur 11.300 Israelis zurück. (https://www.israelnetz.com/israelis-wandern-vermehrt-aus/ . Interessante Begründungen: Nicht der Krieg, sondern der Premierminister…

Andere Statistiken gehen bis auf 35.000 in 2023 und über 50.000 in 2024 hoch

Egal. Es geht nicht um Quantität, sondern darum, dass viele Menschen in Israel den jüdischen Staat in einen Judenstaat zurückdrehen wollen, und das ist keine Entwicklung.

Man muss aber die Entwicklung vom Judenstaat zum jüdischen Staat kennen, um zu wissen, wie sehr die jetzige, teilweise faschistische Regierung diese Entwicklung umkehrt, vor allem mit den meisten Siedlern, den meisten ultra-orthodoxen Religiösen, den meisten Gefolgschaften für Netanjahu.

Und man hat offiziell vergessen, dass Netanjahu die Hamas im Gaza gefördert hatte, damit die zivile Regierung in den palästinensischen Gebieten geschwächt wurde. „Laut der rechtskonservativen Website Mida hat Netanjahu seiner Likud-Partei 2019 erklärt, man müsse zulassen, dass die Hamas finanzielle Unterstützung aus Katar bekomme – das sei ein Schlüsselfaktor dafür, einen palästinensischen Staat zu verhindern. „Das ist Teil unserer Strategie: Eine Trennung zwischen den Palästinensern in Gaza und im Westjordanland herbeizuführen“, sagte er.“ Man kann das zurück und weiterverfolgen, der 7.10. schafft eine weitere Wende nach einer insgesamt negativen Entwicklung (Netanjahu wollte Palästinenser spalten – und spaltete Israel: Felix Tamsut, 21.01.2024, und in DW mehrfach).

Ich werde jetzt und an dieser Stelle nicht die Entwicklung seit der Entstehung des Zionismus und seit dem wichtigen Wechsel vom Judentstaat zum jüdischen Staat nachzeichnen. Aber dies ist der Auftakt zur Rekonstruktion einer Entwicklung, in der viele jüdischen Menschen in Zukunft den Judenstaat des Trumpnetanjahu weniger als ein jüdisches Leben außerhalb Israels bevorzugen werden.

Fortsetzung folgt.

Sanfter Faschismus? Auch in D.

Frau Klöckner betreibt eine Gleichschaltung des Parlaments, wie man es aus Diktaturen kennt, nicht ganz so hart und schnell, aber konsequent. Sie will die Abgeordneten in gleichgeschaltete Marionetten verwandeln. Nachdem sie schon ein Fahnenschwingen auf den Nationalismus reduziert hat, nachdem sie schon ästhetische Ansichten vor die Politik geschoben hatte.

So hatte sie sich früher nicht aufgeführt, aber Menschen verwandeln sich mit beginnendem Zuwachs an Alter und Bedeutung, das ist auch ein Zuwachsen des Gestrüpps um liberale Demokratie – und ein wenig Gelassenheit, wenn nicht alle dem Sektengehabe der Frau Klöckner nachgeben.

Eigentlich ist sie unbedeutend. Das weiß sie auch.

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Aber sie ist, das kann man schon dialektisch begründen zugleich aktives und getriebenes Element einer Entwicklung, die keinen Halt bei einer legitimen rechtskonservativen Mehrheit macht. Das ist ein Problem, denn man darf auch die Grenzen nicht böswillig überschreiten, wenn man selbst die Grenzüberschreitungen der Konservativen kritisiert – ich bin ja leider kein Satiriker.

Nun sind die Vorstellungen über Faschismus ja teilweise ignorant, teilweise zu eng auf bestimmte Aspekte der Vergangenheit fokussiert. Man vergleicht Faschismus zu sehr mit Kommunismus und Kapitalismus, was eine falsche Einstellung ist, weil man Faschismus eher als Gegenbewegung gegen Demokratie einordnen muss, und eigentlich sollte man, wie ich es normal mache, im Plural von Faschismen sprechen, denen nur wenige Eigenschaften generell gemeinsam sind, vor allem das Führerprinzip gegen die Demokratie.

Nun haben wir in Europa, vielleicht weltweit, eine Vielzahl faschistischer Nester, Bewegungen, teilweise auch Herrschaften oder aber Oppositionen. Man will sich bei uns an den Gebrauch des Wortes – weder als Begriff noch als Leitmotiv – nicht gewöhnen oder orientieren, weder gegenüber der AfD und dem BSW noch gegenüber den faschistischen Tendenzen an den Rändern demokratischer Parteien. Das ist besonders peinlich, weil die Unterscheidungen oft schwierig sind, was nur rechtsradikal und was schon faschistisch ist.

Wie gesagt: nicht alle rechtskonservativen Politiker:innen sind faschistisch, nicht alle Faschisten sind nur rechts, weil die R-L-Koordinate hier nicht wirklich passt. Da können sich noch manche anerkannte Politiker:innen zurückziehen, wenigstens eine Zeitlang.

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Wie hängt das mit Frau Klöckner zusammen, wird hier nicht eine hinterhältige Brücke zwischen ihr und dem Faschismus aufgebaut? Gerade nicht hinterhältig. Sie muss die Brücke ja nicht betreten, dann bleibt sie, was sie ist: konservativ und oft im Unrecht.

Gerade höre ich, dass wieder Menschen zuerst als Abgeschobene dehumanisiert und dann in undemokratische Länder entfernt werden, diesmal eine unschuldige drusische Familie in den Irak. Durch einen Parteigenossen von Frau Klöckner, Herrn Dobrindt. Der steht schon auf der Brücke

Was ist schon normal?

‘Civilizational Nationalism’

The West is in conflict with itself.

Eine gute Überschrift zu einem guten Artikel in Noema. (Nathan Gardels, 12.7.2025). Ein wichtiger Absatz lautet : „The cultural wars we are experiencing today, as Alexandre Lefebvre observed recently in Noema, are precisely a battle over who gets to normalize the norms for the whole of society.“

Die Normalisierung der Normen hat mich jahrelang beschäftigt, auch wegen der inhaltlichen Auseinandersetzung zum Normalismus von Jürgen Link, den ich seit vielen Jahren kenne („KultuRRevolution“ (https://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%BCrgen_Link). Und schätze, er hat viel von Frankreich nach Deutschland gebracht, und das war vor 50 Jahren und seither schon wichtig.

Aber die Normalisierung ist ja keine Trivialität. Sie richtet nicht nur in der Gesellschaft etwas an, sie erzeugt auch Strukturen, denen wir uns entweder unterwerfen müssen oder aber die uns in Kontroversen und Konflikte laufen lassen, die unser individuelles Leben etwas übersteigen.

Nun befinden wir uns in einer schrecklichen Zeit, in der wir schon Probleme haben, sie realistisch zu verstehen, und wenn das gelingt, Konsequenzen für die Zukunft daraus zu ziehen. Wie wird unsere Zivilisation beschaffen sein, wie werden wir den drei Atomdiktatoren und ihren Handlangern begegnen müssen und können, wie gehen wir mit dem lokalen und nationalen Rechtsruck –> Normalisierung! – um, vor allem, wenn er die Schwelle zu einem der Faschismen überschreitet?

Das alles kann keine Frage der Theorie allein sein, aus der dann Politik und politische Praxis abgeleitet wird. Es geht auch um die Schlüsse, die wir aus der täglichen Praxis ziehen müssen, um nicht nur bei uns selbst zu bleiben.

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Dass unsere Zivilisation noch nicht abgeschlossen ist, versteht sich. Dass wir in ein Zeitalter eintreten, in dem KI nur nur Normalität produziert, sondern bis in unsere Hirnzellen hinein in die Evolution eingreift, versteht sich sich nicht so einfach. Dass es nicht ausreicht, wenn WIR die Folgen nicht mehr ganz erleben, ist klar, wenn unsere Kinder und Enkel die Zerstörung der Lebensräume, der Lebensbedingungen nicht nur erleben müssen, sondern ihnen ja aktiv begegnen. Aber wie richten wir was für diese Zukunft ein, in der wir wahlweise zu Staub zerfallen oder in einem absurden Jenseits auch nicht weiter leben werden?

Die Antwort „Politik“ stimmt, ist aber zu einfach. Wie gehen wir gegen die Menschenfeinde der Regierung, gegen die Umweltfeinde der Regierung, gegen die Kulturfeinde der sogenannten Regierung vor?

(Als Kind, ca. 10 Jahre alt, habe ich am Sonntag Vormittag immer die kabarettistische Politikumschau von Heinz Conrads mitangehört, der war auch nicht problemlos, aber sei`s drum: wenn etwas massiv ungelöstes in der Politik aufschien, sagte man "Bei uns, in Bagdad". Würde man heute nicht mehr...aber sei`s drum: damals war klar: Bagdad war hier, war Wien, war die Regierung, waren die Parteien).

Wie kann man gegen die Menschenfeinde Klöckner, Merz, Dobrindt, Bär, Spahn und Konsorten angehen, wenn sie die Normalisierung – siehe oben – schon so weit getrieben haben? Sind die so böse? Nicht einfach rechtsgerichtete DemokratInnen? Sicher sind sie das, aber auch in Demokratien ist die Ausrichtung auf Unmenschlichkeit möglich und oft wirklich – und zwar seit Beginn der Demokratie – was nebenbei ein Argument der Demokratiefeinde und Faschisten war und ist).

Und Europa: https://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%BCrgen_Link (Da sind die Rechten an der Macht oder vor der Tür. Und der Normalismus bekräftigt den Nationalpopulismus, in Regierung und Opposition). Und die Welt?

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Wir sollten uns darauf einstellen, wie sich unsere Lebenswelt unter dem Druck dieser Entwicklung verändern wird. Komprimierte Lebenschancen auf allen Ebenen. Unsereins wird mit Wohlstandseinbußen leichter leben können als die wirklich Armen, die z.T. in die Arme der Rechten getrieben werden, zT. besonders leiden werden. Wir können immerhin IN und MIT der Kultur Widerstand aufbauen, auch mit massiver Kritik am rechtsnormalisierenden Journalismus, aber vor allem mit Kulturproduktion auf allen Ebenen – Bildung, Kunst Dialog.

Wie wir uns dazu organisieren sollten, wird hier nicht beschrieben. Versteht sich. Aber dass sich die Kälber nicht auch noch nur Schlachtbank überreden lassen, ist klar.

Postkolonial? Begriff & Morast

Der Titel soll euch nur aufmerksam machen. Es geht um sehr viel, nicht nur mir. Israel und Gaza. Das ist kein Pünktchen auf der Weltkarte. Es geht um Antisemitismus, Antiislamismus, Islamismus, ja, und um Geschichte, auch unsere – Unsere Geschichte, das ist eine nationale, manchmal auch jüdische Geschichte. Zuviel um einfach zu sein.

Mein Fachblatt SOZIOLOGIE, Jg. 54, Hefte 2 und 3, befasst sich mit der Wissenschaft Soziologie und dem Antisemitismus, und dabei gibt es von einem Symposion mehr oder weniger klarstellende Artikel. Am letzten habe ich mich festgehakt: Jens Kastner: Widerstand gegen Weiße: Zur Thematisierung von Israel/Palästina in der dekolonialistischen Theorie 314-319. Ein deutlicher, nicht aggressiver Artikel gegen die Kolonialansicht von Israel durch propalästinensiche Wissenschaft, konkret Vergues 2024 und Grosfoguel 2009. Propalästinensisch ist „mein“ vager Begriff, denn oft wird eine Ideologie auch bloß als muslimisch, bloß als arabisch, bloß als „palästinensisch“ verwendet. Kastner ist glaubwürdig und vielseitig (https://de.wikipedia.org/wiki/Jens_Kastner). Worum es mir geht, da ich ja in letzter Zeit so viele Blogs und einige Vorträge zum Thema gehalten habe? Das Unwissen über Israel, auf das auch Kastner anspielt, ist eine Waffe, nicht nur des Antisemitismus.

Ich denke, man muss hier weiter ausholen. Weil und wenn die jüdische Besiedlung Palästinas zu Beginn des 20. Jahrhunderts nicht kolonial war, so hatte sie doch viele Merkmale der Nationalitätsgründung vieler anderer Länder. Und alle, ausnahmslos, haben das Problem gehabt, Verdrängung und Integration handhaben zu müssen. Dabei spielte in Palästina eine Rolle, dass es bis 1918 unter Türkischer, danach aber unter Britischer Herrschaft stand, und die Engländer eine erhebliche, heute beiseite geschobene Kolonial- und Besatzungspolitik ausgeübt hatten, teilweise in Bürgerkriegen, mit und ohne Intervention weiterer Mächte. Aber die jüdischen Einwanderer und -innen waren jedenfalls nicht kolonial, und nach Gründung des Staates Israel 1948 muss man die Geschichte von Gaza genau verfolgen, damit man bei diesem Votum bleiben kann. Nun zu einem schmalen Detail: Wer waren und sind die Palästinenser? Die Antwort darauf ist kompliziert und widersprüchlich, aber ohne die Frage zu stellen, ist der Kolonialvorwurf an jüdische Israelis nicht nur falsch, sondern auch pervers.

Ich gebe hier bewusst keinerlei Literaturhinweise, weil diese so vielfältig sein müssten, um Kastner zu ergänzen und zu erweitern. Aber ich rate, auch den Wissenschaftler:Innen und Interessierten, die ganze Geschichte zu erkunden und sich eine Zusatzfrage zu stellen: ob der Antisemitismus, welchen Alters auch immer, nicht vorrangig durch den Israelbezug erklärt werden kann. Für Diskussionen und Hinweise dazu stehe ich zur Verfügung. Für die Soziologie als Wissenschaft und institutionell ist das ein wichtiges Thema, für das man danken kann, weil es sich öffentlich darstellen lässt.

Juden, jüdisch – Klug und dumm?

Vorspiel: Dummheit und Faschismus

„Der Faschismus entsteht immer aus einem Geist der Provinz, einem Mangel an Kenntnis der wahren Probleme und der Ablehnung der Menschen, sei es aus Faulheit, Vorurteilen, Habgier oder Ignoranz, um ihrem Leben eine tiefere Bedeutung zu verleihen. Schlimmer noch, sie prahlen mit ihrer Ignoranz und suchen Erfolg für sich selbst oder ihre Gruppe durch Anmaßung, unbegründete Behauptungen und falsche Darstellung guter Eigenschaften, statt an echte Fähigkeiten, Erfahrung oder kulturelle Reflexion zu appellieren

Faschismus kann nicht bekämpft werden, wenn wir nicht erkennen, dass er einfach die dumme, erbärmliche und frustrierte Seite von uns selbst ist, für die wir uns schämen müssen. “
(Federico Fellini: Im Gespräch mit Natalia Ginzburg., dankbar von Edith Pedevilla am 7.7.25 übermittelt).

Es geht um die Verbindung von Faschismus und Dummheit. Ergänzt meine Blogs der Vergangenen Tage. Und erweitert den Hinweis auf DUMMHEIT in einem besonders peinlichen Fall, ja, Syndrom.

  1. Akt: Dummheit entfaltet

Der von mir seit Jahrzehnten unverändert verehrte und gelesene Robert Musil (Törless, Der Mann ohne Eigenschaften u.v.m.) hat im März 1937 zweimal auf Einladung des österreichischen Werkbunds einen Vortrag über die Dummheit gehalten (Österreichischer Werkbund – Wien Geschichte Wiki). Zweimal, das kann also schon beim ersten Mal gewirkt haben, schwierig zu lesen, die Ironie muss wienerisch und nicht norddeutsch verstanden werden – und sehr aufschlussreich, wie die Dummheit über alle Gebiete und Sphären aufgegliedert und verstanden wird, und keineswegs der Klugheit oder Intelligenz im Weg steht. (Musil, R.: Über die Dummheit. Hamburg 2022, Nikol). Ich habe mich eher durchgebissen als den Essay überflogen, nichts geht ohne die Dummheit, die Weisheit schon gar nicht. Warum ist das wichtig? Weil viel in dem, was wir andenken oder anvisieren, widersprüchlich ist, und deshalb braucht es dieser Dialektik, um überhaupt zu verstehen.

  • Akt: Juden müssen nicht jüdisch sein

So, wie Kluge oder Gescheite auch dumm sein können, so wenig sind alle Juden jüdisch. Ihre ethnische Herkunft kann man nicht ändern, aber ihre soziale Qualität und ihr Verhalten, also jüdisch zu sein, zu leben, sich jüdisch zu verhalten, ist nicht festgelegt. Und je dogmatischer sie vorgeblich dargestellt wird, desto mehr sollten wir zweifeln.

Die meisten antisemitischen Vorurteile gelten formal den „Juden“, beziehen sich aber auf das, was den Judenfeinden am Jüdischen nicht gefällt oder nicht passt. Das heißt natürlich, dass ich das Jüdische verteidige, gegen Antisemiten und gegen den Missbrauch des Jüdischen durch bestimmte Juden. „Bestimmte“? Ja, nicht alle, und schon gar nicht „Die Juden“ an sich. Mit anderen Worten: es kommt darauf an,  „Jüdisch„ zu definieren, für sich in Anspruch zu nehmen und den Begriff nicht einfach allen anderen zu überlassen, vor allem nicht denen, die damit das Judentum herunterwirtschaften, geistig und materiell. Die sind meistens antisemitisch, manchmal aber auch Juden.

  • Akt: Wie komme ich jetzt dazu?

Wir befinden uns in einer ziemlich schrecklichen Situation, weltweit. Mit einem aggressiven Kern, neben anderen, von unauflösbarer Gewalt im Nahen Osten, sagen wir in Israel und Palästina. Dazu habe ich seit langem viel geschrieben, gesagt, nicht nur Richtiges und Kluges, aber doch meist glaubhaft. Und viele äußern sich dazu, und man kann gut nachweisen, dass es ein begriffliches Dreieck gibt: „Israel-Juden-Antisemitismus“ – jetzt kommt es darauf, wer welchen der drei Begriffe wie, positiv oder negativ, verwendet und wie die drei verknüpft sind. Wer immer einen direkten Bezug zum Antisemitismus aufgrund der Juden in Israel vornimmt, aufgrund bestimmter Juden, wohlgemerkt, verwechselt die ethnische Herkunft mit dem Verhalten. Und wenn das verabsolutiert wird, dann meint es genau das Jüdische, das seit ewigen Zeiten für den Antisemitismus steht. Und wie komme ich jüdischer Mensch dazu, mich darüber auszulassen? Wieder einmal?

  • Akt: Dummheit antisemitisch, schwer aufzulösen

Alle möglichen Gründe für die israelische, die palästinensische, die arabische, die globale Nahostpolitik werden dauernd herausgebracht, und sie werden mit jeder Drehung antisemitischer (so als würde man immer auf den eigenen Spuren im Kreis reiten und meinen, man käme dem Ziel näher). Welchem Ziel? Frieden? Völkerrecht? Überleben der Palästinenser? Auslöschung der Hamas? Zweistaatenlösung? Machtzuwachs für Netanjahu, damit er nicht vor Gericht muss? Vernichtung Israels von der Wüste bis zum Meer? Ein floridierender Strand für Trump? Ich habe noch mehr ???

Warum antisemitischer? Weil man die Vorurteile gegen die Juden, also antijüdische, als Ausgangspunkt der Analysen und politischen Meinungen (Gemeinplätze) verwendet und so tut, als könnte mit diesem Fixpunkt die Realität erklärt werden. Das ist dumm.

  • Akt: Der Fixpunkt ist falsch. Das Judentum entwickelt sich weiter

Es kann sein, dass Netanjahu für einige Zeit die Oberhand behält. Dass viele kritische, intelligente, religiöse Jüdinnen und Juden das Land Israel verlassen, dass nicht nur der Zionismus gescheitert ist, sondern Israel als letzter Zufluchtsort für alle Juden. Was dann bliebe, ein gewalttätiges Land von Siedlern und Ultrareligiösen, die sich mit anderen, z.B. arabischen Ultras in der Umgebung irgendwie einigen oder auch nicht, aber jedenfalls ein weiterhin ungesichertes Ziel von jüdischen Menschen abgebaut wird. Wer weiß, für wie lange, wer weiß, mit welchen Folgen für jüdische Menschen an anderen Orten der Erde, in einer zunehmenden Rückkehr nicht nur des Antisemitismus. Auch Israel würde dann nicht mehr das Land sein, in das man sich gerne begeben würde, sei es aus Wertschätzung oder aus Fluchtgründen. Wenn das zuträfe, dann wäre Israel nicht mehr „jüdisch“, und die Juden, die dort lebten, wären es auch nicht zur Gänze.

Und wir, die das Jüdisch sein weiter und immer weiter entwickeln, müssten schon überlegen, wann und wie wir nach Israel, mit Israel weiterleben, und viele von uns IN ISRAEL.

Ist das so unwahrscheinlich angesichts der Realität, nicht der Ideologie? Und den Hinweis auf Dummheit habe ich unter anderem gebraucht, damit wir Juden nicht abwechselnd als klug und dumm zugleich missachtet werden – und weil Musil schon Recht hatte.

Man glaubt es nicht…man weiß es?

…Man nimmt etwas wahr, was jemand irgendwo auf XInstabluesky geschrieben hat, und kommentiert es dann. Der Kommentar wird wieder kommentiert. Auf ihn folgt der nächste Kommentar. Nichts ist im Netz so günstig zu haben wie Meinung, eine Form von Meinung, die ausschließlich von der Erfahrung des Moments lebt….“ (Kurst Kister, SZ, 27.6.2025). Einer meiner Vorbilder, der meist jenseits der Meinung die Wirklichkeit nicht aus den Augen verliert, während er denkt und liest.

Die Kommentare der realpolitischen Anschmiegsamkeit an die westlichen Diktate sind so ähnlich, etwa die von Merz zu Trump (Diktator) oder Meloni (Faschistin). Sie unterscheiden sich marginal von östlichen Anschmiegungen an Putin. Wir sind in der Farce der Wiederholung des zweigeteilten politischen Globus der 50er Jahre. Ist Amerika für uns besser? Da wäre zum Beispiel die Frage: Besser als was? zu beantworten. Und nur der Atomschutzschirm reicht nicht für Freiheit, Menschenwürde – und Wohlstand, die nicht von einem Diktator gewährt oder eingeschränkt werden.

Die Zerstörung der Justiz in den USA macht Fortschritte. Weil Trump die RichterInnen nicht absetzen kann, erlaubt er der faschistischen 6:3 Mehrheit des Obersten Gerichts, seine Diktatur zu festigen:

Supreme Court ruling expands Trump’s power – and he intends to use it, (Anthony Zurcher, 27.6.2025 BBC ) Oberste RichterInnen unterhalb dürfen nicht mehr in die Dekretbefugnisse des Dikators eingreifen.

Macht euch keine Illusionen: es gibt Widerstand gegen Trump, aber der ist so heterodox, dass er nicht wirkt, oder ihm vielleicht hilft. Merz ist nicht allein: die EU, die NATO tun offiziell und sichtbar alles, um Trump bei Laune zu halten, ihn zu umschmeicheln.

Zurück zu den Kommentaren der Kommentare. Erwartet sie an dieser Stelle nicht, denn was soll ich wirkungsvoll wem raten? Zu denken, zu tun? Ja, die Ergebnisse können wir vorweg träumen: Trump verschluckt einen Golfball, dann regiert der katholische Faschist Vance, glaubt ihr, der ist besser? Und wenn der sich an einer Hostie verschluckt, wer kommt dann danach? Nein, personalisiert geht es bei Diktaturen nicht, hier nicht und dort nicht.

Nicht nur die Unterwerfung geht auf unsere Kosten, auch der Widerstand und die Freiheit. Ich weiß nicht, was sich an unserem jeweiligen Leben zuerst einschränken wird müssen, aber dass diese Freiheit mehr kosten wird als Stillhalten, ist wohl klar.

Demokratie – wie weiter? So.

Eine heruntergekommene – geschwächte? – Demokratie konzentriert sich nicht auf die wertvollen Bilder, die wir uns ohnehin nicht leisten können. Sie arbeitet sich an den Rahmen und der Ausstellung ab, in der die wirkliche Politik gezeigt wird. Natürlich dürfen und können sich die Deutschen auch um die „Drecksarbeit“ von Merz kümmern, sogar aufregen: obs richtig war, aber nicht für den Kanzler, obs falsch war, aber verständlich, obs die Beziehungen zu Israel verbessert oder schädigt – „natürlich“, sozial-natürlich, so geht es offenen Gesellschaften eben zu. Aber nicht alles ist gleich wichtig, nur weil es natürlich ist. Vgl. Nachklapp SZ 21.6.2025 „Drecksarbeit“ – wieder eine Korrektur an den Schnellquarglern.

„Eigentlich“ ist auch so ein Dreckswort, das immer an der falschen Stelle hervorkommt, eigentlich hatte Netanjahu ja mehrfach Erfolg: die ihn im Gaza ablehnen, finden den Iranschlag gut und richtig. Und der Iran ist ja schon größer und wichtiger als Gaza, wichtiger? Und, wie die Presse schreibt, treibt er Trump vor sich her.

Fast alle reflektierteren Politiker sagen, wir hätten uns zu lange vom Iran wegen der Nuklearanlagen in die Irre führen lassen. Wir, der Westen.

Einer der eher links verorteten „Neuen israelischen Historiker“, Benny Morris, sagte. „Bei einer Veranstaltung an der Universität Wien Anfang Mai 2008 rief Benny Morris zu einem Präventivschlag gegen den Iran auf: „Mit konventionellen Waffen. Und wenn das nicht reicht, dann mit unkonventionellen. […] Viele unschuldige Menschen würden dabei sterben“, sagte Morris. Aber das sei immer noch besser als ein nuklearer Holocaust in Israel. In einem Interview mit der österreichischen Zeitung Der Standard behauptete Morris, nur ein atomarer Präventivschlag seitens Israels könne das Atomprogramm des Iran stoppen. (https://de.wikipedia.org/wiki/Benny_Morris 20.6.2025). Und 2024 sagte er das wieder. Lasst einmal links-rechts beiseite. Ich stimme dem ausdrücklich SO nicht zu. Aber ich verstehe Morris, der ein guter Historiker ist und so alt wie ich, Und eigentlich führt das zu Merzens Begriffsbildung. Und wer der nicht zustimmt, soll nachdenken und sagen, wann WIR wie politisch, diplomatisch etc. auf Iran hätten einwirken sollen, müssen, um seine Atomrüstung zu verhindern (was ja dann nur international und mit Kontrolle gegangen wäre, deren letzten Hebel ausgerechnet Trump selbst abgebaut hat). Wir, der Westen.

Wir in Deutschland sind nicht Israel. Wir jüdische Menschen in Deutschland sind keine Juden in Israel. Deshalb bitte etwas Vorsicht bei wertenden Kommentaren. Gerade wenn sie kritisch zur israelischen Regierung sind: 85% der Israelis stimmen dem Angriff auf den Iran zu, wo unmittelbar davor mehr als 50% den Krieg Netanjahus im Gaza abgelehnt hatten. Das ist leichter zu erklären, wenn man den Rahmen und die Bedingungen der israelischen Politik, jedenfalls seit der Gründung kennt, eher noch auch davor.

Deshalb kommentiere ich den Israel-Irankrieg nicht weiter. Wenn alternativ verhandelt wird, braucht es mehr Demokratie als Trumps Drohungsdiktat, und wer die Diktatur in Teheran loswerden möchte, soll deutlich werden, wer sie ersetzen soll. *

Aber mir ging es ja generell darum, dass sich bis heute viele öffentliche Stimmen lieber mit der Rechtfertigung oder Kritik der Drecksarbeit befassen, als mit der Wirklichkeit, nicht nur in Israel. Auch bei uns, nicht nur in den USA, werden Umwelt und Soziales abgebaut, scheinbar erlaubt die Budgetsanierung die Lebensgefährdung der nächsten Generation. Da stecken viele lieber den Kopf in den Sand und reiben sich dann die Lider wund. Meine Kinder und Enkel sind betroffen, und viele ihrer Generation.

Über diese Betroffenheit, ja, Lebensbedrohung, im Gaza und in Israel und im gesamten Nahostgebiet, und nicht nur da, sollten wir in den gleichen Kategorien nachdenken und urteilen wie gegenüber unseren Kindern. Und auch, welche Politik wir dann wirklich fördern, welche wir bekämpfen wollen.

WIRD FORTGESETZT: ICH WERDE DAZU NOCH EINIGES SCHREIBEN: DIE ÜBERSCHRIFT BLEIBT:

Unterwerfung als Tugend – nicht nur deutsche Tradition

Nur keine falschen Begriffe, kein Klima, keine Geschlechtervielfalt, keine Migrationspolitik – im Vorfeld des Treffens der so genannten Demokratien in Kanada, incl. faschistischen Regierungen wie in Italien, wird alles getan, um den Diktator Trump nicht zu reizen, ja, man schmiert ihm sich selbst ums Maul.

Israels Krieg gegen den Iran bietet dazu ein gutes Glacis. Da der Iran die schlimmere Diktatur ist, kann man sich hinter Netanjahu verkriechen, ohne Gefahr zu laufen, als undemokratisch zu gelten, und Gaza ist vergessen.

Nun ist das vielleicht die richtige Haltung von Vasallenstaaten. Aber dann soll man sie als solche deklarieren…. Unsinn, natürlich, man spielt demokratische Allianzen, Hauptsache, die Zölle werden verringert. Wir sind halt der Westen, die EU, unter dem nuklearen Schutzschirm der USA.

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Dass man sich „unterwirft“, kann – historisch und gegenwärtig – für Staaten, auch „National“-Staaten wirtschaftliche, seltener soziale, seltener kulturelle, seltener ethnische Vorteile mit sich bringen. Nicht nur Trump arbeitet mit Zuckerbrot und Peitsche, weil er sich das leisten kann. Putin und Xi brauchen das so gut wie nicht, sie erobern und herrschen, auch mittlere Diktaturen müssen diese Doppelstrategie nicht anwenden. Das unterscheidet den Diktator Trump von seinesgleichen, deshalb bleibt er doch ein Diktator. Und zur Demokratie der Abhängigen gehört, die Brüche im Herrschaftssystem zur eigenen Autonomie auszunutzen (wenn man sie nicht schon herstellen kann…).

(Ein Beispiel: einen Diktator muss man nicht öffentlich oder gar in Konfrontation mit den Bezeichnungen, die seine Ablehnung und unsere Abscheu beinhalten bezeichnen…das ist nicht Kleinmut, sondern vermeidet ein symbolisches Schlachtfeld, in dem wir materiell die Verlierer sein werden. Hingegen ist das Selbstbewusstsein im Umgang mit dem Diktator wichtig, denn er kann seine Untergebenen nicht verlieren (das ist nicht nur eine ökonomische Binsenweisheit). Vieles geht besser ohne ihn als gegen ihn, auch wenn es begrenzt ist. Zum obigen Beispiel: die Herabsetzung der Diktatoren erfordert nicht nur genaue Beschreibung und Bezeichnung, sondern auch Kommunikationspartner, die die mehr oder weniger gut verpackte Aufforderung zum Handeln verstehen und wenn möglich umsetzen).

Das kostet. Unsere Veränderung von Bewusstsein, die kritischen Linien, es kostet auch Geld (und für uns wahrscheinlich viel an Wohlstand und – Sicherheit ohnehin. Das müssen wir für unsere Kinder und Enkel verantworten, nicht mehr nur für uns – das vergessen die jetzigen Bürokraten des Populismus gerne).

Also das Gegenteil des Aufrufs zur freiwilligen Unterwerfung. Das Wohlwollen der Diktatoren ist ein Abbruch eines gut gelungenen Lebens vor dem Tod.