Absturz ins AUDItorium

Die faschistische Anbiederung des Audichefs ist typisch, aber nicht einzigartig: auch die US Megaindustrie hat sich in den Trump des Trump begeben. Dass die besseren Medien in Deutschland heute den schmierigen Auftritt kritisieren, ist schon gut – am Tag von Lulas Wahlsieg, am Tag des serbischen Wahlsiegs. Damit sind einige demokratische Schritte erfolgt, aber VORSICHT: noch dräut, auch in Europa, der flächendeckende Durchbruch des Faschismus, ob putinesk oder melonisch…dem Audifaschisten kann man wenigstens mit einem Boykott des Audikaufs begegnen. Und schaut euch seine Geschichte an: Audiwerke – Wikipedia, und vor allkem die Beziehung zum PKW Horch…deshalb kaufen viele bis heute keinen Audi). Aber wichtiger noch ist die Ideologiekritik an diesem Wirtschafts…ja, was ist er? an diesem Wirtschaftsbetrüger Döllner. Setzt ihn ab. Nebensatz: Einige Medien haben die Audifabrik in den USA ausdrücklich gelobt (Ökonomie), nur das Verhalten des Managers kritisiert (Politik). Da könnt ihr ausnahmsweise einmal Marx` Politökonomie studieren.

Aber mit ein paar Erfolgen ist die Auseinandersetzung für die Demokratie und gegen den Faschismus nicht gewonnen. Die letzten Beispiele haften noch, keine Wiederholung.

Der letzte schöne Montag, zwischen zwei zerstörerischen Stürmen.

Ich bin Doppelstaatsbürger und heute auf meine Heimat orientiert:

„„Eingedenk der Tatsache, daß Österreich am 26. Oktober 1955 mit dem Bundesverfassungsgesetz BGBl. Nr. 211/1955 über die Neutralität Österreichs seinen Willen erklärt hat, für alle Zukunft und unter allen Umständen seine Unabhängigkeit zu wahren und sie mit allen zu Gebote stehenden Mitteln zu verteidigen, und in eben demselben Bundesverfassungsgesetz seine immerwährende Neutralität festgelegt hat, und in der Einsicht des damit bekundeten Willens, als dauernd neutraler Staat einen wertvollen Beitrag zum Frieden in der Welt leisten zu können, hat der Nationalrat beschlossen:“

– Bundesgesetz über den österreichischen Nationalfeiertag

Anlässlich des Nationalfeiertags sind am Montag auf dem Wiener Heldenplatz über 1.000 Rekrutinnen und Rekruten angelobt worden. Bundespräsident Alexander Van der Bellen und Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) haben in ihren Reden vor einem gewandelten Europa gewarnt, in dem Frieden keine Selbstverständlichkeit mehr sei. Sie appellierten für ein gestärktes Heer und einen aktiven Beitrag zur Landesverteidigung. Rund um den Heldenplatz öffneten Hofburg, Bundeskanzleramt, Parlament und viele weitere Institutionen ihre Türen. (Nationalfeiertag: Warnung vor gewandeltem Europa – news.ORF.at)

Feiertage in Österreich können ambivalent sein (1. Mai) oder fallen in die religiöse Unschärfe, aber der 26.10. hat mich schon als Jugendlicher angezogen, natürlich auch ambivalent, wie alle Feiertage der Welt. Die Symbolik der neutralen Heimat, braucht man heute weniger denn zuvor in Frage stellen, obwohl Neutralität im Zeitalter der Tyrannen ihre Bedeutung verändert hat. Übrigens: bei aller Freundschaft, wir sind nicht Schweiz…Gerade wenn man die beiden faschistischen Diktaturen, von 1933 bis 1945, nicht verdrängt, muss einem schon klar sein, dass die österreichische Nachkriegssäuberung durch andere, mächtigeren Interessen, v.a. Russland und die USA, natürlich nicht der kritischen Abdrängung standhielt, und da ist uns schon einiges gelungen. Dass die Faschisten nach wie vor stark sind, also klar: die FPÖ. darf und muss niemanden verwundern, das ist die Zähigkeit der Geschichte eines Staates, der soweit gespalten war und ist, dass es das faschistische Leftover noch immer gibt, natürlich auch bei den Jungen. Da Deutschland anders ist und Bayern kein Vorbild, bleibt in Österreich…Und da schaue ich natürlich auf den demokratischen Widerstand, auf die letzten beiden Bundespräsidenten Fischer und Van der Bellen, auf eine erstaunlich widerstandsfähige Beamtenschaft und große Teile der Justiz – mit übrigens schmerzhaften Einbrüchen. Also: das geht schon, und wenn ich noch immer viel Geschichte des Landes studiere, jüdische, kulturelle, multikulturelle, sozialpolitische, dann bin ich weniger verwirrt als gegenüber den Deutschen. Und hebe mein Glas darauf, dass aus vielen unterschiedlichen Gründen ab 1918 keine Vereinigung mit Deutschland stattgefunden hatte. Wenn ich jetzt sage: trotz Mozart und Beethoven, dürft ihr meine Wiener Ironie durchaus wertschätzen. Nationalfeiertag (Österreich) – Wikipedia

*

Jetzt sind wir wieder in Europa, in den Tagen gefährlicher Abstürze und Umbrüche, global und hier, vor der Haustüre. Da müssen wir kein konkretes Deutsch-Amerikanisches Detail ausbreiten. Die Festung Europa konsolidiert sich gegen nicht geduldete Ausländer. Mit vielen der Mitgliedsländer. Man schaut nicht auf die franzäsische Geschichte, vor allem im Krieg mit Algerien, man schaut nicht auf das Ende des Kolonialismus in anderen Ländern, und dann fragen sich wieder einige Politiker, warum denn das so gewalttätig wurde/ist/wird. Die Ausländerfeindlichkeit in der EU wird sich ausbreiten, in Demokratien und Faschismen. Das ist alles nicht deckungsgleich. Aber wenn die Ausländer fehlen, dann werden viele Alte leiden, nicht nur AfD Mitglieder, und zwar bald. Die Analysen sind schmerzhaft. Sollen sie sein, müssen sie sein.

Aufklärung, was sonst?

Am Ende fällt alles zusammen…“Neu“-Anfang?

Schon möglich, z.B. prä-anthropologisch oder als Evolutionssatire. Wir werden das nicht mehr erleben. Aber vielleicht schon meine Urenkelinnen, oder gar deren Mütter? Wenn man die grauenhafte Götterdämmerung von Wagner bis zum Ende sieht, hat man eine Vorstellung vom Zerfall hier unten und von oben. Fromme Menschen fragen nach der jenseitigen Regie, aufgeklärte eher nach den diesseitigen Weichenstellungen.

Heute ist der 25. Oktober, die Uhrzeit ist ver-rückt, der Regen bestürmt uns, und trotzdem hören wir Nachrichten. Stichworte:

  • Audi leckt Trump und baut in 4 Jahren ein Milliardenwerk in den USA. Erste Meldung
  • Sudan und Südsudan metzeln einander zu Tode und hungern
  • In Brasilien neigt sich die Wahl zu einem trumpischen Faschisten als Präsident
  • In Israel bereitet sich Netanjahu mit seiner faschistischen Koalition auf den Wahlsieg vor; Hamas greift wieder an
  • In Frankreich, Italien, Albanien, Spanien und anderswo rebellieren Junge, nicht mehr nur für Bildung und Wohnraum
  • Die EU vertreibt weiter nicht-weiße Europäer und steuert auf einen hochaltrigen Zuwachs an nichtgepflegten Bedürftigen zu

Das alles in 7 Minuten. Das erträgt nur, wer aufgeklärt genug, satt und nachdenklich ist. Ukraine natürlich, nicht mehr im Zentrum. Und zur Zeit Innenpolitik zum Weghören, zB. Söder…

Gehen wir zurück:

Es gibt kein zurück:

Die Weltalter versinken in einer Richtung, nur in einer:

„…Hart ist das letzte von Eisen.

Jählings brachen herein in die Zeit von schlechterer Ader

Alle die Greul; es entflohen die Scham und die Treue und Wahrheit,

Einzug hielten statt dessen Betrug und tückische Falschheit,

Hinterlist auch und Gewalttätigkeit und verruchte Besitzgier.

…

Tod gar sinnet der Mann dem Weib, wie diese dem Gatten;

…Achtende Scheu ist dahin, und von blutbefeuchteten Ländern

Kehrte die Jungfrau heim Astraea, der Himmlischen letzte“. (Ovid, Die vier Zeitalter, übersetzt von R. Suchier, Reclam 1986, 10-11)

Keine Zeit beschreibt er so genau wie diese, soll ich sagen „wie unsere“. Astraea in der letzten Zeile lohnt sich nachzulesen Astraea (Mythologie) – Wikipedia . Sie war mit uns auf der Erde und ist nun ein Stern…Die scheinbare Gleichgültigkeit unserer Erdteile, vor allem im Norden, gegenüber Umwelt und Bildung, ist kein Zufall, darüber habe ich in letzter Zeit viel angemerkt. Mich fröstelt es dabei, aber ich teile nicht die Angst der Massen, die damit ja die Tyrannen befestigen.

*

Gehen wir weiter:

Die aufgeklärte Moral gibt sich nicht einfach den Herrschenden hin, also auch nicht der Religion und der Ideologie. Schaut man auf die obige Liste, dann sieht man die rechtsradikalen Religionen in den USA, in Brasilien, in Israel – alle Religionen in ihrer dogmatischen Form, in ihrer Anbiederung an die Herrschaft, sind die Gegner von beidem: Glauben und Aufklärung. Wir können die ovidischen Prädikate allemal auf die gewalttätigen und ideologischen Akteure global anwenden. Dazu kommt ein Problem, das oft nicht sichtbar ist: wenn man über die großen Diktatoren denkt, spricht, schreibt, dann vermenschlicht man sie. Obwohl sie, nur sie, ihre Gewalt auch ausüben können. Die kleineren Diktatoren segeln sozusagen im Windschatten der großen, und machen genügend Ärger. Auch sie sind bisweilen verrückt. Nur: wenn ihr so etwas sagt, vor allem über die nukleare Dreifaltigkeit, müsst ihr fürchten, dass sie euch, uns, individuell bestrafen, vergiften, einsperren oder verarmen. Alle Diktatoren. Also sagen wir so etwas nicht direkt, das ist mehr als Kultur.

Oben sagte ich, dass ich die Angst der Massen nicht teilte. Warum eigentlich? Geht man an der Umwelt oder Asozialität oder Diktatur zugrunde, ist man tot und spürt nicht mehr, wie die Täter wahlweise feiern oder leiden. Meist letzteres. Da kann man an die Aufklärung anschließen. Was nicht nur sonnig ist, nein, auch schattig, aber richtig.

Nun kann man auch die Opposition gegen die Dogmen betreiben, für uns. Wenn ich sage, das wäre die menschliche Reaktion, ist das nicht kitschig oder pathetisch.  Man kann mit den Diktatoren, Verrückten, auch mit den Gewalttätern und Ideologen nicht immer „umgehen“, oft muss man für sich selbst handeln. Das kann menschlich auch vorbildlich sein.

Menschen sind Widersprüche oder sind simpel – auch jüdische Menschen

Klingt philosophisch, ist aber realistisch. Als jüdischer Mensch muss ich die Augen offenhalten, hinhören. Erstmal: Menschen SIND vor allem, nicht sie HABEN von allem. Das heißt, Menschen können beides sein: klug und verbrecherisch, gut und dumm, oder über Kreuz. Dann: Klugheit verbietet nicht Amoral, und ein dummer Mensch kann trotzdem gut und gütig sein. Also Vorsicht mit der Alltagsphilosophie…

Der Anlass dieser Überlegungen ist eine Rezension, deren Autor eine kausale und logische Beziehung zwischen Roy Cohn und Donald Trump vorstellt: Fintan OToole (Irish): Devils in America (NYRB #15 2026) über Kai Bird u.a.: American Scoundrel…Es geht um Roy Cohn 1927-1986 und seinen Übergang in Donald Trump (*1946). Cohn hat in den Fünziger Jahren eine Kriminelle Regierungsarbeit u.a. für den Senator McCarthy begonnen und war berühmt bis zum Lebensende. Schwerpunkt: Antikom-munismus und Schwulenhatz, obwohl er selbst schwul war. Cohn hatte absurd viele Freunde, die ihn bewunderten oder von ihm erpresst wurden, Kardinal Spellman, Kardinal Cooke, Rupert Murdoch, Bianca Jagger, Carmine Galante, Estee Lauder und Nancy Reagan…Andy Warhol, Chuck Schumer…von Mafiabossen ganz zu schweigen. Er hat auch die demokratische Partei unterwandert und war alles, was kluge Kriminalität zusammenfasst. Das weiß man, ebenso, dass er das Ehepaar Rosenberg unter Bestechung eines hohen Richters zu Tode brachte, der Richter machte Karriere bis ganz oben. Das alles hat man schon vorher gewusst, aber nicht so genau, und was man kaum wahrgenommen hat, war der Einfluss Cohns auf Trump. Das allein ist für mich nicht zentral. Cohn war jüdisch, das wird selten in den Vordergrund gerückt, ebenso wie man das bei Epstein und anderen nicht offen erwähnt. Das ist für mich schon wichtig, weil das Jüdische entweder verborgen oder ausgegrenzt wird, aus Antisemitismus oder um nicht deshalb in Verdacht zu geraten. Ironisch nach Auschwitz: die überlebenden Juden müssten doch die besseren Menschen sein, oder?

In den USA scheint die Geschichte der WASP seit 60 Jahren zu Ende zu sein, White Anglo-Saxon Protestants (Vgl. W.A.S.P. – Wikipedia). Katholiken haben den rechtsradikalen Rand der Politik erreicht (J.D.Vance) und sind tief gespalten. Das sind die Juden auch, schon lange, und Israel und der 7.10. sind nur Auslöser einer vertieften Spaltung. Aber mir ist schon lange aufgefallen, dass jüdische Kriminelle in den USA und in Deutschland (!) anders behandelt und veröffentlicht werden als andere. Das ist so kompliziert, dass man es nicht einfach definieren kann, mache ich hier auch nicht. Aber Cohn war in jeder negativen Hinsicht herausragend, auch in seinen sozialen Verbindungen, dass man das rekonstruieren sollte, auch um Trump zu „verstehen“. Das macht schon Sinn.

Meine Titelüberschrift mag manche irritieren. Mich haben viele Beschreibungen jüdischer Menschen schon lange irritiert, es geht hier um jüdische Deutsche und nicht um deutsche Juden. Und da ist eine seltsame Ambivalenz bei der Be- und Verurteilung oder Pardonnierung von Juden, die dem mythischen Ideal nicht entsprechen (mir ist das schon früer bei Beschreibung und Bewertung von Fehlhandlungen beim Zentralrat oder im Frankfurter Bahnhofsmilieu aufgefallen, früher, und lange Zeit bei der Kennzeichnung von Netanjahu und anderen … ).

Darüber kann man nachdenken, Urteile fällen. ABER Trump lebt ja noch, er regiert, er ist nicht jüdisch, aber die teilweise Herkunft seiner Ideologie ist interessant, wenn man seine Aussagen zu und mit Roy Cohn und seine Handlungsschemata genauer betrachtet. Das hat nichts mit Judentum zu tun, auch das ist wichtig.

Wien, wie es ist…

…nicht, wie es sein soll. Meine Stadt, von Kindheit (5) an, nach dem Aufwachsen in den Alpen, bis zum Übergang von Ministerialzuarbeit ins deutsche akademische Resort (27). Alle Unterbrechungen und Reisen waren egal, Wien war das Zentrum und hat sich als Focus der Biographie gehalten. Übrigens keinesfalls einfach verklärt oder durchgehend positiv, aber eben den Habitus prägend, bis ins Detail. Als ich gestern nur durch den Naschmarkt ging, 15 Minuten, war der Anblick dieser anderen, vielfältigen Welt ja daran gebunden, dass ich nicht einfach einen Korb mit Gemüsen und Gewürzen kaufen kann, wei ich hier ja nicht mehr zuhause bin, also wohne, also koche. Keine Romantik, bedenkt man die politische und soziale Wirklichkeit. Aber auch kein Abgleich mit besseren Städten oder Orten, gibt es nicht, auch wenn man sich jahrzehntelang woanders einleben muss. Über Wien etwas schreiben, darf nicht im oberflächlichen Feuilleton enden, sondern muss Einblick in die seltsame Hauptstadt gewähren, die eben nicht das halbfertige neue Europa repräsentiert…ich werde nicht auch noch ein Buch über Wien schreiben, aber die Stadt hat sich bei mir eingeschrieben.

…Übrigens habe ich beim Kauf eines Buches in einer guten Buchhandlung wahrgenommen, wieviele Bücher und Krimis über Wien angeboten werden, und wieviele davon schon im Titel eine unbestimmte Vergangenheit angehen.

Dass die Rechtsausleger ausländerfeindlich sind, ist auch hier nicht neu, aber die großstädtische, massenhafte Vielfältigkeit der Erscheinungen, Hautfarben, Kleidung etc. hat mich am Mittwoch besonders erfreut, weil „alle“, sehr viele zur Donausinsel und den Uferböschungen gezogen sind, um die Sonnenpartialfinsternis anzuschauen, wir saßen dicht an dicht am trockenen Abhang und hatten wenigstens klares Wasser der Donauarme und die grüne Insel vor uns, die unselige Trockenheit leider nicht verdeckend. Was mich erfreut hat, war die Stimmung der Tausenden, und weil die Sonneneinschränkung zum Kipferl nicht sooo dramatisch war, gab es einen angenehmen urbanen Abend…auch noch beim Essen in der Innenstadt, wo natürlich die Touristenmassen überwiegen. Aber mir ist aufgefallen: wo man hinschaut, sieht man einerseits die sozialkulturelle Besonderheit von Wien (gegen, de facto gegen, die Bundesländer) und andererseits die soziale Armut, Behinderung, Ausgrenzung. Und die Konsequenz: man sollte hinschauen und nicht das erfreuliche Oberflächenmenuett der beliebtesten Stadt Europas allein würdigen (übrigens geteilt mit Kopenhagen…).

Natürlich können nur Wiener über Wien schreiben, waber wer kommt schon aus Wien? oder kommt dorthin und bleibt? Lest Simmel, nicht nur Max Weber. Aber leider ist die Wiener Geschichte, diese nicht-westeuropäische Bühne, nicht einfach eine der Erfüllung hier geborener Hoffnungen und Utopien, sondern auch der Realitätsstoß einer teilweise schwer erträglicher Normalität – in einem an Scvhönheit kaum zu überbietenden Rahmen. Nein, das ist nicht Westeuropa. Auch nicht der Osten, aber den kennen wir hier, auch historisch, schon ganz vielschichtig gut, allein, wenn man bedenkt, woher die meisten der weltberühmten Wiener kommen…

Warum ich das in meinen Blog schreibe. Ein paar Tage in Wien, ein paar Freunde und Bekannte, ein paar Ereignisse und Projektarbeit. Und ich muss es schreiben, weil mir die Differenz von D und Ö so wichtig ist, obwohl die Ö nach 1918 ja gerne nach D gegangen wären, und eben viele die Eroberung von Ö durch D 1938 bejubelt haben, und viele davon mit der Nichtdemokratie 1933 bis 1938 zufrieden waren und deshalb gegen NS, während andere natürlich mit beiden unzufrieden waren…und das alles kann man lebendig nachverfolgen, wenn man möchte. Darauf kommt es mir an, die Geschichte der Faschismen in Ö und D wirklich nacherfahren, ihre Tentakel vergleichen, nicht gleichsetzen.

Dazu könnte ich. neben der Literatur, Stadtführungen in Wien oder Baden bei Wien oder…zusätzlich zu denen, die es gibt, durchführen, nicht nur für Freunde und Bekannte, nein, immer auch für mich. Das könnte ich, mache ich selten, aber die Subjektivierung der Stadtgeschichte neben den wirklichen Daten und Fakten, gehört dazu, um den Platz „Österreichs“ zu verorten….gibt es das eigentlich, dieses seltsame Land? Keine ironische Frage. Ist mir gestern, bei der Sonnenfinsternis, wieder eingefallen, wo die Sonne wie ein Wiener Kipferl ausgesehen hatte.

Der konservative Flügel schlägt unbeugsam, die SZ beklagt „Einbürgerungen um ein Fünftel gestiegen“ (13.8.) und natürlich in Wien besonders…(objektiv: Gleich 60 Prozent mehr Einbürgerungen hat es in Wien im ersten Halbjahr gegeben. Insgesamt haben hier 3.333 Personen die Österreichische Staatsbürgerschaft bekommen. Die Zahl der Einbürgerungen ist österreichweit gestiegen, im Vergleich zu Wien aber deutlich weniger. (news.ORF.at). zwischen den Zeilen der lokalen Medien die Ethnophobie, zwischen den Zeilen die Wirklichkeit – und die Hoffnung des Widerstands, nicht nur aus Wien und die Geschichte wiederholt sich schon so oft, dass man nicht mehr die alte Dramaturgie beleben muss. Dabei sind wir Österreicher das Land, in dem die Begriffe Ausländer und Inländer, incl. – innen, nie Sinn gemacht haben, es sei denn im Vorfeld politischer Konflikte.

Wasser des Überlebens

Bin zur Zeit in Österreich, einem Land ohne Meeresküste und binnenländischer Wasserknappheit. Die Donau ist flach und gibt Unerwünschtes am Grund frei, die Seen sind fast alle zu wenig gefüllt. Bis auf meinen Heimat-Traunsee, der hat viel Wasser, weil die Gletscher schneller in die Traun abschmelzen. Das Wetter ist kontinental heiß, Wien besonders. Vorboten trockener Jahre, wenn das Wasserknapp wird, entstehen neue Kulturvarianten und am Ende Flucht oder Vertrocknung. Habe ich alles schon gesehen, nur nicht bei uns. Aber vorher gesagt war es schon lange.

In den Salzburger Nachrichten, einer der größeren Tageszeitungen, gab es vorgestern, am 8.8., im Lokalteil eine vielseitige Darstellung der Wassernot: „Die Quellen versiegen, Feuerwehr liefert Wasser“, „Wasser ist Mangelware“, „Der Blick in den eigenen Brunnen genügt nicht“, sind einige Überschriften. Liest man genau, gilt Wasser als Ware, als Produkt, Handelsobjekt. Erinnerungen an meine Jugend am Traunsee und an der Traun, an Überflutungen und Hochwasser überdecken frühere Trockenperioden. Wir waren durchaus gesegnet, kann man so sagen. Dass die Computergiganten mehr noch als die edlen Golfplätze wirklich viel Wasser den Menschen entziehen, um AI zu füttern, führt nicht nur in den USA zu Widerstand, aber offensichtlich noch wirkungslos. Erst müssen mehr Menschen verdursten und eintrocknen. Und bei uns? Wenn die Gletscher abgeschmolzen sind (5-10 Jahre), wenn es weiterhin kaum schneit und wenig regnet, wenn Gewitter nur Wasser an der Oberfläche abfließen lassen, wenn Brunnen und Grundwasser austrocknen…dann wird sich in absehbarer Zeit ein Teil der nicht umkehrbaren ökologischen Endzeit verwirklichen. Trotz aller Aktionen einer Erdöl und Gas-orientierten Bundesregierungen mangelnder Intelligenz. Nicht nur in D und Ö und…Dass nicht nur die Antidemokraten und Faschisten nicht an die Zukunft vor allem der Kinder und Enkel denken, ist bedenklich. Wutausbrüche haben keinen Sinn, eher ist wichtig, Formen des Widerstands politisch und der Änderung der eigenen Lebensweisen zu revidieren. Was politisch eben in die Weiterentwicklung der Demokratie, nicht des Wirtschaftswachstums eingreift. Mehr Bildung, mehr Soziales, weniger Wachstum, Reisen, Konsum…ja, das ist eine Variante des Nachkriegs. Und zwar in einer Welt abgeflachter Reaktionen auf Kriege, die nicht nur Menschen, sondern auch die Umwelt dauerhaft vernichten.

XX

Zurück zum Wasser. Überlebenswichtig und eng zu verteilen. Mythisch, in heiligen Schriften und widerständigen Oppositionen, spielen Wasser und Feuer die beiden fokalen Aspekte der Entwicklung, Vernichtung, Verdichtung…diese Bilder gehen in der Aufklärung verloren, aber bei der Wasserkraft und dem Hochofen spielen da noch einige Nachträge mit. Und das hilft uns heute nur zur Formulierung von Politik, wo es um faktische und irreversible Naturzerstörung geht. Der Kampf gegen die verschwenderischen Herrschaftsformen, nicht nur Rechenzentren, auch Baumwollhemden und Rasenfeuchter, wird sich schneller zuspitzen als die meisten von sich geben, und natürlich wird sich die Fluchtbewegung beschleunigen, Migration wird den völkischen Widerständlern nicht einmal das Hirn befeuchten. Wenn ihr diesen Argumenten folgen könnt und wollt, überlegt bitte, was das mit eurem persönlichen Lebensaspekt zu tun hat, so wie ich nachdenke, was ich für mich ändern kann und soll, obwohl es hier nicht um individuelles Verhalten allein geht, was ja vorgeschoben wird, damit Staat und Kapital nicht handeln müssen. Kkeine trockene Zukunft, wäre ein Slogan.

Faschismus diffus, aber real

Der Titel sagt, was ich denke: dass Faschismus sich längst global verbreitet hat, weil er ja seit mehr als hundert Jahren nie verschwunden war und derzeit beste Rekonvaleszenz erfährt, je weniger sich Demokratie verteidigt oder gar in die Zukunft verfestigt.

In Deutschland ist das schwieriger als anderswo, weil Faschismus über die NS Realität 1933-45 verengt und „absolut“ definiert wird – und so ,paradox`, die Faschismen in der Gesellschaft eher minimiert als konkretisiert. Faschismus war eine Entwicklung, die einen von vielen Wegen aus dem Faschismus mit schrecklichen Folgen entwickelt hatte (lange vor 1933 begonnen), aber das macht die Faschismen (historisch am DEUTLICHSTEN um 1910 beginnend nicht harmlos oder auch nur ungrausam – aber immer undemokratisch9.

Widerstand kann und soll sich auch immer verständlich und verfolgbar äußern, in den demokratischen Diskursen, auch in den Medien. Ein Beispiel HEUTE. In meiner täglichen Tageszeitung SZ (Süddeutsche) zwei wichtige Artikel und ein starker Kommentar. Der erste Artikel versucht zu erklären, warum Michel Friedman aus Bayreuth wieder ausgeladen wurde – er wollte Wagners Antisemitismus darstellen. Moritz Baumstieger „Wer soll diese Begründung bitte glauben?“ SZ 17.6.2026. S.9. Der zweite kritisiert den Umgang mit dem Denkmal von Karl Lueger in Wien: Verena Mayer: „Antisemit in Schieflage“ SZ 17.6.2026 S.13. In beiden Fällen ist der Antisemitismus nur ein Rahmen, kein Topos, er zeigt wichtige nationale Diskursunterschiede, aber er ist präsent. Das macht ihn zu einem wesentlichen Element der Faschismen, aber leider auch mit einer Brücke in viele Demokratien hinein.

Zentral für Bayreuth und die Absage an Friedman: „Ein kleines Störfeuer der Reflexion zum Auftakt der Feierlichkeiten, kritische Selbstbetrachtung in Bayreuth: Zu dieser Entscheidung hätte man der Festspielleitung nur gratulieren können. Gerade weil sie auch unbequem war. Man kann sich sicher sein, dass ein Redner wie Michel Friedman den Organisatoren um Katharina Wagner und auch dem Publikum es nicht erspart hätte, ein paar deutliche Worte zur späteren Haltung zu diesen Themen zu sagen, die lange Zeit vor allem aus Schweigen und Verdrängen bestand“. Mir gefällt die Wahrheit als Störfeuer. Das stört ja nicht nur die Ideologen, auch das eigene unkritische Selbstbewusstsein, das bei guten Themen oder Aufführungen gerne die Aspekte des Rahmens oder Nebenimpulse ausspart. In Bayreuth so wichtig wie in Wien.

Dort wissen sie Menschen mit ihrem großen Bürgermeister der letzten Jahrhundertwende schon etwas anzufangen, der Vergleich mit Wagner ist gar nicht so schlecht. Wer nichts von ihm weiß Karl Lueger – Wikipedia, und dort im Eingang: „Karl Lueger  (* 24. Oktober 1844 in Wieden, heute Teil von Wien; † 10. März 1910 in Wien) war ein österreichischer Politiker, Gründer der Christlichsozialen Partei (CS) und von 1897 bis 1910 Wiener Bürgermeister. Als Bürgermeister war er bedeutend für die Entwicklung Wiens zu einer modernen Großstadt. Seine Rolle wurde allerdings durch den von ihm aufgebauten und geförderten Kult um seine Person überhöht. Lueger war bekennender Antisemit und trieb den politischen Antisemitismus entscheidend voran.“ Das Wort „allerdings“ ist genau die notwendige Brücke, ebenso wie zur Analogie des Wagnerschen Antisemitismus. Nun geht Wien anders mit dem Problem um als Bayreuth, das Denkmal wird schief erneuert, leider auch erneut imposant, und warum man es braucht ist umstritten. Die Erinnerung an die Geschichte verschwinden zu lassen ist so problematisch wie sie schlecht erklärt zu behalten. Das gilt seit jeher und heute umso mehr, als die verkürzte mediale Darstellung häufig die Erklärungen hinter den Fakten verdeckt oder weglässt. Stimmt das so: „Die zuständige sozialdemokratische Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler begründet ihre Entscheidung für die „Schieflage“ damit, dass es niemandem helfe, wenn man historische Tatsachen einfach ausblende: „Über Leerstellen kann man nicht sprechen.“ Die Statue in der jetzigen Form sei ein Mahnmal. Man solle „bei jedem Schritt“ daran erinnert werden, „was hier an Hass möglich war“.“ Oder hat der Innsbrucker Professor recht? „Der Historiker Dirk Rupnow, der an der Universität Innsbruck als Professor für Zeitgeschichte lehrt, schrieb 2023 in einem Aufsatz, dass die gekippte Statue 2010 sicherlich Avantgarde gewesen wäre. Jetzt aber reiche derartige Subtilität nicht mehr aus. Die Stadt Wien finde sich vielmehr in der Rolle des „Nachzüglers“ und „Bedenkenträgers“ wieder und sei in Sachen Erinnerungskultur nicht auf der Höhe des Diskurses. Denn warum, fragt sich Rupnow, soll ein Denkmal, das noch dazu an den von Lueger selbst praktizierten Personenkult anknüpfte, bis heute „unantastbar“ sein?“. Ich neige eher zur Wiener Erklärung, aber da ist schon etwas drin, was die Faschisten insgesamt ablehnen: Dialektik. Es geht nicht um rechthaben. Es geht darum, jenseits von Meinung sich Bewusstsein zu bilden. (Ich denke immer daran, dass meine jüdischen Vorfahren, wie viele, durchaus Richard Wagner Fans waren, siehe oben).

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Bernd Dörries nennt Israel auf S. 4 (Politik/Meinung) „Land ohne Frieden“. Um zu verstehen, was sich dort abspielt, muss man die Geschichte der letzten 140 Jahre, der letzten 100 Jahre, der letzten 60 Jahre, der letzten 4 Jahre, die Geschichte der letzten Monate herausarbeiten, damit sie nicht Geschichte bleibt, sondern Wirklichkeit für uns lebende Menschen wird. (Ich würde nicht, wie manche, 4000 Jahre zurückgehen, und ich würde bei den Palästinensern auch nur bis zur türkischen Herrschaft rückblenden). Das erfordert mehr als Nachdenken, man muss lernen, was man so einfach nicht wissen kann. Ich habe das an die beiden Faschismen oben angehängt, denn wir müssen uns, auch als Juden, kümmern: um die Ideologie und Haltung der israelischen Regierung und Teile des Volkes in Israel, jüdische und palästinensische). Und mehr als gedankliche Brücken bauen zwischen den Ereignissen, die keine Inseln sind.

Rechts in Deutschland (2)

Danke für eure erste Ansicht der Überlegungen über Deutschlands Rechtsradikale am 13.6., zu Martin Langebachs bpb Sammelwerk. Ich hatte ja gesagt: keine Rezension, wen das Thema interessiert, dem oder der kann man Lektüre, auch Zeitabschnitte oder Textherkunft nur zumuten und empfehlen.

Aber was mir weiter Gedanken macht: wie kann eine bestimmte Ideologie so popular-eingeprägt sein, dass sie Widerstand, Widerspruch und neue Entwicklungen unterwandert oder ignoriert. Ein scheinbar unpolitisches Beispiel: Deutschland ist das einzige Land ohne Tempobegrenzung auf den Autobahnen, und nicht nur die Autolobby setzt das seit Jahrzehnten durch, sondern eine politikmächtige Bevölkerungsminderheit. Minderheit. Darum geht es mir auch: man kann viele Dinge ändern, und den Widerstand der Minderheiten in Kauf nehmen. Das wäre Demokratie. Viele typisch „deutsche“ Aspekte kann man in der Süddeutschen lesen: Christian Zaschke: Deutschland, wer bist du? Süddeutsche Zeitung, zum Beispiel die Verbindung des Scheiterns im Sicherheitsrat und die kaputte Brücke über den Rhein in Bonn. Nicht trivial: fast alles hängt mit fast allem zusammen. Und was hat das mit der faschistischen Kontinuität zu tun? Leider viel, wobei es nicht einfach um Mehr- und Minderheiten geht.

Eine mir wichtige didaktische Korrektur. Viele, vor allem deutsche politische HistorikerInnen beschreiben Faschismus immer aus der Bewertung der Nationalsozialisten 1933-1945, – das ist problematisch. Faschismus beginnt doch vor der NS Zeit, übrigens die NS auch, begleitet diesen Sonderfall von Faschismus, bzw. rahmt ihn ein, und nach 1945 besteht weiterhin ein faschistisches Netz, das nicht deckungsgleich mit dem NS-Netz ist. Theoretisch lässt sich das gut belegen, noch besser an politischen und kulturellen Entscheidungen und Maßnahmen. Ganz klar: das entlastet Faschismus nicht. Aber wir wollen ja die sich revitalisierende Politik der Rechtsradikalen nicht nur erfahren, sondern auch verstehen. Wir müssen die rechtsradikalen Netze und Praktiken auch empirisch nachvollziehen, damit wir sie praktisch und nicht nur rhetorisch kritisieren und bekämpfen können. Beispiel: warum sind die Rechtsradikalen in der Rockmusik und bei vielen jüngeren Musikfans erfolgreich? Beispiel: warum sind die Rechtsradikalen bei der Durchdringung kleiner, vor allem aber nicht nur ländlicher, Gemeinschaften soviel erfolgreicher als traditionelle politische Parteien wie CDU, SPD und etwas anders Grüne und FDP. Man kann, selbst ich könnte, parteipolitische Einzelakte als Teilbegründung nennen, aber zusammengefasst: reicht das als Mittel zur Aktivierung von demokratischem Widerstand gegen die Neonazi-Szene? Eine sehr harte Frage, weil die Antwort jenseits des Nein sehr schwierige Kursänderungen verlangt. Die Mutlosigkeit vieler PolitikerInnen, die AfD und andere Faschisten nicht in die demokratischen Diskurse einzubeziehen, wirkt sich auf das Volk aus. Man kann die wirklich demokratischen Optionen der Nichteinbeziehung von Faschisten auch juristisch übernehmen, z.B. bei Friedhelm Hufen Friedhelm Hufen – Wikipedia . Demokratie heißt nicht, dass man gleich gerecht gegen alle Schwurbler und Antidemokraten agieren muss – allerdings, da gibt es wirklich selbstkritische Maßstäbe – man muss das schon belegen und begründen (und lange Zeit hat der Verfassungsschutz uns hier zu wenig und unrichtiges Material gegeben; aber es ist klar: wenn von dort Besseres kommen soll, muss man den Vf unterstützen und nicht verächtlich machen; ähnlich, für mich noch wichtiger, ist der Umgang mit der Polizei und ihrer ständig notwendigen Weiterbildung). Auch der Umgang, selbst von Wehrdienstverweigerern, mit der Bundeswehr steht hier zur Korrektur. Es geht ausdrücklich nicht um ja/nein oder Zustimmung bzw. Ablehnung. Es geht um begründbare Positionen, und die sind angstvoll – oder, Vorsicht, typisch deutsche Haltungen – etwas lahm gegenüber rechts, neofaschistischen, NS-nahen oder linksfaschistischen Entwicklungen. Das hat viel zu tun mit den Abwertungen des Erziehungswesens in der Hierarchie der Lebensqualitätsaktionen, aber auch mit den politischen Fehlentscheidungen: nichts zu korrigieren, um keinen Volkszorn zu erregen – das ist einer der Gründe für den Reformstau. Profitieren tun dabei vor allem die AfD und teilweise der rechtslastige Flügel der Regierungsparteien.

Mir geht es bei dieser Retroanalyse auch darum zu wissen, was und wie man etwas zur Dynamisierung und Aktivierung von Demokratie tun kann, und sei es durch Korrektur der Kommunikation, des Arbeits- und Freizeitverhaltens und der Selbstbildung, die ja nicht mit dem Erfolg aufhört, der angeblich das Land erfahren hatte – hatte, nicht hat. Wie können Arbeitgeber und Gewerkschaften beispielsweise ihre Ruhestandsideo-logien der Zeit vor 50 Jahren und länger korrigieren, als abwertend fortsetzen? Das ist nur ein Beispiel.

Solche Beispiele, im dauernden Konvolut, verändern nicht nur die Demokratie, sie stärken auch den Widerstand gegen die verschiedenen, vor allem rechtsradikalen Aktionen durch eigene Handlungen. Natürlich verlangt das auch eine Korrektur der eigenen Anschauungen und des Bewusstseins von gesellschaftlicher Wirklichkeit, – das ist nicht neu, aber es verlangt schon, dass man sich selbst einbringt.

„N“, „I“, kann man darf man?

Wenn man historische oder soziale Fachliteratur liest – nicht Belletristik – dann ist die Wortwahl oft schwierig, natürlich kann man nicht von Negern sprechen, und auch nicht von anderen Volksgruppen in den Worten früherer kolonialer Ableitung. Aber damals, nicht so lange her, war die Wortwahl auf allen Seiten anders, nicht nur bei Negern, auch bei Eskimos, bei Indianern usw. Und die Auseinandersetzung damit kann politisch wichtig sein. Für mich jedenfalls auch im Rückblick auf meine Begriffe, längst über die Jugend hinaus.

Hier geht es um Neger und Indianer, und ich sage nur: lest das im Kontext der „Besichtigung einer Epoche“, wie Karl Schlögel den Untertitel seiner „American Matrix“ präzisiert (Hanser, München 2023). Man glaubt es nicht, dass dieses Buch erst drei Jahre, schon drei Jahre alt ist, und was sich in den USA und unter Trump getan hat und tut. Aber wer wenig von diesem Land weiß, sollte diese Sozial- und Kulturgeschichte von anfang an lesen. Weil selbst gute, kritische und umfassende amerikanische Revision der allgemein bekannten Geschichte nicht so virtuos mit einer Vielzahl von Vergleichen, zeitlich, inhaltlich, mit den USA umgeht, die ja nicht Schlögels lebensbearbeitender Schwerpunkt sind – Osteuropa! – und das macht dieses Buch so besonders lesenswert. Ja, und wieso N und I? Nachdem man schon fast alles und bestens erfahren hat, kommen zwei Kapitel, S. 671-736, und man erfährt, was man vielleicht allgemein weiß oder gar aus den USA kennt. Nicht nur die Geschichte, die Auswirkungen, die Widersprüche usw. der Schwarzen im Land der Weißen, und erst recht die der Indianer, nein, auch das Gewebe der USamerikanischen Gesellschaft jenseits aller rassenbezogenen Plattitüden. Ich lasse die Schwarzen mal außen vor, die Literatur ist sehr gut und man erföhrt manches, das man nicht so gern aufnimmt. Mich hat völlig verblüfft, wie genau das Kapitel „Archipel Amerika“ mit dem ersten Abschnitt „Indianerland: Die große Abwesenheit“ (S. 705) beginnt. Und dann eine Geschichte durchhält, in der es keine Variable gibt, die auch der weißen, von alten Männern vertretenen Welt genüge täte, damit es vielleicht doch erträglich und ausgewogen wirkt. Die minutiöse Darstellung der Vernichtung eines Volkes hat genaue Daten und Thesen, 713ff. im Kern, aber man muss zurückgehen, zum Präsidenten Jefferson und seinen Nachfolgern, zu den Siedlern, zur Dialektik der Vernichtung mit juristischen und gewalttätigen Mitteln, um zu wissen und zu verstehen, was wie wirklich geschehen ist – und die Reste davon heute im 2004 eröffneten Museum kritisch anschauen, – obwohl, das schreibe ich 2026, nicht 2023, Trump alles versucht, auch dies auszuwischen.

Alles gut und wichtig, kritisch mehr zu wissen und gegenüber den USA und global zu vernetzen. Aber ich selbst habe auch ganz spannende Erinnerungen, vom Indianerspiel im Fasching 1952, mit Federn im Haar, bis zu vielen Büchern von Karl May, nicht nur Cooper u.a., und daran anschließend die Filme, – aber zu keinem Zeitpunkt hat meine akademische Ausbildung das Thema auch nur gestreift…Trotzdem habe ich mich etwas daran gemacht, nach den ersten beiden Reisen in den Südwesten der USA, genaueres zu erfahren, und die tourismus-relevante Darstellung der tribalen Vergangenheit ist ein weiteres Kapitel des Halbwissens. Natürlich haben wir seit den 70ern die afroamerikanische Geschichte bis zu den Black Panthers und danach nicht nur erfahren, auch diskutiert. Bei den Indianern war das so nicht der Fall, die erste tiefer gehende Nachdenklichkeit begann mit der Einwanderung aus Asien auf den amerikanischen Kontinent (Die Literatur bei Schlögel ist mehr als reichlich, einiges hatte ich lange davor erfahren, als ich in äußersten Osten Russlands die ethnische Geschichte erstmals erfahren habe). Was ich spannend für mich finde, wieviel Literatur und Beschreibungen dieser Geschichte für die ganzen amerikanischen Kontinente jetzt einfach aufzuklicken ist, teilweise recht gut verständlich. Aus unserer jugendlichen Sozialisation konnten wir uns befreien. Wir – und da steckt in der amerikanischen Geschichte, der Geschichte einer Volksvernichtung über mehr als 200 Jahre, ein schwerer Brocken unterbewusster (oder auch ganz offener) Selbstverhärtung – nicht zuletzt in globalen US Kommentaren zu anderen ethnischen Kontroversen. Die Psychoanalyse des USamerikanischen Gesellschaftsbewusstseins hat hier ein großes Feld. Und auch wenn es nicht alles erklärt, vieles bleibt unentschuldigt.

Ich finde das wichtig, weil es in das Halb- und Unterbewusste schauen lässt, und es entschuldigt nichts an USA, aber natürlich sind die Analogien zu anderen, vor allem zu uns, um eine Facette reicher.

Zuföllig gibt es gerade im Netz Info Wichtige Ereignisse und Helden in der Geschichte der amerikanischen Ureinwohner (30.5.2026)

Himmelfahrt – Höllensprung

Nein, nichts zum Feiertag. 40 Tage nach Ostern, immer am Donnerstag Christi Himmelfahrt: Christen feiern leibliche Aufnahme von Jesus in Himmel – religion.ORF.at – das reicht. Die Himmelfahrten gehen heute ins Weltall, hunderte, tausende, Fluchkörper, die sich selten treffen, aber insgesamt einen gewaltigen Müll anrichten bzw. selbst darstellen. Was für ein Glück, dass das nur in einem kleinen Winkel des großen Weltraums sich ereignet, obwohl – doch ziemlich weit und nicht wirklich erfreulich. Naja, das Wetter sagen sie besser voraus, und die Kommunikation geht einfacher durch die Welt und rund um die Erde. Aber das Wichtigste: die Elite der Elite sucht jetzt schon Wege, wie sie oder ihre Nachkommen unbeschädigt in den Weltraum entkommen können, wenn die Erde unwirtlich oder unbewohnbar wird…nur, wenn sie dort im All sind, dauert es statistisch 1,2 Millionen Jahre, bis sie den nächsten Wohnplaneten erreichen, der heißt „terra“…

Drehen wir das um. Ohne Religion, ohne Weltraum, ohne Erkundung oder Flucht. Man geht die Straße entlang, bei einem bestimmten Deckel hält man an, steigt in den Untergrund und ist für die meisten verschwunden. Jetzt stellt euch vor, wohin man dann kommen kann, wenn man nicht nur Rohre und Kabel und Wasserleitungen erreicht, sondern plötzlich im umgekehrten Weltall gelandet ist. Der Mythos, dass wir in der Innenseite der Weltkugel leben, ist natürlich alt und leider nicht ironisch genug, um zu überleben.

Warum mich das interessiert? Weil die religiösen Feiertage, beispielhaft, Assoziationen in die voraufgeklärte Welt erlauben – da kann man sich noch vorstellen, was früher die Einbildung, aber auch die Gläubigkeit an das Unverständliche geprägt hatte.

Und natürlich gegen die Aufklärung richtet sich, was heute politisch angestrebt und mit Mythos ummantelt wird, nicht nur Peter Thiel, sondern eigentlich noch alle Kirchen, Sekten und reaktionären Programme. Was bleibt denn dann „positiv“ übrig, sozusagen „real“? Eine ganze Menge, und wir basteln unsere immer neuen Mythen ja ständig und immer wieder.

Mit anderen Worten: so weit sind wir noch gar nicht entwickelt. Wenn wir uns an die Aufklärung halten, bedarf es auch der Neugierde, des Interesses hinter die Vorhänge zu schauen. Und dann ist natürlich die Historiographie der religiösen wie der wissenschaftlichen Begründungen schon spannend: Wie kommt es zu den Vorstellungen vom Universum und vom Weltraum und von der interstellaren Reise (oder eben vom Gegenteil: von der Reise zum Erdmittelpunkt oder in den Körper). Die Bilder vom Jenseits des Lebens richtung Hölle sind sicher im Tunnel anschaulicher als im unendlichen Universum (Lest einmal Dürrenmatts „Tunnel“), aber mehr Phantasie kann man im Weltraum schon entwickeln, nur – dort herumzurasen ist ja nicht unbedingt eine Erlösung, auch nicht die Himmelfahrt des Gottessohnes.

Die heutige Ökonomie, Musk & Co., baut genau diese Phantasie ab, um interglobale Märkte zu imaginieren, die ihr ja doch nur die Macht hier auf Erden erweitern würde, – aber die Erde geht ja gerade kaputt. Das wiederum verführt viele zum Mythos zu greifen.

Dass Christus auch zur Befreiung in die Hölle gefahren ist, eine volkstümliche Marginalie, aber tiefsinnig (ER muss ja die bislang vor ihm Abgestiegenen befreien (Wilhelm Maas: Gott und die Hölle – Studien zum Descensus Christi. Einsiedeln 1979). Es lohnt aber auch, die Höllenfahrt bis in das gegenwärtige Kino zu verfolgen (Höllenfahrt – Wikipedia), denn Hälle ist in jedem Fall spannender als die einschränkende Vorstellung vom Leben im Himmel. Unglück lässt sich eben menschlicher übersetzen als Glück, das wissen sogar wir.

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Der Spaß, Feiertage zu dekonstruieren, geht natürlich weiter, wenn man die Biographien von Heiligen, echten Menschen und anderen Wesen zerlegt. Mein Vorschlag: sucht euch einen besonderen Feiertag aus und feiert seine Geschichte.

Naive Vergleiche – und sinnvolle Differenzen

Fast schon ein Kalauer: die EU mit dem römischen Reich, Imperium Romanum, zu vergleichen; oder Stalins Sowjetunion mit Gorbatschows Russland – oder mit Putins? oder die AfD mit NS oder Meloni mit Mussolini oder…Wenn es „private“, persönliche Vergleiche sind, kann und soll man darüber diskutieren, Klarheit schaffen, warum jemand einen bestimmten Vergleich erfindet oder übernimmt, ihm zustimmt oder ihn ablehnt. Heute sind derartige Vergleiche fast immer in den Medien und haben größeren Einfluss nicht nur auf private, sondern auch auf öffentliche Bewusstseinsbildung, mit Einwirkung auf die Politik – oder nicht.

Oder nicht. Auch darauf kommt es mir an. Wer akademische Logik studiert, kann Vergleiche in allen Varianten verstehen, erkennen, gestalten. Nur: das ist nicht einfach und auch gebildeten Laien nicht einfach zugänglich. Wikipedia ist da streng: Vergleichende Methode – Wikipedia

  • der formalen Beschreibung (Vergleich von Strukturen, Regierungssystemen etc.),
  • der darauf aufbauenden Erklärung (von kausalen Zusammenhängen, Ursache-Wirkungs-Beziehungen im engeren Verständnis),
  • einer auf der Analyse basierenden Prognose (zur Vorhersage möglicher Entwicklungen, etwa durch den historischen Vergleich), sowie
  • der bewertenden Interpretation (speziell für normative Aussagen zum politischen System).

Das meine ich „eigentlich“ nicht, aber Vergleiche in der Alltagskommunikation haben den gefährlichen Nachteil, oft ganz anders weiterzuwirken, als ein vergleichender Einwurf es vorhatte. Andererseits: ohne Vergleiche gibt es keine Wissenschaft, schon gar keine Geschichtswissen-schaft, schon gar keine…Aber im Alltag gehts nicht um die Wissenschaften, da sind es oft Erfahrungen und Eindrücke, oft Überlieferungen, oft irrige Vorstellungen, die Vergleiche dauernd anstellen. Und ohne sie wäre Kommunikation ganz und gar unmöglich und jedenfalls schwierig.

WARUM ich das so einsetze? Weil im politischen, ökonomischen, sozialen, kulturellen Diskurs über Vergleiche mehr als nur Haltungen und Überzeugungen erzeugt werden, sondern wiederum Politik, Ökonomie etc. beeinflusst und geprägt werden.

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Macht selbst ein Experiment: Vergleicht Hitler mit Stalin, mit Putin, Trump mit Putin und Hitler usw. und vergleicht eure Kriterien mit dem Nachdenken, wie ihr drauf kommt, und welche Quellen sich da als erste vordrängen. Diese Vergleichsvorgänge sagen etwas über eure Bildung, eure Standpunkte, eure Vorurteile…

Eines meiner wichtigsten Beispiele ist ganz aktuell: Womit können wir Israelis mit Palästinensern vergleichen, weiterhin Israelis sich und Palästinenser, diese sich mit Arabern, die Israelis mit Juden oder als Juden oder als jüdische Mehrheit etc. Ihr erkennt, dass hier eine lange Entwicklung von Fragen und Vergleichen sofort möglich ist, aber dass es auch unmöglich ist, ein- oder wenig-dimensional Schlussfolgerungen zu erzeugen und zu kommunizieren. Aber es kann ja sein, dass solche notwendig sind, um das, was in Israel, Gaza, dem Nahen Osten, dem Kampf gegen Iran etc. sich ereignet, nicht nur zu verstehen, sondern darüber mit einer Meinung, einer Haltung sich zu verständigen. Wenn ich z.B. die gute Informationssendung des DLF am 13.5. um 7.50 zur rasanten Entwicklung der radikalen israelischen Rechten auch bei Militär verstehen will, reicht es nicht, allein die Daten festzustellen. Wo kommt die religiöse Verbindung mit dem Zionismus historisch her? Und kann ich von „dem“ Zionismus überhaupt sprechen? Die Antworten sind, darauf bestehe ich, zu komplex für Schlagworte; sie zu verstehen, bedarf es ziemlich viel Wissen, und früher hätte man gesagt, es bedürfe einer breiteren Bildung, um die Beziehung der Juden (Ethnos) bzw. der jüdischen gesellschaftlichen Strukturen (ethis, sozial, kulturell, historisch etc.) zu einander und „nach außen“ )in die nicht-jüdische Welt und Umwelt zu verstehen und sich zu positionieren.

Bei diesen Bemerkungen denke ich an Diskussionen mit dem gerade verstorbenen Micha Brumlik, mit vielen meiner jüdischen Freunde, mit Studis und KollegInnen…und die möglichen und wirklichen Kontroversen untereinander konstituieren geradezu das, was so einfach „Judentum“ heißt. Nun, dazu habe ich hier viel geschrieben, und wenn wir zurück an den Anfang dieser Mitteilung gehen, dann zeigt sich auch, womit man Juden und Palästinenser „vergleichen“ kann und soll, und womit nicht.

Wisst ihr, wer Daniel Libeskind ist? ein auch mit KI verfasster Text von gestern weist auf ihn hin („Sollte es besser wissen“: Star-Architekt Libeskind mit Warnung an Deutschland). Warum ich das aufrufe? Weil es schon zeigt, in wieviele Ritzen und Falten der Gesellschaft das Thema geht. Und ihr wisst, warum ich bei diesem Thema bleibe. Das heißt aber nicht, dass es das gedankliche Zentrum der Welt ist, es muss da immer so viele geben, wie für die Zukunft wichtig sind. Umwelt an erster Stelle. Und dazu kann man den altmodischen Begriff der Bildung exhumieren, zum Beispiel.

Ich hatte ja begonnen über VERGLEICHE zu schreiben. Und wenn ihr immer die Vergleiche heranzieht, die euch wichtig sind und nicht die, die gerade diktiert werden, dann kommen spannende Themenmuster zustande, die schon Einfluss auf das politische Selbstverständnis haben. Vergleiche enthalten den Begriff der Gleichheit, eine Folge von Freiheit, nicht ihren Ausgang. Das macht sie so spannend.