Karl Schlögel – wir brauchen ihn, also lesen und hören wir ihn

Wenn jemand wichtig ist, muss man sich von seinen Ehrungen und Erfolgsbestätigungen nicht abbringen lassen. Das hat schon Pierre Bourdieu anlässlich seiner Inauguration im College der France, durchaus auch ironisch, an die Intellektuellen in der Wissenschaft adressiert(Bourdieu 1985). Karl Schlögel kennen mittlerweile nicht nur Expertinnen und Experten, aber mittlerweile reicht nicht (Karl Schlögel – Wikipedia 24.11.2025). Da ich ihn persönlich etwas kenne und er etwa so alt ist wie ich, verbindet mich nicht nur Bourdieus Abgrenzung mit ihm, ich lese ihn auch seit längerer Zeit und lerne von ihm, wie man wirklich über Russland, nicht nur über Russland, denken und urteilen kann, er ist da die wichtigste intellektuelle und soziologische Stimme, ein erstklassiger Historiker. Das ist so wichtig angesichts des Wahrnehmungsbreis und auch der teilweise unbewussten Unterordnung deutschen Denkens und Beobachtens unter Russland, dass man Schlögel dringend braucht. Ich beziehe mich jetzt auf zwei von mehreren guten Aufsätzen, die auf Vorträgen basieren, in seinem Buch: „Auf der Sandbank der Zeit“ (Schlögel 2025) sind es die beiden Texte: „Die Ordnung im Kopf und die Unordnung der Welt“ (urspr. 30.4.2022, Ffm) (hier I) und „Putin: Meisterchoreograph der Macht“ (Vortrag 31.5.2025 Pour le mérite, Berlin) (hier II).

Man kann zusammenfassen, dass und wie die deutschen Illusionen und Denk-Kavernen gegenüber Russland mit der Wirklichkeit konfrontiert. Mich hat sofort erfreut, dass und wie er sich auf Ernst Bloch bezieht (I, 16) und (II, 136), beide mit dem Zitat des „Dunkels des gelebten Augenblicks“, und mit Kritik an der von der wirklichen Geschichte entfernten deutschen Beziehung zu Russland. Geschichte, die an der Wirklichkeit sich weder linear noch logisch entfaltet, und letztlich auf geschichtliche Kontingenz sich nicht bezieht. Und von daher wird die wirkliche Schlacht heruntergespielt, und man hat in Deutschland den Eindruck, man beobachte vom unbedrohten Feldherrnhügel eine Auseinandersetzung, die uns weder ideologisch noch real, materiell betrifft. Eine Stunde östlich von hier. Drei Jahre später fügt er bitter an, dass das nicht nur Kritik an Putin und den Seinen ist, sondern man an den anderen Diktator (mein Begriff) Trump denken muss, nach dessen Verneigung es sich um einen Pas de deux handelt (II, 137). Und für Schlögel ist es seit 2014 nie nur, nur!, um die Ukraine gegangen, sondern um die „…Selbstbehauptung Europas – mit allen Konsequenzen“ (ebenda). Wenn Schlögel 2022 von einer „russisch unterwanderten Parallelwelt“ schreibt (I, 18) und Medien und die Infiltration genauer darlegt, zeigt sich auch immer die logistische und praktische Schwäche der deutschen, europäischen Gesinnungsorientierung – wie ich finde, als Untergebene von Trump, also „dem“ Westen (Dazu müsste man, mit Schlögel u.a,. noch genauer eingehen).

Nun, in diesen Tagen, ab 20.11.205, blickt man starr, manchmal unterwürfig, manchmal maulend, und bisweilen willig sich einzumischen, in die Trumpstrategie, eine Vernichtung der Ukraine diplomatisch zu fordern, um dann in einem „Kompromiss“ als Friedensstifter aufzutreten, so hat er es heute sagen lassen, und so sehen es seine Vasallen. Und im übrigen die weniger abhängigen Medien. Verallgemeinert man Schlögels Satz, kann einem kalt werden, wenn man wach ist “Nie ist die Ehre der im Zweiten Weltkrieg im Kampf gegen Hitler gefallenen sowjetischen Soldaten sosehr beschmutzt worden wie von diesem kleinen niederträchtigen Diktator und Massenmörder“(I,18). Ja, wenn dieser Vergleich trägt, er tut es, dann ist die Frage der Verbindung von Diktator Trump und Diktator Putin nicht nebensächlich, denn die beiden sind in vieler Hinsicht politisch eineiig – bitte nicht einfach stehenbleiben in den Erscheinungsformen ihrer Innenpolitik oder der absurden Fragen, wohin man lieber auswandern würde … das hatte 1938ff. vielen Menschen das Leben gekostet. Es kann auch noch anders kommen, aber es wird nicht anders kommen, wenn wir nicht mehr sind als illusionäre „Realpolitiker“ angesichts der wirklichen Herrschaften.  

Schlögel beschreibt Putin zu Recht als den „Mann der unendlich vielen Eigenschaften“…“Er ist nicht der Mann ohne Gesicht, wie Masha Gessen meinte“ (II, 143). Darum sage ich, man soll den Diktatoren Trump, Putin, Xi und einigen ihrer Unterläufeln keine Adjektive und Adverbien anschreiben, da sie nun einmal Diktatoren sind – und die können jede Charaktereigenschaft sich annehmen. Selbst unsere Medien finden an Trumps dauernd wechselnden Praktiken und Meinungen eher unverständlich Geheimnisvolles als des Kaisers neue Kleider. Es ginge zu weit, Schlögels USA-Vergleich „American Matrix“ (2023) aufzugreifen, um zu vergleichen. Aber es geht nicht zu weit, seine wirklich nachvollziehbare Position, auch Emotion zu Russland, der Ukraine, dem Baltikum – und natürlich zu uns, Europa, Deutschland, ernst zu nehmen, auch wenn es viele schmerzt, und andere verunsichert. Wir haben nicht mehr viel Zeit, uns auf den Angriff Russlands vorzubereiten, und wir wissen nicht, wann und wie er wem in Europa zuerst und danach gilt. Sich auf Trump zu verlassen, darf nicht sein. Das Dioskurenpaar, ich nenne es Trumputin, er Putinismus und (vielleicht) Trumpismus, ist auf sich selbst konzentriert. An dieser Stelle schließt sich an: „Wir sind ja nicht ganz ahnungslos, sondern haben die lange Reihe der Klassiker, in denen schon alles Wesentliche über Despotie und Tyrannis gesagt ist – von Hobbes, Machiavelli oder Shakespeare, oder näher an unserer Gegenwart, oder formuliert in einer Zeit, die in vielem der unsrigen gleicht, die Schriften Ernst Fraenkels zum Doppelstaat, Franz Neumanns Behemoth, Max Horkheimers und Theodor W. Adornos Dialektik der Aufklärung oder Hannah Arendts große Studie zum Totalitarismus“ (II,145). Aber den Schlögel muss man lesen und verstehen, empfinden lernen, damit man weiß, worum es nicht mehr geht und was heute angesagt ist.

Bourdieu, P. (1985). Sozialer Raum und <Klassen>. Frankfurt, Suhrkamp.

Schlögel, K. (2025). Auf der Sandbank der Zeit. München, Hanser.

Diktatoren ohne Eigenschaften

Ich hatte davor gewarnt, bei jedem Ereignis den Diktatoren Eigenschaften zuzuerkennen: klug, grausam, unverständlich, vorbildlich…es gehört zum Diktatorentum, sich so zu verhalten, wie man selbst will – und die Abhängigen müssen damit umgehen, nicht der jeweilige Diktator. Vor allem sind Aussagen, dass oder ob ein Diktator klug oder dumm sei, ein unsinniger Reflex der Unkenntnis über Gewaltherrschaft. Ich spreche über wirklich herrschende Diktatoren, Xi, Trump, Putin; zu ihren abhängigen Subdiktatoren, Orban, Erdögan usw. kann man sich ein paar Adjektive leisten oder Adverbien zu ihrer Handlungen, aber Vorsicht: auch sie sind Diktatoren.

Der Faschismus breitet sich global aus, er hält sich auch erfolgreich in der demokratischen EU und anderen, bislang demokratischen Weltgegenden – entweder in der Herrschaft selbst, oder als Opposition, die die Demokratie vor sich hertreibt. Da Faschismus sich auf das Führerprinzip gegen die Demokratie stützt, ist der Zusammenhang zu Diktatoren einsichtig.

Wenn nun faschistische Subdiktatoren auf ihre scheinbar Identität verweisen, um ihre Handlungen zu rechtfertigen müssen wir aufpassen. Orban ist ein Diktator, nicht weil er Ungar ist. Erdögan nicht, weil er Türke ist. Und Netanjahu nicht, weil er Jude ist. Das letztere macht natürlich mehrere komplizierte Diskurse weiter auf. Aber sie sind auch wieder einfacher zu bewerten, wenn man die Abhängigkeit der Politik(er), also von Faschisten und anderen Autokraten von den „großen“ faschistischen Diktaturen genauer analysiert – dazu sollte man sie kennen. Wichtig: nicht WEIL jemand eine ethnische Qaulität hat, handelt er diktatorisch, sondern OBWOHL. Und das können wir analysieren und verstehen.

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Das ist eigentlich nicht mein Thema. Aber ich brauche es als Rahmen, um die Gestaltung von Außenpolitik und Außenerscheinung in Verbindung zur Innenpolitik zu bringen, EU Beispiele Dänemark, Italien und – Deutschland, wenn es um die unerträgliche Misshandlung von afghanischen Schutzbefohlenen geht und um die ausländerfeindlichen Argumente gegen syrische und ukrainische Menschen bei uns. (Vorsicht: ich spreche in keinem Fall von Kriminellen). Da ist die fremdenfeindliche Politik der rechten, angeblich christlichen Regierung, nicht nur peinlich, sie zeigt auch die historisch belegte Öffnung der Religion zum Faschismus, übrigens auch ihren teilweise Widerstand.

Das alles ist der Zwergenregierung von Lenz nicht so deutlich. Umso wichtiger, es immer wieder öffentlich zu machen. Wir werden verarmen, ja, wir werden mit Europa Karthago III wohl erleben; aber wir müssen nicht die Hilfsarbeiter moralisch und ethnischer Diktate werden.

Diktaturen und Kulturen im Herbst

Man kann gar nicht anders, von allen Seiten prasseln die Informationen und Warnungen auf einen zu. In der ZEIT Nr. 48, vom 11.11., wird unter „Ich, die Macht“ eine beachtliche Auswahl von 10 Diktatoren des 21. Jahrhunderts mit Amtszeiten von 11 bis 46 Jahren vorgelegt und 5 auf dem „Weg zum Autokraten“, von Erdögan (23 Jahre) bis Trump (1 Jahr). 10 weitere „Historische Gewaltherrscher“ sollen unser Wissen vervollständigen. Natürlich fehlen einige in der Gegenwart, man kann die Liste vervollständigen, und man kann den Autokraten und Diktatoren noch viele Zuschreibungen anfügen, und vielleicht gar eine Hierarchie herstellen, die etwas zu unserem Bildungsbewusstsein beiträgt – wie reden wir denn über die jeweiligen Gewaltherrscher, wenn wir schon über sie reden. (Wenn wir ihnen weitgehend untergeben sind, werden wir milder und fürchten Strafen – aber wir denken grüber über sie . Es lohnt sich, zwischen Gegnern und Feinden zu unterscheiden, und zwischen uns machtvoll Beherrschenden und denen, die das untergraben wollen, etwa zwischen Trump und Putin). Ähnliches habe ich mehrfach und anderswo gehört und gelesen, es gehört zu unserer Allgemeinbildung. In der gleichen ZEIT ist auch eine Darstellung vom massiven Influencer der US-Autokratie, Peter Thiel, mit einigem ideologiekritischen Hintergrund: Nicolas Killian : Seine Gedanken beherrschen die USA (S.20f.). Yuval N. Harari beschreibt diese Diktaturen ähnlich, auch heikle Namen, wie Netanjahu sind dabei und Trump wird schon härter verbucht, und vor mit stapeln sich weitere Analysen in diese Richtung, Anne Applebaum, Fritz B. Simon und Giuliano Da Empoli…alles aktuell. Nun, „neu“ ist das nicht, aber wenn man die Zögerlichkeit der deutschen Zwergenregierung wahrnimmt, die noch immer keine wirkliche Vorbedreitungspflicht auf eine globale, europäische, stattliche Abwehrentwicklung sieht, fragt man sich, warum und wie. Und da die Umwelt beiseite gelegt wird, kann die globale Kriegswirklichkeit deren Untergang nur vorwegnehmenm, sicher nicht reduzieren. Dazu werden wir mehr und besser denken müssen, und handeln.

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ABER da gibt es die Hoffnung der Gegenwart: die Kultur – sie ist immer für die Zukunft da. Manche würden sich fragen, was das bedeutet. Aber Kultur verändert die menschliche Gesellschaft dort, wo die Evolution noch nicht oder nicht mehr angekommen ist (Hier kann man mit Thiel vergleichen, für den die Apokalypse überwunden werden muss (!) – für die Elite und um jeden Preis…da gibt es übrigens eine peinliche Analogie, wegen seiner deutschen Herkunft). Kultur muss nicht in „richtige“ Richtung wirken, aber sie kann, und da kommen WIR ins Spiel. Nur zuschauen und zuhören reicht nicht. Teil der Kultur ist jene Verbesserung der Zivilisation, die uns den Vorsprung vor IT und Medienherrschaft und Führerprinzip gleichermaßen auferlegt wie möglich machen sollte, wollen wir nicht in der Vergangenheit versinken. Denken, schreiben, hören, fühlen, und sich nicht dem Wissen der Macht überlassen, sozusagen die Perle in der Muschel sein. Das sind wir nicht.

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Das wird nicht einfach. Unsere Zwergenregierung steuert uns auf das dritte, das letzte Karthago zu, wie ganz Europa. Hohe Löhne, niedrige Renten, schlechte Bildung, teure Reisen, und keine wirklichen Innovationen, das ist weder Zufall noch einfach umsteuerbar ohne unseren persönlichen Aufwand, und das wollen die meist älteren Abdanker nicht. Dann lieber noch einmal Ökonomie vor Ökologie – da geht es wenigstens farbenfroh in den Sonnenuntergang – glauben die. Aber, das denke ich, der Widerstand gibt nicht nur mehr Kraft und Resilienz als die pöbelhaften Vereinfachungen der rechten und anderen Populisten. Aber Überleben ist nicht einfach.

Bürokratie – Das Zauberwort der Zwerge

Diese Bundesrgierung ist etwas verzwergter als frühere, aber auch diese haben Abbau von Bürokratie , meist am Anfang, auf ihre Fahnen und ins Programm geschrieben. Und ihre Beispiele fallen auf fruchtbaren Boden – wenn Genehmigungen, Nachweise, Angaben etc. wegfallen, stellen sich viele vor, dass es weniger Aufwand, kürzere Umsetzungszeiten, mehr Dynamik geben wird – und dass Geld gespart wird.

ja und nein

Die Krtitik an der Bürokratie ist so alt wie die Wirkung dieser Kritik. Yuval Noah Harari hat in Nexus (2024) ausführlich die beiden Seiten der Bürokratie beschrieben (49-58 und mehrfach). Das eine kann man oft nicht ohne das andere haben, und oft rettet uns Bürokratie mit ihrer Datenverwaltung das Leben, nicht nur bei Epidemien, oft zerstört sie jede Dynamik des Fortschritts.

Ich denke, Bürokratie ist ohne Kontext kein praktischer Begriff, sondern Ideologie. Die Herrschaft der Verwaltung von Verwaltung kann fundamental sein – viele Recherchen sind bürokratisch, sie sollen auch transparent sein, sie kann auch fundamental bei der Hinderung von Maßnahmen und der Durchsetzung von Gesetzen sein. etwa bei der Rückführung von AsylantInnen, die schon die Zusage der Rückkehr haben. Also: Thematisierung ohne Kontext und die Aussage, worin die Bürokratie wirklich besteht, ist sinnlos.

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Bürokratie gehört zu den Begriffen, die viele Menschen ärgern oder ängstigen oder verunsichern. Vom Begriff her muss man die „Kratie“, die Herrschaft so in Frage stellen wie bei der Aristokratie, der Meritokratie, ja, in gewisser Hinsicht auch bei der Demokratie…alles nicht so einfach.

Warum mich das interessiert, neben dem kulturgeschichtlichen Hintergrund? Es ist ein Begriff, mit dem schlechte Politiker die Gefühle und Ansichten der Mehrzahl passiver Menschen manipulieren. Die Dümmeren glauben, dass Bürokratieabbau am Anfang von politischen Einsparaktionen stehen muss, anstatt ein Ergebnis von Reformen zu sein. Natürlich kann man sparen – und dann veröden gesellschaftliche Bereiche, und es geht immer zu Lasten von Bedürftigeren, selten von Reichen oder Mächtigen.

Im Zwergenstaat ist das vielleicht nicht so auffällig. Aber wir werden bald sehen, wie die Sozialhilfe, die Kultur und duie Umwelt darunter leiden, dass die Unternehmer und Kapitaljongleure sich nicht mehr rechtfertigen müssen und die Gerichte weniger Belege für ihre Urteile haben.

Aufmerksam, nicht hysterisch – Rechts

In den letzten Jahren der Weimarer Republik gab es Opposition au der demokratischen Mitte gegen die rechtsradikalen und manche linksradikale Parteien und Strömungen. Und natürlich gab es innerhalb der einzelnen Strömungen Unterschiede und Opposition zwischen den einzelnen Gruppierungen, wie denn auch nicht? Es gab also mehr rechtsradikale Parteien als die NSDAP und nicht alle waren faschistisch. Rechtsradikal genügt.

Wenn ich an dieser Stelle die Analogie bemühe, ist es keine Gleichsetzung. Das versteht sich, auch haben wir durchaus Faschismen in der AfD oder in der FPÄ Österreichs, aber keine NSDAP (das ist ein anderes Thema, auch wichtig). Mir geht es aber um etwas anderes: innerhalb des demokratischen Deutschland gibt es durchaus rechtsradikale Strömungen und Personen, die nicht oder noch nicht faschistisch sind. Beispiele kommen z.B. aus Bayern, bei den Abgeordneten, die eine demokratische Verfassungsjuristin schwer verwundet und beeinträchtigt haben; z.B. bei einem Innenminister, der keine Ahnung von menschlichem Unglück hat und meint, man könne sich populärer machen, wenn man einfach einmal nicht gegen bestimmte Abschiebungen ist…es gibt viel mehr solcher Beispiele, aber noch funktioniert der demokratische Widerstand gegensolche Entwicklungen. Bleibt aufmerksam, wir wehren uns. Nicht hysterisch, das nützt nur den Faschisten und denen, die mit ihnen gegen die Demokratie konkurrieren.

*

Wohin die rechte Diktatur führt, kann man an den USA und Trump sehen (womit die Putins und Xis nicht entlastet werden, sondern wir eine weitere zusätzliche Front zu bedenken und zu bearbeiten haben). Ein Beispiel, ganz aktuell: Trumps Krieg in internationalen Gewässern gegen venezolanische Schiffe: David Cole: Getting Away with Murder. NYRB, 23.10.25, LXXII Schiffe in internationalen Gewässern mit x zivilen Toten. Ohne Justiz. Aber die USA stimmen zu. Nur Minderheits- und Justiz-Kritik. Das deutsche Problem mit den USA ist, dass sie noch für einige Zeit unsere bestimmenden Aufsichtsorgane sind, militärisch und damit leider auch diplomatisch. Aber polöitisch verzwergt bedeutet nicht, erheblich arrogant oder durchsichtig unterwürfig zu sein, sondern was man eben ist: abhängig und international weitgehend unfrei. Das gilt auch für die EU. Und hat weniger mit Nationalismus zu tun, als viele denken.

Das ist unangenehm, ich weiß, aber man kann sich nur befristet rausreden, die Drogen wirken nur befristet, genauso wie die Drogen gegen den Umweltschutz heute – je mehr wir inhalieren, desto weiter werden unsere Enkel und deren Kinder leiden.

Ich sammle Daten über die USA. Bei den Russen und Chinesen brauche ich sie nicht, da muss ich keine Untaten mehr beweisen, da wissen wir, was Diktaturen sind. Bei den USA müssen es viele noch lernen…tyrannische Freunde oder anschmiegsame Gegner. Passt auf, dass sie keine Feinde werden, bevor wir uns unser selbst gewiss sind und uns wehren können. Dazu braucht man nicht nur Waffen, oft eher weniger, dazu braucht man vor allem Gewissen, Einsicht und Kultur: daraus kann man auch Politik machen, die länger lebt als Trump und seine Camarilla. Es gibt auch ein Portfolio mit Alternativen zum „Nein“ nach dem Überleben (–> Brecht)

Umberto Eco I – Wichtiger denn je

UMBERTO. so hießen eine Reihe von mehr oder weniger unbrauchbaren Herrschern über Piemont und später Könige von Italien. Aber es gab nur einen UMBERTO ECO, und den wird es weiter geben, wichtiger denn je.

Erste Fassung des Essays:

Eco

Beitrag zum Seminar von Marion Näser-Lather, Universität Innsbruck, Dezember 2025

1.

Verwendete Literatur:

(Saager 1931, Eco 1972, Eco 1977, Eco 1977, Calvino 1977  , Visentini 1993, Eco 1998, Bach and Breuer 2010, Eco 2020) u.a.

2.

Aufgabe des Essays:

Den italienischen Faschismus aus der Sicht von Umberto Eco zu beleuchten. Das ist keine abgeschlossene wissenschaftliche Arbeit, sondern ein mehrdimensionaler Blick eines Soziologen auf die Aussagen des wichtigen Intellektuellen Eco, der Schriftsteller, Wissenschaftler, Künstler war, und sehr gut vermitteln konnte. Was Eco den „Ur-Faschismus“ nannte, hatte er in 14 Beschreibungen knapp und klar beschrieben (Eco 2020), und oft besser als viele Faschismus-Theorien. Das ist eines der Probleme, „Die Verschwommenheit“ des Begriffs (S.30), die ich  teile.

Kurze persönliche Begegnungen und Diskussionen haben mir den ohnedies sehr geschätzten Kollegen noch näher gebracht, aber ich werde weder Anekdoten noch meine subjektive Vorliebe für eine bestimmte italienische Kultur an dieser Stelle in den Vordergrund rücken, sie stützt mich eher.

3.

Im Fokus mehrerer konzentrischer Kreise steht Ecos „Ewiger Faschismus“ (Eco 2020) Original erschienen 2016, sein spätes Werk mit einem wichtigen Vorwort von Saviano. Bevor er zu seinem Hauptthema, dem Ur-Faschismus kommt, zeichnet er den italienischen Faschismus von Mussolini nach und behauptet, dass sich die nachfolgenden Faschismen daraus ableiten (21). Er stellt implizit zwei Thesen auf: dass der italienische Faschismus schwach sei, weil ohne Philosophie bzw. Ideologie, und dass er essentiell eine Bewegung eher als eine Partei sei. Das letztere teile ich für alle Faschismen, insofern wir sehen werden, was sie bei allen Unterschieden vereint. Das erstere mag aus der Sicht des Wissenschaftlers so erscheinen, nur kann man daraus Schwäche nicht ableiten. Wichtiger ist die Feststellung, dass dieser Faschismus nicht „durchgehend totalitär“ war (22). Für micht entscheidend ist diese nachvollziehbare Entscheidung, obwohl die Herkunft des mussolinischen Faschismus bzw. seine Biographie bei seiner sozialistischen Geschichte hätte anfangen müssen[1]. Das ist ein wichtiges weiterführendes Implikat, aber hier nicht zentral. Für Eco von Bedeutung, dass sich alle wirklichen und potenziellen Faschismen nicht in ihrer Bezeichnung erhalten haben, sondern „Faschismus“ zu einem Oberbegriff jenseits realer Differenzierung wurde und ist. Hier sieht man den Wissenschaftler Eco und weniger den Literaten.

Den hatte ich schon vor dem „Namen der Rose“ im Blick gehabt. Seine akademische und wissenschaftliche Konturierung bleibt neben der literarischen weiterhin wichtig[2].

Bevor Eco zu seinen 14 Merkmalen des Faschismus kommt, verweist er auf die Varianzthese von Wittgenstein, nach der die Elemente des Faschismus  ja unterschiedlich kombiniert werden können. Ausgangspunkt ist: „Aber das faschistische Spiel lässt sich auf vielerlei Weise spielen, und der Name des Spiels bleibt der gleiche“ (28). Und damit erreicht er seinen Einstieg in die Systematik von 14 Elementen des Faschismus (30-39). Mir fällt nicht auf, was hier fehlen könnte, aber natürlich kann die Wissenschaft das alles differenziert und analytisch ausweiten[3] – wenn man das braucht. Einsicht in den Faschismus geht also.

Für mich interessant ist, dass Eco ganz deutlich den Nazismus und den Stalinismus als jenseits des normalen Faschismus verortet, und dass die Normalität überall im Faschismus ihre Bandbreite hatte, was nichts entschuldigt, aber vieles erklärt (nicht zuletzt in der italienischen Kultur). Das ist für mich durchaus wichtig, weil es den Unterschied zwischen Austrofaschismus und Nationalsozialismus sowohl auf der Strukturebene als auch in der Realität erklärt. Der Name des Spiels blieb der gleiche.

4.

Ecos Zeichentheorie war auch in der Wissenschaft zunächst nicht populär. Aus dem Widerstand gegen die Ablehnung heraus schrieb Eco im „Namen der Rose“ gleich drei Aspekte: die Zeichentheorie (auch gegen Jorge Luis Borges), den kirchlichen und sozialen Konflikt des Mittelalters  und eine Kriminalgeschichte ersten Ranges (Eco 1982).

Mit und nach diesem Roman wurde Eco auch ein weltberühmter Autor und viele LeserInnen haben sich mit dem Hintergrund des „Namens der Rose“ nicht befassen müssen, und dem der folgenden Romane und Essays auch nicht. Das geht in Ordnung, aber hier ist ja der Faschismus und seine Erklärung relevant, und da bietet Eco eine gute Basis zum weiteren Diskurs. Denn Faschismus  breitet sich zur Zeit global aus, und sein Hauptgegner in allen Varianten ist die Demokratie, und seine Instrumente sind die 14 Thesen Ecos auch in den verschiedenen Spielarten des Populismus.

5.

Die Differenz von Faschismus und Nazismus ist wichtig, vor allem, wenn man die Nazi-Deduktion der deutschen Faschismusanalyse mit der Darstellung der übrigen Analysen vergleicht, vor allem der Italiens und Österreichs (nicht zufällig).  Die Darstellung der Struktur (22-27, vor den 14 Thesen) ist realistisch, nicht den Fascismo entschuldigend, aber ihn richtig verortnend, und das Verhältnis der Führer zur Kultur genau bescheibernd, das waren die Nazis nun wirklich anders. Ecos Darstellung ist grundlegend, und ihr LeserInnen und Leser +nehmt noch Savianos Vorwort dazu, wo er nicht zuletzt den Mut des älteren Eco hervorhebt (7-14) und immer die Retroperspektive der Nazis betont.

Da nun Eco die „Entstehung“ Mussolinis kaum hervorhebt, gehe ich in die Biographik.Sehr früh fiel mir ein Buch von Adolf Saager (* 18791949) auf. „Mussolini ohne Mythus – Vom Rebellen zum Despoten“ (Saager 1931) beschreibt Mussolinis persönliche und politische Biographie vor der Machtübernahme der Nazis, 1931 (!). Saager, ein Deutsch-Schweizer, eher links-unabhängig, lohnt in seiner Beschreibung Mussolinis Kindheit und Jugend, und wie seinen Charakter und seine Rhetoik erst „links“ und ab 1914 „faschistisch“ entwickelte, wobei „Auf den November 1921 fällt Mussolinis eigentliche Bekehung“ (S. 111). Mich interessiert vor allem Kindheit und Sozialisation des jugendlichen, rhetorisch begabten, gespalten erzogenen Aussenseiters, und eben der politische Beginn mit der Arbeiterklasse, bzw. ihrer Politik dazu. Das macht bis heute eine Schwachstelle der kritischen Faschismustheorie, dass ihr klassenbezogener „linker“ Aspekt nicht zum „rechtsradikalen“ Rahmen passt, obwohl es eher darum geht, die Achse Links-Rechts hier nicht objektivistisch einzufügen.

Für mich, österreichisch-deutscher Doppelstaatsbürger, ist das besonders wichtig, weil es den grundlegenden Unterschied zwischen dem deutschen Nazis und dem österreichischen Austrofaschismus nach 1933 bis 1938 erklärbarer macht. Eco macht deutlich, wie komplex und unterschiedlich sich Faschismen entwickeln und doch Faschismus bleiben.

6.

Saagers Buch habe ich antiquarisch erworben. Darin lag auch eine Rezension aus der SZ, 1985, von Heinz Abosch (Heinz Abosch – Wikipedia): Seine Kritik an einem Vergleich von Hitler und Mussolini ist jedenfalls wichtig in der Rezension von Georg Scheuers Buch über den Ur-Faschismus: „Genosse Mussolini? : Wurzeln u. Wege d. Ur-Fascismus“, Verlag für Gesellschaftskritik, Wien 1985. Und natürlich Ecos Begriff des Ur-Faschismus…

7.

Wieder fällt mir, diesmal in Innsbruck, ein Buch über die „Lega“ in die Hände, also über einen der Koalitionspartner von Meloni. Aber das Buch ist von 1993, und Bertolucci und Bossi spielen entscheidende Rollen und der Zerfall der Demokratie von innen und außen: (Visentini 1993). „Die Lega hat keine Ideen, sie hat keine Programme“ (97). Das könnte so bei Eco stehen, nicht aber bei den Parteihistorikern des Faschismus. Das Buch ist eine grimmige, ich sage fast „klobige“ Übergangsbrücke aus der italienischen Nachkriegsdemokratie zu Berlusconi bis zu Meloni heute. Spannend natürlich für dauernde Besucher Südtirols ist die Rolle der SVP: „Der Südtiroler Volkspartei gefällt die Lega nicht, aber wer weiss…“ (88-96), und da kommen auch Rechtsradikale vor, wie „der Tiroler“ (Zeitschrift, S. 95).


Erste freiheitliche Regierungsbeteiligung: Am 31. Jänner 2024 erfolgte im Landtag die Wahl der neuen Landesregierung (Partei | Die Freiheitlichen). Als erste freiheitliche Landesrätin wird Ulli Mair in der neu gebildeten Koalition aus SVP, Freiheitliche, Lega, Fratelli d´Italia und der Bürgerliste La Civica künftig die Zuständigkeitsbereiche Wohnbau, Sicherheit und Gewaltprävention verantworten. Da sind sie also in der Koalition, die Rechtsradikalen. Noch können sie an die SVP nicht heran. Aber so etwas stärkt natürlich Meloni. Über die  muss man im Kontext nachdenken.

Giorgia Meloni (* 15. Januar 1977 in Rom) ist eine italienische Politikerin und seit Oktober 2022 italienische Ministerpräsidentin. Sie ist seit der Einführung des allgemeinen Frauenwahlrechts in Italien 1946 die erste Frau, die eine italienische Regierung anführt.

Meloni ist seit 2014 Vorsitzende der als postfaschistisch klassifizierten Partei Fratelli d’Italia (FdI) und war von 2020 bis 2025 Präsidentin der Europapartei Europäische Konservative und Reformer (EKR). Im vierten Kabinett von Silvio Berlusconi war sie von Mai 2008 bis November 2011 Ministerin für Jugend und Sport. Bei der Parlamentswahl in Italien im September 2022 trat sie als Spitzenkandidatin ihrer Partei an, die als stärkste Kraft aus der Wahl hervorging. Politisch wird Meloni als rechtsextrem eingestuft. (Giorgia Meloni – Wikipedia).

Auf sie passen genau die von Eco beschriebenen Unschärfen der Parteienstruktur, von der teilweise sehr akzeptablen Außenpolitik bis zum Manövrieren im Inneren, z.B. in der Kultur, und ihrem Druck auf die Veränderung des Justizsystems (Italien: Parlament stimmt für Giorgia Melonis umstrittene Justizreform). Um die marodierte Demokratie zu verstehen, muss man die Zeit Berlusconis zurückgehen, und die Macht und Deformation der Medien analysieren, übrigens eine von Ecos Agenda.

8.

Eco hat begonnen, Belletristik zu schreiben, um seine Wissenschaft zu vermitteln, begonnen mit dem „Namen der Rose“. Manche seiner Bücher sind ohne diesen Rückhalt schwer zu verstehen, andere sind „reine“ Literatur – als ob diese Trennung möglich wäre. In einem ganz schmalen Bändchen schreibt er über Bibliotheken (Eco 1987). Nachdem er sich über Borges`Unendlichkeit wieder einmal lustig macht, kommt er zu einem durchaus holprigen realistischen Problem, das lesewillige Menschen mit Bibliotheken haben, übriegns auch hier didaktisch vollkommen, freudig unseren Bibliotheksbesuch animierend – und seine Schwächen gleich in den Alltag mitverarbeitend. Das erinnerte mich an die kürzlich bei Jean Cocteau gelesene Stelle: „Unsere Schwäche wird also darin bestehen, Nationen der Disziplin und Ordnung zu beneiden und ihnen nachzueifern. Unsere Stärke aber wird sein, Disziplinlosigkeit und Unordnung einzusehen und auszuwerten“ (Cocteau 2025). Ersetzt die Nationen durch Bibliotheken, und ihr kommt der Wirklichkeit nahe, und Eco, dem Sieger über Borges.

9.

Es gibt noch einiges mehr über den Faschismus zu denken und mitzuteilen. Aber das wird ja in den Veranstaltungen in Innsbruck bestens der Fall sein. Was ich sehr ernsthaft sagen möchte, zum vorläufigen Abschluss, bedenkt rechtzeitig, wie sich der Faschismus seit dem Ur-Faschismus zur Zeit ausbreitet und verfestigt. Wie er nicht als Parteisystem wahrgenommen und bekämpft werden kann, sondern als Bewegung.

Das erfordert aktive Demokratie, nicht einfach abwehrende.

Literatur:

Bach, M. and S. Breuer (2010). Faschismus als Bewegung und Regime. Wiesbaden, VS.

Calvino, I. (1977  ). Die unsichtbaren Städte. München, Hanser.

Cocteau, J. (2025). Brief an die Amerikaner. Düsseldorf, Rausch.

                        Kritik an US ent-menschlichte, maschinelle, glättende Kultur versus  „europäisch“, man muss die Ironie verstehen und den Vorrang der Kunst billigen. Mein Blog 30.10.2025

Eco, U. (1972). Einführung in die Semiotik. München, W. Fink / UTB.

Eco, U. (1977). Das offene Kunstwerk. Frankfurt, Suhrkamp.

Eco, U. (1977). Zeichen. Einführung in einen Begriff und seine Geschichte. Frankfurt am Main, Suhrkamp.

Eco, U. (1982). Der Name der Rose. München, Hanser. Original 1980.

Eco, U. (1987). Die Bibliothek. München, Hanser.

Eco, U. (1998). Nachdenken über den Krieg. Vier moralische Schriften. München, Hanser.

Eco, U. (2020). Der ewige Faschismus. München, Hanser.

Saager, A. (1931). Mussolini ohne Mythus. Vom Rebellen zum Despoten.

. Wien und Leipzig, Hess & Co. .

Visentini, T. (1993). Die Lega – Italien in Scherben. Bozen, Raetia.

Autor:

Michael Daxner

Feuerbachstraße 24-25

D 14471 Potsdam

michaeldaxner@yahoo.com

http://www.michaeldaxner.com

Dank für die Unterstützung an Birgit k. Seemann, Marion Näser-Lather, Tom Koenigs.

Der Text wird demnächst in einer erweiterten englischen Version veröffentlicht.


[1] Kurz zusammengefasst: Nach Anfängen bei der sozialistischen Presse stieg Mussolini 1912 zum Chefredakteur von Avanti! auf, dem Zentralorgan des Partito Socialista Italiano (PSI). Als er dort offen nationalistische Positionen vertrat, wurde er im Herbst 1914 entlassen und aus dem PSI ausgeschlossen. Mit finanzieller Unterstützung der italienischen Regierung, einiger Industrieller und ausländischer Diplomaten gründete Mussolini bald darauf die Zeitung Il Popolo d’Italia. 1919 gehörte er zu den Gründern der radikal nationalistischen und antisozialistischen faschistischen Bewegung, als deren Duce (von lateinisch dux „Führer“) er sich bis 1921 etablierte. (Nach Anfängen bei der sozialistischen Presse stieg Mussolini 1912 zum Chefredakteur von Avanti! auf, dem Zentralorgan des Partito Socialista Italiano (PSI). Als er dort offen nationalistische Positionen vertrat, wurde er im Herbst 1914 entlassen und aus dem PSI ausgeschlossen. Mit finanzieller Unterstützung der italienischen Regierung, einiger Industrieller und ausländischer Diplomaten gründete Mussolini bald darauf die Zeitung Il Popolo d’Italia. 1919 gehörte er zu den Gründern der radikal nationalistischen und antisozialistischen faschistischen Bewegung, als deren Duce (von lateinisch dux „Führer“) er sich bis 1921 etablierte. (Benito Mussolini – Wikipedia 31.10.2025).

[2] Ich verweise schon hier auf Eco, U. (1972). Einführung in die Semiotik. München, W. Fink / UTB.

                , Eco, U. (1977). Zeichen. Einführung in einen Begriff und seine Geschichte. Frankfurt am Main, Suhrkamp.

                , Eco, U. (1977). Das offene Kunstwerk. Frankfurt, Suhrkamp.

                Für mich wichtig war schon früh das bis heute aktuelle didaktische Buch „Wie man eine wissenschaftliche Abschlussarbeit schreibt“. Doktor-, Diplom- und Magisterarbeit in den Geistes- und Sozialwissenschaften. UTB 14. (!) Auflage. 2020. ISBN 978-3-8252-5377-6

[3] Vgl. Bach, M. and S. Breuer (2010). Faschismus als Bewegung und Regime. Wiesbaden, VS.

Es lacht sich

Wenn man sich zu viel ärgert, verflachen alle Gründe und Anlässe, man bleibt ein missgelaunter Zeisel, und niemand nimmt einen ernst oder auch nur wahr, wenn die Texte und Ansprachen des ständig grummelnden Kommentators überhaupt noch aufgenommen werden.

Wenn man sich zu viel amüsiert, kann auch niemand mehr lachen, weil die Anlässe oft zu doppelbödig, altbekannt oder komisch, aber nicht lustig sind.

Ärgern, sich amüsieren etc. sind oft Reaktionen, die neben der Wirklichkeit auf den Boden fallen und dort Lacken bilden, in die man dann auch noch reintritt, und sich wieder ärgert.

So geht es mir in den letzten Tagen, wenn ich über die Akteure und Situationen in Gaza, Israel, Nahost, D.C., bei uns lese. Wer sich über Trump wagt zu ärgern, ist herzlos zu den Geiseln, wer sich über ihn lustig macht, verkennt seine Friedensmacht, wer sich zu weit aus dem allgemeinen Brei herauswagt, wird verurteilt, bevor die Folgen seiner Aussagen auch nur abgeschätzt werden.

Ganz wenige Analysen zur Situation beruhen auf der Wirklichkeit, viele sind so gebildet, dass man seine Erwartungen mit dem, was gerade eintritt, vergleicht. Na und? Und wenn man dann bemerkt, dass man falsch lag, ärgert man sich wieder > siehe oben.

Mich beunruhigt das. Kann man nicht einem Diktator auch einmal eine richtige Handlung zugestehen – wie man ja einem Demokraten immer gern einen Irrtum erlaubt. Wenn der nicht zu langfristig wirksam ist. Der Diktator bleibt Diktator, auch mit dem Denkmal des Verdienstes. Der Demokrat stürzt vielleicht ab…

*

Ich wollte aber über ÄRGER schreiben, der oft anstelle von Kritik oder Unverständnis öffentlich wird und dann die eigene Position irrelevant oder lächerlich macht. Ärgert mich der Diktator, weil ich ihn in Wirklichkeit fürchte? Weil ich nichts gegen ihn tun kann und er mich vielleicht noch, oder schon, unterwirft? Die Unschärfe des Begriffs Ärger ist ärgerlich. Denn was spontan ja noch verständlich ist, ich ärgere mich über die Zugverspätung, mit Recht, kann ich nicht aufrechterhalten im jahrelangen Verspätungsgehabe der DB, ich muss mich drauf einstellen. Die Analogie gilt für politischen und anderen Ärger.

Das bringt mir Améry nahe, der immer kritisch zum Jetzt, der sogenannten Gegenwart war. Mein aktuelles Beispiel: ist Ärger eigentlich für den 7. Oktober angemessen? Schrecken, Furcht, Entsetzen, auch Unverständnis sind da besser als Ärger, einschließlich der Frage: über wen? Ärger über die Hamas ist irgendwie verflachend –> siehe oben.

Seit Wochen und Monaten gehe ich diesem Thema nach, dem nicht-jüdischen Gehabe von Netanjahu und seiner faschistischen Truppe und dem terroristischen Gehabe der Hamas. Mittlerweile haben sich Namen, Ereignisse, Konstellationen und Zufälle bei mir eingegraben, und die Kritik und die Ohnmacht haben den Ärger längst verdrängt, wenn er je dominiert hätte. Hat er nicht, auch nicht am entsetzlichen Tag des 7. Oktober. Aber je genauer ich nachforsche, desto schwieriger wird es , auf dem Feld der Geschichte, des wirklichen Geschehens, die Schuldigen, die Inaktiven, die Profiteure und die Unterlegenen dieser Ereignisse in bloße zwei Gruppen, die Guten und die Bösen, zu teilen, sozusagen als Maßstab für die Kommentare von heute –> s.oben.

Das ist keine postmoderne Relativierung, natürlich gibt es Schuldige und Opfer, aber eben nicht schwarz/weiß. Und darum entziehe ich mich dem Hierundjetzt, packe meine Zuneigung zu Israel und meinen Freunden dort in den gleichen Korb mit Kritik am Zionismus wie am Antizionismus, mit Kritik am Konflikt zwischen Sepharden und Ashkenasen, zwischen Arabern, Beduinen, Palästinensern, zwischen Muslimen und Juden und Christen und Drusen, und mit den Beziehungen fast aller wichtigen politischen Staaten seit langer Zeit. Mit anderen Worten, es gibt in der Gegenwart einen Common sense, aber kein Wissen und keine Erkenntnis, die nicht auf die Zeit und den Kontext angewiesen sind. Das verdirbt mir einiges, aber es macht keinen Ärger.

Gedenken, Bedenken und Heucheln. Heute.

Überall in Demokratien gedenkt man der Opfer des Hamas Überfalls vom 7. Oktober 2023.

Das ist richtig so – und hinterlässt doch mehr als nur ein unruhiges Gefühl. Wie ist es zu diesem grausamen, kaum je erlebten Massaker gekommen?

Ich frage mich selbst, warum mich die Vorgeschichte des 7. Oktober so wenig verlässt wie mein eigener, wirklicher Schrecken. Warum diese Geschichte auch nur andenken, wenn Netanjahu die Macht über Gaza und die Hamas entglitten war?

Lest erst einmal: https://en.wikipedia.org/wiki/Israeli_support_for_Hamas (7.10.2025). Unschärfe und Details möglich, die Hauptlinie stimmt. Aber dann muss man auch untersuchen, warum und wozu viele konservative, nationalistische und ultra-religiöse israelische Strömungen den Likud (Partei) und andere Entwicklungen schon lange vorher betrieben haben. Lest auch die Geschichte der Gaza Verhandlungen 1948f. (Ich gehe nicht in die Vorkriegszeit zurück, aber meine Kritik am britischen Kolonialismus bleibt bestehen). Wiederum: es muss nicht alles im Detail mitgetragen werden, aber man muss das Zwischenkapitel: „Das Gaza-Plan-Zwischenspiel“ im 10. Kapitel „Lösung des Flüchtlingsproblems…“ bei Benny Morris genau lesen, um etwas von der Vorgeschichte zu verstehen (Benny Morris: Die Geburt des palästinensischen Flüchtlingsproblems, Hentrich&Hentrich 2024, original 2004, überarbeitet). Und dazu gehört natürlich eine Vorgeschichte seit der letzten Jahrhundertwende und vor allem ab 1936, und dazu gehört die Selbstständigkeit des Staates Israel und der freimachende Krieg 1948, und dazu gehört die Vorgeschichte der jüdischen Gegner des Zionismus und der britische Kolonialismus, und dazu gehört….

Wenig davon erklärt oder gar begründet die unmenschliche Grausamkeit der Hamas am 7. Oktober 2023 und die Vorbereitung darauf.

Die fatale Täter-Opfer-Rotation der Kritik an Hamas und an der israelischen Reaktion darauf verkürzt nicht nur Wissen und Bewusstsein, sondern auch die moralischen und ethischen Positionen, die nicht mit einer Wahrheit umgehen dürfen, ohne Gerechtigkeit – für alle Situationen und nicht linear – an die Begründung der eigenen Position und Interessen zu stellen. Dazu reicht Benny Morris natürlich nicht aus, da muss man schon tiefer in die Geschichte des Zionismus in allen Spielarten, der Gegner des Zionismus etc. graben – und die Geschichte der Palästinenser genauso genau verfolgen, wenn man es aufgrund der zugänglichen Quellen so genau kann.

Wiederum: Wenig davon erklärt oder gar begründet die unmenschliche Grausamkeit der Hamas am 7. Oktober 2023 und die Vorbereitung darauf.

eine Überschrift bedeutet keine Leerstelle: Gedenken hat nur Sinn, wenn es wirkliche Menschen und die Ursache und Folgen ihres Leidens und Sterbens betrifft. Strukturelles Gedenken ist eine gängige, oft folgenlose politische Entmenschlichung. Die Bedenken sind zahlreich, etwa die Kritik an oder Erlaubnis zu Demonstrationen der propalästinensischen Aufmärsche, die sich auch antisemitisch ausbreiten, und mit dem antisemitischen, genauer, judenfeindlichen Substrat der Geschichte zusammengehen. Auch die ambivalente, doppeldeutige, manchmal -züngige jüdische Position zur Situation des Kriegs von Netanjahu (cum et sine Trump) und seiner teils faschistischen, rechtsradikalen Regierung kann man nicht geglättet als Reaktion auf den 7. Oktober einfach hinnehmen. als jüdischer Mensch kann ich das nicht, als Jude bleibt mir nichts anderes übrig?! Diese Differenz bestimmt zur Zeit viel an meinem Denken, Fühlen und also Leben.

Und so würde ich mir heute wünschen, dass die Menschen bevor sie öffentlich werden, nochmal Amos Oz, David Grossmann, Zeruya Shalev, aber auch Omri Boehm, Tom Segev, Ron Leshem, Joseph Croitoru, und auch Herzl und seine Tagungen lesen (ich weiß schon, das geht nicht an einem Tag, aber doch?!). Zu manchem Leid kann man nur Schweigen. Und darf nicht heucheln. Das gilt auch für jeden von uns selbst, gar nicht so einfach.

Kein Frieden und andere Kriege…

Machen wir uns nichts vor. Friedliebende Kommentare sind keine Wirklichkeit, sondern gestalten unter anderem Überzeugungen und Selbstbetrug. Wenn Merz und andere sagen, es sei kein („richtiger“) Friede und irgendwie schon noch irgendwie kein („richtiger“) Krieg – von Russland gegen Europa, ist das mehr als ein sprachliches Beispiel. Und so schrecklich die Umstände des Gazakriegs sind, die trumpoiden Verhandlungen sind auch „irgendwo“ zwischen Friedensplänen und Kriegspotenzialen, keine Wahrheitsstrategie, sondern Anpassung an eine Israel-Trump-angelehnte Rahmenrealität. Wie ich immer schreibe, dass die Wirklichkeit die Wahrheiten dominiert. Deshalb sind die Kommentare der besseren Medien ungewollte Konjunktive, die Grammatik diktieren andere…das gilt auch für die Ukraine, für Sudan, für Kongo. Natürlich gilt es besonders für die neueste, nicht gefestigte Weltdiktatur USA und ein wenig macht sich diese demokratiefeindliche Realität auch bei uns breit – wie denn auch nicht? Das Einzige, das stimmt, sind die Abbildungen der Wirklichkeit leidender, hungernder verletzter, sterbender Menschen, die gerettet werden sollen, müssen, können, nicht immer dürfen, bevor wir wieder und wieder die Täter anklagen oder mit Preisen und Lecken überhäufen.

Das ist der Grund, warum ich viele Daten und Eindrücke sammle, Zu Israel und Gaza vor allem, zur Ukraine, und zu unserer so genannten Regierung, aber gerade da wenig kommentiere. Denn es ist schon wichtig, dass diese Nachrichten auch empfangen werden und man sich nicht dauernd in sich selbst spiegelt.

Was bleibt, das Weiterleben unter den realen Wolken des beschleunigten Welt- und Politikzerfalls, ist nicht wenig. Das ist keine beruhigende Philosophie und schon gar nicht Ablenkung von der Politik. Aber es kommt auch, auch, nicht nur! darauf an, dass wir unsere Widerstandskraft stärken, lebendig bleiben bezieht sich immer auch auf Umwelt und Sozialisation, und natürlich auf Kultur, also die Bereiche, wo die Dummen und die Gefährlichen gleichermaßen sparen wollen. Das dürfen aber nicht nur rhetorische oder demoinstrative Bekenntnisse sein, wir müssen etwas tun. Wenn wir etwas tun, dann muss nicht jeder sofort erfahren, dass wir aktiv uns für das Richtige so und so einsetzen, aber öffentlich muss sein, was die Konfrontation bewirkt, z.B. die Kritik an den Brosius-Kritikern der CSU (das sind rechtsradikale so genannte Christen aus Söders Gehege), z.B. das Niveau der Wehrdienstdebatte (da kann ich nur raten, von den Finnen zu lernen), und vielleicht mit dem Lob an Trump im Nahen Osten etwas zu warten: auch Diktatoren können manches richtig entscheiden, das entlastet sie aber nicht…

Zurück zum Anfang. Wenn sich der Krieg weiter entwickelt, wird er anders sein als unsere verbreitete Kriegsgeschichte, und er wird keinen von uns ganz in die Freiheit des Friedens entlassen – wohin wollt ihr fliehen? Aber es kommt darauf an, was geht vorzubereiten, und dem, was kommt, zu begegnen (siehe oben). Dass wir dabei nicht gewinnen, ist klar. Aber es gibt wichtigeres in unserem täglichen Leben.

Demokratie, jüdisch und soziologisch

Sozio-Demokratie / Instabil

Vorwort

Ich lese regelmäßig mein Berufsblatt „Soziologie“, und meist geht die Diskussion an mir vorüber, aus vielen Gründen. Aber die HerausgeberInnen bemühen sich zunehmend erfolgreich, unsere Wissenschaft mit der Gesellschaft in eine verständliche und kritikfähige Verbindung zu bekommen, und dabei auch die Leerstellen innerhalb der Soziologie zu verzeichnen. Dazu muss ich nicht mehr aktiv in der Uni sein, die Überlegungen helfen schon, bisweilen.

Eine junge Kollegin, Professorin an der Universität der Bundeswehr München (Prof. Dr. Jenni Brichzin (Vertretung) — Institut) schreibt einen langen und komplizierten Aufsatz in der Soziologie: „Die Demokratie der Soziologie – Versuch über eine empfindliche Leerstelle der Disziplin“ (4/2025, 413-447). Sie versucht, das Nachhinken unserer Disziplin in Sachen Demokratie zu erklären und der Kritik auch eine Neubearbeitung folgen zu lassen. Schwierig zu lesen, aber umfassend und m.E. gut so. Warum ich aber damit hier anfange, in meinen Blogs: Brichzin analysiert sehr genau Tocqueville in ihrem Abschnitt „Massendemokratie am Start: Die sozialen Bedingungen der demokratischen Revolution in den USA“ (429-432). Zum Ende des Kapitels und zu Beginn des nächsten fasziniert mich die Genauigkeit, mit der die Volatilität der Demokratie in ihrem „Ensemblecharakter“ beschrieben wird. Ich zitiere jetzt ausführlich, weil hier ein scharfer Blick in eine Gegenwart getan wird, in der demokratische Systeme in kürzester Zeit umgeformt werden, nicht nur die USA, die Türkei, Israel oder Ungarn – im Kern kann das auch bei uns in Bayern oder Sachsen-Anhalt geschehen, darauf kommt es mir aber jetzt nicht an. Unter Bezug auf Tocqueville schreibt Brichzin:

„Und selten wird so deutlich wie hier, dass genau die Mechanismen, die Demokratie doch eigentlich begründen sollen, die gegenteilige Wirkung entfaltenkönnen, ist erst einmal das Zusammenspiel des Ensembles gestört oder ins Ungleichgewicht geraten. Auch die „demokratische“ Ordnung ihrer Zeit kann folglich ins Autoritäre kippen. Als größte Gefahr identifiziert Tocqueville dabei bekanntermaßen die „Tyrannei der Mehrheit“ (T 289). Der unbedingte Glaube der US-Amerikaner:innen an das Mehrheitsprinzip statte die politische Mehrheit mit einer „Allmacht“ aus (T 290), die den „Keim der Tyrannei“ bilde (T 291). Eine spezielle Form der sozialen Schließung ist die Folge, eine Schließung nach Maßgabe der Mehrheit…“ (Brichzin 432, T=Tocqueville). Das kann man natürlich sofort mit Varianten anwenden, nicht nur auf die USA, Israel, die Türkei, Ungarn etc., und auf viele Stimmen in der Demokratie, die nicht von einem Ensemble komplexer Verbindungen ausgehen, sondern von einer, v.a. durch Wahlen bestimmten Form. Mehrheit allein reicht nicht, und nicht nur Brichzin, auch ich denke, dass die Struktur einer Gesellschaft offen gehalten werden muss, immer, und nicht geschlossen werden darf.

Der Artikel insgesamt bleibt interessant, aber ich will mich darauf konzentrieren, wie demokratische Gesellschaften in dieser Zeit eher schnell in autoritäre oder diktatorische und strukturell in faschistische sich wandeln lassen.

*

Für mich ist es wichtig zu hinterfragen, zu diskutieren, zu beobachten, was zur Demokratie „noch alles“ gehört, und der Leitfaden des Artikels bringt einem die nötige knappe Systematik bei. So, und jetzt weg von der Soziologie, ich bin ja längst kein aktiver Hochschullehrer mehr, und zur beobachteten Politik.

Dass neben anderen Trump und Netanjahu Demokratie erfolgreich zerstört haben, wird globale Folgen haben. Die USA, als dritte Nukleardiktatur mit einer nicht nur spontanen, ungebildeten, unkritischen Demokratiefeindlichkeit, hat vor allem auf die Menschen negative Auswirkungen, die ja von den USA in der NATO und im westlichen Welthandel sich abhängig wissen. Nicht gerade kolonial, aber kapitalabhängig. Also wir. Und in Israel zerstört Netanjahu endgültig den Zionismus in all seinen Varianten, er und seine Faschisten zerstören die soziale Aufbaustruktur und so viel JÜDISCHES, dass nur mehr die JUDEN bleiben, aber die jüdische Ethik und Kultur zerstört wird, wohl auch die innovative Wirtschaft, wenn er der trumpoide Herrscher bleibt. Also wir jüdischen Menschen müssen eine zukünftige Geschichtsrevision uns antun.

Mit der Auffassung bin ich nicht allein. Ich kann auch die Hamas initial kritisieren, obwohl sie ja von Netanjahu gefördert worden war, aber sie ist ihm entglitten und eine Macht der Barbarei geworden, so wie Netanjahu mit seinem Blick auf eine iranische Monarchie auch nicht gerade demokratisch denkt und agitiert.

Ich lese Oz, Grossmann, Illouz, Neyer, Shalev und viele andere, und ich lese sie anders die Historien der Palästinenser, Araber und Muslime. In diesem „Anders“ steckt mehr Potential an Kritik, an mehreren Seiten – es sind ja nicht nur zwei – als man vermuten kann: wenn man das Ende des bisherigen Jüdischseins in Israel ernst nimmt und das künftige fürchtet – jüdisch wird man weiterhin weltweit sein müssen und können.