Vorschau ist kein Nachtreten

Über die kommenden Wahlen und das mögliche Nach-Denken habe ich schon geschrieben. In den letzten Tagen ist so viel Vorbereitung fast aller Parteien, PolitikerInnen und Trittbrettler geschehen, dass das Verstehen der AfD fast zur Normalisierung ihrer ubiquitären Präsenz wird. Deshalb bitte: Lest meine letzten Posts, ich melde mich zu den Wahlergebnissen bald danach, aber nicht gleich anschließend. Das überlasse ich den Trittbrettlern. Dass es mit Deutschland auch anderswie nicht gerade gut geht, wissen wir. Jetzt ist einmal wieder die Rente dran, und vor allem die Pflegeversicherung. Alles ist dabei so heruntergesetzt zu werden, dass in Deutschland endlich wieder staatlich organisierte ARMUT geben wird. Abgesehen davon, dass 48% Rente schon als solche eine menschenverachtende niedrige Gemeinheit ist. Es wird auch in den Medien darauf hingewiesen, dass einiges in Skandinavien oder Österreich besser läuft, aber wie und warum und seit wann, wird hier natürlich verdeckt. Aber weil es doch dem Land soooo gut geht, wird öffentlich kaum wirklich kritisiert, was die Zukunft noch einmal beschränkt, zusätzlich zur heißen Umwelt. Der 0,7 Regierung ist (noch) nicht klar, dass es um ihren Stammtisch gar nicht geht, sondern um die nächsten und übernächsten Generationen.

Dass sich die Felsen im Hochgebirge lockern, dass die Gletscher abbrechen, dass kein Tal mehr sicher ist, verschlammt und zugeröllt zu werden, nicht nur in Nepal, oder Grand Canyon, auch in den Alpen (heute im Netz: Verheerende Sturzflut – welche Risiken bergen die Alpen?) – die Pasterze ist zerrissen und andere Gletscher zerfallen oder sind verschwunden, das weiß man. Aber was folgt daraus, wenn es nicht mehr genug Wasser gibt, für alle und alles? Diese Regierung ist zu eng, sie hat zu wenig realistische Vorstellungen, wie der Abstieg der europäischen Gesellschaften einen verdorrten und stumpfen Kontinent erzeugen wird, in den nächsten Generationen, wenn die Schuldigen längst mehr oder weniger feierlich begraben sind, und es für die Faschisten, incl. AfD, gar keine wirkliche Gegenwart mehr gibt. Denn die Faschisten können nur die schlichteren und anfälligen Gemüter, gebildet oder nicht erreichen, wenn ihr Gegenwarts-schwachsinn an unseren Zukunftshoffnungen und Erkunden sich abreibt. Nichts gegen das Jetzt, aber alle dagegen, dass nur eine Vergangenheit erlogen wird, damit es keine wirkliche Zukunft zu geben braucht. In allen Demokratien arbeiten die Faschisten daran, das sogenannte „Volk“ aus den Angeln zu heben, scheinbar mit Herrschaft über Freizeit und Gemüt, scheinbar mit simplen Lösungen für komplexe Probleme. In den Altersheimen und Kindergärten der AfD wird es keine Dienstleistung geben, nur die Parteioberschicht wird sich weiter bedienen lassen, aber dann ist es zu spät. Das war schon einmal so. Nicht nur in Deutschland.

Zwischenbemerkung: am 18. Juli 2026 hat Bert Rebhandl im Standard (Wien) eine Rezension der wichtigsten deutschen Reflexionen auf die Gegenwart geschrieben, unter dem Titel: „Vorwärts in die Vergangenheit“. Der Essay ist Vorfeld zum 20. Juli geschrieben (!). Noch vor dem Eingang in die rezensierten Texte schreibt er: „Im Banne der Umfragen, die für die AfD schon lange relative Mehrheiten ausweisen, ist Deutschland zu einem Land geworden, das sich nach seiner Vergangenheit sehnt“. Mehr Bedeutungen sind fast nicht möglich…und es eght um Deutschland und nicht um die östlichen Bundesländer.

Aber am meisten (be)kümmert mich, worin und wie die Demokratie reagiert außer dass sie ablehnend den Faschismus ausgrenzt. Was wir wissen, sollte allen, allen Menschen klar sein: Faschismus ist keine Partei, er ist eine Bewegung, und er ist nicht einfach rechts, er kann auch links oder mittig, religiös oder national sich gerieren. Ich denke immer, dass man mit Elias Canetti oder Umberto Eco und anderen das nicht nur begreifen, sondern auch belegen kann, und immer aktualisieren muss. Das hißt, man muss bei sich, bei uns, mit uns, anfangen, und sich nicht durch die Bewegung der menschlichen Gegner eingrenzen (lassen). Ironisch: Faschismus zu diskutieren und abzulehnen, reicht nicht. Demokratie zu diskutieren und weiterzuentwickeln, reicht auch nicht, ist aber die Voraussetzung, dass wir uns human weiterentwickeln, d.h. auch politisch, moralisch und kulturell. Was reicht denn dann? Nie etwas ganz. Aber überlegt, wie sich unsere Gesellschaft und Demokratie entwickeln und verändern würde, könnten wir nur die ökologischen Maßnahmen bei uns und anderswo weiter entwickeln….Die Kompromisse innerhalb der Demokratie sind auch nicht einfach. Das wissen wir, das wisst ihr. Aber Kompromisse mit den Faschisten, wird ja lokal schon diskutiert, sind etwas ganz anderes.

Ein letztes: wenn ich von Faschismus rede und schreibe, fällt mir immer auf, dass die Deutschen und Teile der Österreicher den Begriff immer aus den Jahren der Hrrschaft der NSDAP ableiten. Faschismus war immer breiter und vielfältiger und widersprüchlicher als die grauenvolle Sonderentwicklung der NSDAP. Die war aber dem Faschismus SO nicht eingezeichnet. Faschisten haben Parteien, wenn, dann immer benutzt, um ihre Bewegungen abzusichern. Man muss, oder: sollte, die Geschichte genauer sich aneignen, um die Differenzen der faschistischen BewegungEN und die möglichen sinnvollen Oppositionen durch und in den Demokratien zu begreifen. Was wir haben, und die Faschisten nicht: Hoffnung

Keine Angst

Auch ein Trostpflaster: wartet einmal ab, OB die AfD überhaupt an die Regierung kommt, und WENN, dann wartet mal ab, WIE sie regieren möchte, und wenn ihr dann weiterhin gegen sie seid, dann rüstet zum WIDERSTAND. Wenn man das Pflaster auf seine Sommersprossen klebt, verkleinert sich die AfD zu einem Pünktchen im Großhirn.

Ich schreibe jetzt nicht gegen oder zur AfD, und ihr konntet schon vorgestern lesen, was ich unter welchen Umständen erwarte, vor allem an Fragen…und natürlich an unserer Haltung. Ich schreibe von allen möglichen „Außen“, und weiß gar nicht recht, wer „(dr)innen“ ist. Die Diskussion um die schlechte Politik während der richtigen Vereinigung von BRD und DDR kann ja historisch Sinn machen, aber so wie sie geführt wird, erinnert sie mich an den den Kampf der weißen gegen die schwarzen Magier. Also überblättern. Ich schreibe lieber zum – Herbst.

Wann ist denn Herbst? Ausnahmsweise keine Rilkegedichte, keine Ölbilder gelber Ahornblätter über braunem Grund, keine Musik mit Datumsgabe in a-moll, keine melancholischen Familienromane, die zu Ende gehen. Mir geht es um die JAHRESZEIT, um gesternheutemorgen. Ich merke den Herbst unter anderem daran, dass es immer dunkler wird, wenn ich um 21.30 mit dem Hund den Häuserblock gehe, dass die halbstarken Laternen wieder leuchten, dass die erste Blätterabsammlung schon erfolgt ist, aber vor allem: die Luft ist anders, sie riecht nach anderen Sonnenunter-gängen und Sternhimmeln. Schon wieder werden Gewitter angekündigt, die uns über die trockene Hitze trösten sollen (peinliche Unehrlichkeit), während wir vielleicht das letzte Mal Bäume und Sträucher sehen, die noch ein dürres Jahr nicht übersehen. Warum ich darüber nachdenke und schreibe? Kluge Leute haben über die Umweltschäden der laufenden Kriege, v.a. Russland gegen die Ukraine, Sudan, USA und Israel gegen Iran und die Golfstaaten nachgedacht, beobachtet – alle haben sie prognostiziert, dass diese Kriege der Erderwörmung und dem Naturzerfall noch mehr Vorschubleisten als schlechte Umweltpolitik subnormaler Regierungen. Ich sagte: Kluge Leute. Leider haben sie die Menschen der Gesellschaft nicht erreicht, – und wenn dann El Nino oder das nepalesische Erdbeben und ein Felsabbruch in den Alpen zusätzlich die Lebenszeit des homo sapiens verkürzen, fällt das den so erträglichen Menschen gar nicht mehr auf. Nun mache ich gerade daraus kein melancholisches Zukunftsszenario. Die Umweltkatastrophen kommen früh genug, für die Politik unserer Kinder und Enkel, dass unsere Versäumnisse nicht weiter anwachsen (ob sie noch einmal geheilt werden? eher nein, bei 2,0° C bald, und 3,0° C noch vor der Jahrhundertwende, und unumkehrbar wird es so weiter gehen). Nein, mir geht es um etwas anderes. Wenn das Ende, der Absturz, der kollektive und nicht individuelle Tod ansteht, also das Sterben einer evolutionären Gattung, – muss man dann die Überlebenszeit so mit Robotern und KI und Blogs kompensieren? Paradoxe Antwort: ja. So hat man immer reagiert, wenn die bisherige Sozioökonomie abgestorben ist. Aber das heißt natürlich, dass die Überbrückung hin zum gesellschaftlichen Tod noch nichts sagt, ob und wie man das Sterben für die Mehrzahl der Menschen erträglich macht, wir sind ja keine Lemminge oder Pinguine. Keine Frage der Philosophie. Hitzeschutz macht das Altern erträglicher, oder? Das Ausblenden des Absterbens des homo sapiens, aufzuhalten, ist kaum möglich, ist unwahrscheinlich; es zu ignorieren ist so ziemlich ident mit der Umweltpolitik der Wirtschaftswachstumsregierungen, auch unserer 0,7 Truppe. Klingt grausig, ist aber realistisch. Und: wir müssen darin und darum ja weiterleben, wir sind eben keine Lemminge. Ihr fragt nochmal, warum ich das schreibe? Oben steht, was politisch und moralisch ansteht. Jetzt mit Umwelt statt mit alternativen Politiken zu reagieren, verändert erstmal uns und dann natürlich schon die Umwelt. Dass wir da abnehmen, individuell, an Körper, Bewegungsmöglichkeiten, Globalerfahrung, dass wir ärmer werden (müssen, nicht strategisch sollen), gehört leider zum Abbau des evolutionären Astes von homo sapiens, an dem wir ja sägen. Was heißt wir? Natürlich Trum, Putin, Xi und andere Diktatoren mehr als wir gerade, wir einzelne? Natürlich Zuckerberg, Gates, die Technos etc. und andere Wirtschaftsdiktatoren, natürlich auch ideologische und religiöse Strömungen, die unsere Ufer zerstören. ABER wäre das so anders, wenn die nicht uns zu kleinen Hilfsarmeen reduzierten? Ja, es wäre anders, aber nicht bei den vielen Dingen, die wir ändern müssen. Machen wir es richtig, haben die eine politische Oberfläche, und die müssen wir auch polieren, nicht nur unser moralisches Selbstbewusstsein.

Naja, ich gehe jetzt in den Herbst. Der ist noch nicht das Ende, über das ich nicht schreibe.

Nach(t)denken

Was wird sein? ist eine der dauerhaftesten Fragen der Menschen. Und die Antworten sind wahlweise komisch, absurd, deprimierend oder gleichgültig. Was wird sein, wenn…das ist schon anders. Was wird bei einem Wahlsieg der Faschisten (AfD), mit oder ohne Unterstützung von BSW, sein? Wer wird wie darauf reagieren müssen, sollen, dürfen, können?

Und wenn die AfD es nicht an die Regierung schafft, dann haben die WählerInnen das das zwar richtig gemacht, aber wie können oder sollen die Regierungen, das 0,7 Merz Regime, reagieren? Was wird dann sein?

Ich stelle mir diese Fragen entgegen den aktuellen Nachrichten der Medien, den Umfragen. Ich schalte mich auch nicht in die Diskussion ein, ob man sich mit welcher Begründung um OSTdeutschland kümmern soll und halte die Geschichte von WESTdeutschland auch längst nebensächlich: was 1979ff. falsch gelaufen ist, wissen wir, historische Fehler können bestenfalls kritisiert, aber nicht rückgängig gemacht werden. Aber man darf sich auch nicht ganz der Gegenwart verschreiben, ohne einen Blick in die Zukunft zu werfen – Was wird dann sein, und was machen wir? Gewinnen die Faschisten die Verwaltungsmacht, dann muss sich und kann sich unser Verhalten ändern. Aber da habe ich eine Vorfrage: wenn unter dem Schutz der AfD öffentlich Bedienstete agieren, waren die nicht schon vor der Wahl auch bei der Partei, mit der Partei? Sind sie es nicht? Das beschäftigt mich schon lange, und manchmal trifft man ja auf solche ParteigängerInnen, unerwartet, überraschend. Werden sie sich unter AfD Schutz ändern, oder bleiben sie, was sie ohnehin schon sind?

Analogien zu früheren Faschismen sind instabil; in mancher Hinsicht richtig, in vieler Hinsicht überholt. In vieler Hinsicht gehen der intellektuell unterbelichtete Faschismus Diskurs und historische Fragwürdigkeiten zum Thema des ansonsten guten Journalisten Gustav Seibt an der Auffassungsgabe der LeserInnen vorbei (SZ 23.8.). Dieser Diskurs ist zur Zeit ständig präsent, in allen Medien und auch in persönlichen Gesprächen, bisweilen unerwartet. Die obigen Fragen werden oft nicht deutlich gestellt. Viele hoffen auf das „Wunder“ der Umkehr vieler WählerInnen im Wahlmoment, auf 5+ % für die SPD und die Grünen, gar die FDP. Aber auf das populistische Selbstbewusstein der AfD direkt einzugehen, wagen viele nicht. Denn es ist nicht einfach, WählerInnen klar zu machen, wie falsch die Position ist, der AfD zur Macht zu verhelfen, wenn man selbst – subjektiv, in der Klasse und Schicht durch die Politik dieser Partei sicher verlieren wird. Aber auch das kennt man aus der Geschichte.

Also was? Die demokratischen Parteien müssen sich (alle? alle.) soweit erneuern, dass es glaubwürdig wird, wenn der Staat viel Soziales reduziert und an vielen öffentlichen Förderungen einspart, um das Sozialsystem und das Kultursystem zu erhalten und sich entwickeln zu lassen (Ihr erinnert euch: Von Umwelt ist abzuleiten, was sozial, bildungsmäßig und ökonomisch zu entwickeln ist). Dabei muss man nicht auf die Faschisten hinhauen, denn die eigene Erneuerung hängt von ihnen nicht so sehr ab, oder?

Beachtet die Fragen in den ersten drei Absätzen. Wie werden wir unter welchen Umständen mit den AfD Aktivisten umgehen und was müssen wir erwarten, dass uns untergraben wird? Diese Diskussion kann auch teilweise dazu führen, uns selbst zu erneuern – wir müssen Abschied nehmen auch von unserer eigenen Einbettung in scheinbar friedlich, schein sozial gerechte Wirklichkeiten, die zu viele Menschen ausgeschlossen haben, und nur von wenigen, zu machtvollen Menschen, dirigiert werden. Das wird mehr sein als eine Steuerdebatte.

Zeitloser Herbst

Wenn man durch die Landschaft wandert, ausdauernd und mit dem Hund, freut man sich, dass es doch geregnet hat, wenigstens ein paar Tropfen. Aber bei starkem Wind sollte man auch nicht in die schönen Wälder gehen, zu viele trockene Äste fallen aus den Bäumen oder liegen schon am Weg, große und schwere Äste, keine Zweiglein.

Auf den größeren Wiesen ist das Gras noch trocken. Die meisten Blumen sind blau, violett oder weiß, kaum mehr gelb, und rot sowieso nicht. Wenig Pilze, nur ein paar weiße Falter, kaum Insekten. Die Wälder schauen auch von außen schön aus, Bäche und kleinere Tümpel sind ausgetrocknet, der Boden ist steinhart.

Was ist daran so schön? Die Erinnerung. Erstmals an Zeiten wie früher und was alles schöner und besser war – stimmt natürlich nicht, und frühere Schäden und arge Perioden werden verdrängt. Aber denkt man nach, hat sich doch vieles geändert. Und leider können wir unseren Kindern und Enkeln nur mehr erzählen, was sich in der Natur nicht mehr zeigen und beschreiben lässt. Und dann: ganz andere Vorstellungen von Umwelt und Entwicklung der Zukunft als, sagen wir, 1968 (als symbolisches Jahr von uns im Westen). Das klingt seltsam, es war auch im Osten anders, aber man kann es nachzeichnen und belegen. Spannend. Mich interessiert auch und vor allem, wie diese Vorstellungen entstanden sind. Es klingt fast wie ein Witz, aber Gesellschaft und Politik waren unser Rahmen, Natur und Freizeit bestenfalls in den Lücken – naja, ehrlich: doch nicht so, es gab viele Ausweichungen. Aber mit der Übernahme der amerikanischen Kultur bei gleichzeitig zunehmender Ablehnung der US Politik entstand mit uns eine Generation, die nach dem Weltkrieg so nicht wirklich bei uns erwartet worden war. Und wir waren natürlich nicht ganz. Dieser Befund gilt übrigens auch später, für die nächsten Generationen. Aber was „ganz“ bedeutet, darüber kann man nachdenken, auch wenn man weiß, dass keine neue Generation jemals ganz war und ist – und die alten Generation erst recht nicht. Aber dann ist die idealistische Vorstellung von Ganzheit nicht haltbar, außer in der Utopie.

Und jetzt denke ich wieder an meine Wanderungen durch die geschändete Natur und die Blödheit, mit der manche, viele, Politiker sowohl das Klima als auch das Wetter klein reden. Es ist schon gut und richtig, sich der Natur als Möglichkeit des Überlebens menschlicher Evolution mehr als nur auf Postkarten zu widmen. Aber das Überleben ist für die Gegenwartspopen keine Frage, wenn es ohnedies keine Zukunft mehr gibt. Das gilt vor allem, wenn man die jungen Generationen gar nicht im Blick hat. Daraus aber sollte, denke ich, müsste man POLITIK machen. Das ist das Alternativprogramm zum gegenwartsintensen Faschismus. Ja schon, aber dazu muss man die Demokratie schon auch weiterentwickeln.

Ausweglos? Trump oder unser Absturz.

Nach wie vor: keine Untergangsstimmung oder Endzeit; auch keine konkrete Aussicht auf US Politik nach dem Ende von Trump. Aber leider auch kein Ausweichen der Tatsache, dass Trump im Zentrum der Weltpolitik nsteht, ob nun die USA langfristig schwächer werden oder ob China sie ersetzt.

Mark Danner, Berkeley, bekannt als kritischer Pädagoge, rezensiert eine wichtige Zusammenfassung NYRB #13/2026): Maggie Haberman und Jonathan Swan, beide Redakteure der NYT, schreiben: Regime Change. Inside the Imperial Presidency of Donald Trump. (Simon and Schuster 2026).

Nicht nur ich sammeln Presse und Analysen zu den Herrschaftsformen von Diktatoren, Putin, Xi, Trump…und, das ist wichtig, ihren untergebenen Politikern. Viele, in den US und weltweit, sind politisch und kulturell Trumpisten, ob sie es wollen oder nicht. Von ihnen wiederum sind viele kriminell – oder, wie in den USA, unterwürfig zu Trump zurückgekrochen – das kostete sie 1,9 Mrd. $ (nur Börsenchefs) an Spenden. Aber das ist nur die Oberfläche: die diktatorische Exekutive wird allenfalls am Rand durch die Justiz und kaum durch den Kongress, eher durch einige Staaten in ihrer Legislative – begrenzt oder bedrückt. Entscheidend ist, dass die Lüge des Diktators inländisch und international als Machtmittel und nicht als Lüge wahrgenommen werden will. Also, dass ein großer Teil des Volks dahinter steht – des Volks, nicht einfach der Bürgerinnen und Bürger. Darüber muss man in der Diktatur nachdenken, nicht nur in den USA.

Nun, die Informationen sind interessant, epinlich, und gut zugänglich. Auch bei uns. Aber es sollte uns interessieren, in welchen Bereichen wir dem Trumpismus uns unterwerfen, nicht nur in den Geldtransfers weltweit, nicht nur im IT Bereich. Wie die Wissenschaft degradiert oder entstellt wird, wie die Entwicklungspolitik auch bei uns heruntergefahren wird, – das sind auch Folgen von Trumps Politik, nicht nur. Ich denke dabei an die nächste Generation, der viel mehr Bildung entzogen wird, als wir erwerben durften – und konnten, weil u.a. die USA eine Nachkriegspolitik machten, nicht nur zu unseren, auch zu ihren Gunsten, nicht nur fehler- und moralfrei, aber erträglich, verhandelbar und vor allem kommuniziert. Das geht heute kaum mehr.

Regime Change braucht Hilfskräfte und Unterstützer, weltweit. Wir sind Teil davon. Wir werden uns nicht etwas von den USA befreien, wenn wir weiter an der Festung Europa, an den Grenzvergehen des rechten Regierungsflügels, an dem Sozialabbau der unteren Schichten bauen. Und natürlich sind andere Diktaturen auch keine Alternative, unterzukriechen. Zu diesem Thema sollten wir immer und immer wieder die individuellen Schicksale auch studieren, Schicksale der Flüchtlinge, der Asylanten, der Armen schlicht – nicht Statistiken, sondern Lebensläufe.

Das hat viel mit unserer innenpolitischen Realität, mit den nächsten Wahlen, mit dem Widerstand gegen eine Exekutive der Eindämmungen zu tun, aber auch mit der selbstkritischen Wahrnehmung unserer Freiheiten, die oft nur wohlständisch, aber nicht gerecht sind. Das trifft viele von uns, immer wieder. Es baut uns nicht ab.

Rechts ist nicht neu. Aber anderes auch nicht….

Die letzten Tage haben viel politpsychologische Abdeckungen zerrissen oder löchrig gemacht. Das zeigt sich in der Sprache und Kommunikation, wenn die Zuständigen und die (angeblich oder echten) Sachverständigen, Zuständigen, über Trump, über Netanjahu und Ben Gvir, über Putin, über unsere Struktur- und Bildungsschwächen öffentlich sprechen oder Schweigekulissen aufbauen. Ich bin Frau Knobloch wirklich dankbar für ihren Vergleich der AfD mit der NSDAP (aus vielen Journalen: Knobloch über AfD und NSDAP: „Vergleichen sollte man“). Sie war innerhalb des deutschen Judentums nicht mein Idol, umso wichtiger, was uns zusammenfasst: Erkenntnis der Wirklichkeit, nicht abgedämpfte Vorsicht vor falscher Kritik. Was also die Knobloch gestern sagte, was Stephan J. Kramer heute im DLF von sich gab, das ist wichtig – wenn der Faschismus droht, hat Abwägen eine ambivalente Bedeutung. „Bundespolitik: Knobloch: „Bei AfD-Regierungsübernahme in Sachsen-Anhalt werden Juden auswandern““, das sagt sie heute (21.8.) muss man nachdenken. Wohin sollen sie auswandern? Ernsthaft.

Aber weiter: was bei uns ist, ist nicht nur bei uns.

Ein gut gemeinter Artikel geht daneben: „Israel. Eine Verteidigung“ von Jan Ross (ZEIT #36, 20.8.2026) wendet sich gegen ungerechte Kritik oder Verurteilung Israels, aber shon im Untertitel wendet er sich gegen die deutsche Unterstellung, Israel sei ein „Schurkenstaat“. Das sagenn nun wirklich nicht die meisten Kritiker, sondern es geht um den Abbau einer wichtigen Demokratie in Nahost, um grausame und unmenschliche Handlungen im Gaza, und um die faktische Abkehr von jeglicher Zweistaatenlösung. Aber eben nicht „Schurken“, sondern teilweise Faschisten, teilweise US Untergebene, teilweise aber auch eine rechtsgerichtete Entwicklung der Bevölkerung, an der sicher auch die Palästinenser ihren Anteil haben – aber eben nur einen Anteil. Hätte Ross doch etwas mehr Geschichte eingebracht, und sich nicht nur auf Schlomo Ben-Ami beziehen, da gibt es auch andere Diplomaten, die anders kritisch zu Netanjahu stehen, es gibt Literatur und Kunst…und, da hätte Ross recht, eben eine immer fester verbunkerte Position der Verteidigung Israels gegen die herausgehobene Besonderheit dieses Landes – das muss mann aber historisch und systematisch beschreiben, sonst verstehen nur wir es, aber nicht die Gegner Israels und die Antisemiten. Naja, Ross steht nicht im Zentrum von Kritik.

Ich will auf etwas anderes hinaus: Kritik an Israel muss sich entscheiden: politisch, ökonomisch, militärisch – wie an jedem anderen zu Recht kritisierten Staat, ODER an der Besonderheit des Verhältnisses von Juden (ethnisch) zu jüdisch (ethisch, sozial, kulturell), mit der besonderen Verbindung der beiden durch die Religion. (Weil Israel so alt ist, und die Religion sehr früh andere gesellschaftliche Strukturen als anderswo beeinflusst hatte. Es gibt auch einige andere Beispiele dieser Art, aber die kennt in Europa niemand). In beiden Fällen muss man Geschichte und Struktur erkennbar und erklärbar machen. Und man muss deutlich machen, welche Mächte (nicht einfach: Personen) in den letzten 120 Jahren in Palästina bzw. ab 1948 Israel eingegriffen haben, und weshalb und wie, und wie sich das demokratische Israel, mehr oder weniger erfolgreich, diese Eingriffe bewältigt, bis heute. Dann muss man über dieses Land denken und sprechen, über die jüdische und die anderen Bevölkerungen, Einwanderungen, religiöse und soziale Hintergründe etc.

Hier schließt sich der Kreis zum Anfang.

Erfahrungen: * 2009 wählte ein berühmter, auch in Europa bekannter Philosoph und Psychologe, Netanjahu, weil ihm die „Doppelmoral“ der Zionisten auf die Nerven ging – er hat das zwar bereut, aber immerhin…* In den 90er Jahren und Anfang des 21. Jhdts. erlebte ich das Kulturleben, vor allem Kunst, Cinema, Diskussionen in Tel Aviv so vielfältig wie komplex: aber ich konnte und kann bis heute nicht genau sagen, wer damals wie „jüdisch“ bzw. nicht-jüdisch war – auf die Genauigkeit kommt es den Antisemiten in diesem Punkt an…*jetzt könnte ich ganz viele Beispiele angeben, auch seitenweise Literatur. Mache ich natürlich hier nicht. Aber, da hätte Jan Ross tiefer einsteigen sollen, ohne die Verarbeitung der Geschichte empirisch, nicht illusionär – der letzten 12 Jahrzehnte kann man Israel nicht verstehen und seine Vorgeschichte. Und die Geschichte der anderen ethnischen Gruppen, nicht nur der Palästinenser, sollte man auch im Kontext so weit kennen, dass man die jüdische (Re)aktion jeweils versteht. Nicht ganz angenehm aus europäischer, aus deutscher Sicht, aber doch auch ertrag- und hoffnungsreich.

Ich hätte nach dem ersten Absatz nicht über Israel denken und schreiben müssen. Ich hätte viele Länder und Politiken heranziehen können. Aber das ist eben ein Gewicht, das auch auf mein Leben drückt…

Rechts, oft faschistisch, real

Es ist natürlich, dass sich vernünftige Menschen gegen die Aussagen und Handlungen des Faschisten Ben Gvir wenden. Es geht nicht anders. Aber nicht jeder rechtsradikale ist ein Faschist, und nicht jeder Rechte ist rechtsradikal.

Die Frage in Deutschland ist schon wichtig, wo Dobrindt steht. „Psychische Auffälligkeiten sind kein Grund für einen Abschiebestopp. Kriegs- und Fluchterlebnisse werden immer wieder auch vorgetragen, das kann oft der Realität entsprechen. Aber überspitzt formuliert: Deutschland kann nicht zuständig sein für alle Traumatisierten auf der Welt. Auch diese Erkenntnis ist in unserer Gesellschaft inzwischen angekommen.“ (Merkur 19.8.26). Überspitzt ist nicht formuliert allein, sondern das rechtslastige Bewusstsein der Deutschen Minderheit. Nun ist Dobrindt nicht Ben Gvir, und Ben Gvir nicht Netanjahu. Worauf ich hinaus will: man muss Personen und ihr gesellschaftliches Feld untersuchen, um sie zu verstehen, und da spielen immer auch Anhänger, Untergebene, Ängstliche und ,,, eine Rolle.

Israel spielt zur Zeit eine Rolle, als rechtsradikale Regierung, als noch nicht entschiedene antidemokratische Wählermehrheit, als Mythos im Bewusstsein von Deutschland, als untergebener Dienstleister für die USA. Auch dort ist der Rassismus, zB. gegen den Europäischen Gerichtshof, zugleich global und lokal.

Man kann das alles analysieren und anordnen, zuordnen, verknüpfen oder kontingent halten. Man kann, muss aber nicht die eigenen Vorbehalte der Analyse zum verstecken oder verflachen benutzen. Wir befinden uns in einer globalen Auseinandersetzung von Faschismen gegen Demokratien, in einem höchst unebenen Gelände politischer Beziehungen. Einzelne Ereignisse, auch Personenbewertungen, können wie Wegweiser erscheinen, sie nehmen aber niemandem den Weg ab. Ich frage die vorschnellen Meinungsbilder: woher kommt Ben Gvir, was ist sein ethnischer, ideologischer Hintergrund, wie steht er zur Shoah, wie kommt sein Aufstieg in Israel zustande? Selbst unvollkommene Antworten würden den Rahmen eines schnellen Essays sprengen, aber: man kann doch viel wissen. Warum dieser Mann von vielen in Israel unterstützt wird, das ist eine Geschichte, ohne die man nicht versteht, was gestern und morgen geschieht. Und ich frage zusätzlich, was es mit dem Judentum, mit Juden und mit jüdisch zu tun hat, wenn der jüdische Staat faschistische Elemente in seine Regierungsherrschaft einbaut. Die Antwort ist auch, dass man in der Geschichte des Staates Israel und in seiner Behandlung durch andere weit zurückgehen muss, um davon einiges zu wissen, nicht einfach zu ahnen.

Auch Dobrindt kann man untersuchen und genauer unter die sozialen und kulturellen Verbindungen stellen. Unterschiede innerhalb des rechten Lagers, auch zur radikalen Rechten, auch zum und im Faschismus sind keine spontanen Eingebungen. Bevor man sie denken kann, muss man sie wahrnehmen, beobachten, einschätzen…

*

Darüber wollte ich eigentlich heute gar nicht räsonieren, aber die Nachrichten haben mich gedrängt. Das ist ein Rahmenthema, was man zur Kenntnis nehmen kann und was nicht so offensichtlich ist. Aber versucht einmal, hinter Namen und Erscheinungen Teile der Wirklichkeit für euch, einmal nur für euch, zu festigen… es rinnt und fließt nicht alles dauernd aus dem Bewusstsein weg, weil Neues auftaucht.

Eigentlich wollte ich heute darüber räsonieren, warum die Landwirtschaft, kaum ist die Hitze unterbrochen, schon wieder fordert, die Umwelt einzuschränken, bevor der Umgang mit dem Wetter in ein Konzept eingeordnet wird. Aber das hat noch ein wenig Zeit. 7% weniger Getreideernte…nicht so gut, aber in Kriegsländern gar keine Ernte. Das hören wir heute, vor allen anderen Nachrichten.

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Es wird kälter und ungemütlich

Ein österreichischer Freund fragt nach dem Sinn und Inhalt des Titelbilds im letzten SPIEGEL, ein AfD Spitzenpolitiker. Das ist ja nicht Werbung, sondern ein Aufruf – wozu? Wachsamkeit oder Vorsicht? Ablehnung? Resignation? In Österreich, wo die FPÖ ähnlich wie AfD, aber noch stärker ist, wäre das Bild in einer demokratischen Zeitung nicht möglich. Aber ehrlich: überall sind Putin und Trump titelbildfähig, oft mehrmals…wir müssen Journalismus im Zeitalter der IT, der Blogs und Memes, der auch immer wieder neu bewerten. Von Bildern allein können wir wenig lernen, vom Artikel im Inneren der Zeitschrift mehr (bei schlechten Journalen aber: weniger). Der Hinweis ist wichtig, weil ja zB. die Bilder des englischen Suizidopfers allein auch nicht viel gesagt haben, da muss man schon Informationen haben und im Kontext nachdenken).

Mit Bildern kann man Politik nur in bestimmten Sektoren beeinflussen. Die Zeit, wo ausgemalte Kirchenfresken die Textunkenntnis überbrückten, sind lange vorbei.

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Was wird sich ändern, sollten die Faschisten tatsächlich regionale Wahlen gewinnen; oder sollte die französische Rechte die Präsidentschaftswahlen gewinnen? Dass sich vieles ändert, zeichnet sich längst ab. z.B. in der Beziehung zur italienischen Regierung. z.B. in den lokalen Beziehung mit den rechten Parteien, oder in Österreich mit Koalitionen und Bürgermeistern von der FPÖ. Oder in teilweisen Annäherungen von Wagenknecht mit den Rechten, auch inhaltlich. Das „Oder“ ist nicht leichtfertig. Überall in Europa stehen die Demokratien unter Druck, weil die Faschisten ja teilweise anders erscheinen als der Vergangenheitsmythos der Nazis.

Das mag euch übertrieben erscheinen, oder zu ungenau? Richtig. Denn ich vertrete ja keine festgelegte Politik, sondern stehe vor dem Realitätsgemälde gefährdeter Demokratien und Realitätsangriffen der Faschisten. Darum verwende ich auch längst nicht mehr analytisch rechts-links-mitte, weil das nicht wirklich aussagt, was die entscheidenden Unterschiede zwischen Faschismus und Demokratie sind, genauer: Faschismen und Demokratien. Schon das alles in Bewegung ist, sollte uns aufmerksam machen; dass die Umwelt in den Hintergrund tritt, ist für eine zukunftsleere faschistische Vision gleichgültig, sie zerstört die Gesellschaft der Gegenwart; dass die Wirtschaft der wohlhabenden Bereiche nicht weiter wachsen kann und soll, ist auch für die Zukunft wichtig; und dass die Retrohistorie der Gegner von Bildung und Kritik im Aufwind ist, können weir bei uns und anderswo in Europa studieren. Der letzte Punkt ist einer, den ich für die alltägliche Praxis für uns alle wichtig finde. Denn es gibt keinen Moment, in dem es nicht Bedeutung haben kann, nachzufragen, nachzudenken, zu wissen oder zu überlegen, wo man uns einredet, entweder zu ahnen oder Ergebnisse einfach zu akzeptieren sei wichtig.

Das schreibe ich an einem Morgen, der angenehm kühl ist, weit weg von den Rauchfahnen zerstörter Wälder und Moore, weit weg von akuten Angriffsaktionen, weit weg von der Angst, wir könnten der nächste Nachtisch der Diktaturen sein.

Was hat das mit den Spitzenpolitikern der Demokratiefeinde zu tun? Sie vertreten die These, die Machtübernahme der Gegenwart würde zu den Problemen auch Lösungen präsentieren (weil sie noch nicht regieren, haben sie jetzt natürlich keine Lösungen). Noch behindern wir DemokratInnen („System“) die Erwartung, dass die faschistische Bewegung Brot und Spiele serviert, wo es ohnedies keine Zukunft geben wird, wenn die AfD, die FPÖ, der FN usw. regieren. Schaut genau auf Italien: nicht was Meloni außenpolitisch macht, sondern wie das im Inneren vor sich geht – die Kultur, das Wissen, die soziale Beständigkeit zu untergraben, das steht auch anderen Ländern bevor, nicht über Nacht, aber auch nicht als Zeitalter.

Ich weiß nicht mehr, welche Sage das war: aber Überleben lag daran, dass niemand einschlief, dass man wach bleiben musste, und sei es bis zur Erschöpfung. Das passt nicht zum sog. Schicksal, oder zur Religion, aber es passt zu einer Realität, wo man nicht bei jedem neuen Ereignis sich wundert, sondern eher reagieren kann.

Dem Mythos, aufzuwachen und das Wahlergebnis als Realität zu genißen, sollten wir nicht erliegen. Der echte Mythos ist aufzuwachen und die Wirklichkeit wahrzunehmen. Überlegen und Überleben, das klingt schon ähnlich gut.

Wasser des Überlebens

Bin zur Zeit in Österreich, einem Land ohne Meeresküste und binnenländischer Wasserknappheit. Die Donau ist flach und gibt Unerwünschtes am Grund frei, die Seen sind fast alle zu wenig gefüllt. Bis auf meinen Heimat-Traunsee, der hat viel Wasser, weil die Gletscher schneller in die Traun abschmelzen. Das Wetter ist kontinental heiß, Wien besonders. Vorboten trockener Jahre, wenn das Wasserknapp wird, entstehen neue Kulturvarianten und am Ende Flucht oder Vertrocknung. Habe ich alles schon gesehen, nur nicht bei uns. Aber vorher gesagt war es schon lange.

In den Salzburger Nachrichten, einer der größeren Tageszeitungen, gab es vorgestern, am 8.8., im Lokalteil eine vielseitige Darstellung der Wassernot: „Die Quellen versiegen, Feuerwehr liefert Wasser“, „Wasser ist Mangelware“, „Der Blick in den eigenen Brunnen genügt nicht“, sind einige Überschriften. Liest man genau, gilt Wasser als Ware, als Produkt, Handelsobjekt. Erinnerungen an meine Jugend am Traunsee und an der Traun, an Überflutungen und Hochwasser überdecken frühere Trockenperioden. Wir waren durchaus gesegnet, kann man so sagen. Dass die Computergiganten mehr noch als die edlen Golfplätze wirklich viel Wasser den Menschen entziehen, um AI zu füttern, führt nicht nur in den USA zu Widerstand, aber offensichtlich noch wirkungslos. Erst müssen mehr Menschen verdursten und eintrocknen. Und bei uns? Wenn die Gletscher abgeschmolzen sind (5-10 Jahre), wenn es weiterhin kaum schneit und wenig regnet, wenn Gewitter nur Wasser an der Oberfläche abfließen lassen, wenn Brunnen und Grundwasser austrocknen…dann wird sich in absehbarer Zeit ein Teil der nicht umkehrbaren ökologischen Endzeit verwirklichen. Trotz aller Aktionen einer Erdöl und Gas-orientierten Bundesregierungen mangelnder Intelligenz. Nicht nur in D und Ö und…Dass nicht nur die Antidemokraten und Faschisten nicht an die Zukunft vor allem der Kinder und Enkel denken, ist bedenklich. Wutausbrüche haben keinen Sinn, eher ist wichtig, Formen des Widerstands politisch und der Änderung der eigenen Lebensweisen zu revidieren. Was politisch eben in die Weiterentwicklung der Demokratie, nicht des Wirtschaftswachstums eingreift. Mehr Bildung, mehr Soziales, weniger Wachstum, Reisen, Konsum…ja, das ist eine Variante des Nachkriegs. Und zwar in einer Welt abgeflachter Reaktionen auf Kriege, die nicht nur Menschen, sondern auch die Umwelt dauerhaft vernichten.

XX

Zurück zum Wasser. Überlebenswichtig und eng zu verteilen. Mythisch, in heiligen Schriften und widerständigen Oppositionen, spielen Wasser und Feuer die beiden fokalen Aspekte der Entwicklung, Vernichtung, Verdichtung…diese Bilder gehen in der Aufklärung verloren, aber bei der Wasserkraft und dem Hochofen spielen da noch einige Nachträge mit. Und das hilft uns heute nur zur Formulierung von Politik, wo es um faktische und irreversible Naturzerstörung geht. Der Kampf gegen die verschwenderischen Herrschaftsformen, nicht nur Rechenzentren, auch Baumwollhemden und Rasenfeuchter, wird sich schneller zuspitzen als die meisten von sich geben, und natürlich wird sich die Fluchtbewegung beschleunigen, Migration wird den völkischen Widerständlern nicht einmal das Hirn befeuchten. Wenn ihr diesen Argumenten folgen könnt und wollt, überlegt bitte, was das mit eurem persönlichen Lebensaspekt zu tun hat, so wie ich nachdenke, was ich für mich ändern kann und soll, obwohl es hier nicht um individuelles Verhalten allein geht, was ja vorgeschoben wird, damit Staat und Kapital nicht handeln müssen. Kkeine trockene Zukunft, wäre ein Slogan.

Sommerbeben

Drei Stunden lang heftiger Regen, Donner und Blitz, bis in den frühen Morgen. Trotzdem sehr warm.

Widersprüche, Wetter und Politik und Kultur und Ausblick in die Zukunft. Ich bin zu Beginn meines liebsten Sommermonats weder pessimistisch noch zukunftstrunken, und Nachdenklichkeit sagt nur etwas, wenn man weiter denkt und etwas zu sagen hat.

Das habe ich heute: frage mich, warum ich die schlechte unwirkliche Zukunftsglobalität der Nachrichten, der meisten Analysen, der eigenen Vorausgedanken fast nur mehr als Pflicht und ohne die Neigung der Eingriffe in den Tagesablauf wahrnehme. Ich lass es nicht, obwohl ich es könnte. Der Unsinn der Wirklichkeit ist auf allen Gebieten zu nah an den Alternativen, die man Reform oder Lösung nennen sollte.

Einschnitt: Das Regenwetter animiert mich, Park, Pflanzen, Balkonien, wenigstens bei uns, bei mir, aber auch der Blick auf die austrocknende Erde, die beides produziert: Dürre und Flüchtlinge. Die Flüchtlinge wird die EU, werden Länder und Politiker nicht eindämmen können – ich habe die letzte Szene der Götterdämmerung vor Augen, vor vielen Jahrzehnten in Oldenburg, als die Flut anbrandete und die Festung zerbröckelte. Festung Europa – weiß, ältlich, fremdenfeindlich…nur teilweise, gottseidank, nicht gänzlich faschistisch oder anderswie undemokratisch

Denke ich nach, warum viele sich ausklinken, sozusagen ohne Aufklärung sich der alltäglichen Meinungsflut hingeben, dann nehme ich nicht gleich pswychologische oder soziologische Erklärungen, sondern versuche, in der Evolution einen Status der Stagnation oder der stark verlangsamten Hinhalteentwicklung zu sehen – die Erfindungen der Eliten haben die Entwicklung weitgehend überholt?! Das ist zu simpel, aber nicht wirklich gegen die Evolution gedacht. Das hat dann ökonomische Gründe, die Politik wurde „überholt“. Dagegen kann man etwas machen, immer – und auch politisch, aber auch persönlich. Primitives Wort, „Denken“, aber richtig: man kann soviel mehr durchschauen, wenn man sich ans Thema traut, wenn man nicht einfach glaubt, was einem gefällt…so, jetzt könnte ich hier weiter ausführen, kehre aber zum Augustregen zurück:

Umwelt und Witterung sind mit die wicghtigsten Ausgangspunkte für fast alles, jedenfalls Kultur, Soziales, Politik. Nicht umgekehrt. Das ist trivial und richtig. Wenn ich daran denke, wie sich die Politik verdreht, nur um durch keine Störung bedroht zu werden, dann ist es entweder lächerlich oder bedrohlich, Merz oder Putin…NN oder Trump, Xi, und ich füge immer Netanjahu hinzu, der leider beides ist, und den man nicht immer mit den Terroristen ins Boot setzen muss (was ihn ja entlasten sollte). Nur: Dürre und globale Flüchtlingsbewegungen sind unvermeidlich, mit oder ohne stärkere Investitionen in die Dritte Welt – wir sind am minimierenden Ast der Evolution, zumindest zur Zeit. Daraus folgt für mich der Vorrang der Umweltpolitik vor den Wohlstandsphantasien, und natürlich der Schutz unserer Kinder und Enkel vor der Individualisierung durch den Vorzug der Robotik. Die Wendung wundert euch?

Das ist mir wichtig. Die dauernde Perspektive des evolutionären Ersatzes durch die Roboter, KI etc. ist schon ein wichtiges Thema, aber keine Zeitbestimmung oder realistische Prognose. Dazu kann man aus der Flut der Nachrichten wirklich hilfreich lesen…nämlich kritisch. (Heute wieder: Thomas Metzinger in der SZ 1.8.26, und wichtig: Rainer Mülhoff: KI) Das ist für die obige These wirklich wichtig, weil die Illusion einer KI gestützten Überlegenheit gegenüber der menschlichen evolutionären Denkweise entweder in absehbaren Zeiträumen einfach unsinnig ist – oder einer kleinen technopolitischen Elitem die Chance gibt, die Menschheit auf Erden zu verlassen und in eine für sie lebenslange „Urlaubsexklave“ zu fliegen. Die Illusion ist so absurd wie die Vorstellung, künstlich Gold herstellen zu können…