Ich hatte mehrfach den Hinweis auf den den Terror der Aktualität (Améry) gegeben. Ein wichtiges großes Beispiel: wer das Verhalten Israels aus der Geschichte ausblendet und nur wahrnimmt, wie der kleinkriminelle Ministerpräsident Netanjahu heute handelt, blendet die Geschichte, wie es dazu gekommen ist, aus. Hier mein Ratschlag: bevor ihr entweder Milde walten lasst oder noch grimmiger vorzugehen ratet, denkt euch ein Experiment: ab dem 7. Oktober 23 regieren demokratische Parteien und die diplomatischen Beziehungen nicht nur zu den USA, auch zur EU und zur UNO sind intakt, d.h. auch dort agieren tadellose demokratische Kräfte. WIE ANDERS hätte die israelische Regierung auf den terroristischen Angriff der Hamas reagieren können, müssen, sollen? Die Antwort kann nicht mit einer Reaktion auf die aktuelle Lage heute sinnvoll gegeben werden.
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Ein kleines Beispiel: in Brandenburg möchte der Ministerpräsident Woidke mit dem linksfaschistischen BSW Koalitionsgespräche führen. Vgl. https://www.msn.com/de-de/nachrichten/politik/brandenburg-spd-und-bsw-billigen-koalitionsverhandlungen/ar-AA1t39Ji?ocid=msedgntp&pc=U531&cvid=ba2c70b7350e4077b1e77d1a4562fa60&ei=14 und https://www.msn.com/de-de/nachrichten/politik/erste-pl%C3%A4ne-vorgestellt-spd-und-bsw-wollen-in-brandenburg-gemeinsam-regieren/ar-AA1t3vaO?cid=msedgntp&pc=U531&cvid=6bad4398fe3c4c8ba820a6f404620236&ei=66. Das kann man nur erklären, wenn man die jüngste Geschichte, also die Wahlvergangenheit in diesem Land Brandenburg und Woidkes Verhalten gegenüber Grünen und CDU wieder aufruft und – vor allem – versteht. Da wollte einer Nr. 1 werden, oder abtreten. Und wie er Nr. 1 wurde, hat er sich in Abhängigkeit vom BSW begeben. Ohne die Vorgeschichte ist das nicht zu verstehen, also verdrängt die letzten Monate nicht.
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Wendet euch für einen Augenblick vom dauernden Räsonnieren, und Kommentieren, und Kritisieren der permanenten Kriegs- und Wirtschaftskrisen ab. Für einen Augenblick, nicht dauernd. Bedenkt nur, wer euch beim Nachdenken zum Dialog verhilft, wer euch zusieht oder zuhört. Es sind nicht nur Selbstgespräche, ich weiß, „man denkt“ ja nach, aber es scheint, dass man sich oft in der endlosen Schleife des Reiters in der Prärie am Jacinto befindet (Charles Sealsfield 1905). Je öfter man in der eigenen Spur reitet, desto breiter und richtiger erscheint einem die Hauptstraße – nur führt sie an kein Ziel als ihre eigene Wiederholung. Es lohnt wirklich, den eigenen „Ort“ des Nachdenkens über Politik und tatsächliches Geschehen einmal zu reflektieren, auch wenn das sich wie seltsame Philosophie liest. Aber der Test ist einfach: warum interessiert mich der Krieg der Russen gegen die Ukraine, warum beunruhigt mich der Nahostkonflikt, wie kann man den afghanischen Frauen wirklich helfen? Alles richtige Fragen, aber: die Antworten setzen nicht nur auf Lernen, Wissenserweiterung usw., sondern auf bestimmte Formen des Dialogs, der Auseinandersetzung und nicht nur auf die eigene Selbstvergewisserung (ich erkenne meine eigene Spur, wenn ich zum x-ten Mal in ihr reite….). Und deshalb meine Aufforderung: wendet euch einen Augenblick davon ab, in dieser Endlosschleife euch zu vervollkommnen oder zu resignieren, weil man so natürlich nichts tun kann. Also: was tun? Ich habe ja keine Ratschläge wie: geht spazieren, lüftet euren Kopf aus, lest etwas lustiges oder kocht eine gute Suppe. Das meine ich ja nicht. Sondern: schaut einmal wirklich auf die Antworten zu den obigen Fragen.
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Die Antworten sind euch eingeschrieben, und sie verweisen auf etwas wichtiges: alle Kriege, Ungerechtigkeiten, internationalen Spannungen etc. gehen zu Lasten der Umwelt, und wenn die nicht das wirkliche Ziel ist, bleiben viele Meinungen zur Politik, was sie sind, Meinungen.
Das ist realistisch, nicht philosophisch (schon wieder muss ich mich verteidigen, aber es geht mir auch um Begriffsstrenge). Da gibt es ja noch eine Frage: warum haben die Faschisten überall so viel Erfolg? weil sie keine Zukunft kennen, an ihre jeweiligen Führer gebunden sind und sich keine Gedanken darüber machen, was nach ihnen kommt. Können sie nicht und wollen sie nicht. Jetzt herrschen, jetzt Macht ausüben, und noch kann man atmen.