Winterspiele

Ich habe schon lange keine Freude mehr an sogenannten OLYMPISCHEN WINTERSPIELEN: ich begrtünde das nicht, schaue einfach selten hin und zu. Die POLITISCHEN WINTERSPIELE sind auch Wettkämpfe, und zu denen braucht man keine Freude haben, auch keine Gefühle. Aber mal ehrlich: wer von uns hätte das alles so sehr vorausgesehen? Ich hatte ja, oft kritisiert, den dritten Weltkrieg vorhergesagt, und begründet, wie anders er sich von den beiden vorigen unterscheidet, und bin bis vor kurzem ziemlich allein damit geblieben; und ich hatte eher unterschätzt, wie schnell und erfolgreich die drei Nukleardiktaturen kleinere Tyranneien zerstören oder unterwerfen können oder sich diese Diktaturen hilfreich untergeben machen. Das führt nicht zur Melancholie, sondern zur polit-depressiven Realität. Die Reaktion aber sollte nicht depri sein, sondern wir müssen im Bewusstsein den Widerstand aufbauen, bevor wir darüber reden, welche Hypermacht wir wie ablehnen und nicht de facto unterstützen. Und dazu schreibe ich jetzt nicht. Bedenke es, und ziehe bald Schlüsse, aber nicht sofort … Israel, Gaza, Grönland, Ukraine…dazu sind spontane Urteile vielleicht zu leichtgewichtig.

NEIN: WINTER, DAS IST MEHR ALS GEFRORENE VERNUNFT. Es ist kalt, man kann nur vorsichtig gehen, die Kliniken sind vollgestopft mit Glatteisopfern, selbst- und fremdverschuldet. Dabei ist dieser Wintertag schön wie lange nicht. Straßen und Gehwege sind weiß, nicht nur die Bäume. Es wie eine Erinnerung an unsere Winter. Denn natürlich hindern diese Tage nicht die Welt oder nur unseren Kontinent, wärmer denn je zu werden. Aber dieses früher war nicht nur wintriger im Winter, es hat unser Gefühl für Jahreszeiten anders geprägt als die heutige Klimaentwicklung. Schuberts Winterreise war eben keine Sommerreise, und Rilkes Herbstgedichte passen nicht in die Osterzeit. Nebbich? Die scharfkantige Erinnerung ist so ein Element des geänderten Zeitbewußtseins. Der Meteorologe im Fernsehen ist geradezu lyrisch bei der Ausnahmeprognose auf das Wetter in den nächsten Tagen. Und wenn ich mich nicht mit dem Wetter befasse, sondern es genieße, ungestört lesen und hören zu können, dann will ich mich nicht grämen, bestimmte „Arbeiten“ nicht zu machen, sie aufzuschieben…damit meine ich konkret, die spontanen politischen Urteile vielleicht etwas zu untermauern, sie zu stärken und nicht lächerlich jeden Tag Ergänzungen oder Widerruf hinzufügen zu müssen . Schaut man n-tv, dann erfährt man wie todkrank Trump ist und zwei Meldungen weiter wie fanatisch die US Diktatoren zuschlagen, man erfährt jeden Tag, wie Putin abgesetzt wird und zugleich, welche kriegerischen Aktionen er macht. Solche Faktenfakes zerstören das politische wie das kulturelle Denken.

Leider lebe ich ja in der norddeutschen Tiefebene, aber selbst hier reichen die kleinsten Hügelchen, dass mit Rodeln Kinderfreude ausgelöst wird, und zwar massenhaft, und das erfreut das Gedächtnis: eine Sache, die noch nicht ganz ausgestorben ist. So etwas ist wichtig, um weiterberichtet werden zu können, an Kinder und Enkel. Denn vieles, das wir kennen, gesehen, gehört, gefühlt haben, können wir nur mehr berichten, aber nicht mehr gegenwärtig zeigen…Tiere, Landschaften, Blickwinkel in die Stadt und auf das Feld, und Kleidung. Für ein paar Tage ist Winterbekleidung en vogue, wer weiss, zum vorletzten oder letzten Mal? Egal, Nebensache. Ich hab schon berichtet, dass die Feiertage, Silvester, Neujahr etc. nicht so befeiert werden wie in den letzten Jahren, Politik hin oder her. Langsam dringt die Wirklichkeit in die Gefühle und ins Bewusstsein. Schluss mit der Verlagerung des Grauens auf die fernen Kontinente. Deshalb schauen wir uns jetzt einmal bei uns um, damit wir Kraft gewinnen für die wirklich wichtigen Umstände.

Davon lass ich mich nicht abbringen, wenn man schaut, wie sich Europa seinen Abstieg auch noch durch die Machtlosigkeit gegenüber Trump und Putin mitbeschreiben muss, um endlich politisches Bewusstsein für die Realität zu bekommen. Das wird eines meiner Themen der nächsten Zeit sein. Und natürlich: Winterkultur statt allzugrelles Tageslicht. Schaun wir einmal.

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