Aufregung als Waffe

So, wie sich „CDU/CSU“ gegen die Berliner Koalitionsgespräche gebärden, nicht nur Christheuchler, auch andere Parteispitzen, so entfaltet sich Faschismus, also auch der wachsende Zustand der AfD. Keine Mehrheiten für die Faschisten, aber hinreichend Macht zur Umgestaltung der Demokratie. Die CDU/CSU benimmt sich wie ein Anhängsel an die Rechtsradikalen, dabei hat sie nicht nur Wahlen verloren, nicht nur einen rechtslastigen Parteiflügel in der Regierung, nicht nur einen absonderlichen Kanzler, der im Amt bleiben muss, nicht nur Probleme mit Europa (auch dort ist die Rechtsanlehnung ein praktisches Verfahren), nicht nur eine ökofaschistische Spitze zum umweltzerstörenden Autobetrieb…alles in allem ein retroaktives und kein konservatives Gewicht der Demokratie.

Mir gefällt Berlin auch nicht, ich habe die Linkspartei auch niemals gewählt, aber die Berliner Mehrheit ist eindeutig. Und ein Vergleich der Partei so links wie die AfD rechts ist, zeigt die Verwerfung im Bewusstsein der absurden Alterskoalition von Unverständigen. Der Antisemitismus findet sich als Minderheit in allen demokratischen Parteien. Und die Verstaatlichung der Wohnbaumagnaten wird doch so ohnedies nicht kommen…versteht ihr das Programm nicht? Wie hat denn CDU, wie hat SPD jahrelang unsinnig nicht-regiert in Berlin? Also. Haltet euch zurück.

Und im übrigen weiß man gar nicht, ob es wirklich zu einer Koalition kommt.

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Die Deutschen sind nicht nur Waldfanatiker, sie haben auch Eigenschaften der Aufregung über fast alles (nur klingeln die Radler nicht): In den TV Nachrichten wird jeden Tag mindestens ein tödlicher Bergunfall berichtet, teils mit schönen Landschaftsbildern und keinem intensiven Begründungstalk, eher: … schon wieder eine(r). Das gilt für viele Ereignisse. Weil man, wenn man sich aufregt, nicht mehr zu analysieren braucht, auch nicht bewerten: der Aufreger reicht. Das kann für den täglichen Journalismus ein Sektor sein, für die darüberliegende Gesellschaftsanalyse taugen solche Unfälle weniger als welche in Industrie, Haushalt und Verkehr, oder Militär – alsom wo Gesellschaftsvermögen unrichtig investiert wurde. Für meine Feinde: Gesellschaft ist nicht das Volk.

Ich rege mich trotzdem, mäßig, auf, weil ich ja Nachrichten hören und lesen muss. Oder liege ich ganz falsch, und „man“ muss gerade das individuelle Leid, symbolisiert durch den Absturz, wahrnehmen um soziale Gefühle und Wertungen zu erfahren?

Dann muss „man“ die Abstürze, Verbrennungen, Zusammenstöße „vergesellschaften“ und sie politisieren, und oft moralisieren. Das erfordert Genauigkeit, Wissen, Zeit und Ethik. Und zwar nicht klassenbestimmt.

Viele Ereignisse täglich passen hier herein. Und wie passt das zum ersten Abschnitt, der Kritik an den so genannten Christdemokraten und Christsozialen? Klar, dass die zur Zeit nicht vergesellschaften, sondern nur parzellieren. Sie sind ein Schrebergarten ideologischer Unkrautbewirt-schaftung…Aber die altmodischen Parzellen schaffen oft Unfrieden, bevor es Politik gibt. Schaut nach Frankreich und Italien, das kommt auch zu uns.

Wichtig „Völlig irrationaler und unverantwortlicher Hysteriemodus“: Bovenschulte kritisiert Union für Gleichsetzung von Linkspartei und AfD (Tagesspiegel 20.10.)

Aufklärung und Dunkel

Wird ja wieder diskutiert, die Schattenseite der Aufklärung. Als ob sie mehr als das aufgeklärte Licht bedeutete. Als ob auch unsere Aufklärer Adorno und Cp. dem Schatten mehr Gewicht gegeben hätten als dem Licht der Vernunft.

Spielt das einmal ernsthaft durch, und freut euch über die aufgeklärten Erkenntnisse am Ende der Gedankennebel…

Zunächst ein Realblick: „Im Theater der Unwahrheit“

„Man kann nicht umhin, mit wachsender Ratlosigkeit auf dieses Land und seine politischen Debatten zu blicken, die sich zunehmend in parallelen Universen abzuspielen scheinen; jeder sendet für sein eigenes Publikum“ (Katharina Riehl, SZ 15.10.2026)

Die Aufklärung hat im wesentlichen die Konzentration auf die eigenen Interessen zugunsten einer bedürftigen Allgemeinheit aufgelöst – was nicht bedeutet, dass es im Licht des Fortschritts keine Schattenseiten gibt. Und nicht alles im Schatten ist interessengeleitet…

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Unser praktisches Leben braucht keine theoretische Ableitung vor jedem praktischen und kommunikativen Handeln. (Auf diesen Satz komme ich, weil in diesen Tagen Jürgen Habermas hinauf und hinab zitiert wird, und der sich damit auseinandergesetzt hat, ziemlich fortschrittlich; u.a. Peter Gordon: Message in a Bottle, NYRB #16). Aber dieses Leben ist auch nicht einfach praktisch ohne Zielsetzung, ohne Logik und Emotion. Und gerade das wäre eine gute Waffe gegen den faschistischen Gegenwartsdiskurs. Auch der AfD und des BDS, auch von Trump oder Putin, auch von Hamas, auch von Erdögan, auch von Netanjahu oder Fico etc. Es muss uns klar sein, was die nicht unberührte, fleckige, teils widersprüchliche Aufklärung auch bedeutet. Das heißt, dass wir die Deutung nicht den Herrschenden überlassen dürfen (mizt anderen Worten, die Demokratie muss praktisch werden – manchmal schaue ich nach Frankreich auf Schüler und Studierende…das, was hinter der Reformforderung steht, ist das eigentliche, wirkliche Problem: sich in die Gestaltung der Zukunft einzubringen. Dass der globale Faschismus uns ausnützt, um seine sektorale Zukunft auf Kosten der übrigen Menschheit zu festigen, ist ein wesentlicher Hebel für die Demokratie: nur nicht abgeben, abliefern, sondern zur Hand nehmen, was uns handlungsfähig und bewusst macht, mit allen Fehlern, klar. Zur Hand nehmen, politische Praxis ist immer auch Lebenspraxis für uns,…zum tausendsten Mal Bildung, Umwelt, Lebenspraxis. Wenn die 0,7 Machthaber, auch bei uns, nur auf einen Wirtschaftshebel setzen, begeben sie sich in den unaufgeklärten Schatten, anstatt deutlich zu machen, dass auch die aufgeklärte Klarsicht Mühe, vielleicht auch Beschränkungen und gar Schmerzen erfordert…wenigstens das kann man aus der Geschichte lernen. Spielt es durch: wie müssen die Pensionsgesetze aussehen, wenn unsere Nachkommen davon profitieren sollen? Wie soll man jetzt schon vor der kommenden Trockenheit mit unserem Wasser umgehen? Wie kann man wieder mehr Insekten in die Natur zurückführen? Wie kann man wieder Kultur aktiv und passiv (schreiben und lesen zum Beispiel) dynamisieren? usw. usf. Das Programm hätten wir, nur handeln sollten wir auch.

Aufbau von Reserven? Politsport.

Natürlich hoffe (auch) ich, dass ich Unrecht habe, dass der dritte Weltkrieg doch nicht so heftig ist, dass alles so schlecht IST, indem es besser werden muss…aber wir Menschen sind nicht so. Hoffnung ist etwas anderes als Erwartung, und so wichtig sie ist, nicht alles liegt bei ihr.

Worauf wir hoffen können, ist eine Menge. Das wisst ihr. Was wir nicht erwarten können, ist kurz- und mittelfristig eine Wiederherstellung der demokratischen, friedlichen Weltpolitik und der demokratischen Innenpolitik in der EU und Deutschland. „Wiederherstellung“ heißt, dass es schon mal besser war. Nicht in weiter Vergangenheit, aber vor einiger Zeit – nennen wir das die LETZTEN Reformzeiten, die Perioden fortschrittsorientierter Politik, Zeiten eher solidarischer Kooperation, Abwehr von faschistischer und krimineller Unterwanderung. Wann das war? Denkt ein paar Jahrzehnte zurück, nicht nur bei uns. Ich gebe keine genauen Zeiten an, weil das nie so punktuell gegangen ist. Oder doch: Willy Brandt steht für eine solche Periode, und 1968. Das ist heute eher blass, hinter den Vorhängen der Realität. Aber es lohnt, das Falsche im Richtigen der guten Zeiten herauszubuddeln, mehr als heute, das kleine Richtige im großen Falschen zu sezieren. Das klingt banal, oder pathetisch, aber ist es nicht so?

1968 war demokratieschaffend, vergangenheitskritisch, politisch zukunftsorientiert – aber auch wenig frauenfreundlich, wenig umweltfreundlich. Das ist, bitte, EIN Beispiel, nicht dran kleben bleiben.

Mir geht es jetzt nicht um Politik, sondern um die schwierige Konstellation, im eigenen Fortschritt immer auch die Fallen und Leerstellen wahrzunehmen, die sich zeitlich und in der Wirkung anders ausprägen als das, was man richtig macht. Die meisten PolitikerInnen, Lehrenden, Unternehmer nutzen das aus – und lassen die Fehler andere ausbaden (zB. die Steuerzahler bei der CSU Maut). Wenige handeln da anders, und dazu muss man nicht nur über politische Ethik, über persönliche Moral nachdenken, sondern über Politik selbst. Andere baden die Fehler aus, manchmal persönlich, manchmal gesamtstaatlich (zB. beim jetzt verhafteten ehemaligen BfV Chef). Aber noch einmal: was macht das mit uns, und was machen wir damit? Nicht nur die Diktatoren, auch viele Spitzenpolitiker in der Demokratie nehmen die missbräuchliche Hürde „im Kleinen“ oder Größeren nicht ernst und wundern sich, wenn die BürgerInnen das wahrnehmen und sich abwenden. Oder, wie die AfD und andere Faschisten, die Spieß umdrehen und genau das den Demokraten vorwerfen, was bei ihnen System ist. Und oft fallen die Demokraten darauf hinein.

Wir sollen nicht nur, wir „müssen“ sogar solche Themen für uns aufbringen und bearbeiten, denn sie stärken uns für die großen Probleme: seltsam, sie stärken uns, wenn wir konkrete Themen, in denen wir auch vorkommen, bearbeiten, und dann eher in der Lage sind, die großen Probleme nicht gleich in die wirren Angst- und Überfüllungspsychen zu schieben. Seltsam, aber nachprüfbar. Ich werde Beispiele bringen, in den nächsten Blogs.

Die sarkastische Ironie hat uns gesagt, wie ein Flügelschlag eines Falters im Himalaya eine weltweite Wetterkatastrophe bewirken kann, und manche haben diese Ableitung geliebt. Ich mache da nicht mit, die Alternative ist einfacher: Bevor ich mich über globale Fehlentwicklung so aufrege, dass ich nicht mehr handeln kann und nicht politisch reagiere, schaue ich loieber, wie sich etwa lokal der Frage des Umweltschutzes wieder in die unmittelbare Politik einbauen lässt. Das erzeugt beides: Projekte und Widerstand. Damit kann man auch den Faschisten und der AfD entgegentreten.

Schuldumkehr und Wendungen

Oder soll ich sagen: „Windungen?“

Aus einem Gespröch zum 90. Geburtstag von Biermann:

Giovanni di Lorenzo: Sehen Sie die AfD in einer Linie mit dem Nationalsozialismus?

Wolf Biermann: Nein, nicht mit dem Nationalsozialismus. Der war noch schlimmer. Sondern mit dem Faschismus.

(ZEIT Magazin 1.10.2026, S. 14).

Ich stimme den Begriffen im Kontext zu.

Es geht natürlich um den 7. Oktober. Vergleiche dieses Tages in Israel mit der Shoah und anderen Historien können gelten, müssen aber nicht richtig sein. Es gilt Omri Boehms wichtige Aussage, dass es mehrere Wahrheiten gibt, aber nur eine Gerechtigkeit. Und die ist nun wirklich schwierig. Dazu muss ich mich von meinem Inneren ebenso drängen lassen, wie vom gestrigen Aufblitzen des Faschismus in Sachsen-Anhalt. Auch schwierig.

Einwurf: Da war ja beides zu erwarten. Ja, schon, aber beides nicht so.

Eine Analyse der beiden Schrecken ist umfänglich, aber nicht grundsätzlich schwierig. Auch kann man beides in ein globales Umsichgreifen des Faschismus einordnen. Beides sind dann spezielle Fälle einer allgemeinen Entwicklung, die Demokratien von der aufgeklärten Welt abzutrennen, faschistisch zu ersetzen.

Einwurf: Ist der Faschismus-Begriff nicht zu vage und ungenau? Viele sagen besser „autoritäre“ oder „diktatorische“ Systeme… Ja, schon. Aber Faschismus ist eine Bewegung vor allem, mit einem antidemokratischen Kern und verschiedenen Auswüchsen, die einander auch widersprechen können.

Mit engsten FreundInnen diskutieren wir das, und kommen zu wenigen Schlüssen, eher zum Schweigen über die Optionen der näheren und mittleren Zukunft. Aber global erklärt sich nicht, was sich in Sachsen-Anhalt, bei der AfD, dem BSW, aber auch bei der CDU/CSU deutlich, bei anderen demokratischen Parteien jedenfalls ansatzweise auch abzeichnet: Die Zuwendung zur faschistischen Gegenwart, die Abwendung von der demokratischen Zukunft. Anscheinend will man dem Volk aufs Maul schauen, um die Wirklichkeit zu verstehen…daran ist fast alles falsch. Wir demokrati-schen BürgerInnen sind nicht „das Volk“.

Warum ist das so gekommen? und nimmt weiter zu? in Sachsen-Anhalt, im Nahen Osten, weltweit?

Jetzt einmal keine Diagnosen und große Theorien. Grad mal beobachten, was sich „getan“ hat und was „unterlassen“ wurde. Die meisten Gruppen, politisch, religiös, thematisch, haben sich immer mehr darum gekümmert, in ihrem Bereich miteinander zu kommunizieren, sozusagen „Klarheit“ für sich zu schaffen anstatt anderen klar zu erscheinen – in der Demokratie braucht man beides. Miteinander wird immer deutlicher abgetrennt von einem mit-Anderen, das ja nicht Übereinstimmung oder Verbindung bedeutet. Das ist, zugegeben, zu banal _ aber wendet es an auf Religion, auf die Differenz zwischen Bürgern und Staat, auf die Vielfalt von sozialwen und kulturellen Lebensentwürfen, wendet es an und es entsteht ein Mosaik. Das zweite ist die falsche Gewichtung von Wahlen und anderen Elementen in der Demokratie, Projekte, Praktiken (auf dem Land, nicht nur in der Stadt….), Kontroversen, und das dritte ist die Wahrnehmung, dass auch die beste Demokratie unfertig und unvollkommen ist und – bleiben wird (dagegen agiert der gegenwartsbezogene Faschismus, der ja gar nicht auf die Zukunft baut: was aufgefressen ist, wird verdaut).

Zurück nach Israel, zurück nach Sachsen-Anhalt. Die Politisierung der Identität und die falsche Begriffsbildung, z.B. bei Zionismus – obwohl man es besser wissen könnte – oder z.B. bei Heimat – obwohl man das besser er- und beleben kann, das sind zwei Probleme, konkret und schwer wiegend. Und hier hilft eben NICHT die so genannte Realpolitik, CDU wählt AfD, dann wird ruhig zusammen regiert, gleich mit dem BSW…Hier muss die Kontroverse ausgetragen werden, und das Volk setzt auf den Machtgewinn, und sei er gewalttätig – kommt noch, auch hier, wartet nur! – und die demokratischen BürgerInnen setzen auf Teilhabe und Teilnahme. Das wäre es eigentlich.

Und jetzt an die Themen. Nicht gleich alles applanieren, auch Konflikte und Widerstand austragen, im Verhalten, aber vor allem in der Überzeugung. Das meint „eigentlich“.

KI und Faschismus…und, oder, mit, ohne…

Rainer Mühlhoff, Professor an der Universität Osnabrück, hat ein schmales Buch bei Reclam 2025 geschrieben „Künstliche Intelligenz und der neue Faschismus„. In den letzten Monaten habe ich viel über KI gelesen und gelernt, und Faschismus ist seit langem einer meiner kritischen Schwerpunkte. Umso mehr hat mich gefreut, wie konkret, kritisch, produktiv dieser schmale Band vor allem Interessierte informiert und aufklärt. Das wäre eine Empfehlung…

…und: so, wie Mühlhoff den Faschismus wahrnimmt und ereitert, ist das ungemein hilfreich, nicht nur weil er sich auf die Frankfurter Schule und auf Umberto Eco (1995/2020) bezieht, sondern weil er die Grundlagen des Faschismus auch erweitert: „…durch positive Verklärung und instrumentelle Aneignung moderner Technologie als Machtinstrument, in der sich das Bedürfnis widerspiegelt, sich selbst und andere zu entmenschlichen“ (S.119). Liest man erst die Beschreibung der gesellschaftlichen Wahrnehmung, Aufnahme, Verarbeitung der KI, dann wird es schon mulmig, wenn man die USamerikanische Realität konkret wahrnimmt: v.a. Kapitel 5. Und dass da nicht nur Elon Musk und seinesgleichen vorkommt, sondern auch Peter Thiel, sondern auch die umfassende Literatur der Entwicklung von KI und – des Faschismus, das ist schon wichtig zum Verständnis. Das letzte Kapitel heißt „Anders über KI-Technologie sprechen“ und der folgende Absatz ist wichtig:

„Und wir sollten uns bei alledem auch nicht zu sehr auf die Zukunft … versteifen.KI ist jetzt schon da und hat reale Auswirkungen auf Menschen weltweit: Soziale Ungleichheit, Manipulierbarkeit, Ausbeutung von Menschen und natürlichen Ressourcen, Erosion der Privatsphäre, Erosion der demokratischen Öffentlichkeiten, masswive Akkumulation von Macht und Kapital bei wenigen Akteuren“ (S. 146)

Man kann sowohl etwas für den anderen, demokratischen Umgang mit KI lernen, als auch wahrnehmen wie und inwiefern der Faschismus jetzt – jetzt schon und wieder – um sich greift und ein Instrument benutzt, das nur teilweise aus der historischen Faschismusrealität des 20. Jahrhunderts abgeleitet werden kann. Wenn man die USamerikanische Mehrzahl der verschiedenen rassistischen, ethnischen und technologischen Zukunftsvorstellungen genauer ansieht, dann hat man eine seltsame Assoziation: Brave New World von Aldous Huxley (1932) – da waren die Verzerrungen der Soziogenetik und viele der gegenwärtigen Herrschaftsansprüche – wie nicht nur im Buch beschrieben – schon präsent, nur viel weiter in die Zukunft projiziert als heute wirklich geworden ist. (Auch Julian Huxley wird im Buch erwähnt(Transhumanism 1957)…

Es gibt auch andere Zugänge zur Verbreitung des neueren Faschismus (den hat es ja nicht Jahrhundert lang gegeben, sondern erst im 20. Jhdt. – und er kann nicht rechts-links oder mittig definiert werden). Aber es gibt kaum so verständliche und auf die massenhafte Lebenspraxis abzielende Verbindung der „Künstlichen Intelligenz“ mit dem Faschismus.

Natürlich „muss“ man mit der KI nicht faschistoid umgehen, aber man sollte schon kritisch beobachten, was und wo KI bereits Verengungen von Kritik und Fantasie, von Freiheit und Selbstbestimmung anrichtet – Kapitel 3 und 4 des Buchs, aber auch unsere alltäglichen Diskurse zum Thema. Wenn KI positiv, d.h. demokratisch, genutzt serden soll, dann muss das nicht verbal, oberflächlich behauptet werden, sondern benötigt einen anderen Umgang. Das ist eine der schwieirgen Selbstbestimmungen nach der Einsicht in den Zusammenhang.

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Das ist keine Rezension, allenfalls eine Buchempfehlung. Aber selten in letzter Zeit habe ich eine so stringente Beziehung zwischen der KI und dem Faschismus wahrgenommen, und beide biedern sich ja ganz massiv an…

Vorsicht, Wirklichkeit

Befreiung aus mehr als einer Abhängigkeit…Gott, die Natur, Klima, Armut, Staaten…man kommt ja gar nicht den Listen nach, mit der man seine Freiheit erreichen möchte. Also runter von den großen Sonnen und Planeten, rein in die Wirklichkeit der ja auch noch nicht befreiten Hirne. Auch in Deutschland. der 0,7 Kanzler Merz will weniger für die EU tun, zusammen mit ähnlichen Demokratieskeptikern. Merz will auch nicht wirklich mit dem Koalitionspartner „regieren“, er will, dass sich etwas entwickelt, das er anstößt. Wenn da nur nicht die Menschen wären, die BürgerInnen, von denen fast die Hälfte sich als Volk begreift und negativ zu allem steht, was kommen könnte, wenn nur das, was ist, angeblich besser für das Volk wäre, wenn es nicht regiert würde, sondern angeführt.

Die Situation ist, zukunftsorientiert, schlecht, weil die Regierung den notwendigen Abstand zu den Bürgern nicht begreift, meint, sie müsse Volk aufs Maul schauen und möglichst zufriedene Reaktionen erzielen. Natürlich müsste sich viel geändert haben, im Sozialen, in der Bildung, im Verkehr, in der Bürokratie. Hat sich aber nicht, und in diesem Fall ist Vergangenheit doch keine Garantie für die Zukunft, siehe Rente, siehe Schule…da gibt es viel, was allgemein zur POLITIK gehört, und im besonderen Fall zur DEMOKRATIE oder, negativ, zur Überwältigung durch den FASCHISMUS. Die „Rechten“ trauen sich nicht einmal mit der AfD zum Ve4rfassungsgericht zu gehen, und die „Linken“ haben die Orientierung verloren, dass es keine „Mitte“ gibt, dass sie ein Politmythos war und ist. Und dass vieles, das in der Politik richtig ist, noch lange keine Wahrheit(en) darstellt, wenn es um Kommunikation, Lebensbeziehun-gen, Gerechtigkeit usw. geht. Das ist schwierig, ich weiß, weil viele sich an das, was für sie Wahrheit ist, anklammern. Aber wir leben nicht in der Welt der Religionen, Philosophien oder auch Zufälle, wir leben in der einzigen Wirklichkeit, die es gibt. Selbst, wenn wir uns vor ihr verstecken.

Das hat mehr mit der Politik zu tun, die eben nicht einfach die Spiegelung der Meinungen des Volkes sein darf (stellt euch vor: Todesstrafe als Volksmeinung oder …). Politik muss die Menschen in Freiheit zusammen-halten und nicht aufteilen, je nach Meinungsverteilung. Und dazu müssen Menschen legitimiert sein. Und dazu ist Demokratie besser geeignet als Faschismus, oder?

Natürlich muss man dazu den BürgerInnen schon deutlich machen, was der Preis ist, dass Wohlfahrt oder Bildung weiterentwickelt werden kann. Aber dazu hat man ja auch die Politik. Der Preis kann weniger Wohlstand sein oder auch eine Umordnung der persönlichen Lebensprioritäten. Und zwar nicht nur anderswo, bei den Ärmeren der 3. Welt oder bei den Nachbarn, sondern bei uns. Das ist gar nicht abstrakt. Auch das ist der Preis von Freiheit und Mündigkeit. Und das sollten die Vertreter der Politik auch anfordern.

Bin gespannt, wie man mit der Pflegeversicherung umgeht, oder mit der Rentenreform. Nicht, dass die BürgerInnen das letztlich zahlen müssen, wenn man es nicht gänzlich privatisiert, ist das Problem, sondern dass das Bewusstsein von Gerechtigkeit wirklich begründet werden muss. Dazu können die BürgerInnen durchaus etwas opfern, so wie sie Geld für die Änderung der Verteidigung und die Befreiung von den Abhängigkeiten auch werden zahlen müssen, nicht einfach sollen.

Eigentlich ist das alles „einfach“, trivial? banal? Aber darum geht es in der Demokratie auch: „Eigentlich“ durch Wirklichkeit zu ersetzen.

Deutscher Sonderfall: ungebildet

Wieder sagt die Statistik, was wir seit 40 Jahren WISSEN: DAS DEUTSCHE BILDUNGSSYSTEM; VOR ALLEM FÜR KLEINE UND GRÖßERE KINDER; IST ABSCHÜSSIG; ABGRÜNDIG; TEUER UND INHUMAN: Das sagt sich so leicht, und wenn man die schwachen bis unfähigen Regierungsmitglieder im Bildungs- und Wissenschaftswesen analysiert. Aber ich warne davor, BILDUNG als Kampffeld zwischen Parteien, Weltanschauungen und Politiken zu reduzieren. Ich behaupte, dass die DEUTSCHE Abwendung von guter Bildung gesellschaftlich, kulturell und sehr weit in der Geschichte verankert ist. Das ist angesichts von SpitzenwissenschaftlerInnen und dem Zuzuzug ausländischer Studierender und ProfessorInnen ein schlimmer Vorwurf, den ich rechtfertigen will, wenn ich das kann.

Warum ist das Schulsystem nach wie vor klassenorientiert, das bedeutet, dass sich die Oberschicht, vor allem die inländische, erfolgreicher reproduziert – nicht nur über das Gymnasium, sondern über eine bildungsorientierte Sozialisation und Erziehung, die man den unteren Schichten verweigert – von Kindergärten über Nachhilfe, ganztägiger intensiver Bildung, realitätsnahe und gesellschaftskritischen Inhalten etc. Über „Bildeung“ wird ideologisch – und nicht intensiv – diskutiert, aber Bildung, und Erziehung, und Sozialisation sind insgesamt in der Gesellschaft nicht so prioritär wie in anderen Gesellschaften. Das kann analysiert werden – wir haben ja genügend pädagogische Expertise, vor allem an Hochschulen, aber der gesellschaftliche Hintergrund, das Versagen an der Aufklärung, der Mutterkult langer Epochen, und die Unfähigkeit des Staates, die Gemeinsamkeit von Lehrenden und SchülerInnen im Rahmen sozialer und kultureller Allgemeinheit sind typisch deutsch, und das sollte man aufdecken (ich behaupte, man kann es erklären und einsehen, man könnte hier viel mehr wissen, aber es belastet das scheinbar so erfolgreiche Schichtmodell). Ja, es hat bessere und schlechtere Perioden des staatlichen Bildungssystems gegeben und seiner ideologischen Parallelsysteme. Aber all das erklärt nicht genau, warum Bildung von Kindern insgesamt in der Hierarchie der persönlichen, familiären, umgebungsrelevanten und gesellschaftlichen Prioritäten nicht so im Vordergrund steht. Wie etwa der Flugverkehr…lacht nicht, schaut euch die Argumente an, und auch die Presse und Medien dazu.. Jedenfalls seit der Mitte des 19. Jahrhunderts ist die soziale Durchlässigkeit, das Muster des bildunsgrelevanten „Aufstiegs“ aus den Schichten in Deutschland schlechter als anderswo, jedenfalls seit dem ersten Weltkrieg. Vergleicht es mit den Nachbarn Wien oder Frankreich, oder Estland und Skandinavien, nicht gleich mit Singapur und Japan. Man kann das erklären.

Nun keine Sorge. Ich schreibe hier nicht spontan eine „Bildungsgeschichte“, einiges habe ich früher versucht, aber eher im Hochschulbereich – Die Wiederherstellung der Hochschule, Köln 1993, Heinrich Böll Stiftung. Damals sind etliche, „Reformmodelle“ aufgebracht worden, andere als meine, vielleicht bessere, aber wenige haben sich mit der Wiederherstellung befasst, und wir alle haben den Sprung zu den Säuglingen, den Kleinkindern und Kindergärten, den Grundschulen vernachlässigt, und dort geht es eben nicht nur um Bildung und Erziehung, sondern um eine Sozialisation außerhalb der Familie und mit ihr. Und DAS muss bedacht und erklärt werden. Heute kann man ein Interview lesen, mit Aladin El-Mafaastani „Es braucht einen echten Kulturwandel“ (SZ 19./20.9.2026 im Interview).

Also: wir können erklären und verstehen, warum es keine wirklich gute und wirkungsvolle Bildungspolitik gibt. Partei- und institutionsübergreifend. Aber warum steht die Gesellschaft da nicht vehement dahinter, anders als beim Tankrabatt?

In den besten Schulsystemen der Welt, in reicheren und ärmeren Ländern, ist das nicht nur eine finanzielle Antwort auf die Bedürfnisse des Bildungssystems, auch nicht nur elterlich, mütterlich vor allem, aber doch: das zählt!, jenseits der Abgabe von Kindern an den „Staat“. Und Vorsicht: das ist nicht die völkische Antwort der AfD auf diese und ihre Interessen, sondern, verkürzt: ihr Gegenteil. Dieser Diskussion möchte ich (wieder, teilweise) erleben. Denn ohne Gesellschaft geht die Sozialisation nicht, auch nicht innerhalb der Mauern vorbestimmter klassen-, schicht-, ethnie- und finanz-orientierter Einpassungen. Das Glück von Kindern hängt schon auch vom Glück der Eltern ab, sich darum nicht ausschließlich, aber mit Vorrang zu kümmern. Aber ich sage hier deutlich „auch“.

Ich werde keine Bildungsgeschichte verfassen, ich werde auch nicht Bildungspolitik mit der Sozialpolitik verbinden, das ist für mich auch erfahrungsgemäß um Jahrzehnte passé. Aber ich will ausdrücklich auf die ethnischen, ethnologischen und sozialen Begründungen des deutschen Debakels erinnern. Und natürlich sollte gerade hier die Kritik an der Regierung und den unterschiedlich betroffenen Parteien (Da gibt es schon auch Reformen) nicht ausbleiben, aber wir müssen schon auf die Gesellschaft und ihre Geschichte verweisen, also auch auf uns im weiteren Sinn.

Ich weiß, dass es viele gute LehrerInnen und beteiligte Eltern und soziale Hilfen für Schülerinnen und Schüler gibt. Aber warum das alles weniger wirkt als anderswo, hat mit diesen Ausnahmen nicht so viel zu tun wie mit der Frage, wie wichtig Bildung und Sozialisation ab der Geburt sind. Das kann man philosophisch beantworten, eher egal, oder psychologisch, soziologisch (eher wichtiger). Aber vor allem der Abbau der klassen- und schichtspezifischen Schranken vor den Möglichkeiten gerechter und gleichberechtigter Bildung vom frühen Zeitpunkt an ist das, was der Gesellschaft im Bewusstsein fehlt.

Vorschau ist kein Nachtreten

Über die kommenden Wahlen und das mögliche Nach-Denken habe ich schon geschrieben. In den letzten Tagen ist so viel Vorbereitung fast aller Parteien, PolitikerInnen und Trittbrettler geschehen, dass das Verstehen der AfD fast zur Normalisierung ihrer ubiquitären Präsenz wird. Deshalb bitte: Lest meine letzten Posts, ich melde mich zu den Wahlergebnissen bald danach, aber nicht gleich anschließend. Das überlasse ich den Trittbrettlern. Dass es mit Deutschland auch anderswie nicht gerade gut geht, wissen wir. Jetzt ist einmal wieder die Rente dran, und vor allem die Pflegeversicherung. Alles ist dabei so heruntergesetzt zu werden, dass in Deutschland endlich wieder staatlich organisierte ARMUT geben wird. Abgesehen davon, dass 48% Rente schon als solche eine menschenverachtende niedrige Gemeinheit ist. Es wird auch in den Medien darauf hingewiesen, dass einiges in Skandinavien oder Österreich besser läuft, aber wie und warum und seit wann, wird hier natürlich verdeckt. Aber weil es doch dem Land soooo gut geht, wird öffentlich kaum wirklich kritisiert, was die Zukunft noch einmal beschränkt, zusätzlich zur heißen Umwelt. Der 0,7 Regierung ist (noch) nicht klar, dass es um ihren Stammtisch gar nicht geht, sondern um die nächsten und übernächsten Generationen.

Dass sich die Felsen im Hochgebirge lockern, dass die Gletscher abbrechen, dass kein Tal mehr sicher ist, verschlammt und zugeröllt zu werden, nicht nur in Nepal, oder Grand Canyon, auch in den Alpen (heute im Netz: Verheerende Sturzflut – welche Risiken bergen die Alpen?) – die Pasterze ist zerrissen und andere Gletscher zerfallen oder sind verschwunden, das weiß man. Aber was folgt daraus, wenn es nicht mehr genug Wasser gibt, für alle und alles? Diese Regierung ist zu eng, sie hat zu wenig realistische Vorstellungen, wie der Abstieg der europäischen Gesellschaften einen verdorrten und stumpfen Kontinent erzeugen wird, in den nächsten Generationen, wenn die Schuldigen längst mehr oder weniger feierlich begraben sind, und es für die Faschisten, incl. AfD, gar keine wirkliche Gegenwart mehr gibt. Denn die Faschisten können nur die schlichteren und anfälligen Gemüter, gebildet oder nicht erreichen, wenn ihr Gegenwarts-schwachsinn an unseren Zukunftshoffnungen und Erkunden sich abreibt. Nichts gegen das Jetzt, aber alle dagegen, dass nur eine Vergangenheit erlogen wird, damit es keine wirkliche Zukunft zu geben braucht. In allen Demokratien arbeiten die Faschisten daran, das sogenannte „Volk“ aus den Angeln zu heben, scheinbar mit Herrschaft über Freizeit und Gemüt, scheinbar mit simplen Lösungen für komplexe Probleme. In den Altersheimen und Kindergärten der AfD wird es keine Dienstleistung geben, nur die Parteioberschicht wird sich weiter bedienen lassen, aber dann ist es zu spät. Das war schon einmal so. Nicht nur in Deutschland.

Zwischenbemerkung: am 18. Juli 2026 hat Bert Rebhandl im Standard (Wien) eine Rezension der wichtigsten deutschen Reflexionen auf die Gegenwart geschrieben, unter dem Titel: „Vorwärts in die Vergangenheit“. Der Essay ist Vorfeld zum 20. Juli geschrieben (!). Noch vor dem Eingang in die rezensierten Texte schreibt er: „Im Banne der Umfragen, die für die AfD schon lange relative Mehrheiten ausweisen, ist Deutschland zu einem Land geworden, das sich nach seiner Vergangenheit sehnt“. Mehr Bedeutungen sind fast nicht möglich…und es eght um Deutschland und nicht um die östlichen Bundesländer.

Aber am meisten (be)kümmert mich, worin und wie die Demokratie reagiert außer dass sie ablehnend den Faschismus ausgrenzt. Was wir wissen, sollte allen, allen Menschen klar sein: Faschismus ist keine Partei, er ist eine Bewegung, und er ist nicht einfach rechts, er kann auch links oder mittig, religiös oder national sich gerieren. Ich denke immer, dass man mit Elias Canetti oder Umberto Eco und anderen das nicht nur begreifen, sondern auch belegen kann, und immer aktualisieren muss. Das hißt, man muss bei sich, bei uns, mit uns, anfangen, und sich nicht durch die Bewegung der menschlichen Gegner eingrenzen (lassen). Ironisch: Faschismus zu diskutieren und abzulehnen, reicht nicht. Demokratie zu diskutieren und weiterzuentwickeln, reicht auch nicht, ist aber die Voraussetzung, dass wir uns human weiterentwickeln, d.h. auch politisch, moralisch und kulturell. Was reicht denn dann? Nie etwas ganz. Aber überlegt, wie sich unsere Gesellschaft und Demokratie entwickeln und verändern würde, könnten wir nur die ökologischen Maßnahmen bei uns und anderswo weiter entwickeln….Die Kompromisse innerhalb der Demokratie sind auch nicht einfach. Das wissen wir, das wisst ihr. Aber Kompromisse mit den Faschisten, wird ja lokal schon diskutiert, sind etwas ganz anderes.

Ein letztes: wenn ich von Faschismus rede und schreibe, fällt mir immer auf, dass die Deutschen und Teile der Österreicher den Begriff immer aus den Jahren der Hrrschaft der NSDAP ableiten. Faschismus war immer breiter und vielfältiger und widersprüchlicher als die grauenvolle Sonderentwicklung der NSDAP. Die war aber dem Faschismus SO nicht eingezeichnet. Faschisten haben Parteien, wenn, dann immer benutzt, um ihre Bewegungen abzusichern. Man muss, oder: sollte, die Geschichte genauer sich aneignen, um die Differenzen der faschistischen BewegungEN und die möglichen sinnvollen Oppositionen durch und in den Demokratien zu begreifen. Was wir haben, und die Faschisten nicht: Hoffnung

Keine Angst

Auch ein Trostpflaster: wartet einmal ab, OB die AfD überhaupt an die Regierung kommt, und WENN, dann wartet mal ab, WIE sie regieren möchte, und wenn ihr dann weiterhin gegen sie seid, dann rüstet zum WIDERSTAND. Wenn man das Pflaster auf seine Sommersprossen klebt, verkleinert sich die AfD zu einem Pünktchen im Großhirn.

Ich schreibe jetzt nicht gegen oder zur AfD, und ihr konntet schon vorgestern lesen, was ich unter welchen Umständen erwarte, vor allem an Fragen…und natürlich an unserer Haltung. Ich schreibe von allen möglichen „Außen“, und weiß gar nicht recht, wer „(dr)innen“ ist. Die Diskussion um die schlechte Politik während der richtigen Vereinigung von BRD und DDR kann ja historisch Sinn machen, aber so wie sie geführt wird, erinnert sie mich an den den Kampf der weißen gegen die schwarzen Magier. Also überblättern. Ich schreibe lieber zum – Herbst.

Wann ist denn Herbst? Ausnahmsweise keine Rilkegedichte, keine Ölbilder gelber Ahornblätter über braunem Grund, keine Musik mit Datumsgabe in a-moll, keine melancholischen Familienromane, die zu Ende gehen. Mir geht es um die JAHRESZEIT, um gesternheutemorgen. Ich merke den Herbst unter anderem daran, dass es immer dunkler wird, wenn ich um 21.30 mit dem Hund den Häuserblock gehe, dass die halbstarken Laternen wieder leuchten, dass die erste Blätterabsammlung schon erfolgt ist, aber vor allem: die Luft ist anders, sie riecht nach anderen Sonnenunter-gängen und Sternhimmeln. Schon wieder werden Gewitter angekündigt, die uns über die trockene Hitze trösten sollen (peinliche Unehrlichkeit), während wir vielleicht das letzte Mal Bäume und Sträucher sehen, die noch ein dürres Jahr nicht übersehen. Warum ich darüber nachdenke und schreibe? Kluge Leute haben über die Umweltschäden der laufenden Kriege, v.a. Russland gegen die Ukraine, Sudan, USA und Israel gegen Iran und die Golfstaaten nachgedacht, beobachtet – alle haben sie prognostiziert, dass diese Kriege der Erderwörmung und dem Naturzerfall noch mehr Vorschubleisten als schlechte Umweltpolitik subnormaler Regierungen. Ich sagte: Kluge Leute. Leider haben sie die Menschen der Gesellschaft nicht erreicht, – und wenn dann El Nino oder das nepalesische Erdbeben und ein Felsabbruch in den Alpen zusätzlich die Lebenszeit des homo sapiens verkürzen, fällt das den so erträglichen Menschen gar nicht mehr auf. Nun mache ich gerade daraus kein melancholisches Zukunftsszenario. Die Umweltkatastrophen kommen früh genug, für die Politik unserer Kinder und Enkel, dass unsere Versäumnisse nicht weiter anwachsen (ob sie noch einmal geheilt werden? eher nein, bei 2,0° C bald, und 3,0° C noch vor der Jahrhundertwende, und unumkehrbar wird es so weiter gehen). Nein, mir geht es um etwas anderes. Wenn das Ende, der Absturz, der kollektive und nicht individuelle Tod ansteht, also das Sterben einer evolutionären Gattung, – muss man dann die Überlebenszeit so mit Robotern und KI und Blogs kompensieren? Paradoxe Antwort: ja. So hat man immer reagiert, wenn die bisherige Sozioökonomie abgestorben ist. Aber das heißt natürlich, dass die Überbrückung hin zum gesellschaftlichen Tod noch nichts sagt, ob und wie man das Sterben für die Mehrzahl der Menschen erträglich macht, wir sind ja keine Lemminge oder Pinguine. Keine Frage der Philosophie. Hitzeschutz macht das Altern erträglicher, oder? Das Ausblenden des Absterbens des homo sapiens, aufzuhalten, ist kaum möglich, ist unwahrscheinlich; es zu ignorieren ist so ziemlich ident mit der Umweltpolitik der Wirtschaftswachstumsregierungen, auch unserer 0,7 Truppe. Klingt grausig, ist aber realistisch. Und: wir müssen darin und darum ja weiterleben, wir sind eben keine Lemminge. Ihr fragt nochmal, warum ich das schreibe? Oben steht, was politisch und moralisch ansteht. Jetzt mit Umwelt statt mit alternativen Politiken zu reagieren, verändert erstmal uns und dann natürlich schon die Umwelt. Dass wir da abnehmen, individuell, an Körper, Bewegungsmöglichkeiten, Globalerfahrung, dass wir ärmer werden (müssen, nicht strategisch sollen), gehört leider zum Abbau des evolutionären Astes von homo sapiens, an dem wir ja sägen. Was heißt wir? Natürlich Trum, Putin, Xi und andere Diktatoren mehr als wir gerade, wir einzelne? Natürlich Zuckerberg, Gates, die Technos etc. und andere Wirtschaftsdiktatoren, natürlich auch ideologische und religiöse Strömungen, die unsere Ufer zerstören. ABER wäre das so anders, wenn die nicht uns zu kleinen Hilfsarmeen reduzierten? Ja, es wäre anders, aber nicht bei den vielen Dingen, die wir ändern müssen. Machen wir es richtig, haben die eine politische Oberfläche, und die müssen wir auch polieren, nicht nur unser moralisches Selbstbewusstsein.

Naja, ich gehe jetzt in den Herbst. Der ist noch nicht das Ende, über das ich nicht schreibe.

Nach(t)denken

Was wird sein? ist eine der dauerhaftesten Fragen der Menschen. Und die Antworten sind wahlweise komisch, absurd, deprimierend oder gleichgültig. Was wird sein, wenn…das ist schon anders. Was wird bei einem Wahlsieg der Faschisten (AfD), mit oder ohne Unterstützung von BSW, sein? Wer wird wie darauf reagieren müssen, sollen, dürfen, können?

Und wenn die AfD es nicht an die Regierung schafft, dann haben die WählerInnen das das zwar richtig gemacht, aber wie können oder sollen die Regierungen, das 0,7 Merz Regime, reagieren? Was wird dann sein?

Ich stelle mir diese Fragen entgegen den aktuellen Nachrichten der Medien, den Umfragen. Ich schalte mich auch nicht in die Diskussion ein, ob man sich mit welcher Begründung um OSTdeutschland kümmern soll und halte die Geschichte von WESTdeutschland auch längst nebensächlich: was 1979ff. falsch gelaufen ist, wissen wir, historische Fehler können bestenfalls kritisiert, aber nicht rückgängig gemacht werden. Aber man darf sich auch nicht ganz der Gegenwart verschreiben, ohne einen Blick in die Zukunft zu werfen – Was wird dann sein, und was machen wir? Gewinnen die Faschisten die Verwaltungsmacht, dann muss sich und kann sich unser Verhalten ändern. Aber da habe ich eine Vorfrage: wenn unter dem Schutz der AfD öffentlich Bedienstete agieren, waren die nicht schon vor der Wahl auch bei der Partei, mit der Partei? Sind sie es nicht? Das beschäftigt mich schon lange, und manchmal trifft man ja auf solche ParteigängerInnen, unerwartet, überraschend. Werden sie sich unter AfD Schutz ändern, oder bleiben sie, was sie ohnehin schon sind?

Analogien zu früheren Faschismen sind instabil; in mancher Hinsicht richtig, in vieler Hinsicht überholt. In vieler Hinsicht gehen der intellektuell unterbelichtete Faschismus Diskurs und historische Fragwürdigkeiten zum Thema des ansonsten guten Journalisten Gustav Seibt an der Auffassungsgabe der LeserInnen vorbei (SZ 23.8.). Dieser Diskurs ist zur Zeit ständig präsent, in allen Medien und auch in persönlichen Gesprächen, bisweilen unerwartet. Die obigen Fragen werden oft nicht deutlich gestellt. Viele hoffen auf das „Wunder“ der Umkehr vieler WählerInnen im Wahlmoment, auf 5+ % für die SPD und die Grünen, gar die FDP. Aber auf das populistische Selbstbewusstein der AfD direkt einzugehen, wagen viele nicht. Denn es ist nicht einfach, WählerInnen klar zu machen, wie falsch die Position ist, der AfD zur Macht zu verhelfen, wenn man selbst – subjektiv, in der Klasse und Schicht durch die Politik dieser Partei sicher verlieren wird. Aber auch das kennt man aus der Geschichte.

Also was? Die demokratischen Parteien müssen sich (alle? alle.) soweit erneuern, dass es glaubwürdig wird, wenn der Staat viel Soziales reduziert und an vielen öffentlichen Förderungen einspart, um das Sozialsystem und das Kultursystem zu erhalten und sich entwickeln zu lassen (Ihr erinnert euch: Von Umwelt ist abzuleiten, was sozial, bildungsmäßig und ökonomisch zu entwickeln ist). Dabei muss man nicht auf die Faschisten hinhauen, denn die eigene Erneuerung hängt von ihnen nicht so sehr ab, oder?

Beachtet die Fragen in den ersten drei Absätzen. Wie werden wir unter welchen Umständen mit den AfD Aktivisten umgehen und was müssen wir erwarten, dass uns untergraben wird? Diese Diskussion kann auch teilweise dazu führen, uns selbst zu erneuern – wir müssen Abschied nehmen auch von unserer eigenen Einbettung in scheinbar friedlich, schein sozial gerechte Wirklichkeiten, die zu viele Menschen ausgeschlossen haben, und nur von wenigen, zu machtvollen Menschen, dirigiert werden. Das wird mehr sein als eine Steuerdebatte.