Es ist glatt draußen, nur ein paar wirklich unsinnige Radfahrer gleiten über eisige Straßen, die Temperatur steigt von -14° auf +7°, bald wird es zu viel Wasser geben, noch ist alles eingefroren. Gut so, wie lange hatten wir gar keinen Winter? Wo die Kälte herkommt? Egal, erst wenn Trump Grönland besetzt und ausgebeutet hat, werden wir etwas über die Arktis-Strategie der Weltmächte wissen. Den Satz meine ich ernst, nicht ironisch, denn noch – noch – sind wir uns nicht wirklich im Klaren, wie die Zerstörung der Weltpolitik durch drei Nuklear-Riesen, vor allem Trump und Xi, aber auch der schwächere Putin, uns marginalisiert, auch das reiche Deutschland, auch die reiche EU, auch Mercosur. Da wir abhängig von den USA sind, dürfen wir gar nicht die Wahrheit auf den Punkt bringen, maximal höflich uns annähern, um als Subalterne besser behandelt zu werden als offene Opponenten – oder eben die nächsten Beuten der drei Diktaturen. Oder beides. Nicht schimpfen, nicht beleidigend querulieren, aber auch nicht lecken und sich übergeben, im doppelten Wortsinn. Wer keinen Trumpf hat, sollte nicht Zweitmacht simulieren. Ich sage nicht, dass Trump oder Putin ihre Herrschaft dauerhaft aufrechterhalten, aber ich sage auch nicht, dass ihre Nachfolger besser sein werden als sie selbst. Die lernäische Hydra ist ein Vorbild. Ein anderes Hitler und Stalin, im neuen Dreieck mit Xi. Darüber machen sich die Kommentatoren verschlungene Figuren, um – ja was? – uns zu beruhigen? aufzuwecken? zum Widerstand oder zur Unterwerfung zu bringen? Ich lese diese Sachen wirklich, nicht alle, viele aber, und bin entmutigt. Wer die Wahrheit nicht sagen darf, wird glaubwürdiger, wenn er schweigt. Ist es so schlimm? ja, denn nicht nur wird die Umwelt dauerhaft zerstört, sondern auch die Demokratie, wo sie noch bis heute den Faschisten verschiedener Grade Widerstand leisten. Aus dieser Wahrheit ziehe ich weder Stärke noch traumatische Depression. Fast positivistisch beschreibe ich, wozu es nicht viel zu sagen gibt. Einige, ich nenne sie global-grün-demokratische Pragmatiker sagen dann doch manchmal die wirkliche Wahrheit, und das liest sich oft kleinteilig und gar nicht aufregend. Was man tun kann, wenn man untergeben ist oder wird. Ich nenne jetzt keine Namen, damit kein sekundärer Streit entsteht. Aber es gibt sie, bei uns und anderswo. Wir werden wohl, wenn wir es so wollen, die Herrschaft der drei Despoten nur unterlaufen können, nicht offen bekämpfen. Das übt sich moralisch und ironisch ein, bevor gehandelt wird. Hoffentlich bei vielen.
*
Das macht für sich noch keinen Mut, auch bereitet es keinen Widerstand. Ich weiß. Aber vor ein paar Tagen habe ich ein paar Stunden lang etliche Menschen gesehen und vor allem gehört, die eine Variante von Fahrenheit 491 repräsentieren und einüben. Natürlich sind sie fast alle sehr viel jünger als ich, teilweise wie meine Enkelinnen, aber manchmal entkommt ihnen ein politischer oder moralischer Satz, den man über Putins und Trump sagen wird müssen und über den Gräbern ihrer Nachfolger. Der Satz entkommt ihnen, weil er an sich noch in ihnen im Entstehen ist, nicht als übernächste politische Generation, sondern mit einer Hoffnung, die sie in Zuversicht wandeln möchten, also in Politik, also in Handeln. Man kann nur beispielhaft beitragen, man muss nicht korrigieren und sich gar kritisierend überhöhen. Im Gegenteil: man kann die kurzzeitige Zukunft, die uns Menschen noch gegeben ist, auch denen an die Hand geben.
*
Wir müssen aufpassen, dass wir nicht ausrutschen, uns nicht verletzen, auch ohne dass wir direkt angegriffen werden. Der Winter handelt nicht strategisch, er ist einfach, kalt und glatt. Die menschenfeindlichen Selbstherrscher sind keine Naturgewalt. Wir können nicht nur ihre Enden absehen, sie erzeugen auch keine Wirklichkeiten wie Natur und Zeit. Manchmal, wenn sie das für einen Moment begreifen, versuchen sie uns zu täuschen. Nicht drauf reinfallen, aufpassen bei Glatteis, und wenn es schmilzt, die Gelegenheit nutzen zum Überqueren des Unglücks.
Über Details reden wir, wenn sich die Zwangsklammern lockern. Jertzt müssen wir sie unterwandern, um sie zu überstehen. Und, nicht nebenbei, für die frierenden, hungernden und gequälten Opfer der drei Tyrannen mehr spenden und mehr helfen, das geht noch immer.