Weltkrieg III. Begriffskampf um die Wirklichkeit

Ob man die Kriege in der Ukraine, im Nahen Osten, in Zentralafrika, im Sudan, gegen Venezuela, gegen Kuba, …zu einem „Weltkrieg“ summiert oder sie parallel geschehen lässt, teilweise verbunden, teilweise unverbunden, ist begrifflich nicht gleichgültig, weil der Weltkrieg bei vielen Gruppen unterschiedliche Reaktionen auslöst, die wiederum Ängste, Aggressionen, und unterschiedliche Selbstkorrekturen bewirken. Dass man den WK III nicht mit WK II und WK I gleichsetzen kann, ist so klar wie die Anmutung der Vergleiche, global, d.h. „Weltkrieg“. Das sind keine Sprachspiele, da geht es um weltweite, also auch lokale, Folgen und Reaktionen auf Krieg und Kriegsgeschehen. Natürlich ist vieles anders, ich verweise nur auf die Konfrontation von konkreten und abstrakten Kommunikationsstrukturen, von Drohnen, von gelockerten Atombewaffnungen, von globalen Attacken auf die ohnehin schmale Chance des Umweltschutzes, Naturschutzes, vom Abbau globaler humanitärer und kultureller Kommunikation – alles in allem ein evolutionärer Rückschritt.

Manches ist aber nicht so neu. Vor 15 Jahren hat einer meiner Dissertanten bereits moralische und politische Begrenzungen der in Entwicklung befindlichen „Drohnen“ analysiert, heute braucht man in den Kriegen keine „“ mehr. Auch müssen wir uns daran gewöhnen – nein, nicht gewöhnen, erstmals wahrnehmen – dass demokratische Strukturen einen Verteidigungskampf gegen globale Konfrontationen faschistischer und ähnlicher Diktaturen untereinander führen müssen, aber wir wissen nicht wie, wir lernen. Abhängigkeiten und die Initiative relativer Autonomie erfordern Weiterentwicklung, nicht Verringerung von Demokratie. Und?

Widerstand, Resilienz, … ja schon, aber wie? Am Anfang der Hobbitsaga 1937 (Später Tolkien: J. R. R. Tolkien – Wikipedia „Der Herr der Ringe“, 1954/55), aber lernen wir, dass die Gegner erstmals nicht konkret erscheinen. Sie zu erfassen gehört auch zur Entwicklung. Bitte, werte Leserschaft: unserer Entwicklung. Und damit verändern sich auch die begrifflichen Bestimmungen unserer Einsichten und Entscheidungen, der politischen (z.B. Unterwerfung oder Widerstand) wie der kulturellen (z.B. Grenzen und Potenziale von Freiheit) wie der persönlichen (z.B. Kinder oder nicht). Ob und wie wir das angehen, hängt davon ab, wem wir vertrauen können und mit wem wir Zukunft teilen können, weil wir die Gegenwart überstehen – mit all dem müssen wir viele unserer festgesteckten Urteile und Vorurteile wohl wenigstens überprüfen und wahrscheinlich korrigieren. Allein die Wahrscheinlichkeit, nicht mehr in einem ohnedies niemals realen Westen weiter mit den USA zu buckeln oder mit dem niemals realen Osten noch weniger freiwillig anzubandeln – ja, was bedeutet das für unser persönliches Leben, als Einzelne, in Gruppen, Familien und Bewegungen. Demokratie muss all das zusammenhalten, also kann sie niemals so bleiben, wie sie ist: sie muss sich so entwickeln, wie wir uns entwickeln können oder sollen, und das ist nicht eindeutig. Wie gut das ist, wenn wir Entscheidungen haben, treffen können. Das kann man durchaus mit Vertrauen, aber auch mit Widerspruch und mit taktischem Verhalten und mit Zögern oder Vorpreschen verbinden, man muss nur sich selbst darüber im Klaren sein, dass nichts ohne Risiko, nichts ohne eine dunkle Seite geschieht, vor allem, wenn man seine Gegner nicht realistisch einschätzt (Beispiel: Diktatur Trump ist ein gefährlicher Atomdiktator, der uns vereinnahmt und gefährdet. Aber er ist nicht dumm; Diktator Xi gefährdet uns auch, global, und er ist auch nicht dumm; und wie auch immer wir Putin ablehnen, da haben wir bessere Argumente parat. Aber auch er ist nicht dumm.). Das schreibe ich, weil die Dummerklärung unserer Gegner uns kurzfristig beruhigt und dann als Pundits machtlos macht. Ob wir da auch noch Weltkrieg sagen oder gobale Kriege, ist nicht so wichtig. Aber in den Begründungen sollten wir auch vorkommen und uns nicht den Gegebenheiten unterwerfen, weil wir eben nur ein einziges Leben haben – die lernäische Hydra (Die Hydra … ist ein vielköpfiges Ungeheuer der griechischen Mythologie. Wenn sie einen Kopf verliert, wachsen ihr zwei neue, zudem ist der Kopf in der Mitte unsterblich. Ihr Hauch ist tödlich. Hydra (Mythologie) – Wikipedia) und die Diktatoren haben mehrere, nicht bessere Leben. Da muss man schon anders als direkt konfrontativ vorgehen.

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