Kein Pardon…so einfach?

Der Iran hat es mit einem Angriff geschafft, vielen Menschen die Wirklichkeit der Auseinandersetzung in Nahost verständlich zu machen. Das war keine stumpfe Waffe als Antwort auf den Angriff – von wem? – in Damaskus, sondern ein weiteres Element einer sehr langen, global verspannten Auseinandersetzung. Viele Medien üben sich in Information und Aufklärung über die feindselige Konfrontation des Iran mit Israel. o weit, so wichtig sind die Nachrichten und Kommentare.

Aber da stört mich etwas, nicht einfach nebensächlich. Die Konfrontation hatte begonnen, als die Ayatollahs die Macht über den Iran an sich gerissen haben. Das hatte die Konfrontation geformt, aktiviert, differenziert. Diese Nachrichten kann man ganz genau nachvollziehen. Was war davor? Da sagen die meisten Medien, es hätte gute Beziehungen zwischen Israel und dem Schah von Persien gegeben. Wirtschaftlich hätten die beiden Länder sich gut vertragen. Das ist erklärungsarme Information.

Über die Geschichte dieses Diktators hatten wir im Studium und in der akademischen wie politischen Diskussion vieles erfahren und gewusst, auch die Umstände, unter denen er an die Macht kam. Das hat sich erheblich gebissen mit dem öffentlichen und oft privaten Interesse an seinen Gattinnen, zuerst und hochgeschrieben Soraya, dann Farah Diba. So arg kann doch ein Gatte nicht sein, wenn das kleinbürgerliche Herz mit Lebensstil, Fruchtbarkeit, Ehekrise und Oberfläche so rührend umging. Oder aber die Studentenbewegung, der Kampf gegen das Bild des Schahs und die Jubelperser, und die Hoffnungen und Erwartungen in seine Gegner, und dann war es soweit Ayatollah Chomeini statt Reza Pahlevi.

DAS KANN MAN GENAU NACHLESEN. Ich kommentiere die Fakten nicht und schon gar nicht den Strauß an Interpretationen.

Aber OFFENSICHTLICH weiß die Politik ziemlich genau, wie sich Beziehungen von Iran und Israel, und warum und wie, geändert und zu einer feindseligen Konfrontation geführt haben. Viele Fachleute verstehen, warum eine Reihe arabischer Länder in dieser Situation Israel unterstützen, bzw. unterstützt haben. Und zugleich vor einer Eskalation warnen.

Dazu braucht Ihr mich nicht. Aber ich brauche meine Erinnerungen, an die Studentenbewegung, an das Studium (was die Politikwissenschaft, Geschichte, Geographie, Kultur etc. ) – an die Vorfälle – Berlin, wisst Ihr noch? – an etliche Freundinnen und Freunde, damals und heute. Ich brauche diese Informationen aus meinem Gedächtnis um die Erinnerungen an den bundesweiten Soraya-FarahDiba-Diskurs auch wieder aufzurufen, warum ist das auch noch so klar, was war daran so wichtig?

Es lohnt, den Übergang vom Schah zu Khomeini genauer zu studieren, und es lohnt, den ernüchterten Lernprozess nachzuvollziehen, weil doch fast alle denkenden und kritischen Menschen das Abdanken des Schahs begrüßt hatten.

Und fragen wir euch und uns, was haben wir da bei Israel gesehen und übersehen?

https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/bundesregierung-iran-israel-100.html 17.10.2023

https://www.tagesschau.de/ausland/asien/iran-israel-102.html 21.10.2023

https://en.wikipedia.org/wiki/1953_Iranian_coup_d%27%C3%A9tat

https://www.american.edu/sis/news/20190408-40-years-later-iran-after-the-islamic-revolution.cfm

Und lesen Sie nach, was am 2. Juni 1967 geschah: Benno Ohnesorg. Dann versteht man sehr viel mehr von der damaligen deutschen Geschichte.

Klima vergiftet

Der FDP Minister kann sich freuen. Weiterhin wird der deutsche Autopöbel mit hoher Geschwindigkeit die Umwelt vergiften und die Welt wird darunter leiden, wenn der Mitverursacher endlich die mit seiner Sekte im Jenseits ewigen Stillstand erfährt. Warum man den Untam nicht mitsamt seiner liberalen Umweltmafia vom Hindenburgdamm in den Schlick der dumpfen Lebensart befördert hat? Weil er wie der lernäische Hydrant sofort 9 Köpfe nachwachsen lässt, wenn man ihm seinen gedankenlosen Betonkopf vor die Reifen legt. Machen wir natürlich nicht.

Warum die Grünen das Verkehrsdrama mitmachen? weil wir wahrscheinlich die FDP noch vor der Umweltkatastrophe dorthin befördern, wo sie der Umwelt nicht mehr schaden kann, außer durch blöde Drohungen – Sonntagsfahrverbot…wer kann dann dem Minister ans Bein fahren? Aber wenn es doch weniger Umweltfeinde im deutschen Pöbel gibt, dann bleiben diese Untams unter 5%. Gib die Hoffnung nicht auf.

Wenn nicht?

Noch ein Unglück mehr.

IranIsraelIrritationen

Wenn es nur Taktik gewesen wäre: Israels Angriff auf iranische Personen und Diplomatie in Damaskus, dann könnte man von einem politischen Coup sprechen. War es aber nicht, eher Netanjahus Ablenkung von Gaza im Hinblick auf eine weit größere Konfrontation.

So war auch die Reaktion Irans bis jetzt fast kalkulierbar. Nicht erwartet war Teherans Feststellung, mit dem massiven Angriff sei nun erstmal reagiert worden, würde Israel weiter angreifen, würde die Reaktion härter sein.

Und die westlich-globale Reaktion sieht („natürlich“) im iranischen Komplex viel gefährlichere Potenziale für einen größeren Krieg als im Gazakonflikt.

Dass sich Israel gegen die Vernichtungsdrohungen – von wo im arabisch-islamischen Raum auch immer – wehrt, ist verständlich, auch wenn die derzeitige Regierung erheblich zur Selbstvernichtungsdrohung beiträgt. Lasst die Kirche im Dorf, noch jede Regierung, und das Land selbst, war vom Iran bedroht worden, zumal wenn es versöhnende Politik mit anderen Ländern der Region, z.B. Saudiarabien gibt.

Nicht die weitere Bewertung und gar Kommentierung liegt mir nahe, sondern die Beobachtung, wie sich die weltweiten Maschen des Netzes immer stärker zuziehen, die Schwellen zum Weltkrieg sind ohnedies überschritten, die Elemente dazu verdichten sich. Für mich zeigt sich das beim zunehmenden Ersatz der FRIEDENSLOGIK durch die KRIEGSLOGIK, wenn es um die gleichen Situationen und Objekte geht. Im Krieg gelten andere Regeln – vergiss die juristischen roten Linien – als in einem verteidigten, noch so instabilen Frieden. Im Nachhinein weiß das jeder, ob direkt betroffen oder nur mit Schrecken hinschauend. Man darf die Augen vor der Kriegslogik nicht verschließen, auch wenn man sie mit Recht ablehnt; aber was heißt das schon, wenn der Krieg ja wirklich ist. Und manchmal fragt man sich schon, wieweit die Kriegslogik sich finanzpolitisch oder kulturell tarnt, fast nicht als solcher erkennbar wird. Wenn zB. Soziale Leistungen und Kultur gegen die (begründbare) Stärkung von Verteidigung, vielleicht gar Abschreckung, ausgespielt werden – nur weil ein wenig gerechtfertigter Liberaler „sparen“ will. Sparen für den Krieg und Sparen im Frieden, das sind schon Unterschiede, und man kann das nicht so einfach vertauschen. Aber eine sozial und kulturell geschwächte Gesellschaft ist anfällig für die Kriegslogik (ob das Lindner begreift?). So greift der Krieg in unsere Innenpolitik, und man kann sehen, wie er herrscht…Politisch können wir hier umsteuern, aber eben nur so begrenzt, wie unsere Gesellschaft ernsthaft die Friedenslogik wieder herstellen will, und das heißt auch, mit der Kriegslogik umzugehen, sie nicht einfach zu leugnen. Dazu sind uns die Feinde des Friedens viel zu nahe…und wir haben noch nicht einmal genügend Orte um uns zu schützen und zu verstecken!

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Israel Iran. Nicht immer so vorschnell erklären, was man schwer versteht und weiß.

Neben der Spur

Wie lange kann ein Zug neben der Spur hoppeln? Wie lange kann ein Verkehrsminister die Autos fördern, damit die Züge nicht mehr fahren können? Ich habe die Antwort: er will die Zahl der Toten erhöhen (Verkehrstote erleichtern die Versicherungen und helfen den Bestattern), er will die Bahn ruinieren und Deutschland stattdessen zubetonieren (Das war schon vor 70 Jahren ein Versuch in Kalifornien, da hat er ein erfolgloses Vorbild), und weil er ja gottesfürchtig und inkompetent ist, kann man ihn auf Fußwallfahrt in die Wüste schicken, die er selbst mit verantwortet.

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Ich verdränge Wissings Quatsch. Draußen blüht es, Frühblau wechselt zu gelb, die Bäume sind noch grün, die Wasserlachen im Park halten sich noch ein paar Tage und die meisten Menschen vergessen den Klimawandel. Nicht was IST zählt, sondern was man meint zu sehen und wahrzunehmen. Es gehört zum Aufbau von Resilienz, eine umgebende Natur in seine eigene Gesellschaft zu „integrieren“, nicht sich aus der Gesellschaft sozusagen auf Urlaub ins Grüne auszublenden. Das Umgekehrte, sich und die Gesellschaft in die Natur zu integrieren klingt gut, aber außer im Goldenen Zeitalter geht das wohl nicht. Wenn die Wahrnehmung nicht mit Erhaltung, manchmal gar Rettung, verbunden ist, bleibt es beim grünen Gesäusel.

Bei den Versuchen, marktnahe, ortsnahe grüne Landwirtschaft zu verstehen, kann man diese Integration im besten Fall erfahren oder sich gar daran beteiligen (das muss man nicht, wenn mans nicht kann; aber dann kann man das fördern). Man wird schnell Schlüsse ziehen, die ganz anders aussehen als derzeitige Mode, den Bauernstand – neben Lehr- und Wehrstand – staatlich zu hätscheln und dort zu fördern, wo man eher einschränken sollte. Das geht mir durch den Kopf, wenn ich durch die stadtnahe Landschaft gehe oder radle. Es kommt auch darauf an, kleine Veränderungen zu bemerken und zu speichern. Unwillkürlich denkt man da an die Schuldiskussion, mehr Englisch, Rechnen, Schreiben, naja, Deutsch, naja… aber das hindert nicht, sich der Umwelt so zu widmen wie der IT (was ja für manche leichter zu fordern ist, weil sie das andere gar nicht kennen).

Wenn der Wissing wirklich die Autos verbietet, um seiner 3% Partei den Sprung über die 5% Hürde zu ermöglichen, dann kann man einmal am Mittelstreifen der Autobahn sehen, was dort nicht wächst, und an den Feldern daneben, wohin es führt, wenn die Bauern keinen Ökostreifen rund um ihre Anbauflächen einrichten. Das ist alles so einfach, dass es schon fast beschämend wirkt, sich diesen Primitiva zu widmen. aber wenn sie nicht mehr sind und nicht mehr erinnert werden, ist es auch reaktionär…

Lest die heutige SZ Vivien Timmler: Wissings Poker mit Fahrverboten. Da ist der Zusammenhang deutlich.

Das Hirn tropft rechts

Seit drei Tagen diskutieren denkende und regierende und gegenteilige Menschen die Kriminalstatistik. Allein die Kommentare in den Medien lassen Zweifel an der Denk- und Interpretationsfähigkeit aufkommen, die gelten nicht nur den Nazis von der AfD. Von den Auslegungen der Statistik stehen die C Parteien der AfD am nächsten, allen voran die boarische Innenministerin. Aber auch andere: Ausländerfeindlich wollen sie, dass sich die Geflüchteten unserer Kultur unterwerfen, und sei es die boarische. Und es sollen weniger werden, damit wir noch weniger Arbeitskräfte, aber vor allem noch weniger Sozialschmarotzer, Jugendliche und vor allem Kriminelle ins Land lassen. Natürlich haben ein paar aufgeschreckte kluge InterpretInnen sofort diese hasserfüllte Christliche Kleingeisterei zurechtgerückt, aber die Wirkung beim Pöbel bleibt. Was die Bayern übersehen: sie sind auch keine Deutschen, und ihnen muss man auch die Kultur- und Sozialleistungen streichen…

Wenns nicht so traurig wäre, könnte man daraus Kabarett machen.

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Natürlich stimmt an der Statistik vieles. Aber man muss sie erklären und verstehen können. Wenn die staatliche und bürgerliche Sozialunterstützung abgebaut wird (Frau Lindnerin will „sparen“, obwohl es keine künftigen Generationen dank ihrer Mithilfe geben wird). Und es sind eben nicht „Ausländer“, die den Deutschen den Kriminalitätsrang ablaufen, sondern sie sind hier, weil sie aus dem Ausland hierher geflüchtet sind. Warum? Das kann jeder wissen, der sich informiert. Einfach ist es dennoch nicht, und wenn Verbrechen geschehen, muss man reagieren. Das Wie? ist keine staatliche Geheimsache, sondern liegt auch im öffentlichen Interesse.

Lest in der SZ von heute, 10.4.:

Die Polizeiliche Kriminalstatistik 2023 weist mehr Kinder und Jugendliche als Tatverdächtige aus – und mehr Menschen ohne deutschen Pass. Über die Schlüsse daraus streiten Kriminalisten und Parteien.

AYÇA BALCI, HENRIKE ROSSBAC
UND CONSTANZE VON BULLION

Sand – in den Augen, im Getriebe

Eigentlich sollte der Himmel blau sein, wolkenlos, aber die Decke aus Sand tönt alles farbige ab. Wenn das vorbei ist, soll es wieder kühler werden….aber wer versteht schon die Wetterprognose. Und niemand bringt den Sand zurück in die Sahara, das ist auch kolonial.

Das Bild vom Sand im Getriebe ist vergleichsweise harmlos, den Sand kann man ja wegblasen, absaugen, und dann gehts weiter (naja, so leicht ist das auch nicht, ich habe das einmal vor vielen Jahrzehnten in der eisigen kalifornischen Bergwüste mit einem Mietwagen machen müssen, lustig war das nicht). Aber die Metapher wird ja gern politisch verwendet, um zu verdeutlichen warum ein „an sich“ richtiges Gesetz oder eine Maßnahme trotzdem nicht funktioniert. Der Vorwurf gehört zum Grundrepertoire jeder Opposition, weil die Angegriffenen ja nicht sagen können „da ist überhaupt kein Sand“.

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Sand im Getriebe meiner Produktion, abgesehen von Defekten am Computer oder dem Fehlen von Druckpapier oder der Störung durch unerwartete Anrufe oder Poststücke – die sind schon keine Sandkörner mehr, sondern Brocken. Nö, Sand im Getriebe ist etwas anderes. Auf der falschen Fährte weit vorangeschritten zu sein und dann ohne Ergebnis umkehren zu müssen, oder einem unfähigen Kollegen etwas aufzutragen, das ihn zum Sandsturm macht, oder schlicht Versandung im Hirn, Vergesslichkeit oder Schlamperei…schon bei Karl May war das Verrecken im Sand (Llano estacado, zum Beispiel) eine beliebte Metapher, nur wurde man bei ihm, wenn auf der richtigen Seite, gerettet. Als Einzelner versandet man oft in Müdigkeit oder Ablenkung. Aber verdammt nochmal, was versandet denn die Regierung und wie putzt sie ihre Mechanik wieder funktionsfähig? Es gibt so gut wie kaum Fachliteratur für die Selbstreinigungskräfte der Politik, vielmehr wird dauernd vom Neuanfang geredet, das ist so, wie man täglich mit dem Rauchen aufhört, um ebenso täglich wieder damit anzufangen. Wenn ich das Stichwort eingebe, gibt es ganz viel Erläuterungen, die aber auf den Sand im Getriebe der Politik nicht eingehen. Wodurch natürlich etwas anderes erläutert und kritisiert wird, als die Metapher meint.

Ich nehme das Beispiel dafür, dass (fast) alle wissen, was eigentlich mit einer Metapher oder einem Hinweis gemeint ist, aber seine Anwendung und Konsequenzen bleiben oft aus, oder werden auf einem ganz anderen Feld ausgetragen. (Die Sprachwissenschaften haben dafür ein anderes Instrumentarium, aber ich rede von der Alltagspolitik und der Laienreaktion). Sand ist gut für die Metaphern, weil Sand in den Augen gängig verwendet wird und eben Sand im Getriebe gängig ist.

Das Preisausschreiben wäre angesagt, die beste Antwort auf die Frage, was denn der Sand im Getriebe der konkreten Politik von Regierung oder Exekutive und Gerichten oder auch im Parlamentsausschuss wirklich ist udn wie man ihn beseitigen könnte. Denn von irgendwo muss dieser Sand ja herkommen und irgendwohin muss er ja weggeschafft werden können…

Die philosophische Gegenthese ist ja, dass Sand im Getriebe notwendig ist, damit über Funktion und Ziel des Getriebes überhaupt nachgedacht werden kann – wenn alles glatt läuft, dann fragt sich kaum mehr, was „alles“ ist…das freut die Sandmännchen der Bürokratie, weil sie sich so als Sand begreifen, aber sie merken nicht, dass sie nicht der Sand, sondern das stockende Getriebe sind. Na, dazu braucht man die Philosophie vielleicht nicht.

P.S. eigentlich wollte ich heute etwas anderes beschreiben: wie nämlich eine demokratische Regierung in Israel anders als Netanjahu auf den Terror der Hamas geantwortet hätte. Aber das kann und will ich nicht, weil ich in zwei Tagen eine Lehrveranstaltung zu diesem Thema beginne, und verkürzte Metaphern Sand ins Getriebe streuen würden.

Glück und Industrie und Glück

Früher habe ich gerne Tarock gespielt, ein gutes Spiel mit schönen Karten und besonderen Bedeutungen einzelner Werte. Kaum ein Kartenspiel hat so viele Varianten und Erklärungen, auch bei https://de.wikipedia.org/wiki/Tarock . Die II (römische Ziffern): „Industrie und Glück“ einer an sich nicht so wichtigen Karte hat mich immer beschäftigt. Das war vielleicht ein Hinweis auf Klasse und Selbstverständnis der bürgerlichen Spieler (männlich, Mittel- und untere Oberschicht), oder eine besondere Allegorie zur Zeit des aufstrebenden 19. Jahrhunderts….egal. Ich habe es gern gespielt.

Warum ich es gerade in diesen Tagen mit den wirtschaftsorientierten Medienberichten assoziiere? Mit den Erklärungen für Aktienkurse, dem Glück des Spielers und dem Absturz sicher geglaubter Industrien…Kann sein, dass das Unbewusste mich auf die Fährte setzt. Meine Abneigung gegen bestimmte Wirtschaftsnachrichten hat zugenommen, wenn nichts wirklich erklärt, aber vieles angedeutet wird. Natürlich wird überall manipuliert, aber ebenso natürlich setzen sich Wahrheiten und Wirklichkeiten oft durch, in Sport, Kultur und Gesellschaft eher als in der Wirtschaft (Erklären Sie den Aktienkurs, und sagen Sie nicht „Psychologie“, wenn Sie arbeitslos oder Millionär werden). Das ist so trivial, dass man es kaum erwähnen muss, in einem Land, das vor langer Zeit stolz auf seine Bildung war, und heute noch Noten für Einbildung vergibt. Alle verstehen alles, das freut auch die Spione und Querdenker. Letztere wiederum werfen eben diese Haltung der Politik vor, und die bemüht sich, verständlich das Unverständliche zu verteidigen, wenn sie es nicht ändern. Glück und Industrie, warum „und“ und nicht „oder“?

Eine Lektion: Ich appelliere an Eure und Ihre Ehrlichkeit. Wer tatsächlich eine monatliche Gehaltsabrechnung wirklich versteht und ausdeuten kann, soll das hier, als Antwort, erklären.

Grundbezug, FamZuschlag, rgf. Dienstbezüge, 66, 730 % Ruhegehalt, Ruhensbetrag (s. Anlage § 65), Restversorgung, Summe Versorgung, IAP einm. stf, IAP mon. stf 0124, Summe Brt-wirksam, Bruttounwirksam, MV Vers. Bezüge, Summe Brt-Unwirksam, Auszahlungsbrutto, Gesetzl. Abzüge, Lohnsteuer, Summe Ges. Abzüge, Summe Nettobezüge, Auszahlungsbetrag, Überweisungsbetrag, Steuer-ID xxx ELStaM….

Das ist die erste Kolumne von vieren, die ich jeden Monat bekomme. alles in Ordnung, denken wir, und ist ja gut, wenn so differenziert gearbeitet wird, aber wenn man dann die Summen jeweils zu den Begriffen hinzufügt, dann fragt man sich, was wie bedeutet und worauf sich diese Rechnung bezieht. Und vor allem, wer das versteht, wenn es verstanden werden muss, – einmal war ein nachträglich korrigierter – fünfstelliger Fehlbetrag angegeben, wie durchschaut man das? Wenn man Glück hat, lernt man es, und mit Fleiß (=Industrie) kann man das manipulieren oder sich absichern.

Das Gegenargument: auch wenn das alles sehr kompliziert ist, es versucht, „gerecht“ zu sein, während März` oder Söders Bierdeckelrechnungen ja auch nicht richtig sein dürften….Das KOMPLEXE VERSTÄNDLICH MACHEN, nicht es unsozial zu VEREINFACHEN. Darum geht es mir in vieler Hinsicht. Warum mir? Weil ich verstehen will, worauf ich politisch verlassen können möchte . Das macht Politik in der Demokratie diskutierbar. Oder können meine geschätzt LeserInnen auf Anhieb die obigen Fachausdrücke ordnen und erklären?

Nachsatz: das war mein Blog #800.

Grün, schwarz, bloß rot, blaßrot…

Der schwarze Freitag gehört der Börse, der Gründonnerstag dem Spinat, die Roten können nur mit den anderen Roten, wenn die Schattierungen ausgefeilt sind – und dem Volk bekannt, Weißbücher sind keine Schwarzbücher, aber warum heißen sie so? und insgesamt sind wir eine farblastige Gesellschaft. Darüber machen etliche Witze, andere sehen die Farben als Bestandteil unserer „Kultur“, warum nicht? und manchen sind die Farben egal, auch auf der Straßenkreuzung ab 23.30…

Man muss keine feiertägliche Politisierung von Farben vornehmen, überhaupt, ein nebensächliches Thema. Aber gerade habe ich eine schöne Gartenausstellung und eine Bildersammlung in einer Galerie besucht, und habe mir die Gartensicht der Kunstgärtner wie der Maler angeschaut, und hinter den Farben und Formen angelegter Natur schon etwas gesehen, nicht geheimnisvoll, sondern verständig. Immerhin kann man in Potsdam viel einschlägiges sehen, Munch, Förster, Hagemeister, man hat das alles im Frühlingslicht und muss sich nicht über die sinnlos-hässliche Kulissenerweiterung der Innenstadt ärgern. Einfach Frühlingsbilder im Frühling, ein bisschen früh im Jahr, aber was solls, bevor wir vertrocknen, schauen wir noch die gekühlten Farben und Formen der Blüten, Stauden und Gräser…

Das kann meine Einleitung zu Osterwünschen und -grüßen sein, man muss ja nicht immer an den Angeln der Weltpolitik herumfummeln. Also: schöne Ostern wünsche ich, herzlich, mit oder ohne Kontext von Karfreitag und Auferstehung bis Pessach, habt es einfach gut. Einfach.

Was das Guthaben bedeutet, ist wieder eine andere Frage. Manche legen Guthaben an, weil es ihnen jetzt ohnedies nicht so gefällt, zum Beispiel ein Guthaben in Moskau, wenn die Russen doch die Ukraine unterwerfen und man dazu beigetragen hat, oder ein Guthaben beim Bauernbund, wenn die Umweltregeln endlich gelockert werden, weil giftige Agrarprodukte bekanntlich der jetzigen Generation auch schmecken, oder aber es möchte diese Generation der künftigen Generation schon gar keine Rente mit 48% gönnen, weil das ja die Guthaben der jetzigen Hindenburgdammkrösoi einschränken könnte. Was, das versteht ihr nicht? die so genannte FDP hält 48% Rente vom Lebenseinkommen für zu hoch…weil es den Haushalt des Sparschweins zu sehr belasten würde, eine sinnvolle hohe Alterssicherung zu garantieren, wie in anderen Ländern, 70%, 80%, jedenfalls sollten alle lebenslang einzahlen und dann viel mehr im Alter bekommen, siehe zB. Österreich. Aber da machen unreife Demagogen (FDP) nicht mit, und die Gewerkschaften verhandeln auch nicht genug über die Renten. Früher, da ist man gern ein paar Wochen nach Pensionseintritt gestorben, aber doch nicht heute…na, ich bin schon wieder am meckern, dabei soll es doch frohe Ostern geben. Zurück an den Anfang.

Es ist ja nicht alles schlecht dieser Tage, siehe die erfolgreichen Ausstellungen und Gartenwanderungen. Und es stärkt die Resilienz, wenn man bestimmte Töne einfach am Ohr vorbeizischen lässt, nicht hinhört oder aufschiebt. Ich hole aus einer unzensierten Vergangenheit eher Erlebnisse herauf, mit 11 bei den Pfadfindern haben wir einen Namen erfunden,

Eurimusibus Gunkelhuber,

und dem haben wir dann angehängt, was man dem Pfadfinderführer oder Lehrer so nicht sagen durfte, was das war habe ich vergessen, aber der Name hat sich eingegraben. Und ich kann ihn frei an heute lebende Gestalten vergeben. Andere erkennen sich vielleicht wieder in dem Namen

O.S. ter Hase,

welcher Name die Frühjahrsgeschichten für meine Kinder und Enkel lange Zeit geschmückt hatte, bis er nicht mehr lustig war. Wie überhaupt nicht alle Jugenderinnerungen lustig sind, nur weil man damals gelacht hatte…Jede Generation, seit Menschengedenken, nimmt ihre Zeit weniger fröhlich wahr als im Gedenken ihre Jugend. Das wäre ein weiteres Thema für die Geschichtswissenschaft oder die Religion: früher war alles nicht nur besser, auch lustiger. Und über „früher“ wird promoviert.

Frohe Ostern also. Früher hatte ich immer

Frohe O*

geschrieben, aber damit war ich auch nicht allein. Naja, in ein paar Tagen fängt die Routine wieder an, da muss ich nicht lustig sein wollen. Wenigstens zitiere ich nicht aus dem Osterspaziergang, oder amüsiere mich über die Osterinsel, die Freunde von mir wirklich besucht hatten. Nur die Kalauer mit Ostern und Western erspare ich euch und mir, aber die waren lange populär, als es noch einen Osten gab.

Steinzeit

Jeder kennt Ovids Zeiten Gold Silber Bronze Eisen, es geht immer bergab. Und wie gut die Metapher zu gebrauchen ist. Über die schlechter gewordenen Zeiten musste der Dichter weniger schreiben, es war ja realistisch. Warum es keine Umkehrung geben konnte, nie geben wird? Weil es Menschenkräfte übersteigen würde, und das war ja der Fortschritt, auf andere Kräfte nicht mehr zu setzen. … Jedenfalls bei den Meisten. Radikale religiöse Randerscheinungen predigen zwar die Umkehrung, aber dazu braucht es eines Wunders, eines Gottes oder eben einer hilflosen, eindringlichen Einbildung – bevor der Messias kommt, muss ETWAS geschehen, das sind wir und es wird dauern; wenn er NOCH NICHT kommt, sind ohnedies wir schuld. Gar nicht schlecht, so eine Unterwerfung unter die Moral der Religion, jedenfalls wirkungsvoll und voller bleihaltiger Konflikte.

Die steinerne Zeit ist noch nicht angebrochen. Dann wird es uns nicht mehr geben, die Erde wird irgendwie blühen oder dampfen oder frösteln, aber die ZEIT wird aus Granit sein, sich nicht mehr bewegen und besteigen lassen, denn wir werden ja keine Sekundenzeiger verfolgen. Mit uns gehen die Uhren, die Steinzeit bleibt und ist den Salamandern egal.

Nicht besonders originell, diese Überlegung, so alt und variantenreich wie die Zeitpoesie oder Physik. Aber mit dem rasanten Ende der steuerbaren Klimawirklichkeit ändert sich etwas. Je näher das Ende aller Anfänge droht, nach dem ohnedies alles sich OHNE UNS entwickelt, wenn es sich entwickelt, desto schneller wollen die führenden Idioten ihre Aktiendepots vergrößern, ihre Dividenden erhöhen und ihre Einkünfte steigern, schon der Absturz in der Rente ist zunehmend egal, weil man sie bestenfalls nicht mehr erlebt oder weil so viel an Reserve noch da ist. An Kinder denken, na gut, an Enkel oder gar Urenkel ist unrealistisch, da sind sich die Liberalen einig. Also kommt eine „bleierne Zeit“, guter Titel für den Terror des Übergangs von Etwas ins NICHT. Braucht man nicht immer wieder aufblättern, bleibt sozusagen hinter der Tür, abrufbereit (wie man am Feuilleton nach dem Moskauer Debakel merkt). Terror allein tuts nicht, denn wenn man alle unterworfen hat, nutzt einem das Muskelpaket nichts mehr. Für diese Realitäten der Eisenzeit braucht man eigentlich keine Philosophie, um sich die nächste Periode auszumalen, weil es immer noch schlechter geht.

*

Das muss man so überhaupt nicht wahrnehmen als Hintergrund. Man geht durch den Park, sehr verfrühter blühender Vorfrühling, man hat die letzten Nachrichten aus Moskau, Gaza, Charkiw noch im Ohr, aber das sind ja nur Geräusche, übertönt von ein paar Krähen und Hundegebell. Es blüht. Am Abhang zu den globalen Massengräbern blüht es noch, bis die Wüste alles zudeckt. Ich muss lachen bei dem Gedanken, dass diese Realität nicht etwa dazu führt, den Tagesablauf zu ändern oder andere Urlaubsziele oder Arbeitsformen anzustreben, das nennt der Berater Parallelwelt…die Gräber sind ja noch gar nicht hier, sie sind nur da, es gibt sie irgendwo anders. Ich gehe durch den Park, zwei Jahrhunderte aufgegraben, bepflanzt, beschnitten, das geht ja noch, überschaubar. Vergangenheit als Zukunft, sieht man die frisch gepflanzten Ersatzbäume gegen die Trockenheitsopfer. Schön, wie alles anwächst, noch regnet es ja, in echt und metaphorisch. Ich merke, dass ich mir die Blumen und Gewächse genauer anschaue als früher, dass ich auch Tiere entdecke, die ich einmal übersehen hatte. Der große Park war menschenleer, so früh. Wenn man zurückgeht in die Stadt, sind dort überhaupt noch Menschen? Mit Beton unter den Füßen beendet sich die philosophische Promenade, der Hund bellt wieder, die Pfützen mahnen zum Ausweichen und ein heller Tag beginnt.

Dass ausgerechnet die üblen Diktatoren die Vergangenheiten zitieren, als wären die die goldenen, silbernen Zeitalter gewesen, muss uns stutzig machen. Dass ausgerechnet in den um ihren Bestand kämpfenden Demokratien Rückschau die Voraussicht beengt, ist auch beunruhigend. Für die Tyrannen gibt es nur JETZT. Für uns doch auch? Ja, aber der Ausgang nach vorne ist anders.

Söder*in, halt Ei Wangerl hin!

Der dümmste Beschluss aus dem von Kultur und Politik abgehängten Baiern (I, nichtY!) ist auch eine Chance. Lächerlichkeit vergrößert das Urlaubspotenzial, denn wenn man mit der VermieterIn spricht, weiss man nicht, wie man das schreibt – und das wird ja in den beierischen Grunzschulen ohnedies nicht mehr gelehrt, sondern inhaltlich geleert.

Dass ein Lehrerverband die Entscheidung des Landtags begrüßt, kann nur dazu führen, dass noch weniger gebildete Menschen in boarischen Schuin unterrichten.

Aber im Ernst: was nicht alles an Unglück in Bayern begonnen hat und dann ganz Deutschland beschädigt habt. Auf Söder reimt sich nichts. gut so