Aufbruch am schmalen Grat

Mit Recht freut Ihr euch über das schöne Wetter (hier. Anderswo eher trüb). Und wie ich euch kenne, verliert ihr trotzdem das Klima nicht aus den Augen, macht euch Gedanken über die trockenen Bäume und fragt euch, wie wir alle besser mit Wasser umgehen.

Mit Recht freut ihr euch weniger über die politischen Nachrichten, wenn sie euch erreichen. Die Auswahl der Mitteilungen selbst bei guten Sendern (DLF) ist sehr eingeschränkt, und über die globalen Schrecken erfährt man wenig, über die näherliegenden oft abgemildert und über das, was ansteht, oft nur indirekt. Manche schauen statt dessen nur mehr die laufenden Posts, die sind in der Größenordnung und von ihrer Herkunft her weniger ausgeglichen, sagen wir „rechte Mitte“, Springer o.ä.

Mit Recht...die beiden Beispiele zeigen deutlich, dass das eine Floskel ist, wer gibt euch denn „Recht“ und was bedeutet das? Klar, wo die Zensur stärker ist, wird der Klimawandel geleugnet und die Information über alles Politische verbogen oder verdeckt. Das ist bei uns (noch) nicht so bedenklich, in vielen europäischen Ländern leider so weit fortgeschritten, dass man den Nachrichten so wenig glauben kann wie den eigenen Phantasien…Diktaturen, faschistische Regierungen, rechtsradikaler, manchmal linksradikaler, auf die öffentliche Meinungsbildung hat nicht erst heute seine Wirkung getan, und macht die nächste Zukunft schwierig, genauer: es wird fragwürdig, was man erfahren kann, um zu wissen, was man politisch, kulturell, sozial denkt. Diktaturen sagen uns, welche Art von Kultur sie herausfordern, um der kritischen Wahrnehmung Schranken vorzusetzen; sie schalten Sender ab, vereinnahmen die Presse, verbieten Begriffe in der Öffentlichkeit und kontrollieren private Aufnahmen von Information…Wie? Natürlich, nicht alles zugleich und bei uns, aber durchaus gestuft, von China über Russland und die USA bis zu uns. (Wenn ein Diplomat einer teils faschistischen Regierung einen kritischen Redner bei uns verbieten kann, ist das keine Lappalie; wenn man dem Gegner gratuliert, damit er kein Feind wird, ist das der schmale Grat, den man durchaus manchmal gehen muss, aber Bitte, nicht aus Überzeugung, sondern eher aus Schwäche).

Wie kommt man da raus? Und wohin? Ins „Freie“, sagt der Alltag, und damit verlassen wir die Wohnung, gehen an die frische ? Luft und…was dann? Kurzsichtige Metaphern. Aber doch auch anders, ins Freie. Da suche ich alternative Infoquellen, da beginne ich Diskussionen mit Menschen, denen ich zu bestimmten Fragen vertraue – das bedeutet, Abschied von allumfassenden Vertrauen in den meisten Fällen zu nehmen, aber immerhin. Und das ist genau die Haltung, oft der Stil, den die Gegner der Demokratie so fürchten oder bekämpfen. Wenn die meisten Menschen einer Gesellschaft, nie: alle, wissen worum es geht, wird schon einiges besser. Wenn nicht, erhalten wir Wahlergebnisse wie in Polen oder den USA oder…

Die Brennpunkte des Interesses sind weltweit sehr häufig in unserer geographischen und kulturellen Nähe, dem folgen die Medien. (Wusstet ihr, dass 8 von 10 großen Migrationsbewegungen in Afrika sind? Und da hört man relativ wenig). „Relativ“ ist hier wichtig.

Man kann auch politisch ins Freie gehen und sich umschauen, wo die Information richtig blüht. Das ist nicht immer angenehm. Ich nehme mir zur Zeit ein Beispiel an Harvard, das ich von früher ganz gut kenne. Die machen alles richtig gegen Trump, ABER sie haben auch eine Untersuchung über ihre soziokulturellen Schwachstellen angestrebt, nicht erst gestern: „„Wir haben hier ein Umfeld, in dem Studierenden vorgeworfen wird, reich, mächtig oder privilegiert zu sein, nur weil sie Juden sind. Das ist klassischer Antisemitismus“, erklärte Penslar. Auch gebe es soziale Ausgrenzung jüdischer Studierender, sofern sie sich nicht ausdrücklich von Israel distanzierten.“ /https://www.tagesspiegel.de/internationales/professor-spricht-uber-interne-untersuchung-juden-und-muslime-fuhlen-sich-in-harvard-nicht-wohl-13788898.html). Das muss man genau durcharbeiten und dann gegen den Antisemitismus von Trump und die Verbindung zur israelischen Regierung sehen. Damit man das kann, muss man eben etwas über Harvard wissen, und die Studie kennen. Und einiges mehr. Also ins Freie gehen

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Wir gehen immer über einen schmalen Grat. Stürzt man zur einen Seite ab, landet man im Populismus oder bei den Faschisten. Auf der andern Seite isoliert man sich bei den Eliten und weiß nicht mehr, was jenseits des Grates ist. Bleibt man oben, wünsch ich uns allen, dann gibt es andere Gefahren. Ein Grat ist „oben“, aber man muss wieder runter…“ Alles nicht so schlimm? Es lebt sich.

Dobrindt: nicht-human, nicht-christlich, nichtsnutzig – und entlastet

Menschen zurückweisen, symbolisch Ausländer anfeinden, große Klappe zum Begriff der Sicherheit. Das ist eine Tradition nicht nur bei Dobrindt. In ganz Europa geht die Fremdenfeindlichkeit um, ältere Politiker wollen die Pflegekräfte, Helferinnen und Helfer, Fachleute aller Bereiche in den nächsten Generationen entfernen und glauben, dass es geregelte Immigration geben kann und wird. Woher soll denn die kommen?

Ich sage es deutlich: nicht alle Rechtsradikalen sind Faschisten, aber die Anschmieggrenze, zB. zu Meloni, ist bedenklich. Und wer gegen Familiennachzug ist, ist nicht ausländerfeindlich sondern unmenschlich.

Auch wenn ausländische Familien mehr Aufwand, Anstrengung, Finanzen erfordern: ausgerechnet Deutschland sollte in Fragen der Migration seine Lehren aus der Geschichte schon etwas menschlicher ziehen. Und Dobrindt soll den Grenzblödsinn einfach lassen, die Migranten kommen ohnedies. Entwicklungspolitik, nicht Abschottung.

(Wer sich auskennen will: Das Ende des Wagner Zyklus, die Götterdämmerung, inszeniert heute meist das Ende der Herrschaft).

Entlastung von Dobrindt, seid mal ehrlich: die unmenschlichen Argumente nicht nur der politisch Rechten zur Migration sind weit verbreitet, im ganzen Land, Dobrindt ist der Repräsentant des ehernen Zeitalters. Dass in ganz Europa der Nationalismus blüht, ist ja nicht von ungefähr. Und dass wir nicht nur USA- und Russland bedingte Flüchtlingsströme haben – wir haben sie, nicht wir fordern sie und nicht wir lehnen sie ab – das ist auch eine Folge davon, dass die Befreiung vom Stalinismus im Osten und von der ungezügelten Demokratie im Westen gleichgesetzt wird – ungezügelt heißt, dass man sie nicht selbst und aktiv entwickelt, und man 1989 geglaubt hatte, es wird sich schon marktwirtschaftlich was stabilisieren. Dass man zugeschaut hat, wie aus dem demokratischen Neuanfang Ungarns Orban wurde, dass das demokratische Dänemark oder die Niederlande, die rechte Akzeptanzgrenze so verschieben, wie es bei uns die Dobrindts tun, DAS sollte bedacht und politisiert werden. Nicht spontan als minutenschnelle Reaktion, sondern politisch und persönlich, das bedeutet: selbst demokratisch agieren. Und die Liste dessen, was man tun, fordern und ablehnen kann, liegt auf jedes denkenden Menschen Tisch, sogar auf eurem und meinem.

Faschismus in Lauerstellung

Ja, da freuen wir uns alle über Rumänien; da sind die Faschisten in Portugal auch noch unter der Machtstelle; da sind in den Demokratien die Faschisten fast überall an zweiter Stelle, auch wenn sie noch nicht mitregieren, und wo sie regieren, merken wir das. Ob es Merz bei seiner Annäherung an Meloni gemerkt hat?

Faschismus ist nicht so einfach und schon gar nicht einheitlich. Aber Ungarn und die Slowakei und Kroatien und Belgien und die Niederlande und und und…wir trauen uns nur (noch) nicht auszusprechen, was die Wirklichkeit ist: dass das sogenannte Volk, nicht einfach der Pöbel, nein das sogenannte Volk vielerorts mehrheitlich anstrebt: das Ende der freien Selbstverantwortung, also den Abbau von Demokratie, und sei es in freien Wahlen.

Die Diktatoren Putin und Trump, ich wiederhole es, sind keine Faschisten, sie sind Diktatoren. Ihre Handlanger, innen-politisch und weltweit, sind oft Faschisten, und daher von den Diktatoren leicht steuerbar. (Wer den Vergleich von Trumputin nicht mag, soll sagen, was an den USA in der Weltpolitik „westlich“ im herkömmlichen Sinn ist, und worin sich die beiden Diktatoren wirklich unterscheiden, außer dass Trump die gewichtigere Atommacht anführt, und Putin deshalb eher Abscheu auf sich zieht). Dass Trump kein Verbündeter ist, obwohl wir die USA schätzen („irgendwie“), ist analog zur Tatsache, dass wir Israel sehr mögen und Netanjahu dennoch faschistisch das Judentum angreift und beschädigt, dass wir doch nicht gegen die Slawen sind, weil wir für die Ukraine eintreten etc. Ein BILDUNGSFEHLER ist die Schwäche, zwischen Staaten, Kulturen, Nationen und Regierungen zu unterscheiden.

Zurück zum Faschismus. Außenpolitisch kann Faschismus viele Positionen einnehmen, wenn sie nur seiner innenpolitischen Führerschaft dienen. Das ist mit den Prinzipien des Faschismus durchaus vereinbar, weshalb ein schwarzweiß-Umgang sich nicht anbietet. Wie man ja täglich sieht: Türkei in der NATO, Ungarn, Slowakei, Kroatien, die Niederlande etc. Vorsicht ist auch geboten, weil Faschismen sich auch gegeneinander stellen können, manche verbünden sich dann mit Demokratien, die sie eigentlich ablehnen, um gegen eine andere Faschismusvariante anzutreten.

Darüber sollen wir, können wir, müssen wir ausführlich und nicht nur politisch diskutieren. Es geht da nicht nur um „Politik“, es geht um Kultur, um Zukunftsperspektiven, um soziale Grundsicherung, um Alltagsüberleben. Warum soll man Kinder im Faschismus zeugen, wenn schon die Demokratie keine wirklichen Perspektiven bietet?

Auch Demokratien, z.B. Deutschland, verfolgen eine nicht empathischen Ausländerfeindschaft, mit vielen Rechtfertigungen, die teilweise völkisch, teilweise kurzsichtig sind. Dabei gibt es ja in Deutschland kaum mehr Deutsche mit einem rassisch akzeptablen Hintergrund….kaum mehr? Lernt doch Demographie, was 25% Einwohner bedeuten.

Das alles bedeutet nicht, dass wir uns neutral und vorsichtig mit dem in- und ausländischen Verhalten von Gruppen und Menschen abfinden müssen. Ich könnte das Beispiel der antisemitischen Demonstrationen und Propaganda als Beispiel nennen, oder die Bevorzugung bzw. Benachteiligung bestimmter Kulturen, die immer politisch sind, sowie Politik immer auch eine kulturelle und soziale Seite hat. Wenn man die antiisraelischen und/oder antisemitischen Positionen auch nur einfach analysiert, sieht man sofort die Verbindung nicht zusammen passender Muster von Fremdenfeindlichkeit, Religion, kultureller Sozialisation und alltäglichem Selbstbezug. Religion ist dabei eine gefährliche Brücke, weil der interreligiöse Trialog z.B. bei uns nichts zu tun hat mit der Sozialisation ganzer Generationen von Antisemitismus, und antimuslimischen und antimuslimischen Gegenmotiven, die allesamt nicht auf Humanismus und einer vernünftigen Integrationspolitik beruhen. Religion ist, selbst bei gutgemeinten Aktionen, ein gefährlich sensibles Pflaster, so wie auch Kultur und Sozialpolitik. Ach ja, sagt ihr, da komme ich aber nicht zu spät drauf, es gibt doch n+1 NGOs und gute humanitäre Aktionen….ja, schon, aber zu wenige. Und zu wenig Bildung und Empathie bei der Mehrzahl der von Verlust ihrer Lebenszufriedenheit bedrohten Mehrheit.

Seltsam und hoffnungsvoll: wir können doch handeln, jede(r) von uns, wenn wir beides sind: politisch und am Thema, wie oben. Nur keine Realpolitik.

Warten heißt überholen

Bin gespannt, was die neue altmodische Regierung heute öffentlich macht. Wie gut, dass ich keine Kommentare korrigieren muss. Man wird schon merken, wohin sich die Außen- und Innenpolitik dreht, wie die Versäumnisse bei Migration und Ökologie umschrieben werden usw. Es kann auch alles ganz anders werden als erwartet, es kommt darauf an, wieviel Vernunft im Großhirn der Gesamtexekutive des viertmächtigsten Staates schon vor Pfingsten wurzelt und wächst. Und dann…ja, Ihr Eiligen, dann wird kommentiert. Morgen früh in den Medien werden die Wahrheiten der Wirklichkeit angepasst, und endlich darf man seine Meinung gefahrlos neu strukturieren…Schön, nur mehr ein paar Stunden zu warten. Bis dahin: ganz etwas anderes.

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Ich denke, dass es bald soweit ist: der blaue Himmel, die helle Sonne, die Trockenheit wird die Weltsicht erweitern, es ist nicht alles Krieg, und Völkerrecht, und Migration allein – das Wetter ordnet sich ins Klima ein. Hatte ich ja schon angesprochen. Aber es gibt da eine Dimension, die mich weiterhin interessiert: was verändert die Klimakrise an unserem Bewusstsein, jenseits der Umweltpolitik? Ich erinnere die Klimazyklen meiner Kindheit und Jugend. Was vor 70 Jahren war, war es besser und berechenbarer? Die Meteorologen belegen die positive Antwort. Aber wie war es wirklich? Heiße Tage, Gewitter, Regenphasen, Trockenheit – keine Dürre, Hochwasser – keine dauernden Überschwemmungen, das kann ich noch rekonstruieren. Aber auch unser Verhalten. Keine Ahnung vom Schaden der ungeschützten Sonnenbaderei (Verwandte sind daran schwer erkrankt, später allerdings…). Man brät in der Sonne, springt schnell in den See. der heute viel wärmer ist als damals. Ich erinnere ziemlich deutlich, dass Klima kein Thema war, nur Witterung. Insgesamt gehörte die Wirklichkeit der Witterung mehr zu unserem Alltag, war kein Gegenüber. Das hatte schon Auswirkungen, beim Bergsteigen oder Rudern im großen See. Das alles ist heute anders, siehe den Beginn des Absatzes. Und wenn es wirklich so trocken bleibt und weiter wird, wie stellt sich das Bewusstsein und die Lebensweise darauf ein? ich denke jetzt einmal nicht an Kleidung und Topfpflanzen und Autowäsche, sondern an die kollektive Verarbeitung dessen, was so nicht mehr wirklich gilt: Jahreszeiten, Merksprüche zum Wetter, Erinnerungen – bei mir eher an extreme alpine Hochwasser, an Gewitter, an Schnürlregen, – ich sehe im Fernsehen, wie niedrig heute die Wasserspiegel von Donau und Rhein sind, wie die Gletscher verschwinden, alles Details einer Veränderung, die vielleicht unsere Gattung mehr beeinflusst als wir wahrhaben (wollen). Das ist übrigens ein Grund, warum die deutsche Regierung, auch die österreichische, die Klimaziele abbaut. Sie zeigen schon, dass der Vertrocknung der humanen Gattung ohnehin nur mehr wenig entgegengesetzt werden kann, also lasst uns fröhlich leben, kämpfen, Coupons schnipseln und Umwelt fingieren. Liebe Leserinnen und Leser, lacht nicht über das Evidente. Ich habe ja schon zum Widerstand geschrieben, in den letzten Blogs. Aber ich denke, wichtig ist auch unsere Bewusstheit der klimatischen Umstände vor der Politisierung erst einmal wahrzunehmen. Seltsam, ich leide unter dem Verlust von Insekten, unter der Wolfsmörderei, unter dem Verschwinden von Vogelarten, unter der Gewöhnung an die neue, schwere Luft der sich verändernden Umwelt, ich leide darunter, aber es ist kein diskursives Leiden, und viel Umweltliteratur ist mir zu romantisch oder positivistisch.

Na gut, mit diesen Gedanken werde ich mir heute Merz und Konsorten anhören. Und wie sie meinen, dass wir leben sollen, wird ein Maßstab sein. Keine Kritik vorziehen, bevor wir wissen, was hinter dem Vorhang ausgeheckt wurde. Die Rechtsradikalen im Kabinett haben schon ihre Lafetten neu orientiert, aber sie herrschen noch nicht allein. Manchmal kann man auf Vernunftzuwachs und die Aufgaben der Exekutive vertrauen, bis wir belehrt werden.

Schön ist es, bleibt es nicht

Die letzten Tage: kühle Frühlingstage, meist wolkenloser Himmel, kaum Wind, stundenlang Sonne. So herrlich Anfang Mai, man vergisst März und Merz, man kann auch von erfülltem Lenz sprechen. Oder auch nicht, ich kann das schöne Wetter, die langen sonnigen Tage, die fröhlichen Ausläufe mit dem Hund, den Blick über den Park sehr wohl genießen, und doch kaum ertragen. Seit Wochen kein Regen, die Meteorologen sagen, dass die Pflanzen jetzt schon aus ihrer Reserve leben, und es wird trocken im Sommer. Das Unglück des Klimawandels zeichnet sich ab, es wird politisch.

Natürlich, es wird politisch, weil diese Regierung nicht nur fremdenfeindlich ist, sondern auch naturfeindlich. Zur Freude der PKW Hersteller und Staubbürger. Ich bin zu alt um noch zu erleben, was die direkten Folgen dieser Politik und damit des Klimawandels sein werden, die Vorboten können wir noch erleben und diskutieren. Aber wenn es 2,5° oder mehr hat, wie werden meine Kinder und Enkelinnen leben? Und die Mitverursachen werden zwar schon tot sein, aber nichts mehr davon wissen oder spüren.

Wenn wir uns politisch dagegen wehren, kann das wahrscheinlich nur mit gewalttätiger Konfrontation erfolgen, gegen die maximalen Energieverbraucher und Atmosphären-Verpester. Wissen wir. Die Säusler sagen, wir müssen das Volk mitnehmen, nur wenn die Leute überzeugt sind, tun sie etwas fürs Klima. Sie sollen nichts fürs Klima tun, sondern für das Überleben der Menschen. Das Klima kann auch für sich selbst sorgen, nur eben nicht für uns, solange wir noch auf der Erdoberfläche so herumleben wie wir das jetzt tun.

Das Nachtparkverbot am Ostufer des Attersees könnte erst der Anfang sein. Während mehr und mehr Gemeinden um den See überlegen, ebenfalls Parkflächen zu sperren, häufen sich auch an den umliegenden Seen im Salzkammergut Beschwerden. Dort sind illegale Camper vor allem in der Gemeinde Ebensee ein zunehmendes Problem. Ebensee ist mein Heimatort, die Nachricht ist korrekt.

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Alles Mögliche ist schön, und man soll es nicht verdüstern, wenn man es wahrnimmt. Vieles bleibt schön, Menschen vor allem, die einem näher stehen, und manchmal auch Natur, in die nicht ernsthaft eingegriffen wird, und ein Text oder Bild oder eine Tonfolge…Nicht alles Schöne bleibt schön, oder hinter der Schönheit lauert schon der Abgrund. Trivial, ich weiß. Aber wichtig. Im Fernsehen gibt es eine Menge Sendungen, die wirklich schöne Landschaften, Tier- und Pflanzenwelten zeigen, ja, wie Märchenerzählungen. Manchmal werden auch die ökologischen Gefährdungen angesprochen, aber selten die Abschiedsmelodie: Ihr werdet das so nicht mehr sehen. Es wir im letzten Rest von Gegenwart noch gezeigt, was eigentlich schon Vergangenheit ist (und was man früher vielleicht gemalt hätte oder beschrieben, aber in der Überzeugung, es bleibt).

Ist doch herrlich, nicht wahr? genügend Schnee? Zur richtigen Zeit? Wissen wir wir nicht zu sagen, d.h. ich weiß es, weil ich zur richtigen Zeit dort war.

Nach 50 Jahren kann man bestimmte Landschaften nicht wieder erkennen. Und was wird in zehn, fünfzig, hundert Jahren sein. Die Heuchler machen Jahrhundertsprünge und hoffen, dass DAZWISCHEN etwas richtiges geschieht.

Es gibt einen Zusammenhang zwischen faschistischer bzw. faschistoider bzw. rechtslastiger Ausbreitung, auch einen zwischen anscheinend linker Sozialpolitik im Zentrum, und Umweltignoranz. Das ist meist keine Dummheit oder Unwissenheit oder Verantwortungslosigkeit, sondern die politische Einschätzung, wenn man die Feinde besiegt hätte, sei noch immer Zeit für die Umwelt. Dieses falsche Argument korreliert mit der empathielosen Flüchtlingsfeindschaft der christlichen und anderen Asylpolitiker bei uns und anderswo. Erstmal diese Menschen loswerden und dann ihre Creme de la Creme wieder einladen, so wie Trump die weißen Südafrikaner zu sich bittet, zur Verstärkung des rassistischen Rahmens für den Diktator.

Hirn und Praxen müssen wachsen

Wie zu erwarten, stehen immer schneller immer mehr Fragezeichen vor der Politik von Merz und Klingbeil, man traut ihnen und der sogenannten Koalition nicht viel zu, der Start war ein schlechtes Vorzeichen, und man hat, vorausschauend, schon die Sündenböcke. Derweil organisieren die rechtslastigen Schwergewichte Dobrindt und Jens Spahn den wirklichen Schwenk der Regierung von der demokratischen linken Mitte zu einer eher retrospektiven rechten Mitte. So oder so werden die Ränder und Überschneidungen mit der AfD eine große Rolle spielen, auch wenn, wie ich hoffe, die Faschisten nicht dauernd von den Medien bevorzugt werden, nur damit ja nicht das Gleichgewicht der Öffentlichen gestört wird. Und in der ZEIT präsentiert Anna Mayr einen gefährlichen Anstifter: Wer bremst, regiert. „Der Herausgeber der „Welt“, Ulf Poschardt, will das Land retten, indem er die linke Hegemonie zerbricht, die er in Staat und Kultur sieht. Unterwegs mit einem, der sich selbst keine Ruhe lässt.“ (ZEIT 19/2025). Eine miese Stimmung, nimmt man den Springeroiden ernst, nimmt man die Regierung ernst, nimmt man die Wirklichkeit ernst, vor allem wenn die globale Anarchie der Diktatoren Trump, Putin & Co. bis in unsere Innenpolitik durchleckt.

Und jetzt, wenn das alles richtig beschrieben ist, wird am Profil der Merzkaste und der EU gezweifelt, weil man denen ohnedies richtige Politik nicht zutraut. Stimmt der Zweifel, tritt die baldige Katastrophe ein, ohne vorausgesagt worden zu sein, und stimmt er nicht….egal, wenn kümmert die Prersse von gestern. Die Faschisten der AfD werden sich freuen.

NEIN; UMGEKEHRT MUSS GEDACHT WERDEN

Und nicht gleich das Ergebnis des Denkens – nicht viel mehr als Meinungen – herumposaunen. Wir wissen, – wissen, nicht ahnen oder stellen uns vor – wir wissen, dass die neue Koalition zweitrangig sich konstituiert hat, dass es mehr Ausbremser als Koordinatoren gibt, dass manches im Programm menschenfeindlich, ausländerfeindlich, asozial ist. Das wissen wir. Und? stört es die neue Regierung? falsch gefragt. Richtig wäre zu fordern: bevor die Regierung handelt, braucht sie mehr Wissen, Einsicht, Handlungsstrategie. Und das bekommt sie, wenn man sie – in toto – unterstützt, und – im konkreten Detail – kritisiert und alternative Vorschläge unterbreitet. Ja, WIR MÜSSEN DER REGIERUNG ERFOLG WÜNSCHEN – oder wollt ihr eine Koalition von Spahn und anderen mit der AfD? Natürlich sollen Wünsche grundiert werden, und da nicht zu erwarten ist, dass die lokalen Pfingstgottheiten in den nächsten Wochen das Bewusstsein und die Weltkenntnis der Merzoiden wirklich erleuchten, müssen WIR etwas zur Wirklichkeit sagen. Weil wir eine Demokratie sind, nicht obwohl, weil wir eine sind, müssen wir diese Regierung nicht einfach ertragen und hinnehmen, wir müssen sie sowohl kritisieren als auch stützen können. Revolution ist nix, Rücken zukehren auch nicht.

Ein gutes Beispiel heute: die Gesellschaft hat begonnen zu streiten, ob die Beamten endlich in die Arbeitsgesetzgebung einbezogen werden. (Berliner Morgenpost 11.5.2025 U.a.). Ein gar nicht so kleines Beispiel, aber eines, wo nicht nur die Interessenverbände und Lobbies aktiv werden können….Es gibt viele Beispiele. Ihr merkt schon, es geht mir um die Re-Politisierung des Alltags als Korrelat und Korrektur zu einer ungeliebten Regierung, deren Unterstützung natürlich ihren Preis hat. Natürlich, d.h. dazu muss die Demokratie nichts dazu erfinden, sie muss es nur anwenden (wie Die Linke bei der Kanzlerwahl – Chapeau!). Nur, wenn man diese Grundeinstellung hat, kann man mit Härte und Schärfe etwa die Umweltpolitik reaktivieren. Der Preis fürs Regierung muss hochgehalten werden, keine Rabatte. Nur dann kann die Mehrheit des Nichtpöbels und der Nerds akzeptieren, dass sich die Koordinaten des Wohlstands und der sozialen Absicherung verändern werden, dass das globale, also auch europäische, Kriegsgeschehen keine Vorwegnahme der Unterwerfung bedeutet.

Die Denkfähigkeit und die Praxis der neuen schwarz-roten Regierung müssen wachsen; sie müssen, nicht nur sie sollen. Dabei können sie von intelligenten BürgerInnen und Bürgern unterstützt werden – und von einer gewissen patriotischen Loyalität, die, siehe oben, eine Regierung nicht mögen muss, aber in der Demokratie akzeptieren sollte, angesichts der faschistischen und rechtslinkspopulistischen Alternativen. Und, was konfliktträchtig ist, wir sollten uns gegen die rechtsradikalen Rhetoriker wehren, die eine links-elitäre Kultur unterstellen und diese beseitigen wollen, zugunsten der rechten Volkskultur – was die Attacken auf die demokratischen Regierungen oft übersehen: es bräuchte keine Regierung, wenn das Volk tatsächlich als ganzes regierte. Gemeint von den Rechten ist gar nicht das Volk, sondern nationalistische Eliten, die den Pöbel zusammenfassen, damit endlich Deutsch wieder über und gegen die Menschen herrscht.

Kar – multiple Fastenzeit.

Wortstamm „kar“ kommt aus dem Neuhochdeutschen „kara“ und bedeutet so viel wie „Trauer, Sorge, Wehklage“. Die Karwoche ist also im wortwörtlichen Sinn eine Trauerwoche (msn. MOZ 14.3.2025)

Karambolage:  Zusammenstoß von mehreren Personen oder Sachen (meist Fahrzeugen) (DWDS)

Die Karriere… (von französisch carrière; englisch career) ist die persönliche Laufbahn eines Menschen in seinem Berufsleben. (Wikipedia)

Als Kar (englisch und französisch cirque, (englisch corrie), schottisch-gälisch coire), auch KahrKaar (von althochdeutsch char ‚Trog‘, ‚Krug‘) bezeichnet man kesselförmige Eintiefungen an Berghängen unterhalb von Gipfel- und Kammlagen (https://de.wikipedia.org/wiki/Kar_(Talform))

es gibt noch viele Kars, das Kartell passt mir da noch rein, die Kargheit und Karl der Kahle. Der Witz dabei ist, dass die Karwoche ja scheinbar nur den religiösen Ursprung bedeutet, de facto aber Kargheit, Karriere retro Karneval und Kartuschen bei Karbidbeleuchtung integrieren kann. Osterwitz – Kennt ihr übrigens die Burg HochOSTERwitz? (860 n. Chr. wurde der Felskegel mit dem aus dem Alpenslawischen stammenden Namen Astarwizza (= Scharfenberg)(siehe unten) im Rahmen einer Schenkung Ludwigs des Deutschen erstmals urkundlich erwähnt. https://de.wikipedia.org/wiki/Burg_Hochosterwitz). Überhaupt kein lustiger Witz. Aber wer kann schon alpenslawisch, und das hat vielleicht mit dem Osten mehr zu tun als mit Ostern.

Die meistern von euch fasten und räsonieren in diesen Tagen ohnedies, deshalb mache ich ja diese linguistische Yogaübung. Keine Kalauer mit Ostern und Western, keine Reminiszenzen. Noch zum BSW und früheren DDR Politiker Scharfenberg in Potsdam: weiß der, woher sein Name kommt?). Nein, die Woche ist zu kurz, um alle Kare auszuwandern, pedal oder im Kopf. Nur der Karfreitag ist Karenz für alle und alles. Warum eigentlich? Noch unterschiedlicher als in verschiedenen Sekten kann man diesen Tag doch gar nicht erhöhen? Genug jetzt. Kardinal Daxner verlässt das Thema, denn aufregend ist heute anderes.

Was mich aufregt: dass schon jetzt der Interpretationsverfall der angeblich wahrscheinlichen Bundesregierung angefangen hat, bevor sie noch praktisch werden kann. Da geht es nicht um die 15 € Mindestlohn und Steuergeschenke an die Reichen, da geht es manchen um die alternative endliche Öffnung zur AfD. Erinnert ihr euch: habe ich vorhergesagt, nicht einfach abgeleitet. Das war und ist ja nicht nur Saskia Ludwig (https://www.rbb24.de/politik/wahl/bundestag/2025/bundestagswahl-cdu-landtagsabgeordnete-saskia-ludwig-koalition-afd.html) oder Jens Spahn (https://www.msn.com/de-de/nachrichten/politik/spahn-legt-in-afd-debatte-nach-glaube-nicht-dass-gesch%C3%A4ftsordnungstricks-uns-helfen/ar-AA1CD2A7?ocid=BingNewsSerp), das sind viele. Woher kommt das? u.a. von der Normalisierung dieser faschistischen Partei. Zur Normalisierung (https://de.wikipedia.org/wiki/Normalisierung_(Soziologie), vor allem aber Fr. Balke 2024 und Jürgen Link 1996. Das ist ideologiekritisch und zugleich selbstreferenziell wichtig: was ist schon normal? die AfD. Heute hat der Grüne im DLF gut gegen die Normalisierung der extremen Partei argumentiert, ich sage lieber faschistisch, denn das ist die AfD ja. Mit der Normalisierung erscheinen christlich-demagogische Koalitionen ebenso wahrscheinlich wie ein negatives Urteil des Bundesverfassungsgerichts unwahrscheinlich, die AfD ist ja normal, nur nicht demokratisch. Werte LeserIn, bedenkt: Normalität ist ja kein Wert an sich.

Zum Weiterdenken und -lesen: Gerrit ter Horst: Geschichtsrevisionismus: Basteln an der „zweiten Geburt“, SZ 13.4. (Online). Über die Entstehung von Parallelgeschichten, Revisionismus und der Praktizierung der Opfermythen – seit dem Dritten Reich. Es handelt sich um eine auch kritisch bewertete Rezension von Jens-Christian Wagner und Sybille Steinbacher (Hg.): Rechter Geschichtsrevisionismus in Deutschland. Formen, Felder, Ideologie. Dachauer Symposien zur Zeitgeschichte. Wallstein Verlag, Göttingen 2025. 205 Seiten, 20 Euro.© Wallstein-Verlag.

Früh links. Später rechts?

Es stimmt schon: mit dem Abgang von Scholz verschwindet der letzte wichtige Sozialdemokrat aus den europäischen Regierungen, von Sanchez abgesehen, und ganz Europa dreht sich nach rechts. Sagt ein Kommentator, liest man in den Zeitungen, kann man sich denken. Die Grünen werden von den Rechten wie Linken isoliert, das Regierungsprogramm liest sich wie eine schläfrige Abwehr von hilfsbedürftigen Menschen und eine Zuwendung zu den Reichen, die endlich investieren sollen, wenn man sie nicht schon besteuert. Nur: was heißt denn links, was heißt denn rechts? keine scheinheilige Frage, ihr wisst doch die Antwort, wirklich?

Dass Europa nach „rechts“ rückt, dass die Faschisten in vielen Ländern mitregieren oder die starke Opposition sind, wissen wir. Das ist wirklich so. Nur: wo ist der Maßstab, nach dem die einen links und die andern rechts sind? Seit langem gehören die Diskurse zu dieser zweifelhaften Frage zum politischen Gerede.

Manche meinen / lechts und rinks / kann man nicht / velwechsern. / werch ein illtum!
(Ernst Jandl). Ich weiss, ich bringe das mehrmals. Aber es ist wichtig, als Betrachter oder gar Kommentator nicht Aussagen und Programme mit Prädikaten zu versehen, die sie nicht bei sich haben.

Ich hatte keine Freunde gefunden, wenn ich seit Jahrzehnten für andere Bezeichnungen der politischen Verortung plädiere. Rechts und Links, das war lange Zeit eine Tradition der Sitzverteilung in Parlamenten, aber auch der Selbstbeschreibung politischer Parteien. Und es gibt so etwas wie ein allgemeines in der Bevölkerung so irgendwie vertretenes Verständnis von rechts und links. Schon bei der Verortung der Grünen haben sich viele, zu Recht, von Anfang an schwer getan. Und meine These, dass sich oft die Extreme wie ein Hufeisen zueinander anziehen, lässt sich ja beweisen, nicht nur bei AfD und BSW. Auch wie mein Titel das allgemeine Vorurteil ausdrückt, wonach anständig denkende Menschen in der Jugend links und später halt konservativ, also mehr rechts werden, ist eher ironisch als richtig. Dass sich kein Populismus in dieses Band rechts-links einspannen lässt, kann man auch erkennen. Lasst mal die Begriffsgeschichte rechts-links beiseite, es gibt sie, und man(n) kann das sozial, kulturell, geschlechtlich, religiös etc. verorten – dazu braucht man viel Wissen, Geduld und eine Begründung, warum es einen interessiert. Ganz sinnlos ist mein man(n) im letzten Satz nicht, wenn ihr an die Geschichte der politischen Richtungen denkt. Nein, mir geht es aktuell um etwas anderes: wenn ich das Programm der neuen Regierung anschaue, als politisch gebildeter Laie, dann ist da kein Punkt rechts oder links, sondern vieles erschließt sich in ganz anderen Kategorien, zum Beispiel ob und unter welchen Umständen was verwirklicht wird, was liegen bleiben wird, welche Folgen es haben wird usw. Ich denke auch noch keine Zusammenfassungen und Schlussfolgerungen, ich warte ab. Wer wird was wie umsetzen? Das schaut kleinstbürgerlich, zaghaft aus. Ist es aber nicht. Natürlich könnt ihr euch vorstellen, dass ich von diesem Koalitionsprogramm nicht viel halte, dass ich weiß, was fehlt – Umwelt, Freunde, kommt nicht vor -aber diese Kritik sagt noch nicht, wie die Politik den Menschen in unserer Gesellschaft gegenübertritt.

Sonst geht die Kritik ins Leere. Das wiederum nützt nur den Radikalinskis, wie die wirklich schrecklichen Wortwechsel gestern Abend: Shakuntala Banerjee ZDF mit dem SPD-Vorsitzenden Lars Klingbeil, dem CSU-Chef Markus Söder und mit Alice Weidel von der AfD. Schrecklich nicht, weil das extrem oder gänzlich unerwartet war. Schrecklich, weil es bei Söder und Klingbeil bis an die Grenze des verständlichen flach war, und nicht hinterfragt wurde, dann der AfD Stimme eine lange Zeit eingeräumt wurde, konkret Kritik zu üben, die nur widerlegbar gewesen wäre, wenn man sie hinterfragt hätte – so aber erklärt sich, warum die AfD und Frau Weidel überall zulegt. Denn es kommt bekanntlich in der Politik darauf an, wer was wozu und warum sagt, und nicht nur wie.

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In einigen Tagen, vielleicht Wochen, greifen wir diese Überlegungen wieder auf, ich bitte Sie, werte LeserInnen, auch zu kommentieren, was sie dann empfinden und wahrnehmen. Und dann kann man, können wir, vielleicht eine genauere Position gegenüber der Politik beziehen und vielleicht damit sogar Wirkung erzielen. Das wollen wir doch, oder?

NICHT ist nicht NICHTS

Da schaut ihr aber, was? Oder auch nicht.

Es ist ganz einfach: solange wir leben, können wir die Unterscheidung von Nichts und Etwas treffen. Das machen wir schon immer so. Aber wenn wir nicht mehr leben, dann sind wir im Nicht, d.h. es gibt nur nichts, und alles, was war, was wir waren, was uns ein Rückblick auf unser Leben erlauben würde, ist nicht mehr. und wird nicht mehr. Darum ist NICHT der richtige Ausdruck dafür.

WARUM SCHREIBE ICH DAS?

Ich will da nicht herumphilosophieren, es ist einfacher. Viele Menschen, zu viele!, gehen vor ihrer Zeit ins NICHT, sie sterben im russischen Krieg, sie verhungern, sie werden getötet oder gehen auf der Flucht zugrunde. Die Toten an sich kann man nicht bedauern oder bedenken, sie sind im Nicht. Aber wir pflegen die Erinnerung, und die kann eminent wichtig sein, und sie kann uns, solange WIR leben mit freudigen oder schmerzhaften Erinnerungen teilweise formen.

Ich schreibe das, weil ich die politischen, scheinbar „realpolitischen“ Sprechblasen der empathiearmen politischen Leitwölfe für beschämend und ärgerlich halte. Finanzielle und ökonomische Bedenken, die ja den Weg angeben, werden als Ziele ausgegeben, die man durch Kompromiss erreicht. Die Ziele sind doch nicht die Ökonomie, dazu brauche ich weder Karl Marx noch die Parteiprogramme…Ich denke da nicht nur an die Koalitionsverhandlungen, nicht nur an die EU Kommission, nicht nur…aber macht einmal eine Liste, wo Ziel und Methode umgekehrt werden und ihr versteht sofort, warum Diktatoren, Trump, Putin und weitere, sich so verhalten. Sie sind noch nicht in ihrem Nicht angekommen, deshalb lassen sie den menschlichen Menschen nichts…kein Sprachspiel.

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Jetzt einmal zum Nichts, denn zum Nicht kann man nichts sagen. Dieser dauernde Krampf „Das geht dich/Sie nichts an“ gehört irgendwie aus unserer Alltagssprache gestrichen. Ich komme drauf, weil ich die erfreuliche Serie CUM-EX (ZDF) angeschaut habe, und dort die Schwierigkeiten des „Aufdeckens“ von Wahrheiten oder ganz einfach Wirklichkeiten komödiantisch nahe an dem dargestellt wurden, was tatsächlich geschehen ist. Ob mich oder jemandem „etwas“ angeht oder ich mich dafür nicht interessieren soll, kann entschieden werden, aber erst, wenn ich weiß, worum es geht. DAS ist es. Und das muss man nicht theoretisch und philosophisch ausbreiten, das kann jede)r) nachdenkend verstehen. Und irgendwie macht mich das fröhlich, unterhalb der Politik eine Art der Kommunikation zum Gesellschaftsverständnis noch immer wahrzunehmen, die selbst Politik aufbaut. Das können wir alles, und es ist nicht das lügenhafte „von unten“, das die Antidemokraten so gern aufbauen. Unter anderem, weil wir nicht unten sind, auch das ist mir wichtig. Die Vertikale passt nicht zur Demokratie, auch im Alltag.

Vor Ostern kein Western?

Natürlich liefern sich die künftigen Koalitionspartner keine Duelle, aber mögen tun sie sich auch nicht. Und bis auf einige antisoziale Gemeinsamkeiten wissen sie wahrscheinlich noch nicht, worüber sie sich wirklich einig sein müssen, Das ändert nichts daran, dass wir ihnen Einsicht, schnelles Lernen und Erfolg wünschen müssen, während sich die Wolken kommender Weltkrisen türmen und der Horizont politisch zwischen blutrot und grau glitzert.

Es kann sein, dass die Handlungen des amerikanischen Diktators und die des russischen Diktators sich auf eine Zerlegung, auf ein politisches und ökonomisches Zerreiben Europas hinauslaufen, und zwar bald. Nicht nur, was die Autozölle betrifft. Wenn man die menschenrechtlichen Grausamkeiten beider Tyranneien anschaut, holen die USA schnell auf. Auch was den Zynismus betrifft, mit dem die neuen InnenpolitikerInnen deutlich machen, dass Innen und Außen keine getrennten Sphären mehr sind. Aber damit befasse ich mich nur insoweit, als es mir um EUROPA geht, und da sind einigende Anstrengungen zwar zu begrüßen, aber viel zu wenig, zu langsam, zuviel mit Scholzischem Zaudern verbunden. Wenn ich an Europa denke, gehts mir weniger um die richtigen Zollantworten gegen die Amerikaner. Wie soll sich denn Europa zusammenraufen, als Macht, als Wirklichkeit, als Option…Leute, das sind ja WIR.

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Die einzige Chance ist, sich von der Verbindung der Nationalismen zu lösen und eine Art von machtvoller Verbundenheit zu entwickeln, zu erproben, die dem vereinten Europa noch immer weitgehend – nicht ganz – fehlt. Nehmen wir die Chance nicht wahr, werden wir politisch und wirtschaftlich halb-kolonisiert und abgeschoben. Natürlich wurde das nach den beiden Weltkriegen auch schon so diskutiert und ist auch vielen EuropolitikerInnen nicht fremd, aber…aber dann drücken doch die Nationalismen und die Lobbies (jetzt einmal PKWs…vor kurzem noch Stahl…davor Pharma…davor und immer Agrar…und immer die Börsen….) den guten Absichten Muttermal auf die Haut.

Trump und sein untergebenes Pack demonstrieren uns einen schlechten Western, der aber in etlichen Serien und Einzelvorstellungen durchaus Erfolge feiert. Die Loslösung vom Western ist teilweise eine auch vom Westen. Das tut weh, wie eine Bandage, die man bei geheilten Wunden abnimmt. Der Westen, das waren schon vor allem die USA, haben unserer Generation (1938-1950) viele Facetten von Kultur gegeben, die den bloßen wirtschaftlichen Support weit übertroffen haben. Aber die Wirkung hat die berechtigten und später unrechte Dankbarkeit weit überbaut. Aber die Loslösung vom Überich zum Ich, zum Wir der demokratischen, „neuen“ Europäer ist jetzt an der Zeit. Nichts wird geschenkt, aber wir gehören so wenig zum Trumpschen Westen wie Grönland dazugehört. Deshalb sollte man den Trumpisten und ihrem Diktator nirgendwo hineinkriechen, ihn nicht dauernd zitieren und schon gar nicht Brücken bauen, die ihn irgendwie besser machen als seinen Freund Putin. Die US Justiz kann uns teilweise helfen, aber das Trumpsche Environment nicht. Die Schmerzen haben wir uns nurm teilweise selbst eingebrockt, es wird ja wirklich alles schlechter. Aber das müssen wir durchleben.