Herbstlicht

Ist doch alles so schön, wenn man in den wolkenlosen Himmel über Potsdam schaut, die Sonne und der kühle Wind. Natürlich: es ist sehr trocken und bleibt es wohl wieder eine Woche lang, anderswo regnet es, aber hier… Natürlich wollen alle über Politik reden, von der Ukraine bis zum Gaza, manche auch über den Sudan und Kongo und die Erdbeben in Südostasien, sogar über Trump und Kimmel wollen sie reden, und unermüdlich über die deutsche Regierung, die endlich aktiv werden muss, damit die Wirtschaft die Kultur und die soziale Wirklichkeit mit weniger Schulden wirkungsvoller unterstützt. Dabei reden sie eigentlich nicht über Politik, sondern über ihre Meinung dazu, also nicht, was sie alternativ zu tun empfehlen und was sie selbst machen wollen.

Noch immer keine Wolken, es bleibt schön, als ob die Umwelt sich auf den Ausblick konzentrieren möchte, wo es immer weniger Einblicke gibt. Gäbe es mehr, wäre die Umweltpolitik zentral und dynamisch und vielleicht wirkungsvoller, also wirklich Politik. Man kann manches nicht vergleichen: die dumpfe Stille vor dem Ausbruch des schon erwarteten Gewitters und die schwere Stille eines nicht wirklich abwendbaren Krieges, der nur anders ist als die Erzählungen und Erfahrungen bisheriger Kriege und Waffengänge. Aber viele unserer inneren Bewegungen sind vergleichbar und bedrückend, auch wenn ihre Anlässe unvergleichlich sind. Und wenn wir Widerstand aufbauen, so gegen die psychische Bedrückung in uns, nicht gegen die Wirklichkeit draußen, in der Welt, von unseren Gefühlen nicht beeinflusst. Warum ich den Vergleich ziehe: das Gewitter zieht ab, nach einiger, meist kurzer Zeit. der Krieg, die Zerstörung, die Folgen….ziehen nicht ab. Und schon gar nicht von selbst.

Kaum Wolken, helles Licht. Natürlich lebt es sich besser als die kleindenkenden Politiker es einem einreden, wenn sie Geld brauchen, aber so weit wissen das alle: nur weil es uns jetzt gerade besser geht als den meisten anderen, ist nichts entschieden, im sozialen Kontext von Karthago III gehen wir nicht in das Lager Rom Nfg. und ergeben uns vorzeitig. Deshalb schreibe ich ja auch.

Zum Widerstand gehört auch, so zu leben, wie man es für richtig hält in den Umständen, die herrschen, nicht denen, die kommen werden. Selbst die Vorbereitung auf soziale Rückstufungen, auf politische Pression und Widerstand kann nicht beinhalten, uns dort zu verkleinern, wo wir ganz richtig leben, von morgens bis abends. Das klingt absurd, ich weiß. Ist es aber nicht.

Europa, Deutschland, unsere Umgebung….werden nicht zu den Siegern und Paradiesen der Entwicklung der nächsten Perioden gehören. Das kann man begründen, politikwissenschaftlich, nicht unbedingt historisch, aber sich auch durch genaueres Durchdenken dessen, was wirklich geschieht, nicht, was in den Kommentaren übrigbleibt. Die Zerstörung der Kultur, die Zerstörung des Sozialen machen unser Leben schlechter und retten unsere Gesellschaft natürlich nicht, nur weil der Goldpreis und die Wirtschaftsdaten steigen. Und all das erreicht uns, früher oder später, eher früher, und der Widerstand macht uns, paradox, doch eher lebensfroh, mit dem NOCH, noch leben wir, noch denken wir, meinetwegen noch lieben, aber jedenfalls gleiten wir nicht die Apathie des „Man kann eh nichts machen“. Der Widerstand: „Es muss etwas geschehen“, ist näher als die kollektive Apathie, das haben wenigstens einige von uns schon gelernt.

Lebensfroh, das ist auch das NOCH leben wir besser als viele. Das kommt nur in den Kommentaren zu Gaza, Ukraine und Kongo nicht vor, oder bestenfalls zu wenig. Die Wiederherstellung der Politisierung des Alltags ist das Gegenteil der sporadischen Stimmabgabe für die Politik der Anderen, denen wir doch nicht vertrauen….würden wir ihnen vertrauen, könnte das ja zusammengehen: Politik und Gesellschaft.

Krieg – anders als bisher? Frieden auch.

Wenn man die Verletzten, Toten, Geschändeten, erfährt, wenn man die zerstörten Felder und Häuser sieht, dann kommen die Erzählungen wieder hoch, die sich ja in Bildern – und Statistiken – ausdrücken. Dann spricht MAN vom KRIEG. Der Rückblick, in Deutschland Stalingrad, in den USA Vietnam, usw. erzeugt eine Lücke in der Wahrnehmung. Was ist jetzt anders?

Darüber nachzudenken ist ebenso wichtig wie sich die Zukunft vorzustellen. Wünschbar ist Frieden, aber ja, nur: den können wir uns schwer vorstellen, und den drohenden, näher rückenden Krieg stellen wir uns in den Bildern der vergangenen Kriege vor. Nur die Wahrnehmung des wirklichen Todes, verhungerte und geschändete Kinder, verlassene Alte, gemetzelte Menschen allen Alters, bringt uns die Wirklichkeit nahe, unabhängig davon, wie das Sterben verursacht wurde.

Darüber schreibt man nicht, wenn man nicht auch etwas Praktisches tut. Aber wir wissen es – oder etwa nicht?

*

Die Zusammenhänge sind nie einfach gewesen, jetzt sind sie es auch nicht. Aber die unsittliche Plattheit, dass alle irgendwie (selbst) Schuld haben, wabert natürlich durch alle Plots und Kommentare derer, die sich jetzt schon bücken, um die Unterwerfung vorzubereiten.

Das geht in den Alltag.

Wenn man etwas wirklich weiß, muss man nicht dauernd mit sich und seinesgleichen darüber reden. Nur, wenn man etwas zu sagen hat, soll man das Thema ansprechen (das ist die Theorie von A.R.Bodenheimer, einem vor 13 Jahren verstorbenen Freund). Mit anderen Worten, diesmal meinen: über diese Kriege zu sprechen hat nur Sinn, wenn es der Aufklärung, dem politischen Bewusstsein, hilft, praktisch zu werden. Sich auf die Folgen dessen einzustellen, was möglich und wahrscheinlich ist, nicht Wissen durch Vertrauen zu ersetzen (auf Gott, auf Trump auf…).

*

Und sonst müssen wir weiter so leben, wie wir es auch, auch! für richtig halten. Der Weltkriegsalltag und seine Vorboten soll keine Mitläufer erzeugen mangels Alternativen. Die derzeitige Regierung verstößt gegen viele Überlebensregeln der Umwelt- und Sozialpolitik. Es ist den Merzen und Dobrindts und Klöckners nicht bewusst, denke ich, dass sie damit indirekt auch die um sich greifenden Kriege unterstützen. Uns muss das zu denken geben – und zu handeln. Das kann uns durchaus stärker machen als uns auf den Ausbruch von Kriegsalltag in der Nähe angstvoll vorzubereiten. Wenn wir richtiger leben und handeln, haben wir weniger Angst. Nebbich?

Nichts geht mehr?! Was ist Nichts?

Ich höre und lese pflichtbewusst die täglichen Nachrichten, nicht gern und nicht inspirierend. Auf neue Ideen bringen sie mich nicht, und mit vielen Analysemikros kann ich nichts anfangen. Auch der Vergleich mit dem, was Deutschland in die Schlagzeilen gibt mit London, New York und Wien, macht Aufwand, aber es erhellt das Bewusstsein nur mäßig. Die stete Wiederkehr des Murmeltiers oder Weihnachtsmärkte macht den Jahresrhythmus nicht besser.

ODER

So war es immer ?? in der Geschichte, die einen profitieren, den andern geht es immer schlechter, und die Meisten wollen sich das begütigend erklären, und die Armen sollen sich nicht so haben, usw. Die politische Ökonomie lehrt, dass im Zweifel die Wirtschaft die Politik und nicht umgekehrt dirigiert, und das trägt alles zum Fortschritt der Menschheit bei.

UND ABER

Beides stimmt nicht. Oder es stimmt zugleich. Sonst würde ich mich damit ja nicht unruhig befassen. Die Weltnachrichten kann man zwischen den Zeilen durchaus verstehen, wenn man hinhört und hinschaut. Ungut, ja, wie sich die politischen Kräfte neu sortieren, wie tektonische Platten, nur sind die Erdbeben der Politik im Vorfeld von Kriegen nicht so heftig, und danach gewöhnt man sich daran, wenn man nicht gerade selbst betroffen ist. Aber das sind wir ja, sowohl was Umwelt als auch stabilen Frieden betrifft? Ja schon, aber über die nächsten Wahlen hinausschieben.

RESIGNATION VERSUS RESILIENZ

Ärgerlich, dass nicht nur unsere Regierung verbal die Probleme scheinbar erkennt und benennt, nur – was tatsächlich macht, verzögert nur das Bewusstsein um die globalen und lokalen Krisen. Nimmt man das hin und verklärt das sogar als pragmatische Einigkeit der Regierung der „Mitte“, dann wird man von der Wirklichkeit umso härter getroffen werden, man ´wir, unsere Kinder, Enkel, Freunde….Lest einmal über den Kriegsbeginn 1914…

Wir dürfen uns nicht unseren Meinungen hingeben, sondern politisch den Widerstand erst unserer Psyche, dann unserer Praxis einrichten; widerstandsfähiger werden und – für die Umwelt kämpfen, umso mehr, als die Kriege ja die Chance der Umweltrettung weiter ausdünnen.

KEINE IRONIE

ist es, wenn ich meine, wir können „Neben“widersprüche vorsichtig beiseite legen, um die wirklichen Widersprücher, die Erdbeben tektonischer Gesellschaftsplatten, zu überleben und den Widerstand zu beleben.

Darüber kann man sprechen und man kann handeln. Nicht einfach ankündigen und Kommissionen einrichten. Die Zeit drängt und unser Leben ist kurz. Wer es nicht glaubt, soll wieder bei Ovid das VORLETZTE Zeitalter lesen. über das letzte gibt es wenig zu erwarten.

Übereifer

Jeden Tag äußern sich übereifrige Kommentatoren zu den Themen, die ihnen wichtig sind, und von denen sie glauben, dass sie uns auch wichtig sind. Mag sein, aber die dauernde Wiederholung eigener Standpunkte und/oder Analysen aus dem unpolitischen Lehnstuhl haben wenig Sinn und wirken bisweilen, beim Übermaß, eher zur Abwende. Jetzt mache ich eine Zwischenbilanz, dann kommt wieder der Alltag in die Blogs, und wenn es um große Politik geht, dann will ich entweder herausgefordert werden oder ich habe wirklich ein verbreitungsfähiges Anliegen…So aber:

Nationale Demütigungen gibt es seit Sparta und Athen. Manche Länder leben geradezu von ihrer Identität als dauernde Verlierer. Die imperialen Führungsländer haben sich ihre Abhängigen auf unterschiedliche Weise unterworfen, und die haben ebenso unterschiedlich reagiert. Aber allen Unterworfenen ist gemeinsam, dass sie den Herrschenden ihre Wirklichkeit zueignen, sowie ihnen klar ist, was sie sind und wie sie es sind.

Nun hat sich etwas geändert. Als die USA und die Sowjetunion sich die Nordhalbkugel und darüber hinaus aufgeteilt hatten, galten andere Bestimmungsstücke und Ingredienzien als heute. Von Europa aus hat man einiges davon direkt verspürt, und vieles, weiter entferntes, oft unscharf nicht wahrhaben können oder wollen, etwa die Tyrannis der jeweiligen Oberherrschaft. Oft auch die lokalen, regionalen, oft weiträumigen Widerstände, Guerillas, Bündnisse und Kontroversen der Unterworfenen.

Jetzt, nach der scheinbaren multipolaren globalen Befriedung, ist eine deutlich Hierarchie eingetreten, nicht zurückgekehrt. Die drei großen Atommächte – unterschiedlich stark, allesamt diktatorisch regiert, USA, Russland, China – konkurrieren um Macht und Gewaltherrschaft über Erdgebiete, mehr als nur Ost – West, Nord – Süd. Es geht um die Konkurrenz von China und den USA, Russland ist ein gewaltsamer Faktor, für sich nicht wirklich global, und den Abhängigen ist schon klar, dass sie nicht ohne Grund von einem der Drei Großen abhängen. Mit mehr oder weniger Spielraum für die eigenen Politiken unterhalb der Weltherrschaft. Dier USA-China-Achse hat Europa entscheidend uninteressanter gemacht, das verspüren wir auch, und weniger Handlungsfäghigkeit, weil wir unter dem Diktat der USA stehen, auch wenn wir uns autonomer einrichten wollen – in mittlerer Zukunft, vielleicht können, und auch wenn wir dafür mit unserem Wohlstand zahlen werden müssen. Ob auch mit unserer Freiheit, ist mein wirkliches Problem.

*

So, wie der Diktator Trump nicht nur Selenski, nicht die EU, nicht nur die Schweiz oder Brasilien oder Mexiko demütigt und ausraubt, so tun es die anderen Imperien mit ihren Abhängigen. Jeder ein wenig anders, aber alle undemokratisch. Wie die EU sich von Trump vorführen lässt, ist eine bühnenreifes Drama, aber Vorsicht! vorschnelle Alternativen lassen sich nicht spontan herstellen, jetzt sind wir erstmal weitgehend abhängig und untergeben, gerade wenn wir demokratisch bleiben und z.B. der Ukraine helfen wollen. Wir wir dem Trump wohin kriechen, wie andere dem Putin wohin kriechen und wieder andere dem XI, ist eine dramaturgisch interessante Vielfalt. Aber bleibt bei den Fakten. Ohnmacht mit Rosenduft, das möchten wohl manche, und andere suchen Nebenschauplätze.

Gibt es gegen die drei großen Diktaturen Widerstand? Natürlich, und je nach Diktator unterschiedlich.

Die wichtigsten Widerstände sind Resilienz, inneres Abtauchen, Guerilla. Offener Kampf ist nicht möglich, ich sage: noch nicht. Das wiederum ist eine Frage der Kultur, der Bildung und des widerständigen Lernens dessen, was die drei Imperialisten nicht können: gegen eine gebildete und ausgebildete Guerilla gewinnen. Aber die Ausbildung muss natürlich erfolgen, nicht nur herbeizitiert werden. Keine Dschungelromantik, bitte. Guerilla muss anders arbeiten, sie muss die Faschisten und Selbstherrscher aushöhlen. Wieder einmal Brecht: den ich manchmal mehr, manchmal weniger, aber hier sehr schätze;:

Bertolt Brecht: Maßnahmen gegen die Gewalt

„Als Herr Keuner, der Denkende, sich in einem Saale vor vielen gegen die Gewalt aussprach, merkte er, wie die Leute vor ihm zurückwichen und weggingen. Er blickte sich um und sah hinter sich stehen – die Gewalt.

„Was sagtest du?“, fragte ihn die Gewalt.

„Ich sprach mich für die Gewalt aus“, antwortete Herr Keuner.

Als Herr Keuner weggegangen war, fragten ihn seine Schüler nach seinem Rückgrat. Herr Keuner antwortete: „Ich habe kein Rückgrat zum Zerschlagen. Gerade ich muss länger leben als die Gewalt.“

Und Herr Keuner erzählte folgende Geschichte:

In die Wohnung des Herrn Egge, der gelernt hatte, nein zu sagen, kam eines Tages in der Zeit der Illegalität ein Agent, der zeigte einen Schein vor, welcher ausgestellt war im Namen derer, die die Stadt beherrschten und auf dem stand, dass ihm gehören solle jede Wohnung, in die er seinen Fuß setzte; ebenso sollte ihm auch jedes Essen gehören, das er verlange; ebenso sollte ihm auch jeder Mann dienen, den er sähe.

Der Agent setzte sich in einen Stuhl, verlangte Essen, wusch sich, legte sich nieder und fragte mit dem Gesicht zur Wand vor dem Einschlafen: „Wirst du mir dienen?“

Herr Egge deckte ihn mit einer Decke zu, vertrieb die Fliegen, bewachte seinen Schlaf und wie an diesem Tage gehorchte er ihm sieben Jahre lang. Aber was immer er für ihn tat, eines zu tun hütete er sich wohl: Das war, ein Wort zu sagen. Als nun die sieben Jahre herum waren und der Agent dick geworden war vom vielen Essen, Schlafen und Befehlen, starb der Agent. Da wickelte ihn Herr Egge in die verdorbene Decke, schleifte ihn aus dem Haus, wusch das Lager, tünchte die Wände, atmete auf und antwortete: „Nein.“ „

Das Aufatmen ist unser Ziel. Gerade wir müssen länger leben als die Gewalt. Das alles ist natürlich metaphorisch und nicht eins zu eins in die heutige Wirklichkeit zu übersetzen. Auch Selenskis Anzug war ein „Nein“….Manche, auch manche unserer Politiker, hüten sich leider nicht davor, einige oder mehr Worte zusagen, verkleiden das leider als Diplomatie statt ihre geringe Macht, oft Ohnmacht, zu beschweigen. Nicht Trump muss es wissen, WIR müssen es wissen.

`*

Unser NEIN zu Trump ist schwieriger als das zu Putin. Oder zu Erdögan, oder zu Orban oder zu….Hier liegt ein Problem: wir haben zu viele Ablehnungen im Köcher, zu Recht, aber müssen wir sie alle gleichzeitig und gleichartig verschießen? Können wir das? Damit meine ich, dass wir uns zunächst sehr viel stärker darauf konzentrieren müssen, unsere eigene Konsistenz zu festigen, nicht nur verbal, sondern durch Verhalten und Aktionen. Siehe oben. Aber schon gegenüber Trump ist Gegnerschaft etwas anderes als Feindschaft, und solche Differenzierungen sind wichtiger denn je.

`*

Fragt mich oder euch selbst, warum ich in letzter Zeit mich so mit dem Weltkrieg befasse, und zugleich „meine“ politischen Themen, Israel und Judentum, Ukraine und Freiheit, Demokratie und Widerstand, etwas marginalisiert habe. Die Antwort ist kein Pessimismus und keine Resignation. Es ist ein Verhalten, das ich für mein Alter, für das laienhafte Agieren außerhalb der Politik für angemessen halte. Sozusagen die Voraussicht auf das, was ich für realistisch halte. Meine Generation kann für die Nachkriegsjahrzehnte dankbar sein, und kleinliches Nachhakeln ist zunehmend absurd. Aber die Generation meiner Kinder, Enkel usf. ist ja viel wichtiger (geworden), und sie werden politisch vielleicht mehr gefordert werden als unsereins…Und da muss man schon sagen, was man denkt, das ist, und nicht nur, was sein kann. .

Tragische Komik, hier wie dort

Wenn man die rechtslastigen absurden RandpolitikerInnen der jetzigen Bundesregierung ernst nimmt, dann sind sie nur komisch an der Oberfläche, und tragisch für Demokratie und vor allem Alltagsverständnis von Gesellschaft. Klöckner, Spahn, Dobrindt usw. agieren jenseits ihres unterschiedlich hohen IQ – der nie in Auseinandersetzungen oder Kritik bestritten, gar beschrieben werden soll, siehe weiter unten! – in einer Weise, die ihre Sicht und nicht unsere Reaktion auf die Demokratie absurd. Deshalb muss man sie ernst nehmen, und nicht wegen ihrer konkreten Entscheidungen und Handlungen, die gemessen am Großen Ganzen der Demokratie destruktiv, aber nicht entscheidend sind.

Darum entscheide ich mich dafür, nur solche PolitikerInnen zu kritisieren, denen ich mit der Reaktion auf diese Kritik begegnen kann. Solche, die ich verachte, kritisiere ich nicht, weil mich selbst beschädigen würde, und solche, die ich nicht verachte, deren Position innerhalb der Konstruktion von Staat gegenüber der Gesellschaft ich nicht verstehe, kritisiere ich auch nicht. Das Unverständnis als politische Kategorie müsste ein typisch aktueller Titel für wirksame Texte sein.

Was für Deutschland gilt, kann man auch global übertragen. Die letzten 24 Stunden, Trump, Putin, die Treffen in Anchorage, Washington, Telefonate etc. und die Interpretationen durch wahlweisem anschmiegsame oder leicht selbst-überschätzende KommentatorInnen sind gleichermaßen der tragfähigen Kritik nicht wirklich zugänglich. Die Übertragung der tragischen, als Komik getarnten, Groteske auf das Überleben und die Zukunft von Milliarden Menschen wäre absurd.

Womit soll man sich also beschäftigen? Fragt das jemand ernsthaft? Natürlich mit der Wirklichkeit. Mit dem massenhaften Ermordetwerden, mit der Verhungerungspolitik, mit dem Aufeinanderprall von so genannten Wahrheiten, die keine keine Gerechtigkeit mehr zulassen – das ist im Grenzfall Philosophie (Omri Boehm), und im Normalfall unsere moralische und rationale Verpflichtung. Dass diese im Diskurs, nicht in der Realität, so grauenvollen Unsinn wie die letzten 24 Stunden von Trump & Konsorten ausblenden muss, macht die Wirklichkeit umso wichtiger, umso bedeutender, vor allem weil wir für die Möglichkeiten nach ihr verantwortlich sind. Was also werden soll, damit nichts so bleibt.

Es gibt genügend politisch vernünftige Vorschläge, personell, projektorientiert, sachlich und sofort oder bald ein- und umsetzbar. Das geht nicht auf der Achse revolutionäre versus evolutionär, sondern im Sinne der theoretischen Praxis, die, wenn sie gut ist, zur Praxis und Umsetzung, incl. Fehlertoleranz, führt. Dass die großen und kleinen komischen TragikerInnen das unter allen Umständen verhindern wollen, weil sie ihre Vorzugsinseln oder Kriegsschutzschilde oder Bankkonten schützen wollen das ist die Einsicht, dass Politik auch von uns, konkret von uns, einen Preis verlangt. Einen Handlungspreis.

Zurück zu den schrecklichen flachen Ereignissen in Anchorage und Washington, D.C. Es war ja nicht der letzte Akt der Tragikomödie. Er hat nur noch nicht die Wahrnehmung unserer Beteiligten sensibilisiert, dass der Krieg nicht etwa erst beginnen können, sondern schon sich ausbreitet. Unsere Beteiligten, das sind auch wir.

Lechts Rinks Ittem – was habt ihr denn erwartet

Ìn Zeiten um sich greifender faschistischer Amtsanmaßung ist es selbstverständlich, dass auch auf das Bewusstsein normal denkender Menschen zugegriffen wird. Wenn eine AfD Politikerin, Nicole Höchst, sagt: „„Hitlerjugend kämpfte gegen Rechts“ Katja Thorwart FR 17.8.2025 :“https://www.msn.com/de-de/politik/beh%C3%B6rde/afd-bundestagsabgeordnete-h%C3%B6chst-hitlerjugend-k%C3%A4mpfte-gegen-rechts/ar-AA1KFTa1?ocid=msedgntp&pc=U531&cvid=46eb16bb079c4941a30336daf9226202&ei=13,

…dann ist das auf unangenehme Weise NORMAL. Denn Faschismus passt seit jeher nicht in das Rechts-Mitte-Links Schema. Manche meinen / lechts und rinks / kann man nicht velwechsern / werch ein llltum, sagt schon Ernst Jandl. Aber ebenso ernsthaft: Warum heißt die NSDAP so wie sie heißt? Das R-L-Schema hatte eine gewisse Berechtigung für die Arbeiterklasse, aber im 20. Jahrhundert wurde es durch komplexe Beziehungen, durch die Politisierung der (konstruierten, fiktiven „Mitte“) und durch eine Reihe anderer Dimensionen des Faschismus mit dem Populismus überholt (nicht einfach abgelöst). Deshalb ist die oben zitierte Kritik an Nicole Höchst verständlich, geht aber neben die Tatsache.

„Natürlich“ haben die Nazis andere rechte Bewegungen ebenso wie linke bekämpft, weil die ideologische Ausrichtung andere Dimensionen hatte. Dazu braucht man teilweise komplexe Programm- und Literaturkenntnis zu den verschiedenen Faschismen (wie viele verwenden den Begriff Linksfaschismus, ohne genau zu wissen, was sie, richtig oder falsch damit meinen). Und man braucht vor allem empirische Einsichten, was Faschismen tatsächlich ummodeln, zerstören, aufbauen und vernichten. Der Plural „Faschismen“ ist wichtig, weil er die Bandbreite seiner Aneignungen und Gegnerschaften aufzeigt.

*

Darüber habe ich schon oft geschrieben, immer wieder die Theorien und Fakten zu den Faschismen erwähnt, und es ist und bleibt auch eine Frage der Allgemeinbildung, wieweit das im politischen Bewusstsein sich ausdrücken und entgegen wirken kann.

Nicole Höchst repräsentiert geradezu die Attraktivität von Faschismen, die nicht selten die Brüchigkeit überkommener politischer Bestimmungen ausgenutzt haben – und dann, scheinbar oft demokratisch – dieser Brüchigkeit ihren Herrschaftsanspruch entgegengesetzt haben. Das ist Teil – nur ein Teil – des populären Aufstiegs der AfD in der Gegenwart. Und scheut euch die Faschismen in Europa an: sie verfahren fast alle so.

Wie kann man sich dagegen wehren? Zunächst, wie immer und überall, die eigenen Positionen – theoretisch, praktisch, dialogisch begrifflich – daraufhin überprüfen, ob sie nicht nur wahr sondern auch real sind. Und dann: bei den Faschisten und nicht nur bei denen überprüfen, was eigentlich die Folge ihrer Positionsbestimmungen sein kann. Wenn der Kampf der Hitlerjugend gegen andere rechte Organisationen gepriesen wird, dann wird das ja nachträglich am Erfolg der NS gemessen. Schaut in Deutschland auf die überall sich entwickelnden faschistischen Nester und bedenkt über die Kritik hinaus, was man denn alternativ tun kann, soll, möchte.

Und dann muss man die ideelle Mitte verlasse4n, Man wird zum WIR.

Was ist schon normal?

‘Civilizational Nationalism’

The West is in conflict with itself.

Eine gute Überschrift zu einem guten Artikel in Noema. (Nathan Gardels, 12.7.2025). Ein wichtiger Absatz lautet : „The cultural wars we are experiencing today, as Alexandre Lefebvre observed recently in Noema, are precisely a battle over who gets to normalize the norms for the whole of society.“

Die Normalisierung der Normen hat mich jahrelang beschäftigt, auch wegen der inhaltlichen Auseinandersetzung zum Normalismus von Jürgen Link, den ich seit vielen Jahren kenne („KultuRRevolution“ (https://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%BCrgen_Link). Und schätze, er hat viel von Frankreich nach Deutschland gebracht, und das war vor 50 Jahren und seither schon wichtig.

Aber die Normalisierung ist ja keine Trivialität. Sie richtet nicht nur in der Gesellschaft etwas an, sie erzeugt auch Strukturen, denen wir uns entweder unterwerfen müssen oder aber die uns in Kontroversen und Konflikte laufen lassen, die unser individuelles Leben etwas übersteigen.

Nun befinden wir uns in einer schrecklichen Zeit, in der wir schon Probleme haben, sie realistisch zu verstehen, und wenn das gelingt, Konsequenzen für die Zukunft daraus zu ziehen. Wie wird unsere Zivilisation beschaffen sein, wie werden wir den drei Atomdiktatoren und ihren Handlangern begegnen müssen und können, wie gehen wir mit dem lokalen und nationalen Rechtsruck –> Normalisierung! – um, vor allem, wenn er die Schwelle zu einem der Faschismen überschreitet?

Das alles kann keine Frage der Theorie allein sein, aus der dann Politik und politische Praxis abgeleitet wird. Es geht auch um die Schlüsse, die wir aus der täglichen Praxis ziehen müssen, um nicht nur bei uns selbst zu bleiben.

*

Dass unsere Zivilisation noch nicht abgeschlossen ist, versteht sich. Dass wir in ein Zeitalter eintreten, in dem KI nur nur Normalität produziert, sondern bis in unsere Hirnzellen hinein in die Evolution eingreift, versteht sich sich nicht so einfach. Dass es nicht ausreicht, wenn WIR die Folgen nicht mehr ganz erleben, ist klar, wenn unsere Kinder und Enkel die Zerstörung der Lebensräume, der Lebensbedingungen nicht nur erleben müssen, sondern ihnen ja aktiv begegnen. Aber wie richten wir was für diese Zukunft ein, in der wir wahlweise zu Staub zerfallen oder in einem absurden Jenseits auch nicht weiter leben werden?

Die Antwort „Politik“ stimmt, ist aber zu einfach. Wie gehen wir gegen die Menschenfeinde der Regierung, gegen die Umweltfeinde der Regierung, gegen die Kulturfeinde der sogenannten Regierung vor?

(Als Kind, ca. 10 Jahre alt, habe ich am Sonntag Vormittag immer die kabarettistische Politikumschau von Heinz Conrads mitangehört, der war auch nicht problemlos, aber sei`s drum: wenn etwas massiv ungelöstes in der Politik aufschien, sagte man "Bei uns, in Bagdad". Würde man heute nicht mehr...aber sei`s drum: damals war klar: Bagdad war hier, war Wien, war die Regierung, waren die Parteien).

Wie kann man gegen die Menschenfeinde Klöckner, Merz, Dobrindt, Bär, Spahn und Konsorten angehen, wenn sie die Normalisierung – siehe oben – schon so weit getrieben haben? Sind die so böse? Nicht einfach rechtsgerichtete DemokratInnen? Sicher sind sie das, aber auch in Demokratien ist die Ausrichtung auf Unmenschlichkeit möglich und oft wirklich – und zwar seit Beginn der Demokratie – was nebenbei ein Argument der Demokratiefeinde und Faschisten war und ist).

Und Europa: https://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%BCrgen_Link (Da sind die Rechten an der Macht oder vor der Tür. Und der Normalismus bekräftigt den Nationalpopulismus, in Regierung und Opposition). Und die Welt?

*

Wir sollten uns darauf einstellen, wie sich unsere Lebenswelt unter dem Druck dieser Entwicklung verändern wird. Komprimierte Lebenschancen auf allen Ebenen. Unsereins wird mit Wohlstandseinbußen leichter leben können als die wirklich Armen, die z.T. in die Arme der Rechten getrieben werden, zT. besonders leiden werden. Wir können immerhin IN und MIT der Kultur Widerstand aufbauen, auch mit massiver Kritik am rechtsnormalisierenden Journalismus, aber vor allem mit Kulturproduktion auf allen Ebenen – Bildung, Kunst Dialog.

Wie wir uns dazu organisieren sollten, wird hier nicht beschrieben. Versteht sich. Aber dass sich die Kälber nicht auch noch nur Schlachtbank überreden lassen, ist klar.

Widerstand ist nicht Gewalt

The crisis of democracy must find a democratic solution. Fortunately this is quite possible. The border between these two Americas is entirely open and on the Blue side, migrants are welcomed with all possible warmth“ (Marilynne Robinson, NYRB, 26.6.2025: „Notes from an Occupation“).

Das gilt für die USA – Einem Land unter gegenwärtiger Besatzung, „Occupation“. Und das gilt für Deutschland und die EU. Hier zerstört der rechte Flügel der konservativen Merz-Regierung in Windeseile nicht nur Umweltpolitik, auch die Menschenrechte. Der Kampf gegen die Migration ist menschenfeindlich, pragmatisch dumm (Grenzpolitik aus der Sandkiste) und demokratiefeindlich.

Lest über Seenotrettungsabsage der sogenannten Bundesregierung: SZ. 7.7.2025: Hilfe schadet nie.

Wir sind eine andere „Blue side“ als die US Demokraten, und vieles ist bei uns anders. Aber die Seite des Humanismus bleibt aufgeschlagen. Der Merzklub kämpft für die untere Mittelschicht UND die Oberschicht gegen die Armen und Marginalisierten in Deutschland. Und die Autonarren, Umweltignoranten, Wohlstandsstabilisierer ignorieren das, indem sie fiktive Alternativen propagieren, wie work-life-„Balance“. In der Balance liegt das Problem, weil das Gleichgewicht jeder Art immer der Gegner des Interesses jeder Art war und ist. Man macht seinen Job, klar, aber jenseits der Arbeitszeit ist Freizeit und Freiwilligkeit privates und nicht mehr öffentliches Unterfangen. Öffentlich heißt nicht staatlich, sondern über den Rand der eigenen Bedürfnisse hinaus.

*

Widerstand. Keine Retroidealisierungen. Nicht nur lokal oder föderal demokratische Alternativen wählen, das auch. Handeln, als ob von der Mitwirkung der Erfolg abhinge, ob das humanitäre Spenden sind, wer sich das leisten kann, oder eben Mitwirkung, Praxis geht vor Koalitionskritik, oft. Gewaltlosigkeit muss man nicht predigen, man muss sie nur praktisch leben. Widerstand ist auch dann gewaltlos, wenn er auf Gewalt stößt. Was natürlich im Kleinsten der Fall ist, und auch im Großen. (Das ist übrigens die „Blaue“ Hoffnung der USA, jenseits und mit der Demokratischen Partei.

Widerstand können wir lernen und weiter entwickeln, wir haben ja das Potenzial. Ich erinnere mich an die eigenen Diskussionen, so 1975 bis 1980, im Studium und in der aufkommenden Politisierung. In dieser Memory spielt die Beziehung von Öffentlich und Privat, anders Öffentlich und Individuell, eine große, oft aus heutiger Sicht komische und überzogene Rolle. Aber die Diskussion dieser Beziehung hatte schon Folgen, Trennungen und „Beziehungen“ (aller Art, KörperGeistSeele), Und die Kritik an Institutionen hat langfristige Folgen nach sich gezogen, paradox natürlich in den politischen Sekten, und eine Demontage bis heute. Anders gesagt: auch wenn politische Parteien weiterhin für eine Demokratie wichtig ein können, sie bilden nicht das Rückgrat des demokratischen Widerstands., auch wenn sie Opposition sind oder an der Regierung mitwirken. Ironisch: so wenig wie Religionsgemeinschaften.

Wenn man mit guten Grund WIR und nicht ICH sagt – der Grund muss allerdings da sein und gut, dann können wir Widerstand anbieten, auch den Kleinbürgern und Kleingeistern, die uns bisher in die elitäre Höhe verbannt haben, um zu sehen, wie wir abstürzen.

Die Dürre lacht

Nein, das ist keine beleidigende Kommentierung einer untergewichtigen Person.

Auch keine Metapher für die Fröhlichkeit unterbemittelter Politik.

Es geht um Witterung (Reim: Erbitterung), Trockenheit, Sturzfluten, alles in allem um Dürre.

Um darüber nachzudenken und zu schreiben, bedarf es einer gewissen Distanz zu den Personen und Handlungen der sogenannten Weltpolitik, die sich ja meist erst in klimageschützten Innenräumen vorbereitet, und dann die Erdoberfläche beleidigt und ruiniert, und uns Menschen dazu.

*

Was macht man, wenn man nicht genug Wasser zum trinken hat, zu wenig um sich und die Wäsche zu waschen, und nichts, um seinen Rasen zu sprengen und das Auto zu waschen. ? Man? es kommt auf uns zu. Die paar heißen Tage sind nur ein Vorblick auf die langfristige Wirklichkeit, die auch uns in Europa treffen wird.

Aber jetzt stellt euch vor, wie wir uns darauf einstellen. Nur mehr konzentriert einmal am Tag Hände und sensible Körperteile waschen und ansonsten uns schützen lassen von der Kruste, die uns bald überzieht, trocken und salzig, aber auch vor Sonnenbrand schützt und Stechmücken abhält. Stellt euch vor, wie wir große Strecken mit Kanistern wandern, fröhlich in der Expedition Meinungen oder Scherze austauschend, wir müssen ja gehen, also können wir auch entspannt sein. Kommt das Gewitter oder der Sturzregen, dann suchen wir Unterschlupf, und bald sind wir der sicheren und trockenen Rettungsinseln, Höhlen oder Gebäuden kundig, die uns das aushalten lassen. Wie man Nahrung rankommt? Wenn nicht gerade Trump einen die Versorgung versaut oder Putin sie kärglich einstellt, dann kommt es darauf an, dass wir einen Teil der verbliebenen Erdkruste noch bepflanzen und das ernten, was dort tatsächlich wächst. Den Rest müssen wir uns verdienen – und abholen.

AUFWACHEN.

Das alles wird tausendfach vorhergesehen, in allen Variationen, und wird doch anders als im Textvorspiel. Gaza oder der Sudan verbieten geradezu die Satire, und ironisch kann ich nur um mich schauen, wenn ich meine Wohnung verlasse, und darauf warten, dass am Himmel ein megagroßes NOCH erscheint. Noch ist es nicht so weit. Das liegt näher als zum Beispiel: noch bin ich nicht tot. Noch gibt es Wasser in der Havel und auch vom Wasserhahn.

Aber was mich politisch interessiert: der Zwischenraum zwischen JETZT und der absehbaren Zukunft. Sie ist absehbar, und was uns jetzt nicht hier trifft, trifft andere Menschen schon jetzt, manche seit langem, und anderswo ist in der vernetzten Welt immer ganz nahe beim Hier.

*

Dass zweitrangige sogenannte PolitikerInnen gerade jetzt die Umweltpolitik zurückdrehen, ist pervers. Aber am Gartenzaun gelehnt, atmen manche Menschen auf, endlich kein Druck. In dreißig Jahren, wenn wir noch leben, ist noch Zeit genug, und manche werden dann ohnedies nicht mehr leben…

Influencer und Start-ups beginnen, für die trockene Zeit Bilder, Fotos und Filme in Auftrag zu geben, die den trockenen Generationen Erinnerungen wachhalten und vor allem den darauf folgenden Kindern und Enkeln etwas erzählen können, was für uns noch wirklich ist.

ABER SO WAR ES IMMER, VON ANFANG AN.

Ja und nein, das wisst ihre alle. Und so wie jetzt nie.

*

Ich hatte euch doch einen schönen und lustigen Blog versprochen? Ist er ja, denn anders als gegen die Diktatoren, Tyrannen und Idioten kann man ja für die Umwelt und das Überleben noch etwas tun.

Das Argument der Feinde, man solle jetzt das Leben in vollen Zügen genießen, weil man ohnedies für die Zukunft nichts machen kann, ist schwer zu bekämpfen, aber dazu sind wir ja da. Das ist nicht nur Politik, auch Anschauung und Privatheit.

Politik ist natürlich, Strukturen zu verändern und nicht alles der privaten Mülltrennung als Heilmittel zu übergeben. Dazu müssen wir die mächtigen Lobbys mit ihren lernäischen Hälsen bekämpfen. (Lest über die Hydra https://de.wikipedia.org/wiki/Hydra_(Mythologie), es lohnt. Und gebt jedem Kopf eine Lobby oder einen Aktienkurs, nicht nur die ganz großen. „Bekämpfen“ ist mehr als nur kritisieren. Das bewirkt Konflikte, wo denn nicht, …

Sagen die Pseudo-Liberalen: jede(r) Einzelne soll sich das zu Herzen nehmen und entsprechend handeln. Geht nur sehr beschränkt, siehe oben. Aber es ist etwas daran, dass man bei sich selbst auch etwas ändern muss…Und wir werden bald vieles ändern müssen, was die zu erwartende Kargheit betrifft, die über freiwillige Sparsamkeit der wöhlerhabenden Mittelschicht hinausgeht. Wenn Merz und Dobrindt jetzt schon die Armen immer ärmer machen, also Trump nachfolgen, wird das gegen sie zurückschlagen.

Ach ja, ich wollte ja einen besseren Blog schreiben. Morgen gibt es eine Rezension. Genießt den Sonnenuntergang, das ist keine Ironie.

Hitzig, aber kalt

Auseinandersetzungen sind oft „hitzig“ und nicht selten Gegenstand von Medien und Literatur. Sie lassen durchaus Deutungen auf die Psyche und den Geisteszustand, manchmal auch Seelenzustand, der Streitenden zu. Kühle Beobachtung von Streit gehört auch zum Inventar politischer Verhaltensweisen. Und privat gibt es all das sowieso.

Wenn die Streiterei öffentlich ausgetragen wird, ja, wenn andere an der Hitzigkeit teilhaben sollen, dann steckt dahinter wohl ein Kalkül. Nicht mein Thema heute: Musk vs. Trump, aber des Musketiers Angriffe auf den Diktator sind schon seltsam aufgeregt. (Vgl. vielfache Meldungen, u.a. heute Tagesspiegel, 08:52 Uhr). Oft frage ich mich, ernsthaft, ob das alles nicht auch eine Inszenierung ist. Und dann steigen die Medien und Blogs drauf, und wieder wird etwas wirklich, das eigentlich sich nur im Mythos der Machtausübung abspielt, wie seinerzeit im griechischen Olymp oder bei den Sportspitzenverbänden.

Aber die beiden sind nicht mein Thema, nur ein Beispiel. Die Beobachtung von ausgetragenen Konflikten ist etwas anderes als selbst Teil einer Auseinandersetzung zu sein. Trivial? Naja.

*

Man muss nicht an die Spitzen der Macht hochschauen, um Gewalt wahrzunehmen. Auf Augenhöhe gibt es genug davon. Und überall kann man lesen, dass und wie sich festgefügte Strukturen derart auflösen, dass sie nicht mehr kontrolliert werden. Isolde Charim (charim@falter.at) hat nach dem Schulmassaker von Graz „Fragen nach dem ersten Schock gestellt“. Sie stellt mit Recht die beiden Triebe nach Freud ins Zentrum, den Lebens- und den Todestrieb. Und sie analysiert knapp und klar, was geschieht, wenn die Gesellschaft den Todestrieb nicht (mehr) regulieren kann. Ihr Schluss „Die Art, wie der Todestrieb sich geltend macht, wie er ausbricht, ist immer kennzeichnend für die jeweilige Gesellschaft“. (Falter 26/25, S.9)

Die Regulierung von Konflikten, das bin jetzt ich, findet im Vorfeld des angewandten Todestriebs statt. Es gibt ihn natürlich weiterhin, aber er kann gesellschaftlich eingehegt werden, oft besser, manchmal schlechter. Aber wenn er der Freiheit der Macht hingegeben wird, ist es im Einzelfall zu spät. Die Einzelfälle summieren sich, sie geben ein Spiegelbild der jeweiligen Gesellschaft ab. Strafprozesse gegen die Täter sind die Norm, aber die Wurzel der meisten Attentate liegt in der Gesellschaft, dass und wie sie die Täter herausgebildet hat. Eigentlich auch trivial und althergebracht, aber…oder gar nicht: wenn ich bedenke, wozu uns aufgeklärtes Denken und Tun befähigt, dann frage ich, warum in die jeweilige Situation nicht gesellschaftlich, nicht einzelfällig subjektiv, eingegriffen wurde. Konkret, auf den steirischen Fall bezogen, ein paar Seiten weiter, schreibt Anna Stockhammer wie die braun-schwarze steirische Landesregierung die Sozialarbeit an gewalttätigen betreuten Männern einstellt – weil die Budgetpolitik der rechtsradikalen Regierungspartei sich gegen „Integrations- und Migrationsvereine“ gestellt hat )S. 16). Ein Beispiel für viele gleichzeitige. Der globale Übergang vom dritten in das vierte Weltalter (Ovid: das „eherne“ Zeitalter geht in das „eiserne“ über…heute würde man sagen, die autoritäre Herrschaft verliert die letzte Legitimation (z.B. Wahlen) und wird Diktatur). Da sagt Ihr: bei uns ist das aber nicht der Fall. Wie lange noch auf dem Weg dahin macht sich die Unmittelbarkeit der Gewalt wahrnehmbar? Bevor wir von Widerstand sprechen: schauen wir genau hin, dann schränken ökonomische und militärische Machtansprüche längst gefestigt geglaubte Demokratieübungen fragil oder marode.

Gegenposition? Jedenfalls nicht einfach: Wahlen, Orban, Erdögan, Trump…sind gewählt, noch demokratischer als Putin oder Xi. Das kann es nur marginal sein. Geht zurück zu Freud. Da ist ja nicht nur der Todestrieb, sondern auch der Lebenstrieb, und dem zu folgen beinhaltet z.B. dass man sich nicht bis zur Gewaltschwelle aufregt. und vor allem diese Erregung nicht legitimiert und dogmatisiert, sonst gehen die Menschen ja gerne in den Krieg oder hauen sich eine in die Fresse. Ich gebe zu: sehr verkürzt. Aber doch plausibel. Gegenposition: bitte nicht lachen, ein Gleichnis. Vor wichtigen Entscheidungen gab es bei einigen antiken Völkern eine Entscheidung, dann eine Nacht darüber nachzudenken, und eine Wiederholung der Entscheidung. Danach wurde gehandelt. Würde das heute in die Gegenwart übersetzt, bedeutete es Machtverlust der gegenwartsbezogenen Medien. Auch schon etwas wert…Aber natürlich müssen wir uns, müssten sich alle, daran beteiligen. Ob das noch geht?

Da sehe ich die Chance des Widerstands.

Beispiele gibt es so viele mehr. Es ist Politik, sie zu sammeln und zusammenzuführen, hochrot vor Anstrengung vielleicht, aber nicht aus hilflosem Zorn.