W1(-s)8N ohne T und C

Die kommenden Feiertage ohne das T Wort, ohne das C Wort zu begehen, ist einfach, wenn man sich ausklinkt aus den Spiralen: zu früh zu spät, nicht streng genug zu sehr von oben, einsam partymäßig oberflächlich gesellig besinnlich. Und weil das T Wort damit anscheinend nichts zu tun hat, schauen wir dort schon gar nicht hin.

Kommt die Neurofee zu mir angeschlichen: hast du denn gar keine Themen? Doch, sag ich, zuviele. Blogs müssen aber kurz sein. Sagt sie: fang an, zum Beispiel mit …

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T+C haben anscheinend die Vielfalt unserer Weltwahrnehmung verengt, weil sie ja wirklich sind, und wirklich wichtig, aber doch eben der Scheinriesenwelt angehören (das war Jim Knopf, der gesehen hat, um wieviel kleiner der Riese wurde, je näher er ihm kam).

Es ist wahrscheinlich, dass es eine globale Verarmung geben wird, die lange anhält, vergleichbar der Zeit nach dem 30jährigen Krieg, oder den großen Pestepidemien am Ausgang des Mittelalters, und für manche noch erinnerbar, den Nachkrieg ab 1945. Nie das Gleiche, aber vergleichbar. Die Krisengewinner sehen wir schon heute, aber wer von ihnen sich in der künftigen Restriktion wird reich halten können, ist ungewiss.

Jetzt, in der Zeit, da wir Privilegierten noch nicht betroffen sind von der allgemeinen Beschränkung, können wir nur Spenden, ehrenamtlich tätig sein, und uns darauf vorbereiten, dass es auch uns treffen wird, auch wenn wir nicht sagen können, wie stark und schmerzhaft. Aber wir können schon Vorboten in anderen Ländern und Regionen erkennen. Das wäre ein realistisches, ungutes Bild der Zukunft. Ausgeblendet von der T und C Fixierung werden Klima, Flucht, Hunger, Armut und eine Vielzahl von Begleiterscheinungen der abnehmenden Bindungskraft zivilisierter Weltgesellschaft. Das ist realistisch, aber nicht pessimistisch.

Dass wir den vier apokalyptischen Reitern nichtgenügend entgegensetzen, kann auf eine Verbindung von zwei Monstren zurückgehen, die nie ganz weg waren, aber Jahre vor T und C sich schon angekündigt hatten und wuchsen: zivilisierte Weltgesellschaft, d.h. Abnahme demokratischer, republikanischer, öffentlicher, politischer Gesellschaftsformung, d.h. Teilnahme von Menschen an eben dieser Formung. Warum es so weit gekommen ist, darüber rätseln unsere gescheitesten WissenschaftlerInnen, aber nicht die politischen Bewahrer früherer Erfolgsmodelle. Das andere Monster ist unbequemer, der Stillstand der evolutionären Entwicklung unserer Zukunftsfähigkeit: Die Behebung der Probleme von Klima, Flucht, Hunger, Armut erfordert ja gerade eine Neuorientierung von jedes Menschen Stellung in der Gesellschaft, anstatt um das CO2 Ende 2030 oder 2050 zu feilschen oder sich in die post-C und T Urlaubsziele 2021q wieder einzukaufen, wenn alles normal wird. Es wird nicht normal, weil und wenn wir, die Gesellschaft, nicht normal im Sinne des Überlebens, also des Siegs über vier Reiter werden.  Es gibt keine Erlösung. Die Lösung von Problemen wird nicht begünstigt, wenn wir eine Auszeit in die Vergangenheit nehmen. Und das Gerede der Politik, ob und wieviel Weihnachten dem Volk zusteht, ist ein Zeichen der Vertauschung von Ursache und Wirkung.  Die Evolution der Aufklärung ist im Stillstand. Vor vier Wochen ist der bedeutende Philosoph Klaus Heinrich gestorben. Thomas Assheuer schreibt im Nachruf: „Heinrich hatte Freuds Rede vom „Selbstvernichtungstrieb der Gattung“ stets verteidigt; deren heimlicher Wunsch, „die Welt selbst aus der Welt zu schaffen“, war für ihn eine drohende Wahrheit. Behalten die Mythenerzähler am Ende also doch recht? Nein, Heinrichs Pointe ging anders: Anstatt gegen sich selbst die Kräfte der Kritik zu mobilisieren, verleugnet die Zivilisation die Natur und macht den Fortschritt zum Mythos – die Aufgeklärten waren nicht aufgeklärt genug.“ (Zeit, 26.11.2020). Nur mit Aufklärung kann man die vier Reiter nicht besiegen, aber in der Bekämpfung der jeweiligen Gewalt kann eine Befreiung der gehemmten Weiterentwicklung so nahe an der Abbruchkante der Zivilisation gelingen, das ist Fortschritt gegen die Wirklichkeit, gegen die Illiberale Demokratie der Orbans, gegen das Flüchtlingstötungsprogramm von Innenministern im Wahlkampf, gegen die Frauenverachtung der Klerikofaschisten in Polen, gegen…tut nicht so ungeduldig-unschuldig: ihr kennt alle die nach ob offene Liste. Positiv denken kann unter diesen Umständen auch heißen: negativ handeln. Gegen, das kann auch Gewalt, Selbstbeschränkung, Verweigerung bedeuten. Nicht im Untergrund, sondern im hellen Licht der Weihnachtsbeleuchtung, die hoffentlich menschenleer Innenstädte so zeigt, wie sie vielleicht bald als Wirkung der vier apokalyptischen Reiter aussehen werden, die den Begriff Einzelhandel noch nie gehört haben.

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