Eine Kaskade der Befreiung

Oft ereilen uns ganze Kaskaden von Hinweisen auf etwas Wichtiges, und jede Stufe des Ideologischen Wasserfalls eröffnet neue Räume – oder Träume. Fangen wir, für meine werten Leserinnen und Leser, bei der Quelle an, wieder einmal die New York Review – so etwas haben wir hier nicht. Unter dem Titel „The Dream of the Raised Arm“ schreibt Zadie Smith eine Rezension. Ihr kennt Zadie Smith, aber Details lohnen sich: Zadie Smith – Wikipedia . Sie rezensiert ein Buch, das auf Englisch erst im April 2025 in Princeton (PUP) erscheint, aber es gibt ja auf Deutsch: Das Dritte Reich des Traums, München: Nymphenburger Verlagshandlung, 1966, erstmals ins Englische 1968, und demnächst wieder, neu übersetzt. Zadie Smith ist in der ersten Reihe der britischen Autorinnen, Romane, Essays, Kommentare. Warum sie? Werden wir gleich sehen.

Zunächst ein Eingeständnis: Charlotte Beradt 1907-1966 ist für mich ein neuer Name, obwohl man doch einiges über sie erfahren kann und sollte: Charlotte Beradt – Wikipedia – gut zusammengefasst. Sie war zeitweise enger kooperierend mit Hannah Arendt in den USA, da hätte ich den Namen doch finden müssen. Egal, jetzt habe ich ihn.

Danach ein zweites Eingeständnis: jetzt stöbere ich nicht bei „meinen“ Texten von Hannah Arendt und Beradts Übersetzungen, sondern widme mich der Rezension dieser Journalistin und Autorin, die sich früh auch mit der Weltbühne verbunden hatte, da hätte ich auf sie stoßen müssen.

Und jetzt schreibt Zadie Smith über „The Third Reich of Dreams; The Nightmares of a Nation.“ Der Titel reicht schon zum Anfassen. Beradt hat Träume von normalen Menschen gesammelt, mehrere hundert, bevor sie 1939 in die USA floh, erstmals einige publiziert 1943, dann 50 (politische) Träume 1966 publiziert und das mehrfach, auch in vielen anderen Sprachen. Ohne Tiefenpsychologie beschreibt sie die Traumverarbeitung des Totalitären, als „Life Without Walls“. In der Analyse des Buches mit dessen Analyse von Träumen wird die Anziehungskraft zur Gemeinschaft zu gehören beschrieben, – die zeigt sich eben auch im Traum. Gut genug für eine erstklassige Rezension. Aber Zadie Smith springt jetzt weiter: In die Gegenwart der Algorithmen, die uns zu Objekten machen, in scheinbarer Autonomie der Information. Sehr genau und nachvollziehbar. Und sie sagt, u.a. den jungen Zuhörerinnen und Zuhörern, dass es nötig sei, sich von den Algorithmen zu lösen, um dann (nicht dadurch) die Freiheit der echten Problemlösung wieder zu erlangen. Von dort geht es zur Technokritik, jetzt sind wir gefragt. Aber ihre Conclusio erschreckt: In my nightmares, Trump is only the Trojan horse. Musk is the real power. An unelected billionaire whose megaphone reaches every corner of the globe? O give us freedom of thought.

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Gut, dass wir hier fortsetzend weiter denken können. Die Träume kaufe ich mir. Übrigens: hat nichts mit Psychoanalyse zu tun. Aber vielleicht doch?

Das fünfte Zeitalter, keine Farce

Wer meint, der Karneval ab 11.11. sei die einzige fünfte Saison, irrt: sie ist eine Farce, wenn man die Jahreszeiten ernst nimmt. Karl Marx notierte, dass wichtige historische Ereignisse sich zweimal ereigneten, einmal als Tragödie, das zweite Mal als Farce (über Hegel: Karl Marx: Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte (1852). Zitiert nach: MEW Bd. 8, S. 115). Ein lockeres Zitat, das aber schnell sich verdüstert: Fintan O´Toole zu Donald Trump: „But his second coming is no farce. It is a brutal show of strength“. (NYRB LXXI 19, Titelseite: The Second Coming). Ein hoffnungsloser Ausblick, seine Analyse von Trumps letztlich verbrecherischer Wende der Staatspolitik trifft wenig Hoffnung auf Widerstand von Seiten der Demokraten und der demokratischen Partei.

Viele resignieren schon vor dem Amtsantritt des Diktators. Die dritte Tyrannei ist schon auf dem Weg, welche große Atommacht uns wie bedroht, und ob sie einander bedrohen, ist noch nicht klar. Viele in der Politik und den Kommentaren schmiegen sich schon jetzt an den neuen Diktator, manche auch an Putin oder Xi, und die Subtyrannen helfen den Faschismus zu verbreiten. Auch in der EU.

Also ein ehernes, ein schreckliches Zeitalter? Dem folgt bei Ovid das vierte, das eiserne, das nun auch verbrecherisch war, während das dritte nur „derb und den schrecklichen Waffen geneigter“ war (Metamorphosen, 1. Buch, ab Vers 125). Sind wir nun am Ende? Oder beginnt eine bessere, neue? – hier nicht, und bis dahin dauert es.

Die Endzeitgeschichten können sich gar nicht genug tun an den den Schrecken, die der Befreiung, gar der Freiheit vorausgehen. Denn es muss ja wirklich eine Erlösung geben, und nicht eine Glühbirne in der dunklen Zelle.

Wenn man die drei großen und die vielen geringeren Diktaturen zusammen nimmt, werden spätestens unsere Ur-Enkel das Ende der Menschheit auf Erden erleben, wie genau, wissen wir nicht, aber Klima, Hunger und Tyrannis zusammen schaffen, was die Evolution bislang überbrückt hat.

Ist das nun, werte Leserschaft, eine negative Vision, die zum Widerstand aufruft? Wenn ja, zu welcher Art von Angriff sollen wir übergehen? Wir, d.h. wir sind schon auf der richtigen Seite, oder?

Und wenn nicht, und unsere Ur-Enkel werden das rettende Ufer erreicht haben, und es wird egal sein, ob wir die falsche Seite gewählt haben, um spätere Generationen überleben zu lassen?

(Leute, das habe ich nicht erfunden, viele Utopien und Philosophien und Albträume stellen solche Fragen, antworten auf sie…und viele haben die Trumps vorhergesehen, so wie die Hitlers, Stalins, Putins, Maos, Trumps, und deren Unterlinge – nicht vergessen, wieviel Nationalismus man denen anhängen kann; und eine ganze Menge leugnen sie noch heute, weil ja einiges nicht „schlecht“ war, auch in den Beziehungen der einfachen Menschen, die man immer gewesen sein will).

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Aber tatsächlich gibt es einen qualitativen Absprung in ein unerträglich gewalttätiges Zeitalter gelockerter bis zerstörter gesellschaftlicher Bindungen und damit verbundener grundsätzlicher Verhaltensweisen (Dazu kann man übrigens O`Toole wieder zur Hand nehmen oder etwas über Putin wissen). Nun ja, wir wissen im allgemeinen nicht, wie wir uns kollektiv oder individuell auf das jeweilige fünfte Zeitalter vorbereiten oder uns in ihm einrichten. Ich weiß es auch nicht. Es wird nicht an uns vorüberziehen, ob wir unterwürfig oder widerständig sind, soviel ist gewiss. Aber natürlich wird man sich schon dadurch unterwerfen, dass man die Verhaltensweisen der Trumpherrschaft und der Putinokratie in Bestandteile zerlegt, die einem vielleicht doch Rückhalt geben, oder man tut es nicht. Noch wissen wir nicht, was das für jeden von uns bedeutet, aber nehmt Trumps und seiner Spießgesellen Ankündigungen so ernst wie Putins Verordnungen. Hier nützt der 11.11. nicht, die moralische Farce kommt vor dem Drama, bis das Kabarett verboten wird.

IQ ist nicht alles. Dummheit ist nichts

Die meisten Kritiker von Verbrechern, Faschisten und politischen wie kulturellen Gegnern üben sich in der Dummerklärung dieser Gegner.

Die erste Frage im Duell ist daher: warum sollen Gegner dümmer sein als man selbst?

Die zweite Frage: Warum soll ein Verbrecher, ein politischer oder kultureller Gegner nicht sehr gescheit sein?

Warum hat Trump oder Musk oder Putin oder … keinen hohen IQ? Und warum soll man jemanden mit hohem IQ nicht wegen anderer Missetaten bzw. Defizite kritisieren und politisch angreifen? Das alles sind Alltagsfragen und -antworten. Für bestimmte Handlungen, seien sie noch so böse, muss man ziemlich gescheit sein, um sie überhaupt vollziehen zu können. Außerdem decken IQ und Gescheitheiten nicht alle charakterlichen Eigenschaften bei jemandem ab. Zusatzerkenntnis: Elon Musk kann ökonomisch einseitig sehr gescheit sein, das hilft seiner politischen Seite und seinem Erfindergeist, und er ist auf der politischen Seite destruktiv klug, was aber seinen hybriden ökonomischen Allüren keine Grenze setzt.

Merke: Gescheite, besonders Gescheite, Geniale sind nicht per se sympathischer, moralischer und angenehmer im Umgang als man selbst. Aber da liegen natürlich Berge von Eitelkeit, Erziehungs-schwächen, ideologischen Divisionen usw.

Warum sollen Gescheite Leute keine Faschisten werden, Kriegstreiber sein, Arme ausbeuten etc.? Wo steht, dass Wahrheit und Gescheitsein im Bewusst-sein eines Menschen korrelieren? Oder Gescheitsein und Moral, oder Simplizität mit Moral …

Wenn man Menschen wie Putin, Musk, Trump auseinandernimmt, dann ist hohe Intelligenz geradezu die Bedingung der Möglichkeit, jenseits der Moral Menschen zu überzeugen und zu deren eigenem Verlust zu beherrschen. Schon eine Ebene darunter setzt der vermehrte Gebrauch von Gewalt ein, um diese Position zu bewahren.

Bis heute hält sich der Rassismus, dass manche Völker, Stämme, Familien „gescheiter“ seien als andere. Woran Gescheitsein liegt, an Sozialisation, Erziehung, Aufwachsen, und viele Umstände, wird dabei immer abgebogen oder unterschlagen. Besonders peinlich, wenn die IQ Zuschreibung auch noch moralische Einengungen mit sich bringt, wer dann nicht Faschist oder Gläubiger sein kann darf soll.

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Wenn aber die weniger Intelligenten, die weniger Gescheiten, versuchen, die zu imitieren, die wirklich gescheiter sind, dann wird es nur peinlich. Darüber schreibt man nicht, aber man beobachtet aus einer Position, die einen selbst nicht betrifft, weder als Gescheiten, noch als Deppen. „Bist G’scheit?“ ist eine böse Frage, der die Antwort „Du bist aber dumm“ schweigend vorausgeht. Das kann man übrigens auf viele aktuelle Politik-Menschen genauso anwenden wie auf Moral- und Kunst-Menschen. Eine gute Übung. Oft ist Bescheidenheit auch noch eine Versicherung.

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Ich schreibe das relativ unlustig. Zu glauben, dass nur die eigenen Freunde im weitesten Sinn gescheiter sind als „die Anderen“, schafft im schlimmsten Fall neue Konflikte oder eigene Niederlagen, im besten Fall Täuschung als Lebenselixier.

Ich schreibe jetzt nicht, an wen ich denke, der oder die einen höheren IQ hat als ich, der oder die politisch besser denkt und agiert, der oder die kritischer handelt und auf Kritik reagiert. Aber ich bitte euch, macht ein Preisrätsel für euch selbst und eine Namensliste…wer Recht hat, darf kandidieren

Grauer November, kein schwarzer Ausblick – „bei uns“, „für uns“

Na, ihr Depris, packt euch die Verzweiflung angesichts der Trumpei, der Putinei, der Orbanei, der Scholzei, der Melonei, der Nehammerei, … soviele Eier legt nur der sagenhafte Höllenwurm oder der höllenhafte Sagenwurm?

Wer jetzt verzweifelt, darf in Zukunft nicht von Schicksal sprechen. Ein Wiener würde sagen: „Kannst eh nichts machen, also reg dich nicht auf – und tu was, endlich“. Das kann gefährlich werden für jede(n) der/die etwas tut – weil wir ja nicht so genau wissen, worauf die Herrschaften wie schnell reagieren. Also beobachten die meisten hinter dem Vorhang, was die Minderheit richtig macht, und ob sie es übersteht. Damals in der DDR 1989, Millionen hinter den Vorhängen (heute nostalgische Abgleiter nach rechts), aber hunderttausende Menschen auf dem Weg in die Freiheit. Auf die kommt es heute noch an.

Jetzt ganz großspurig: kann es auf uns in Zukunft ankommen, wenn wir uns jetzt von der Fixierung auf die Wege in die Abgründe absetzen? Weder die Diktatoren noch ihre Schuhlecker sind auf der Ebene, in der sich unsere Ansichten und Absichten verbreiten sollen. Nur innerhalb von Demokratien ist Kritik an dem, was noch zu verbessern oder zu verändern ist, richtig. Wozu die Diktatoren wie Putin kritisieren? (heute, 16.11., sind die Medien und Selensky mit Recht voll von Kritik an Scholz` Gerede mit Putin). Gegen Diktatoren muss man handeln, und das ist keineswegs immer kämpfen. Kämpfen ist eine Form des Widerstands. Sonst gibts nichts? Wir können schlecht kämpfen, aber wir können vielfältig die unterstützen, die kämpfen, oder deren Angehörige uns verteidigen. Da geht es um Kultur, um Soziales, um eigene Einschränkungen zugunsten derer, die letztlich für uns vieles wagen, manche ihr Leben, oder, konkret, Angehörige derer, die das wagen, und bei uns Asyl und Anerkennung genießen. Es geht um nichts weniger als die wahrscheinliche, wahrscheinlich sehr unangenehme und langdauernde, Auseinandersetzung mit mehr als einem totalitären System, mit Diktaturen, Faschismen und Trittbrettfahrern neoliberaler Gewaltschatten.

Sagen wir, es sei jetzt der Herbst der Demokratie. Bis zu ihrem Frühling wäre es noch lange Zeit und dazwischen Eiseskälte. Ist es Hysterie, sich darauf vorzubereiten, wenn man für ein demokratisches Wiederaufleben sich einsetzt? Putin setzt auf Angst und unterdrückt das russische Volk. Trump ist alt genug, um in der Vollendung seiner anarchischen Diktatur vielleicht vorher zu sterben, vielleicht aber auch nicht. Auch andere Diktatoren überleben eher als ihre Gegner. ABER das ist unabhängig davon, wie viele sich der Gefolgschaft anschließen, wenn die anderen, wir anderen, sich/uns darauf einstellen, uns nicht dem Handlungsangebot der ökonomisch und politisch maßvollen Unterwerfung anzuschließen.

Wenn ihr jetzt fragt, wie ich denn „da drauf“ komme, dann antworte ich: weil sich eine Schwächung der Demokratie abzeichnet, die tief in unser Bewusstsein und unseren Alltag jetzt schon eingreift. Nicht die Nazivergleiche bemühen. 1932 wäre die viel schlimmere und realistischere Analogie…aber auch ohne sie. Uns gehts nicht besser, wenn es uns nur ökonomisch besser geht.

Dazu ein Gleichnis: Elon Musk ist ein erfolgreicher Ökonom, und ihr kauft euch massenhaft den Tesla, und freut euch über die mitbestimmungsfreie Fabrik vor den Toren Berlins. Musk ist aber auch ein politischer Ganove an der Seite von Trump. Wer kauft dessen Produkte, WLAN, Tesla und Weltraum?

Da hätte Marx die politische Ökonomie nicht besser vorhersehen können. Nur jetzt kommt es anders, und bevor wir das Ergebnis beklagen, können wir uns schon auf den harten Winter einstellen. Sozial, kulturell, ökologisch – und nicht dauernd auf die Schlange starren!

Blick zurück nach vorn: Österreich

Meine Freunde in Österreich versorgen mich nach der Wahl von Trump mit einem besonderen FALTER (#44) der vor der Wahl schon wusste, was uns droht: „Kippt die Demokratie? – Amerika entscheidet“. Was hat Amerika entschieden, flächendeckend, gleich gar nicht auf den Amtsantritt des Trump wartend:

„In der Pluto-Ochlokratie spielt der Reiche dem Pöbel vor, er sei seinesgleichen. Wenn die Hegemonialmacht derart abgleitet, darf sich die Demokratie auf ihre Endzeit gefasst machen“ (Armin Turnherr, Gründer des FALTER, S.5). Ochlokratie ist die Pöbelherrschaft…Trump und Musk, Trump und Bezos, das ist jetzt, nach der Wahl schon die Wirklichkeit. , Isolde Charim schreibt, wie immer gut, zu Musk (S.9) „Alles weicht einer Feudalordnung des Geldes. Alles wird hier pervertiert“. Es fällt auf, dass niemand mehr Zweifel am Wahlsieg Trumps hatte, vielleicht noch nicht an seinem Ausmaß. Nun ist Österreich an der Kippe zu einer teilweisen Wiederkehr des Austrofaschismus. Die amerikanischen Faschisten orientieren sich an einem Protagonisten, Edmund Waldstein, Zisterzienserpater, „der ihnen die Stichwörter liefert“ (Artikel von Eva Konzett „Mönch der Macht„, (S.12-14). Dass Amerika „entscheidet“, liegt an der globalen Offenheit für einen weltweiten Faschismus. Eine deutsche Umfrage bestätigt die Zweifel an der Demokratie. Eine österreichische Wirklichkeit hat den rechtsradikalen Walter Rosenkranz der FPÖ zum Nationalratspräsidenten gemacht (!): Nina Horaczek „Kickls Wolf im Schafspelz“ (S.18). Wer Kickl ist, wisst ihr in Deutschland schon?! Der FALTER ist eines der wenigen Medien, das nicht von vornherein den Kompromiss mit dem wahrscheinlichen Ergebnis der Trumpherrschaft sucht. Es wird schlimm genug.

Nun gibt es eine Menge Politiker, Wissenschaftler, Adabeis…(fast nur Männer), die davor warnen, große Worte zu verwenden, wie Faschismus, Diktatur, und Herrschaft. Man solle sich, sagt ein Fachmann, doch auf die realen Tatsachen und Ereignisse konzentrie-ren. Als ob die weniger faschistisch wären.

Und ich schaue auf meine erste Heimat Österreich, die einen Schritt vor Deutschland mit seinen AfD und BSW auf dem Weg in die offizielle Faschisierung ist. Offiziell schon deshalb, weil Nehammer und die ÖVP ja nicht nur eine Vorgeschichte haben, die aus dem Austrofaschismus auch kommt – nicht nur, bitte schön – sondern weil es die Europa- und Weltpolitik viel weniger interessiert als z.B. den Wirtschafts-giganten Deutschland, dessen Vorwahlstimmen nicht nur der großen Parteien ganz konsequent den Sozialabbau in ihre Propaganda nehmen. Andererseits beruhigt mich Österreich in der Bestätigung und Vorschau auf Widerstand, vom Bundespräsidenten bis in die Kultur. Und wo soll man schon hinschauen, wenn sich Israel trumpophil nicht als Fluchtland anbietet und man in Deutschland sich fragen muss, wann denn endlich jemand die Trumpfreundschaft mit Putin Ernst nimmt, die Gefahr für NATO und Ukraine wahrnimmt und die Auswirkungen auf die Gesellschaft wirklich und nicht rahmenverziert zu politischem Handeln verwendet.

Überhaupt Österreich. Als Doppelstaatsbürger möchte man immer im andern Land sein, wenn dort, wo man gerade ist, alles rechts abgleitet. Aber das geht in diesen Tagen nicht. Die Umweltpolitik wird abgewrackt, der brutale Industriefaschismus triumphiert. Lass die Stürme woanders wüten, gibt es eben weniger Flüchtlinge…und wenn sie hier wüten? so weit sind die Politiker noch nicht. Überhaupt Deutschland.

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Bis hierher ein unterkritischer und beschränkter Blog. Der ist aus einer spontanen Reaktion entstanden, als ich den FALTER bekam. Ich will mich wappnen gegen die unterwürfige realpolitische Unterwerfung unter die voraussichtlichen Handlungen von Trump und seiner Camarilla, denn diese angstbesetzte Vorausschau heizt ja nur sein Diktat an.

USA wird jetzt die dritte Macht, und „1984“ ist das Modell. Und ganz ohne Zynismus: wenn gefragt wird, was wir dann machen, kann ich nur sagen: was wir dann noch tun können. Jetzt aber ist bis dann. Politik, Ethik, Kritik und Widerstand, die sind doch nicht erst gefragt, wenn ihr Gegenteiliger herrscht. Habt ein paar gute Monate bis dahin, und lest den FALTER. Nicht nur vor der US Wahl, wöchentlich. Denn: Amerika hat entschieden.

English version: commentary. From 9/11 to 10/7

Dear family and friends, who do not speak German. It is no real pleasure to condense my views and commentaries on Israel and the Gaza and the region and global actions and reactions. And and and…But it does not help closing the eyes and ears, reality is penetrating all senses and thoughts, day and night.

October 7, 2023, was a terrible day. Its reality was bad enough, but the events created also an aura of almost unreal comparisons (e.g. 9/11/38) and made almost all actions in the context double bond. Germany reacted, as always, differently from almost all other societies, because of the permanent restructuring the post-1945 development and successful learning and … despite the fact that anti-semitism has grown immensely, and that right-wing and fascist movements are developing even faster than in many other European countries. Within the Jewish communities and organizations in Germany, and also between the Germans and the Jews there are increasing rifts and conflicts. This is not new, and it can be explained. But communication on the socials and private levels is deficient. The parliament, as an example, has produced an anti-anti-semitic resolution that was supported on the one side by one right wing party and still is being heavily critized by Jewish and other organizations and intellectuals for being the opposite of the intended pro-Jewish unfication of democrats (cf. Vera Weidenbach, Ha’aretz Nov. 7). Over most of the last year there is a hefty antagonism between those who support the Jewish people of Israel and the intention to create a two-state solution in order to regain peace, and the increasing conflict between supporters and critics of Netanjahu and his partially fascist government. A famous politician of the 1968 period, Daniel Cohn-Bendit, has uttered just recently how much it does hurt him, when Jews are fascists (in Israel).(FAZ Nov. 8). The situation of Israel is more than one among many points of conflict, because Israel as a possible last aim of rescue for Jews is in danger. For many reasons, both externally (complete annihilation) and internally (becoming a fascist state no longer open to Jewish immigration and refugees).

Israeli Hostage’s Father: ‚We’re Second-class Citizens in a Fascist Country‘
 
Liza Rozovsky  Ha’aretz 14/11/2024

This situation makes it difficult and urgent at once to reflect the „real reality“ in Israel and the whole region and its political outposts and open and hidden actors. On the other side, without learning (again) the history of what has happened and why during the last 100, 50, 30, 5 years…makes it difficult to understand anything of the conflicts within the Jewish and the Palestinian people, and between them.

The situation in the USA, as one main actor, does not make things easier since the crazy victory of Donald Trump, which does also the split the Jewish and the Muslim people in the US. We really have no idea how Trump will act on behalf of Israel, of Jews, of peace. (Or do we, and are afraid of what we foresee?).

The events after October 7 have indeed changed the structure of Jewish people, everywhere, and in Germany. Now its too late to regret all the ignorance and superficiality with which the questions of peace in the region, the critique and support of Israel and the Palestinians etc. have been pushed into the corner. But there are only a few signs that politics become awake. And I am afraid that the danger of Israel simply disappearing from the world map has become bigger than ever. That is no good perspectives for those who find Israel as their last resort and for those who do not want to settle in a country dominated by fascists and outlaw settlers on the one side, while the attacks and hostility by Hamas, Hizbollah and other neighbors is growing and will not be diminished by military perpetuation.

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Since I have many Jewish members of my family and many friends in Israel, I was also emotionally engaged, of course, before October 7, and in a very different way afterwards. But in this complex ideological battleground, I thought the best solution for me would be to stay in touch with my friends in Israel and to create an aura of rationality around me: I held a seminar at the University, about the history of Israel and region between 1896 and October 6, 2023 – not many students, but interested and not aggressive ones. I have been adding some posts to my permanent communication michaeldaxner.com and I am giving some public lectures or preparing them. The real difficulty is not to stumble into one of the many ideological traps. And if you love Israel, like me, and if you prefer two democratic nations or states in a confederation or two-states-unit, neither religion nor ethnic prejudice should be allowed to produce future politics – the present policies are sad enough

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Of course, this is just a superficial commentary on the view on Israel and region. I am reading Ha’aretz and listening to BBC and get information by my friends in Israel, and read and re-read books on the history of Israel. YOU do probably the same, and I am sure that many of the texts are the same. I am writing this short commentary on the present reaction to the events in Israel and Palestine, because I have the impression that many people – also many politicians – do lack empathy and insight into the human feelings and reactions after October 7, and concentrate too much on what happened since. I want to follow Omri Boehm (2023) who claims that we should not fight for the „really“ right truth among controversial truths, but insist on a higher instance, that is justice in the sense of righteousness. This is complicated and not easy to understand that there will be no shared truth between Israeli Jews and Palestiniens…but we must go ahead.

10. November, dazwischen.

zum 9.11. schreiben sie alle, reden sie alle, und jeder findet sein Datum. Sinds nicht die Nazis, ist es die DDR, und es gibt noch mehr. Alle Daten sind irgendwann Gedenkdaten, weil die Menschheit noch alt geworden ist. der 9. November – hat mich früh fasziniert, wie sich Daten wiederholen und eine eigene Wirkung entfalten (Vgl. M.D.: „Schicksalstage in der Geschichte werden gemacht“ Der 9. November. In: Günther-Arndt/Hoffmann/Zwölfer (Hrsg.): Geschichtsbuch Oberstufe, Berlin, 1995, S. 354 – 357). 2. Juli, 7. Oktober, 1. Mai etc.

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Am 9.11., gestern, beherrschen die KZ Gedenkfeiern, die Feiern zum Abgesang der DDR, die antisemitischen Ausfälle in Amsterdam die Schlagzeilen, dahinter lauert Trump, aus den Ecken blinzelt der Zerfall der deutschen Demokratie und die Unterstützung von MigrantInnen und der Ukraine in der EU. Ganz schön viel für einen kalten Herbsttag.

Am 11.11., morgen, beherrschen die Narren die Öffentlichkeit, ist nur nicht mehr so lustig, wenn es das je war, gar viel nationale Politik und Kultur (https://de.wikipedia.org/wiki/11._November), und natürlich die fünfte Dimension https://www.wissen.de/warum-beginnt-die-karnevalssaison-am-1111 (Als Freund des alpinen Faschings habe ich den Karneval nie leiden können, aber das bin eben nur ich.)

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Aber heute ist der 10.11. – Dazwischen, die wichtigste Ortbestimmung der Philosophie und des Menschenverstandes. Außerhalb, ob Himmel, Hölle oder Ewigkeit, ist immer falsch. Dazwischen ist wenn nicht gut, so richtig.

Hört und sieht man, was wer gestern von sich gegeben hat, dann überwiegt das Ritual vor der Betroffenheit. Der Aufruf, nicht zu vergessen, bedeutet ja auch, von sich aus in die Zukunft zu rufen. Woran also jetzt am 9.11. erinnern? wie kann man das Rückdenken an die Pogromnacht und das Rückdenken an das Ende der DDR verbinden, muss man es? Gut wäre es, jeweils die Vorgeschichten zu kennen und sie zu erinnern; das hilft, die Geschichtserzählung vom 9.11.1938 zu verstehen. Die Nazis haben auf den allgemeinen Faschismus der Dreißigerjahre etwas draufgelegt, das mehr ausgedeutet werden muss als die Faschismen allgemein – das ist auch eine Warnung für uns heute, nicht von den Nazi-Erinnerungen aus die sich verbreitenden Faschismen zu bewerten, sondern zu erklären, warum der deutsche Faschismus so schnell und rigoros in den Nationalsozialismus sich entwickelte. Und das ist nicht nur Geschichtsschreibung…Es gibt unendlich viel Forschung und Dokumentation zum Faschismus allgemein und zu NS im besonderen. Aber es gibt wenig, zu wenig, Reflexion, Wiederspiegelung in unsere Gegenwartsbewertung – angefangen bei AfD und BSW bis zu den dauernd aufgedeckten Nazi-Neugründungsgruppen, vor allem in Sachsen, aber auch anderswo. Wobei man beide Parteien verbieten sollte und nicht aus Angst vor Fußnoten des Verfassungsgerichts gleich die ganze Justiz außen vor lassen sollte. Koalitionen mit diesen Rechten machen oder wollen nur unpolitische, undemokratische Landes-Schwurbler. Weil man den Faschisten, auch damals den Nazis, und heute? eben nicht Kompromisse beim Programm abringen kann, wenn es um Machtausübung geht. Lernt doch von der Niederlage der Demokratie gegen den Donald Trump. den ich nicht charakterisiere, weil ich mich von seinem Stil absetze: und wer die Wahrheit sagt, bei dem bleiben oft die Begriffe hängen, die man kritisiert oder nicht mag.

Gestern war ein anderer Zugang zum 9.11. interessant: die Reaktion des Bundespräsidenten auf die Rede von Marko Martin zum Mauerfall. https://www.tagesspiegel.de/politik/kritische-rede-im-schloss-bellevue-schriftsteller-martin-wirft-steinmeier-wutausbruch-vor-12676247.html, Die Rede ist wichtig: https://www.welt.de/kultur/article254426424/Marko-Martins-Mauerfall-Rede-Sehr-geehrter-Herr-Bundespraesident-und-bei-allem-Respekt.html . Es geht hier um die Verbindung von Struktur und Personen (u.a. Egon Bahr und Frank Walter Steinmeier) und nicht einfach um die Werbung für Zustimmung oder Übereinstimmung. Wir haben in der aktuellen Gegenwart ja das Problem, dass die demokratischen Welt- und PolitikbewegerInnen von 1989 vielfach geehrt und analysiert werden, aber die vielen, die hinter Vorhängen in ihrer Geschichte gar nicht verstanden werden (sollen, gewollt werden), aber aus der Geschichte bzw. dem Geschichtsbewusstsein ausgegrenzt sind. Im Übrigen sage ich als Österreicher mit Überzeugung, dass die Fixierung auf Ost-West eine seltsame Verzerrung und Übertreibung ist.

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Datums-Fetischismus kann erfolgreich sein (Weihnachten) oder über kurz oder lang in Vergessenheit geraten. 9/11 (11. September, nicht schon wieder ein 9. November) bleibt wohl hängen. Was war am 7.10.2023 historisch: 50 Jahre seit dem letzten Krieg, Putins Geburtstag? 10.9. Afghanistan… Und so kann man viele Tage aufzählen und aus den Schubladen sowohl ideologischer als eigener Zeitgestaltung herausholen. Literarisch war natürlich der 29. Februar unschlagbar, aber ohne Bedeutung…

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Was wird wann gefeiert, betrauert, vergessen, erinnert, wieder erinnert, wieder und anders erinnert?

Das ist alles sowohl privat, subjektiv, als auch politisch. Das Ereignis, mehr als das Datum, zählt. Wenn es umgekehrt ist, dann kann man in sich gehen und nachprüfen, was man eigentlich feiert oder betrauert. Morgen, am 11.11. werden manche, viel? die sorgenvolle Erinnerungskultur unterbrechen. Was muss geschehen, um die Ball und Karnevalssaison abzublasen? das kann man wiederum der Erinnerung übergeben. coronabedingte Absagen 2020, 2021, 2022 – die Wirtschaft hat gelitten, und das Volk? In der NS Zeit wurde der Karneval ideologisiert und 1940 bis 1945 abgeblasen (https://www.xn--klner-karneval-vpb.de/historie-koelner-karneval/nationalsozialismus). Auch die Absage von Bällen, wie in Wien, wird streng chronologisch vermerkt.

Gedenktage insgesamt sind sehr bedeutsam für die veröffentlichte Kultur eines Landes. Und sie werden gesteuert, gecancelt, neu eingeführt, mischen sich mit kirchlichen Feiertagen oder setzen sich von diesen ab usw. nicht wirklich „mein Thema“, aber heute, zwischen 9. und 11. November dann doch….es ist wunderbar still auf den Straßen und man kann sich auf den Herbst der Natur besser konzentrieren als auf den Herbst der Politik.

Schöne Welt im Schatten

Stellt euch vor, wie herrlich die Landschaft auf der Rückseite des Mondes ist. Schöner als Mar a Lago, schöner als das Matterhorn, noch schöner als Venedig. Solange das alles im Schatten der Rückseite des Mondes liegt, können wir uns kaum eine schönere Landschaft vorstellen. Kaum fällt Licht drauf…plopp! Wüste, Geröll und trockene Krater. Da wählt man doch lieber den Schatten.

Das geht mir durch den Kopf, wenn ich jetzt im Herbst spät abends mit meinem Hund durch die Gassen gehe oder mit ihm am Nachmittag im Wald durch das dicke Eichen- und Buchenlaub stapfe. Dann denkt man, wie gut es ist, dass es noch kalt und feucht ist, dass die Laubbäume bis jetzt noch überlebt haben, und wenn keine Sonne drauf scheint, trocknen sie nicht so schnell aus. Das ist natürlich poetisch, es ist Blödsinn, Wetter und Klima und… jaja wir, wissen, was wir auseinanderhalten müssen. Und wie schlimm die Entwicklung ist, wird uns ja auch von seriösen Medien oft genug gesagt. Deshalb keine Vorlesung über Klimapolitik, auch in der Angst, dass die Regierungen und Wirtschaftsverbände und viele Privatleute genug vom Klimadiskurs haben und sich darin überbieten, jetzt in der Gegenwart sich wohlfühlen zu lassen.

Ich laufe da durch Alleen oder den Wald, hüte mich vor der Sentimentalität des drohenden Abschieds und genieße die Rückseite des Mondes, es ist kalt und eben dunkel. Aber natürlich steckt da schon Abschied drin, keine Mücken, keine Falter, – Sie, es ist ja Herbst! ach ja…. – und nur Krähen und Raben habe ich auseinanderhalten gelernt anhand ihrer Schreie, wenn ich sie schon nicht sehe. Was mich allerdings beschäftigt ist, wie die Erinnerung mich überspringt und in die Zukunft klappt. Wir wissen, dass es niemals so werden wird wie es einmal war. Das stimmt für früher, und für heute erst recht. Aber was mir nur Erinnerung verschafft, ist für meine Enkelinnen so real wie die Erzählung von den Dinosauriern: was es alles nicht mehr geben wird. Was übrig geblieben ist kann man, kann ich nur erzählen, beschreiben, nicht wieder herstellen.

So sieht es heute aus. Und ein anderes Beispiel: wisst ihr noch, wieviele Fenster ein Fliegengitter hatten, damit man Lüften konnte, ohne dass Insekten ins Zimmer flogen. Insekten wurden und werden ausgerottet. Nicht zuletzt durch die verantwortungslose Eigenaktion für Glyphosat des CSU Herrn Christian Schmidt, der später mit diplomatischen Aufgaben belohnt wurde. (https://www.tagesschau.de/inland/glyphosat-zulassung-schmidt-101.html). Er ist da natürlich nicht allein. Und schaut auf die Chemielobby beim Biodiversitätsgipfel…es gibt tausende Fallen. Aber mir geht es auch darum, was wir unseren Enkeln und Urenkeln berichten von einer Umwelt, die wir politisch hätten besser bewahren können… war das nicht immer so, fragen die konservativen Historiker. Ja, teilweise, aber nie so rigoros und unumkehrbar.

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Nie konnte man von Natur „natürlich“ erzählen. Es war immer eine gesellschaftliche Basis nötig, um Natur zu verstehen und mitzuteilen. Ihre romantische Verzerrung in Werbung und Propaganda schafft so wenig neue Natur, wie Naturschutzgebiete die Realität verändern. Wir sind entweder auf der dunklen Seite des Mondes oder es ist so hoffnungslos, wie es ist.

Um das zu ändern, bedarf es der Politik und nicht nur der Poesie. Aber die Politik kann sich doch eine Menge ihrer Metaphern aus der Kunst holen. Und sei es, wie bei meinem Gletscherfoto, den Rückblick zu aktualisieren.

Rückschritt und Fortschritt, aus dem Takt

Manche verbringen zur Zeit ihre Lebenszeit am TV und Radio, um sich zu vergewissern, dass sie noch mithalten können mit der Betrachtung der Weltpolitik, von Washington bis Dresden. Wenn sich die schlammigen Turbulenzen setzen, in kurzer Zeit, wird man auf die Wirklichkeit ohne Emotionen schauen können, und dann überlegen, welche Wirkung die eigene Beurteilung auf die Welt und die eigene, engere Umgebung hat.

Manche überbrücken die Zeit bis dahin mit der Wahrnehmung der restlichen Welt, wie ich gestern schrieb, auch nicht besser, aber vielleicht besser verständlich. Wenn alles sich zurückzieht vom Fortschritt, wenn im Retro getänzelt wird, dann entdeckt man plötzlich, wie lange man diese Strukturen schon hat wachsen lassen und überhaupt gesehen hat.

Manche minus manche ist Null. Wir machen ohnedies immer beides. Deshalb ein Blick um die Ecke, ins Revier.

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Je unverständlicher das Große Ganze erscheint – was ist das denn wirklich? – desto mehr meinen einige, in die überschaubare Welt ihrer Lebensabläufe sich einschließen zu sollen, und aus Position „von unten“ die Welt und ihre Politik anschauen zu sollen und zu können.

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Worüber ich jetzt nachdenke, ist schwierig, für mich und für euch, LeserInnen: die These ist, dass die Unmittelbarkeit der „großen“ politischen Ereignisse die Wahrnehmung und das Handeln in lokalen, „mikrosozialen“ Zusammenhängen erschwert. Das ist im Übrigen Teil des taktischen Kalküls der großen politischen Akteure, ihre Themen als wichtig und lebensnotwendig gegenüber den Alltagserfahrungen der gewöhnlichen Menschen hervorzuheben.

Nun sind die Zusammenhänge zwischen Alltags(er)leben aller einzelnen Menschen und der gesellschaftlichen Struktur politischer Führung aber doch ganz anders vermittelt, sonst gäbe es diesen Abstand nicht. In den sich ausbreitenden Faschismen wird die Verantwortung nach oben, an die Führer, delegiert, dafür bekommt „man“ von oben serviert, was angeblich allen an der Basis nützt. Dass das nicht stimmt, merken die Menschen an der Basis erst, wenn sie keine Rechte mehr haben, etwas an ihren Bedürfnissen bzw. ihrer Befriedigung zu ändern. Fallbeispiel: Ungarn. In der Demokratie ist das alles vie4l schwieriger, aber jedenfalls gilt, dass die Politik ihre Entscheidungen und Handlungen an die Basis, „nach unten“ rückbinden muss, gerade wenn sie gegen vorgebrachte Forderungen handelt. Das sagt sich leicht, ist aber im Alltag und in besonderen Situationen erst recht schwierig.

Nun besteht unser aller Alltag ja nicht aus großer Politik, sondern aus einer Fülle von teils immer wiederkehrenden, teils immer neuen kleinteiligen Handlungen, die oft reflektiert und ebenso oft routiniert getan werden müssen, damit wir diesen Alltag bewältigen und einen Tag nach dem andern gestalten (können). Wenn die große Politik über unser Bewusstsein – sie tut es ja nicht real, wirklich – in unseren Lebensablauf eingreift, vernebelt sie die Klarheit unserer Handlungsabläufe UND – das ist jetzt wichtig – verschiebt unseren Blick dorthin, wo wir auch und genau die große Politik, die wichtigen Ereignisse usw. über unseren Alltag selbst stülpen wollen.

Klar? Das ist eine schwierige Sache, da müssen Psychologie, Soziologie und vieles mehr koordiniert arbeiten, um es verständlich zu machen. Aber zwei Beispiele mögen euch sagen, warum das wichtig mir scheint: Wenn man rund um die Uhr an Trump und den Zerfall der Koalition denkt, mag einen das Bilden und kritisch aufbauen, aber über diesem Denken sollte man den Alltag und seine Verrichtungen nicht beiseite legen, sonst hungert man oder erledigt seine Arbeiten nicht ordentlich. Das zweite Beispiel: eine Naturkatastrophe, die andere, nicht uns selbst trifft, kann auch nicht die Verrichtung des Alltags so überdecken, dass da nichts mehr erfolgreich bearbeitet wird.

Jetzt sagt jemand von euch nebbich, ist doch eh klar. So?

Wäre es so, dann würde dieses dauernde Einhüllen in die Aktualität, ich rede jetzt gar nicht vom „Terror der Aktualität“, nicht uns davon ablenken, dass wir vielleicht darüber nachdenken sollten, was die „großen“ Ereignisse unterwelchen Umständen wann mit unserer Gesellschaft und in weiteren Abstufungen mit uns machen, wenn und wie sie uns erreichen.

Was bedeutet das konkret? Wie grätscht die große Politik in meinen Alltag hinein? Ich kann das leicht auflösen: die Forderung nach Gleichzeitigkeit ist logisch einfach, man muss sie nur einüben und praktizieren. Ich habe viele Beispiele, die ich hier nicht gebe, weil sie trivial klingen, wenn man sie gerade nicht selbst erlebt. Diese Gleichzeitigkeit ist aber gerade das Vehikel der Politisierung von unten, im Alltag, und man muss nicht nach oben schauen, um es politisch zu begreifen.

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Die Beispiele in unserem Alltagsleben können sehr vielfältig zum Politikverständnis beitragen, deshalb werden wir noch lange keine PolitikerInnen, oder? Aber wir erleben täglich, dauernd die Auswirkungen von Politik, die unser Alltagsleben nicht wirklich kennt. Das nutzen die rechten Politiker aus und wollen eine „Gefolgschaft“ von unten begründen, die dann die „richtigen“ Bedürfnisse zu Forderungen macht, die dann von den Führergestalten eingelöst werden. Übrigens nicht nur die rechten Politiker…Was ist falsch? Die Preisfrage.

Nur mit der Gleichzeitigkeit des gesellschaftlichen Denkens kann ich meine Alltagsverrichtungen mit der großen Politik verbinden, muss ich, und dann kann ich gedankliche Brücken schlagen und selbst entscheiden, ob ich und wie ich mich politisch einbringen kann, und wo? Das übe ich im übrigen täglich beim Abendspziergang mit meinem Hund, wenn ich alle möglichen Details sehe, die mit der Weltpolitik aber gar nichts zu tun haben – und doch ist Frage, wo etwas herkommt, schon ein gutes Brückengeländert zum Anhalten.

Stumm und fahl, nicht real

Schon vor der Krönung des Lügners und Gauners arrangieren sich die Realpolitiker, auch Ökonomen, Kriegswirtschaftler mit dem neuen sogenannten Präsidenten der USA. Die Kommentare der letzten Tage lesen sich wie Beschwörungen, des Gegenteils, wie im Märchen, man nennt den Feind und hofft auf das Engelchen. Alles Quatsch. Ich kanns ruhig so sagen, ich habe immer Trump vorausgesagt, und ich habe mich vor der Wahl den Kommentaren ebenso verweigert, wie ich es jetzt tue.

Der globale Faschismus, den ja manche so nicht nennen, aber viele auch nicht wahr haben wollen, hat ein Etappenziel erreich. Wie sich die DREI Supermächte bewegen, liest man am besten bei Orwell in „1984“. Und jeder der drei hat eine tiefgestaffelte Gefolgschaft, die scheinbare Differenzierungen im Faschismus zulässt, um die Gegner der Demokratie zu täuschen. Erneut: die beiden österreichischen Faschismen nach 1933 sind ein Bei9sopiel, wie unterschiedlich die Gegner der Demokratie auftreten können, mal mit der Kirche, mal ohne, mal mit ein paar Kulturfuzzis, mal ohne, DAS ist ohnehin so wenig der Kern des Faschismus wie der soziale Wohnbau, die Autobahn und das Winterhilfswerk oder die Theaterregie.

Also: von mir gibt es so wenig Kommentare zu Trump wie zu Netanjahu, zum BHSW in Brandenburg bis zu Nehammer in Österreich. Manchmal muss ich sie erwähnen, aber nur am Rande.

UND WAS SCHREIBST DU DANN IN DEINEN BLOG? na, die weitere Wirklichkeit.

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Dazu gehört (natürlich auch) die Wahrnehmung, dass die menschliche Zukunft (allgemein) und nicht nur unsere Generation (im Konkreten) durch Abdrängen der Umwelt, der Artenvielfalt, und der Gerechtigkeit, noch schneller verschwindet als ohne die Faschisten. Uns kann es egal sein, für unsere Kinder und Enkel aber nicht, deshalb müssen wir trotzdem Politik machen, selbst resilient bleiben, aber die Gauner dort angreifen, wo sie verwundbar sind. Jeder Siegfried hat sein Lindenblatt.

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Die frühe Dunkelheit gemahnt uns, dass die Regierungen der EU nicht einmal in der Lage sind, Sommer- und Winterzeit zu vereinheitlichen. Als ob es nichts wichtigeres gäbe? Naja, vielleicht führt die dadurch bewirkte Schlaflosigkeit zu mehr müder Neigung zum Faschismus als zur Demokratie. Das ist z.B. eine These, die mancher Schwurbler dankbar aufgreift, wenn ihm sein Repertoire versiegt. Jetzt ist es draußen dunkel, es ist kalt (Erderwärmung, doch bei uns nicht) und man stolpert leicht auf dem Weg zum verbliebenen Wirtshaus, geschlossen wegen Fachkräftemangel, als ob nicht ein echter Mensch servieren und abräumen könnte (Schwurbler, hört hin, besser Bier einschenken als wirklich Kranke versorgen oder Bedürftige mit einem Dach und Wärme versorgen). Aufschauen zu den Tyrannen, keine Abtreibung, kein grünes Durchatmen, aber vor allem keine Bildung, die zu Nachdenken führt, also auch keine Ironie, keine Satire, nur das Pathos der Diktatoren. Gegen die Todesstrafe dieser – sagen wir 32 – Hauptdiktatoren sind wir ja nur deshalb, weil für jeden, den wir enthaupten, neun Köpfe nachwachsen, die lauern schon. Meine Fresse, 9 Putins, 9 Trumps, 9 Xis, und dann in der Nachbarschaft 9 Orbans, 9….Vorsicht, die gehen auch Koalitionen mit Sozialdemokraten, Christdemokraten und anderen, die ihren Namen verkehrt haben: sozialistische Demokraten, christliche Demokraten wären uns natürlich lieber (Schwurbler, da könnte man Sprachwitze machen, wären die nicht auf der Liste von Staatsanwälten…). Wie überhaupt: der Staat verbietet Kultur, indem er sie in erlaubte und verbotene einteilt, und da gehts nicht um Artikel 4 Grundgesetz, sondern um Meinungen, als ob die überhaupt zu regulieren wären. Das ist kompliziert, deshalb politisch erlaubt, weil es ohnedies niemand versteht. Überhaupt: der Ersatz von Bildung und Kritik durch ungezügelte Meinungsfreiheit ist die billigste Methode, Menschen von der Demokratie abzuwerben und den jeweiligen Führern/Führerinnen gefügig zu machen.

Andererseits sind, nach glaubwürdigen Aussagen, faschistische Diktaturen darauf angewiesen, ständig zu wachsen. Je mehr sie also beherrschen, desto schwieriger wird jeder Zuwachs sich gegen die verbleibende Opposition entwickeln können, also mehr Gewalkt brauchen, und damit vielleicht mehr Widerstand entwickeln, allerdings von immer weniger Opposition – darauf setzen nicht nur die großen, auch die kleinen Diktatoren und das macht sie selbst dort gefährlich, wo sie nur an der Regierungstüre kratzen und nicht schon auf dem Thron sitzen.

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Gut, wir wenden uns der Wirklichkeit zu. Ein wenig heißt das, sich vom Terror der Aktualität abzuwenden, siehe die letzten Blogs und den Hinweis auf Jean Améry, es bedeutet auch, sehr aufmerksam die eigene Umgebung auch im Hinblick auf erfüllbare Bedürfnisse und Wünsche anzuschauen, und nicht nur ihre Fallen und Widerstände anzuprangern. Womit kann man leben, wenn man damit leben soll? Eine seltsame Frage, gelle. Mit anderen Worten: es gibt nicht viele direkt nachvollziehbare Schlussfolgerungen politischer Analysen für die eigene Lebenspraxis, sondern die meisten sind vielschichtig indirekt und nicht immer erkennbar „konsekutiv“. Das ist eine Konsequenz der Tatsache, dass sich die Auswirkungen einer Wahl – nicht nur dieser – auf mein Leben ja in vielfacher, verkleideter Form zu nicht vorhergesehenen Zeitpunkten sehr wohl ereignen werden, aber eben nicht in der konkreten Vorausschau (anders als bei großen politischen Ereignissen, Kriegserklärungen, Waffenlieferungen, Umkehr von Feinderklärungen etc. –> das ist schon in „1984“ recht gut auseinandergehalten). Damit sage ich nur, dass es außerhalb der politischen Zeitenwenden Verhaltens- und Denkbereiche, auch Kritikfelder gibt, die nicht aus dem abgeleitet werden, was mich und uns global gerade am meisten beschäftigt. Nicht zu den Ereignissen, aber zur eigenen Reaktion Abstand halten, denke ich, ist oft sinnvoll, bevor man sofort reagiert auf etwas, das man (noch) nicht benennen kann.