Wenn man vieles durchschaut, manches besser weiß als andere, wieder manches gar nicht kritisieren möchte, mit einem Wort – wenn man ein wacher, kritischer Mensch mit entsprechenden Wahrnehmungen ist, wie kann man sich schützen vor der Abschleifungen durch immer das Falsche, das Schlechte, das unangreifbar Unsinnige`? Darauf will ich hinaus: dass man nur kritisieren soll, was man kritisieren kann. Aber kann man den rechten Flügel der Bundesregierung kritisieren? Ich bin ganz seriös, wenn ich sage, dass ich nicht kritisieren will, wen ich verachte, und dass ich niemanden verachte, der eine reale politische Rolle zu spielen vorgibt. Das ist ein logisches Dilemma. Dem ich nicht entkomme. Aber ich schreibe es euch, weil ihr vielleicht aus der Zwickmühle rauskommt. Ich könnte natürlich die verachtenswerten Gestalten aufwerten, dann kann ich in Widersprüchen sie kritisieren und alles wäre ok…hab ich probiert, und es wurde lächerlich, hat mich befleckt und niemanden beruhigt. Also zieh ich mich zurück und widme mich den Frühlingswinden und den frühen Blüten und der Täuschung, man könne die Natur noch retten und sich damit auch. Probiert das einmal, geht spazieren. Dann hört ihr die Vögel, der Tau liegt auf dem Gras, das Reh beäugt euch und der Habicht schaut. Natürlich wehrt sich der Realismus gegen diese Simplizität, aber lasst das einmal zu.
Wenn man abstumpft, weil man ständig bei wiedreholter Wahrnehmung die Kommentare auch wiederholt, dann ist eine Alternative, sich zurückzuziehen. Philosophisch einfach, real und politisch schwierig. Der Wal erregt mehr Aufsehen als die Verhungerten im Sudan, das ist ein richtiges Beispiel. Ich bin nicht allein mit einem Begriff, der um sich greift: Biedermeier. Hat natürlich kulturelle Folgen, gute wie schlechte, soziale ohnedies. Politik gibt es da nicht so direkt, was ich von Merz sage, ein 0,8 Politiker, gilt irgendwie für das System. Die Innenpolitik regiert die Kultur, Außenpolitik gibt es für die Abhängigen ohnedies kaum, und Soziales kommt mit der stagnierenden Wirtschaft ins Rutschen. Nebbich, so ein negatives Szenarion, bleibt einem ja nur die zerstörte Hinwendung zur Kultur. Das ist eine Wiederholung früher Reaktionen der Grünen: ohne Gewalt und Gegen-schläge auf eine zu große Barriere zu reagieren. Ich nenne das produktives Aushöhlen: wenn diese Staatsform gewinnt, kann niemand sagen, über wen und was sie gewonnen haben wird. So drehen sich auch Demokratien in Richtung Diktatur. Und wer aushöhlt, leistet den Widerstand für morgen, nicht für heute. Am Ende des Biedermeier steht die Revolution, man weiß nicht, ob sie erfolgreich ist. Aber was ich weiß: die Wappnung gegen die depressive Unterwerfung ist wichtig. Im Privaten wie im Öffentlichen: wenn man schon sterbenskrank ist, soll man sich dem Leben, dem Lebendigen zuwenden. „Pathetische“ Worte, aber ja, da kann ich ironisch sein. Nur nicht 0,8.
Zurück zum Naturerlebnis. Umwelt als (einzige?) Hoffnung für das Agieren von Politik. Das ist kein Ausweichen. Die 0,8 er, nicht nur bei uns, zerstören schon die Zukunft unserer Enkel, schon in diesem Jahrhundert. Am Beispiel des Waldiskurses kann man das durchexerzieren. Unsere Kinder und Enkel werden noch leben müssen und lernen können, wie man die jetzigen Wohlstandskoordinaten verändert, sie haben nicht viel Wahl. Und da ich sonst nichts prophezeie, wirklich nicht: lest zurück, dann wenigstens dies: es wird größere Völkerwanderungen geben, weg von Hunger und Dürre, auch weg von Diktatur, die durch die 0,8 Politik, auch der EU, nicht aufgehalten werden kann (ich war vor 40 Jahren in Kairo, damals lebten da 5 Millionen, heute sind es 25…). Europa ist nicht Karthago, aber zwischen dem 2. und 3. Krieg wird der kontinentale Abstieg um sich greifen. Man kann dagegen etwas tun. Politik als Herstellung von Freiheit. Der Kreis schließt sich, die Umwelt als Anregung die Welt zu retten.
Das waren auch einmal GRÜNE Diskussionen. Können wieder kommen. Es hat wenig Sinn, sich am verachtenswerten Wirklichen abzuarbeiten, wenn der Widerspruch ins Leere verpufft, so wie eine Rakete ins Weltall. Aber wir dürfen das Ganze ja nicht vergessen, um den richtigen Augenblick, politisch zu agieren, nicht zu verpassen.